Numa Pompilius

Aus Theoria Romana

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Numa Pompilius (angeblich * 750 v. Chr.; † 672 v. Chr.) galt der Sage nach als der zweite König von Rom und trat die Nachfolge des Romulus an. Seine Regierungszeit wird häufig auf 715 – 672 v. Chr. angesetzt, es existieren jedoch unterschiedliche Angaben.

Inhaltsverzeichnis

Wesen des Numa Pomilius

Numa Pompilius soll ein Sabiner aus der Stadt Cures gewesen sein. Er war der Schwiegersohn des früheren Königs der Sabiner, Titus Tatius. Der Sage nach war Numa für seine Weisheit berühmt, deshalb sei sein Haar schon grau seit der Gebut. Er galt später auch als Schüler des griechischen Weisen Pythagoras, dies ungeachtet dieses scharfen Anachronismus, denn Pythagoras lebte deutlich später. Seine Frau war eine der friedichen Camenen, die Egeria, einer weissagenden Quellnymphe, die er in dem heiligen Haine zu Aricia besuchte, um sich in allen Dingen Rat und Unterstützung zu holen. Das Wesen des Numa galt allgemein als friedlicher. Er trauerte um das Volk, welches immer auf Krieg und Beute gerichtet war und wollte das Volk an eine mildere Gesittung gewöhnen und an ein friedliches Leben in strenger Zucht und Gerechtigkeit sowie Furcht vor den Göttern.

Interregnum

Nachdem Romulus verschwunden war, dauerte es ein ganzes Jahr bis wieder ein neuer König an dessen Stelle treten konnte. In dieser Zeit wurde die Regierung vom Senatre geführt, aber in der Weise, dass die Regierung innerhalb eines bestimmten Tagesrhytmus zwischen den zehn angesehendsten Männern wechselte. Das Volk soll mit dieser Lösung nur wenig zufrieden gewesen sein und klagte, dass es statt eines Heern nun derer hundert erhalten habe. Es verlangte wieder nach einem König und die Wahl desjenigen solle dem Volke überlassen werden. Der Senat habe daraufhin nachgegeben und wollte die Wahl nur bestätigen. Das Volk gab dieses Recht aber wieder zurück und der Senat einigte sich schließlich auf die Wahl des Numa Pompilius.

Eine andere Geschichte besagt, dass das Volk sich darauf einigte, dass die zukünftigen Könige abwechselnd aus den bieden Stämmen, der Latiner oder Altrömer und der Sabiner, genommen würden und dass jedes Mal der eine Stamm den König aus den Reihen des anderen Stammes wählen würde. Darum wählte die latinische Bevölkerung nun allein den König Numa Pompilius, einem Sabiner.

Herrschaft

Nur zögerlich wollte Numa die Regierung annehmen, für die er gewählt war. Nicht eher bis die Götter durch ein Augurium zu ihrer Zustimmung befragt wurden, wollte er die Königswürde annehmen. Numa wurde also von einem Augur auf die Burg geführt und setzte sich, den Blick nach Süden gerichtet, auf einen Stein. Der Augur setzte sich mit verhülltem Haupte ihm zur Seite, in der Rechten den Knotenlosen Krummstab (lituus). Er blickte über die Stadt und das Feld, er grenzte mit seinem Stab einen bestimmten Bereich im Himmel ab und bat Iuppiter sich innerhalb dieses Bereiches zu zeigen, wenn Numa König werden solle. Er bestimmte auch durch welche Vögel und aus welcher Richtung sie geflogen kommen sollten und Iuppiter offenbarte die gewünschten Zeichen und Numa stieg als erklärter König wieder herab.

Numa regierte viele jahrzehnte lang. Rom und die umliegenden Lande sollen gleich dem goldenen Zeitalter gewesen sein. Überall herrschte Friede und Freude. Jedermann verehrte den milden und frommen König, der ein Muster aller Tugenden war. Hochbetagt starb er sanft schlummernd, tief betrauert von seinem Volke und die Egeria floh in die dichten Schatten des Haines von Aricia und zerfloss in Tränen zu einer Quelle. Viele später berühmte römische Adelsfamilien führten ihren Ursprung auf diesen ersten historischen König zurück. Er gilt beispielsweise als Stammvater der Marcier.

Betonung des Friedens

Numa schloss zunächst Friede und Freundschaft mit allen Nachbarvölkern Roms. Nachbarvölker riefen ihn angeblich häufig als Schiedsrichter bei Streitigkeiten an. Er baute als Symbol des Friedens am Fuße des capitolinischen Berges in dem sogenannten Argiletum dem Gott Ianus ein Heiligtum. Es war eine Halle mit doppeltem Tore. Während eines Krieges sollten diese Tore stets geöffnet sein, im Frieden aber fest verschlossen. Er selbst schloss das Heiligtum für seine ganze Regierungszeit. Nach ihm ist der Tempel bis auf Augustus nur noch zweimal geschlossen worden. Einmal nach Beendigung des 1. Punischen Krieges, dann durch Augustus nach der Schlacht bei Actium.

Relgionspolitik

Dem König lag vor allem daran seinen Bürgern die Gottesfurcht nahe zu bringen. So vermehrten sich unter seiner Amtszeit die Zahl der zu verehrenden Götter, er baute viele Tempel und Altäre und schieb aufs Genaueste das Zeremonienwesen des Gottesdienstes vor. Ebenso verbot er die das Menschopfer. Um die regelmäßige Verehrung der Götter zu gewährleisten ordnete Numa das Kalenderwesen, indem er statt des romulischen zehmonatlichen Jahres von 304 Tagen ein zwölfmonatiges Jahr von 355 Tagen einführte. Des Weiteren setzte Numa verschiedene Prieser und Priestercollegien ein. Die drei Hauptgottheiten des Staates Iuppiter, Mars und Quirinus (die erste göttliche Trias) erhielten jeder einen eigenen Priester, den Flamen Dialis, Martialis und Quirinalis. Für den Dienst der Vesta setzte er vier auserwählte Jungfrauen als Priesterinnen ein, um das heilige Herdfeuer zu bewachen. Nachdem während einer Seuche ein Schild (die Ancila) vom Himmel fiel, welches als Pfand zur Rettung des Staates gesehen war, ließ Numa zur Tarnung elf weitere Schilder anfertigen und gründete die Sodalität der Salii, die fortan zu Ehren des Mars an bestimmten Tagen die Schilder führten und Tänze veranstalteten. Auch schuf Numa ein Collegium von vier Auguren, welche für das Volk die Auspizien abzuhalten hatten. Außerdem schuf er das aus 20 Mitgliedern bestehende Collegium der Fetiales, welche dafür vorgesehen waren den Krieg in feierlicher Weise zu erklären und Bündnisse und Friedensschlüsse zu beschwören. Die Aufsicht über das ganze Religionswesen erhielt das Collegium der vier Pontifices, dessen Vorsteher der Pontifex Maximus als fünftes Mitglied war. Numa verfertigte über alle seine gottesdienstlichen Anordnungen eine schriftliche Übersicht (indigitamenta genannt) und übergab die dem ersten Pontifex Maximus Numa Marcius, damit sich das Volk zu jeder Zeit über alles, was auf den öffentlichen und den Privatkult bezug hatte, sich beim Pontifex Rat holen konnte.

Wirtschaftspolitik

Der besonderen Sorge des Numa galt darüber hinaus der Ackerbau. So bestimmte er, dass dienjenigen Ländereine, welche Romulus im Kriege gewonnen hatte, unter den ärmeren Bürgern zu verteilen waren. Das Volk sollte vom Ertrag der eigenen Arbeit leben können und dadurch nicht daran denken andere zu berauben. Er sorgte für die Abgrenzung der Ländereien und setzte den heiligen Dienst des Terminus, des Grenzgottes, ein. Wer fortan einen renzstein auspflügte, sei nun verflucht und den unterirdischen Göttern verfallen.

Handel und Gewerbe belebte Numa dadurch, dass er die städische Bevölkerung in Zünfte und Innungen teilte und den Marktverkehr regelte. Damit die Treue und der Glaube an den öffentlichen Verkehr heilig gehalten wurde, stiftete er den Dienst der Fides, der Treue.

Bewertung

Ähnlich wie bei Romulus hat man es auch bei Numa mit einer mythischen Person zu tun. Er ist die Ergänzung des Romulus, der Religionsstifter im Staate, welchem Romulus seine Existenz sowie seine politische und militärische Verfassung gab. Denn dem kriegerischen Romulus konnte man eine solche fromme und friedliche Wirksamkeit nicht zuschreiben.


Literatur:
Ihne, Wilhellm: Römische Geschichte, Bd. 1, Leipzig 1868.
Peter, Carl: Geschichte Roms, Bd. 1, Halle 1865.
Stoll, Heinrich Wilhelm: Geschichte der Römer bis zum Untergang der Republik, Bd. 1, Hannover 1879.

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