Farbenmischer Pater Danuvius


  • Farbenmischer Pater Danuvius
    (Im Viertel nördlich der Kaiserforen und südlich der Porta Sanquaris gelegen)


    Feinste Tinte, beste Farben und unübertroffene Kosmetika!


    Alles echt und aus qualitätsbewusster Facharbeit


    Inhaber: Norius Carbo




    Angebotene Tinten: (WiSim-Preis: 2,50 Sesterze)


    Rußtinte:
    Einfache Tinte (wasseranfällig) aus Wasser, Ruß, Gummi arabicum und Essig


    Eisengallustinte:
    Hochwertige Tinte aus abgekochten Galläpfeln mit Eisensulfat, Wasser, Gummi arabicum und dem Farbstoff Methylblau


    Sepiatinte:
    Tinte aus getrockneten und gemörserten Tintenbeuteln von Tintenfischen


    Stangentusche ("Indische Tinte":(
    Feste Tuschenstange mit Ruß von verbrannter Nadelholzkohle und Lampenöl und mit einem Leim aus Gelatine vermischt, in Stangen gepresst und getrocknet



    Angebotene Kosmetika: (WiSim-Preis: 12 Sesterze)


    Farbpigmente zum Schminken:
    Azurit
    Antimon
    Bleiweiß
    Carmin Naccarat
    Malachit
    Lapiszuli
    Kohle-Öl-Gemisch (Schwarz)
    Bleiglanzpuder
    Zinnober


    Sonstiges:
    Gebrannter Kork (Wimperntusche)
    Fläschchen Olivenöl (Abschminken)
    Fläschchen Eselsmilch (Abschminken)
    Fläschchen Ziegenmilch (Abschminken)




    Angebotene Farbpigmente zum Malen:
    (WiSim-Preis: 2,50 Sesterze)


    Ägyptischblau
    Asphaltum
    Persischgelb
    Azurit
    Kalkblau
    Carmin Naccarat
    Palmdrachenblut
    Eisenblau
    Caput mortuum
    Grüne Erde
    Kupfergrün
    Indigo
    Jaspis
    Kermes
    Rubia
    Lapislazuli
    Malachit
    Königsgelb
    Saturnrot
    Mumienbraun
    Luteoleum neapolitanum
    Ockergelb
    Purpur
    Rauschrot
    Persischrot
    Rotholz
    Sepia
    Safran
    Rotbraun
    Umbra
    Zinnober

  • Die Wege der Götter sind unergründlich.
    Hatte Carbo gerade noch an seinem Willen festgehalten bloß in einem Zimmer der Taverna Apicia hockend zu bleiben und sich ansonsten ganz aufs Geldverdienen als Stationarius des imperialen Postdienstes zu konzentrieren, so fand er sich im nächsten Moment als neuer Inhaber eines Farbenmischereigeschäfts hier in Rom wieder, unweit seiner gastwirtschaftlichen Bleibe und das kam so...


    An jedem Morgen, wenn er auf dem Weg zu seiner Arbeit beim Cursus Publicus Italiae war, trat Carbo aus der Taverna Apicia hinaus und schlenderte dann die Straße hinunter in Richtung Forum Traiani und Forum Romanum. Dabei kam er immer an einem Geschäft vorbei, das auf seinem Schild über der Tür in vergilbten Lettern "Farbenmischerei Regulus" stehen hatte. Der Besitzer, ein altes Skelett von einem Römer mit langem weißen Bart, saß meist vor seinem Laden und beobachtete das Gedränge und Geschiebe der Leute auf den Straßen. Bald schon nach ein oder zwei Wochen begann der alte Regulus Carbo immer zu grüßen, wenn er an ihm vorbeiging, z.B. wenn er zur Arbeit ging, oder von dieser wieder zurückkam, oder einfach so draußen unterwegs war. Carbo grüßte stets brav zurück, machte sich aber ansonsten keine weiteren Gedanken über den alten Mann. Dann einmal hatte Carbo neue Tinte gebraucht und war in die Farbenmischerei Regulus gegangen, naheliegend, wo es ja fast direkt vor seiner Haustür war. Dies war der Moment gewesen, wo er zum ersten Mal mehr mit dem alten Regulus zu tun gehabt hatte. Er war schier beeindruckt welch eine reiche Auswahl an verschiedenen Tinten der Mann im Angebot gehabt hatte. Bislang war für ihn Tinte einfach immer nur... Tinte eben gewesen, aber nein, bei Regulus hatte er gleich als erstes gelernt, dass es da anscheinend riesige Unterschiede gab. Rußtinte (die kannte er), Eisengallustinte, Sepiatinte und was es nicht noch alles gab. Sogar so exotische Dinge wie Indische Tinte hatte Regulus im Angebot. Das war ein besonders obskures Ding für Carbo am Anfang gewesen. Denn indische Tinte war nicht flüssig -so wie Tinten das nun Mal zu sein pflegten-, sondern es gab sie in festen, trockenen Stangen zu kaufen. Diese Stangen musste man dann mit etwas Wasser auf speziellen Reibsteinen solange anreiben, bis die daraus resultierende Tusche die gewünschte Konsistenz hatte. Einfach unglaublich!
    Carbo wollte bloß ein Fässchen Tinte kaufen und entdeckte dank Regulus gleich eine ganze völlig neue Welt für sich. Immerhin hatte er als ehemaliger Schreiber ein besonderes Interesse an den Finessen des geschriebenen Wortes und dessen Utensilien. Auch merkte der Junge, dass Regulus ein angenehmer Zeitgenosse war. Eine ganze halbe Stunde nahm er sich alleine für Carbo Zeit, um ihn eingehend zu beraten und ihm alle Vorzüge und Inhaltstoffe der verschiedenen Tintensorten aufzuzeigen. Am Ende hatte er einfach von jeder Sorte je ein Fläschchen gekauft, alleine schon, um sie alle einmal der Reihe nach auszuprobieren. Besonders auf diese indische Tinte war er schon sehr gespannt.
    Als Carbo tags darauf morgens zur Arbeit ging, saß der alte Regulus wieder vor seinem Laden und grüßte ihn, so wie immer. Zusätzlich fragte er auch nach den gestern gekauften Tinten und ob sie Carbo gefallen würden. Dies musste er wahrheitsgemäß bejahen, auch wenn die Stangentusche ihm einige Schwierigkeiten und viele viele Flecken beschert hatte. Regulus hatte daraufhin lachen müssen und Carbo danach gleich für den Abend zu sich eingeladen, damit er ihm den richtigen Umgang mit diesem speziellen Schreibzeug näher brachte. Natürlich hatte er angenommen, schon ganz gespannt darauf die richtige Handhabung der indischen Tinte zu erfahren, denn es interessierte ihn auch, wieso ein so unhandliches Zeug die mit Abstand teuerste Tinte in seinem Laden war. So also besuchte Carbo Regulus des Abends nach seinem Dienst und mit Staunen beobachtete er den alten Mann dabei, wie dieser die wunderschönsten Tintenblüten auf den Papyrus zauberte. Wie die Melodie eines lieblichen Liedes waren seine Federstriche. Mal dick, mal dünn, je nach Konsistenz der Tusche und der Stelle der Feder mit der er schrieb. Er erzählte dem Jungen, dass die Leute in Indien auch Pinsel zum schreiben benutzen würden, womit sich noch bessere Resultate erzielen ließen. Ganz verzaubert war Carbo von dieser Erkenntnis.


    In den folgenden Wochen verbrachte Carbo immer wieder Zeit in Regulus' Geschäft und neben der wunderbaren Welt der Tinte erlebte er jetzt auch die faszinierenden Details des Farbenmischens. Die Herstellung der einzelnen Farbpigmente, die die Künstler und Maler für gewöhnlich brauchten war komplizierter, als er gedacht hatte, doch Carbo war von Natur aus neugierig und so wollte er natürlich wieder einmal alles wissen über dieses Themengebiet. Regulus freute sich einen so interessierten jungen Mann kennengelernt zu haben, dem er sein Wissen weitergeben konnte und so zeigte er ihm Abend für Abend immer neue Teilbereiche davon, wie man bestimmte Farbpigmente herstellte, welche es überhaupt gab und wie man sie richtig lagerte, ohne dass sie allzu schnell unbrauchbar wurden. Man konnte wirklich sagen, dass sich Regulus und Carbo angefreundet hatten.
    Auch die beiden Gehilfen des Alten waren freundliche Zeitgenossen die wussten was sie zu tun hatten. Selbstverständlich zeigte ihm Regulus auch die Herstellung der von ihm angebotenen Kosmetika für die feine Damenwelt Roms, doch das war weniger Carbos Fall. Sein Herz schlug auch weiterhin in erster Linie für die verschiedenen Tintensorten. Nach ein paar Wochen dieser regelmäßigen abendlichen Zusammenkünfte war Carbo bei weitem noch kein Meister, doch man konnte trotzdem behaupten, dass er inzwischen Ahnung hatte vom Geschäftsfeld der Farbenmischerei und das ganz ohne, dass er das je beabsichtigt hätte zu lernen. Ja ein oder zwei Mal hatte er sogar schon versucht eigene Experimente für neue Tintenrezepturen durchzuführen, mit mehr oder... weniger reichem Erfolg. Doch nichtsdestotrotz war Carbo gern in Regulus' Laden, um mit ihm und seinen beiden Mitarbeitern Zeit zu verbringen. Auch schon zu dem einen, oder anderen Abendessen war er eingeladen worden. In letzter Zeit jedoch hatte diese Regelmäßigkeit an Treffen ein wenig zurückfahren müssen, weil sich das Alter und damit einhergehend das Siechtum sehr stark bei Regulus bemerkbar gemacht hatte. Immer öfters lag er im Bett und war kraftlos, oder hustete unentwegt. Jetzt passierte es schon öfters, dass Carbo niemanden vor der Farbenmischerei sitzen sah, wenn er auf dem Weg zur Arbeit war und auch bei seinen gelegentlichen Besuchen am Krankenlager hatte der Alte manchmal kaum noch die Kraft zu sprechen. Der Tod zeichnete sich ab und warf seine Schatten immer weiter aus. Nicht mehr lange und Regulus würde mit dem Fährmann Charon den Styx überqueren. Doch bevor es soweit war, hatte er noch einmal eine ganz besondere Überraschung für Carbo. Es mochte eine oder zwei Wochen vor seinem Tod gewesen sein, als der Junge wieder einmal am Lager des Alten gesessen hatte. Dabei hatte Regulus mit aller Macht versucht möglichst klar und verständlich zu sprechen hatte Carbo dabei angekündigt, dass er sein Farbenmischergeschäft ihm vermacht hätte. Wenn Regulus tot wäre, wäre damit Carbo neuer Inhaber der Farbenmischerei Regulus!
    Das war ein unerhörter Schock für den Jungen, die beiden ebenfalls anwesenden Mitarbeiter jedoch verzogen keine Miene, anscheinend wussten sie schon von Regulus' Entscheidung.


    So also kam es, dass bald darauf Regulus starb und in die Unterwelt hinabstieg. Zurück ließ er ein gut laufendes Geschäft, das sich nun im Besitz eines jungen Norikers befand, der auf den Namen Norius Carbo hörte. In den ersten beiden Wochen konnte er es immer noch nicht fassen, dass all das jetzt ihm gehören sollte. All das Sortiment, die Lagerbestände an Rohstoffen, zwei Mitarbeiter(!) und natürlich die Geschäftsimmobilie selbst, alles seins. Es war wirklich ein Segen der Götter, dass Regulus Carbo mit dem Laden nicht alleine gelassen hatte, denn ohne die beiden Mitarbeiter hätte die Produktion schnell im Chaos geendet, trotz all der Dinge die der Junge in den letzten Wochen und Monaten über Tinten, Farben und Kosmetika gelernt hatte. Am Ende zählten doch Erfahrung und Feingefühl, um die Geschäfte reibungslos am Laufen halten zu können und das musste Carbo sich erst noch aneignen durch mehr Praxis. Jetzt wo alles ihm gehörte, machte er auch die eine oder andere Veränderung. So gestaltete er die Geschäftsräume neu und auch gleich etwas heller und moderner, die Farbpigmente die sowohl zum Schminken, als auch zum Malen zu gebrauchen waren, gab es jetzt doppelt je bei beiden Bereichen gelagert (womit Kosmetika und Malerfarben entgültig im Sortiment getrennt waren) und auch die Frontfassade ließ er renovieren und modernisieren. Auch bekam die Farbenmischerei Regulus einen neuen Namen. Nachdem alle Umbauarbeiten abgeschlossen waren stand Carbo stolz vor seinem neuen Geschäft und betrachtete das große neue Schild über der Tür auf der es in strahlenden goldenen Lettern hieß: "FARBENMISCHER PATER DANUVIUS".

  • >> Sklavenmarkt


    Tiberios trat in das Farbengeschäft "Pater Danuvius" ein, dessen goldene Lettern es ihm schon lange angetan hatten. Aber nun hatte er einen guten Grund , das Geschäft einmal aufzusuchen:
    Er hatte vor, für die Bibliothek der Casa Furia einen Codex aus dünnem , glattgeschliffenen Buchenholz, mit weißer Oberfläche zu erstellen und suchte die richtige Tinte.
    Als Scriba kannte er sich etwas mit Tinten aus , dennoch würde er sich gerne beraten lassen.


    Der junge Grieche rief : "Salve !", und schaute sich neugierig um.

  • An seine neue Rolle als Geschäftsmann musste sich Carbo erst noch gewöhnen, doch er musste zugeben, dass es ihm großen Spaß machte. Es war ein schönes Leben morgens aufzustehen und zu seinem Laden zu gehen. Dann aufschließen und zuerst einmal etwas Papierkram erledigen und die Warenbestände durchsehen, um auch ja gut für den kommenden Tag gerüstet zu sein. Die ersten Kunden sahen für gewöhnlich bereits kurz nach Sonnenaufgang herein. Meist jedoch nur Sklaven, oder Boten, oder Peregrini. Die feinen römischen Herren und Damen selbst kamen erst später am Vormittag, um bei ihm einzukaufen. Besonders der Frauenanteil war ungewöhnlich hoch, da sich schnell herumgesprochen hatte, dass dieser spezielle Farbenmischer eine ganze eigene Ecke nur mit Kosmetika für Frauen haben sollte. Der Witz dabei war jedoch, dass Carbo nichts weiter getan hatte bei sein er Übernahme, als die Kosmetika von den Malerfarben zu trennen, jedoch schien dies alleine schon einen ungeheuren Effekt gehabt zu haben. So wurden Frauen schnell ein nicht zu unterschätzendes Kundensegment seines Unternehmens neben Schreibern und Malern natürlich.
    Besonders stolz war Carbo darauf, dass er seit letzter Woche der offizielle Tintenlieferant eines großen Scriptoriums am Aventin war. Natürlich lebte der gute Ruf seiner Tintenprodukte hauptsächlich noch von der Arbeit von Carbos' Vorgänger, jedoch bemühte sich der Junge um jeden Preis, dass er das bislang angebotene Niveau von Preis und Qualität halten und irgendwann vielleicht sogar steigern konnte, das war er seinem alten Mentor schuldig. So oft es ging stand Carbo selbst im Laden, um die Kunden zu bedienen, dafür hatte er auch seine Arbeit beim Cursus Publicus etwas reduziert.


    Es war ihm, als würden sich die Leute in letzter Zeit besonders um die Tinte reißen. Nicht nur dieses eine Scriptorium, auch viele wohlhabende Familien hatten sich in letzter Zeit viel Tinte liefern lassen und dann gleich das beste vom besten, sodass seine Vorräte an Eisengallustinte fast aufgebraucht waren. Er hatte seinen beiden Mitarbeitern schon angeordnet, sich bei der Produktion verstärkt auf diese Tintensorte zu konzentrieren, doch ob er mit seinen Beständen noch über die Woche käme blieb fraglich. Natürlich war es gut, dass die Tinte knapp wurde, denn dies bedeutete viel Profit für ihn, doch die Frage des Nachschubs blieb trotzdem vorhanden. Carbo wollte es nicht erleben eines Tages einem zahlungswilligen Kunden sagen zu müssen, dass das von ihm gewünschte Produkt momentan nicht vorrätig sei. Derlei Gedanken gingen ihm durch den Kopf, als er gerade eine kleine Menge an neuer Eisengallustinte ins Regal stellte, als da die Ladentür aufging. Ein Junge trat herein und grüßte ihn.
    Carbo verstaute die Produkte, wischte sich die Hände an seiner Germanenhose ab und streckte dann zur Begrüßung seine rechte Hand aus.
    "Salve und Willkommen im Farbenmischer Pater Danuvius! Wie kann ich weiterhelfen?"

  • Tiberios staunte etwas, dass der Ladenbesitzer ihm die Hand geben wollte, diese Art der Begrüßung stand ihm nicht zu.
    Vielleicht hatte der Herr nicht erkannt, dass er ein Sklave war.
    Der junge Grieche gab die Hand, um nicht unhöflich zu sein, danach trat er zurück, verbeugte sich und ließ seinem Gegenüber Zeit ihn zu betrachten.


    Tiberios kleidete sich gewöhnlich in griechischem Stil mit einer Chlamys, einem Mantel, der über der Schulter mit einer Bronzespange befestigt wurde, da ihm die Kleidung eines römischen Vollbürgers verboten war.
    Aber er trug die Bronzetafel, die ihm sein dominus gegeben hatte, um den Hals und darauf war deutlich zu lesen:
    SERVUS AUTEM
    GN.FURIUS C.F SUB PHILUS


    Der Mann vor ihm schien jedoch kein Römer zu sein, denn er hatte diese bequemen germanischen Beinkleider an, an denen er sich nun die Hände abwischte.


    „Salve ,dominus Pater Danuvius und danke für dein Willkommen “, sprach Tiberios, der "Pater Danuvius" für dessen Namen hielt:


    Ich heiße Tiberios, Bibliothekar der domina Furia Stella.:
    Ich bräuchte für verschiedene Zwecke verschiedene Tinten , und ich wäre dir verbunden , wenn du mir diesbezüglich einen Rat geben könntest.
    Meine erste Arbeit soll ein Polyptychon * aus Buchenholz mit einer weißen Oberfläche sein. Dazu möchte ich eine hochwertige schwarze Tinte, die Schönschrift erlaubt und dauerhaft und sattfärbend ist.
    Es handelt sich um das Verzeichnis einer Bibliothek, und das sollte schon ein paar Jahre halten.."

  • Als Tiberios ihn mit dominus ansprach fühlte sich Carbo gleich etwas unbehaglich, denn er war es überhaupt nicht gewohnt so angesprochen zu werden, wo er sich als Peregrinus normalerweise selbst am Rande der römischen Gesellschaft wähnte.
    Daher hob er auch gleich eine Hand: "Danke für deine Ehrenbezeugung, aber um das gleich klarzustellen, ich bin kein Dominus, ja noch nicht mal Römer" gleich danach musste er jedoch grinsen, als er mit dem Namen seines Ladens angesprochen wurde.
    "Ich bin Norius Carbo aus Nor.., aus Mogontiacum, freut mich Tiberios, Bibliothekar der Furia Stella" Fast hätte Carbo Noricum gesagt, sich im letzten Moment jedoch dagegen entschieden, was wiederum ein komisches Gefühl in ihm auslöste. Doch damit würde er sich ein anderes Mal beschäftigen.


    Er begleitete Tiberios durch den Verkaufsraum zu dem Ort wo sie die diversen Tinten anboten und holte ein Fläschchen Eisengallustinte hervor, um es ihm anzubieten. "Ja, auch wenn wir gerade ein wenig knapp damit sind, so wäre das hier auf jeden Fall unsere berühmte Eisengallustinte aus eigener Produktion, denn alles aus dem Sortiment was Tinten, oder Farben angeht wird direkt hier im Haus nach den Rezepten meines Vorgängers Regulus hergestellt. So garantieren wir höchste Standarts und wissen was drinnen ist." Kurz schmunzelte er über seinen eigenen Witz, ehe er weitersprach:
    "Unsere Eisengallustinte hier z.B. stellen wir aus abgekochten Galläpfeln mit Eisensulfat her in Verbindung mit Wasser, Gummi arabicum und dem Farbstoff Methylblau. Letzteres bewirkt, dass die Farbe beim schreiben leichter sichtbar ist, aber keine Angst, er verblasst nach dem Trocknen was die Tinte schwarz macht hinterher. Methylblau verwendet nicht jeder von der Konkurrenz, du siehst also wir bemühen uns nur um das Beste."
    Dieser Regulus war schon ein Fuchs gewesen, das musste Carbo zugeben.
    "6 Sesterze würde das Fläschchen kosten."

  • Tiberios hörte aufmerkam zu, die Beschreibung der Tinte hörte sich großartig an.


    Der Ladenbesitzer wollte nicht als dominus angesprochen werden, also würde Tiberios die Form wahren, in dem er ihm beim ganzen Namen nannte.
    Seltsamer Name übrigens.
    Klang römisch und dann wieder irgendwie doch nicht : Norius Carbo.


    Dem jungen Alexandriner war auch aufgefallen, dass der Ladenbesitzer bei seiner Herkunft gestockt hatte. Von Mogontiacum hatte Tiberios schon gehört, weil dorthin sein Herr versetzt werden sollte, aber andere Orte im Norden kannte er ohnehin nicht. Das war für ihn alles Barbaricum .


    Tiberios musste herausfinden, ob der hohe Preis von sechs Sesterzen für diese Eisengallustinte – die billige Tinte kostete laut Tafel 2,5 Sesterzen – gerechtfertigt war.
    Es war schließlich nicht sein Geld, sondern das der domina, das er in Begriff war, auszugeben.


    Die Zugabe von Methylblau würde die Kontrolle des Geschriebenen sehr erleichtern, Norius Carbo.“, sagte er :
    „. Wäre es möglich, diese Tinte hier und jetzt auszuprobieren? I“


    Tiberios holte seinen bronzenen Calamos aus seinem Beutel und schaute den Farbenhändler erwartungsvoll an.

  • Eine Probe aufs Exempel sollte es also sein!
    Nichts leichter als das, wo Tiberios ja nicht der erste Kunde war der die Tinte ausprobieren wollte.
    Nichts leichter als das, bitte folge mir.
    Er führte seinen Kunden zurück zum Verkaufstisch und holte aus einem Fach ein Stück Papyrus und ein schon offenes Tintenfass hervor. Er stellte beides vor Tiberios ab. Auf dem Papyrus waren schon einige andere Kritzeleien, einzelne Wörter, oder bloß Schlangenlinien zu sehen von Kunden, die früher einmal eine Tinte ausprobieren hatten wollen.


    Um nicht jedes einzelne Fläschchen aufreissen zu müssen, nur damit es am Ende sowieso nicht gekauft wird, haben wir speziell fürs probieren hier die ganze Palette an Tinten. Hier hast du die Eisengallustinte, es ist die gleiche wie das verkorkte Exemplar, nur zu probier sie ruhig aus.


    Für den Fall, dass Tiberios auch die anderen Produkte testen wollte (bei einem Bibliothekar hatte er da einfach so ein Gefühl), stellte Carbo auch von den anderen Tintensorten die Probefässer auf den Tisch. Am leersten war das mit der billigen Rußtinte um 2,50 Sesterze, da diese am häufigsten gekauft wurde.
    Um auch gleich die trockene Version zu präsentieren (wenn sie schon dabei waren), wies er auf eine der jüngeren Schlangenlinien neben einem Wort, das mal mit dünneren und dickeren Strichen geschrieben worden war und sagte: „So sieht die Tinte nach der Trocknung aus, ein schönes und kräftiges Schwarz, findest du nicht? Aber versuche sie selbst jetzt, um auch ihre Schreiberfahrung zu erleben und sie in nassem Zustand zu sehen. Was ich dir sonst noch über diese Tinte erzählen kann ist, dass sie besonders beständig ist. Das enthaltene Bindemittel Gummi arabicum sorgt zudem für eine bessere Schreibbarkeit und schützt die Tinte vor Ausflockung. Ein bequemes Schreiben mit der Tinte ist uns sehr wichtig, weshalb wir einiges herumprobiert hatten, bis wir den richtigen Anteil an Gummi arabicum speziell für die Eisengallustinte gefunden hatten.
    Dies entsprach der Wahrheit, da das eines der wenigen Rezepte war, die Carbo nach Regulus‘ Tod abgeändert hatte. Sicher, die Tinte war auch vorher schon sehr gut und bei den Kunden beliebt gewesen, doch für seinen persönlichen Geschmack war sie doch noch etwas zu flüssig und unhandlich gewesen, was jetzt jedoch an die Erwartungen des neuen Chefs angepasst worden war.
    Im gleichen Zuge war auch gleich der Gummi arabicum-Anteil in der Rußtinte von Carbo leicht erhöht worden.

  • Tiberios betrachtete die Tinte, und zog sie ein wenig mit seinem Calamus an, um ihre Viskosität zu testen. Auch hier war er zufrieden.
    Es war schwieriger, auf Buchentafeln zu schreiben als auf Papyrus, daher kam es ihm auf ein weiches Schreibgefühl an.
    Der junge Sklave schrieb den Anfang eines Satzes von Platon „ Von dem Gewordenen aber sagen wir, daß es notwendig aus einer Ursache entstanden sei.“ zuerst auf Griechisch „Tõ, d’ au genoméno“ dann auf Latein „ Ex praemissis autem“ und schaute zu, wie die Eisengallustinte trocknete und einen schwarzen, satten Farbton annahm.
    Sie war perfekt, und Tiberios, der schöne Arbeitsmaterialien sehr schätzte, hätte am liebsten einen größeren Vorrat eingekauft.
    Er lächelte Norius Carbo an :
    „ In der Tat, sehr gut, Norius Carbo“, sagte er: „ Der Anteil von Gummi arabicum ist das Ausschlaggebende, nicht wahr? Ist es sehr schwierig gewesen, solch ein Rezept zu entwickeln ?“
    Das interessierte den jungen Alexandriner, wie ihn alles interessierte.
    Am liebsten hätte er den Ladenbesitzer gebeten, zuschauen zu dürfen. Aber solche Rezepte waren zweifellos Firmengeheimnis.
    „Von der Eisengallustinte würde ich eine Flasche nehmen.“, sagte Tiberios und griff dann zu der Rußtinte :
    „ Diese brauche ich aber auch.“
    Er schrieb seinen Satz weiter und bemerkte auch hier sehr gute Qualität:
    „Drei Fläschchen von dieser bitte. - Diese Spepiatinte , liegt sie in der Qualität zwischen den beiden ? Was kostet sie ?“
    Vielleicht konnte es hier ja einen Kompromiss zwischen Preis und Anspruch geben.

  • Carbo freute sich, dass sein Kunde offensichtlich Gefallen an seiner Ware gefunden hatte. „Bei der Eisengallustinte ist es ein wenig komplizierter, aber was die einfache Rußtinte angeht, so gibt die Art und Menge des verwendeten Bindemittels durchaus den Ausschlag über die Qualität. Die Rezepte stammen ebenfalls zu 98% von meinem Vorgänger, einem wahren Meister seines Fachs, dem dieses Geschäft seine Standarts verdankt. Denn so kommt es auch, dass für unsere Rußtinten ebenfalls Gummi arabicum anstatt anderer viel billigerer Bindemittel, wie z.B. Honig, verwendet wird, oder andere Kollegen mischen auch Harze, oder Öle darunter, um das Wasser und den Ruß zu binden, aber all das ergibt natürlich dann auch Tinten von unterschiedlicher Qualität. Unsere Rußtinten mögen wegen dem Gummi arabicum zwar um einen Sesterz und ein paar Asse teurer sein als die Honig- und Harzkonkurrenz, dafür ist sie aber auch besser.


    Wieder einmal erwischte sich Carbo dabei, dass er Verkaufsgespräche auf genau die gleiche Weise führte wie einst Regulus, die eigenen Produkte der Qualität wegen hochpreisen und dafür die billigere Konkurrenz kleinreden. Aber gut, immerhin hatte er das Händlerhandwerk auch von ihm gelernt. Wie oft hatte er Regulus dabei zugesehen, wenn dieser seine Kundschaft beraten und ihnen seine Ware verkauft hatte. Dabei gab es einige Tricks, von denen Carbo immer noch unsicher war, ob er sie alle schon beherrschte.
    Zu seiner Freude wollte Tiberios anscheinend mehr einkaufen als nur die Qualitätstinte, denn es kamen auch noch 3x Rußtinte und womöglich auch 1x Sepiatinte hinzu.
    Die Sepiatinte ist für den anspruchsvollen Vielschreiber für den Alltag gedacht, wenn es etwas besseres auf dem Papyrus sein soll als Ruß, man aber auch nicht gleich zur teuren Eisengallustinte greifen möchte. Sie kommt aus den Tintenbeuteln von getrockneten und zermörserten Tintenfischen und kostet 4 Sesterze das Fass“, erklärte Carbo seinem Kunden.

  • Tiberios nickte zustimmend und sagte:
    „Das Problem mit manchen Harzen habe ich selbst schon erlebt, sie härten teilweise unregelmäßig aus. Das ergibt Klümpchen und Geschmier beim Schreiben.“
    Er grinste nun :
    „Und schon bekommt der Scriba Ärger, der für minderwertige Tinte ja wirklich nichts kann.“


    Probehalber schrieb der furische Sklave nun mit der Sepiatinte seine Sätze zu Ende : einai genésthai. beziehungsweise causa effectus. .


    Diese Tinte war weich und satter von der Farbe als die Rußtinte, wenn sie auch an die Intensität der Eisengallustinte nicht heran kam.
    Tiberios schaute etwas bekümmert drein :
    „Die ist auch gut. Wie steht es mit ihrer Wasserbeständigkeit ?

    Vier Sesterzen, dachte er: Ganz schön viel.

    Er stellte das Fässchen erstmal zurück:
    Ich werde mein Budget damit überschreiten.“, sagte er und lächelte: bedauernd:


    Da ich nicht nur für den Privathaushalt der domina Furia Stella sondern auch für das Handelshaus Furii in Portus Ostienses die Schreibmaterialien besorge, frage ich dich einfach gerade heraus, Meister Norius Carbo : Wäre es möglich, mir mit dem Preis etwas entgegen zu kommen ?“

  • Carbo lächelte über Tiberios‘ Bonmot.
    Ohja, das kenne ich auch nur zu gut aus meiner Zeit als Stadtschreiber der Kommunalverwaltung von Mogontiacum. In Germania Superior hatten sie praktisch nur Tinten mit Harzen und Honig. Aber deshalb bin ich auch umso froher hier sowas nicht zu haben, außerdem mischen wir auch noch Essig darunter, da dies die Benetzung und damit die Verbindung zwischen Ruß und Wasser verbessert. Was hätte ich damals nicht alles gegeben für so eine Tinte wie die hier, das hätte mir einiges erspart“, grinste er.
    Bei diesen Gedanken fiel ihm ein, dass er später mal bei seiner Rückreise nach Mogontiacum unbedingt einige seiner Pater Danuvius-Tintenfässer mitnehmen musste. Den in Rom erfahrenen Schreibkomfort dank Gummi arabicum wollte er auch nördlich der Alpen nicht mehr missen.


    Carbo beobachtete, wie der junge Mann seine Sätze fertig schrieb, natürlich bemerkte er, dass er Griechisch und Latein schrieb, doch das war vermutlich die Mindestvorgabe für einen guten Bibliothekar, dass er beide Weltsprachen beherrschte. Auf die Frage wegen der Wasserbeständigkeit dann antwortete er: „Die Sepiatinte ist der billigeren Variante ähnlicher, als der teureren. Sie ist also auch nicht um so vieles wasserbeständiger, als die Rußtinte.
    Das verwendete Farbpigment mochte zwar von einem Meerestier stammen, jedoch wurde es ja für die Herstellung der Tinte getrocknet und anschließend ähnlich wie die mit Ruß verarbeitet. Anders als die Eisengallustinte, die ihre Wasserfestigkeit durch die enthaltene Gallussäure und das an der Luft oxidierte Eisen erhielt.
    Doch vermutlich war die Sepiatinte für Tiberios aus dem Rennen, da er sie zurückstellte. Schade, also vier verlorene potenzielle Sesterze bei den Tageseinahmen, dafür +1 Sepiatinte bei den Warenbeständen (oder mit anderen Worten, es war einfach gar nichts passiert).
    Die nächste Enthüllung war, dass Tiberios nicht nur für seine Herrschaft, sondern auch gleich für ein ganzes Handelshaus bei ihm einkaufte. Das freute ihn natürlich, versprach es doch womöglich weitere regelmäßige Einkäufe in der Zukunft, doch bei der Erwähnung des „Meisters“ lächelte Carbo wieder gequält. „Ich bin auch kein Meister, Carbo, oder Norius Carbo reicht völlig. Also der Preis, hmm...
    Er kratzte sich am Kopf, während er überlegte.
    Ja, also da kann man sicher was machen, wie wäre es mit einem Rabatt von 10% auf den für das Handelshaus bestimmten Einkauf? Dann könnten wir die auch gleich auf eine eigene Rechnung setzen, welche Waren würde das denn betreffen?

  • Tiberios lächelte wieder:: Der Händler war auch einmal Scriba gewesen, wenn auch wohl ein freier Mann, trotzdem, das machte ihn dem furischen Sklaven noch sympathischer.
    Essig kam also in die Rußtinte, aha, das verband die Partikel besser., interessant.


    Tiberios verbeugte sich kurz:
    „Ich danke dir für den Preisnachlass Norius Carbo , die drei Rußtinten wären in der Tat für das Handelshaus."


    Der junge Grieche rechnete kurz nach (und nahm seine Finger zu Hilfe):
    „Mein Budget beträgt 16 Sesterzen,
    geht die Eisengallustinte ab, dann sind das noch 10.
    Die 3 Rußtinten a 2,50, das ergibt 7, 50 ,
    mit dem Preisnachlass von 10% dann 6.75.
    Macht Summa Summarum 12, 75 , das heißt ,ich habe noch 3,25. über. "


    "Weißt du was - „ Jetzt lächelte er :
    Norius Carbo ohne dominus und ohne Meister , ich finde die Sepiatinte so schön, auch wenn sie nicht wasserfest ist. Ich bezahle die 3 Asse, die fehlen, aus eigener Tasche."


    Tiberios kramte in seinem einem eigenen Beutel:
    „“Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du mir zwei Rechnungen ausstellst, eine für das Handelshaus Furii und die andere für die domina Furia Stella von der Casa Furia. Die Sepiatinte dann auf letzere.“

  • Die drei Rußtinten fürs Handelshaus und die Eisengallustinte für den Privatgebrauch, sehr schön. Anschließend rechnete Tiberios alles noch einmal laut durch, was Carbo faszinierend und aufsehenserregend fand, das machten auch nicht alle Kunden. Zur Sicherheit rechnete er noch einmal selber nach und kam auf das gleiche Ergebnis. Somit war alles in Ordnung.
    Zu seiner Freude wurde die Sepiatinte doch jetzt auch mitgenommen! Also weitere 4 Sesterze, da freute sich die Kasse.
    Langsam schien Tiberios auch menschlich etwas aufzutauen, denn gegen Ende hatte er tatsächlich einen Scherz gegenüber Carbo gemacht in Bezug auf seine vorigen Titel und Anreden für ihn, was den Jungen natürlich auch freute.


    Carbo räumte die Probefläschchen und das angekritzelte Papyrus wieder weg und holte aus den Verkaufsregalen 1x Eisengallustinte, 1x Sepiatinte und 3x Rußtinte und stellte sie auf den Ladentisch. Dann machte er sich an das Ausstellen der Rechnung.
    Als auch das erledigt war legte Carbo sie seinem Kunden zur Kontrolle vor.
    "Ist darauf alles zu deiner Zufriedenheit? Nimmst du die Tintenfässer gleich so mit, oder soll ich sie dir einpacken?"




    Farbenmischer Pater Danuvius


    Rechnung


    ANTE DIEM XII KAL MAI DCCCLXX A.U.C. (20.4.2020/117 n.Chr.)


    An: Furia Stella - Casa Furia, Roma



    Gesamtbetrag: 10 Sesterze


    Vielen Dank für euren Einkauf
    und beehrt uns bald wieder!


    Alle Preise sind in Sesterze angegeben.




    Farbenmischer Pater Danuvius


    Rechnung


    ANTE DIEM XII KAL MAI DCCCLXX A.U.C. (20.4.2020/117 n.Chr.)


    An: Handelshaus Furii - Ostia



    Gesamtbetrag: 6,75 Sesterze


    Vielen Dank für euren Einkauf
    und beehrt uns bald wieder!


    Alle Preise sind in Sesterze angegeben.

  • Tiberios studierte beide Rechnungen etwas länger, denn er wollte keinesfalls etwas übersehen .
    Er war ein Sklave mit einem selbstständigen Arbeitsgebiet, was bedeutete, dass er keine offensichtlichen Fehler machen durfte, wenn er zur Strafe seine Privilegien nicht wieder verlieren wollte.


    Der Eigentümer des Handels, Norius Carbo , hatte die Rechnungen korrekt und genauso ausgestellt, wie Tiberios sie für seine domini benötigte.


    „Ich danke dir, Norius Carbo, alles ist zu meiner Zufriedenheit. Ich werde dich in Portus gerne weiter empfehlen. Möge Mercurius deine Geschäfte beschützen.“, sagte der junge Alexandriner mit einer kleinen Verbeugung:
    „ Ich würde die Tintenfläschen sofort mitnehmen.Für etwas Verpackungsmaterial wäre ich dir aber dankbar, damit nichts zu Bruch geht.“

    Er steckte seinen bronzenen calamos wieder ein und öffnete den Beutel, den er später an seinen Gürtel hängen würde.
    Die Rechnungen verwahrte er sorgfältig.

  • "Also einpacken, gerne der Herr!" Carbo erfüllte Tiberios seinen Wunsch und übergab ihm im Tausch für die Münzen die Tintenfässer in einem kleinen Lederbeutel, der innen mit kleinen Stückchen Schafswolle gefüllt war, so konnte alles unbeschadet und bruchlos die Heimreise überleben.


    "Hier bitteschön, vielen Dank für deinen Einkauf und die Weiterempfehlung, es war mir eine Freude! Mögen die Götter auch auf deine Wege Acht geben!"

  • Tiberios packte seine Einkäufe ein und versicherte sich, dass sein Beutel am Gürtel gut befestigt war.
    " Auch für mich war es eine Freude", sagte er und meinte es aufrichtig.


    Das war bestimmt nicht das letzte Mal, das er dieses Geschäft aufsuchte, er mochte Norius Carbos Freundlichkeit und Kompetenz, und die Tinten waren , so weit er sie ausprobiert hatte, erstklassig.


    Tiberios machte sich auf den Weg zur Casa Furia.




    Rufus


    Als Tiberios aus der Tür ging, kam ihm ein junger Römer oder Latiner entgegen.
    Tiberios wollte ihm sofort den Vortritt lassen, aber der junge Mann winkte ab und machte dem Sklaven eine Geste, er könne seinen Weg fortsetzen.


    Der junge Mann hieß Rufus Gellius Paterculus, stammte aus Latium und war 25 Jahre alt.
    Er hatte vor schon Wochen trotz fleißiger Arbeit seinen Bäckerbetrieb aufgeben müssen,
    seine Frau war mit dem Kleinen zurück zu den Eltern gezogen ,und er selbst schlief seit zwei Tagen auf der Straße, da er die Miete für sein winziges Zimmer in einer der Insulae der Subura schuldig geblieben war.


    Mit anderen Worten, es konnte nur noch aufwärts gehen.


    Noch war Rufus' dunkle Tunika einigermaßen sauber und ohne Flicken. Aber der junge Mann wußte, wie schnell man abgerissen aussah, wenn man obdachlos war. Er sah solche Menschen Tag für Tag in den Gassen der Subura.


    Rufus schaute dem furischen Sklaven nach. Sklaven haben es gar nicht so schlecht, für die wird wenigstens gesorgt, dachte er:
    Man muss ihnen kein Gehalt zahlen und die Konkurenz kann sie nicht abwerben……


    Der Latiner rief sich den Aushang das Stellenangebot ins Gedächnis, den er auf dem Mercatus gesehen hatte:




    Stellvertreter gesucht!


    Es wird ein Stellvertreter für den


    Farbenmischer Pater Danuvius


    gesucht!


    Ein potenziell angesprochener Interessent sollte dauerhaft in Rom wohnhaft sein, ein wenig von der Führung eines Unternehmens verstehen und eine schnelle Auffassungsgabe besitzen. Produktkenntnisse können vor Ort erworben werden.


    Bezahlung wird persönlich vereinbart, alle Interessenten melden sich bitte direkt im Geschäft an der Straße nördlich der Trajansmärkte in Richtung Taverna Apicia!




    Rufus Gellius Paterculus war in Rom wohnhaft und hatte drei Jahre lang seinen kleinen Betrieb geführt – wenn er sich auch im Endeffekt gegen die Großbäckereien mit ihren hunderten von Sklaven- Mitarbeitern nicht durchsetzen konnte.

    Schnell von Begriff war er auch, zumindest hatte sich noch keiner beschwert. Seine Schulbildung war ordentlich .
    Er würde lernen, was es zu lernen gab – und Farben klang schon einmal nicht schlecht. Bestimmt gab es jede Menge gehobene Kundschaft.



    Kurz und gut, er hoffte sehr, dass er dem Chef des Ladens , einem gewissen Norius Carbo sympathisch war ,und der es mit ihm versuchen würde.


    Rufus betrat den "Pater Danuvius".


    "Salve !", sagte er und schaute sich genauso neugierig um wie zuvor Tiberios, wenn auch aus anderen Gründen.

  • Carbo verabschiedete seinen Kunden und als dieser sich der Tür zuwandte, wollte auch er wieder in den hinteren Teil des Ladens, wo sich ein Teil der Mischwerkstatt befand, doch allzu weit kam er nicht, denn praktisch im gleichen Zug wo Tiberios das Geschäft verließ, betrat es ein neuer Kunde, ungefähr in seinem Alter wie er vermutete.


    So als ging Carbo freundlich lächelnd auf den jungen Mann zu und streckte ihm die Hand entgegen. "Salve und Willkommen im Farbenmischer Pater Danuvius! Ich bin Norius Carbo, wie kann ich dir weiterhelfen?"


  • Rufus


    Der junge Mann lächelte erleichtert, dann sagte er:


    "Salve, Norius Carbo, mein Name ist Rufus Gellius Paterculus, was aber zu lang ist, daher nenn mich einfach Rufus.
    Ich bin 25 Jahre alt und möchte mich auf die Stellenanzeige bewerben , die du auf dem Städtischen Markt hast aushängen lassen.
    Ich wohne dauerhaft in Rom und hatte meinen eigenen kleinen Betrieb, eine Bäckerei. ich weiß also, auf was es ankommt.
    Farben - noch keine Ahnung. Aber ich werde es lernen. "


    Rufus sprach mit der ruhigen Bedächtigkeit der Bauern aus dem Latium , nicht weil er langsam im Denken war, sondern weil er jedes Wort genau abwägte, das er sagte.

  • Doch kein Kunde, doch dafür etwas besseres!
    Carbo hatte seinen ersten Bewerber für die offene Stelle als sein zukünftiger Stellvertreter hier in Rom!
    Dabei hatte er sich schon Sorgen gemacht, ob sich überhaupt noch jemand auf seinen Aushang auf den Trajansmärkten hin melden würde, wo er das Inserat ja schon vor beinahe einem Monat aufgegeben gehabt hatte.


    Carbo schüttelte ihm die Hand und strahlte. "Es freut mich sehr deine Bekanntschaft zu machen! Bitte, folge mir doch!" Er führte Rufus in den nicht öffentlichen hinteren Teil des Ladens, wo es eine kleine Sitzgruppe gab, was quasi den Pausenraum des Ladens darstellte. "Bitte, setz dich doch. Darf ich dir etwas Wasser anbieten? Wein habe ich leider keinen hier und da fällt mir ein...Moment ganz kurz." Er lief in die Werkstatt und beorderte einen seiner beiden Mitarbeiter nach vorne in den Verkaufsraum. Er hatte zwar Farbflecken auf seiner Arbeitskleidung, aber das machte nichts, er würde für Carbo immerhin nur für die Dauer des Gesprächs einspringen müssen. Als also der Ladentisch auch wieder besetzt war konnte er sich endlich seinem Bewerber widmen.


    "Also die Sache ist die. Ich stamme eigentlich nicht von hier, sondern aus Mogontiacum in Germania Superior. Ich bin nur hier in Rom seit gut einem Jahr schon, um einige persönliche Angelegenheiten zu erledigen, die beinahe abgeschlossen sind. Dass ich diesen Laden hier während meines Aufenthalts erwerben würde war ungeplant geschehen und bestimmt wirst du jetzt besser verstehen, wieso ich einen Stellvertreter für mein Geschäft benötige, da meine baldige Rückkehr an den Limes bevorsteht. Da will ich mein Farbenmischergeschäft in der Ewigen Stadt natürlich in fähigen Händen wissen. Also du sagtest du hattest schon einmal eine Bäckerei, das ist gut, dann verstehst du ja schon einmal etwas von der Betriebsführung und dem Befolgen von Rezepturen, denn die spielen auch in dieser Branche eine ganz entscheidende Rolle! Erzähl mir doch bitte etwas von deiner Bäckerei und deinem bisherigen Werdegang."

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