Serapis-Isis-Religion

Aus Theoria Romana

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Die Religion um Isis und Serapis (oder auch Sarapis) war ein Synkretismus aus griechischen und ägyptischen Elementen. In hellenistischer Zeit haben die eingewanderten Griechen ihre religiösen Vorstellungen auf ägyptische Götter übertragen. Aus der Verschmelzung des Ägypters Serapis mit dem Griechen Zeus, der Isis mit Demeter und des Harpokrates mit Eros war eine neue Religion entstanden.

Als die ägyptische und griechische Kultur, durch die Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen und die Herrschaft der Ptolemäer, so nah, häufig und andauernd aufeinander trafen erwies sich die griechische Kultur als die prägendere und so strahlte die hellenistische Minderheit massiv auf die ägyptische Bevölkerung aus. Im 2. Jhr. v. Chr. führte man die Kultur und Kulte der Griechen von ägyptischer Seite schließlich auf ägyptische Quellen zurück. Spätestens hier war die Synthese geschehen. Auf der anderen Seite wendeten griechischen Philosophen ihre Deutungen auf ägyptische Mythen, Riten und Kosmologien an.

Das Zentrum der Entstehung dieser neuen Religion war Alexandria. Diese Stadt war Hafenstadt, kulturelles Zentrum der römisch-griechischen Einwanderer und Drehscheibe Ägyptens zur restlichen Welt des Mittelmeers zugleich. So wundert es nicht, dass sie gleichzeitig ein Schmelztiegel für religiöse Vorstellungen war. Die Vorstellungen der Götter hatten dort unpräzise und flüchtig. Man konnte sie mit den verschiedensten Namen anrufen und gemeint war doch die gleiche Gestalt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibungen der Götter

Serapis

So war Serapis identisch mit Zeus, aber auch fast allen anderen griechischen Göttern und dem jüdischen Jahwe. Betont waren dabei besonders der Unterweltgott Pluton, der Meeresgott Poseidon, der Gott der Heilung Asklepios, der Weltherrscher und Gott des Weines Dionysos und der Sonnengott Helios, ebenso wie die ägyptischen Osiris und Apis, aber auch der Heros Herakles. Ein weiterer sehr wichtiger Name waren Aion, Gott der Ewigkeit, der Eine, wohinter sich der unerkennbare und unbenennbare Allgott (der Ägypter) verbarg. Er verbreitete sich nicht so schnell wie Isis, da die Ägypter gegenüber seinem griechischen Aussehen skeptisch waren und andere Völker die politische Verbindung zu den Ptolemäern schreckte, welche aber mit deren Sturz wegfiel.

Isis

Ähnlich verhielt es sich mit Isis. Sie war identisch mit der Liebesgöttin Aphrodite, genauso wie mit der jungfräulichen Artemis, der Herrin der Unterwelt Kore-Persephone, der Getreidespenderin Demeter, der Herrin des Meeres Pelagia, der Glücksgöttin Fortuna, der Göttermutter Kybele und fast allen anderen griechischen Göttinnen und wurde somit zur Allgöttin. Sie war ebenfalls die „heilige immerwährende Retterin des Menschengeschlechts“, Göttin der Gerechtigkeit und Schützerin der Witwen und Waisen, Herrin des Schicksals und des Nils. Isis offenbarte sich in Priesterinnen und galt als Bringerin der Kultur und gütige Mutter. So wurde sie schnell sehr beliebt bei den Griechen. Besonders im Kult der Isis wurden oft tiefe religiöse Gefühle geweckt. So waren Mythen und Bilder von Isis und Harpokrates voller Liebe und Fürsorge der Mutter und Geborgenheit für das Kind. Gleichzeitig spielte bei Isis aber auch Sexualität, ebenso wie ausgelassenes Feiern und Freude, eine Rolle im Kult.

Harpokrates

Harpokrates, Sohn der Isis und des Serapis war identisch mit dem griechischen Apollo und Eros, aber auch dem ägyptischen Horos und wurde so ebenfalls schnell beliebt. Ebenfalls war er Herr des Brotes und der Frucht. Er wurde sehr oft als Terrakottafigur angefertigt und es sind noch heute viele magisch-religiöse Papyri mit Hymnen und Gebete um seinen Kult erhalten.

Ausbreitung und Entwicklung

Da der Kult mit dem Sturz der Ptolemäer die Religion schließlich völlig unpolitisch machte, breitete er sich rasch über das Mittelmeer aus. Da es, anders als in der ägyptischen Zeit, nun jedem frei stand sich der Religion anzuschließen war diese sehr individualistisch Geprägt. Wichtig ist es zu bemerken, dass auch die Idee der Allgottheit mit exportiert wurde, Serapis war mehr als nur eine andere Identität des Zeus-Iuppiter, er war unbegrenzter, er war mehr.

Während in Ägypten die Religion Anhänger in allen Schichten und Gruppen des Volkes hatte, so verbreitete sich die Religion jedoch besonders über zwei Wege in den Rest des Römischen Reiches: den Legionen und dem Handel. Entsprechend entstanden die ersten römischen Gemeinden meist in Hafen oder Garnisonsstädten und verbreiteten sich von dort aus ins Hinterland. Dabei wurde die Religion durchaus romanisiert, wenn sie auch immer ihren exotischen Charakter behielt. Besonders in der älteren Forschung wurde behauptet das fast nur die römische Oberschicht zur neuen Religion fand. Inzwischen wird dies jedoch bezweifelt, besonders Isis hatte wohl in ihrer Rolle als fürsorgende Mutter, Freunden und Lustspenderin und starke Retterin der Menschheit eine starke Anziehungskraft auf römische Frauen aus allen Schichten. Aber auch Serapis wirkte mit seinem mystischen Wesen der Allgottheit und des Schicksalsherren besonders auf jenes Klientel, welches sich normalerweise für diverse Mysterienkulte interessierte, also insbesondere Männerbünde und Legionäre.

In der römischen Kaiserzeit hatte man das Schicksal aus der Sicht ägyptischer Mythologie interpretiert. Dies bedeutete, dass alles was den Menschen passiert und sie empfinden eine Variation dessen ist was einst die Götter in einer mystischen Vorzeit bereits geschehen war und sie erfahren hatten.

Um 120 hatte Plutarch die Religion mittels der Philosophie Platons interpretiert. Diesen Ansatz übernahm 160/170 Apuleius. Allerdings konnten sich diese Ansätze nicht durchsetzen und so blieb die Religion der Gedankenwelt ihres Ursprungslandes und der Stoa verhaftet und die Priesterschaft vertiefte sich immer mehr in Spekulationen, welche sich später als unfruchtbar herausstellen sollten. Wohl deswegen war auch diese Religion dem Christentum auf seinem Siegeszug später unterlegen.

Götterbilder

„O du Gott, der du mir so deutlich sichtbar warst, tritt ein in die Stadt, welche ich dir gegründet habe, und in den von mir errichteten Tempel.“
— M. Totti, Texte 66 – Alexander der Große zu Serapis

Sowohl für die Griechen, als auch für die Ägypter war eine bildliche Darstellung des zu verehrenden Gottes sehr wichtig, die Abstraktion von Gottesbildern war nur in kleinen Kreisen der Elite üblich. Diese Darstellung geschah in der Regel durch Statuen, natürlich war man sich gewiss, dass es sich bei diesen um von Menschenhand gefertigte Kunstwerke handelt. Erst durch eine spezielle Weihung, wurden sie zu einem belebten sakralen Gegenstand. Diese Weihung bestand aus der Rezitation magisch-religiöser Texte in Kombination mit einem ägyptischen Mundöffnungsritual.

Bei manchen Gelegenheiten wurden Bildnisse der Götter aus den Tempeln oder Wohnungen ins Freie gestellt und dort präsentiert. Ein besonderes Ereignis war es, wenn der Gemeinde heiliges Wasser präsentiert wurde. Lieder sind über diese beiden Riten heute nicht viele Informationen erhalten.

Serapeion zu Alexandria

„Das Serapeum ist durch weitere Säulenhallen und atmende Statuen und die Fülle der übrigen Kunstwerke so geschmückt, dass nächst dem Kapitol, mit dem das verehrungswürdige Rom sich ins Ewige erhebt, der ganze Erdkreis nichts Anspruchsvolleres und Großartigeres erblickt.“Ammianus Marcellinus, XXII 16,12

Das Serapeion (oder auch Sarapeion oder Sarapeum oder Serapeum) in Alexandria war das Zentrum des Kultes. Es ist nicht klar ob der Tempel erst durch die Ptolemäer angelegt wurde oder bereits früher existierte. Klar ist jedoch, dass er schrittweise erweitert wurde, selbst unter der Herrschaft der Römer in Ägypten, was für die andauernde Bedeutung des Tempels für die Religion und steigender Bedeutung der Religion selbst spricht. Viele Zeitgenossen nahmen es als Wunder wahr und es war ein beliebtes Pilgerziel. Ebenfalls befand sich im Serapeion die zweitgrößte Bibliothek in Alexandria und ein Gerät zur Messung des Wasserstandes des Nils, es hatte sowohl religiöse, als auch pragmatische Verwendungszwecke. Der Kirchenhistoriker Rufin beschreibt das Serapeion in Alexandrien sehr genau:

„Die Anlage war nicht von Natur, sondern von Hand durch Bauten hundert oder mehr Schritte in die Höhe getürmt und von jeder Seite durch riesige, quadratische Höfe in die Länge gezogen. Der ganze Unterbau, durch den man die Höhe des gepflasterten Fußbodens erreichte, war aus gewölbten Bogen konstruiert; dort waren heilige Räume voneinander abgetrennt und dienten zu verschiedenen Zeremonien und geheimen Kultakten. Auf dem oberen Niveau erstreckten sich über den ganzen Raum in seinem vollen Umfang hin offene Hallen und Räume für die Pastophoren und hochaufragende Häuser, in welchen sich die Tempelpriester oder die Initianden aufhielten, welche sie ‚Sich-Erhaltende‘ nannten, das heißt, ‚die rein und keusch leben‘. Dann kamen weitere innen ringsum laufende Säulenhallen mit jeweils vier Säulenreihen. In der Mitte des ganzen Bezirks war der Tempel, erbaut mit kostbaren Säulen und in der ganzen Breite großzügig mit Marmorsteinen verkleidet. Innen befand sich das Götterbild des Serapis; er war so massig, dass er mit der Rechten die eine, mit der Linken die andere Wand berührte. Man erzählte, dass dieses monströse Gebilde aus allen Sorten von Metallen und Hölzern zusammengesetzt sei. Die inneren Wände des Tempels waren zunächst mit Goldplatten bekleidet; über ihnen waren Silberplatten, und zuletzt Bronzeplatten, welche die wertvolleren Metalle Schützten.“ — Rufin, Hist. Eccles. XI 23

Theatralische Zeremonien um Helios-Serapis

Die Berühmteste Zeremonie der Religion war sicherlich die die anschauliche Darstellung wie der Sonnengott Helios in die Serapis-Statue Einzug hält. Rufin berichtet über das Ereignis im Serapeion zu Alexandria:

„Es waren dort künstlich und mit List einige Vorrichtungen getroffen, die zum Staunen der Anwesenden führten: Ein kleines Fenster war nach Osten zu so angebracht, dass an dem Tag, an welchem nach dem Brauch die Statue des Sonnengottes zur Begrüßung des Serapis hineingebracht wurde, ein Sonnenstrahl durch eben dieses Fenster fallend (wenn man den Zeitpunkt richtig wählte) Mund und Lippen des Serapis beleuchtete, so dass es aussah, als ob Serapis vom Sonnengott geküsst wurde, wobei das Volk zusah“ — Rufin, Hist. Eccles. XI 23

Eine weitere beeindruckende Zeremonie hatte ebenfalls mit dem Sonnengott Helios zu tun. Man trug eine kleine Statue aus Eisen in den Tempel und platzierte sie unter einen genau berechneten Magneten. Die Statue erhob sich in die Luft und die Priester riefen:

„Helios hat sich erhoben, um sich von Serapis zu verabschieden und wieder nachhause zu gehen.“ — Rufin, Hist. Eccles. XI 23

Die morgendliche Öffnung des Tempels

Die morgendliche Öffnung des Tempels war mit einem feierlichen Ritus verbunden. Apuleius beschreibt (Met. XI 20,3-5) das ein Priester das heilige Wasser (Osiris) aus dem Tempel holt, was an den Wasser-Such-und-Find-Kult der Isis erinnert, wobei das Wasser hierbei aus kultischer Sicht immer als Nilwasser galt. Prophyrios beschreibt jedoch eine komplexere Zeremonie bei der auch Feuer eine Rolle spielt:

„Sie verehren Feuer und Wasser am meisten unter den Elementen, da diese am meisten Ursache für unsere Rettung sind, und zeigen sie in den Heiligtümern, so wie ja auch jetzt noch der Kult bei der Öffnung des Tempels des heiligen Serapis ausgeführt wird: Der Sängerpriester gießt das Wasser aus und lässt das Feuer sehen, wenn er an der Tempelschwelle stehend den Gott in ägyptischer Sprache erweckt.“ — Prophyrios, De abstinentia IV 9

Der tägliche Dienst im Tempel

Vermutlich wurden den Göttern jede Tagesstunde eine andere Hymne und ein Opfer dargebracht, zwölf Stunden am Tag galten dabei als Tagesstunden. Vermutlich gab es auch spezielle Hymnen für die zwölf Nachtstunden.

Weitere Serapeien

Weitere große Serapeien wurden in Memphis, Pergamon und Pompei gefunden. Wahrscheinlich gab es Tempel im gesamten Mittelmeerraum.

Kalender und Feste

Kalender

Die Religion kannte einen eigenen Kalender, welcher nicht am Sonnenjahr fixiert war und große regionale Unterschiede aufwies. Es handelt sich hierbei um eine äußerst komplexe Materie, daher kann es hier nur einen kurzen Abriss geben. Man kannte drei Jahreszeiten, welche mit den Tätigkeitsfeldern der ägyptischen Bauern einhergingen, diese Waren Überschwemmungszeit, Aussaat (Winter) und Ernte (Sommer). Die Überschwemmungszeit dauerte von Mitte Juli bis Mitte November. In dieser Zeit war das Land vom Nil überflutet, in dieser Zeit ruht die Arbeit im Ackerbau und man ist frei zu feiern. Die Aussaht dauerte von Mitte November bis Mitte März. Hier säen und bearbeiten die Bauern die Felder, sind also in ihre Arbeit voll eingespannt. Die Ernte schließlich dauert von Mitte März bis Mitte Juli. In dieser Zeit schneiden und dreschen die Bauern das Getreide, was ebenfalls der arbeitsintensiv ist. Insgesamt hängt der Kalender mit dem Tod und der Auferstehung des Osiris zusammen. In der Überschwemmung ertrinkt Osiris im Nil, in der Aussaat wird er im Samen begraben und bei der Ernte wird er schließt sich der Kreislauf. Hier wird Osiris getötet (abscheiden der Ernte) und zerstückelt (dreschen der Ernte, gleichzeitig aber auch wieder zusammengefügt (Ernte wird zu Brot backen) und wiederbelebt (Samen werden für die nächste Aussaht aufbewahrte).

Lange wussten die Ägypter bereits, dass ein Sonnenjahr 365 hatte und auch der Kalender der Religion hielt sich daran. Das Jahr hatte 12 Monate, wobei jede Jahreszeit 4 Monate hatte, und jedes Jahr fünf Schalttage, alle vier Jahre verlor das Jahr einen Tag. Da diese Schaltmechanismus nicht ausreichte verschob sich der Kalender schließlich und passte irgendwann nicht mehr zur Astronomie und den natürlichen Gegebenheiten. Unter Augustus konnte sich jedoch eine schon lang berechnete Reform des Kalenders durchsetzen. Der Neujahrstag, also der 1. Toth, wurde auf den 19. Juli fixiert. Der fehlende Schaltmechanismus wurde eingefügt indem man alle vier Jahre einen sechsten Schalttag einfügte. Jedoch führte dies dazu, dass mit der Zeit konkurrierende Kalender entstanden. So kam es dazu, dass viele Feste mehrfach begangen wurden.

Im Prinzip wurden immer die letzten Tage einer Jahreszeit und der 1. Tag der nächsten Jahreszeit gefeiert. Also immer den 1. Toth, den 1. Tybi und den 1. Pachon und die Tage davor. Auch hier wurde Tod und Wiedergeburt des Osiris gefeiert.

Überschwemmungszeit Aussaat (Winter) Ernte (Sommer) Schalttage
Thoth Tybi Pachon fünf Tage
Phaophi Mechir Payni
Hathyr Phamenoth Epiph
Choiach Payni Mesore


Geburt des Aion-Serapis

Dieses Fest wurde in der Nacht vom 10. zum 11. Tybi, also dem 5. zum 6. Januar, im Tempel der Kore-Isis, begangen. Es wurde die Geburt des Allgottes Aion durch die Jungfrau Kore-Persephone gefeiert. Dabei wurde die gesamte Nacht mit Liedern, welche von der Flöte begleitet wurden, durchgefeiert. Zu den Morgenstunden trug man schließlich ein Götterbild des Harpokratesknaben auf einem Lotus siebenmal um den Tempel und musizierte dabei weiter. Danach trug man ihn in das Heiligtum zurück. Das Fest hatte, wie auch alle anderen, einen fröhlichen und segnenden Charakter.

Die „Kikellia“

Dieses Fest wurde am 29. Choiach begangen, also am 24./25. Dezember, zu ehren der Isis begangen, damit lag es in der Festperiode, welche dem 1. Tybi vorranging. Ebenfalls ist am 24. Dezember die Wintersonnenwende, welche natürlich bei der intensiven Bedeutung der Sonne in dieser Religion eine große Bedeutung hatte. Ursprünglich handelte es sich also um ein Isisfest, später wurde jedoch zum Geburtstag des Helios immer populärer. Dieser Wandel ging wohl darauf zurück, dass ein Kalender griechischer Astronomen in Alexandria immer bekannter wurde. Dieser wurde auf großen Sonnenuhren berechnet und dargestellt. Diese teilten, entgegen des ägyptischen Bauernjahres, das Jahr in vier Jahreszeiten, zu je drei Monaten, welche nicht mit dem ägyptischen Monaten überein stimmten. Auch wenn der Kalender, wie auch alle anderen, nie völlig durchsetze, so sahen die Alexandriner jedoch auf den Sonnenuhren eindeutig das der 24. Dezember der kürzeste Tag war und das danach die Tage wieder länger wurden. Über das ursprüngliche Isisfest ist heute wenig bekannt. Über den Geburtstag des Helios ist bekannt das eine Statue des Sonnengottes in einer frohen Prozession um dessen Tempel gefahren wurde.

Prozessionen zum rituellen Suchen und Finden

„In den Zeremonien gilt das Nachgeahmte ebenso viel wie das Wirkliche.“ — Servius zu Aeneis, II, 116

Die Prozessionen zu ehren der Isis, wenn sie uns heute auch seltsam erscheinen, haben ihre Zeitgenossen wohl ziemlich beeindruckt. Zwar gab es verschiedene Formen, der eigentliche Inhalt blieb jedoch immer der gleiche. Isis suchte den toten Osiris und fand ihm in Wasser, womit dieser gerettet wurde. Ovid berichtet das die Anhänger des Kultes „konnten gar nicht genug daran tun, Osiris zu suchen“ (Ovid, Met. IX 693). Plutarch berichtet über eine Zeremonie im Herbst (13. - 16. November), welche vier(?) Tage lang symbolisch die Suche und Trauer der Isis ausdrückt, aber mit erhebendem Geschrei beim Fund des Osiris endet (Plutarch, De Iside 39). Diese Zeremonie fand in Alexandria statt, als Symbol für den Fund des Osiris galt das Wunder das man aus dem Mittelmeer trinkbares Süßwasser schöpfen konnte, was aber wohl aber eigentlich noch Wasser des Nils war. Anschließend rief man rituell freudig: „Wir haben gefunden, wir sind alle zusammen froh!“; „Heurekamen — Synchairomen!“ (Seneca, Apocolocynthosis 13). Anderorts nutze man andere Flüsse und im Inland pilgerte man zu anderen Serapien mit besonderen Götterbildern. Wie bereits erwähnt beeindruckte diese Zeremonie die Mitmenschen sehr so schildert Clemens von Alexandria: „Die Ägypter befolgen ihre eigenen Philosophie, dies zeigt sich besonders an ihrem würdigen, heiligen Gottesdienst.“ (Clemens von Alexandria, Strom. 4,1-37). Ebenso berichtet er genauer über die Prozession, welche ein Großereignis war:

„Als erster schreitet der ‚Sänger‘ einher … Nach dem ‚Sänger‘ kommt der ‚Beobachter der Stunden‘, er hält in der Hand eine Uhr und einen Palmenzweig als Symbole der Sternenkunde … Dann tritt der ‚heilige Schreiber‘ hervor; er trägt die Feder auf dem Kopf und in den Händen ein Buch und ein Korb, in welchem ein Tintenfass und ein Schilfgriffel ist … Dann folgt den Genannten der ‚Kleiderwärter‘; er trägt die Elle der Gerechtigkeit und die Schale zur Weinspende … Zuletzt tritt der ‚Sprecher der Gotteswortes‘ hervor und hält allen Sichtbar den Wasserkrug in seinem Schoß [mit dem das Süßwasser aus dem Meer geschöpft wird]; ihm folgen die Männer, welche das Brot zur Verteilung [an Bedürftige] tragen.“ — Clemens von Alexandria, Strom. 4,1-37

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Diese Prozessionen waren recht bald im gesamten Mittelmeerraum verbreitet und sind selbst im 5. Jahrhundert sind sie noch in Italien belegt (Namatianus, I 373-376).

Prozessionen zum Navigium Isidis

Appuleius schildert(Met. XI 8-17) ein Frühlingsfest, bei dem die Anhänger der Isis die Eröffnung der Periode der Schifffahrt mittels einer Prozession begehen. Es trägt den lateinischen Namen Navigium Isidis, was übersetzt „Ausfahrt der Isis“ bedeutet. Appuleius schildert es falle auf auf den ersten Vollmondtag des Monats in dem die Sonne im Zeichen des Widders stehe, so variiert der Festtag nach einem lunisolarem System. Später wurde der Festtag im römischen Kalender auf den 5. März festgelegt. Wer an diesem Tag das Schiff schmücken, ausstatten und kommandieren durfte, dem wurde eine große Ehre und spezielles Gedenken zu Teil. Die Bezeichnung für diese Person war „Herr des Schiffes“, dieser konnte aber auch eine Frau sein, entsprechend variierte dann die Bezeichnung.

Freudenfeste

Der Kult kannte zwei freudige Feste: Hilaria („Fröhliche Zeremonie“) und Charmosyna („Freudenfest). Bei beiden Festen war der Grund der Freude das Finden des Osiris durch Isis. Teil dieser Feste waren Auferstehungsrituale und wilde Tänze.

Es sind auch Lampenfeste zur Geburt des Harpokrates oder zum Gedenken an die nächtliche Umfahrt des Osiris bekannt, man weiß jedoch nichts mehr über den genauen Ablauf oder wann diese stattfanden.

Einweihungsriten

Der Kult kannte Einweihungsriten, stand damit also nah bei den Mysterienkulten, bei denen Teile des Göttermythos nachgespielt worden sind. Dies war sehr kostspielig, war aber aufgrund des Reichtums Alexandrias möglich. Noch heute sind zwei solcher Riten vollständig erhalten („Pariser Unsterblichkeitsliturgie“ und „Leidener Kosmogonie“). In anderen Städten, wird es ähnliche, wenn wohl nicht gleiche, Zeremonien gegeben haben.

Einweihungszeremonien

Die Einweihungszeremonien des Kultes wurden „Mysterion“ bezeichnet. Diese Bezeichnung darf man nicht mit dem heutigen Begriff Mysterium verbinden, denn das „Mysterion“ hatte nichts Geheimnisvolles und man erlangte nicht durch jedes höhere Stufte in der Religion. Der Begriff bezeichnete vielmehr die Zeremonie selbst, aber auch die Mittel welche dazu verwendet werden, wie die Räume, Gebete, Salben und so weiter. Auch ist man nicht durch jedes „Mysterion“ ein „Myste“ geworden, dazu waren spezielle „Mysterien“ vorbehalten.

Kleidung

Allen Verehrer, Eingeweihten oder Priester waren Wollkleider untersagt, vielmehr trugen sie Kleidung aus Leinen, im Falle großen Reichtums war auch Seide möglich. Plutarch (57,77) und Apuleius (Met. XI 24,2) berichtet das der Leinen in helle, bunte Farben hatte. Toten wurde jedoch weißes Leinen angelegt. Auf dem Gewandt der Priester waren Götter mir verschiedenen Tieren abgebildet.

Frisur

Priester rasierten sich ihren Schädel kahl. Knaben, welche Mitglied werden wollten ließen sich eine über das rechte Ohr wachsen. Sonst sind hier keine kultischen Vorschriften bekannt. Allgemein kann man aber davon ausgehen, dass es üblich war das Frauen langes Haar trugen und auch weibliche Tempeldienerinnen ihr langes Haar behielten.

Die „Sich-rein-Haltenden“

Vor der Einweihung in die Gruppe der „Sich-rein-Haltenden“ gab es eine Vorbereitungszeit, welche die Initianden in speziellen Wohnungen im Serapistempel zu Alexandria verbrachtne. Man nannte sie die „Sich-Enthaltenden“. Den Träumen, auch Wachträumen, dieser Personen wurde eine besondere Bedeutung zugemessen. Allgemein galt, dass es sich bei diesen Träumen meist um Vorahnungen bedrohlicher Situationen handelte, wobei Serapis und Isis schließlich als unverhoffte Retter auftraten. Artemidor berichtet:

„Träume von Serapis, Isis, Anubis und Harpokrates, von ihnen selbst oder ihren Standbildern oder ihren Mysterien deuten voraus auf Verwirrungen, Gefahren, drohende Situationen und Umschwünge, auf welchen sie [Serapis und Isis] dann gegen alle Erwartungen retten; denn man ist allgemein überzeugt, dass diese Götter die Retter der in äußerste Not gerate Menschen sind und dass sie diejenigen, welche in solchen Umständen sind, unversehens retten.“ — Artemidor II 39

Ein weiterer Teil der Initiation waren rituelle Tauchbäder.

Prüfungsaufgaben

Wie bei allen Mysterienkulten hatten die Anwärter vor der Aufnahme auch hier Prüfungen und Aufgaben zu bestehen. Diese schlagen sich in diversen schriftlichen Zeugnissen nieder. Eine recht interessante Textstelle hierzu ist:

„Du bist ein üppig lebender junger Mann und hast doch die Hacke in die Hand genommen; du hast gegraben,; du warst bereits, Mühe auf dich zu nehmen. Bei solcher Gelegenheit zeigt sich am besten, ob einer ein rechter Mann ist, wenn ein Reicher es fertig bringt, sich einem Armen gleich zu stellen; denn so einer wird auch die Umschwünge des Glücks mit Fassung ertragen. Du hast einen ausreichenden Beweis für deinen Charakter gegeben.“Menanders Syskolos 765-770

Wenn eine Aufgabe dem Initianden Probleme bereitete oder er zweifelte trat ihm ein bereits Initiierter zur Seite und sprach „Sei getrost!“, „Sei guten Muts!“ oder „Habe keine Furcht!“. Es gibt eine Beschreibung einer solchen Zeremonie. Leider ist nicht überliefert zu welcher konkreten Gottheit diese gehört:

„In einer Nacht wird eine Figur rücklings liegend auf ein Bett gelegt und im Wechselgesang beklagt. Wenn sie sich dann an den gespielten Totenklagen ersättigt haben, wird ein Licht hereingebracht. Dann selbst der Priester das Mundinnere all derer, die geweint hatten, und nach der Salbung summt er in leisem Murmeln: ‚Seid getrost, ihr Mysten, der Gott ist gerettet; auch für uns wird es nach den Mühen Rettung geben.‘“Firmicus Maternus, De errore profanarum religionum 22

Vermutlich handelt es sich um eine nachgespielte Totenklagen der Isis für Osiris.

Übergang in die Gruppe der Erwachsenen

Der Übergangsritus ins Erwachsenenalter wurde durch ein Festessen gefeiert, zu welchem nach damaliger Vorstellung Serapis selbst einlud. Der Text von solchen Einladungen ist bis heute erhalten und lautet:

„Der Gott ruft dich zum ‚Liegebett‘ [Kline], welches morgens von der neunten Stunde an im Theoeris-Tempel stattfinden wird.“ — M. Totti, Texte 48

Auf der Feier selbst stellte man sich vor das Serapis persönlich anwesend sei und mit ihnen gemeinsam speiste, natürlich war er dabei natürlich der absolute Herr des Hauses, dessen Regeln unbedingt zu befolgten waren. Man geht davon aus das seine Anwesenheit dabei symbolisch durch eine Statue auf einer der Klinen dargestellt wurde. Es ist überliefert:

„Mit diesem Gott allein kommunizieren die Menschen in besonderer Weise die richtige Kommunion in den Opfermahlzeiten, indem sie ihm zum Herd einladen und ihn sich als Speisegenossen und Gastgeber zum Vorgesetzten machen, so dass er … der gemeinsame Vollführer aller gemeinsamen Mahlzeiten ist und für alle, die sich um ihn versammeln, die Rolle des Vorsitzenden beim Trinkgelage hat … Er ist gleichzeitig derjenige, der die Opferspenden darbringt und empfängt; der als Gast zum rauschenden Fest kommt und die Festgenossen zu sich einlädt.“ — Ora. 45,27

Der „Schweiger“

Die Vorbereitung der Kline wurde einem Novizen übertragen, welcher „Schweiger“ genannt wurde. Dieser hatte mehrere Monate das Fest vorzubereiten, wobei ihm seine Eltern, vor allem finanziell, unterstützen sollten. Das Schweigen galt hierbei als Tugendhaftes verhalten, stelle gar ein Idealbild dar. War der geplante Abend schließlich erfolgreich vollzogen, so war auch die Initiation fast vollzogen.

Der Eid der Mysten

Schließlich musste ein „Schweiger“ als letzten Akt den Eid eines Mysten schwören. Der Eid eines Mysten für Isis und Serapis waren identisch. Stilistisch spielt er mit Gegensatzpaaren, wie dies bereits vorher in Mysterienkulten Ägyptens und des Hellenismus üblich war. Hier hängt es wohl besonders mit der ägyptischen Vorstellung des Sonnengottes zusammen, welcher bei jedem Sonnenaufgang die Welt neu erschafft. Der Eid lautet wie folgt:

„Ich schwöre bei Ihm, der Himmel und Erde voneinander getrennt hat und Finsternis von Licht und Tag von Nacht und Aufgang von Untergang und Leben von Tod und Werden von Vergehen und Schwarz von Weiß und Trocken von Feucht und Wasser Von Land und Bitter von Süß und Fleisch von Seele, ich schwöre auch bei den Göttern, die ich kniefällig verehre: die heiligen Geheimnisse (Mysterien), welche mit mitgeteilt werden, zu bewahren und geheim zu halten … Wenn ich meinen Eid einhalte, möge es mir gut ergehen, und das Gegenteil, wenn ich den Eid breche, wenn ich etwas von alledem ausplaudere.“ — M. Totti, Texte 8

Der „Signa“

Religiös gesehen war damit ein neuer Mensch entstanden. Ab nun war der Anwärter Myste geworden und erhielt zu seinem bürgerlichen Namen auch einen religiösen Namen (lat. „signa“). Dieser endete meist mit -ius oder -ios. Dabei bezieht sich der Name auf das innere Wesen der Person und hat keinerlei Verbindung zum Geschlecht oder anderen weltlichen Eigenschaften der Person.

Der „Pater“

Der Priester, welcher den „Schweiger“ schließlich zum Mysten weihte, wurde dessen geistiger Vater (lat. „Pater“).

Die „Memoracula“

Mit der Initiation erhielten die Mysten sakrale Gegenstände, welche sie sorgfältig aufbewahren mussten, da diese für zukünftige religiöse Handlungen benötigt wurden. Diese waren das „Memoracula“ (Erinnerungszeichen) selbst, das „Crepundia“ (Spielzeugklapper) und das „Signa“ (Zeichen).

Initiation als Wiedergeburt und Heimkehr der Seele

Wie schon beschrieben wurde die Initiation als geistige Wiedergeburt oder Heimkehr beschrieben. So beschreibt Plutarch:

„So sagen wir auch, die Seele ‚vergehe‘ (ol-), wenn sie – drüben angekommen – sich in das All (ol-) verwandelt und in den Kosmos eingeht; hier aber ist ihr dies nicht bewusst, außer, wenn sie bereits im Sterben (tel-) ist; dann aber erleidet sie etwas Ähnliches wie diejenigen, welche in der großen Weihe eingeweiht werden. Denn wie das Wort für Sterben (tel-eutan) und für Geweiht-werden (tel-eisthai) ähnlich ist, so auch das Ereignis dem Ereignis: Zuerst kommen Irrwege und mühsames Herumgehen und bedenkliches Gehen durch das Dunkel, welches zu keinem Ziel führt; dann vor dem Ende (= der Weihe, tel-) alle Schrecken, Zittern, Angst, Schweiß und Staunen. Danach aber tritt ihr ein wunderbares Licht entgegen; reine Orte und Wiesen nehmen sie auf, wo es Stimmen und Tänze und erhabene, heilige Offenbarungen2 und heilige Erscheinungen gibt. In diesen ergeht sich der jetzt Voll-Geweihte und Initiierte als Freier und ist befreit, in glücklicher Fest-Stimmung; er ist zusammen mit frommen und reinen Männern und sieht, wie hier (auf der Erde) die ungeweihte, unreine Menge der Lebenden in Schlamm und Nebel unter seinen Füßen liegt und niedergedrückt wird, aber aus Furcht vor dem Tod und ohne Vertrauen auf das Glück im Jenseits in ihrem schlimmen Zustand bleibt.“ — Stobaios, Eclog. IV 52,49

Oder an anderer Stelle:

„Es ist, als ob (die Seelen) aus der Verbannung in die Heimat zurückkehren sollten; sie empfinden eine Freude, wie sie die Initianden haben, eine Freude, die mit Schrecken und Furcht vermischt ist und süße Hoffnung bringt.“ — Plutarch, De facie in orbe Lunae 28

Frauen

Frauen wurden in der Regel in den Kreis der Erwachsenen durch die Hochzeit aufgenommen. Ob es eine religiöse Feier dafür, über die Hochzeitsfeier selbst gab ist nicht bekannt, aber es ist wahrscheinlich. Mehrere historische Berichte legen nahe, dass Frauen in den Tempel der Serapis berufen werden konnten, im Isiskult hatten sie sogar eine kaum zu unterschätzende Bedeutung als Offenbarerinnen der Göttin selbst.

Hochzeit

Die Hochzeit unter Anhängern wurde durch einen Priester vollzogen und galt als religiöse Weihe. Isis wurde als die Göttin der Ehe und Liebe angesehen. Folgender Auszug aus einer Selbstoffenbarung der Isis zeigt das Liebe und Kinder als Grundbestandteil der Ehe galten:

„Ich habe Mann und Weib zusammengeführt.
Ich habe es so geordnet, dass die Frau nach zehn Monaten das Kind ans Licht bringt.
Ich habe die Männer gezwungen ihre Frauen zu lieben.
Ich habe Eheverträge erfunden.“ — Merkelbach § 315

Priester

Der Eid, welchen die Priester leisten sollten ist bis heute erhalten, er lautete:

„Ich werde nichts essen, was den Priestern verboten ist.
Ich werde nicht schneiden und auch keinem anderen das auftragen , was mir verboten ist.
Ich habe nie einem Tier den Kopf abgeschnitten.
Ich habe keinen Menschen getötet.
Ich habe [keinen Umgang mit unreinen] Menschen gehabt.
Ich habe mit keinem Knaben geschlafen.
Ich habe nicht mit der Frau eines anderen geschlafen.
Ich werde weder essen noch trinken, was nicht erlaubt ist, und auch nicht, was in den Büchern [als verboten] verzeichnet ist.
Ich werde an meinen Fingern nichts haften lassen. [Ich werde nichts stehlen und mich nicht bestechen lassen.]
Ich werde kein Getreidemaß auf der Tenne benutzen. [Ich werde keine Steuern eintreiben und keine richtenden Funktionen einnehmen.]
Ich werde keine Waage in die Hand nehmen.
Ich werde kein Land vermessen.
Ich werde keinen unreinen Ort betreten.
Ich werde kein Schafshaar berühren. [Ich werde keine Kleidung aus Wolle tragen, sondern aus Leinen.]
Ich werde kein Messer in die Hand nehmen, bis zum Tag meines Todes.“ — Pap. Washington Univ. 71 I 12

Weihe nach Leidener Weltschöpfung

Die „Leidener Weltschöpfung“ beschreibt ausführlich die Riten, welche vollzogen wurden um Priester des Serapis-Aion zu werden. Die Zeremonie begann im Februar/März und dauerte 40 Tage. Ihren Höhepunkt erreichte die Zeremonie in der vorletzten und letzen Nacht der 40 Tage. Insgesamt waren die 38 vorherigen Tage als Vorbereitung auf diese beiden Nächte zu sehen, dabei waren sie jedoch selbst voller Riten. Der Kandidat der Initiation hatte sich des Fleisches, des Alkohols und der Sexualität zu enthalten. Er sollte sieben Sorten Weihrauch vorbereiten, Serapis sollte in neun Gestalten gezeichnet werden und all dies wurde von Gebeten begleitet. In der Vornacht wurde der Initiant von einem Tempeldiener, welcher als Bote von Serapis gesehen wurde, gerufen. In der gesamten Zeremonie spielte der Initiant den Sonnengott, welcher in der Nacht aufgeht und somit den Tag einleitet. Die Zeremonie selbst bestand daraus, dass der Initiand den Schöpfungsmythos der Religion rezitierte. Dieser stand der ägyptischen Vorstellung sehr nahe und ging davon aus, dass die Welt nicht einmal definitiv geschaffen wurde, sondern jedem Morgen mit dem Aufgang der Sonne, wo das Leben entsteht und das Licht siegt. Nachdem dies getan war, sollte er die Geschichte selbst nachspielen. Wenn der Sonnengott die Sonne aufgehen ließ, überquerte die Sonnenbarke den Himmel, deren göttliche Mannschaft den Sonnengott mit folgenden Worten begrüßte:

„Wehe mein Feind, [in Vogelsprache]
ich gehe dir voraus, Herr, [in Altägyptisch, Ägyptisch und Hebräisch]
Abrasax [in Paviansprache]
Tip tip tip [in Falkensprache]“

Danach kam die Urgans geflogen und rief: „Tak tak tak [in Vogelsprache]“ Woraufhin der Sonnengott, der Weltschöpfer, siebenmal lachte: „Ha ha ha ha ha ha ha“ und dann „P“ und „Sch“ ruft, womit er Pschai, den Zuteiler des Schicksals erschuf. Abschließend rief er „Iao“ und schafft damit den gleichnamigen Gott, welcher mit Seth oder JHWH gleichgesetzt wurde.

Danach war das Schauspiel beendet und der Initiand übergab dem Boten eine Tabelle, in der die Konstellation seiner Geburt eingetragen war, und er bat den Boten um eine Audienz bei Serapis, welcher ihm sein Schicksal enthüllen möge und es durch seine neue Geburt (eben durch die Initiation) zu bessern. Begleitet war dies alles von einem Gebet, ein Ausschnitt daraus:

„Möge deine gute Gestalt erscheinen. Ich rufe dich an Weltherrscher Serapis! Blicke auf meine Geburtskonstellation und wende dich nicht ab von mir … Schütze mich vor jedem Sternenzwang …, löse auf meinem schlimmes Fatum [Schicksal], teile mir Gutes zu innerhalb meiner Geburtskonstellation, Herr des Fatums, Paschi [Zuteiler] Serapis.“ — Merkelbach § 339

Damit war die Zeremonie der Vornacht zu Ende. In der Hauptzeremonie in der letzten Nacht wurde zuerst das Schauspiel der Vornacht wiederholt. Danach erscheint Serapis, vertreten durch einen Hohepriester. Vor ihm hatte sich der Initiant demütig nieder zu werfen. Dieser Hohepriester verliest eine Vorschrift, welche Orakel, Weihe und Befehl des Gottes gleichzeitig ist:

„Du sollst auf einer Binsenmatte liegen, die unter dir auf der Erde ausgebreitet ist. Wenn der Gott hernieder kommt, blicke ihm nicht ins Gesicht, sondern nur auf die Füße, und danke ihm, dass er dich nicht verachtet, sonder der Worte gewürdigt hat, die zur Geraderichtung deines Lebens gesagt werden sollen. Du sollst fragen: ‚Herr, welches Geschick ist mir bestimmt?‘ Dann wird er dir Auskunft geben über deinen Stern und welcher dein Dämon ist. Wen du aber etwas Schlimmes hörst, so jammere und weine nicht, sondern bitte ihn, dass er selbst es auswische oder auf einen anderen Weg lenke; denn dieser Gott vermag alles.“ — Merkelbach § 340

Damit ist die Weihe vollzogen. Es existiert auch eine zweite erhaltene Methode der Weihung, welche unter dem Namen Pariser Unsterblichkeitsliturgie bekannt ist. Charakteristisch ist sie näher an der hellenisch-philosophischen Vorstellung.


Gebete

Leider sind die Gebete der Religion aus verschieden Gründen kaum erforscht, zusätzlich handelt es sich um eine heute schwer verständliche Materie. Der große Teil der Gebete basiert noch nicht auf platonischem Denken, was uns in heutigen religiösen Vorstellungen so vertaut ist, auf der anderen Seite, kennen sie bereits einen Allgott. Diese Tatsache und die Beschreibung, auf uns heute teilweise abstrus wirkender Rituale, machen sie sehr schwer zugänglich. Gerade in den Gebeten gibt es keine klare Grenze, zwischen Religion und Magie, welche aber heute von der Wissenschaft und den Religionen sehr streng gezogen wird. Gebete waren jedoch in dieser Religion sehr wichtig, daher ist die mangelnde Beschäftigung mit ihnen ein verzerrender Verlust.

Um hier einen Mittelweg zwischen der mangelnder Erforschung, ihrer Komplexität und ihrer Wichtigkeit zu finden seien hier zwei Gebete dargestellt. Es handelt sich bei beiden um lobende Gebete an den Allgott. Dies soll nicht den Eindruck erwecken alle Gebete sein so. Es ebenfalls eine große Mange an Gebeten zu den Einweihungen, für die Weihe von Gegenständen, um Gunst zu erlangen oder sein Schicksal zu bessern.

Hymnus auf auf den EINEN Gott

„Wer hat die Gestalten der Sterne geschaffen? Wer hat ihren Weg erfunden? Wer war der Erzeuger der Früchte? Wer hat die Berge in die Höhe gehoben? Wer hat den Winden befohlen, ihr Werk nach den Jahreszeiten zu vollführen? Wer ist der Gott der Ewigkeit, der die Ewigkeit hervorbringt und in Ewigkeiten herrscht? Du, der EINE unsterbliche Gott. Du bist der Erzeuger von allem; du teilst allen ihre Seelen zu und du lenkst alles, König der Ewigkeiten und Herr; du, vor dem die Berge und die Ebenen erzittern, die Wasser der Quellen und der Flüsse, die Waldschluchten auf der Erde und die Winde, alles, was entstanden ist; der hoch droben leuchtende Himmel und alle Meere fürchten dich, allmächtiger Herrscher, heiliger Gott, Herr über alles. Durch deine Kraft sind die Elemente und wächst alles, in der Luft und auf der Erde, im Wasser und im Hauch des Feuers.“ — Merkelbach § 374

Gebet an den Allgott

„Her zu mir, du Gott aus den vier Winden1, Allherrscher, der du den Menschen den Lebenshauch eingeblasen hast, dessen geheimer Name unaussprechlich ist, vor dessen Namen auch die Dämonen erschrecken, wenn sie ihn hören, dessen unermüdliche Augen sind: Helios, der lodernde Dämon, Horos, der Herr des heilen Auges und Selene-Thoth,2 die in den Augen der Menschen leuchten,3 dessen Haupt der Himmel ist, dessen Leib die Luft, dessen Füße die Erde.

Du bist der Okeanos, der gute Dämon, der Herr, der das Gute erzeugt, der die gesamte bewohnte Welt und den ganzen Kosmos nährt und erhält.

Am Himmel ist festgelegt dein ewiger Prozessionsweg4, auf dem dein Name in den sieben Buchstaben5 zur Harmonie der sieben Töne festgelegt6 ist, aus dessen guten Einflüssen die Sternengötter und Fortunae7 und Parzen8 stammen, durch den verliehen werden Reichtum, Glück, gutes Alter und schöne Bestattung.

Du, Herr des Lebens, der du als König herrscht im oberen und im unteren Land, dessen Gerechtigkeit nie unzugänglich ist, dessen ruhmvollen Namen die Musen besingen, dem als Satelliten9 dienen He und Ho, Cho und Chuch, Nun und Nauni, Amun und Amunith, bei dem die untrügliche Wahrheit ist:

Gib, dass mich auch viele Personen, die sich im Fleisch bewegen, nicht überwinden können, dass kein Geist, kein mir entgegentretendes Gespenst, keines von den Übeln im Hades sich mir entgegenstellt.

Zum Schutz werde ich deinen Namen, wie ein Amulett, in meinem Herzen bewahren: F???????? ????,10 S?O,11 ???S? ???S?,12 S??TO S??TO,13 ?????.14 — Merkelbach § 372

1 Himmelsrichtungen 2 Die Sonne, also die Götter Helios-Horos und der Mond, also die Göttinnen Selene-Thoth, sind seine unermüdlichen Augen. 3 Sonne und Mond spiegeln sich in den Pupillen von Menschen wieder. 4 Ekliptik von Sonne, Mond und Planeten 5 Planeten 6 Sphärenharmonie 7 Göttin des Glücks 8 Göttin des Schicksals 9 Wächter 10 Ich bin derjenige, der aus dem Urgewässer kam, 11 der Widder, die abendliche Erscheinungsform des Re, 12 Gott der Götter, 13 Basilisk der Basilisken, 14 Phönix.

Wunder

Einen besonderen Stellenwert hatten Wunder in der Religion. Meist handelte es sich um Krankenheilungen und andere Taten durch Isis und Serapis. Diese wurden dann in den Tempeln mündlich weitergegeben, aber auch aufgezeichnet. Diese Aufzeichnungen fanden in der literarischen Gattung der Romane statt, welche im Kult sehr bedeutend war. Teil dieser Geschichte war oft das die Krankheit die Strafe für eine Verfehlung oder ein Unterlassen war, aber auch die unverhoffte Heilung. Weitergabe der Geschichte und Aufzeichnung galten als Dank für die Heilung.

Tod

In Trauerfeiern, welche sehr durch den ägyptischen Kult des Osiris geprägt waren, hoffte man auf ein besseres Jenseits, was natürlich konträr zur alten hellenischen Vorstellung des Hades als Schattenwelt war. Man glaubte das der wahre Hades, welchen Serapis regierte, zwischen Erde und Mond befand, dorthin sollte und durfte die Seele nach dem Tod aufsteigen, wenn Serapis ihr wohlgesonnen war. Diese Idee ist jener der „elysischen Gefilde“ von früheren Mysterienkulten ähnlich. In dieser Religion nahm man diesen Ort jedoch als den „wahren Hades“ oder als die „Wiesen des Hades“ wahr. Diese Wende zu einer positiven Jenseitsvorstellung war durchaus bedeutend in der Lebenswahrnehmung der Personen. Zwar fürchtete man sich noch immer vor dem Tod, aber er war gleichzeitig mit der Hoffnung auf ein besseres Leben verbunden.

Monotheismus und Henotheismus

Es gab durchaus monotheistische Tendenzen in der neuen Religoon , welche jedoch dadurch eingeschränkt waren, dass die drei Götter als Trias und Familie angesehen wurde, welche jedoch zu dritt von ihren Anhägern zu großen Teilen henotheistisch verehrt wurden. Andere Göttergestalten wurden meist in inkulsivistischer Manier von den Allgottheiten Serapis und Isis absorbiert, dies gelang für die Anhänger sogar mit dem monotheistischen JHWH, ja sogar mit Christus (Historia Augusta, Firmus, Saturninus, Proculus and Bonosus 8).


Philosophische Interpretationen

Epikurische Interpretation

Der durchschnittliche Epikureer interessierte schenkte Religion wenig Aufmerksamkeit, ebenso den Göttern. So verhielt es sich auch bei dieser Religion. Eine umfassende Interpretation aus der Sicht eines Epikureers ist heute nicht bekannt.

Stoische Interpretation

Die Stoiker versuchten mittels einer eigenen Religionsphilosophie den Glauben aller Völker mittels des gesunden Menschenverstandes zu ergründen. Der Alexandriner Chairemon, ein Philosoph und ägyptischer Priester, hat nach diesem Modell eine stoische Interpretation verfasst, sie ist heute nur noch in Fragmenten erhalten. Dabei haben die Stoiker zu großen Teilen durchaus richtige Deutungen hervorgebracht. Besonders das die Mythen über die Götter immer ein Hinweise und Symbole für die Ereignisse in diesen Leben waren. Zum Beispiel Osiris wurde so als die Kraft in der Natur erfasst, welche die Früchte hervorbrachte (vgl. Kalender), ja er wurde als allgemeiner Lebensspender interpretiert. Seth-Typhon dagegen wurde als Gott der Gewalt und Lebensfeindlichkeit interpretiert und somit zum kompletten Gegenspieler des Osiris. Den Ägyptern waren solch abstrakte Gedankengänge ursprünglich fremd, zwar brachten sie Osiris mit dem Nil und der Ernte in Verbindung, jedoch definierten sie diese Beziehung dann nicht weiter. Durch die Abstraktion der Stoiker wurden die Beziehungen der Götter zur Natur nicht nur präziser, sondern, auch wenn dies sonderbar erscheint, weiter. Denn sie stellten, zum Beispiel, per Definition, fest, dass der Nil ein Ausfluss des Osiris sei, in der Kombination mit dem Allgottheitsgedanken wurde schließlich alles Feuchte zu einem Ausfluss des Osiris. Von großen Teilen der ägyptischen Priesterschaft wurden diese Gedanken bereitwillig aufgenommen.

Es entwickelte sich eine Kosmologie in der alle Dinge zusammenhingen und in der Natur wunderbare Kräfte wirkten, die Götter. Über diese Dinge konnte man viel Spekulieren und tat es auch. Religion und Philosophie, teilweise gar Magie, gingen hier bald Hand in Hand. Die drei wichtigsten, bis heute erhaltenen Werke zu diesem Thema sind die Koiraniden, der Physiologus und das Horapollon. Diese Kosmologie wurde als Sympathielehre bezeichnet und wurde später von neuplatonischen Philosophen adaptiert. Ebenfalls entwickelte sich aus der stoischen Interpretation ein wahrer Rätselkult der ägyptischen Priester. Dabei wurden ägyptische Mythen allegorisch mit griechischen Mythen vermischt, Hieroglyphen wurden gedeutet, man versuchte griechischen Wörtern eine ägyptische Etymologie zu geben, erklärte ägyptische Riten, Speisegewohnheiten, Kleidervorschriften und betrieb Esoterik um den ägyptischen Tierkult.

Hinzu kam ein großer Glaube an Astrologie und Schicksalsglaube, welcher zwar schon immer da war, jedoch nun auf eine hellenistische Art und Weise betrieben wurde. Es sei hier jedoch angemerkt, dass folgender Grundsatz dabei galt: „Die obersten Götter, Serapis und Isis, stehen über dem Schicksal und können das Fatum korregieren.“

Platonische Interpretation

Als wohl die bedeutendste platonische Interpretation der Religion gilt „De Iside“ von Plutarch. Der Titel des Werks wird meist mit „Über Isis und Osiris“, seltener mit „Über Isis und Serapis“ übersetzt. Das Werk ist um 120 entstanden. Man darf aus diesem Werk jedoch nicht schließen das Plutarch ein Anhänger dieser Religion gewesen oder geworden sei, vielmehr hat er sie mittels einer platonischen Religionsphilosophie interpretiert. Er war der Meinung, dass vielmehr sowohl die griechische, als auch die ägyptische Religion auf gemeinsame Wurzeln zurückgehen und somit bei richtiger Interpretation zusammen passen würden. Einen weiteren großen Einfluss mag Plutarchs junge Freundin Flavia Clea gehabt haben, welche Anhängerin der Religion war und ihn nach einigen Gesprächen bat seine Erkenntnisse schriftlich niederzulegen. Mit seiner Interpretation hat er neues geschaffen, die losen ägyptischen Vorstellungen der Götter hat er mittels platonischer Philosophie geordnet und zusammengestellt.

Plutarch, sah als Anhänger der platonischen Philosophie hinter der gesamten Existenz eine Gottheit. Alles was das Leben ermöglichte und ausmachte kam von den Göttern, welche allen Völkern gemein waren. Die Verschiedenheit der Religionen geht dabei auf die Riten und Eigenarten der Völker zurück, nicht darauf, dass sie verschiedene Götter hätten. Die Mythen der Völker sind also immer durch die lokalen Eigenarten geprägt und man darf sie nicht wie Berichte glauben, sondern muss ihren tieferen Sinn erfassen. Diese Suche ist nach seiner Interpretation frommer als jeder Ritus oder Tempeldienst. Jedoch sind bei ihm weder Ritus noch Dienst entwertet, vielmehr haben sie alle einen geheimen Sinn und sind von den Göttern selbst erschaffen worden um an ihre Taten zu erinnern. In seiner Interpretation greift der Platons Gedanken des einem, schönen Guten, ebenso wie die Lehre der Dreiteilung des Menschen und des Kosmos in Geist, Psyche und Körper.

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Bilder

Serapis

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Isis

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Harpokrates

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Die heilige Familie

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Literatur

  • Reinhold Merkelbach, Isis regina - Zeus Sarapis : die griechisch-ägyptische Religion nach den Quellen dargestellt, 2001²
  • Hans Kloft, Mysterienkulte der Antike : Götter - Menschen - Rituale, 2003²; S. 41-55
  • Jefferson Monet, Serapis (Sarapis), the Composite God

Weitere Literatur

Persönliche Werkzeuge