• Nachdem er vom Barbier Urbs-fein gemacht worden war, ging er mit Iduna der germanischen Sklavin seines jüngst ermordeten Neffen zum Forum.


    Und ja sie gingen. Es tat so gut wieder auf den Straßen Roms zu sein. Und jetzt wo er endlich auch in der Urbs seinen Dienst leisten würde, konnte er es nicht erwarten den Boden der astest unter den Füßen zu spüren.


    „au“, sagte er genervt als sie den Esquilin herunter gegangen waren und er auf etwas Spitzes getreten war. Er hielt an und schaute nach. Und es war wie er vermutet hatte nur eine Scherbe, eigentlich sollten seine Sohlen das aushalten, aber diese alten Treter taten dies schon lange nicht mehr. Von daher wandte er sich an Iduna: „Falls Du nichts anderes zu tun hast morgen... erkundige Dich bitte im Haus oder auch in der Stadt, wo ich denn gute und passende Schuhe bekommen kann, in Ordnung?“


    In diesem Moment erinnerte er sich an eine Lektion, die er von seiner Mutter gelernt hatte. Sklaven waren zwar vor allem dafür da, uns zu bedienen, aber sie würden es noch besser machen, wenn wir sie nicht nur als wandelnde Möbelstücke oder automatische Aufgabenlisten benutzen würden, sondern uns auch für sie und ihr Leben interessieren würden, wenigstens ein wenig (auch nicht viel mehr als das, aber ein wenig ist mehr als nichts). Von daher fuhr er fort...: “Hör mal Iduna, gestern hast Du gesagt Du hast eine Tochter... wie geht es ihr, wie alt is sie, ist sie gesund?“


    Und so gingen sie bis sie zum Forum kamen. Dort blickte sich Labeo um, als suche er etwas bestimmtes, von dem er wusste dass er hier irgendwo war, aber er sich nicht genau erinnern konnte wo.

  • Als Iduna, einige Schritte hinter Iulius Labeo die Domus Iulia verließ, warf sie einen raschen Blick in den Himmel. Dort oben wurden die Wolken vom heftigen Wind hin- und her gescheucht. Und es sah tatsächlich nach Regen aus. Ob Dominus Iulius Labeo die dunklen Wolken am Himmel ebenfalls aufgefallen waren? Schweigend folgte sie dem Iulier, bis sie das Forum Romanum erreichten und sich dort regelrecht in das Menschengewühl stürzten. Besonders fasziniert wirkte die Rothaarige von einem Fuhrwerk, das von einem zotteligen, braunen Pferd gezogen wurde.
    “Bist du schon einmal auf einem Pferd geritten Dominus?“
    Erklang die Stimme der Rothaarigen, als ihr Blick für einen kurzen Augenblick den Iulier striff. Mal sehen ob der Dunkelhaarige eine Antwort auf ihre Frage geben würde.


    Und so folgte Iduna dem Iulier abermals schweigend. Bis der Ältere ein Schmerzgeräusch über seine Lippen dringen ließ und Iduna automatisch zusammen zuckte.
    “Dominus?“
    Purzelte es über Idunas Lippen. Als sie auch schon anstalten machte in den Staub zu fallen, um sich Iulius Labeos Fußsohle genauer anzusehen. Stattdessen sollte die Rothaarige einen Meister für Lederware, insbesondere Schuhe ausfindig zu machen.
    “Ich werde auf den Traiansmärkten nach einem solchen Meister für Lederwaren Ausschau halten.“
    Denn auf dem Mercatus Urbis gab es ihres Wissens nach keine Verkaufsstände die maßgefertige Ledersandalen feilboten. Natürlich konnte sich die kleine Germanin auch irren.


    Als der Römer dann persönlichere Fragen stellte, wusste Iduna im ersten Moment nicht wie sie darauf reagieren sollte.
    “Meine Tochter wächst und gedeiht Dominus.“
    Schließlich schien die Rothaarige für einen kurzen Augenblick zu überlegen.
    “Aislin fängt das Laufen an Dominus. Bald läuft sie mir davon.“

  • Während sich ein kleiner oder vielleicht auch größerer Herbstregen sich durch sich zusammenziehende Wolkenstränge ankündigte, von Labeo wohl gesehen doch nicht weiterbeachtet, wurde der Iulier mit der Sklavin seines verstorbenen Neffen von einem Fuhrwerk abgedrängt, das doch eigentlich um diese Zeit hier nichts zu suchen hatte. Aber das war nicht sein Aufgabengebiet und würde es auch nicht werden. So zog er nur eine Augenbraue in die Höhe als er dem Kutscher nachschaute. Vielleicht hätte er ihm trotzdem etwas hinterher gerufen, aber glücklicherweise lenkte die junge Sklavin ihn mit einer Frage gerade noch ab.


    Du alter... oh.. ich meinte den Kutscher. Natürlich bin ich schonmal geritten. Mein Vater hat es mir beigebracht. Und... als ich in Deinem Land war, hat es mir sehr geholfen, dass ich ganz passabel reiten kann.


    Den Auftrag für gutes Schuhwerk zu sorgen nahm Iduna sofort an. Was Labeo nachdenklich machte - hatte die Sklavin denn nichts anderes zu tun, oder war sie von irgendjemandem auf ihn angesetzt worden, sei es mit gutem oder ungutem Hintergedanken. Nichts, was er die Sklavin jetzt fragen würde, aber später wollte er herausfinden, warum diese Sklavin ihm so zu Diensten war. Als er eine persönlichere Frage stellte, antwortete sie prägnant und doch war die Liebe zu ihrer Tochter nicht zu überhören. Das gefiel Labeo. So lange sie nur Dir wegläuft, und nicht Deinem zukünftigen Dominus...!, kommentierte er und lachte. Diesen Scherz hatte er sich nicht verkneifen können oder wollen. Ihm war bewusst, dass er damit die innerlichen Wunden Idunas berührte, aber mit Humor können solche Wunden auch abheilen, dachte er.


    Sie gingen kreuz und quer über das Forum, von einer Wand mit Anschlägen zur nächsten - ein Vorgehen, das noch eine peinliche Situation erzeugen würde, aber das, was Labeo suchte fand er nicht. An der dritten Stelle mit Ankündigungen schien er fündig geworden zu sein, aber dann rief er aus:O fimum! Auch hier nichts zu lesen von einer Lesung. Wirklich sch.....ade!

  • Das zottelige Pony vor dem Fuhrwerk stapfte treu voran und Idunas Blick ruhte auf dem Tier. Dabei furchte sich ihre Stirn für einen kurzen Augenblick. Wieso hatte dieses Pony denn nur so zotteliges Fell? War es etwa krank? Na hoffentlich nicht. Und so blickte die Cheruskerin dem Fuhrwerk nach. Bevor sie ihren Blick fragend in Iulius Labeos Richtung gleiten ließ. Denn dessen empor gezogene Augenbraue blieb Iduna nicht verborgen. Und insgeheim stellte sich die Sklavin die Frage, ob es tatsächlich eine so gute Idee gewesen war den Iulier auf das Forum zu begleiten.


    Denn sein Gemütszustand schien sich rapide zu verschlechtern. Ob dies mit den dunklen Wolken am Himmel zussmmen hing? Verabscheute Iulius Labeo etwa den Regen? Aber hatte er nicht gesagt das er sich bereits außerhalb der römischen Stadtmauern aufgehalten hatte? Ja. Dies hatte er tatsächlich. Denn an eben jene Worte erinnerte sich die Rothaarige noch ganz genau. Und der Iulier bestätigte es ihr tatsächlich noch einmal.
    “Wie hat es dir in Germania gefallen Dominus?“
    Purzelte es auch schon über die Lippen der Rothaarigen. Zeitgleich spürte sie wie ihr Herz dumpfer in ihrer Brust zu pochen begann.
    “Dominus Iulius Caesoninus wollte mich nach Germania Superior mitnehmen.“
    Nachdem diese Worte über Idunas Lippen gedrungen waren. Senkte sie augenblicklich ihren Kopf und schlich mit hängendem Köpfchen hinter dem Iulier über das Forum Romanum.
    “Meine Worte haben selbstsüchtig geklungen. Bitte entschuldige Dominus.“
    Entschuldigte sich die zierliche Rothaarige und warf dem Römer einen raschen Blick aus dem Augenwinkel entgegen. Wie der Iulier mit ihrer Entschuldigung umging?


    Gedanklich machte sich die Sklavin eine Notiz, dass sie auf den Traiansmärkten Erkundigungen über einen lederverarbeitenden Händler einholte. Denn ein solcher Händler konnte ihr auch maßangefertigte Ledersandalen besorgen. Als der Iulier ihren zukünftigen Dominus oder ihre zukünftige Domina ansprach, zuckte Iduna zusammen.
    “Ich habe Angst das ich mit Aislin auf dem Sklavenmarkt zum Verkauf angeboten werde.“
    Deutlich sah man der iulischen Sklavin die Angst an. Besonders ihre nun tiefdunklen Augen kündeten davon. Jedoch folgte die Germanin dem iulischen Gast weiterhin über das Forum und besah sich ebenfalls die Aushänge. Denn ein griechischer Hauslehrer brachte Iduna lesen und schreiben bei. Sowie das rezitieren bekannter Werke großer Philosophen.
    “Nach was halten Dominus Ausschau? Vielleicht kann ich Dominus helfen?“
    Bot Iduna mit angenehm, leiser Stimme an.

  • Gerade weil die Suche sich langsam als frustrierend erwies, war er froh, dass die junge Sklavin ihn begleitete. Natürlich war es ambivalent einer emotional labilen Person von ihrer Heimat vorzuschwärmen, aber vielleicht würde es sie ja aufbauen und trösten, wenn er mit Wertschätzung von dem Land im Norden sprach.


    Ich war ja nur einen Winter dort und eigentlich auch zumeist nur in dem einen Dorf, aber ich kann sagen, dass Tacitus und die anderen Schriftsteller nur bedingt recht hatten. der Teil Germaniens den ich gesehen habe war sehr schön


    Und er dachte dabei nicht nur an die Landschaft die weiten Wälder, die Seen und das merkwürdige gefrorene Meer, sondern und insbesondere auch an die Menschen oder noch besser gesagt eine ganz spezielle Menschin. Als er an sie dachte, huschte ein wirklich nur sehr leicht wehmütiges Lächeln über sein Gesicht, das er mit einem geschäftigen Blick auf einen Aushang Wegwischte.


    „Caesoninus hätte Dir nichts versprechen sollen. Denn auch wenn ich nicht damit rechne, dass die Iulier dich verkaufen“ - Labeo machte sich eine gedankliche Notiz: wer hatte eigentlich Iduna geerbt?] „, auch ein Iulischer Dominus ist nicht an die Versprechen gebunden, die Caesoninus gab, es sei denn es steht im Testament. Aber hab keine Angst. Es wird gut werden.“


    So suchte er weiter und tatsächlich würde es schneller gehen, wenn sie zu zweit suchten: „Wenn Du lesen kannst, suche doch mit mir in den Aushängen nach philosophischen Lesungen, keine Symposia. bevor ich mich richtig bei den Prätorianern eingearbeitet habe, sollte ich es wohl nicht übertreiben.“

  • Aus dem Augenwinkel blickte Iduna dem Fuhrwerk nach, welches nicht unweit von der Rothaarigen vorüber rumpelte. Ob das zottelige, braune Pony die Kraft dafür hatte? Und wo wohnte das Pony überhaupt? Diese und ähnliche Gedanken geisterten der Rothaarigen durch den Kopf, als sie dem Iulier in einigem Abstand folgte. So wie es sich für eine gehorsame Sklavin gehörte. Als der Römer dann jedoch von tiefverschneiten Berghängen sprach und von Raureif der auf den Wiesen glitzerte, seufzte die Germanin sehnsuchtsvoll auf.
    “Welchen Teil Germaniens hast du gesehen Dominus?“
    Wollte die iulische Sklavin mit einem neugierigen Klang in ihrer Stimme wissen und blickte aus großen Augen zu dem Römer empor.


    “Ich bin Cheruskerin Dominus.“
    Enthüllte die Sklavin ihre Herkunft und ließ ihren Blick neugierig über das Forum Romanum gleiten.
    “Meine Heimat ist wunderschön. Und ich.. ich vermisse Germanien.“
    Bei diesen Worten Idunas konnte man einen sehnsuchtsvollen Klang in ihrer Stimme wahrnehmen.
    “Wenn es ein Testament gab, dann müsste dort geregelt sein was mit seinem Eigentum geschieht, oder?“
    Murmelte Iduna mit einem fragenden Klang in ihrer Stimme und blickte erneut zu dem Iulier empor.
    “Wer weiß ob es ein solches Testament gibt? Maiordomus Phocylides konnte mir keine Antwort auf meine Frage geben.“
    Denn dann müsste die Rothaarige auch keine Angst mehr haben, richtig?


    “Praetorianer? Du bewirbst dich bei der Praetorianergarde Dominus Iulius Labeo?“
    Sprudelte es aufgeregt über Idunas Lippen. Bevor sie ihre Aufmerksamkeit vollends auf die Aushänge richtete und im nächsten Augenblick auf ein Pergament deutete.
    “Meinst du so etwas Dominus?“
    Fragend drehte die Rothaarige ihren Kopf in seine Richtung.

  • Als er Iduna den Namen ihres Stammes hörte, musste er nicht lange überlegen, wordier zu Hause war. Kein Römer konnte verneinen, von den Cheruskern gehört zu haben, auch wenn wir es nicht gerne zugaben.


    Ich war weiter im Norden, viel weiter. wo das Land auf zwei Seiten meerumschlungen ist und sogar noch weiter im Norden. Und glaube es oder nicht, ich verstehe Dich. Ich weiß, wie es ist fern von der Heimat zu sein. Auch als Soldat kann man nicht einfach so zurückkehren.“


    Als er, sie gingen derweil weiter, der cheruskischen Sklavin zuhörte fiel seinen Ohren auf, dass man allein vom Klang der Stimme ganz gut ablesen konnte, was Iduna fühlte. Sie könnte wahrscheinlich eine gute Vorleserin sein.


    „Hm, wenn es der Majordomus nicht weiß, dann gibt es vielleicht kein Testament, es war ja auch nicht zu erwarten dass Caesoninus so unvermittelt aus dem Leben gerissen würde. Dann würde Dich wohl....wahrscheinlich... also ich meine, dass Dich dann unter Umständen Iulius Dives erben würde. Der braucht auf seinen Landgütern wahrscheinlich immer Sklaven.“


    Mit dem, was er gesagt hatte, würde er der rothaarigen Cheruskerin wahrscheinlich eher Angst einjagen, denn sie beruhigen, so dass er schnell nachschob:Als Senator wird er aber auch ein paar persönliche Sklaven in Rom brauchen, die ihm das Leben in Rom erleichtern, wenn er denn mal da ist.“
    Sie kamen gerade am letzten noch nicht überprüften Aushang an, als Iduna ihn nach der Garde fragte: Naja, nicht so ganz. Man bewirbt sich nicht bei der Garde, die Garde wirbt einen an oder ab. Wie bei mir geschehen. heute noch bei der Classis und morgen ein Prätorianer. Aber sprich nicht davon. Es ist zwar nicht geheim, aber man bindet es auch nicht Jedem auf die Nase.


    Dabei wurde seine Stimme vom Wort zu Wort leiser. Eigentlich wusste er noch nicht wirklich wie er sich als Prätorianer zu verhalten hatte. aber Elite, war nunmal Elite und ein wenig Geheimniskrämerei würde wohl nicht schaden.


    Als Iduna dann einen Aushang fand der zwar von der Vorstellung eines philosophischen Buches sprach, aber nur von einem Epikuräer, seufzte er ein wenig und sprach: „Also im Prinzip ja“, Iduna würde schon bald lernen, das „im Prinzip ja“ nein meinte, aber das ist ein Epikuräer, nicht ganz meine Schule. aber das macht nichts. Morgen muss ich wieder in der Castra sein, da hatte ich gehofft, dass naja heute Abend etwas interessantes stattfinden würde, aber dem ist leider nicht so....“


    Labeo zuckte mit den Schultern und hätte beinahe vergessen, dass sie ja noch zum Theatrum Marcelli wollten. Aber das wird mir nicht den Tag verderben. Gehen wir jetzt zu Theater des Marcellus. Hier entlang., sagte er aufmunternd. Also sich selbst aufmunternd.


    Und er stürzte sich in die Menschenmenge, rasch voranschreitend zum Rand des Forums. In die Richtung in die er das Theatrum vermutete —fälschlicherweise.

  • Ohne länger darüber nach zu denken, offenbarte die Rothaarige dem Iulier ihre Herkunft. Wieso sollte sie darüber auch Stillschweigen bewahren? Auch wenn sie wusste was damals geschehen ist und von Arminius dem Cherusker. Und dennoch war es Iulius Labeos Aussage die Iduna skeptisch dreinblicken ließ. Der Römer verstand sie? Wurde er auch gewaltsam seiner Heimat geraubt? Nein. Wohl kaum. Und dennoch war da etwas in seinen Augen das Iduna zum nachdenken anregte.
    “Du bist doch in der Urbs Aeterna geboren?“
    Dies bedeutete das Roma seine Heimatstadt war. Wie konnte er sich denn dann einsam und heimatlos fühlen?
    “Wieso klingen deine Worte dann so als hättest du Heimweh?“
    Plapperte die Rothaarige. Bemerkte ihren Fehler und presste ihre Finger gegen ihre Lippen. Nein. Diese offensichtliche Neugierde stand ihr als Unfreie eigentlich nicht zu. Aber Iduna war noch jung und da sprudelten die Worte einfach ohne nachzudenken über ihre Lippen.


    Schweigend folgte Iduna dem Römer über das Forum Romanum und ertappte sich dabei wie ihr Blick allzu neugierig in jedes Eck wanderte. Bevor sie ihre Aufmerksamkeit erneut dem Iulier schenkte.
    “Dominus Iulius Dives würde mich erben und mich auf seine Landgüter mitnehmen?“
    Dies bedeutete die Rothaarige würde die Urbs Aeterna verlassen und auf eines der iulischen Landgüter verbannt. Wie eine Schwerverbrecherin. Ein Gedanke der Iduna innerlich in nervöse Unruhe versetzte. Vielleicht könnte sie Dominus Iulius Dives von dieser Idee mit den Landgütern abbringen. Ihrer Tochter würde es vermutlich gefallen. Wenn Aislin überhaupt mit durfte. Beim Gedanken an ihre Tochter umspielte dann doch ein Lächeln Idunas Lippen. Jenes geriet jedoch in deutliche Schieflage, bei den ernsten Worten des Iuliers. Was war wenn er mit seiner Vermutung Recht behielt? Nein. Daran wollte die Germanin einfach nicht denken und so schüttelte sie kaum merklich ihren Kopf.


    “Die Praetorianer sind doch so was wie die Geheimpolizei des Kaisers. Bist du da nicht stolz Dominus?“
    Wenn der Iulier auf diese Auszeichnung nicht stolz war, dann verstand ihn Iduna womöglich einfach nicht.
    Die Aushänge schienen den iulischen Gast auch nicht zufrieden zu stellen. Wie Iduna mit einem raschen Seitenblick feststellte und senkte betreten ihren Kopf. Als wäre sie für diese Aushänge verantwortlich.
    “Dann zum Theatrum Marcelli.“
    Wiederholte die Sklavin und blickte dem Iulier nach, als dieser sich in das Menschengewühl stürzte.
    “Dominus. Das Theatrum liegt in der entgegen gesetzten Richtung.“
    Ob er sie noch verstanden hatte, wusste Iduna nicht. Als sie sich auch schon an Iulius Labeos Fersen heftete, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Leichter gesagt, als getan.

  • Er hätte es sich denken können, dass Iduna nicht ganz verstanden hatte, was er damit gemeint hatte, als er sagte, dass er sie verstehen würde. Aber das war in Ordnung sie war jung und in vielerlei Hinsicht in einer schwierigen Situation. Im Grunde war sie wohl aufgeweckt und vielleicht ein wenig zu neugierig. Aber damit müsste ihr nächster Dominus klarkommen. Um sich nicht den Tage zu verderben überging er ihre erste Frage jetzt einfach, sie hatte eh schon deutlich gemacht, dass sie wusste, dass es ein wenig zuviel der an sich guten Neugier gewesen war.


    Über ihr weiteres Schicksal konnte er nicht viel sagen. Das weiß ich nicht, Iduna. Ich könnte es mir vorstellen. Aber vielleicht gibt er Dich auch in der Familie weiter. Verkaufen wird er dich aber wirklich eher nicht. Das wäre auch, Ehm, wirtschaftlich nicht vorteilhaft.. schließlich war ein kleines Kind im Schlepptau bei einer Sklavin eher Preisminderung. Ein Mund mehr zu stopfen, und eine geringere Arbeitsleistung. Und die Mutter und das Kind zu trennen. Das würde ein Julier ohne Not nicht tun - aber all das dachte er nur. Diese Gedanken würden die Cheruskerin nur überfordern.


    Natürlich bin ich stolz. Mein Vater war bei der Garde und ich bin es auch. Aber nicht alle Römer mögen die Garde, zum Beispiel wegen der Aufgabe, die Du genannt hast. Wenn du verstehst was ich meine


    Sie schien ihm noch etwas nachzurufen, aber Labeo verstand es nicht, stattdessen rief er zu ihr.„Nun komm schon, wir sollten uns ein wenig beeilen, gleich kommt ein Schauer, das will ich schon am Theatrum sein.

  • Die Worte des Iuliers klangen ernst und die Rothaarige zuckte unwillkürlich zusammen. Jedoch schwieg Iduna und schlich dem Römer mit gesenktem Kopf nach. Denn der Iulier wollte sich die Aushänge ansehen und Iduna hoffte das er dort das finden würde wonach er suchte. Ihre Finger hatte die Germanin miteinander verkrampft. Als auch schon der Wind auffrischte und Idunas Blick den dunkler werdenden Wolken nachblickte.
    “Dominus. Wir sollten uns beeilen.“
    Ließ die Sklavin ihre weiche Stimme erklingen und blickte dabei zu dem Iulier empor. Oder war es dem Römer egal wenn der Regen zu Boden tropfte und er durchnässt wurde? Hm. Wenn er sich in Germania aufgehalten hatte, dann durfte ihm so ein bisschen Regen eigentlich nichts ausmachen. Bei diesem Gedanken umspielte ein leichtes Lächeln die Lippen der Rothaarigen und ließen sie kurz zu dem Iulier empor blicken.


    Das weitere Schicksal der rothaarigen Sklavin befand sich noch immer in der Schwebe und die Ungewissheit nagte an der Rothaarigen. Wie sollte sie reagieren wenn es Dominus Iulius Dives oder Domina Iulia Graecina einfiel, ihre Tochter von ihr zu trennen? Natürlich würden abermillionen Tränen fließen. Und so verscheuchte die Germanin jenen düsteren Gedanken augenblicklich. Aber vielleicht würde ihre Tochter auch freigelassen und damit zu einer Libertina? Ein Gedanke der Idunas Herz nicht mehr ganz so angstvoll in ihrer Brust pochen ließ. Denn dann würde ihr Wunsch tatsächlich in Erfüllung gehen. Aus ihrer Tochter würde eine Freigelassene werden.


    “Ich werde meinem neuen Dominus, meiner neuen Domina so dienen, wie ich Dominus Iulius Caesoninus gedient habe.“
    Versicherte die Rothaarige und ihre Augen begannen tatsächlich zu erstrahlen. Auf das neue Aufgabengebiet des Iuliers nickte Iduna nur. Sie wusste nur das die Praetorianer die Leibgarde des römischen Kaisers stellten und als Geheimpolizei fungierten.
    “Ja Dominus.“
    Und Iduna beeilte sich dem Römer zu folgen. Bis ihr einfiel das der Dunkelhaarige in die falsche Richtung eilte.
    “Dominus? Das Theatrum befindet sich dort.“
    Hoffentlich verstand er sie jetzt und würde den richtigen Weg einschlagen.

  • Das Wetter verschlechterte sich zusehends. Aber Labeo machte sich keine Gedanken darüber, sie würden sehr bald das Thester des Marcellus erreichen, da sie sich für die Dauer des Schauers, denn mehr würde es nicht werden, im Eingsngsbereich des Theaters unterstellen könnten. Aber beeilen sollten sie sich vielleicht dennoch. Die germanische Sklavin rief ihm etwas zu, dass er als „Beeilung“ interpretierte. Er machte eine Geste, die ausdrücken sollte, dass er zustimmte und sagte: Aber ja doch, beeilen wir uns. Und keine Angst. Dein neuer Dominus wird Euch sicher gut behandeln.. Labeo war sich dessen sicher.


    Sicherer immerhin als des Weges, den sie gehen mussten. Er blieb stehen als sie an der Basilica Iulia vorbeikamen. Hm. Nein, nein. ich kenne den Weg! Von der Basilica Iulia nach rechts dann hinter dem Capitol nach Westen und dann sind wir auch schon da.


    Problematisch an dieser Erklärung war, dass das Capitol nicht auf der Von Labeo und Iduna aus rechten Seite der Basilica lag, sondern direkt hinter ihnen.

  • Tatsächlich lösten sich bereits die ersten Tropfen aus den tiefhängenden Wolken und Iduna warf einen raschen Blick in Richtung des Iuliers. Doch solange der Römer seinen Weg unbeirrt fortsetzte, würde auch die Rothaarige schweigen. Ohnehin stand es ihr als Sklavin nicht zu und vielleicht könnte man sich bei eben jenem Theater unterstellen.


    Als der Iulier dann seine Schritte beschleunigte, beeilte sich auch die Sklavin. Schließlich wollte sie Iulius Labeo nicht aus den Augen verlieren. Und als sie dann seine kaum merkliche Handbewegung erkannte, nickte die kleine Cheruskerin und eilte sich an seine Seite zu kommen.
    “Die Wolken sehen gefährlich aus Dominus.“
    Ließ Iduna ihre besorgte Stimme erklingen. Bevor sie ihren Blick auch schon gen Boden senkte.


    “Danke Dominus für deine aufmunternden Worte.“
    Murmelte die kleine Rothaarige und blickte dem Römer schließlich nach. Hm. Dieser Weg führte doch nicht zum Theatrum, geisterte es durch Idunas Gedanken. Aber vielleicht wusste der Iulier auch einfach eine Abkürzung? Als Iulius Labeo dann jedoch erklärte das er den Weg kannte, nickte Iduna und senkte artig ihren Kopf. Auch wenn die Germanin eine leise Ahnumg hatte, dass sie sich gerade auf der falschen Fährte befanden.


    “Kennst du dich auf dem Forum aus Dominus?“
    Schmunzelte die Sklavin und linste mit einem frechen Schmunzeln in seine Richtung.

  • Als die ersten Tropfen sein frisch geschnittenes Haar benetzten drehte Labeo sich zur germanischen Sklavin um, die fast zum ihm aufgeschlossen hatte. Und als er hinter der Sklavin ziemlich genau in der Richtung, aus der sie kamen - etwas zu seiner Rechten - den Hügel sah auf dessen Spitze die glorreichen Tempel der kapitolinischen Trias noch in den letzten Sonnenstrahlen glänzten, lachte laut aus. Iduna, Iduna, gerade wollte ich Dich tadeln, dass Du einen Römer niemals fragen sollst, ob er sich auf dem Forum auskennt. Und dann sehe ich, dass Du die ganze Zeit recht hattest. Wir waren die ganze Zeit im Südwesten des Forums, während ich dachte wir wären noch im Nordosten, wo wir es betreten hatten. Ich muss, und hier unterbrach sich der Iulier, weil er wieder zu lachen musste, ich muss so,vertieft von Anschlagstafel zu Anschlagstafel gelaufen sein, dass ich, dass ich - huh, unglaublich, dass ich den Tempel des Divus Iulius mit dem Saturnus-Tempel verwechselt habe.


    Das würde Labeo nicht wieder passieren. Aber das Du das niemandem erzählst!, sagte er immer noch lachend, obwohl er es einigermaßen ernst meinte, was er durch einen erhobenen Zeigefinger deutlich machte. Geh Du mal lieber voraus. Wir müssen uns jetzt wirklich beeilen, wenn wir nicht durchnässt werden wollen.

  • Ihrem Dominus schienen die Regentropfen nichts auszumachen. Und Iduna erinnerten die Regentropfen an ihre germanische Heimat. Sodass sie spürte wie ihr das Herz dumpfer in ihrer Brust pochte.
    “Dieser Regen erinnert mich an meine Heimat.“
    Murmelte die Rothaarige mit leiser Stimme und schluckte vernehmlich. Bevor sie ihren Blick gen Boden wandte und unbewusst zu dem Römer aufgeschlossen hatte. Seinen Blick, der über ihren Kopf glitt, verfolgte die Sklavin, in dem sie sich im Kreis drehte. Als sich die letzten Sonnenstrahlen in einer spiegelnden Oberfläche brachen, musste Iduna blinzeln und senkte automatisch ihren Blick. So verharrte die Sklavin mit gesenktem Kopf und lauschte dennoch den Worten des Römers.


    “Entschuldige Dominus.“
    Murmelte die Rothaarige und biss sich leicht auf die Unterlippe. Natürlich würde sie niemals zeigen das es sie freute, wenn ihre Herrschaft unrecht hatte.
    “Du warst wirklich vertieft Dominus.“
    Dann verstummte Iduna erneut und neigte kaum merklich ihren Kopf auf die Seite. Wenn sich der Iulier noch mehr Zeit ließ, wären sie bestimmt bald vollkommen durchnässt. Dies würde der Römer jedoch bestimmt bald von selbst bemerken. Oder auch nicht?


    “Ich werde nichts sagen.“
    Murmelte die Rothaarige und senkte ihr Köpfchen noch tiefer. Damit ihr die Regentropfen nicht vollständig die Sicht vernebelten. Und dann setzte sich die Sklavin in Bewegung. Ihr Ziel das Theatrum Marcelli. Auch wenn sie darauf achtete das der Iulier voranging. Und sie sich dennoch dicht an seiner Seite halten konnte.

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