[Palaestrae] Ein wenig Training

  • Irgendwann hatte Atticus Mutter beschlossen, dass er nun alt genug sei, um militärischen Drill zu erfahren. Und da sie ja praktischerweise einen Gladiator besaß, war das Ausführungsorgan dieses Drills auch gleich zur Hand. Daher wurde Malachi auch gleich gefragt und damit beauftragt, Titus Pompeius Atticus alles beizubringen, was 'einem guten Römer über die Kampfeskunst zu wissen gebührend' war. Atticus wurde im übrigen nicht gefragt.


    Seit einigen Wochen bestanden seine Tage also nicht mehr aus dem ruhigen Beobachten seiner Umwelt, der Gemeinschaft mit seinem Milchbruder und den gemeinsamen Freunden, der Schule und dem Lernen und Lesen in der Bibliothek. Vielmehr gab es jetzt Lektion nach Lektion nach Lektion über sportliche Betätigungen, das Heben eines Schildes, das Tragen eines schweren Kettenhemdes, dem Laufen und blauer Flecke. Vor allen Dingen aus blauen Flecken. Und Muskelkater. Fürchterlichem Muskelkater.
    Atticus war niemals faul gewesen, er war immer schlank und sehnig und ausgesprochen groß für sein Alter. Aber er war nie wirklich muskulös gewesen und hatte nie so trainiert, wie jetzt. Und würde es nach ihm gehen, hätte sich am ursprünglichen Status auch nichts zu ändern brauchen. Aber Atticus wurde ja nicht gefragt.


    Heute aber hatte Malachi beschlossen, dass es keine endlosen Übungen mit den schweren Übungsschwertern und Schilden und Kettenhemden geben würde. Heute trugen sie nichts von alle dem. Genau genommen trug Atticus gerade nur noch ein Handtuch und Holzsandalen, während er neben dem ebenso spärlich – aber weitaus beeindruckender wirkenden – Malachi durch die Therme lief.


    “Heute also keine Schwertübungen?“ fragte Atticus etwas misstrauisch.


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    “Nein, kein Schwert.“ Malachi war noch nie ein Mann vieler Worte gewesen. Meistens störten sie nur. Hin und wieder aber war er gezwungen, doch ein wenig mehr zu erläutern. Und da Malachi den Sohn seiner Herrin in der Zwischenzeit auch recht gut kannte, wusste er, dass der Junge ohnehin nicht Ruhe geben würde, bis er den Plan für heute kannte. Also fügte Malachi an: “Aber wir werden trainieren. Unbewaffnete Angriffe. Ringen.“


    “Ringen?“ Kurz entgleisten Atticus die Gesichtszüge. “Ich? Mit dir?“ Atticus sah an sich herunter, die schmale Brust, die wenigen Muskeln, die sehnigen Arme und Beine, und sah dann zum Gladiator, der zwar nur minimal größer war als Atticus, aber sicher das dreifache wog. Und das, ohne viel Fett zu haben, sondern hauptsächlich Muskeln, ein sehr breites Kreuz und riesige Hände. Atticus würde ja sowas von zerquetscht werden. “Findest du das nicht ein wenig... unausgewogen?“


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    “Kein Kampf ist je ausgewogen. Und dennoch gewinnt häufig auch der schwächere Gegner, wenn er die bessere Technik hat und seine Stärken ausspielt. Wie der Retarius gegen den Murmillo.“ Malachi schritt unbeirrt weiter zu den Palaestrae, wo er dann stehen blieb und aus den Holzsandalen schlüpfte. Hier war der Boden nicht mehr so glühend heiß, nur spärlich oder gar nicht beheizt. Die Sportler sollten sich ja bewegen können und nicht ihre Füße verbrennen.
    Malachi wandte sich seinem Schützling zu. “Aber wenn der junge Herr jemanden findet, der mit ihm Ringen will, kann er sich auch einen anderen Gegner suchen.“




    Und das versuchte Atticus auch. Alles war besser, als von dem Hünen neben ihm in den Staub getreten zu werden. Zwar war er sich recht sicher, dass der Gladiator damit wieder eine seiner unsäglichen Lektionen verband, dennoch wäre es ihm lieber, diese mit ein paar blauen Flecken weniger zu lernen. Also sah er sich um, in der Hoffnung auf einen Verbündeten.


    Sim-Off:

    Wer Atticus helfen oder mittrainieren oder ihn einfach auslachen will, ist herzlich willkommen

  • Da waren ein paar Jungs in seinem Alter, die sich gegenseitig Bälle zuwarfen. Oder sich abzuwerfen versuchten, so genau konnte Atticus das nicht beurteilen. In jedem Fall schienen sie eine geschlossene Gruppe zu sein und fielen damit aus.
    Dann gab es noch die Fraktion der Gewichteheber, die unterschiedlich stark schwitzend und pumpend versuchten, ihre Muskeln möglichst spektakulär in Szene zu setzen, während ein eifriger Sklave zwischen ihnen herumlief und Getränke anreichte. Die fielen auch raus, da war Atticus ja mit Malachi noch besser bedient.
    Dann gab es noch diverse Männer zwischen zwanzig und dreißig, die sich bereits ringend umkreisten oder im Staub wälzten. Doch die waren auch schon alle zu Paaren zusammengefunden oder sahen nicht so aus, als ob Atticus sich gerne freiwillig mit ihnen ebenfalls im Staub wälzen wollte. Also auch nein.
    Zu guter Letzt erspähte er noch einige Läufer, die ihre Runden drehten. Da war der ein oder andere dabei, der nicht so aussah, als würde er ihn gleich in Grund und Boden rammen. Vielleicht, wenn er bei der nächsten Runde näher vorbei käme....


    “Zeit zu schinden könnte von Unwissenden als Feigheit interpretiert werden“, kam ein Kommentar von der Seite, noch ehe Atticus seinen Plan weiter vorantreiben und eine Entscheidung treffen konnte.
    “Ich bin nicht feige!“ protestierte er sogleich und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Malachi zu. Der Vorwurf ärgerte ihn. Sehr sogar. Er hatte keine Angst vor Malachi. Der hatte ihm noch nie etwas getan – abgesehen von blauen Flecken – und würde ihm wohl auch jetzt nicht den Arm ausreißen und ihn damit verprügeln. Es war nur... “Es ist nur...“ Atticus suchte nach Worten, die die Situation erklärten und auflösen würden. Die hochgezogenen Augenbrauen des Gladiators halfen aber nicht unbedingt bei der Findung der richtigen ausdrucksweise, so dass Atticus eher zu Gesten überging. Er winkte einmal hilflos mit den Händen und schien dabei die Ganze Therme einzuschließen. “... hier gucken alle. Und es ist kein fairer Kampf, du gegen mich! Du... du bist viel schwerer als ich, und viel stärker, und überhaupt, du bist Gladiator! Ich werde hier in wenigen Augenblicken auf den Boden gedonnert und Staub fressen, und die halbe Therme wird sich darüber königlich amüsieren! Das macht doch gar keinen Sinn, dass wir hier kämpfen!“
    Atticus hatte jetzt mit Widerworten gerechnet. Oder mit einem dezenten Schlag auf den Hinterkopf und der Aufforderung, loszulegen. Irgend so etwas eben. Aber Malachi tat etwas, das viel erschreckender war. Er lächelte. Das war furchteinflößender, als wenn ein Molosserhund die Zähne fletschte. Nicht, weil seine Zähne schrecklich wären – die waren erstaunlich weiß und allem Anschein nach vollständig. Aber es war Malachi, der da lächelte. Das machte Atticus doch kurz sprachlos.


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    Ein Moment des Schweigens verging, dann ein weiterer, und als offensichtlich wurde, dass Atticus den Witz bei der Sache nicht verstanden hatte, sagte Malachi doch noch einmal etwas und klärte seinen Schüler über Sinn und Zweck der Übung auf. “Genau hierin besteht der Sinn. Dass die Leute zusehen. Du bist immer viel zu sehr in Gedanken, junger Herr. Wie man ein Schwert führt, das lernst du schon. Aber du musst langsam auch mal lernen, deinen Kopf auszuschalten. Du bedenkst immer die Umgebung. Bedenkst die Leute. Bedenkst dein Scheitern. Bedenkst die Chancen. Du denkst zu viel, um vernünftig zu kämpfen.“


    Für Atticus ergab das überhaupt keinen Sinn. Nicht das kleinste bisschen. Er starrte Malachi mit offenem Mund an. Nur zögerlich stellte sich Fassung ein. “Aber... ich werde ohnehin Ritter wie mein Vater und da ist die richtige Taktik ausschlaggebend, und dafür muss ich nachdenken!“


    Malachi schien nicht beeindruckt von dieser Erkenntnis und zog nur wieder die Augenbrauen nach oben. “Und als Befehlshaber können dich deine Männer nicht auslachen, wenn sie zu dir aufblicken? Da wirst du nicht von Vorgesetzten beurteilt und eingeschätzt? Und musst nie schnell handeln, weil dein Feind dir keine Zeit lässt?“


    Hilflos schnappte Atticus nach Luft und suchte die passenden Worte. SO ausgedrückt war es natürlich nicht richtig, aber das hieß doch nicht, dass er nicht nachdenken sollte, bevor er etwas tat! “Aber... das ist doch was anderes! Da... also...“


    Malachi blieb unerbittlich. “Wir fangen jetzt an.“ Und Atticus hatte kaum Gelegenheit, dahingehend noch einmal zu protestieren, denn der Gladiator ließ ihm keine. Er kam auf ihn zu und umfasste seine Schultern im Ringergriff. Atticus konnte sich gerade so eben noch ausbalancieren und den nötigen Gegendruck aufbauen. Aber nur kurz, denn keine drei Herzschläge später drehte sich Malachi so, dass Atticus den Boden unter den Füßen verlor, über Malachis Schulter schlitterte und dann krachend auf den Sandboden aufschlug.

  • "Ich fühle mich heute wirklich schlapp", jammerte Gaetulicus, der hinter Caius her trottete. Caius hatte Titus Vitrasius Gaetulicus, Sohn eines Eques, kürzlich beim Würfelspiel kennen gelernt. Nächtliche Ausflüge waren eben doch zu etwas nütze, wenn man dabei gleichaltrige Burschen kennen lernte, die einem eventuell nützliche Kontakte zu den Mitgliedern der römischen Oberschicht vermitteln konnten. Und dass Caius irgendwann Kontakt zum Vater seines Kameraden bekommen würde, stand für ihn bereits als sicher fest.


    "Papperlapapp", fegte Caius die Einwände seines Begleiters beiseite. Die passende wegwischende Handgeste machte er auch, während sie ihre Kleidung an der Garderobe einem gelangweilten Sklaven in Verwahrung gaben. Nur mit Handtuch und Sandalen angetan durchquerten sie so die Thermae Agrippae auf der Suche nach den Sportplätzen. "Bei Wodan, ist diese Anlage gigantisch", staunte Caius. Und Gaetulicus ächzte hintendrein: "Ich bin heute eigentlich gar nicht in der richtigen Verfassung..."
    "Ja, ich habe auch schon etwas Fett am Bauch angesetzt. Da müssen wir schnellstmöglich etwas dran ändern", fuhr Caius ihm gut gelaunt dazwischen. Er freute sich auf körperliche Ertüchtigung, auf den Nervenkitzel eines freundschaftlichen Wettkampfes. Gaetulicus war zwar nicht der Sportlichste, sondern etwas weniger atheltisch und meist eher fauler Natur. Aber Caius hatte momentan niemand anderen für ein ordentliches Kräftemessen.


    Sie fanden den Weg zu den Palaestrae, wo bereits eine Vielzahl jüngerer Sportler aktiv war. Sie alle bedachte Caius nur mit einem flüchtigen Blick, bevor er die Sandplätze erspähte, auf denen gerungen werden konnte. Dort waren zwei Ringer aktiv, ein recht junger Bursche und ein Mann wohl mittleren Alters. Caius wandte sich dorthin. Gaetulicus, sich sichtlich unwohl fühlend, schlich ihm hinterher. Als Caius näher trat, hatten die beiden Fremden einen ersten Kampf begonnen. Das Ringen war schnell vorüber, denn der junge Bursche landete flugs im Sand. Caius zog die Augenbrauen hoch. Er selbst war nicht der beste Ringer, aber soviel war sicher: Dieser junge Mann war Anfänger. Er spinkste zu Gaetulicus hinüber, der mit fragendem Blick die Szenerie inspizierte. Da fasste Caius einen Entschluss. Er würde sich lieber an dem Fremden versuchen, statt mit sich mit seinem unmotivierten Kameraden herumzuschlagen, der sowieso keine Lust auf Sport hatte.


    "Salvete", sprach er deshalb die beiden Ringer an, noch einen Schritt nähertretend. "Mein Name ist Caius Duccius Callistus und ich bin auf der Suche nach körperlicher Ertüchtigung im Ringkampf. Darf ich mich - beziehungsweise dürfen wir uns - zu euch gesellen?" Dabei wies er auf seinen Begleiter. "Dies ist Titus Vitrasius Gaetulicus. Er ist allerdings nicht ganz so erpicht auf einen Ringkampf, vielleicht helft ihr mir aus." Caius grinste schief. Gaetulicus zog beleidigt die Stirn in Falten.

  • So ein Sandboden in einer Therme war bedeutend härter, als er aussah. Am liebsten wollte Atticus ächzen und stöhnen und sich erst einmal ausgiebig die Schulter reiben. Doch vermutlich hätte er dann noch jämmerlicher ausgesehen, als ohnehin schon. Bestimmt war es ein formschöner Flug gewesen, der ihn nach dem Schulterwurf schließlich auf den Boden gebracht hatte. Aufstehen.... Römer kennt keinen Schmerz.... Au... motivierte sich Atticus in Gedanken und stand langsam wieder auf. Sich die Schulter reiben wollte er nicht, aber er rollte einmal mit beiden, um wenigstens ein bisschen die Verspannung heraus zu bekommen. Sah auch männlicher aus. Wahrscheinlich. Vielleicht.


    Gerade wollte Atticus doch noch einmal zu einer Verhandlung über Malachis Unterrichtsmethoden ansetzen, als er gerettet wurde. Welcher Gott auch immer bei der Vorstellung eben einen Lachkrampf bekommen hatte, Atticus war ihm dankbar, dass er nun einen angemesseneren Gegner schickte.
    Salvete“, grüßte er also auch gleich zurück und war sich nicht sicher, ob die Erleichterung nicht aus diesem kurzen Wort herauszuhören war.
    Bei der Vorstellung grinste Atticus auch gleich schief. Er konnte Vitrasius Gaetulicus gut verstehen, er selber war auch nicht so erpicht, hatte aber wohl wenig andere Wahl. Nur konnte er das so natürlich nicht sagen, das klang so... jämmerlich. “Ich bin Titus Pompeius Atticus, und das ist der...“Gladiator? Sklave? Gladiator klang so protzig. “...Custos Corporis meiner Mutter, Malachi, der mir freundlicherweise noch ein wenig Nachhilfe im Ringen geben soll.“ Das war die wohl diplomatischste Umschreibung des aktuellsten Sachverhaltes, die Atticus einfiel. Malachi war wie immer stumm und verneigte sich leicht. “Auch wenn der Kampf ein wenig... ähm... ungleich ist. Aber wir beide können sehr gerne... also, wenn du auch mit mir Vorlieb nehmen willst. Ich hab noch nicht ganz so viel Übung wie mein Lehrer.“ Die Hoffnung, dass Duccius Callistus und Malachi miteinander ringen würden und er und Vitrasius Gaetullicus auf der Bank sitzen würden und einfach zusehen, die flammte überhaupt gar nicht erst auf. Da würde Malachi definitiv etwas dagegen einzuwenden haben. Vielleicht später, so aus Nettigkeit, oder wenn der Duccius dahingehend eine Andeutung machte, vielleicht...
    Aber so oder so war alles besser als eine Wiederholung der vorangegangenen Flugstunde. Duccius Callistus und er waren ähnlich groß und ähnlich alt, Atticus war zwei oder drei Jahre jünger, wenn er schätzen müsste. Und von einem Gladiator namens Duccius hatte Atticus noch nie gehört. Daher standen seine Chancen hier definitiv besser.

  • Der Pompeius schien also Spaß zu verstehen, denn er reagierte auf den Scherz auf Gaetulicus' Kosten mit einem ebenso schiefen Grinsen. Das war schonmal eine gute Voraussetzung um miteinander auszukommen, dachte Caius bei sich. "Pompeius, Malachi, ist mir eine Freude", sagte er zur Abrundung der Begrüßung. Malachi gab also Nachhilfe im Ringen. Caius schluckte. Der Mann sah ziemlich muskulös aus. Ob er wohl professioneller Ringer war? Es bestand womöglich die Gefahr, sich lächerlich zu machen, falls Caius sich nicht anstrengte.


    Er nahm Atticus' Angebot an und sagte: "Sehr gerne nehme ich mit dir Vorlieb." Dabei zwinkerte er dem Pompeius zu. "Also dann." Er schlüpfte aus den Sandalen und machte seine Füße gemächlich mit dem Sandboden vertraut. Dann legte er das Handtuch ab, das er Gaetulicus zuwarf. Auch wenn er in Germania Superior in einem auch germanisch geprägten Haushalt aufgewachsen war, so hatte er sich nach römischer Art das Schamhaar entfernen lassen. Er war darauf bedacht, keinesfalls als seltsamer Provinzler aufzufallen.
    Caius lockerte mit kreisenden Bewegungen seine Schultern, beugte sich nach links und rechts und hoffte einen möglichst durchtrainierten und geübten Eindruck zu erwecken. Die wenigen Augenblicke nutzte er, um seinen Ringpartner einzuschätzen. Atticus war vermutlich etwas jünger als er und auch nicht so gut trainiert. Beim Ringen war Muskelkraft aber nicht alles, es kam auch auf die Technik an. Caius wusste, dass man in keinen Kampf mit der Einstellung gehen sollte, man würde ohnehin gewinnen. Dennoch nahm er - auch unter Berücksichtigung des vorangegangenen Ringkampfes - an, dass er seinem Gegner überlegen war.


    "Keine Sorge, ich bin kein Wettkämpfer", ließ Caius Atticus daraufhin wissen, um ihm die Sorge zu nehmen, er könne womöglich an einen Profi geraten sein. "Ich übe mich im Ringen nur um der eigenen Gesundheit Willen. Naja, und manchmal auch um mich mit meinen Freunden zu messen, wenn sie denn wollen." Er schielte spitzbübisch zu Gaetulicus herüber, der mit verschränkten Armen abseits stand und mit kritischer Miene das Schauspiel betrachtete. Caius nahm gegenüber von Atticus seine Position ein und wartete nun darauf, dass dieser sich ebenfalls bereit zeigte.


    Sim-Off:

    Ich nehme diesen Wikipediaartikel als Grundlage für alles Folgende und hoffe, damit halbwegs den Kern der Sache zu treffen. Ansonsten habe ich nämlich keinerlei Ahnung von Ringen, weder von antikem noch modernem.

  • Sim-Off:

    Abgesehen von “Mit den Schultern den Boden berühren = verloren“ hab ich auch keine Ahnung :D Von daher passt das ja


    Auch wenn der Duccius kein Wettkämpfer war, war sich Atticus nicht sicher, ob das gleichbedeutend damit wäre, dass er sich keine Sorgen machen müsste. Irgendwie hatte er die leise Vorahnung, dass er dennoch die meiste Zeit auf dem Boden verbringen würde, auch wenn er sich hier sicher etwas besser wehren würde können, als gegen Malachi. Daher war das hier definitiv schon einmal positiv. Und vielleicht konnte er mit dem ein oder anderen Gespräch auch noch etwas Zeit schinden. Noch etwas, das bei Malachi definitiv nie geklappt hätte.


    Atticus klatschte die Hände zusammen und lächelte etwas verlegen. “Eigentlich bevorzuge ich eher Bücher. Und meine Freunde sind üblicherweise einen Kopf kleiner als ich. Daher wird das eine hoffentlich nicht allzu peinliche Premiere.“
    Nungut, Premiere stimmte nicht ganz. Zum einen war er ja bereits vor fünf Minuten durch die Luft geflogen, zum anderen hatte er auch als Kind schonmal gerungen und die Grundregeln gelernt, nur war das damals nie 'so richtig' gewesen. Zum einen war er schon immer ein Kopf größer als seine Altersgenossen, und zum anderen war das mehr ein Spiel gewesen als bitterer Ernst. Dass er wirklich mal mit jemandem ringen würde, den er so gar nicht kannte und so gar nicht einschätzen konnte, das war definitiv eine Premiere.


    Atticus rollte also noch einmal mit den Schultern und schüttelte seine Gliedmaßen ein wenig aus, um sich noch etwas mehr zu lockern. Er und der Duccius waren ja ungefähr gleich groß und zumindest ähnlich muskulös, da wollte er sich nicht unbedingt gleich eine Zerrung holen. Und er wollte Zeit schinden. Vor allen Dingen wollte er Zeit schinden. Nur nicht so viel, dass es auffiel.
    Also begab er sich auch seinem Kontrahenten gegenüber in Position, nickte ihm zu als Zeichen, dass es losgehen konnte, und wartete auf den Angriff. Selbst anzugreifen war nicht Atticus' Art, viel mehr spekulierte er darauf, Callistus vielleicht geschickt mit dessen eigenen Schwung aus dem Gleichgewicht zu bringen und so zu Fall zu bringen. Mit eigener Körperkraft wäre das ganze schon schwieriger.

  • Sim-Off:

    'Tschuldige. Lange Wartezeiten bedeuten nicht, dass ich diesen Thread geringschätze.


    Caius zog die Augenbrauen hoch. Atticus' Geständnis entlockte ihm dabei ein weiteres schiefes Grinsen. "Alles halb so wild", entgegnete er mit einer lahmen Plattitüde, die dem Umstand geschuldet war, dass er sich bereits den ersten Angriff zurechtlegte. Was er bisher vom Pompeius gehört hatte sprach dafür, dass er mit einer Überrumpelungsattacke vermutlich Erfolg haben konnte. Oder sollte er doch lieber Vorsicht walten lassen und seinen Gegner abtastend umkreisen?


    So überlegte Caius, während Atticus seine Schultern kreisen ließ und sich ebenfalls in Position begab. Das dauerte noch einen Augenblick und Caius musste sich im Geiste Geduld zureden. Er hatte es schon öfter erlebt, dass Kontrahenten Psychospielchen vor dem Ringkampf spielten, um den Gegner zu verunsichern oder zu unvorsichtigen Attacken zu animieren. Atticus traute Caius eine solche Intention jedoch nicht zu, weshalb er einfach entspannt abwartete. Der nickte sodann auch. Der Kampf begann.


    Caius erkannte schnell, dass Atticus nicht die Initiative ergriff. Damit hatte er nach der Premieren-Ankündigung bereits gerechnet. Also ging er in Kampfhaltung, wofür er den Oberkörper leicht nach vorn beugte und die Hände auf Brusthöhe vor sich hielt. Sodann machte er ein, zwei Schritte schräg links auf seinen Gegner zu. Er wollte Atticus' Beinarbeit studieren, beobachten wie er sich zu ihm verhielt. Einige Schritte machte er so, langsam, abwartend. Dann schnellte er urplötzlich vor und versuchte mit dem rechten Arm Atticus Oberschenkel zu umschlingen. Mit der Linken wollte er unter seine Wade greifen, um diese als Hebel zu nutzen. So würde er seinen Kontrahenten zu Boden befördern können. Gleichzeitig stemmte er selbst seine Füße in den Sand in Erwartung einer Abwehrreaktion.

  • Sim-Off:

    Keine Sorge, hatte ich nicht so aufgefasst. Zeit und Kreativität lassen mich selbst ja auch nicht immer so schnell antworten, wie ich eigentlich gerne wollen würde


    Und so begann es.
    Leider tat Callistus Atticus nicht den Gefallen, gleich und überstürzt anzugreifen. Darauf war Atticus vorbereitet – wenngleich Malachi gerade eben noch genau damit siegreich gewesen war – und hatte einen Plan. Aber Callistus tänzelte nur um ihn herum, bewegte sich mal einen Schritt hierhin, mal einen Schritt dahin, abwartend, lauernd. Ungefähr wie ein Wolf, der erst einmal testete, ob der in die Ecke gedrängte Stier sich dadurch verunsichern ließ oder die Hörner benutzte.
    Nunja, dieser Stier war ziemlich friedlich, hatte aber zumindest dahingehend genug Training, sich gut zu positionieren. Ob jetzt mit Schwert und Schild in der Hand oder beim Ringen, die Füße machten ähnliche Dinge. Und Atticus war die letzten Monate und Jahre genug von Malachi mit dem Schwert traktiert worden, um zumindest das inzwischen ohne nachzudenken hinzukriegen. So wich Atticus bei dem Stellungswechsel aus, schön im Takt mit Callistus Bewegungen, wie ein kaum verzögertes Spiegelbild, und wartete weiter auf den Angriff.
    Bevor es albern werden konnte mit dem gegenseitigen Umkreisen tat Callistus ihm dann auch glücklicherweise den Gefallen und griff an. Der Angriff ging tief, und Atticus dachte zulang darüber nach, ob es unsportlich wäre, in dieser Situation sein Knie nach oben zu führen. Immerhin hätte das Callistus dann am Kopf getroffen, und irgendwie erschien das Atticus nicht richtig. Aber genau in diesem Moment, als der Gedanke noch durch seinen Kopf schoss, hatte Callistus ihn auch schon gepackt. Da war es für das Knie so oder so zu spät.
    Sich loszureißen betrachtete Atticus als annähernd chancenlos, aber viel andere Auswahl blieb nicht. Ohne großartig darüber nachzudenken, stützte er sich also nach vorne und umschloss mit seinen langen Armen Callistus' Rücken. Während Callistus also sein Bein hatte, hakte er schnell seine Arme unter Callistus Achseln nach vorne zur Brust ein, um ihn wie in einer Zange festzuhalten. Er selbst hatte zwar kein besonders gutes Gleichgewicht auf dem einen freien Bein mehr, machte das aber dadurch wieder wett, dass er sich an Callistus festhielt. Wenn, dann würden sie also wohl beide umkippen. Oder wahlweise er über Callistus Rücken wie ein Getreidesack hängen, aber wer nahm das schon so genau...

  • Atticus klammerte sich einfach an ihn! Caius erkannte schnell, dass mit diesem Manöver sein Vorhaben neutralisiert wurde. Hebelte er Atticus hoch, würde er selbst von dessen Gewicht zu Boden gerissen. Oder nicht? Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Er versuchte es einfach, zog mit aller Kraft Atticus' Oberschenkel nach oben und packte zugleich dessen linke Wade, die er mit voller Wucht ebenfalls hochzog. Dabei stemmte er sich mit aller Kraft entgegen der erwarteten Fallrichtung seines Gegners in den Sand. Natürlich funktionierte dieses Manöver nicht. Caius strauchelte, stolperte schräg nach vorn. Schließlich ließ er seinen Gegner schnell wieder los, bevor sie beide zu Boden gingen. Nun versuchte er seinen Arm um Atticus' Hals zu legen, um diesen zu drosseln. Das war nicht einfach, da Atticus etwas vorgebeugt vor ihm Stand, denn der hatte seine Arme ja wiederum unterhalb von Caius' Achseln um ihn geschlungen. Wenigstens hatte Caius dadurch die nötige Armfreiheit, musste aber darauf achten, nicht von Atticus zu Boden gerissen zu werden. Als er meinte, den richtigen Ansatz gefunden zu haben, drückte er kräftig zu.

  • Mit einem Mal gab es einen Ruck, und Atticus verlor den Boden unter den Füßen. Ein wenig erinnerte ihn die Szene an seinen ersten Versuch, ein Pferd zu besteigen, denn halb stützte sich Atticus auf Callistus Rücken, halb klammerte er sich dabei fest, und keines von beiden schien irgendwie zu helfen, als Callistus ein paar Schritte vorwärts taumelte und ihn schließlich abwarf. Auch das erinnerte irgendwie an den ersten Reitversuch.
    So aber kam Atticus wieder auf den Boden und war für eine Sekunde tatsächlich frei. Lange daran erfreuen konnte er sich aber nicht. Er hatte gerade genug Zeit, kurz sein Gleichgewicht wieder zu finden, als Callistus auch schon nach seinem Hals griff und zudrückte. Ein recht unmännliches “Chchchrrr“ entfuhr Atticus. Gerne hätte er einen ausgeklügelten Plan gehabt, den er verfolgen hätte können, gerne hätte er einen tollen Kniff oder irgendeinen geschickten Tritt oder ähnliches gekannt, um sich daraus zu befreien oder seinen Gegner umzuwerfen. Irgendwas, das ihm in dieser Situation geholfen hätte. Aber sein Kopf war leer, absolut leer, und nur eine bis dato unbekannte Panik stieg instinktiv in ihm auf, als er auf einmal kaum mehr Luft bekam. Und ganz von allein reagierte sein Körper darauf, ohne dass Atticus irgendwie darauf hätte Einfluss nehmen können. Wie im Reflex stieß er Callistus vor die Brust so stark er konnte. Alles, was sein Körper in dem Moment wollte, war Luft.

  • Caius sah sich bereits als Sieger den Ring verlassen. Er hatte seinen Kontrahenten fast so weit, dass dieser aufgab. Davon war er überzeugt. Und plötzlich traf ihn ein Schlag vor die Brust. Caius blieb die Luft weg, keuchend ließ er von Atticus ab. Genauso männlich wie zuvor Atticus rang Caius nun nach Luft. "Hhh-ärch-hhh", keuchte er und schaute dabei verwundert seinen Gegner an, den er gerade aus dem Schwitzkasten entlassen hatte. Aber Aufgeben war keine Option und so versuchte er sogleich seine Atmung zu beruhigen. Natürlich keuchte er noch immer, aber sein Kopf brachte schnell wieder klare Gedanken hervor. Er wollte diesen Kampf jetzt zügig beenden. Kurz und - für ihn - schmerzlos. Immer noch nach Luft schnappend erkannte er seine Gelegenheit in den Kniekehlen seines Kontrahenten, die ihm zugewandt waren. Blitzschnell hob er den recht Fuß und trat laut schnaufend in Atticus' rechte Kniekehle.

  • Kaum hatte Atticus wieder soweit Luft und sich erholt, um irgend etwas vernünftiges zu tun – zum Beispiel aufgeben – da spürte er auch schon einen heftigen Schmerz in seinem Knie, das ihm just in diesem Moment wegsackte. Mit einem Aufschrei ging Atticus in die Knie, reflexartig hielt er sich mit den Händen den malträtierten Körperteil. Er hatte ja schon so eine Abneigung gegen dieses ganze Gekämpfe gehabt, nun hatte er wieder einen guten Grund mehr, seine Meinung bestätigt zu sehen. Sein Hals schmerzte, sein Bein tat geradezu dolorisch weh, und weil ihm Tränen in die Augen geschossen waren, sah er nicht richtig. Bevor er neben einigen blauen Flecken und einem schmerzenden Knie noch einen gebrochenen Knochen hier heraus davontragen würde, tat er das einzige, was ihm annähernd sinnvoll schien: “Aaaah! Ist gut, ich gebe auf“
    So konnte er wenigstens soweit kurz verschnaufen, um sich zu fangen. Noch peinlicher, als zu verlieren, wäre es nur, zu heulen. Auch, wenn es vor Schmerzen wäre. Das war reichlich unmännlich.


    Atticus humpelte also zum Rand zu einer Bank, um sich da hinzusetzen. Nur kurz blickte er auf zu Malachi, dessen Miene aus Stein hätte gemeißelt sein können. Trotzdem war Atticus sich sicher, dass der Gladiator mit ihm reichlich unzufrieden war. Hoffentlich verpetzte er ihn wenigstens nicht bei seiner Mutter. Auf ihre Standardrede, dass ein Mann gefälligst bis zum Schluss zu kämpfen hatte, konnte er nämlich wirklich sowas von verzichten.
    Bevor aber Malachi auf die Idee kam, sich doch nochmal mit irgendwelchen Ratschlägen – zum Beispiel dem einer Revanche – bemerkbar zu machen, wandte sich Atticus doch lieber selber an seinen Gegner. “Du hast eindeutig mehr Übung in sowas, als ich.“

  • Caius' Tritt saß und schmerzte offenbar auch genügend, um Atticus mit einem Aufschrei in die Knie gehen zu lassen. Erleichtert atmete Caius auf, als sein Kontrahent aufgab. Erstmal Luft holen. Während Atticus zur Bank humpelte, schnaufte Caius also tief durch und wischte sich den Schweiß von der Stirn.


    "Mag sein. Du bist dennoch ein harter Brocken", entgegnete Caius. Gaetulicus klatschte anerkennend in die Hände. "Ein großartiger Kampf", lobte er. Caius grinste wölfisch. "Gaetulicus bewundert jede Art Wettkampf, solange er bloß zusehen darf"
    Gaetulicus rollte mit den Augen und winkte einfach ab. Caius wollte derweil erstmal Zeit schinden, bevor es eventuell zu einem weiteren Ringkampf kam. Die erste Runde war doch anstrengender gewesen als erwartet. Also betrieb er zunächst Konversation: "Und dein Custos Corporis übt jetzt regelmäßig mit dir? Oder nur heute?"

  • Atticus hatte ernsthafte Zweifel, ob er wirklich ein harter Brocken war. Er sah sich selbst mehr als einen Brocken Bimsgestein: Sah massiv aus, war aber leicht und zerbrechlich. “Ich kann dich gut verstehen, Gaeticus. Beim Zusehen humpelt man hinterher seltener von dannen.“ Atticus setzte sich und streckte das geschundene Knie etwas aus. Malachi kam stumm wie immer herbei und kniete sich vor ihn hin. Glücklicherweise war der Gladiator sehr wortkarg, so dass Atticus eine Standpauke zu den hundert Fehlern, die er sicherlich gemacht hatte, jetzt nicht sofort zu hören bekam.


    “Das war hier heute das erste Mal, Eigentlich AaaaaAAAH! Atticus jaulte unvermittelt auf, als Malachi mit seinen überdimensionalen Pranken kurz das Knie abtastete und dann einmal von allen Seiten kräftig drückte. Sobald der Gladiator losließ und sich mit einem “Nur geprellt“ ein paar Schritte entfernte, umfasste Atticus noch einmal das Knie und sah etwas entgeistert drein. Als wäre zu verlieren nicht schon schlimm genug gewesen!
    Nach einem kurzen Moment, in dem er sich wieder fangen musste, fuhr Atticus also fort. “Äh, ja, eigentlich haben wir bislang nur mit Schwert und Schild geübt. Da bin ich nicht ganz so hoffnungslos. Aber aus irgendeinem Grund fand Malachi es wichtig, dass ich mich heute hier einmal unbewaffnet blamiere. Und du? Trainierst du hier regelmäßig, oder nur, wenn der Zufall es ergibt?“

  • Gaetulicus grinste breit über das ganze Gesicht. Er war froh, dass er dem Ringkampf entronnen war. Atticus litt derweil Schmerzen, während Malachi ihn untersuchte. Caius litt bereits beim Zusehen mit, als Atticus aufjaulte. Er hatte den jungen Pompeier offenbar ganz ordentlich erwischt. Ein bisschen stolz verkniff er sich ein Grinsen und verzog stattdessen lieber ein bisschen das Gesicht.


    "Der Ringkampf schult Körper und Geist", mahnte Caius mit gespielt lehrerhafter Manier und erhobenen Zeigefinger. "So hat es jedenfalls mein Vater stets gesagt, wenn ich keine Lust hatte." Er schmunzelte beim Gedanken an diese Zeiten. "Deshalb bin ich heute hier, allerdings zum ersten Mal. Ganz so lange bin ich noch nicht in Rom und habe bisher noch nicht die Zeit gefunden für ausgiebige Leibesübungen." Caius zuckte mit den Schultern. "Heute habe ich mich endlich aufraffen können. Ob ich es schaffe, regelmäßig herzukommen, kann ich aber noch nicht sagen. Vielleicht hast du ja Interesse an regelmäßigen Übungen?" Erwartungsvoll sah Caius Atticus an. Er hatte zwar wenig Hoffnung, dass dieser unmotivierte Junge Lust auf weitere Ringkämpfe hatte. Aber womöglich zwang ihn dieser Malachi ja einfach. Und Atticus schien ihm ein wesentlich besserer Trainingspartner zu sein als Gaetulicus, der erst recht keine Lust auf Sport hatte.

  • Wie es ausgerechnet den Geist schulen sollte, getreten und gewürgt zu werden, entzog sich Atticus' Horizont. Irgendwie erschien dieses Argument sehr fadenscheinig zu sein, wie die meisten Argumente, die Eltern so anwendeten, damit man tat, was sie wollten. Und Callistus wollte das ganze auch noch freiwillig und regelmäßig machen? Atticus wollte sich nicht die Blöße geben und zugeben, wie unangenehm ihm das war. Er war ja schließlich kein heulendes Mädchen. Aber regelmäßig gewürgt und getreten zu werden stand jetzt auch nciht unbedingt auf der Liste der Dinge, die er gemacht haben wollte.
    ”Ähm, vielleicht, aber vielleicht erstmal mit Anfängerregeln ohne würgen und treten, oder so”, antwortete er ein wenig ausweichend. Vielleicht wäre es besser, das Thema jetzt nicht weiter zu vertiefen. Daher stürzte sich atticus auch sehr dankbar auf den anderen Gesprächsfetzen, den der Duccius ihm dargereicht hatte.
    ”Und du bist neu in Rom? Aus einem bestimmten Grund?” Es gab ja viele Gründe, die ewige Stadt einmal zu besuchen. Verwandte, Kontakte, Politik, Geschäft... ”Ich selber bin in Ostia aufgewachsen, weil meine Mutter das während des Bürgerkrieges als sicherer erachtete. Aber als der vorbei war, sind wir wieder nach Rom gezogen ins Haus ihrer Familie.”

  • Caius lächelte erfreut ob der Antwort des Pompeiers. "Abgemacht", sagte er. "Mit Anfängerregeln ohne würgen und treten." Er streckte Atticus die Hand hin. Gaetulicus zog verblüfft die Augenbrauen hoch. Caius freute sich, einen Ringpartner gefunden zu haben. Auch, wenn Atticus mit seiner Antwort sicherlich kein Angebot verbunden gesehen hatte, deutete Caius dies schlicht und einfach um. Jedenfalls ging er fest davon aus, dass Atticus nun einschlagen würde, denn alles andere wäre doch irgendwie ein Rückzieher vom nicht eindeutig erklärten Angebot. Ganz bewusst vermied Caius es, diesen Malachi anzusehen. Der würde sich vermutlich diebisch freuen über seine Initiative, hatte er doch so einen Grund, seinen Schüler regelmäßig zur sportlichen Quälerei zu schleifen.


    "Ich bin hier...nun weil...", entgegnete Caius auf Atticus nächste Frage hin zögerlich. Irgendwie war es ihm mit einem Mal unangenehm, seine Beweggründe zu erläutern. Er war hergekommen um Senator zu werden. Aber nun lebte Caius schon so lange in Rom und war seinem Ziel keinen Schritt näher gekommen. Er schämte sich für seine ausbleibenden Erfolge. Dennoch, verschweigen konnte er dies ja auch nicht. Also lieber mit offenem Visier vorpreschen: "Ich möchte Senator werden." Nachdem dies gesagt war, musste Caius verlegen grinsen. Es klang irgendwie lächerlich, so laut ausgesprochen. Deshalb schob er hinterher: "So richtig vorangekommen bin ich in diesem Streben aber noch nicht." Er zuckte mit den Schultern.


    "Ich komme ursprünglich aus Mogontiacum, Germania Superior. Mein Vater ist dort Procurator Rationis Privatae", fuhr Caius dann fort. "In Ostia bin ich letztens erst geschäftlich gewesen. Ist auch ganz schön dort. Die Straßen stinken nicht so schlimm, weil ständig Wind vom Meer her weht." Er grinste wieder. Hoffentlich beleidigte er Atticus nicht damit, dass er über Roms kloakenhaften Geruch sprach.

  • Verdammt! Da hatte Atticus sich wohl in eine Ecke manövriert, die der Duccius schamlos ausnutzte. Eigentlich sollte er beleidigt sein, denn eigentlich wollte er ja wirklich nicht ringen. Und erst recht wollte er nicht der Ehre wegen dazu gezwungen sein. Dennoch war er jetzt genau deswegen dazu gezwungen und schlug mit einem schiefen Seitenblick auch ein. “Gut gespielt“, meinte Atticus da nur, während er die Hand schüttelte. Und wirklich sauer war er auch nicht. Mal ein paar neue Freunde zu finden, die nicht alle kleiner und dümmer waren, als er selbst, war definitiv keine schlechte Sache.


    Bei der eigentlich ganz unverfänglich gemeinten Frage druckste Callistus aber dann rum, und auch, als Atticus die Antwort hörte, stand er scheinbar auf dem Schlauch, was daran nun so schlimm war. “Ich werde Ritter werden, wie mein Vater. Und ungefähr dreiviertel der Familie meiner Mutter.“ Was er selber da wollte, interessierte da ohnehin niemanden, daher hatte er sich schon vor einiger Zeit mit seinem Schicksal angefreundet. “Hast du denn schon einen Patron? Mit guter Fürsprache geht ja meistens einiges.“
    Als Callistus noch Germania Superior erwähnte, fiel Atticus da noch was anderes auf. “Ist der Legatus von Germania Superior nicht auch ein Duccius? Bist du mit dem verwandt?“ Wenn ja, würde das das Bestreben, Senator zu werden, ja auch irgendwie erklären. Callistus war dann ja nicht einmal mehr so richtig ein Homo Novus, sondern nur ein halber. Da sollte sich das mit der Senatorenlaufbahn ja dann leichter ergeben.
    “Und ja, das stimmt. Als ich klein war, saß ich am liebsten am Strand und hab den Fischern zugeschaut. Was die Fischer hier aus dem Tiber holen, willst du glaub ich gar nicht wissen.“ Atticus schüttelte sich gespielt. “Aber der Gestank wird zum Winter hin wenigstens besser, und irgendwann gewöhnt man sich dran. Zumindest bis zum Sommer, dann flüchten alle, die es sich leisten können.“

  • Atticus schlug ein. Caius nahm das Lob leicht grinsend entgegen. Dabei beließ er es. Die Zeit würde zeigen wie ernst der junge Pompeius diese Vereinbarung nahm und wie häufig es tatsächlich zu weiteren Trainingseinheiten kommen würde.


    Atticus würde also Ritter werden. Er sagte nicht, er wolle Ritter werden, wie Caius auffiel. "Mit einer solch starken Familientradition sollte es dir leicht fallen, in ritterliche Fußstapfen zu treten", bemerkte Caius und beantwortete anschließend Atticus' Frage: "Allerdings. Ich habe den Senator Caius Flavius Scato für mich gewinnen können. Ich hoffe, dass er mir den Einstieg in den Cursus Honorum ermöglicht. Danach kann ich mit meiner eigenen Hände Arbeit punkten. Vorher muss ich mich auf die Fürsprache anderer stützen." Dass er letzteres nicht besonders mochte, diese Abhängigkeit von anderen, deutete Caius mit einer unwilligen Grimasse an.


    "Richtig", bestätigte er sodann Atticus' Vermutung. "Titus Duccius Vala ist ein entfernter Cousin von mir. Über X Ecken irgendwie." Er zuckte mit den Schultern. "Ich habe bei ihm mein Tirocinium Fori abgeleistet, als er noch in Rom war."


    "Ich habe vor meiner Ankunft in Italia noch nie zuvor das Meer gesehen", gab Caius schließlich zu. "Es ist wundervoll." Bei Atticus' Bericht über den Inhalt des Tibers verzog er ein wenig das Gesicht. "Naja, ich habe jedenfalls nicht vor darin zu schwimmen, also werde ich es wohl aushalten", witzelte er. Und auch zur allgemeinen Hitzeflucht hatte Caius einen Kommentar parat: "Im Sommer ist Rom in den höheren Schichten wahrlich nahezu ausgestorben, das habe ich schon bemerkt."

  • Atticus zuckte etwas ungelenk die Schultern. Ob es ihm leicht fiel oder schwer, darüber hatte er sich noch nie wirklich Gedanken gemacht. Es war einfach das, was er tun musste, da führte kein Weg dran vorbei. Und Atticus betete zu allen Göttern, die sich zuständig fühlen mochten, dass er ein besserer Mann als sein Vater wäre. Als Ritter hatte der es ja weit gebracht, aber als Mensch... Seinen Vater zu hassen war nach römischem Recht ein Verbrechen – oder zumindest nahe dran – aber Atticus würde einiges darum geben, wenn Gaius Pompeius Imperiosus nicht sein Vater wäre und er nicht nach diesem schlagen würde. Allerdings war ein solches Thema wohl kaum was für ein erstes Gespräch. Vielleicht noch nicht einmal was für das hundertste.
    “Flavius Scato kommt zumindest aus einer Familie, die die Götter und die Welt kennt. Da sollten denke ich genug wichtige Leute dabei sein, die dir helfen könnten.“ Dass Callistus sein Tirocinium fori bei seinem Verwandten-um-x-Ecken gemacht hatte, erklärte ein wenig, warum er vorhin so herumgedruckst hatte. Wie lange war das denn her, dass Duccius Vala in Rom war? Musste schon ein paar Jahre her sein. Da in der Zwischenzeit noch nicht voran gekommen zu sein, war schon etwas, was auch Atticus verlegen gemacht hätte. Allerdings war es nichts, was er Callistus vorhalten würde. Vielleicht hatte er in der Zwischenzeit ja einfach etwas anderes, wichtiges zu tun gehabt, oder schlichtweg kein Glück gehabt. Und Atticus wollte einen potentiellen, neuen Freund nicht durch unnötige Vorwürfe vergraulen.
    “Hast du schon mal drüber nachgedacht, ob du vielleicht noch ein... sagen wir mal kleineres tirocinium oder so bei einem der kommenden Magistrate machen möchtest? Das wär vielleicht ein bisschen aktueller und würde dir auch mehr Kontakte ermöglichen als zu deinem Verwandten in Germania?“ Hm, vielleicht kam das jetzt belehrend rüber? Das war nicht Atticus Absicht, aber manchmal hatte er auf andere Menschen diese Wirkung. “Also, ich mein nur, wenn sich nicht vorher ohnehin was ergibt oder dein Patron schon Pläne hat oder so...“ fügte er also noch möglichst unverfänglich an, um den Eindruck vielleicht abzumildern.
    “Apropos Schwimmen, hast du nachher noch vor, auch ins Wasser zu gehen, oder wolltest du nur Trainieren?“

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