Wein

Aus Theoria Romana

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Wein war im antiken Rom ein Grundnahrungsmittel und neben Wasser das wichtigste Getränk der Römer. Zu allen Mahlzeiten wurde Wein getrunken, wenngleich man sich mengenmäßig zum ientaculum (Frühstück) im Vergleich zum prandium (Mittagessen) und vor allem dem cena (Abendessen) sicherlich eher zurückgehalten hat.

Wein wurde von allen Schichten der Bevölkerung konsumiert und es war wohl auch nicht ungewöhnlich, dass Sklaven Wein tranken (Cato empfahl für die auf seinem Gut arbeitenden Sklaven eine tägliche Ration von einem Sextarius, dass entspricht 0,542 l). Der Tagesverbrauch für einen männlichen Einwohner der Stadt Rom kann auf durchschnittlich ca. 0,8 bis 1 l geschätzt werden, bei der weiblichen Bevölkerung dürfte er bei etwa 0,4 bis 0,5 l am Tag gelegen haben.

Typisierung und Charakteristika

Wein wurde zuallererst nach der Färbung in vier Sorten unterschieden und zwar in Vinum nigrum (dt. Schwarzer Wein), Vinum sanguineum (dt. Blutroter Wein), Vinum fulvum (dt. Gelber Wein) und Vinum album (dt. Weißer Wein). Süße (Vinum dulce) und außerordentlich süße Weine (Vinum praedulce) wurden ganz klar bevorzugt. Ein von den Römern als herb (Vinum austerum) empfunden Wein dürfte nach unseren heutigen Maßstäben vermutlich als halbtrocken gelten und ein für römische Gaumen halbsüßer Wein (Vinum tenue) würde nach heutigem Geschmack bereits als lieblich gelten. Zudem waren die antiken Weine relativ schwer und konnten einen Alkoholgrad von bis zu 16 bis 18 % aufweisen. Extra eingedickte und dann bereits sirupartige Lagerweine (die nur mit Wasser verdünnt oder als Gewürz Verwendung fanden) konnten sogar einen maximalen Alkoholgehalt von 20 % erreichen.

Aus der Masse der gewöhnlichen Landweine hob Plinius der Ältere in seiner Enzyklopädie Naturalis Historia rund 80 Spitzenweine heraus. Etwa zwei Drittel davon stammten aus Italia, aber diese herausragenden Weine wurden im gesamten Imperium gehandelt. An erster Stelle stand der bernsteinfarbene Falerner, welcher aus der Weinbauregion um Capua herum stammte. Auch Caecuber, aus dem Grenzgebiet zwischen Kampanien und Latium stand hoch im Kurs, ebenso Mamertinus aus Messina. Weitere Spitzenweine waren der Albaner, der relativ trockene Setiner (der Lieblingswein des Kaises Augustus) oder der Surrentiner, welcher jedoch nicht jeden Geschmack zu treffen schien (die Kaiser Tiberius und Caligula bezeichneten ihn angeblich übereinstimmend als Essig). Auch die weiteren Spitzenweine stammten größtenteils aus Anbaugebieten in Kampanien, Latium und Sizilien. Von den außeritalischen Weinen wurden vor allem jene aus Gallien, Hispania und Griechenland bevorzugt.

Herstellung und Lagerung

Um den Wein nach dem Abschluss des Gärvorgangs haltbar zu machen, bediente man sich verschiedenster Konservierungsmethoden (von denen einige nach unserem heutigen Wissensstand auch vollkommen unwirksam waren). Aus diesem Grund gab man zum Beispiel Schwefel, Salz, aber Harz, Terpentin, Aschenlauge oder gar Marmorstaub bei.

Der Wein wurde anschließend in Amphoren gelagert, welche bei besseren Weinen mit einem Etikett versehen waren, das über Sorte, Erzeuger und Alter Auskunft gab. Die Amphoren waren mit Gips oder Pech verschlossen. Man lagerte den besten Wein besonders gerne in den oberen Stockwerken, in einem Lageraum oberhalb des Bades, von dem aus Rauch in dieses Lager dringen konnte. Das sollte die Alterung des Weines begünstigen. Gewöhnlicher Wein wurde hingegen in der Cella vinaria – dem Weinkeller – möglichst kühl aufbewahrt.

Qualitätsweine wurde oft erst nach einer mehrjährigen Reifung getrunken. Der bekannteste und begehrteste römische Wein, der Falerner, galt beispielsweise erst nach 15 bis 20 Jahren als ausgereift. Sabiner ließ man etwa 7 Jahre reifen, Cumaner und Nomentaner etwa 5 Jahre. Die für einen gehobenen Massenkonsum produzierten Weine lagerten ungefähr 3 bis 4 Jahre.

Weingenuss

Vor dem Trinken des Weins, wurde er durch ein Sieb oder einen Filtriersack aus Leinen geseit, um die darin enthaltene Hefe herauszufiltern. Häufig wurde er anschließend mit Wasser gemischt (etwa im Verhältnis 2:1 bis 3:1, wobei hierbei fraglos der persönliche Geschmack die entscheidende Rolle spielte). Man sprach dann von Vinum mixtum oder Vinum dilutum. In zwangloser Runde oder wenn man alleine trank, erfolgte dieses Mischen von Wein und Wasser wohl häufig direkt im Trinkgefäß und der Einzelne konnte das Mischungsverhältnis selbst bestimmen.

Bei einem offiziellen Abendessen oder einer Feier war es jedoch obligatorisch, dass der Wein in einem speziellen Mischkrug mit Wasser vermengt wurde. Traditionell kürte man zuvor einen Rex bibendi (dt. "Trinkkönig"), dem die Aufgabe zukam, dass Mischungsverhältnis (für alle) zu bestimmen.

Unverdünnten Wein nannte man Vinum merum. In dieser Form wurde das Lieblingsgetränk der Römer natürlich auch konsumiert, aber es galt als leicht anstößig und wer es tat, der setzte sich dem Verdacht aus, ein Trunkenbold zu sein. So verspottete man laut Sueton den Kaiser Tiberius wegen seiner Vorliebe für Vinum merum angeblich als Biberius caldo mero, als "Säufer unvermischten Glühweins".

Glühwein (lat. Calda) wurde vor allem in der kalten Jahreszeit gerne getrunken und galt gegenüber gekühltem Wein als leichter bekömmlich.

Würzwein (lat. Vinum conditum) war ebenfalls sehr beliebt und es gab die verschiedensten Rezepte. Gerne wurde Pfeffer beigegeben und man nannte einen solchen, gepfefferten Wein dann Vinum piperata. Andere übliche Zutaten waren Rosinen, Anis, Minze und Fenchel. Aus De re coquinaria ("Über die Kochkunst"), dem Kochbuch des Marcus Gavius Apicius, ist zum Beispiel die Beschreibung für einen Conditum paradoxum genannten Würzwein überliefert: Man ließ Honig mit etwas Wein einkochen, gab Pfeffer, Safran, Mastix und geröstete Dattelkerne (oder ganze Datteln) hinzu und verdünnte die Mischung am Ende mit zusätzlichem Wein.

Das beliebte Mulsum war ein stark mit Honig gesüßter Wein, den man vorzugsweise zum Mittagessen trank, oder als Aperitif vor dem Abendessen. Das Verhältnis Wein zu Honig lag dabei gewöhnlich bei etwa 4:1 bis 2:1.


Literatur:
Imperium-Romanum.com
Wikipedia
Karl-Wilhelm Weeber, Alltag im alten Rom – Das Leben in der Stadt, 7. Auflage 2003

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