Mysterienkult

Aus Theoria Romana

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Inhaltsverzeichnis

Mysterienkulte

Das religiöse Panorama der Kaiserzeit lässt sich nur als äußerst vielfältig beschreiben. Neben der „klassischen“ römischen Religion wurden, insbesondere im Osten mit der Zeit aber auch immer stärker in Zentrum des Reiches, u.a. verschiedenste ursprünglich fremdländische Kulte betrieben, von denen sich die wichtigsten und bekanntesten unter dem Begriff Mysterienkulte überschreiben lassen.

Terminologie

Den Begriff mysterion wird normalerweise vom Verb myein – schließen, verschließen – hergeleitet. Diese Herleitung wird dann aber unterschiedlich gedeutet. Es findet sich die Bezugnahme darauf, dass dem Einzuweihenden während des Einweihungsrituales die Augen verschlossen werden oder dass ihm nach dem Ritual der Mund verschlossen ist, weil eine bestimmte Arkandisziplin über die erlebten Rituale besteht.

Sicherlich stehen im terminologischen Umfeld auch die Worte - mystis, mystikos. Es ist sicherlich nicht eigens darauf hinzuweisen, dass im heutigen Sprachgebrauch übliche Worte wie Mystik (oder der theologisch/religionswissenschaftliche Fachbegriff der Mystagogie) sich auf diese Terminologie beziehen

Allgemeine Charakteristika

Stufenweise Einweihung

Wenn ein jeder in einem römischen Tempel opfern konnte, so steht dies in großem Kontrast zu den verschiedenen Mysterienkulten, in denen es verschiedene Grade der Zugehörigkeit und der Einweihung in die Mysterien gab. Diese Initiationsrituale, von denen wir annehmen können, dass sie mit großen theatralischen Effzekten Affekte auslösen wollten, waren häufig an eine Symbolik des Todes und der Wiedergeburt gebunden, die den Urmythos desjeweiligen Kultes geprägt hat. "Zur Initiation selbst gehören heiliges Schauen (epopteia) und Mittun, beides eingebunden in eine dramatische Vergegenwärtigung des Mythos. Präsentation, rituelle Handlungen und Lesungen geben den „normalen“ Gottesdiensten das Gepräge, die z.T. auch gemeinsame Mahlzeiten kennen."(Kloft)

Verbindung Mythos - Ritus

Ebenso gemein ist den Kulten, die unter diese Kategorie gehören, dass sie sich in repräsentativ-symbolischer Weise einem Mythos verschreiben. In den Kulthandlungen (den Mysterien) - sei es nun in initiatischen oder auch in nicht-initiatischen Zusammenhängen - geht es darum den Mythos rituell zu vergegenwärtigen, ihn aus dem vor aller Zeit in das heute zu bringen, damit die Eingeweihten durch dieses Geschehen Trost, Zuversicht, z.T. auch einfach Erleuchtung erhalten können. In den Fällen, wo es sich im Mythos um eine Geschichte von Tod und neuem Leben drehte (vgl. z.B. Isis und Osiris) erfahren die Mysten sich als diejenigen, denen durch dieses Kultgeschehen ein neues, reines Leben geschenkt ist.

Bedeutung für die antike Religiösitat

Es ist sicherlich schwer nachzuvollziehen, welche Bedeutung die eine oder andere Religionsform für die Menschen hatte. Dennoch lässt sich - im Rahmen einer Hypothese, die von fast allen Fachleuten geteilt wird - die Frage stellen, was die Mysterienkulte in der späten Antike so attraktiv gemacht hat.

In der Literatur werden dafür immer wieder zwei Punkte genannt ( die mutatis mutandis auch auf das Ur-Christentum zutreffen). Zum einen ist dies der esoterische Charakter, der sich in den Initiationsriten und der Arkandisziplin wiederspiegelt. Zum andern ist aber sicherlich auch der spirituell-emotive Wesenszug der Mysterienkulte ein wichtiger Baustein, um das Phänomen zu verstehen, da sie zum technisch-rituellen römischen Religionsverständnis ein enthusiastisch-rituelles z.T. sogar orgiastisches Kultverständnis als Gegenpol setzten. Zu ergänzen ist wahrscheinlich noch, dass es zumindest zeitweise eine starke kulturelle Attraktivät der östlichen Reichsteile gab, die sich mit dem synkretistisch-offenen Kulturverständnis der römischen Eliten traf.

Die wichtigsten Mysterienkulte

Eleusische Mysterien

Mysterien der Isis

Dionysus-Kult

Mysterien des Mithras



Literatur:
H. Kloft, Mysterienkulte der Antike, München 1999.

H.-J. Klauck, Die religiöse Umwelt des Urchristentums, Stuttgart u.a. 1995

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