Kategorie:Imperium Romanum

Aus Theoria Romana
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Das Römische Reich (lateinisch: Imperium Romanum) war das von der Stadt Rom beherrschte Gebiet in der Zeit zwischen etwa dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. Jahrhundert n. Chr. Eine eindeutige Abgrenzung ist jedoch weder zur vorrömischen Epoche noch zum Byzantinischen Reich möglich.

Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung, zu Zeiten Kaiser Trajans, erstreckte sich das Römische Reich über die Gebiete rund um das Mittelmeer, über Gallia und große Teile Britannias und über die Gebiete rund um das Schwarze Meer (siehe auch Bosporanisches Reich).

Das Römische Reich übte einen großen Einfluss auf die von ihm beherrschten Gebiete, aber auch auf die Gebiete jenseits der Grenzen aus. In der östlichen Reichshälfte mischte sich dieser Einfluss mit griechisch-hellenistischen und orientalischen Elementen, während der Westen latinisiert wurde.

Latein, die Sprache Roms, wurde zur Amtssprache des Reiches. Aus ihr entstanden die modernen romanischen Sprachen Europas (Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch, sowie Ladinisch und Rätoromanisch). Sehr viele Lehnwörter finden sich aber auch in der englischen, deutschen und in den slawischen Sprachen.

Vor allem das Rechts- und Staatswesen in Europa ist maßgeblich vom römischen Erbe geprägt


Der Stadtstaat Rom, der zuerst unter etruskischer Königsherrschaft stand (Königszeit), gewann in Italia zunehmend an Einfluss, nachdem er sich ca. 500 v. Chr. von der Herrschaft der Etrusker gelöst hatte. Zu dieser Zeit erfolgte ebenfalls die Umwandlung des ehemaligen Königreiches in die Römische Republik, während derer ein Senat alljährlich zwei Konsuln zur Regierung bestimmte (das Jahr 509 v. Chr. ist jedoch spätere Fiktion; wahrscheinlicher ist die Zeit um 475 v. Chr.). Als ersten, einigermaßen festen, Punkt in der römischen Geschichte kann man dabei die Niederlegung des Zwölftafelgesetzes 451 v. Chr. sehen. Über die römisches Königszeit existieren verschiedene berühmte Legenden, die die römische Geschichte mit der Geschichte Trojas zu verknüpfen versuchen. Diese entstanden jedoch erst Jahrhunderte später.

Rom begann mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere Rückschläge verkraften (v.a. der Galliersturm von 387 v. Chr., der psychologisch seine Spuren hinterlassen sollte, sowie mehrere Niederlagen gegen italische Volksstämme). Es folgen die Samnitenkriege (1. 343-341 v. Chr.; 2. 327-304 v.Chr.; 3. 298-290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340-338 v. Chr.). Rom etabliert schließlich ein weitverzweigtes Bündnissystem. So wurden Kolonien an strategisch wichtigen Plätzen angelegt und Bündnisse mit mehreren italischen Stämmen geschlossen, die jedoch nicht das römische Bürgerrecht erhielten.


Der Aufstieg Roms - Expansion in Italia und im Mittelmeerraum Im 3. Jahrhundert v. Chr. setzte sich Rom gegen die Samniten und andere italische Stämme durch. Nach und nach fiel die gesamte Halbinsel an Rom (außer Oberitalien, welches erst später annektiert wurde). Im Süden verleibte sich die Republik, nachdem es gelungen war, den hellenistischen Condottiere Pyrrhos von Epiros abzuwehren, um 275 v. Chr. die dortigen griechischen Stadtstaaten ein. Mit dieser Expansion kam Rom allerdings in Konflikt mit dem bisher Rom freundlich gesonnenen Handelsrepublik Karthago (im heutigen Tunesien), was zu den Punischen Kriegen führte.

Im Ersten Punischen Krieg (264-241 v.Chr.) dehnte sich Rom nach vorherigen Spannungen auf Sizilien bis in karthagische Gebiete aus. Nachdem Karthago so provoziert die Römer von See aus angriff und schlug, baute Rom eine Flotte auf, um der Seemacht Karthago entgegentreten zu können. Nach mehreren Rückschlägen und wechselhaftem Kriegsglück gelang es Rom jedoch, besonders auf Sizilien Fuß zu fassen und die karthagische Flotte mehrmals zu schlagen. Karthago verlor fast alle Besitzungen und sann daher auf Rache. Im Zweiten Punischen Krieg (218-201 v. Chr.) gelang es dem genialen Strategen Hannibal beinahe, Rom in die Knie zu zwingen. Besonders die Niederlage bei Cannae (216 v. Chr.; die schwerste Niederlage in der römischen Geschichte) schmerzte, doch gelang es Hannibal nicht, das Bündnissystem Roms in Italia zu zerstören. Der römische Feldherr Scipio setzte 204 v. Chr. nach Africa über und besiegte Hannibal 202 v. Chr. bei Zama. Karthago verlor alle außerafrikanischen Besitzungen und seine Flotte. Es war als Machtfaktor endgültig ausgeschaltet, während Rom neben der neuen Provinz Hispania auch an Einfluss gewann.

Der Sieg über Karthago im 1. und 2. Punischen Krieg sicherte die Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer. In diese Zeit, genauer gesagt in die Zeit ab 200 v. Chr., fiel auch die Einmischung Roms in das Machtspiel der hellenistischen Großreiche. Dort waren die Großmächte nicht in der Lage gewesen, ein friedliches Zusammenleben zu erreichen. Es folgten Konflikte mit den Antigoniden, wobei Rom 200-197 v. Chr. in Griechenland intervenierte, um den makedonischen Einfluss zurück zu drängen.

Auch gegen das hellenistische Seleukidenreich führte Rom Krieg: Auf ein anderes Hilfegesuch hin kam es 192-188 v. Chr. zum Krieg gegen Antiochos III., in welchem Rom siegreich blieb. Antiochos musste auf einen Großenteil seiner Besitzungen in Kleinasien verzichten. Rom wurde damit zur de facto Vormacht im östlichen Mittelmeerraum. Versuche Makedoniens, die alte Hegemonie wieder aufzurichten, führten zum Krieg. 168 v. Chr. wurden die Makedonen endgültig besiegt und das Königreich zerschlagen, 148 v. Chr. schließlich in eine römische Provinz umgewandelt. So erging es 146 v. Chr. auch Griechenland (ab 27 v. Chr. Provinz Achaea, vorher zu Makedonien) und nach der Zerstörung Karthagos, welches wieder an Macht gewonnen hatte, im Dritten Punischen Krieg (150-146 v. Chr.), der neuen römischen Provinz Africa.

Pergamon wurde durch Erbvertrag 133 v. Chr. zur römischen Provinz. So erging es auch 64/63 v. Chr. dem Restreich der Seleukiden, das nicht mehr lebensfähig war, und von Pompeius, der eine Neuordnung des Ostens vornahm, zur Provinz Syria gemacht wurde. Nur das schwächelnde Ägypten der Ptolemäer, welches zu einem römischen Protektorat wurde, behielt seine Unabhängigkeit, bevor es im Jahre 30 v. Chr. ebenfalls im Römischen Reich aufging. Doch so glänzend auch die außenpolitischen Erfolge Roms gewesen waren - im Inneren bröckelte die Republik.


Die Revolutionszeit und die Bürgerkriege Die Republik geriet seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in eine innenpolitische Krise, die schließlich in die Epoche der Bürgerkriege mündete und mit dem Untergang der bisherigen Staatsform enden sollte. Hintergrund war zunächst der Ruf nach Reformen, vor allem im Agrarbereich. So sollte die nach den Brüdern Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus benannte Gracchische Reform die Grundbesitzverhältnisse reformieren, um den ärmeren Schichten der Bevölkerung zu Land und Brot zu verhelfen. Die Reform scheiterte am Widerstand der konservativen Senatskreise, doch blieb der Konflikt bestehen: die Popularen und Optimaten bekämpften sich gegenseitig, um ihre jeweilige Politik durchzusetzten. Auch machten sich innere Spannungen im Bündnissystem Roms bemerkbar, so dass es 91-89 v. Chr. zum so genannten Bundesgenossenkrieg kam. Am Ende wurde das römische Bürgerrecht auch den Bundesgenossen verliehen. Im Anschluss daran kam es 88 v. Chr. zur berüchtigten Vesper von Ephesus: Nach der Ermordung Zehntausender römischer Siedler zog Rom in den Krieg gegen Mithridates von Pontos und besiegte ihn nach mehrjährigen Kämpfen.

Diesen Ereignissen folgte der Beginn des römischen Bürgerkriegs, indem sich wieder Popularen und Optimaten gegenüber standen (Marius, Cinna, Sulla). Sulla bliebt siegreich und errichtete die Diktatur, doch hatte diese Lösung keinen wirklichen Bestand, zumal Sulla bald zurücktrat und die alten Kräfte sich wieder bekämpften. Die Krise der Republik wurde durch das (erste) Triumvirat verdeutlicht: der ehrgeizige Gaius Iulius Caesar, der erfolgreiche Militär Gnaeus Pompeius Magnus und der reiche Crassus gingen ein informelles Bündnis ein, um sich in ihren jeweiligen Interessen zu unterstützen. Nach dem Tod des Crassus in einem Feldzug gegen die Parther rangen die einstigen Freunde Caesar und Pompeius um die Macht im Staat (49-46 v. Chr.), wobei sich Pompeius auf die Seite des Senats gestellt hatte. Caesar obsiegte, doch wurde durch seine Ermordung verhindert, dass sich die Republik in eine Diktatur verwandeln konnte.

Nach der Ermordung Caesars im Jahre 44 v. Chr. gelang es den Anhängern der Republik jedoch nicht, die alte republikanische Verfassung wiederherzustellen. In dem Bürgerkrieg, der nun wieder ausbrach, setzte sich schließlich Octavian, der spätere "Augustus", gegen Marcus Antonius als in der Schlacht bei Actium als Sieger durch (31 v. Chr.).


Die frühe und hohe Kaiserzeit (Prinzipat)

Octavian zielte wie Caesar auf eine Alleinherrschaft. Doch anders als Caesar versuchte Octavian dieses Ziel nicht durch das Mittel der außerordentlichen Diktatur zu erreichen. Octavian ließ vielmehr die alte republikanische Verfassung formal in Kraft und sicherte seine Position durch die Übernahme verschiedener Ämter, vor allem durch die Übernahme eines mehrjährigen Kommandos über wichtige Legionen. Den alten senatorischen Adel konnte Octavian zu einer Anerkennung seiner Herrschaft bewegen. Der Senat sah in Octavian keinen König, sondern den "Ersten Bürger des Staates" (Princeps). Die von Octavian begründete Verfassung, die sich in wesentlichen Punkten von der alten republikanischen Verfassung unterscheidet, nennt man deshalb auch Prinzipat. Octavian selbst erhielt im Jahre 27 v. Chr. vom Senat den Titel "Augustus" (der Erhabene).

Das Imperium Romanum beherrschte zu diesem Zeitpunkt bereits den gesamten Mittelmeerraum. Auch der Westen und Süden Germanias gehörte zum römischen Reich, die Expansion nach Nordosten, die unter Augustus eingeleitet worden war, wurde aber durch die Varusschlacht im Jahre 9 gestoppt. Augustus' Adoptivsohn und Nachfolger Tiberius beschränkte sich auf weitgehend defensive Maßnahmen. Unter Claudius wurde jedoch Britannia dem Reich hinzugefügt, später folgte noch Thracia, das aber schon vorher ein von Rom abhängiger Klientelstaat gewesen war.

Mit dem Tod des als unfähig und wahnsinnig geltenden Nero, der vor allem das Militär verkommen ließ, endete 68 das julisch-claudische Haus. Dessen Nachfolge traten nach den Wirrungen des Vierkaiserjahres die insgesamt erfolgreich regierenden Flavier an, wobei Vespasian im Jahre 70 einen Aufstand in Judäa durch seinen Sohn und späteren Nachfolger Titus niederschlagen ließ. Nach Titus´ nur kurzer Regierungszeit trat sein Bruder Domitian seine Nachfolge an. 96 brachte ihn eine Hofintrige zu Fall und es kam zu einer Krisenzeit, welche jedoch unter den so genannten Adoptivkaisern überwunden werden konnte.

Die Zeit der Adoptivkaiser, die mit Nerva begann, wird allgemein als die Glanzzeit des Imperiums verstanden, sowohl kulturell als auch in Bezug auf die Machtstellung Roms. Seine größte Ausdehnung hatte das Römische Reich denn auch unter Kaiser Trajan im Jahre 117 erreicht, wobei Trajan, der als erster Kaiser aus den Provinzen stammte, als optimus princeps gefeiert wurde, als "bester Kaiser". Das Imperium erstreckte sich nun von Schottland bis Nubien in Nord-Süd Richtung und von Portugal bis nach Mesopotamien in West-Ost Ausrichtung. Unter dem gebildeten Hadrian, der die östlichen Eroberungen Trajans aufgab, kommt es zu einer inneren Konsolidierung des Reiches und zu einer zivilisatorischen, kulturellen und technischen Blüte, was die Ausbreitung des damlas noch jungen, wenn auch schon stark angewachsenen, Christentums begünstigte.

Um die Mitte des 2. Jahrhunderts schien das Imperium auf seinem Höhepunkt angelangt zu sein, doch traten unter Marcus Aurelius bereits die ersten Probleme auf (Kämpfe mit Germanen, besonders den Markomannen, und im Osten Kämpfe mit den Parthern). Das Reich kam in den folgenden Jahrzehnten nicht zur Ruhe. Von außen wurde es bedrängt, während im Inneren sich Zerfallserscheinungen bemerkbar machten. Nach dem Tod Marc Aurels, der allerdings gerade im Bereich der nördlichen Grenze nur vorläufige Erfolge verbuchen konnte, kam es zu einer Reihe von Krisenereignissen, zudem sein Sohn Commodus nicht in der Lage war, dem Reich Sicherheit zu geben.

Im 3. Jahrhundert konnten die Severer die Lage stabilisieren, doch kam es vor allem an der Ostgrenze zu schweren Kämpfen mit dem Neupersischen Reich der Sassaniden, die sich Rom als gewachsen erwiesen und den römischen Heeren eine ganze Reihe von Niederlagen bereiten sollten. Es folgte nach dem eher unrühmlichen Ende der Severer die Zeit der Soldatenkaisern, die der Lage allmählich Herr wurden und die Abspaltungen einzelner Provinzen (besonders Gallias) rückgängig machen konnten. 272 wurde Palmyra unterworfen, welches Teile der östlichen Provinzen Roms infolge der Krisenzeit des Imperiums erobert hatte. Doch bedrängten auch weiterhin die Germanen die Grenze, so beispielsweise die Alemannen und Goten.


Die späte Kaiserzeit und der Beginn der Spätantike

Mit Diokletian vollzog sich 284 der Übergang in die Spätantike, die von einer stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung sowie dem späteren Sieg des Christentums geprägt war, und die keineswegs die reine Zerfallszeit war, wie noch die ältere Forschung weitgehend meinte. Diokletian reformierte die Verwaltung und schuf die sogenannte Ordnung der Tetrarchie, wonach es zwei Senior-Kaiser (Augusti) und jeweils einen Junior-Kaiser (Caesar; pl.: Caesares) geben sollte. Denn für einen Kaiser alleine war das Imperium schon längst unregierbar geworden, besonders da der Druck auf die Grenzen ständig anwuchs. Die Idee der Teilung des Herrschaftsraumes war nicht völlig neu, doch wurde sie nun konsequenter umgesetzt. Allerdings wurde nicht der Gedanke der Reichseinheit aufgegeben. In diese Jahre fielen auch die letzten großen Christenverfolgungen.

Konstantin I. der Große, dessen Vater nach dem Rücktritt Diokletians und dessen Mitkaiser Maximianus das Amt des Senior-Augustus im Westen übernahm, gab sich damit nicht zufrieden. Er beseitigte nach und nach seine Rivalen und etablierte 324 die Alleinherrschaft über das Imperium. Bedeutend wurde seine Regierungszeit vor allem aus zwei Gründen: 1) Der Privilegierung des Christentums und 2) der Gründung von Konstantinopel. Der Blick des Reiches wandte sich mehr und mehr nach Osten. Konstantins Dynastie überlebte ihn nicht lange. Es folgten zunächst Bruderkämpfe, bis Constantius II. die Alleinherrschaft erlangte. Nach seinem Tod kam es 361 unter seinem Nachfolger Julian Apostata zu einer Reaktion des Heidentums, die aber nicht von langer Dauer war. Mit Julian erlosch auch 363 die konstantinische Dynastie.

Unter Valentinian I. wurde das Reich aus Verwaltungsgründen geteilt, was nach dem Tod Kaiser Theodosius I. endgültig wurde. Theodosius war nach dem Tod des Valens von Valentinians Sohn Gratian als Kaiser im Osten eingesetzt worden. Es gelang ihm nach der Niederlage von Adrianopel, die eingedrungenen Goten durch Verträge wenigstens vorläufig zu binden. 394 wurde Theodosius schließlich Alleinherrscher, nachdem es im Westen zu einer Reihe von Usurpationen und Revolten gekommen war; er war der letzte Kaiser, der über das gesamte Imperium herrschen sollte. Nach seinem Tod 395 kam es unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) zur Reichsteilung, die endgültig sein sollte.


Untergang des Reiches im Westen und Behauptung im Osten

Das Oströmische Reich überlebte die Wirren der Völkerwanderung, vor allem, da es der ökonomisch gesündere und dichter bevölkerte Reichsteil war. Im Laufe des 5. Jahrhunderts zerfiel allerdings das Römische Reich im Westen. Eine wichtige Ursache dabei bildete die Völkerwanderung. Das Reich verlor nach der Schlacht von Adrianopel 378 zunehmend die Kontrolle über seine westlichen Provinzen. Große Teile Gallias und Hispanias gingen bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts an die eingebrochenen Germanen (Vandalen, Franken, Goten) verloren. Vor allem der Verlust Africas an die Vandalen 435 war ein schwerer Schlag für Westrom. Der Regierungssitz war bereits um die Jahrhundertwende nach Ravenna verlegt worden. Und selbst Italien geriet immer mehr unter den Einfluss der Germanen. 410 plünderten die Westgoten die Stadt Rom, 455 folgten ihnen die Vandalen. Es gab mehrere Gründe für den Verfall und Untergang des Römischen Reiches, und welche Prozesse letztlich zur Transformation des weströmischen Reiches in eine Reihe von germanischen Staaten, die spätestens seit dem 7. Jahrhundert als souverän gelten konnten, führten, ist seit langem Gegenstand der Forschungsdiskussion. So bestand das Heer zum größten Teil nicht mehr aus römischen Bürgern, sondern aus barbarischen Söldnern. Die Stärke der Armee reichte zudem nicht mehr aus, um die Grenzen zu sichern. Im Inneren war die Verwaltung marode geworden, auch ein wirtschaftlicher Niedergang ist festzustellen, wenn auch nicht so dramatisch, wie noch die ältere Forschung meinte. 476 setzte der Germane Odoaker Romulus Augustulus als weströmischen Kaiser ab (letzter anerkannter Westkaiser war allerdings Julius Nepos gewesen). Odoaker sah sich selbst aber wahrscheinlich noch als ein "Germane in römischen Diensten" und seine Herrschaft in Italia als ein Teil des Imperium Romanum unter dem römischen Kaiser in Konstantinopel.

Anders war die Lage im Osten. Dies war der gesündere Reichsteil, der zudem über die größeren strategischen Reserven verfügte und auch die geschicktere Diplomatie betrieb. Die "barbarischen" Elemente in der Armee, die mit zum Untergang Westroms beigetragen haben, wurden noch im 5. Jahrhundert zurückgedrängt und zu Beginn des 6. Jahrhundert zum größten Teil ausgeschaltet. Und obwohl es zu schweren Kämpfen mit Hunnen und Sassaniden kam, blieb das Reich intakt. Unter Justinian I., dem letzten Kaiser, der Latein als Muttersprache hatte, konnten die Oströmer große Teile des Westens (Nordafrika, Italien, Südspanien) zurückerobern, während sie im Orient unter großen Anstrengungen die Grenzen gegen die Perser halten konnten. Die Wende kam Anfang des 7. Jahrhunderts, als zunächst weite Teile des Reiches zeitweilig von den Sassaniden erobert wurden. Nachdem Kaiser Herakleios den langen Krieg schließlich siegreich beendet hatte, konnte das erschöpfte Reich dem Angriff der islamischen Araber (arabische Expansion) kaum widerstehen und verlor ganz Syrien und Afrika. Das Oströmische Reich mit seiner Hauptstadt Konstantinopel blieb dann zwar staatsrechtlich noch bis in das 15. Jahrhundert erhalten, die inneren Strukturen veränderten sich nach etwa 640 aber so grundlegend, dass es gerechtfertigt erscheint, von nun an von Byzanz zu sprechen.


Quelle: Lexikon

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