[Subura] Lupanar in der Nähe des Venustempels

  • Es war ein namensloses Lupanar, doch die meisten aus der Gegend kannten das Haus, welches zwischen den vielen verwinkelten Gassen der Subura lag. Jene, die sich auskannten, wußten auch, dass die Lupanare der Gegend, genauer gesagt in der Nähe des Venustempels, sauberer und anständiger waren als die sonstigen in der Subura. Man hielt dort noch etwas auf einen guten Ruf. Die Lupae waren meist gewaschen, nicht allzuviele von ihnen krank und einmal in der Woche wurde dort jeder Raum gründlich gesäubert. Trotzdem konnte sich jeder einigermaßen verdienende Mann dort ein Mädchen leisten.


    Die Fassade des Lupanars war rot bemalt und mit vielen Schlangenmustern versehen. Doch hatte der Putz einige Risse. Am Rande des Lupanar war eine Alkove mit einem wachenden Geist, einem Genius Loci, dieser Strasse. Sein grimmiges verzerrtes Gesicht starrte auf die Passanten herunter. Zu seinen Füßen und seinem aufgerichteten Phallus, der schon ganz glatt gestrichen war, standen viele kleine tropfende Kerzen und einige Opfergaben. Ratten tummelten sich auch um die Statue herum und versuchten an die Dinkelkeckse auf dem Altar heran zu kommen. Ab und an wurden sie von Passanten verscheucht, doch nur für kurze Zeit.


    An der Tür des Lupanars stand ein breitschultriger Römer, der ein Bein verloren hatte. An dessen Stelle war nur ein Holzbein, mit dem er immer wieder auf und ab trat und die Kunden mit einem warnenden Blick bedachte. Ein Blick, der besagte: Machst Du Ärger, schneid ich Dir dein 'bestes' Stück ab. Pullus hatte das auch ein oder zwei Mal schon machen müssen. Dahinter ging es gleich in einen Korridor, der zu einem Schankraum führte, aber auch zu den Räumen, die für den eigentlichen Zweck dienten. Zwar waren die Wände liebevoll mit erotischen Szenen bemalt, die jedem Geschmack etwas boten, doch war das gesamte Lupanar eher schlicht und zweckmäßig eingerichtet, dennoch sauber. Die Räume für die Kunden waren meist recht groß und durch halbe Lehmwände getrennt, so dass mehrere Kunden in den Räumen 'bedient' werden konnten. Auf diesen Lehmwände, die einem normalgewachsenen Mann bis zur Brust gingen, standen die Öllampen für die dunklen Zeiten.

  • Dacius, der Jüngere, Sohn des glatzköpfigen Dacius aus der Subura, führte Mira, die junge Botin, von seinem Zuhause aus die Gasse entlang und in Richtung des Genius Loci. Vor dem Genius Loci blieb der Junge stehen, spuckte sich in die Hand und strich damit über den Phallus. "Mach auch. Bringt Glück!" Er nickte Mira zu und ging dann die letzten Schritte bis zum Eingang. Gerade trat ein dickleibiger Mann mit einer fleckigen, grünen Toga heraus, die auch mal bessere Tage erlebt hatte. Der Mann stieß Dacius zur Seite und lief zufrieden schmatzend die Gasse entlang. Seine Augen schweiften über Mira und sahen sie durchaus mit gewisser Begehrlichkeit an. Ab und an als er schon am Ende der Gasse war, sah er noch mal zu dem Mädchen zurück, verschwand dann.


    Dacius sah dem Mann hinter her und als dieser dann um die Ecke war, hob Dacius drohend die Faust. "Schweinebacke!" murmelte er wütend und in seinen Augen glomm Wut. "Dir zeig ich's noch!" Schmollend griff er nach Miras Hand und zog sie zum Eingang. "Komm!" Von dort sah er zu dem einbeinigen Römer hoch, der mit verschränkten Armen und belustigt auf die Beiden herunter sahen. Die Augenbraue des Römers war zur Hälfte schon versenkt worden und an der Stelle kahl. Doch trotzdem sah man, wie diese hoch wanderte. "Was wollt ihr?" Der Junge grinste kess. "Ich soll'n das Mädchen hier hin bringen und wieder raus. Was willst'n hier?" Den letzten Satz hatte Dacius, der Jüngere, an Mira gerichtet.

  • Sie hatte einen Moment lang gezögert als sie ihm gefolgt war und seufzte immer wieder nicht hörbar auf. Sie wich allem und jedem aus so gut sie nur konnte und hoffte, dass sie niemandem begegneten, der gerne Mädchen verschleppte. Wahrscheinlich würde Crassus dann ziemlich sauer werden, wenn sie so einfach verschwand. Und wahrscheinlich würde sie sich dann wieder in die Hände von Crassus wünschen. Nun davon mal abgesehen schien der Junge wirklich zu wissen wo lang sie gehen mussten und das erleichterte sie ein ganzes Stückchen weit. "Ähhhh neee du lass mal, vielleicht später" meinte sie mit einem komischen Gesichtsausdruck und lief weiter zum Eingang wo sie dann erst einmal diesem komischen Mann ausweichen musste. Sein Blick triefte ja vor Wiederlichkeit und sie verzog ihr Gesicht angewiedert als er an ihr vorbeigegangen war und sie seine Blicke noch im Rücken spüren konnte. Als er verschwand schüttelte sie sich kurz wegen der Gänsehaut die sie bekommen hatte.


    "Jaja, Casanova" sagte sie nur, als er sie weiterdrängte und nachdem er sein kleines Schauspiel abgezogen hatte, welches ein breites Schmunzeln bei ihr vorrief. Nun wo sie vor dem Mann standen der sie hoffentlich einlassen würde zeigte sich wieder ihr Respekt und sie sah verschüchtert zu ihm auf. "Ich suche einen Mann, der hier arbeiten soll. Sein Name ist Hannibal und ich habe eine wichtige Botschaft für ihn, die ich überbringen muss." Danach folgte noch eine Beschreibung seines Äusseres.

  • Da der junge Dacius ein kleiner ungebildeter Junge aus der Subura war, gerade mal fähig zum Schreiben seines Namens, hatte er leider nicht die hellseherischen Fähigkeiten, wer jener italienische Charmeur und Abenteurer aus dem 18. Jahrhundert war. (:P ;))So erntete Mira nur einen verwirrten Blick auf ihre Anmerkung. Doch Dacius machte es sich nicht so viel draus. Er verstand die Älteren oftmals nicht. Es war als ob sie sich allesamt in seltsame Kreaturen verwandelten, die immerzu unsinnige Dinge sprachen wie: Dacius, lass dies...Dacius, lass jenes...Dacius, es ist wieder alles Deine Schuld...Dacius, etc, etc. Doch vernachlässigen wir mal das simple Innenleben dieses kleinen Führers und wenden uns wieder dem Lupanar und Pullus, dem römischen Türsteher zu.


    Dessen vernarbte Augenbraue zuckte hoch und runter. Grummelnd kratzte er sich an seinem schlecht rasierten Kinn, Barbieren schien er wohl nicht sonderlich zu trauen. Sein Blick schweifte an Mira hoch und runter. Wobei er wohl versuchte sie einzuschätzen. „Ja, wärst im richtigen Alter. Willst also bei ihm vorsprechen? Na gut, dann komm mal mit, Kleine!“ Pullus schniefte und spuckte gegen die gegenüberliegende Wand. Er nickte Mira zu und gab Dacius, dem Jüngeren, einen leichten Stoß nach hinten. „Du trollst Dich aber wieder, bist zu jung und hast eh kein Geld.“ Dacius, der wohl protestieren wollte, sah schnell ein, dass es keinen Sinn machen würde gegen den Türsteher des Lupanars. So blieb er erneut schmollend stehen und in seinem Blick trat wieder der Ausdruck: Wenn ich groß bin, zeig ich es euch allen noch! Pullus schob unbeeindruckt Mira hinein und folgte ihr.


    „Marcella?“ rief er laut durch den Eingangsbereich. Auf den Wänden tummelten sich nackte Nymphen, die von kleinen Waldgeistern mit eindeutig körperlichen Absichten, verfolgt wurden und manche auch schon in das saftige Gras und die Blätter gezogen wurden. Keusch waren die Darstellungen wahrlich nicht. Doch die Farben waren ein wenig verblichen und an manchen Stellen mit neuer Farbe übertüncht, um Risse in den Bildern zu überdecken. Eine vollschlanke Frau, Anfang Dreißig und mit eher unordentlich hochgesteckten, schwarzen Haaren kam aus einem der Zimmer. Sie trug ein tunikaähnliches Gewand, was einen tiefen Ausschnitt auf ihre doch üppige Oberweite offenbarte. Während sie mit bloßen Füßen zum Eingangsbereich kam, aß sie aus ihren Händen einige reife Trauben. „Waf iff, Pulluf?“ fragte sie mit heller Stimme und einem auffälligen Lispeln. „Bring die Kleine zu Hannibal. Ich glaub, sie will hier anfangen zu arbeiten!“


    Marcella musterte Mira und schüttelte den Kopf. „Oh weh! Oh weh. Na dann komm mal mit, Kleinef!“ Mit den Hüften wiegend ging sie vor Mira entlang. Immer mal wieder warf sie Mira einen mitleidsvollen Blick zu. „Überlegf Dir noch mal gut, Kleinef! Ift nicht ffhön die Arbeit hier! Und ffnellef Geld gibtf auch nicht! Hier lang!“ Sie öffnete nach einem langen Gang eine Tür, die in ein dunkles Arbeitszimmer führte. Die Fensterläden waren verschlossen und der Raum nur von einer Öllampe erhellt, die einen ganz kleinen Ausschnitt erhellte. Das Licht fiel auf einige Wachstafeln und einem Papyrus, einem dunklen Schreibtisch und einem Weinglas mit angetrocknetem Wein. Eine Fliege surrte um das Glas herum und lies sich immer mal wieder auf dem Rand nieder. Der Rest blieb jedoch in der Dunkelheit verborgen. Marcella sah sich suchend um. „Wart mal kurf hier, Liebef! Ich fuch ihn mal...“ Mit den Worten verschwand Marcella und ließ die junge Mira dort zurück.


    Es dauerte nicht lange als ein Mann den Raum betrat. Zielstrebig ging er zum Fenster und öffnete einen Fensterladen. Licht flutete in den sehr schlicht eingerichteten Raum. Auffällig waren nur eine Statue von einer dicken und barbusigen Frau in der Ecke, über die jedoch ein Tuch hing, halb verrutscht jedoch. Auch hingen einige Waffen an der Wand. Der Mann drehte sich um, setzte sich auf die Kante des Schreibtisches und verschränkte die Arme vor der Brust. "Ich hörte Du suchst mich? Wer schickt Dich?" Hannibal musterte das Mädchen mit mißtrauischem Blick.

  • Das Mädchen sah den Mann die ganze Zeit über tapfer in die Augen und hoffte nur, dass das hier schnell gehen würde, denn lange würde sie diesem Blick nicht mehr stand halten. Zuerst wollte Mira beginnen zu protestieren, hatte sie doch sicher nicht vor sich hier gewissen Tätigkeiten hinzugeben, denn da war sie lieber eine einfache Sklavin, denn so schlimm war ihr Leben ja gar nicht auch wenn sie hin und wieder die eine oder andere Ohrfeige kassierte, aber sich in ein Lupaner zu begeben um zu arbeiten und das auch noch freiwillig nein niemals. Schnell begriff sie aber, dass wenn sie etwas dagegen sagen würde es ihr Nachteil sein könnte, denn schließlich wollte sie ja da rein und so musste es eben über diesen Umweg gehen wenn es keinen anderen gab, also hielt sie ihren Mund und schaute den Mann weiter mit ihren bettelnden Augen an. Hauptsache er würde sie zu Hannibal bringen und sie natürlich nicht anfassen.


    Kurz blickte sie zu dem Jungen der sie herbrachte und hoffte, dass er wenigstens auf sie warten würde, denn sie bezweifelte, dass sie hier wieder heile alleine rausfinden würde. "Ja genau, ich möchte zu ihm" murmelte sie einfach dem Mann zu und ließ sich dann in das Lupaner schieben, wehren dagegen war sowieso zwecklos dazu war er zu groß und kräftig und schob sie hinein in die gute Stube. Wie gut, dass das Licht hier drinnen nicht ganz so extrem war, denn dann hätte man ihre Röte sehen müssen ob der ganzen Malereien an den Wänden die sie versuchte gar nicht wirklich wahr zu nehmen. Sein Gebrüll ließ sie zucken, so nervös war sie hier, denn wer wusste schon ob man heil hier wieder rauskommen würde.


    Nervös auf der Unterlippe kauend sah Mira die Frau an, der bald alles aus dem Gewand zu fallen schien, als sie angetänzelt kam. Es schauderte ihr und eigentlich hätte sie Geld für diesen Botengang verlangen müssen. Mira versuchte den Blicken der Frau auszuweichen und sah auf den Boden, der auch schon mal besser Tage gesehen hatte, dann folgte sie wieder ihr und ließ den Mann hinter sich zurück und meinte noch Blicke in ihrem Rücken zu spüren die ihr eine Gänsehaut bereiteten.


    Als sie den Raum betraten musste sie erst einmal ihre Luft anhalten so stickig kam es ihr hier drinne vor, allerdings konnte es auch pure Einbildung sein. "Danke" nuschelte sie und verschränkte ihre Arme vor der Brust. Nun hieß es wieder warten, aber das war sie heute schon gewohnt. Sie konnte nur hoffen, dass es sich wirklich um den Mann handelte, den Nadia ihr beschrieben hatte sonst hatte sie eventuell ein Problem und einen weiten Weg umsonst gemacht. Ein paar Herzschläge nach ihren Gedanken fand endlich jemand in dieses öde Zimmer und ließ sie einen Schritt auf die Seite machen. Nun als er das Licht reinließ, welches auch nicht allzuviel Veränderung brachte blinzelte sie einmal ein wenig und betrachtete sich dann den Mann, der sich vor ihr auf den Tisch setzte. Die Beschreibung kam hin und auch die Augen von denen Nadia erzählte hatte.


    "Ich wurde von Nadia geschickt, Herr." Ohne weiter groß drum herum zu reden holte sie die Schriftrolle hervor und hielt sie in der Hand fest. "Ihr seid Hannibal? Dann muss ich euch diese Schriftrolle von ihr überreichen." Mit leicht zittrigen Hände hielt sie ihm die Rolle entgegen.




    Lieber Hannibal,


    ich hoffe sehr, dass dieser Brief nicht in die falschen Hände gelangt, aber du weißt, dass ich nicht schreiben würde wenn es nicht wichtig wäre. Ich stecke in der Klemme, nein es ist schlimmer ich halte es nicht mehr aus.
    Ich binnicht mehr in der Villa Flavia, Furianus hat mich an Gaius Caecelius Crassus gebene, nach einem Vorfall mit diesem Mann. Er steckte mich in den Carcer der Praetorianer und dann musste ich mit ihm gehen ohne vorher noch einmal mit Furianus zu reden und nun bin ich hier. Ich bin wie eine Gefangene hier und darf nicht einmal raus. Er hat mich in der Hand, denn ich habe seinen Sklaven helfen wollen, als er ihn auf der Strasse wegen einer Vase zusammengeschlagen hat.
    Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort. Das schlimmste ist ich gab ihm mein Wort alles zu machen was er verlangt, wenn er den Sklaven in Ruhe lässt.
    Hannibal ich muss hier raus und ich hoffe du weißt wie oder kennst Hilfe für mich. Ich weiß nicht einmal ob ich meine baldige Freiheit nicht schonlängst verwirkt habe. Ich war schon am überlegen einem Flavier einen Brief zu schreiben, sein Name ist Flavius Aquilius und lebt in der Villa. Ich denke ich kann ihm vertrauen, aber er wird sicher auch nicht viel ausrichten können und ich weiß nicht ob es etwas bringt den ganzen Leuten bescheid zu geben wo ich bin, aber vielleicht schicke ich ihm auch einen Brief. Ich weiß nicht was in meinem Kopf los ist ich bin durcheinander und sehne mich einfach nur danach hier wieder weg zu kommen.


    Ich will dich nicht in Gefahr bringen und ich weiß nicht wieviel er als Praetorianer weiß, du weißt was ich meine oder? Er fragte mich schon über vergangene Dinge aus, aber nicht über dies, aber was nur wenn er auf die IDee kommt ???


    Bitte hilf mir oder wenigstens eine Nachricht, irgendetwas.....



    In Liebe Nadia



  • Ohne seine Augen von Mira abzuwenden, nahm Hannibal das Papyrus entgegen. Einen Moment behielt Hannibal den Brief in der Hand und schien das Mädchen ergründen zu wollen. Nur zögerlich sah er auf den Papyrus und entfaltete ihn langsam und bedachtsam. Hannibals Gedanken überschlugen sich ehe er eine Zeile davon gelesen hatte. War sie tatsächlich von Nadia geschickt worden? Oder war es eine Falle? Wenn, dann eine zu simple. Hannibals Augen überflogen den Text. Mit jedem Wort, was er aufnahm und manchmal leise vor sich hinflüsterte, wurde Hannibals Gesichtsausdrück düsterer. Seine Augenbrauen wanderten zusammen, dabei presste er die Lippen fest aufeinander und er wurde blaß vor Zorn. "Furianus? Diese elende kleine Kröte! Dafür wird er büßen müssen!" Hannibal ballte seine Faust zusammen und schlug hart auf die Tischkante. Der Weinkelch hüpfte in die Höhe, fiel herunter und zerschellte in viele kleine Glasscherben, die sich buntglitzernd auf dem matten Boden verteilte.


    Die Tür wurde aufgerissen und Marcella, die wohl lauschend bereit gestanden hatte, sah hinein. Besorgt blickte sie zu Mira und dann zu Hannibal. "Allef in Ordnung? Ift waf paffiert?" Hannibal stand langsam auf, widmete den Scherben keines Blickes, sondern, wandte sich zu Marcella. "Hol Taculus! Und beeil Dich!" Marcella guckte Hannibal noch verwundert an, schüttelte den Kopf und lief nach draußen. Vorsichtig und wie einen behutsamen Schatz faltete Hannibal den Brief wieder zusammen. Ihn in seiner Hand haltend sah Hannibal wieder zu Mira. "Hat sie Dir sonst noch was gesagt? Und was weißt Du von ihr und von diesem Botengang?

  • Mira versuchte seinem Blick die ganze Zeit über stand zu halten, auch wenn es sie viel Überwindung kostete. Nadia hatte ihr erzählt, dass er ihr nichts tun würde, nein nicht nur erzählt, sondern auch versprochen hatte sie es. Also hatte Mira ihr geglaubt und deswegen legte sich ihre Angst langsam wieder, aber halt nur ganz langsam. Sie hatte keine Ahnung was der Inhalt dieses Briefes war und würde auch nicht fragen, aber nach dem Gemurmelt zu urteilen und dem Blick konnte es nichts Gutes sein und dann auch noch der Knall von seiner Faust, das alles war schon fast zuviel für die Sklavin, das sie zusammenzuckte als hätte man sie eben auf der Stelle geschlagen und hielt die Hand noch erhoben für den nächsten Schlag, der aber ausblieb.


    Mit einem Ruck drehte sie sich zur Tür als diese aufgerissen wurde und schluckte, aber eigentlich aus Erleichterung, dass es die Frau von eben war, aber alles weitere ging wieder so hastig und schnell und schon war sie wieder mit dem Mann alleine, der irgendwie so unberechenbar schien, dass es mit ihm hier im Zimmer zum fürchten war, denn in seinen Augen war gleichzeitig eine Wärme und eine Kälte die man nicht beschreiben konnte.
    Kurz sah sie auf den kleinen Scherbenhaufen am Boden, aber da sich keiner drumkümmerte tat sie es natürlich auch nicht, schließlich arbeitete sie hier nicht was auch gut so war. Mit klopfendem Herzen sah sie also wieder zu Hannibal als sie alleine waren und überlegte. "Sie sagte mir nur, dass der Brief in keine anderen Hände gelangen darf als in eure und halt wo ich euch ungefähr finden könnte. Ich weiß nur, dass es um Nadia persönlich geht, weil sie nicht freiwillig bei meinem Herrn ist. Ich weiß, dass es wohl soetwas sein soll wie eine Strafe dafür, dass sie sich in die Angelegenheiten meines Herrn mischte, aber mehr weiß ich auch nicht. Und dann hat sie euch noch beschrieben, damit ich auch an den Richtigen gerate und nicht an irgendjemanden. Nach eurer Reaktion nehme ich an, dass ich auch den Richtigen gefunden habe und darüber bin ich froh."

  • Zufrieden nickte Hannibal über die Worte der jungen Mira. Seine Augen schweiften nachdenklich über Mira hinweg und Hannibal sah nach draußen auf eine Hintergasse. Das gegenüberliegende Haus stand so nahe am Fenster, dass man sich von beiden Seiten aus die Hand reichen könnte. 'Es war gut, dass Nadia auch der Botin nicht zuviel verraten hatte. Es war wohl notwendig gewesen, dass sie überhaupt so viel wußte.' Langsam entspannte sich Hannibal etwas und ein Plan reifte in seinem Kopf. Ein Plan, wie er am Besten in die Casa Caecila gelangte. Zwei, drei Männer, die passende Tarnung, ja das könnte klappen. Riskant war es alle mal, aber Hannibal würde nicht untätig hier abwarten und mit Nadia nur verzweifelte Nachrichten austauschen.


    Wieder wurde die Tür aufgerissen. Ein großgewachsener und dürrer junger Mann trat hinein, er hatte abstehende Ohren und strohblonde Haare. Seine Augen wanderten hektisch von Hannibal zu Mira, der er kurz verschmitzt zulächelte. "Was gibs?" Gefangen in seinen Plänen hatte Hannibal erst nicht das Eintreten bemerkt. Auch das Schreien einiger Kinder auf der Rückseite des Lupanars übertönten das Quietschen der Tür. Sich das Kinn reibend, sah er auch nicht zu dem Hereinkommenden. "Geh zur Taberna Avaritia und hol...wart mal....Decius, der dicke Decius, Tertius...den mit den braunen Haaren und der Narbe am Kinn....und Fulminus! Sag, dass ich ihre Hilfe brauche und heute noch." Der junge Mann grinste breit und unternehmungslustig, salutierte gespielt und wirbelte schon wieder aus dem Raum. Im Eingang konnte man noch eine neugierig spähende Marcella sehen. Doch die Tür wurde vor ihre Nase zugeschlagen.


    Immer noch grübelnd ging Hannibal zu dem Schreibtisch und griff unter den Tisch. Dabei holte er eine kleine Schatulle hervor und daraus einige Münzen. Diese reichte er Mira. "Du musst noch etwas für Nadia tun. Sag ihr bitt, dass ich ihre Nachricht erhalten habe. Auch, dass sie sich keine Sorgen machen muss. Ich werde mein Versprechen halten. Morgen früh gleich. Eine Nacht muss sie noch durchhalten. Aber sag das nur ihr, niemandem sonst, verstanden? Pullus wird Dich aus der Subura hinaus führen. Komm!" Deutlich freundlicher geleitete Hannibal Mira nach draußen und zum Türeingang, wo er Pullus anwies Mira aus der Subura zu führen. Dacius hatte sich auch schon längst aus dem Staub gemacht. Anscheinend verspürte er keine Lust noch länger zu warten und hatte wohl die Prügelstrafe seines Vaters in Kauf genommen.

  • Etwas verloren stand sie nun da rum und sah ihm beim Nachdenken zu. Sie meinte schon fast die kleinen Rauchwölkchen sehen zu können, die aus seinem Kopf emporstiegen. Mira war sogar froh, dass Nadia ihr nichts erzählt hatte, wer weiß vielleicht würde sie dann diesen Laden nie wieder verlassen dürfen und der Gedanke alleine ließ sie erschaudern und eine Gänsehaut entstehen. Die Blicke die sie immer wieder bekam konnte sie nicht wirklich deuten, weder in gut oder schlecht und sie würde sich wohl überraschen lassen müssen was nun weiter geschehen würde.
    Das Mädchen zuckte jedes mal zusammen wenn die Tür aufgerissen wurde oder Geräusche zu hören waren, die nicht so ganz normal waren und so sah sie den neuen Mann an, beobachtete ihn ganz genau und hörte auch zu was gesagt wurde, aber viel damit anfangen konnte sie auch nicht wirklich.


    Das man ihr Geld gab wunderte sie, aber das Mädchen steckte es schnell ein, hatte sie doch sonst nie etwas eigenes besessen und freute sich immer über etwas was sie bekam und es ihr gehörte. Scheu lächelte sie den Mann an, von dem sie nur den Namen wusste, Hannibal, aber nicht wer er eigentlich wirklich war. "Ich werde es ihr ausrichten und ganz bestimmt werde ich es nur ihr sagen und niemandem sonst. Versprochen.". Was sie da wirklich versprach wusste sie nicht und, dass er wahrscheinlich vor hatte die andere Sklavin da raus zu holen wusste sie auch nicht, aber wenn hätte sie ihnen wohl gesagt, dass es eine verrückte Idee sei in die Casa des Praetorianer Praefecten einzudringen um eine Sklavin zu befreien wo ihr Herr doch unter wirklicher Paranoia liett und alle erdenklichen Wachen vor der Casa positionierte.


    Ihr klopfendes Herz hatte noch nicht abgenommen, aber da Hannibal nun etwas verändert wirkte folgte sie ihm hier raus und war froh diesen Laden endlich wieder verlassen zu können und vor allem diese Bilder nicht mehr sehen zu müssen. "Ich wünsche dir noch viel Glück" sagte sie ihm und ließ sich dann wegführen aus diesen dunklen Gassengewirr.

  • Die Gasse entlang kommend, stand der Mann nun vor dem Gebäude und betrachtete es noch einmal eingehend. Ja, das musste es sein. Die Beschreibung stimmte. Nachdenklich betrachtete er den Eingang und beschloß dann einfach sein Glück zu versuchen. Mehr als ihm den Kopf abschlagen würde man ihm hier schon nicht. Auch wenn es, seiner Meinung nach, durchaus sehr schade um eben jenen war, von seinem Leben mal ganz zu schweigen. Mit einer Handbewegung schob er sich das dunkelblond, fast schon braune Haar noch mal nach hinten. In dem Moment bemerkte er mit amüsierter Überraschung den Phallus. Da hatte einer aber einen eigentümlichen Sinn für Kunst. Oder war das nur das Symbol für das, was man hier so zu Tage förderte, mal in kleiner, mal in großer Ausbeute? Ob er später noch Zeit haben würde? Das sicher, aber ob das hier unbedingt die Damen sein würden, denen er in der Regel zusprach, das wagte er ganz energisch zu bezweifeln. Aber manchmal fand man ja auch unter ein paar Kieseln einen schönen Bernstein.
    Aber erst einmal das Geschäft, das war wichtiger, und zwar um einiges. In Gedanken rief er sich noch einmal die Worte von Marcellus ins Gedächtnis. Frag nach Hannibal! Sag ihm Grüße von Marcellus und sei auf der Hut, denn er wird Dir nicht unbedingt trauen. Du bist ein Fremder und er mag Fremde nicht unbedingt. Und zeig um Himmels willen keine Waffen offen, hast Du mich verstanden? Und mach keine unüberlegte Bewegung. Der Junge ist gut in dem, was er macht. Also wenn Dir Dein Leben lieb ist, geh es sachte an, aber nicht zu sachte.
    Er hatte ihm auch noch beschrieben, wen er wohl an der Tür stehen sah und wahrlich, da stand der Einbeinige. So trat er auf ihn zu und grüßte ihn. "Salve, ich bin auf der Suche nach wem. Er soll hier arbeiten und dafür sorgen, dass es läuft. Ich hab ihm ein Angebot zu machen, seine Geschäfte betreffend." Verrat dem Typen natürlich nichts, ist ja klar, hatte Marcellus gesagt. Aber mach ihm unmißverständlich klar, dass es sich für Hannibal lohnen wird. "Sein Name ist Hannibal."

  • Gesagt getan...
    Nach dem Sedulus mehr oder minder gelinde gesagt die Schnauze von diesem Empfang voll hatte machte er sich auf und suchte sich ein Lupaner. Er schlenderte ein wenig durch Roms Gassen. Das er dabei in den verruchtesten aller Stadteile gelangte konnte er dabei nicht ahnen. Irgendwann sah er dann ein Gebäude das auf ein gewisses Etablissement schließen ließ.


    Salve. Grüßte er unsicher und sah sich um...

  • "Jetzt komm schon, Pullus, ich zahl nächste Woche, bestimmt!" Ein Mann in schäbiger Tunika stand vor dem Eingang und rang mit den Händen. Pullus, der einbeinige Türsteher sah mit verschränkten Armen auf ihn herunter."Verschwinde, Cressus, wir schreiben nicht an. Die Mädchen wollen schließlich auch ihr Essen und ihr Geld sehen. Verschwinde und belästige die Kunden nicht!" Pullus gab Cressus einen Stoß, der enttäuschter Miene abzog. Verächtlich sah Pullus dem Mann noch hinterher, ehe er sich dem Neuankommenden zuwandte. Er schneuzte leise und spuckte in seine Spuckecke. Unbeeindruckt musterte er den Mann. Nach einer Weile, warten lassen war eine seiner Taktiken, krazte er sich die Nase und hob seine narbige Augenbraue.


    "So? Hannibal? Da kommst Du ein paar Jahrhunderte zu spät!" Pullus lachte über seinen eigenen und mauen Scherz herzhaft, rauh und etwas kehlig. Einige Männer liefen am Lupanar vorbei und Pullus nickte ihnen zu. Dabei strich er sich, wie bei einem geheimen Zeichen über die Wange. Die Männer erwiderten das und liefen schweigend weiter. "Also, was willste genau von ihm? Bist wohl nicht wegen den Mädchen hier, wenn ich den richtigen Riecher für habe! Also, was für ein Angebot isses?" Dabei rutschte seine Hand automatisch etwas nach vorne. Ein Wink mit dem ganzen Lattenzaun, dass er etwas für den Eintritt dieses Mal verlangen würde.

  • Den ganzen Tag am Eingang stehen, das ging schon gehörig auf Pullus Beinstumpf. Wenige kannten etwas von Pullus, er erzählte auch nicht gerne von seiner Vergangenheit. Doch wollen wir mal darauf einen Blick werfen und bei seinem Schicksal verweilen. Pullus hatte eine ganz normale Jugend in der Subura. Sohn eines Gerbers und einer ehamiligen Lupa war er nur einer von 12 Kindern. Freilich überlebten von diesen Kindern nur 6 und bis ins Erwachsenenalter schafften es dann nur noch 3 von ihnen. Pullus war also einer der Glücklichen. Oftmals fragte er sich schon, ob er glücklich darüber sein sollte. Denn schließlich war es im Elysium bestimmt nicht so hart, wie in der Subura aufzuwachsen. Hunger, Armut und Gewalt waren die täglichen Begleiter der Kinder dort. Doch so lernte Pullus sich durchzubeißen. Das hatte er in der Legio auch wirklich bitter notwendig gehabt. Im Krieg in Germania war er auch bei der Schlacht gegen die Barbaren dabei. Glück hatte er auch. Er gehörte nicht zu den vielen Männern, die dort elendig krepierten, doch sein Bein musste dran glauben. So flog er aus der Armee, erhielt weder Phalera, noch ein sonderlich hohe Geldgabe. Sowas bekamen eh nur die Offiziere. Fortuna meinte es dann ein drittes Mal gut mit ihm und er landete bei diesem Lupanar. Keine schlechte Arbeit, wie er fand.


    Pullus hatte auf einem Holzhocker Platz genommen und schnürrte wieder sein Holzbein an sein vernarbten Beinstumpf. Ruhig krämpelte er wieder die Tunika darüber und sah auf. Na, der sah wie ein Frischling in der Subura aus. Dieser entsetzte und halb faszinierte Blick, Pullus roch es schon auf viele Meter weit. "Na, suchste ein hübsches Mädchen, ein wenig Gesellschaft oder einen ordentlichen Ritt?"

  • Zitat

    Original von Hannibal
    "Jetzt komm schon, Pullus, ich zahl nächste Woche, bestimmt!" Ein Mann in schäbiger Tunika stand vor dem Eingang und rang mit den Händen. Pullus, der einbeinige Türsteher sah mit verschränkten Armen auf ihn herunter."Verschwinde, Cressus, wir schreiben nicht an. Die Mädchen wollen schließlich auch ihr Essen und ihr Geld sehen. Verschwinde und belästige die Kunden nicht!" Pullus gab Cressus einen Stoß, der enttäuschter Miene abzog. Verächtlich sah Pullus dem Mann noch hinterher, ehe er sich dem Neuankommenden zuwandte. Er schneuzte leise und spuckte in seine Spuckecke. Unbeeindruckt musterte er den Mann. Nach einer Weile, warten lassen war eine seiner Taktiken, krazte er sich die Nase und hob seine narbige Augenbraue.


    "So? Hannibal? Da kommst Du ein paar Jahrhunderte zu spät!" Pullus lachte über seinen eigenen und mauen Scherz herzhaft, rauh und etwas kehlig. Einige Männer liefen am Lupanar vorbei und Pullus nickte ihnen zu. Dabei strich er sich, wie bei einem geheimen Zeichen über die Wange. Die Männer erwiderten das und liefen schweigend weiter. "Also, was willste genau von ihm? Bist wohl nicht wegen den Mädchen hier, wenn ich den richtigen Riecher für habe! Also, was für ein Angebot isses?" Dabei rutschte seine Hand automatisch etwas nach vorne. Ein Wink mit dem ganzen Lattenzaun, dass er etwas für den Eintritt dieses Mal verlangen würde.


    Toller Witz, dachte er nur und gönnte dem Mann ein schmales Lächeln. Halt Dich an das, was Marcellus sagte, mein Junge. Das wird schon noch was werden mit dem. Und dann war wie von Zauberhand eine Sesterze zwischen seinen Fingern, die er leicht in die Luft zwirbelte und wieder auffing. "Ein geschäftliches, mein Freund. Was sollte es denn sonst sein?" Wieder flog die Münze wie beiläufig hoch. Seine Augen waren auf den Mann gerichtet. "Was meinst Du, gibt es hier in der Gegend einen guten Falerner?"

  • Faszieniert verfolgte Pullus den Flug der Münze. Hoch und runter, hoch und runter. Wie schön sich das Sonnenlicht auf dem Bild des Kaisers spiegelte. Den Kaiser hatte unser Türsteher auch schon ein paar Mal sehen können. Jedoch nur aus weiter Ferne, wenn er wieder mal frei hatte zu den Ludi oder Wagenrennen. Wenn wir wieder einen kleinen unbedeutenden Ausflug in Pullus Vergangenheit machen dürfen? Früher hatte sich Pullus immer mal wieder vorgestellt, er wäre der Sohn des Kaisers. Immer genug zu Essen haben, jeder hörte auf einen und man hatte alles Spielzeug der Welt. Die Schattenseiten konnte sich KleinPullus kaum vorstellen. Flink griff der erwachsene Pullus nach der Münze und steckte sie ein. "Geschäfte? So, so, ja ich verstehe." Die Münze verschwand in Pullus kleinen Geldbeutel und er nickte dem Mann zu ihm zu folgen. Nach einem Namen fragte Pullus nicht. Zum einen interessierte es ihn nicht und zum anderen würde dieser ihm jenen nicht nennen wollen. Die Münze hatte auch genügt. Hinter den Beiden schloß Pullus die Tür. Am Eingang blieb er jedoch stehen und wandte sich um. "Deine Waffen musst Du mir geben!" Abwartend und prüfend musterte Pullus den Mann. Dabei stand Pullus auf einem dickleibigen Satyr, der sich mit einer Nymphe auf dem Gras unzüchtig vergnügte. Mitten durch das Bild ging jedoch ein scharf gezeichneter Riss.

  • Pullus sah unwillig auf. Zwar war es immer gut, neue Kunden ins Lupanar zu locken, aber sein Bein schmerzte gerade. Eigentlich wollte er lieber sitzen bleiben. Aber wenn ihn sein Brotgeber erwischen würde, wie er einen Kunden vertrieb, würde es Ärger geben. Grummelnd stand Pullus auf. Er reckte sich uns seine Knochen knacksten leise als die Gelenke aufeinander rieben. "Ne Rothaarige? Da fällt mir gleich die süße Licilla ein. Rothaarig und ne Wucht. Hab sie selber schon geritten! Kannst sie Dir leisten? Ein Denarius, Sonderwünsche gehen extra!" Pullus schniefte und spuckte gegen die Wand. Auf der gegenüberliegenden Seite öffnete sich ein Fenster und ein junger Mann kletterte nach draußen. Hastig sah er sich nach rechts und nach links um. "Dieb...Dieb!" schrie eine Frau, die ans Fenster eilte. Tatsächlich hielt der junge Mann eine Schatulle in der Hand. Schnell rannte er die Gasse entlang. Pullus sah dem gleichgültig hinter her. "Na, oder willste lieber die dicke Venia? Ist jedoch nur fast rothaarig."

  • Zitat

    Original von Hannibal
    Pullus sah unwillig auf. Zwar war es immer gut, neue Kunden ins Lupanar zu locken, aber sein Bein schmerzte gerade. Eigentlich wollte er lieber sitzen bleiben. Aber wenn ihn sein Brotgeber erwischen würde, wie er einen Kunden vertrieb, würde es Ärger geben. Grummelnd stand Pullus auf. Er reckte sich uns seine Knochen knacksten leise als die Gelenke aufeinander rieben. "Ne Rothaarige? Da fällt mir gleich die süße Licilla ein. Rothaarig und ne Wucht. Hab sie selber schon geritten! Kannst sie Dir leisten? Ein Denarius, Sonderwünsche gehen extra!" Pullus schniefte und spuckte gegen die Wand. Auf der gegenüberliegenden Seite öffnete sich ein Fenster und ein junger Mann kletterte nach draußen. Hastig sah er sich nach rechts und nach links um. "Dieb...Dieb!" schrie eine Frau, die ans Fenster eilte. Tatsächlich hielt der junge Mann eine Schatulle in der Hand. Schnell rannte er die Gasse entlang. Pullus sah dem gleichgültig hinter her. "Na, oder willste lieber die dicke Venia? Ist jedoch nur fast rothaarig."


    Bevor Sedulus antworten konnte hörte er eine Frauenstimme "Dieb" rufen und im selben Moment sah er einen Kerl mit einem Gegenstand in der Hand davon laufen. Doch Sedulus ging das alles zu schnell und außerdem war er ja in zivil hier also war es ihm mehr oder weniger egal. ~Das nächste mal.~ Dachte er sich...
    Dann wandte er sich wieder dem Einbeinigen zu.


    Ne, lass mal gut sein. Ich denke ich nehm diese Licilla. Und vier Sesterzen hab ich alle mal bei mir. Gespannt wie denn seine Gespielin nun aussehen würde stand Sedulus neben dem Türsteher oder was immer er auch war und wartete.

  • Zitat

    Original von Hannibal
    Faszieniert verfolgte Pullus den Flug der Münze. Hoch und runter, hoch und runter. Wie schön sich das Sonnenlicht auf dem Bild des Kaisers spiegelte. Den Kaiser hatte unser Türsteher auch schon ein paar Mal sehen können. Jedoch nur aus weiter Ferne, wenn er wieder mal frei hatte zu den Ludi oder Wagenrennen. Wenn wir wieder einen kleinen unbedeutenden Ausflug in Pullus Vergangenheit machen dürfen? Früher hatte sich Pullus immer mal wieder vorgestellt, er wäre der Sohn des Kaisers. Immer genug zu Essen haben, jeder hörte auf einen und man hatte alles Spielzeug der Welt. Die Schattenseiten konnte sich KleinPullus kaum vorstellen. Flink griff der erwachsene Pullus nach der Münze und steckte sie ein. "Geschäfte? So, so, ja ich verstehe." Die Münze verschwand in Pullus kleinen Geldbeutel und er nickte dem Mann zu ihm zu folgen. Nach einem Namen fragte Pullus nicht. Zum einen interessierte es ihn nicht und zum anderen würde dieser ihm jenen nicht nennen wollen. Die Münze hatte auch genügt. Hinter den Beiden schloß Pullus die Tür. Am Eingang blieb er jedoch stehen und wandte sich um. "Deine Waffen musst Du mir geben!" Abwartend und prüfend musterte Pullus den Mann. Dabei stand Pullus auf einem dickleibigen Satyr, der sich mit einer Nymphe auf dem Gras unzüchtig vergnügte. Mitten durch das Bild ging jedoch ein scharf gezeichneter Riss.


    Marcellus hatte wirklich recht gehabt, als er meinte, das eine Münze Wunder bewirken konnte und er verkniff sich ein zufriedenes Grinsen, nickte nur stattdessen. Ein letzter sichernder Blick in die Gassen und dann folgte er dem Einbein. Auch was die Waffen betraf hatte Marcellus recht gehabt und er begann, wortlos, ihm zunächst den schmalen Dolch zu übergeben, den er aus seinem Gürtrl am Rücken zog. Dann folgte ein Dolch, den er an Ledermanschetten unter dem langen Ärmel des Hemdes trug, trotz das er in Rom lebte, bevorzugte er die Kleidung seiner Heimat Germanien, und einer, der in einer speziellen Halterung hinterm Rücken festgemacht war. Den Dolch am Knöchel, der dort gut versteckt in seinen Schuhen endete, würde er nicht abgeben.
    Bei dem entwaffnen fiel sein Blick auf das Bild und er grinste kurz, ehe er trocken meinte: "Schade um die Szenerie." Dann sah er zum Einbein hin und wartete, bis er soweit war.

  • Unbeeindruckt nahm Pullus eine Waffe nach der anderen entgegen. EInen der Dolche hielt Pullus dicht vor seinen Augen und ein Grinsen huschte über sein Gesicht. Oh, die Schneide, sie erinnerte ihn an eine frühere Begebenheit. In Germania als er noch Soldat war. Dort hatte er eine Auseinandersetzung mit einem Germanen um eine Wette gehabt. Eine solche Waffe schlitzte Pullus die Schulter auf, scharf diese kleinen Dinger. Der Germane lag am Schluß mit aufgerissenen Hals und einer tiefen Bauchwunde in der Taberna. Wie gut, daß ihn keiner damals erwischt hatte. Leise schmatzend steckte sich Pullus die Waffen ein und musterte den fremden Mann länger und schweigend. Er konnte sich denken, dass dieser noch irgendwo eine Waffe hatte. Wenn er klug war und so wie der sprach, war er es. Doch Pullus war es egal, vielleicht hatte der Mann auch keine mehr und war so eine ehrliche Haut. "Schad' um was...? Hmmm....egal, komm!"


    Humpelnd, obwohl Pullus das Bein schon einige Jahre hatte, führte er den Mann durch die düsteren Gänge. Zwar versuchten bunte erotische Bilder an den Wänden und die Öllampen diese aufzuhellen, doch mit den Jahren war die Decke von dem Ruß der Lampen geschwärzt und das Lupanar hatte nur kleine Fensterschlitze. Vor einer weit hinten liegenden Tür wandte sich Pullus kurz um, eher flüchtig. "Wart mal kurz..!". Pullus verschwand hinter der Tür. Aus einem der Nachbartüren trat eine rothaarige Frau hervor, die eine grasgrüne Tunika trug, recht schmucklos. Sie blieb stehen und musterte den Fremden prüfend. Sie verschränkte die Arme und starrte ihn unverhohlen an. Die Tür ging gleich wieder auf und Pullus trat heraus, er hielt die Tür dabei offen. "Hey, Licilla, haste nich' was zu tun?" Die Frau lächelte dünn und ihre Augen funkelten kalt. Langsam und ein wenig herausfordernd schritt sie an Pullus vorbei und verschwand hinter dem Gang. "Kannst reingehen. Er erwartet Dich!"


    Er hielt die Tür offen bis er hineingetreten war, hinter ihm wurde sie wieder zugestoßen. Im Raum war es düster und nur durch wenige Fensterlädenschlitze drang von der Sonnen etwas Licht in den Raum. Der Raum zeugte eher von einem stoischen Lebensstil, kahl und leer. Abgesehen von einigen alten Waffen, die an den Wänden hingen. Hinter einem Schreibtisch saß ein Mann, halb im Zwiellicht und halb von dem Schatten verborgen. Sein Gesichtsausdruck war nicht zu erkennen und seine Finger tippten immer wieder leise auf das Holz seines Stuhls. Schweigen hüllte den Raum ein und erst nach einigen Sekunden hob der Mann an zu sprechen. "Du suchst mich?"

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