Parilia

Aus Theoria Romana

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21. April

Die Parilia waren ein der Göttin Pales geweihtes Hirtenfest, welches vor allem auf dem Land gefeiert wurde. In Rom wurde zusätzlich an diesem Tag der Geburtstag der Stadt (Roma condita) begangen, da Romulus der Legende nach am Tag der Parilia mit seinem Pflug die Furche für die erste Stadtmauer Roms gezogen haben soll.

Die städtischen Römer bestinnten sich an diesem Festtag daher auf ihre Wurzeln und gaben sich als 'Hirten'. Vor allem die Jugend feierte ausgelassen auf den Grünflächen der Stadt. Unter Bäumen wurden improvisierte Zelte aufgestellt und darin Tische und Lager aus Rasenstücken errichtet.
Die Vestalinnen gaben für die Lustratio Räuchermittel aus, die an verschiedenen Orten in Rom verbrannt wurden. Diese Räuchermittel (suffimen/suffimenta) enthielten unter anderem die Asche der an den Fordicidia verbrannten Rinderföten, das Blut des am Equus October-Rituals geopferten Oktoberpferdes und Bohnenstroh. Wahrscheinlicher Bestandteil des Festes war auch das Opfer eines Lamms. Das eigentliche Reinigungsritual bestand darin am Ende des Tages Dinge über ein Strohfeuer hinüber zu tragen und drei mal durch es hindurch zu srpingen, wobei die Teilnehmer mit Loorberzweigen mit Wasser besprengt wurden. Durch diesen Akt ließen die Römer die symbolische Hirtenzeit wieder hinter sich und wiederholten zugleich das Entkommen ihrer Vorfahren aus dem brennenden Troia.

Das Reinigungsritual der Hirten und Herden auf dem Land hatte dagegen nicht nur symbolische, sondern auch praktische Bedeutung. Die Hirten reinigten die Schafställe und räucherten sie mit desinfizierendem Schwefel und wohlriechenden Pflanzen aus. Auch die Schafe wurden dieser Räucherung unterzogen und die Schafställe anschließend geschmückt. Mit einbrechender Dämmerung folgte ein Sühneopfer, beginnend mit den unblutigen Gaben Kuchen und Milch für die Göttin Pales. Im Gebet baten die Hirten darum, dass die Göttin ihnen ihre rituellen Fehler, welche sie begangen haben mochten, verzeihen und den Tieren Gesundheit und Fruchtbarkeit schenken möge. Nachdem das Gebet gen Osten vier mal wiederholt worden war, sprang der Hirte über das reinigende Stohfeuer. In späterer Zeit war ein blutiges Opfer in Form eines Lamms, welches vor der Schlachtung am Rasenaltar einen Gang um die Schafställe zu machen hatte, Bestandteil der Opferzeremonie.

Das Datum der Parilia hatte vorwiegend praktische Gründe, fiel es doch mit dem Beginn des Viehaustriebs und dem wichtigsten Sprungtermin für Schafe zusammen. Die Parilia stellten ebenfalls den Zeitpunkt zur Neuregelung der sozialen Beziehungen zwischen den Hirten und den auf sie angewiesenen Bauern und Städter dar. Der Zusammenhalt wurde beim gemeinsamen Mahl und dem Gebet beim Opfer besonders betont.


Quellen: Jörg Rüpke: Die Religion der Römer, C.H. Beck, München 2001, S. 115/116;
Dorothea Baudy: Parilia, Der neue Pauly IX, Stuttart/Weimar 2000, Sp. 332 ff;
Inscr. It. XIII2, S. 443 Latte, S. 87; König, S. 57f.; Rhode, RE XVIII3, S. 89; Spira, Kl. Pauly IV, Sp. 513; Radke, Kl. Pauly IV, Sp. 424; Le Bonniec, LAW, S. 2222 & S. 2189; Scullard, S. 161;

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