Pannonia superior

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Inhaltsverzeichnis

Lage und Geografie

Pannonia superior war eine römische Provinz zwischen Ostalpen, Donau und Save, die in etwa das Gebiet des heutigen westlichen Ungarns, des Burgenlands und des Wiener Beckens umfasste. Seinen Namen erhielt sie von den Pannoniern, einem Volk, das wahrscheinlich illyrischer Abstammung war. Westlich schloss sich die Provinz Noricum an, im Süden Dalmatia und im Osten Pannonia inferior. Im Norden bildete die Donau die Grenze der Provinz und des römischen Reiches. Die Grenze zwischen Ober- und Unterpannonien zog sich vom Donauknie in südlicher Richtung bis zum Plattensee, von dort schließlich weiter nach Süden.

Das Land besitzt viele weite Ebenen und fruchtbares Ackerland, bewässert durch Nebenflüsse der Donau. Hier finden sich viele Landgüter, die sich jedoch auf die besonders fruchtbaren Gebiete (z.B. am Wiener Becken) konzentrierten und teilweise einen siedlungsartigen Charakter besaßen. Zu den wichtigen Flüssen zählten Arrabo (heute Raab), Danuvius und Hister (heute beide Donau), der Dravus (Drau), der Murus (Mur) und der Savus (Save). Der Plattensee war bereits unter dem Namen Lacus Pelso bekannt, während der heutige Neusiedlersee offenbar versumpft bzw. teilweise ausgetrocknet war.

Vorrömische Geschichte

Im Gebiet Pannoniens siedelten sich bereits sehr früh Menschen an (etwa um 5000 v.Chr.). Durch die Donau und die Bernsteinstraße kam es bereits auch zu kulturellem Austausch mit anderen Gebieten. In der Bronzezeit schließlich siedelten sich hauptsächlich keltische Stämme an, im 7. und 6. Jahrhundert stießen schließlich Skythen in den Raum vor, hinterließen jedoch wenige Spuren. Schließlich setzten die Kelten sich im Norden und Westen fest, während die pannonische Urbevölkerung den Süden und Osten weiterhin dominieren konnte.

Wie für die Nachbarprovinz Dalmatia kann davon ausgegangen werden, dass etwa ab dem 2. Jh. v. Chr. römischer Kontakt zum späteren Provizngebiet bestand. Nachweisbaren massiven Einfluss nahm Rom jedoch erst 35 v. Chr. mit der Eroberung des oberen Save-Tales durch Octavian, der bis nach Siscia (heute Sisak) vordrang. Die im Norden Pannoniens wohnhafte keltische Bevölkerung schien sich von dort an bereits mit der römischen Herrschaft arrangiert zu haben, während die illyrischen Stämme südlich des Savus erst gegen 9 n. Chr. durch Tiberius endgültig besiegt werden konnten.

Römische Geschichte

Zunächst wurde das Gebiet gemeinsam mit den weiter südlich und östlich gelegenen Landesteilen als Provinz Pannonia einem konsularen Legatus augusti pro praetore unterstellt, der über insgesamt drei Legionen mit Standorten in Poetovio (heute Ptuj-Pettau), Siscia und Carnuntum (heute Bad Deutsch-Altenburg) verfügte, wovon letzteres auch Sitz des Statthalters war. Unter Domitian kam eine weitere Legion hinzu und die beiden Stadtorte im Landesinneren wurden zugunsten grenznaher Stationierungsorte aufgegeben, so dass die Legionen nun außer in Carnuntum auch noch in Vindobona (heute Wien), Brigetio (heute Szöny-Komaron) und Aquincum (heute Budapest) lagen.

Unter Trajan wurde im Süden und Osten der Provinz ein schmaler Streifen entlang der Donau als eigenständige Provinz Pannonia inferior abgeteilt und 214 unter Caracalla auch der Legionsstandort Brigento der neuen Nachbarprovinz zugeschlagen. Urbanisierung und Romanisierung schritten seit der Provinzgründung jedoch nur schleppend voran und wurden vor allem durch gezielte Gründungen von Veteranenekolonien und Städten gefördert.

Bereits kurz nach der Mitte des 2. Jh. n. Chr. erhöhte sich entlang der Donau der Druck auf die Grenze und es kam mit dem Markomannenkrieg ab 167 n. Chr. zu ernsthaften kriegerischen Auseinandersetzungen. Danach herrscht noch einmal knapp 100 Jahre Ruhe, bevor ab etwa 260 n. Chr. Einfälle der Goten die Provinz verwüsten.

Diocletian teilt die Provinz entlang des Savus in Pannonia prima im Süden mit Siscia als Hauptstadt und Savia im Norden mit Savaria (heute Szombathely) als Hauptstadt. In der Hauptstadt Carnutum griff er als Greis schließlich auch noch einmal in die Reichspolitik ein und regelte seine tetrarchische Nachfolgeordnung. Zu jener Zeit konnten die Provinzen noch einmal aufblühen. Unter Konstantin jedoch war die Provinz wieder verfallen und Vandalen wurden hier angesiedelt. Nach der Schlacht von Adrianopel kamen auch Goten und Hunnen als Verbündete hinzu - eine Praxis, die auch Gratian fortführte. Die gotischen und markomannischen Raubzüge der Folgezeit führten auch zur Zerstörung zahlreicher Städte, darunter Carnutum und Vindobona, ehe letztere Volksgruppe auch offiziell in der Provinz angesiedelt wurde.

Zu Beginn des 5. Jahrhunderts kam es zu Aufständen der Landbevölkerung. Die Kontrolle konnte jedoch noch einmal zurückgewonnen werden, ehe schließlich die Hunnen das Land befielen, sodass die Provinz zusammenbrach im 6. Jahrhundert offiziell aufgegeben werden musste.

Wirtschaftliche und strategische Bedeutung

Die Bevölkerung der Provinz setzte sich stark aus keltischen und pannonischen Einheimischen zusammen, zu denen in den Städten eine römische Oberschicht aus Veteranen trat. Überhaupt besaßen die Provinzen aufgrund der starken Militärpräsenz eine sehr militärische Kultur. Seit severischer Zeit ist ein starker Zustrom von Immigranten aus dem Osten des Reiches erkennbar.

Durch die gezielte Ansiedlung von Veteranen in den neuen coloniae kam es in der Region auch auf dem Land zu einer starken Konzentration von Grundbesitz in römischer Hand. So sind sogar ritterliche, aber auch senatorische Großgrundbesitzer bekannt. Diese besaßen vor allem im Umland der großen Militärlager ihre villae rusticae, deren relative Schlichtheit für eine Konzentration auf den landwirtschaftlichen Aspekt spricht. Erst im zweiten Jahrhundert wurde auch das weitere Hinterland mit Villen überzogen.

Neben den Großgrundbesitzern hielten sich aber auch traditionelle Kleinbetriebe, oftmals von Soldaten oder Einheimischen bewirtschaftet. Dabei blieben auch traditionelle, nichtrömische Produktionsformen erhalten. Im Handwerk ist die Produktion von Fiebeln, Keramik, Glaswaren und Öllampen bekannt, die jedoch auch aus Italia über Aquileia importiert wurden. Die Provinz konnte sich über den eigenen Markt allgemein schlecht versorgen, sodass auch der Import von Fisch, Wein und Öl aus der Po-Ebene bekannt ist. Dafür konnte die Provinz mit Sklaven aus dem Barbaricum, sowie Bernstein als Luxusware aufwarten.

Seit dem Ende des 1. Jahrhunderts verlagerte sich der Handel von Italia stärker auf Germania und Gallia, wobei Carnutum und Aquincum als Schnittpunkt von Handelsstraßen und Limesüberquerungspunkte eine wichtige Rolle spielten. Die Transportgüter waren vor allem Vieh, Getreide und Holz. Der Handel über den Limes hingegen war erschwert, da Roheisen, verarbeitetes Eisen, Salz, Öl, Getreide, Wein, Waffen und Gold das Reich nicht verlassen durften und der Handel nur an festgelegten Handelsplätzen stattfinden durfte.

Insgesamt war Pannonia die am stärksten romanisierte und reichste Provinz an der Donau, was sie vor allem der starken Präsenz von Militär und in der Spätantike der Existenz der kaiserlichen Domänen verdankte. Erst mit der Ansiedlung der Barbarenstämme wurde Pannonien stärker geschwächt, sodass es schließlich zusammenbrach.

Literatur:
Tilmann Bechert, Die Provinzen des römischen Reiches, Mainz, 1999
Imperiumromanum.com: Provinz Pannonia

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