Besprechungszimmer I der Curia

  • Dieses kleine gemütliche Zimmer schien mir für die laufenden Besprechungen mit Antonia Annaea Minervina geeignet zu sein. Ich erwartete regelmäßige Berichte über die Beschlüsse in der Curia Provincialis Italia von ihr.
    Minervina war meine Verbindungsstelle zum Comes und zum LAPP. Für diese Lösung hatte ich mich entschieden und deswegen nicht selbst für die Curia kandidiert.


    Gespannt wartete ich auf die ersten Berichte.

  • Bevor ich das Zimmer betrat schaute ich zaghaft durch die einen Spalt geöffnete Türe.


    Salve Deandra!


    grüsste ich die Magistrata.


    Nun, ich habe gehört, dass ich dir Bericht über die Geschehnisse in der Curia geben soll. Also.... Marcus Sergius Stephanus wurde zum Princeps Curiae gewählt. Ferner wurde noch nichts beschlossen. Es laufen nur zwei Besprechungen, die eine von dir, wegen den Vigiles und die andere über eine Geschäftsordnung.

  • „Wir sollten uns setzen, Minervina“, sagte ich freundlich, nachdem ich ihr entgegen gegangen war. „Im Stehen redet es sich nicht so gut oder wolltest du gleich wieder gehen?“


    Ich ließ mich auf einem bequemen Stuhl der Sitzgruppe in meinem Zimmer nieder und bot Minervina an, neben mir Platz zu nehmen.


    „Wir sollten uns, auch wenn ich inzwischen Beisitzer der Curia geworden bin, dennoch in Abständen über unsere Gedanken austauschen. Einerseits, damit wir gleichlautend für Ostia handeln und anderseits stärkt das auch unsere Zusammenarbeit, was nur von Vorteil für die Stadt und uns persönlich sein kann. Möchtest du etwas trinken?“, fragte ich meine Besucherin.

  • Ich hatte total vergessen, dass ich nur einfach in der Türe stehen geblieben war und den Kopf durch einen Spalt hereinstreckte.


    Oh ja, im Sitzen redet es sich wirklich besser.
    Ich lachte auf.


    Ich muss nämlich nicht wieder gehen, ich habe Zeit.
    Zu Ostia; es wäre wirklich gut, wenn wir ab und an unsere Meinungen austauschen, damit wir auch nicht gegeneinander agieren.


    Ach ja, etwas zu trinken wäre schön, ich bin sehr durstig.

  • "Was bevorzugst du? Wasser oder Fruchtsaft vielleicht? Ich lasse nur ungern Wein kredenzen. Er vernebelt die Sinne und gerade mein Kopf schwirrt in letzter Zeit erheblich."


    Seufzend fühlte ich meine leicht erhitzte Stirn.

  • "Ich sehe schon, wir passen gut zusammen. Ich verabscheue auch den Wein, wobei man das hier in Rom nicht zu laut sagen darf", erwiderte ich in leisem Tonfall, aber mit einem Lachen auf dem Gesicht.


    Ein Wink und eine stets anwesende Sklavin brachte uns den Obstsaft. Zwei Becher füllte sie und reichte etwas Brot und Oliven dazu.


    "Ich muss mich erkältet haben", erklärte ich nach einem Schluck des edlen Saftes. Zumindest hoffte ich selbst, dass es nicht mehr als eine Erkältung war.


    Ich dachte kurz über das Gehörte von eben nach.


    "Hm, also Marcus Sergius Stephanus als Princeps Curiae. Ein guter Mann, ich halte viel von ihm. Bei der Wahl war ich nicht anwesend. Schön aber, dass jetzt zu wissen."

  • "Es ist immer äußerst lustig mit anzusehen, wenn vor allem die Männer etwas neben sich stehen, nachdem sie zu tief in ihren Weinbecher geschaut haben", sagte ich lachend und winkte ab. "Aber ich schweife vom Thema ab. Kommen wir zurück zu unserer Provinz."


    "Du sagst, mehr ist nicht besprochen worden. Hm, ich hatte mir das anders vorgestellt. Ich dachte an wirkliche Arbeit und vorzeigbare Ergebnisse. Vielleicht sollte man dort einmal Obstsaft kredenzen. Womöglich kurbelt der die Lebensgeister mehr an als der ihm artverwandte, gegorene."

  • Ich kann nur aus meiner Sicht berichten, ich denke, wir arbeiten momentan an der Ideensammlung für die Geschäftsordnung. Am besten überzeugst du dich selbst auch noch davon. Der eigene Eindruck ist auch immer der beste und genauste.


    Ich musste schmunzeln.


    Ich glaube, es ist auch einen Frage der Zeit, bis Ergebnisse zu sehen sein werden. Erst müssen die Ideen hin, dann kommt die Ausführung der Sache.

  • "Vermutlich hast du Recht, Minervina. Es ist wohl eine Schwäche von mir, ungeduldig zu sein. Ich möchte immer viel erreichen und das auch noch schnell. Es ist schon gut so, dass du dort reguläres Mitglied bist und nicht ich. Ich würde vermutlich einige mit meiner Rastlosigkeit in den Wahnsinn treiben."


    Bei dieser Vorstellung musste ich selbst lachen. Ich nippte an meinem Becher und wippte dabei übermütig mit dem übergeschlagenen Bein. Mir fehlte offenbar eine Betätigung, die mich so richtig schlauchte, damit ich endlich einmal zur Ruhe kommen würde. Ich war nicht ausgelastet.


    'Das wird es sein', dachte ich bei mir.


    "Wenn du meinst, dann werde ich demnächst dort noch einmal vorbeischauen. Ich verbinde es mit einem Romaufenthalt.


    Und was uns beide betrifft - ich würde mich gerne in Abständen mit dir zusammensetzen. Sagen wir etwa alle ein bis zwei Wochen?"

  • Ach, da sind wir wohl nicht gleich, ich habe Nerven aus Stahl und unendliche Geduld. Aber wehe, wenn diese mal zu Ende ist.... Dann kann sich das Gegenüber auf etwas gefasst machen.


    Ich lachte auf.


    Ja, so alle ein bis zwei Wochen bin ich auch in Ostia. Das lässt sich dann gleich mit einem Treffen verbinden.


    Ich merkte, dass Deandra sehr unruhig war und fragte dann spontan:


    Wollen wir spazieren gehen? Etwas frische Luft und Auslauf tut immer gut. Ich haber schon eine Idee, wo wir durchgehen könnten.

  • "Einverstanden, lass uns spazieren gehen. Bei der Gelegenheit kann ich gleich meinen Kopf etwas auslüften. Ich bin gespannt, wo du mich hinführen willst."


    Das war mal etwas Neues und ich freute mich darauf. Ohne zu überlegen folgte ich Minervina.

  • "Die Stelle ist noch frei, denn ich musste mich in letzter Zeit um andere Dinge kümmern. Erst seit heute hängt wieder ein Schreiben aus, das auf die Stelle hinweist. Gern nehme ich dich in den Dienst der Stadtverwaltung. Wann könntest du denn antreten?"


    Ich sah Minervina erwartungsvoll an und hoffte auf ihren baldigen Einstieg.

  • „Das freut mich, Minervina. Ich kann Unterstützung gut gebrauchen und weil du einmal hier bist … So ganz leicht ist es ja nicht, als Frau in eine Männerdomäne einzusteigen. Vielleicht finden wir ja gemeinsam Lösungen, die mir bislang nicht eingefallen sind.“


    Ich beugte mich zu Minervina vor. Es musst ja niemand hören, was ich nun zu sagen hatte.


    „Ich habe keine Ahnung, wer hier Straßenbauarbeiten bezahlt und muss das doch herausfinden. Mir ist bekannt, dass Legionäre diese bauen, aber nicht, mit wem ich diese Pläne abklären muss. Hast du eine Ahnung?“

  • Hmmmm... Lass mich überlegen, am besten wäre, du gehst zu einem Centurio oder einem anderen höheren Offizier und fragst ihn, ob er mit seiner Truppe bereit wäre, die Arbeiten zu machen. Ich denke, vielleicht könntest du auch die Vigiles von Ostia um Rat fragen.


    Ich überlegte weiter.


    Mehr weiss ich auch nicht gerade so aus dem Stand.

  • „Na ja, wer die Arbeiten ausführt, ist mir schon klar. Mein Problem ist die Finanzierung und vor allem – wo muss ich das als Magistrata ankurbeln?“


    Ratlos lehnte ich mich wieder zurück.


    „Welche Stellen muss ich befragen, welche Personen darf ich dabei nicht umgehen und vor allem eben – wer bezahlt?“

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