Glücksspiel

Aus Theoria Romana

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Glücksspiel war im antiken Rom erstaunlicherweise seit alters her verboten. Eine Ausnahme bildeten nur die Saturnalien, an denen aber ohnehin vieles erlaubt, was sonst verboten oder zumindest verpönt war.

Erstaunlich ist dieses Glücksspielverbot deshalb, weil es nichtsdestotrotz, vor allem in Verbindung mit dem Würfelspiel, höchst beliebt war. Dieser Leidenschaft wurde praktisch in allen Schichten der Bevölkerung nachgegangen. In vielen Tavernen gab es eigens dafür eingerichtete Hinterzimmer, wo dem eigentlich illegalen Spiel um Geld recht ungehemmt gefrönt wurde.

Das wurde auch dadurch begünstigt, dass der Wirt ein denkbar geringes Risiko einging, denn er selbst machte sich hierbei nicht strafbar. Aber auch die Spieler konnten sich relativ sicher fühlen, denn die Kontrollen waren scheinbar sehr lax und die Strafen normalerweise recht gering. Schlimmeres als eine Geldbuße in Höhe des vierfachen Spieleinsatzes war gewöhnlich nicht zu befürchten, obwohl als Höchststrafe prinzipiell sogar das Exil drohte.

Man kann das Glücksspiel also als Kavaliersdelikt bezeichnen, dem sogar Kaiser nicht abgeneigt waren. Claudius soll eine ausgeprägte Spielleidenschaft besessen haben und sogar ein (allerdings nicht erhaltenen) Buch darüber verfasst haben. Selbst von Augustus, der doch eine so ausgeprägte Sittenpolitik verfolgte, ist überliefert, dass er um Geld spielte.

Seinem späteren Nachfolger schrieb er in einem Brief: "Wir haben, mein lieber Tiberius, dass Fest der Minerva recht angenehm zugebracht, wir haben nämlich an allen Tagen gespielt und das Würfelbrett nicht kalt werden lassen. Dein Bruder (Nero Claudius Drusus) hat das Spiel mit großem Geschrei gemacht; doch aufs Ganze gesehen, hat er nicht viel verloren, sondern vieles nach großen Verlusten wider Erwarten allmählich wettgemacht. Ich persönlich habe zwanzigtausend Sesterzen verloren, doch nur weil ich beim Spiel über alle Maßen freigiebig gewesen bin, wie, du kennst mich ja, fast immer. (...)" (Sueton).

Das Glücksspielverbot betraf im Übrigen nicht das Wetten auf die Ergebnisse von Sportwettbewerben, was sich in teilweise sehr hohen Wetteinsätzen, vor allem bei Wagenrennen und Gladiatorenkämpfen widerspiegelte.

Literatur:
Karl-Wilhelm Weeber, Alltag im alten Rom – Das Leben in der Stadt, 7. Auflage 2003
Gaius Suetonius Tranquillus, Hans Martinet (Übers.), De vita Caesarum – Das Leben der römischen Kaiser, übers. Ausgabe 2001

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