Wasser hat keine Balken

  • Die ersten Tage im Senat seit seiner Rückkehr nach Rom hatten Gracchus ein wenig ermatten lassen, hatte er bisweilen doch das Gefühl, dem Geschehen nicht in Gänze folgen oder aber eine unter dem Offensichtlichen verborgene Ebene nicht detektieren zu können. Zweifelsohne hatte dies auch zu früheren Zeiten bereits für die ein oder andere Debatte zugetroffen, insbesondere im Spiel um Ränke und Intrigen, doch nach seiner Absenz schien ihm diese Gegebenheit um so deutlicher. Allfällig enervierte ihn jedoch auch nur die Gesamtmenge an Konzentration, welche er im Laufe der Sitzung wieder musste aufbringen nachdem er in den zurückliegenden Monaten seinen Geist nur mit sich selbst hatte beschäftigen müssen. Doch auch in seinem Heim blieb nicht alles derart erfreulich wie es zuerst den Anschein hatte, ob dessen er an diesem Tage seine Gemahlin Prisca um eine Unterredung bat.

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  • Mein Mann will mit mir reden? … Ausgerechnet jetzt? Wäre der Zeitpunkt ein anderer gewesen, so hätte Prisca wohl keinen weiteren Gedanken über die Beweggründe seines Anliegens verschwendet. Reden konnten sie schließlich immer und überall. Einzig der Nachdruck, mit dem der Hausbote sie darauf hingewiesen hatte, dass diese Unterredung leider keinen Aufschub duldete, suggerierte der Aurelia hintergründig eine etwas ernstere Angelegenheit. Ist etwas schlimmes passiert? Ist jemand gestorben? Haben die Sklaven etwas angestellt? Hab ich etwas falsches getan? Gedanklich ging Prisca alle Possibilitäten durch, die als Kausalität in Frage kommen könnten, doch letztendlich würde wohl nur die verbale Konversation mit Gracchus für vollständige Aufklärung sorgen. Also folgte Prisca dem Sklaven grübelnd zu jener angedachten Lokalität der Unterredung, wo ihr werter Gemahl bereits auf sie wartete. Selbstredend war die Neugier und die innerliche Anspannung in Prisca sehr groß, weshalb ihr herzliches Lächeln zur Begrüßung mit sorgenvoll und fragend hochgezogenen Augenbrauen und einer leicht gekräuselten Stirn einher ging.


    "Gracchus! … Wie geht es dir? … Du wolltest mich sprechen?" Mit diesen einleitenden Worten und der Frage nach dem werten Befinden wollte Prisca ihrem Mann sogleich die Möglichkeit geben, das Mysterium seines Anliegens zu lüften und medias in res zu gehen. Zum Zeichen ihrer ehelichen Verbundenheit berührte Prisca nur kurz und sanft den Unterarm ihres Gatten, ehe sie die Hände züchtig vor dem Körper faltete und ihm gespannt und abwartend in die Augen sah.

  • Ein wenig unruhig schritt Gracchus durch den porticus des Peristyliums, beäugte dabei - gänzlich entgegen seiner sonstigen Gewohnheit - die herumstehenden oder ihren Tätigkeiten nachgehenden Sklaven kritisch, die Stirn in Falten gelegt.
    "Prisca"
    , empfing er seine Gemahlin und bestätigte sein Begehr ohne auf sein Befinden einzugehen.
    "In der Tat."
    Er nickte leicht.
    "Teuerste Gemahlin, ich bin in Sorge. Ich habe Kenntnis erlangt darüber, dass Claudia Sassia einen Leibwä'hter hat erworben, welcher selbst in diesem Hause an ihrer Seite wacht, welcher gar in einem Zimmer neben ihrem Gemach nächtigt."
    Allein dass einem Sklaven eigener Raum wurde zugestanden war etwas, das Gracchus' ein wenig aus dem Konzept brachte, doch mehr noch die Funktion desselben.
    "Ehedem noch ich diesen Insult bei Scato konnte anspre'hen, kam mir indes zu Ohren, dass auch du seit einiger Zeit einen solchen Leibwächter beständig an deiner Seite lässt ver..weilen, so dass dies augenscheinlich keine Geringschätzung unserer Familie bedeuten kann, welche mich sollte kränken, sondern derangiert und besorgt mich zurücklässt darüber, welche Gefahr die Frauen dieses Hauses dazu ver..anlasst, sich in ihrem Heim nicht mehr sicher zu fühlen?"
    Ein kleiner Affront blieb dennoch bestehen, da augenscheinlich niemand im Hause gewillt war mit ihm über diese Causa zu sprechen. Sein fragender Blick indes barg mehr Sorge denn Verstimmung, war die Villa ihm doch ein Bollwerk der Sicherheit, und so dies für seine Gemahlin nicht mehr gegeben war, musste dies eine Gefahr für die gesamte Familie bedeuten.

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  • Hatte Prisca anfangs noch mit sorgenvoll hochgezogenen Augenbrauen ihren Mann angesehen, so spiegelte sich in ihrem Gesicht - mit jedem seiner Worte der Erklärung - mehr und mehr Verwirrung (wenn nicht gar Unverständnis) wider. Habe ich mich gerade verhört? Mein Mann sorgt sich wegen Sassia und mir? … Weil er denkt, wir fühlen uns hier im Haus nicht sicher, nur, … weil wir unsere Leibwächter in unserer Nähe untergebracht haben? Es klang soweit logisch und womöglich drängte sich diese Schlussfolgerung (ihm - einem Außenstehenden) sogar auf. Verstehen konnte Prisca ihren Mann und die ganze "Aufregung" trotzdem nicht. Warum macht er bloß so ein "TamTam" darum? Ging es ihrem Mann wirklich nur darum, verstehen zu wollen, warum zwei Hausinwohnerinnen augenscheinlich (unabhängig voneinander) eine Lücke im flavischen Sicherheitssystem erkannt hatten und nun eigenständig Gegenmaßnahmen ergriffen, anstatt mit ihm darüber zu reden? Fühlte er sich diesbezüglich übergangen und stellte er sie deshalb zur Rede? Oder war das eine subtil geäußerte Kritik an jene beiden Frauen, dass es sich in den Augen der Flavier nicht ziemte, wenn zwei Patrizierinnen ihre Leibwächter in unmittelbarer Nähe hielten?


    Wollte mein werter Gatte mir eben durch die Blume sagen, dass wir den Anschein erwecken wir würden uns mit unseren Leibwächtern vergnügen? Da bekäme der Name "Leibwächter" gleich eine ganz andere Bedeutung. Prisca erschrak bei diesem Gedanken, der eigentlich an Absurdität nicht zu überbieten war und dennoch kam gerade dieser ihr in den Sinn, als sie in dem Gesichtsausdruck ihres Gemahls nicht nur Sorge sondern auch ein wenig Verstimmung zu erkennen glaubte. Denkt er das wirklich? …Nein, oder? Pah! - Als ob ich so dumm wäre dies so offensichtlich zu tun, wenn ich es denn täte. Rein theoretisch! Womöglich könnte Sassia noch weitere Ansätze und Erklärungen liefern, doch waren im Augenblick nur Prisca und ihr Mann hier und so fühlte sich die Aurelia rein persönlich "angegriffen".


    Prisca spürte innerlich eine gewisse Wut aufsteigen, obgleich ihr Mann gar nichts in diese Richtung angedeutet hatte (außer mit seiner Mimik vielleicht unbewusst suggeriert), sondern er nur den Grund ihres Handelns hinterfragt hatte. Allerdings hatte genau diese Hinterfragung dazu geführt, dass Prisca sich in ihren Gedanken und Träumen ertappt fühlte, in denen sie manchmal durchaus die eine oder andere unziemliche Phantasie auslebte. Nie würde sie diese jedoch in die Tat umsetzen, da sie die Konsequenzen kannte und nur einmal wäre sie bei einem Sklaven beinahe schwach geworden. Aber dieses kurze Intermezzo lag zum Glück schon lange zurück. Seltsam nur, dass die aufsteigende Wut wohl daher rührte, dass Morpheus ihr in letzter Zeit des Öfteren erotische Träume sandte, in denen nicht ihr Gemahl vor kam, sondern ein anderes bestimmtes Gesicht, das sie vor Tagen auf dem Markt zum ersten Mal erblickt hatte.


    Prisca atmete einmal durch während sie ihrem Mann tief in die Augen blickte:"Nun, ich gebe zu es mag dir unverständlich erscheinen, dass ich meinem Leibwächter gestatte in meiner Nähe zu nächtigen. Wie im übrigen meinen persönlichen Leibsklavinnen auch! Ich kann mich jedoch nicht entsinnen, dass diese Tatsache je die Besorgnis hervorgerufen hätte, ich könnte womöglich mit den Diensten der flavischen Zuchtsklavinnen unzufrieden sein", leicht verschnupft klang ihre Stimme bei dem Hinweis, der ihrer Meinung nach durchaus vergleichbar wäre. Wobei der Vergleich hinken mochte, da niemand etwas anstößiges daran fand, wenn sie sich mit einer Sklavin im Bett vergnügte. Aber gut, in Priscas Augen gab es nichts wofür sie sich zu rechtfertigen hätte und dennoch wollte sie keinen Streit. Schließlich lebte sie hier im Haus der Flavier und somit hatte sie sich letztendlich dem Willen ihres Mannes zu beugen:"Es ist es reine Gewohnheit und Bequemlichkeit, weshalb ich meine persönlichen Leibsklaven - auch die männlichen - gerne zu jeder Tages- und Nachtzeit um mich weiß. Sie kennen meine Wünsche noch ehe ich sie äußere und so muss ich nicht jedes Mal einem namenlosen Haussklaven lang und breit erklären, was genau ich will. So habe ich das auch im Haus meiner Familie gehandhabt", erklärte Prisca ihre Beweggründe, die durchaus der Wahrheit entsprachen.


    "Ich möchte allerdings nicht, dass meine Gewohnheit in diesem Haus einen falschen Eindruck erweckt oder gar zu falschen Gerüchten führt …" Prisca zeigte ihre Einsicht, doch sie wollte ihre Gewohnheiten nicht vorschnell aufgeben. Und da war ja auch noch Sassia, die von dieser Unterredung noch gar ncihts wusste! Also machte Prisca zunächst keinem Vorschlag zur Güte sondern wartete ab, was ihr Gatte zu dem Sachverhalt weiter zu sagen hätte.

  • Gracchus bemerkte die Verstimmung in der Couleur seiner Gemahlin nicht, realisierte auch nicht ihre Differenzierung zischen männlichen und weiblichen Leibsklaven - da dies für ihn gänzlich unerheblich war, seine Gedanken einzig auf die divergenten Funktionen abzielte.
    "Es ist wohl zweifelsohne ein Unterschied zwischen deinen Leibsklaven und einem Leibwä'hter, Prisca. Erstere sind dazu da, dir deine Wünsche zu erfüllen und dich zu umsorgen, was des Tages wie des Nächtens gleichermaßen essentiell ist, während die Aufgabe des letzteren ist, dein Leben zu schützen - was behütet durch dieses Haus, wie auch seine Wächter im Regelfalle ent..behrlich sollte sein. So dies den Gewohnheiten deiner Familie entspricht ist nichts dagegen einzuwenden, doch der Eindruck, den dies in mir evoziert ist, dass du dich in diesem Hause nicht ungefährdet fühlst. Ich bin für diese Si'herheit verantwortlich, dir gegenüber als dein Gemahl, doch als gegenwärtiges Oberhaupt der Familie auch gegenüber jedem anderen Mitglied dieses Hauses. Sofern es also Grund zur Beunruhigung gibt oder gar Zweifel an der Ergebenheit unserer Sklaven, so muss ich dies wissen."
    Gracchus mochte seine Position als Oberhaupt der Familie nicht und für gewöhnlich tangierte sie ihn wenig, doch in Hinblick auf eine potentielle Gefährdung seiner Familie war er überaus empfindlich, nicht nur da er sich selbst bereits viel zu oft als drohendes Unheil hatte erwiesen. Er fasste Prisca am Arm und blickte sie fest an.
    "Gab es während des Sklavenaufstandes Grund zu Argwohn gegenüber unseren Sklaven?"
    sprach er schlussendlich die schlimmste seiner Befürchtungen - die Gefährdung aus dem Inneren der Familie - aus. Die Sklaven aus der Zucht der Flavia waren wenig anfällig für Verlockungen, welchen gefangene oder schlecht gezüchtete Massensklaven boten, doch auch Agrippinas Zucht mochte nicht gefeit sein gegen das Erwachsen eines schwarzen Schafes, gleichwohl stammte zwar die Mehrheit, doch längst nicht alle Sklaven des Hauses aus der flavischen Zucht.

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  • Erneut legte sich ein Schein der Verwunderung über Prisca´s Antlitz, als ihr werter Gemahl sie darüber belehrte, worin der Unterschied zwischen einem Leibsklaven und Leibwächter lag. Als ob ich das nicht weiß ..., schaubte Prisca innerlich, doch ihre Wut wich augenblicklich als sie erkannte, dass sie sich wohl in etwas hinein gesteigert hatte, was gar nicht zu traf. Zumindest konnte sie keinen Ansatz erkennen, dass ihr Mann ihr irgend ein unzüchtiges Verhalten unterstellen wollte.


    Im Gegenteil! Gracchus´ einzige Sorge bestand augenscheinlich wirklich nur darin, dass seit dem Sklavenaufstand womöglich das Vertrauen in die Sklaven des eigenen Hauses gestört sein könnte, doch so sehr Prisca auch überlegte, ihr fiel keine Situation ein in, der auch nur ein Sklave sich verdächtig gemacht hätte.


    "Es ...es tut mir leid, wenn ich dir durch mein unbedachtes Handeln Grund zur Sorge gegeben habe", lenkte Prisca schließlich ein, wobei es ihr nicht leicht fiel. Aber einen Streit wollte sie wegen dieser Angelegenheit nicht vom Zaun brechen, zumal ihr Gatte sich wirklich nur um ihre Sicherheit zu sorgen schien.


    "Die Sklaven haben sich während des Aufstandes zu jeder Zeit loyal verhalten und es gibt keinerlei Grund, an der Sicherheit des Hauses zu zweifeln", mit einem versöhnlichen Lächeln trat Prisca einen Schritt auf ihren Mann zu und zeigte ihre Einsicht,indem sie seine Sorge zu zerstreuen versuchte: "Ich werde meinen Leibwächter zurück in die Unterkünfte schicken und werde mit Sassia reden, dass sie ihren Leibwächter ebenfalls dorhin zurück schickt."


    Erwartungsvoll sah Prisca ihrem Mann in die Augen und sie hoffte, dass sie damit jegliches Missverständnis hinsichtlich ihrer Beweggründe ausgeräumt hätte. Für dieses Einsicht wollte Prisca aber auch eine Gegenleistung und sie glaubte einen günstigen Zeitpunkt erkannt zu haben, um ihrem Mann einen Gefallen abzuverlangen.


    "Absolut sicher fühle ich mich allerdings nur ganz nah bei dir! ... So wie jetzt und ... vielleicht wäre es dir ein Anliegen mir zu beweisen, wie sehr du um meine persönliche Sicherheit besorgt bist? ... Heute Nacht?!, hauchte Prisca mit betörender Stimme und in der Absicht, ihrem Mann schöne Augen zu machen während sie gleichzeitig ihre Hand sanft über seinen Arm gleiten ließ. Zweifelsohne war sie sich seiner Unempfänglichkeit für ihre weiblichen Reize bewusst, aber letztendlich galt es auch die ehelichen Plfichen von Zeit zu Zeit zu erfüllen und in dieser Hinsicht ließ Prisca keinen Zweifel daran, dass sie sich jederzeit und mit Freude ihrem Mann hingeben würde.

  • "Aber nein, meine Liebe"
    , beschwichtigte nun auch seinerseits Gracchus.
    "Sofern dies Handeln nicht die mangelnden Obhut dieses Hauses gemahnt, sondern schli'htweg aus euren Gewohnheiten resultiert, so ist dies nicht zu beeinspruchen."
    Wer war letztendlich Gracchus, sich anzumaßen über die Bedürfnisse der Frauen zu entscheiden! Gegenteilig, würde er doch stets alles tun, erlauben und erdulden, was ihrem Wohlgefallen entsprach - zumindest insofern es mit seinen Prinzipien vereinbar war. Ein Umstand, welcher ihn ob des folgenden Anliegens Priscas in wahrhafte Bedrängnis brachte. Gracchus öffnete seinen Mund, wusste indes im ersten Augenblicke nichts ihren Worten zu entgegnen. Selbstredend war der Flavier sich der weiblichen Reize seiner Gemahlin bewusst, wenn auch sie allfällig nicht die Reaktionen evozierten, welche sie verdienten, gleichwohl waren ihm durchaus seine ehelichten Pflichten gewahr. Indes sah er den maßgeblichen Sinn der Erfüllung eben dieser speziellen Pflicht in der Zeugung von Kindern, zu was - seiner Ansicht nach - Prisca nicht fähig war, hätte sie doch sonstig Piso in ihrer ersten Ehe bereits einen Erben geschenkt. Dass es ihr wahrhaftig nach mehr verlangte - mit ihm oder gerade wegen ihm, dies lag ein wenig außerhalb seines Begriffskosmos, allfällig auch, da er diesen Umstand zweifelsohne dorthin verbannte.
    "Gewiss"
    , brachte er schlussendlich dennoch zustande, denn letztlich gab es keine andere Antwort, welche er hätte geben können. Ein Vorwand, sich zu entschuldigen, kam nicht in Betracht, denn augenblicklich gab es keinen ehrlichen Vorwand und einer Lüge mochte Gracchus in keinem Falle sich bedienen. Zudem bestand noch immer ein wenig Hoffnung, dass Prisca nicht die gänzliche Ehepflicht mochte einfordern, sondern schlichtweg seine Nähe in der Nacht verspüren.
    "Nichts könnte mir mehr Anliegen sein als deine Ge..borgenheit und dein Wohlbefinden"
    , versuchte er sich in einem zaghaften Lächeln, das indes nicht ganz die Scheu vor dem kommenden Abend konnte vertreiben. Um die Gedanken darum, dass er ihr nicht würde genügen können, zu vertreiben, lenkte er sie abrupt zurück auf eine konkretes Thema.
    "In Korrelation dazu - was ist deine Auffassung bezüglich der allgemeinen Sicherheit in Rom?"
    , begann er zuerst ein wenig unbestimmt, ehedem er seine Beweggründe erklärte - welche gleichsam auch seiner ursprünglichen Frage ein wenig mehr Substanz verliehen.
    "Im Senat gab es heute eine etwas ... merkwürdige Debatte. Consul Claudius stellte eine Gesetzesinitiative vor, die Karrieremöglichkeiten der Frauen im Staat einzuschränken, respektive ihnen jeglichen Zugang zu öffentli'hen Ämtern außerhalb des Cultus Deorum zu verwehren. Er hat diesen Gesetzesvorschlag noch durch die Nacht hin ver..fasst, auf die Zeugenbefragung einer Sergia hin, welche gegenüber der Kommission zur Aufklärung des Sklavenaufstandes überaus unbotmäßig sich betrug. In diesem und ähnlich respektlosem Verhalten römischer Frauen in höheren Ämtern sieht der Consul nun augenscheinlich eine Ursache des Aufstandes, dass nämlich von solcherlei Betragen in der Öffentli'hkeit sich die Sklavinnen und Frauen aus der Subura angespornt fühlten, bluttriefend aufzubegehren. Zumindest haben seine Worte sich mir derart erschlossen."
    Er hielt kurz inne.
    "Es wurde ihm dafür einiger Protest zuteil von Seiten mir politisch nahestehender Senatoren."
    Unter anderem von Priscas Cousin Lupus, doch wollte Gracchus durch die Nennung dessen Namens nicht bereits die Fronten festlegen.
    "Und auch ich konnte dem zugegebenermaßen nicht gänzlich folgen, denn glei'hwohl ich einige Monate fort war, so ist mir weder aus der Zeit davor, noch seitdem ich zurückgekehrt bin solcherart ungebührliches Verhalten von Frauen bekannt geworden, geschweige denn dass ich dies selbst hätte erlebt. Doch zweifelsohne bin ich diesbezüglich nicht gut informiert, daher interessiert es mich, was deine Ansi'ht zu dieser Sache ist? Schlussendlich kennst du doch einige Frauen in Rom, darunter gewiss auch solche in höheren Ämtern, etwa der Beamtenlaufbahn. Hast du schon einmal von Res..pektlosigkeiten in diesen Schichten gehört oder ... oder scheinen dir jene Frauen gar bisweilen unbotmäßig?"
    Selbstredend war es in Roms Kreisen bisweilen notwendig mit unmöglichen Personen zu verkehren, doch hieß dies nicht, dass innerhalb der Familie nicht offen über sie gerichtet wurde.

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  • Das plötzliche Einlenken ihres Gatten überraschte Prisca ein wenig. Und ich dachte, die Sorge um die Sicherheit wäre nur der Vorwand, … aber um so besser. Wenn er nicht darauf besteht, dann will ich ihm mal nicht widersprechen! So beließ es Prisca bei einem dankbaren Lächeln und einem bestätigenden Nicken zum Zeichen, dass es wirklich nur "harmlose" Gewohnheiten waren, welche sie zu der bevorzugten Behausung ihres Sklaven veranlasste. Irgendwie fand Prisca es rührend, wie sehr ihr Gemahl augenscheinlich um die Sicherheit und das Wohl der Familie besorgt war und sie fand ihre Gefühle zu ihm ein weiteres Mal bestätigt.


    Eher enttäuschend war hingegen seine Reaktion auf die scherzende Einladung zum Liebesspiel … Gewiss … Mehr als dieses eine Wort der profanen Zustimmung konnte sie ihm damit nicht entlocken? Ausgerechnet jenem Mann, der allein mit seinen Komplimenten es ansonsten schaffte, sie fast schon in lustvolle Ekstase zu versetzen? Prisca glaubte in diesem einen Wort der Zustimmung all den Widerwillen heraus zu hören, dem zum Trotz sich ihr werter Gemahl ihr zu Liebe dazu überwand, ihrem Wunsch nach körperlicher Nähe zu entsprechen. Wahrlich eine ehrenhafte Einstellung, egal wie schmerzlich sie auch sein mag


    Ja, Prisca kam nicht umhin ihren Mann für seine Prinzipien zu bewundern, denen er folgte und sie fühlte durchaus eine ehrliche Liebe zu ihrem Gemahl, obwohl sie wusste, dass seine Gefühle zu ihr niemals von jener Leidenschaft geprägt sein würden, die sie sich insgeheim von ihm wünschte. Aber so schön wie das lustvolle Liebesleben auch sein konnte … es war nur eine Facette des Ganzen.


    Und so sah Prisca wohlwollend über die einfältige Antwort ihres Gemahls hinweg, um stattdessen aufmerksam seinen Ausführungen zu der Debatte im Senat zu folgen. Die Tatsache, dass er sie in dieses Thema mit einbezog, zeigte Prisca wie sehr (und wie hoch) ihr Ehemann ihre Meinung schätzte und dementsprechend wollte sie auch ihre ehrliche (und wohl überlegte) Meinung dazu abgeben:


    "Wenn ich dich recht verstehe, so möchte Consul Claudius per Gesetz die Karrieremöglichkeiten der Frauen allein wegen dem respektier losem Verhaltens jener Sergia beschränken, die der Senat zu den Hintergründen des jüngsten Sklavenaufstandes befragt hatte? … Sergia Fausta, wie ich vermute?!" Ein Stück weit war dies eine rein rhetorische Frage, da Prisca nur von einer Bekannnten wusste, die augenblicklich höhere Ämter inne hatte. "Spontan stelle ich mir die Frage, was genau den Consul dazu bewegt, allein in einem despektierlichen Verhalten einer Frau gleich eine Revolutionärin zu sehen und, ... kann er denn noch weitere Frauen benennen, die ihre höheren Positionen augenscheinlich dazu missbrauchen, um Rom Schaden zu zu fügen?" Eine kurze Pause folge, in der Prisca nur verständnislos den Kopf schütteln konnte: " Beim bestem Willen kann ich mir nicht vorstellen, das auch nur eine römische Bürgerin - mit klarem Verstand - es je in Betracht ziehen könnte gegen den römischen Staat zu agieren. Gegen all unsere Werte und Prinzipien, die uns Römer stark gemacht haben?" Nein, allein diese Vorstellung war in Prisca´s Augen völlig absurd und bar jeder Vernunft:"Sklavinnen oder Peregrine! ..Ja, bei denen ließe ich es mir noch eingehen, dass sie gegen den Staat konspirieren,... aber eine echte Römerin? Das wäre glatter Verrat!… Hat der Senat denn ernsthaft Zweifel und so wenig Vertrauen in die Frauen von Rom, dass es solcher Gesetze bedarf? … Ich meine, nur eine Frau, die komplett ihren Verstand verloren hat, könnte so handeln und wenn sie es tatsächlich wagt, dann gehört sie mit aller Härte dafür bestraft! Aber hat uns nicht die Geschichte gelehrt, das auch ein Mann wie Salinator das römische Volk ins Unglück stürzen kann?! Sind nicht Männer und Frauen in dieser Beziehung absolut gleich? . Natürlich waren Frauen den Männern nicht gleichgestellt und an diesem patriachalishcen Weltbild wollte Prisca auch nicht rütteln. Allein der Gedanke, dem römischen Staat Schaden zufügen zu wollen, widersprach allerdings jeglicher Vorstellungskraft, angesichts der Erziehung, die Prisca genossen hatte und dementsprechend machte es für sie keinerlei Sinn noch Unterschied, ob nun ein Mann oder eine Frau sich gegen den römischen Staat erheben würde.


    Fragend und verwirrt starrte Prisca ihrem Gemahl in die Augen in der Hoffnung, dass wenigstens er keinerlei Zweifel daran hätte, dass sie stets den Prinzipien und den Gesetzen des römischen Volkes bedingugnslos Folge leisten würde, auch wenn es im Senat offenbar aktuell Zweifel an der Integrität der römischen Frauen gab.

  • "Nun, der Consul sieht die Sergia selbstredend nicht als Teil des Aufstandes, gleichwohl scheint es nicht nur das Verhalten dieser Frau im Einzelfalle gewesen zu sein, denn zweifelsohne liegen Claudius Informationen über vermehrte Ungebührli'hkeit von Frauen in höheren Positionen im Vorfeld des Aufstandes vor. Immerhin würde ein Consul kaum wohl eine derart massive Gesetzesinitiative aufgrund eines einzelnen Vorfalles erwirken wollen"
    , fiel Gracchus ungewollt in die Verteidigung des Ansinnens des Consuls, obgleich er weniger dies selbst mochte in Schutz nehmen als mehr Claudius Menecrates - welcher zwar nicht zu seinen engsten politischen Verbündeten zählte, doch immerhin seinen Respekt genoss, nicht nur, doch auch ob der entfernten familiäreren Verbindungen.
    "Die Sergia und ihresgleichen sieht er darob nicht als ursächli'hen Anstoß des Aufstandes, welcher in den desaströsen Zuständen der Subura zu liegen scheint, doch Claudius glaubt in ihnen den Nährboden aufrührerischen Verhaltens zu sehen, dass ob ihres importunen Vorbildes in der Öffentlichkeit, welchem niemand Einhalt gebietet, vorwiegend Frauen sich den Aufständischen hatten angeschlossen um zu rebellieren."
    Gracchus seufzte, denn es fiel ihm sichtlich schwer selbst diesen Gedankengängen zu folgen.
    "Doch auch um hierzu eine fundierte Meinung zu bilden fehlen mir selbst weitere Details, etwa ob es vor..wiegend römische Bürgerinnen waren, welche den Aufstand mittrugen, oder nur Sklavinnen und Peregrine. Ich werde wohl den Abschlussbericht der Kommission abwarten müssen."
    Die Art und Weise wie Prisca sich echauffierte in adäquater Weise, wie es einer wahrhaften Römerin zustand, ließ den Flavier ein wenig schmunzeln. Obgleich dies ein überaus absurder Gedanke war, so konnte er sich gut vorstellen wie seine Gemahlin im Zweifelsfalle alle Männer der Welt in Grund und Boden würde verdammen sofern sie es darauf anlegte.
    "Ich zumindest hege keinerlei Zweifel an unseren Frauen"
    , suchte er ein wenig Prisca zu kalmieren, dass der Zweifelsfalle nicht erst würde aufkommen.
    "Gleichwohl hege ich die Befür'htung ich könnte allzu befangen sein, da ich zu sehr vom Geiste, aber auch der Realität unserer Traditionen und Sitten umgeben bin - dem Vogel gleich auf seinem Baume, der nicht sich imaginieren kann was die Überflutung der Flussaue für die im Erdreich lebenden Tiere bedeutet. Indes, sofern dir selbst keine weiteren Exempel solcherlei Ungebührlichkeiten bekannt sind, beruhigt mich dies doch. Obendrein sei dir dessen versichert, dass der Senat keine übereilten Schlüsse ziehen wird. Ohnehin..."
    , begann Gracchus einen Gedanken, um eine kurze, nachdenkliche Pause folgen zu lassen, ehedem er fortfuhr.
    "Wenn nicht fehlgeleitete Erziehung ein solches Gebaren wie jenes der Sergia hervorbringt - von welchem auch der Consul nicht ausgeht - so scheint mir eine Frau, welche in dieser Art und Weise agiert dies nicht not..wendigerweise aus der Möglichkeit heraus zu tun, welche der Staat ihr bietet - müsste dies doch sonstig viel häufiger geschehen -, sondern eher aus der Schwä'he heraus, welche ihr Vater oder Ehemann aufweist. Sind dir die familiären Verhältnisse dieser Frau bekannt?"
    Selbstredend würde der Flavier eine entsprechende Nachforschung in den Archiven beauftragen können, doch da seine Gemahlin bereits den Beinamen der Sergia erwähnte hatte, mochte auch sie ihm diese Information geben können.

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  • Die Argumente - die ihr Gemahl zur Begründung für das Handeln den Consuls aufführte - klangen durchaus plausibel und dennoch entlockten sie Prisca nur ein verständnisloses Kopfschütteln: "Tja und was heißt nun vermehrt? Und in welcher Weise äußern sich diese Ungebührlichkeiten? … Wenn es sich tatsächlich um keinen Einzelfall handelt, so müsste ein gehäuft despektierliches Verhalten von Frauen doch in der Öffentlichkeit auffallen!? Immerhin hat es den Claudius dazu bewogen gleich eine Gesetzesänderung vorzuschlagen und so etwas tat man doch nicht ohne guten Grund. Oder hat der Consul vielleicht ein persönliches Problem mit starken Frauen in höheren Positionen. Er wäre ja nicht der Erste …, schoss es Prisca flüchtig durch den Kopf, ohne diesen Gedanken mit ihrem Mann zu teilen.


    Stattdessen schenkte Prisca Gracchus ein dankbares Lächeln, für sein Vertrauen in die römischen Frauen (wie er beteuerte). Doch was war mit den anderen Senatoren? Auch wenn Gracchus versicherte, dass der Senat keine übereilten Schlüsse ziehen würde, so sehen einige Senatoren in dem Gesetzesvorstoß bestimmt eine willkommene Gelegenheit, um den Frauen die Fähigkeit zur Bekleidung höherer Ämter wieder abzusprechen. Damit wir uns auf unsere originären Aufgaben besinnen, so wie es Tradition und Sitte von uns verlangen. Als Mutter und treusorgende Ehefrau, die sich um das Herdfeuer und den Haushalt kümmert. Nicht wahr?" Für einen kurzen Augenblick ruhte Priscas Blick nachdenklich auf dem Antlitz ihres Gatten, just, als er seine Befürchtung proklamierte, sein Geist könne womöglich zu sehr von Traditionen und Sitten befangen sein: Tradition und Sitte! Was Gracchus wohl dazu sagen würde, wenn ich ebenfalls eine höhere Position anstreben würde? Meinen Wunsch unterstützen? Nein, ich gehe jede Wette ein, dass er das niemals mit den flavischen Prinzipien vereinbaren könnte.


    Ganz spontan kam Prisca diese Vermutung und sie nähme es ihrem Mann nicht einmal übel, würde sie die Wette gegen ihn gewinnen. Warum sollte ich mir .. und ihm … das auch antun? Des Geldes wegen ganz sicher nicht. Ich bin reich genug, um andere für mich arbeiten zu lassen - oder sie zu kaufen Ja, Prisca würde lieber die Fäden im Hintergrund ziehen, als sich durch irgend ein Amt selbst angreifbar zu machen - so wie es augenscheinlich der Sergia passiert ist. Leider kannte Prisca die genauen Hintergründe nicht, da sie schon seit längerem keinen Kontakt mehr zu Fausta gehabt hatte. Allerdings sah Prisca dies dem Umstand geschuldet, dass die Sergia neben dem Amt auch eine Familie hatte, um die sie sich kümmern musste.


    "Soweit ich weiß, ist sie immer noch mit Marcus Iulius Dives verheiratet und die beiden haben drei Kinder miteinander. … Sehr viel mehr weiß ich aber über ihre Familie und Eltern auch nicht. … Außerdem habe ich Fausta schon länger nicht mehr getroffen, außer vom Sehen her auf einigen Festen", entgegnete Prisca auf die Frage ihres Mannes, ohne einen Hehl daraus zu machen, dass sie die Sergia näher kannte. Oder besser gesagt "gekannt hatte", da ihr Wissenstand womöglich schon etwas veraltet war.


    Die Frage nach den familiären Verhältnissen der Sergia führte nun dazu, dass Prisca noch mehr verwirrt war. Immer wieder drehte sich alles nur um diese eine Person und gleichzeitig beschuldigte man gleich mehrere (namentlich nicht genannte) Frauen eines ungebührlichen Verhaltens, welches augenscheinlich (noch) niemandem - außer dem Consul - aufgefallen war. Und dieses Verhalten wiederum übte nun eine gewisse negative Vorbildfunktion auf andere Frauen aus, die daraufhin einen Sklavenaufstand anzettelten? War diese Sklavenaufstand am Ende gar ein willkommener Vorwand, um die Schuld den Frauen zu geben und eine Rechtfertigung zu haben, ihre Rechte zu beschneiden? Und alles, nur, weil womöglich der Claudius ein Problem mit einer einzigen Frau hatte?


    Eine Frage drängte sich Priscas Meinung nach geradezu auf, angesichts der Bünde zwischen Flavier und Claudier und deshalb stellte sie diese - ganz neutral, mit emotionslos klingender Stimme:"Was denkst du wird Consul Claudius tun, falls sich die Vorwürfe und Anschuldigungen nicht bestätigten sollten? … Wird er dich bitten, seinen Gesetzesentwurf dennoch zu befürworten? .... Und wie viele andere Senatoren stehen noch zu ihm?"Allein ihr besorgter Blick signalisierte, dass sie darin keine leichte Entscheidung sähe, schließlich ging es doch darum das Gesicht zu wahren und nicht zu verlieren.

  • "Iulius Dives?"
    fragte Gracchus erstaunt nach. Dieser hatte sich zwar an der Senatsdebatte beteiligt, schien jedoch keinesfalls emotional involviert gewesen. Der Flavier bewunderte den Iulier im Nachhinein für seine Contenance, denn hätte Claudius seine eigene Gemahlin derart vor dem Senat vorgeführt - zu Recht oder Unrecht - Gracchus wäre zweifelsohne mehr als ausfallend geworden. Zu Priscas Nachfrage in Hinblick auf die Pläne des Consuls winkte Gracchus ab.
    "Sofern sich diese Anschuldigungen nicht bestätigen, respektive als Einzelfall herausstellen, wird auch Claudius das Gesetz nicht weiter ver..folgen. Er ist nicht unvernünftig, und auch die anderen Senatoren sind es nicht, insbesondere nicht jene, welche bereits intervenierten."
    Gleichwohl waren auch jene Männer nicht ohne Einfluss.
    "Sollte sich jedoch herausstellen, das tatsä'hlich ein Zusammenhang besteht, so ändert dies alles. Auch ich werde dann überlegen müssen, welche Konsequenz dies bedeuten muss. Indes, selbst wenn ungebührliches Verhalten durch Frauen in höheren Ämtern derzeit ein häufigeres Problem sollte darstellen, so scheint es mir viel zu einfach die Optionen, welchen Frauen diesbezüglich offen stehen, als Ursa'he dafür anzunehmen. Immerhin hat es auch in der Vergangenheit Frauen in hohen Ämtern gegeben, in weitaus höheren noch, welchen wohl kaum ihr Anstand abgesprochen werden kann. Meine Mutter bekleidete einige hohe Ämter und weder sie, noch unsere Familie kann wohl als ungebührlich tituliert werden. Oder auch weitere Senatorinnen, etwa die Senatorinen Aelia und Tiberia."
    Ein wenig redete Gracchus sich nun in Rage und ein Hauch von Emotionalität schlicht sich in die Couleur seiner Stimme als gelte es, eben diese Damen vor Prisca zu verteidigen.
    "Gerade Tiberia Livia! Diese Frau war stets von solch un..tadeliger Hehrheit und distinguierter Dignitas, dass jeder dahergelaufene Emporkömmling aus der Provinz, welcher je aus einer Laune oder gesteigerter Gier heraus sein Fell gegen eine Toga hat einge..tauscht, um in den Hallen des Senates zu marodieren und unsere Traditionen mit den Füßen zu treten, sich daran ein Beispiel sollte nehmen! Aber gegen solche Männer hat der Senat nie etwas unter..nommen, insbesondere auch Claudius hat stets nur dabei zugesehen, statt sich zu echauffieren und in Aktionismus zu ver..fallen!"
    Ein wenig irritiert über seinen eigenen Affekt hielt Gracchus inne, schüttelte kurz den Kopf als müsse er seine Gedanken wieder klären.
    "Verzeih"
    , bat er ein wenig ruhiger.
    "Nun, wie dem auch sei. Selbst wenn der Consul mich darum bittet, seine Initiative zu unterstützten - unsere familiäre Bindung ist zu weitläufig, als dass sie mich zu etwas verpflichtet. Gleichwohl würde ich lieber schweigen, als meine Stimme als familiären Gefallen zu erheben zu etwas, das mit meinen Prinzipien und Ansi'hten nicht vereinbar ist. Es gibt nur zwei Männer im Senat, welche meine Stimme erzwingen können. Der Augustus indes ist sehr verhalten, diese Macht, welche er letztlich über alle Senatoren hat, einzu..setzen. Und der zweite Mann liefert sich selbst mit aus und wird dies kaum für solch eine Lappalie tun."
    Letztlich wäre das Gesetz in Gracchus' Augen eine solche, kaum weltbewegend und für das Wohle Roms entscheidend, dennoch eine kleine Grundsatzdiskussion.
    "Doch lasse uns nun lieber uns erfreulicheren Angelegenheiten zuwenden. Ich rieche bereits den Duft nach Hasenbraten, es wird wohl Zeit für die Cena"
    , reichte er mit einem Lächeln seine Hand, um seine Gemahlin zurück in das Haus zu führen.

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  • "Ja, genau der … Marcus Iulius Dives", wiederholte Prisca auf die Nachfrage ihres Mannes noch einmal den vollen Namen des Iulius. Gracchus schien verwundert, nicht, weil ihm der Name nichts zu sagen schien, sondern gerade weil er den Mann wohl recht gut kannte. Prisca machte sich darüber keine weiteren Gedanken, da sich die ganze Angelegenheit in ihren Augen recht bald klären würde. So klang es jedenfalls aus dem Mund ihres Mannes, der zwischenzeitlich sogar emotional wurde bei der Erwähnung jener Frauen, die ihm sehr viel bedeuteten.


    "Zweifellos haben diese Frauen großartiges für das Reich geleistet!", nickte Prisca bestätigend zu seinen Worten, denen sie weiter aufmerksam lauschte. Am Ende war sie gar ein wenig überraschte, wie schnell ihr Mann das Thema ab hakte und zum gemütlichen Teil überging. Hasenbraten? Oh ja, der Duft köstlicher Speisen drang auch in Prisca´s Nase und machte Appetit. Wenn es denn noch etwas zu besprechen gäbe, so könnten sie dies auch beim Essen klären, Warum also weiter hier herum stehen ...


    "Ich bin überzeugt, dass du dich richtig entscheiden wirst, mein lieber Gemahl … und wisse, dass ich immer an deiner Seite stehen und zu dir halten werde" Mit einem warmen Lächeln wollte Prisca ihrem Gatten einmal mehr zeigen, dass sie fest zu ihm stand, egal was auch passieren mochte. Für den Augenblick gab es jedoch nichts weiter das sie hätte tun oder sagen können, außer, ihre Hand in die Seine zu legen und sich von ihm zu Tisch führen zu lassen …

  • ~~~ Einige Stunden später ~~~


    Nachdem alle Sklaven, welche für den bevorstehenden Abend Hand an ihn hatten gelegt, den Raum hatten verlassen - abgesehen von Sciurus selbstredend - betrachtete Gracchus sich im Spiegel. Leise summend drehte er seinen Kopf nach rechts, sodann nach links, beäugte sich kritischen Blickes, neigt den Kopf ein wenig um sich von unten her anzuschauen. Schlussendlich hielt er inne und brummte.
    "Ob es wohl im Bereich des Möglichen liegt, dass ich ... lerne, Prisca zu lieben?"
    , fragte er in den Raum hinein ohne von Sciurus tatsächlich eine Antwort zu erwarten. Er hatte ihr versprochen, in dieser Nacht ihr zu beweisen, wie sehr er um ihre persönliche Sicherheit besorgt war, und die ein oder andere wie beiläufig erwähnte Andeutung während des Abendessens hatte Gracchus schlussendlich davon überzeugt, dass Prisca ein wenig mehr erwartete als nur seine Anwesenheit. Dennoch war der Flavier beinahe beschwingt - er hatte ein wenig mehr Wein als üblich genossen, gleichsam durchspülte ihn noch immer das Sentiment der Euphorie, welche seit seiner Rückkehr nach Rom ihn umfasste, ihn regelrecht trunken machte, welches zudem in jedem Augenblicke mit seiner Gemahlin seitdem sich weiter hatte entfaltet.
    "Ist es nicht zu einem nicht unerhebli'hen Anteil auch die Wiederholung, welche unsere Lust prägt, unseren Geschmack und unsere Vorlieben? Wenn ich also nur ein wenig mich mühe, ein wenig meiner Kraft darauf verwende, allfällig könnte ich lernen, ihr zu geben, was ihr zusteht."
    Er hob seinen linken Mundwinkel zu einem schiefen Lächeln und wandte sich vom Spiegel ab. Für Prisca würde er es allfällig lernen können. Frohgemut wandte er sich dem kleinen Nachttisch zu, welcher neben seinem Bett stand, und öffnete die Schublade. Sorgsam nahm er einen Flakon aus grünfarbenem Glas daraus hervor, öffnete ihn und sog genüsslich den Duft ein, welcher dem dünnen Flaschenhals entströmte. Sodann goss er einige Tropfen des Inhaltes auf seine Finger und strich die bereits sich verflüchtigende Flüssigkeit sich hinter den Ohren und über den Hals, während in Gedanken ihm Reminiszenzen an vergangene, euphorische Tage in die Sinne stiegen. Zuletzt nahm er von seinem Sklaven einen weiteren Becher Wein entgegen, in welchen jener zuvor ein ockerfarbenes Pulver hatte eingerührt. Der Trank schmeckt bitter, doch Gracchus kippte den Inhalt des Bechers in seine Kehle hinab und schluckte ohne auch nur eine Miene zu verziehen.
    "Scheußlich"
    , war alles, zu was er sich ließ verleiten, doch das Pulver würde seinem Leib helfen, sich zu entspannen, allfällig auch seinem Geiste - und um Prisca zu genügen war ein Augenblick voll Bitterkeit ein geringer Preis.
    "Nun denn"
    , ließ er sodann verlauten und wandte sich aus dem Raum, dem Cubiculum seiner Gemahlin entgegen. Die Schritte, welche vormals so oft ihm bereits unendlich viele erschienen waren, zogen rasch an ihm vorbei, auch die Maserung der Tür konnte an diesem Abend ihn nicht mehr fesseln. Nach einem raschen Klopfen öffnete er die Türe und schob sie ein wenig auf, um einzutreten.
    "Teuerste Prisca ..."
    , stockten ihm sogleich die Worte, als sein Mut ihn verließ und er die aufwallende Panik musste hinabschlucken. Was, wenn er Prisca nicht würde genügen?

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  • Gewiss, … Die Begeisterung ihres Mannes hatte sich wohl in Grenzen gehalten angesichts der von Prisca eingeforderten ehelichen Pflichten und dennoch hatte Gracchus die Erfüllung eben jener Pflichten für diese Nacht in Aussicht gestellt. Prisca mochte deren Erfüllung ungleich mehr bedeuten als ihrem Mann, dem weitaus wichtigere Probleme zu beschäftigten schienen, als seine Gattin bei ihrem aussichtslos scheinendem Vorhaben zu unterstützen. Gracchus hatte schließlich bereits erfolgreich einen vitalen Nachfolger gezeugt, während Prisca so langsam in schiere Verzweiflung geriet. Denn der Makel der Kinderlosigkeit lastete ungleich schwerer an Prisca als die Tatsache, dass sie von Tag zu Tag älter wurde. Noch war sie jung genug, um jeden Mann mit ihrer Schönheit zu verzaubern, doch würde dies nicht ewig so bleiben.


    Wahrlich ein Dilemma, indem Prisca sich gefangen fühlte. Ganz allein und ohne Hoffnung auf Beistand, denn wem konnte sie ihr Leid schon klagen, wenn nicht ihrem Mann? Nein, ihren Mann durfte sie mit derlei Nebensächlichkeiten nicht über Gebühr belasten, auch wenn es ihr so viel bedeutete. Ach, wenn Gracchus doch nur von sich aus erkennen würde, welch innigster Wunsch seine Gemahlin Tag für Tag plagte und er sich diesbezüglich dazu durchringen könnte, noch viel mehr Zeit mit ihr im Bett zu verbringen.


    Zwar hegte Prisca wenig Hoffnung, dass ihre Gebete ausgerechnet heute erhört werden würden und dennoch wollte sie nichts unversucht lassen, um diese Nacht für ihren sehr geschätzten Gatten zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen. Wahrscheinlich nur ein weiterer erfolgloser Versuch, aber sei´s drum:


    Prisca hatte sich für diesen Abend und die kommende Nacht mit unvermindertem Perfektionismus vorbereiten lassen. Zuerst ein entspannendes Bad, dann die obligatorische Enthaarungsprozedur, bei der gleich vier Sklavinnen jedes noch so klitzekleine Körperhaar entfernten, ehe sie selbigen in einen Hauch von Lavendel tauchten. Nur nicht zu aufdringlich sollte der Duft sein, genauso wie die gesamte Schminke, die nur sehr dezent aufgetragen wurde. Noch konnte es sich Prisca leisten, ihre natürliche Schönheit unter den künstlichen Aufstrichen durch scheinen zu lassen und sie hatte so ein Gefühl, dass eben jene natürliche Schönheit ihrem Mann weitaus mehr zu sagen würde, als eine allzu weiblich gestaltete Maske. Also trat Prisca ihrem Gemahl an diesem Abend in einer ziemlich schlichten Gewandung gegenüber, genauso wie sie das Haar eher unscheinbar (zu einem einfachen Zopf geflochten) trug und lediglich ihre blauen Augen waren mit etwas Ruß betont hervor gehoben.


    Was nun folgte war für Prisca ein weiteres Mal wie ein Experiment, denn sie wollte alles richtig machen, damit Gracchus wenigstens zu einem Bruchteil aus sich heraus kommen würde und die Zweisamkeit mit ihr genießen könnte. Daran lag Prisca wirklich viel, denn immer wenn ihr Mann lachte oder er in ausgelassener Stimmung war, fühlte sie sich besonders zu ihm hingezogen.


    "Mein Beschützer …endlich bist du da!" Mit diesen Worten und einem bezaubernden Lächeln auf den Lippen trat Prisca auf Gracchus zu, just als er ihr Zimmer mit zögerlich wirkender Stimme betrat. Sogleich ergriff Prisca seine Hände mit den Ihren, um ihn sanft mit sich in die Mitte des Raumes zu ziehen. Unmerklich atmete Prisca tief ein und nahm seinen Duft wahr, welcher den ihren dominierte und dabei sah sie ihrem Mann anhimmelnd in die Augen, um ihm zu zeigen wie sehr sie sich freute, dass er hier bei ihr war. "Möchtest du etwas trinken und … wie wäre es, wenn wir uns dort auf die Kline setzen und ein wenig den Nachthimmel beobachten?" Mit einer leichten Drehung des Kopfes deutete Prisca zu jener Liegestatt, die sie direkt am Fenster aufstellen hat lassen und von wo aus man einen wundervollen Blick über den Garten hinweg bis hinauf zu den Sternen hatte. Natürlich könnte man die Kline auch für andere Zwecke nutzen, doch soweit dachte Prisca noch nicht und sie bewegte sie sich auch nicht, sondern überlies ihrem Mann die Entscheidung und die Führung ...

  • Seine Gemahlin strahlte die natürliche Anmut eines Kunstwerkes aus, eine makellose Erscheinung wie durch die Götter selbst erschaffen, und Gracchus konnte diese Schönheit nicht nur erkennen, sondern gar sich an ihr laben, musste ihr regelrecht verfallen - wie er jeglicher Form von Schönheit sich stets musste ergeben. Indes, mochte sein Geist auch in einem ekstatisch Rausch sich mochte verlieren ob Verzückung und Enthusiasmierung, sein Leib blieb dieser Art von Anziehung verschlossen, war eher durchströmt von Exaltation ob der Ungewissheit der kommenden Stunden.
    "Gewiss"
    , beantwortete er ihre Fragen mit einem einzigen Worte und ließ von ihr sich bis zu der Kline führen, auf der er ein wenig nervös neben ihr Platz nahm. All die Euphorie des Abends, die stärkenden Vorbereitungen und Gedanken, all dies war in diesem Augenblicke verflogen, hinterließ einzig eine nervöse Unruhe als wäre er wieder ein Heranwachsender, welcher seiner Unsicherheit schutzlos war ausgeliefert. Ein wenig gequält blickte er zuerst zum Himmel empor, an welchem so verlockend in unendlicher Ferne die Sterne blitzen, welche wohl dazu hätten gereicht in einem Atemzuge mit Priscas Augen Erwähnung zu finden. Schlussendlich seufzte er leise und wand seinen Blick seiner Gemahlin zu, ergriff nun ihrerseits ihre Hand.
    "Prisca ..."
    , begann er ohne noch recht zu wissen, wie dies mochte fortfahren.
    "Ich ... möchte ehrlich zu dir sein."
    Da diese Worte nun zwischen ihnen verharrten, gab es nichts mehr, das vor der Wahrheit ihn konnte abhalten.
    "Ich war ... nicht stets ein guter Ehemann. Selbst ... selbst die Pfli'hten einer zweckdienlichen Ehe konnte ich nicht immer erfüllen und ... nun, wie du weißt haben die Präferenzen meines Leibes auch andere Komponenten einer Ehe nicht eben ver..einfacht."
    Dass Antonia letztendlich aus Gram über all dies aus ihrem Leben war geflohen, mochte er nicht erwähnen, war dies doch zu viel der Wahrheit und schlussendlich brannte noch immer ein Funken an Hoffnung in ihm, dass dem nicht so gewesen war. Gleichwohl verschaffte ihm zumindest ein wenig Erleichterung, dass er vor Prisca nicht sich gänzlich musste verbergen, da sie doch bereits vor langem durch schicksalhafte Mächte eingefädelt während des Bürgerkrieges Faustus' Briefe hatte entdeckt und nicht nur diese, sondern ebenso das Wissen darum im Verborgenen bewahrt, obgleich zu dieser Zeit nichts sie hatte miteinander verbunden als ihre distinguierte Hehrheit.
    "Indes ... ich glaube daran, dass der Mensch vorwiegend darum so herausragend ist, da er in der Lage ist, sich über die Natur zu er..heben, da er in der Lage ist, zu lernen - das gesamte Leben hindurch."
    Eine kleine Pause folgte, in welcher der Flavier die Essenz seiner Gedanken in die rechten Worte hinein sammelte.
    "Das Schicksal hat uns miteinander verbunden, Prisca."
    Dies war Gracchus' Überzeugung - nicht nur ob des Geschehens seine amourösen Briefe betreffend -, denn während die Aurelia nichts davon ahnte, so war einerseits die Notwendigkeit der familiären Verbindung aus Lupus' und Gracchus' Beteiligung an der Beseitigung Valerianus' resultiert, wiewohl seine eigene Einbindung in diese Ehe aus dem (Irr-)Glauben, dass Prisca nicht fähig war, Kinder zu gebären, so dass einer der jüngeren Flavier, welche noch ihrer Nachkommen bedurften, als Gemahl nicht in Frage gekommen war. Seine Stimme wurde nun etwas fester.
    "Und darob werde ich ... lernen, dich zu lieben, Prisca. Nicht nur mit meinem Geiste und meinem Herzen, welche längst dir erlegen sind, sondern ... gewiss auch ... mit meinem Leib."
    Er hatte bereits versucht, seine Neigung zu kurieren, doch letztendlich war dies nun einmal ebenso wenig eine Krankheit wie die Lust auf bittere Oliven. Er hatte nichts anderes gelernt, war herangewachsen mit dem aufregenden Leib Caius' an seiner Seite, welcher zweifelsohne seinen Geschmack hatte geprägt ebenso wie die bitteren Oliven, welche der Koch in Achaia tagtäglich hatte kredenzt. Doch er war kein Tier, welches seiner Natur musste folgen - er war ein Mensch, welcher zeitlebens sich neu konnte entscheiden und neues lernen. Er hob nun seine Hand und strich mit den Fingerkuppen über Priscas Wange.
    "Ich möchte nichts sehnlicher als dies, denn nicht weniger steht dir zu als eine in allen Belangen gute Ehe."
    Einer perfekten patrizischen Ehe mochte dieser Aspekt durchaus abträglich sein, doch Gracchus konnte seine Ehe nicht einzig auf sich alleine beziehen, konnte nicht sich selbst ohne seine Familie und somit seine Gemahlin definieren. Allfällig war dies eine seiner größten Schwächen, dass das Glück und die Zufriedenheit seiner Familie ihm mehr wog als sein eigenes. Er ließ seine Hand sinken, beugte sich ein wenig nach vorn und schloss seine Augen als seine Lippen jene Priscas berührten. Kein ekstatisches Zittern durchströmte seinen Leib, kein berauschendes Begehren wallte in ihm auf, keine unbändige Lust. Nur ein kleiner Triumph, dass der erste Schritt getan war, während sein Verstand die Farben analysierte, welche diese Berührung in ihm emporsteigen ließ - ein zartes, cremefarbenes Rosé, einer Kirschblüte similär, welche im morgendlichen Nebel der aufsteigenden Sonne sich emporreckte, gefolgt von einem samtigen Hauch Fliederviolett.

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  • Die Nervosität war Gracchus unschwer anzumerken, an seinen unruhig umher schweifenden Blicken und seinen leicht zitternden Händen an denen Prisca ihn zu der Kline führte. Prisca war allerdings auch ziemlich nervös. Sie wollte ihren Gemahl nicht drängen, ihn aber auch nicht "bremsen", hinsichtlich der Erfüllung der ehelichen Pflichten, weswegen sie hier zusammen gekommen waren. "Eheliche Pflichten" Wie schrecklich sich das anhörte! Zumindest in Prisca´s Ohren. Womöglich hätte sie anders darüber gedacht, hätte sie einen Mann heiraten müssen, den sie weder attraktiv noch sonst wie begehrenswert gefunden hätte. Also genau das Gegenteil von dem, was sie in Gracchus sah. Seine wundervollen Komplimente, seine tadellose und anmutige Erscheinung, sein markantes - oft nachdenklich - wirkendes Gesicht, mit den niedlichen Grübchen auf den Wangen (wenn er lächelte), seine tiefgründigen Augen und seine (versteckte aber vorhandene) liebenswerte Art … all das faszinierten Prisca ungemein.


    Selbst der Altersunterschied machte ihr überhaupt nichts aus. Männer mit Lebenserfahrung! Oh ja, da wurde Prisca gerne schwach und deshalb galt ihre ganze Aufmerksamkeit nun ihrem Ehemann, dem sie tief und versonnen in die Augen blickte, während er neben ihr saß und … und? … Oh weh!! "Gewiss" … "Prisca" … "Ich möchte ehrlich zu dir sein" Dieser Anfang ließ Prisca augenblicklich aufhorchen und ihr Körper spannte sich unmerklich. Das klang gar nicht vielversprechend sondern eher wie ein Rückzieher. Suchte Gracchus gar nach einer Ausrede, um seinen "Pflichten" zu entkommen?


    Die folgenden Worte ihres Mannes zerstreuten Prisca´s Befürchtungen jedoch mehr und mehr und man konnte ihr deutlich ansehen, wie glücklich sie über das Gehörte war. Ihr Gemahl wollte - ihr zuliebe - lernen sie zu lieben! Oh wie schön er das gesagt hat!! Prisca war hin und weg nach diesen Worten und als Gracchus ihr seine Lippen zum Kuss anbot, schloss auch sie die Augen und genoss die zärtliche Berührung ihrer beider Lippen, die einen wohligen Schauer über ihren Rücken jagte. Ihr ganzer Körper war angespannt und entspannt zugleich und Prisca verspürte das Verlangen ihrem Mann ganz nah zu sein, während sie den Kuss voller Zuneigung und Liebe erwiderte.


    Erst nach einer gefühlten Ewigkeit trennten sich ihre Lippen wieder und Prisca nahm den Kopf ein wenig zurück, um ihrem Gemahl verliebt in die Augen zu sehen: "Ich danke dir, Gracchus. … Ich bin sehr, …sehr glücklich deine Frau zu sein und ich könnte mir keinen besseren und lieberen Ehemann vorstellen", hauchte Prisca tief berührt lächelnd und mit der rechten Hand streichelte sie dabei zärtlich über die Wange ihres Gemahls. Prisca hoffte so sehr, dass dieser Wunsch in Erfüllung ginge und Gracchus tatsächlich lernen würde sie sprichwörtlich mit "Leib und Seele" zu lieben. So wie sie ihn lieben wollte! Und wer weiß, vielleicht würde ihr sehnlichster Wunsch am Ende doch wahr werden, irgendwann. … Mochte auch sonst niemand mehr daran glauben - die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt.


    Prisca´s Finger glitten sanft über seine Wange hinweg, verspielt sein Ohrläppchen streifend bis in den Nacken, wo sie ihn am Haaransatz zärtlich zu kraulen begann. Ihre Augen ruhten derweil in den Seinen, ihn aufmerksam betrachtend und auch jede seiner Reaktionen achtend. Vielleicht konnte sie ja herausfinden, was ihrem Mann gefiel und was er genießen konnte, auch wenn eine Frau es wäre, die ihn so berührte. Ob Gracchus auch lernen könnte sich ihr gegenüber zu öffnen und seine geheimsten Wünsche und Sehnsüchte mit ihr zu teilen? Prisca wünschte sich nichts sehnlicher als ihrem Gemahl etwas zurück geben zu können, sofern es in ihrer Macht läge und so wagte sie einen weiteren Schritt …ganz vorsichtig … und darauf hoffend, dass ihr Gemahl sie gewähren lassen würde.


    "Schließ die Augen … Liebster!, forderte Prisca mit sanfter leiser Stimme während sie mit der linken Hand nun den gleichen Weg wählte, wie kurz zuvor mit der Rechten. Über die andere Wange und das Ohr hinweg, streichelnd, bis in seinen Nacken, wo sich ihre Finger sanft massierend vereinten. Wieder achtete Prisca auf jede Regung ihres Gemahls, bereit weiter zu machen, oder aufzuhören, falls sie den Eindruck bekäme es wäre ihm unangenehm.

  • Priscas Worte gereichten dazu, Gracchus wieder in Entspannung zu versetzen, während sein Herz aufging vor Freude über ihr Glück. Als ihre Hände ihn berührten, senkte er sein Kinn und streckte seinen Nacken durch, atmete genüsslich ein und schloss die Augen wie sie es forderte. Keine Spur von Widerwillen zeichnete sich ab auf seinem Antlitz, gegenteilig war es umfasst von Ruhe und gar Genuss, zuckten seine Mundwinkel immer wieder ein wenig empor. Gracchus ließ sich fallen durch einen Vorhang aus goldfarbenen Samt, welcher in zarten Wogen sich um ihn wellte, fiel durch einen Regen aus süßlich, zimtigen Hyazinthen, ließ sich treiben durch einen Fluss aus zart klingendem Nebel. Er tauchte hinab durch den Spiegel aus azurblauem Moos, schwamm durch warmen, glimmenden Honig, und drehte, wiegte und tanzte gedankenverloren durch ein Meer aus transluzenten Seifenblasen, so wie er früher so oft hatte getanzt - auf den Wiesen außerhalb der Stadt, zwischen den Olivenbäumen hindurch, wenn er glaubte, unbeobachtet zu sein, in das Musikzimmer seines Gedankengebäudes war gewandelt und dort ein Stück hatte aufspielen lassen - eine Harfen-Spiel oder den Marsch der Gladiatoren -, zu welchem mit geschlossenen Augen er durch die Landschaft wehte, das weiche Gras unter seinen Fußsohlen kitzelnd, die Stahlen der Sonne über seine Haare streichend. Alsbald ging auch er dazu über, Priscas zarte Haut zu berühren, erst ihre Hände und Arme, dann über den Hauch ihres Kleides hinweg ihren Leib zu suchen, zu erkunden, zu goutieren. Nichts sehnlicher wünschte er sich noch als die Perfektion seiner Ehe mit dieser vollkommenen Frau, dieser Göttin vom anderen Ufer der Sehnsucht. Durch Priscas stetes Zutun, zweifelsohne jedoch auch höchlichst stimuliert durch das anregende Mittel in seinem Wein, ließ Gracchus ab von Sorge und Hader, ließ ab von Anspannung und Gedanken, ließ sich fallen in den Augenblick, bis dass jede Faser in seinem Leibe dieser Entspannung folgte. Jede Faser. Darunter auch diejenigen, welche zur Erfüllung ihrer Aufgabe ein großes Maß an Anspannung erforderten. Zu Anfang bemerkte er dies nicht, doch je mehr seine Gemahlin mit ihren Fingern sich eben dieser Region zwischen seinen Lenden annäherte, desto mehr wurde es ihm bewusst, und je mehr dies in seine Aufmerksamkeit rückte und je mehr er sucht dem irgendwie entgegen zu wirken, desto weniger mochte es ihm gelingen dort ein angemessenes Maß an Spannung zu evozieren.

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  • Ihre ersten zarten Annährungsversuche schienen auf Gegenliebe zu stoßen. Zumindest glaubte Prisca das an der entspannt wirkenden Atmung und den nach oben zuckenden Mundwinkeln ihres Gemahls zu erkennen. Prisca verbuchte das als ersten kleinen Erfolg, denn mit geschlossenen Augen wirkte Gracchus weitaus entspannter und gleichzeitig aber empfänglich für körperliche Nähe. Welche Bilder ihm wohl gerade vor seinem geistigen Auge vorschweben mochten? Am Ende gar schönere Bilder als der Anblick ihres nur leicht verhüllten Körpers, dem sie ihm heute schenken wollte? Prisca wollte es gar nicht wissen, während sie vorerst weiter nur seinen Nacken kraulte und streichelte. Nur nichts überstürzen, Hauptsache, Gracchus würde nicht einschlafen sondern seiner Libido irgendwie freien Lauf lassen können, so wie sie es zu tun gedachte. Und es schien zu funktionieren ...


    Oh ja! Mit einem wohligen Seufzer quittierte Prisca die Erkundungsbereitschaft ihres Gemahls und bereitwillig schmiegte sie jeden Zentimeter ihres Körpers gegen seine Fingerspitzen. Ganz langsam und vorsichtig voran tastend, als wäre es das erste Mal. Gerade diese leicht unsicher wirkenden Berührungen durch den dünnen Stoff ihres Kleides hindurch machten Prisca ganz wild und umso schwerer fiel ihr die Beherrschung, um nicht die zarten Blüten der ersten Annährung gleich wieder zu ersticken. Nach und nach tasteten sich auch ihre Hände in die tieferen Regionen vor, doch so sanft und zärtlich Prisca auch war, so recht wollte sich der erhoffte Effekt (noch) nicht einstellen. Schlimmer noch glaubte Prisca an der Mimik ihres Gemahls zu erkennen, dass dieser Umstand ihm Sorge bereitete, um nicht zu sagen gar Unwohlsein.


    Oh je! Sollte das zarte Pflänzchen der Lust bereits zum sterben verurteilt sein? Nein! Auf keinen Fall wollte Prisca so schnell aufgeben, auch wenn sie sich (vorerst) aus jener sensiblen Zone zurück zog und stattdessen ihre Finger langsam wieder höher leiten ließ. Ob ein paar erotische gereimte Worte womöglich seine Phantasie und gleichermaßen seine Libido beflügeln würden? Einen Versuch wäre es allemal Wert und während Prisca noch nach geeigneten Phrasen suchte, schwang sie sich mit einer eleganten Drehung kurzerhand auf den Schoß ihres Gemahls. Mit den Beinen hielt Pricsa die Lenden ihres Mannes nun fest umfangen, sodass jedes aufkeimende Verlangen unweigerlich zu spüren wäre, obgleich ihre Körper noch immer vom Stoff der Gewänder züchtig verhüllt waren.


    Prisca zwang sich dazu einige Sekunden regungslos zu verharren und nur ihre Finger blieben tätig, indem sie sanft und zärtlich die Schläfen ihres Mannes massierte. Mit den Daumen strich sie Gracchus dabei immer wieder vorsichtig und zärtlich über seine Augenlider, was der Aufforderung gleich kam die Augen geschlossen zu halten. Erneut beobachtete Prisca jede Reaktion ihres Gemahls, ehe sie fortfahren würde ihn gleichermaßen mit Worten wie mit Taten verführen zu wollen …

  • Gracchus suchte der Realität der aufkommenden Demütigung zu entkommen indem er sich in seine Gedanken flüchtete. Er eilte in den Raum der Ekstase, ließ sich hineintreiben in die in Malve und Lavendel changierende Glut, segelte über die güldene Klangkaskade hinweg, griff nach den glimmenden Funken, welche Sternschnuppen gleich um ihn tanzten, und bedeckte seinen Geist mit dem Sentiment seiner Träume. Er folgte dem klandestinen Rascheln Priscas Gewand als diese sich regte und als seine Gemahlin auf ihm saß ließ er seine Hände über ihre Hüften gleiten, hob die feinen Stoffbahnen an, um ihre Haut zu berühren, die Distanz zwischen ihnen auf eine Nichtigkeit zu schrumpfen. Doch er fand nicht die feste Spannung wie einst am Leibe Caius', nicht die starken Muskeln wie an Faustus, nicht die sehnige Drahtigkeit wie bei Sciurus, nur weiche, weibliche Rundungen, welche in ihrem Anblick dem ästhetischen Gesamtwerk zuträglich waren, in Berührung seine Sinne jedoch derangierten. Statt seinen Leib in Entspannung zu versetzen hätte er augenscheinlich besser daran getan seine Sinne zu betäuben wie zu jenen vorigen Gelegenheiten der ehelichen Pflichterfüllung. Gracchus setzte sich zur Wehr gegen die in ihm empor steigende Panik, setzte sich hinweg über Priscas Berührung und öffnete die Augen, um sich seines Zieles zu versichern. Prisca. Er konnte nicht sie begehren und sie gleichzeitig aus seinen Gedanken negieren, er konnte nicht ihr seine Hingabe zueignen und dabei in fremden Gefilden sich vergnügen.
    "Prisca"
    , flüsterte er als müsse er ihre Anwesenheit bestätigen, hob seine Hände, um die ihren zu ergreifen und sinken zu lassen, ehedem er seine Gemahlin fest umfasste und an sich drückte, ihren Hals mit Küssen bedeckte. Doch so sehr er auch suchte sich in Begehren hinein zu versetzen, so wenig folgte der entscheidende Teil seines Leibes diesem Pfad.

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  • Die erhoffte Reaktion seines Körpers blieb aus, doch das störte Prisca nicht weiter. Sie hatten schließlich alle Zeit der Welt und es gäbe noch so vieles, das sie ausprobieren konnten. Es war eben ein langsames Herantasten. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, nachdem die Finger ihres Gatten endlich den Weg unter den Stoff ihres Kleides gefunden hatten. Prisca genoss das angenehme Kribbeln auf ihrer Haut und mit sanften räkelnden Bewegungen versuchte sie sogleich den lästigen Stoff ihres Gewandes gänzlich abzustreifen, um dem Forscherdrang ihres Gatten neue Nahrung zu bieten. Ob ihm gefiel, was er da zu fassen bekam? Prisca jedenfalls gefiel, wie Gracchus sie berührte und so schloss sie genießend die Augen, … um sie Sekunden später wieder zu öffnen.


    Prisca … Hör auf? … Warte! … Lass mich … Ist es ihm doch unangenehm? Wegen mir? …oder wegen ihm? Was wollte Gracchus ihr gerade sagen? Leicht verwundert sah Prisca in die Augen ihres Mannes, als dieser sanft aber bestimmend ihre Hände nach unten zog. Schon hielt Gracchus sie ganz fest umarmt. Wollte er die Initiative ergreifen? Nun, dagegen hatte Prisca absolut nichts einzuwenden, weshalb sie sich willig an ihn schmiegte. Es schien ihm jedoch an der nötigen Entschlossenheit zu fehlen, oder warum nahm er sie nicht endlich? Lag es doch an ihr, an ihm … an was nur?


    Prisca war unentschlossen was sie nun tun sollte und konnte, damit dieser schöne Moment kein jähes Ende fände … noch nicht! "Mach bitte weiter, … bitte, … küss mich … es fühlt sich so schön an deine Lippen zu spüren", wisperte Prisca an das Ohr ihres Gemahls, ihre Wange verliebt gegen die seine schmiegend und sich ganz seinen Händen und Lippen ergebend und ohne zu wissen, ob dies überhaupt das Begehr seines augenblicklichen Handelns war ...

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