Triclinium | Coniurationis Finis?

  • Ein weiteres, hoffentlich letztes Mal hatte Durus die Verschwörer in sein Haus geladen. Diesmal hatte er zahlreiche Vorbereitungsgespräche (mit Lucianus, Ursus, Flaccus und Gracchus) geführt, Nachforschungen angestellt und die Pläne vervollständigt. Nun aber würde es um die Vergabe der einzelnen Aufgaben gehen, die Festlegung eines Zeitplans etc., sodass der alte Tiberier diesmal noch weitaus aufgeregter war als bisher. Ruhelos humpelte im Triclinium auf und ab, obwohl ihm dies Anstrengung bereitete und darüber hinaus seine sorgsam drapierte Synthesis durcheinanderbrachte. Die beiden Sekretäre - Lukios und Saras - hingegen konnten nur ruhig am Rande stehen und hoffen, dass ihr Herr sich noch beruhigte.

    Sim-Off:

    Bitte direkt eintreten - natürlich auch mein lieber Sohnemann ;)

  • Die Zeit des Nachmittages hatte Gracchus an diesem Tage mit Cornelius Scapula in den Thermen verbracht, wo er diesem hatte mitgeteilt, dass er doch nicht für die kommende Amtszeit hatte sich zur Wahl stellen lassen - wohl berechnend dies, denn in der Öffentlichkeit hatte der Cornelier weit weniger impulsiv auf diese Neuigkeit reagieren können als er dies zweifelsohne in vertrauten Gefilden hätte getan, gleichsam hatte er seinem Freund einige Antworten auf die urgierenden Nachfragen verwehren können mit dem Hinweis darauf, dass er dies nicht coram publico wollte erörtern. Als Gracchus recht zeitig im Hause der Tiberier eintraf lag noch ein Schimmer von Feuchtigkeit über seinem Haar und ein Hauch nach Rosenöl um seinen Leib, gleichwohl eine vitale Frische über seinem Antlitz, welche ein wenig den Gram, die Sorgen und Beklommenheit Lügen straften, welche ihn in den letzten Tagen vermehrt hatten vexiert.
    "Salve, Durus"
    , grüßte er den Hausherrn als er von einem Sklaven in das Triclinium wurde geleitet, mit besonderer Acht darauf, den Tiberius nicht notorisch bei seinem nomen gentile zu nennen - was ihm wie stets in solchen Situationen ein wenig schwer fiel.

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  • Nachdem sein Bein doch zu stark geschmerzt hatte, hatte Durus sich doch auf seine Kline gesetzt und erhob sich nun, als Gracchus den Raum betrat. Als sein Freund näher trat, roch er auch den Hauch von Rose, der ihn umgab - ob der Flavier sich extra parfümiert hatte? Auch sein Haar war feucht - möglicherweise extra frisiert? All dies erschien dem Tiberier für den Anlass nicht unbedingt angemessen, aber vielleicht wollte sein Gast zu späterer Stunde noch zu einer anderen Feierlichkeit stoßen, sodass er dies überging.


    "Salve, Gracchus - du bist der Erste!"


    begrüßte er ihn und verwies auf das Offensichtliche.

  • Eigentlich hatte Sextus zusammen mit seinem Vetter kommen wollen. Allerdings gestaltete sich dieses Vorhaben in seiner Umsetzung als unmöglich, da die Einladung des Tiberiers am selben Tag aber erst eingegangen war. Im Grunde konnte sein Patron von Glück reden, dass Sextus nur derartige Termine hatte, die nicht unter „was besseres“ fielen, so dass er diese Absagen konnte. Bei eingegangenen Verabredungen mit Senatoren oder Amtsträgern hätte sich dergleichen schon deutlich schwieriger gestaltet, und Sextus begann sich zu fragen, welche überwichtigen Neuigkeiten sein Patron wohl zu verkünden hatte, dass diese nicht die Zeitspanne einer gesitteten Einladung überdauern konnten.
    Doch sei es, wie es sei, Sextus hatte Avianus an diesem Tag einfach nicht gesehen. Seine Informationen über den Aufenthaltsort des Vetters waren auch mehr als nur spärlich, im Grunde sagten ihm die Sklaven auch nur, dass er außer Haus war. So blieb ihm also nicht viel übrig, außer, ein paar Sklaven auf die Suche nach ihm zu schicken, damit dieser von der Einladung des Tiberiers überhaupt erfuhr, und die Anweisung zu geben, Avianus in jedem Fall bei seinem Eintreffen zu informieren und ebenfalls zur Villa Tiberia zu schicken. Sein Vetter war immerhin der überzeugte Verschwörer der beiden Aurelier. Sextus war nach wie vor von ihrem Vorhaben nicht ernstlich überzeugt, schon gar nicht aus moralischen Erwägungen heraus.


    So also kam der Aurelier an diesem Abend allein zur Villa seines Patrons und ließ sich auch gleich zum Triclinum weiterführen, wo der alte Tiberius schon mit dem Vetter von Sextus Frau wartete. “Salve, Patron. Salve, Flavius Gracchus“, grüßte Sextus die beiden höhergestellten beim Eintreten schlicht.

  • "Salve, Aurelius."


    grüßte Durus auch seinen Klienten, als dieser eintrat. Etwas überrascht stellte er dabei fest, dass Avianus nicht mit ihm erschienen war.


    "Wo ist denn dein Vetter? Kommt er separat?"


    fragte er daher.

  • Natürlich wurde Avianus Abwesenheit auch sogleich bemerkt. Sextus wünschte, sein Patron wäre darüber genauso hinweggegangen wie über die vielen Male, als sein Vetter auch ohne ihn hier erschienen war, obwohl er durchaus für Avianus erreichbar gewesen wäre. Es stellte mal wieder für Sextus klar, wen der Tiberier eigentlich hier sehen wollte. Avianus, den Senator. Nicht Sextus, den lästigen Klienten.


    Allerdings ließ sich der Aurelier nichts von seinem Gedankengang anmerken, machte lediglich eine hilflose Geste. “Verzeih, mein Patron, ich weiß es nicht. Deine Einladung kam etwas kurzfristig, mein Vetter war bereits außer Haus und kam nicht zeitig wieder zurück. Ich habe nach ihm suchen lassen, um ihn zu informieren, und ich bin sicher, er wird dann hier erscheinen, sobald er kann.“

  • Seinem Empfinden nach zu einem durchaus noch dem Rahmen der Pünktlichkeit einzugliedernden Zeitpunkt, war doch der "Abend" an sich ein gänzlich dehnbarer Begriff, erschien auch der andere der beiden geladenen Flavii, akkurat gekleidet in eine dunkelrote synthesis mit schlichten Verzierungen, um mit Erschrecken festzustellen, dass er bei Weitem nicht als Erster der Gäste eintraf, wie es sich für seinen niedrigen Stand, welcher ihn als magistratus minor weit unter allen anderen Geladenen rangieren ließ, wohl gehört hätte. So blieb nur zu hoffen, dass er nicht bereits seit längerer Zeit erwartet wurde, und den Fauxpas durch formvollendetes Verhalten auszugleichen. Von einem ebenso unscheinbaren wie uninteressanten Sklaven ins Triclinium geführt, grüßte er also die bereits anwesenden Herren wie es ihm richtig schien. "Salve, patronus. Danke für diese etwas kurzfristige aber dafür umso willkommenere Einladung." Feundlich wandte er sich auch an den Aurelius. "Salve, Aurelius Lupus." Als Ehemann von Nigrina, der Schwester Pisos, welchen Flaccus unbeachtet der etwas komplexeren verwandtschaftlichen Beziehungen stets als Onkel betrachtet hatte, war jener schließlich auch irgendwie so etwas wie sein Onkel. Ebenso wie der dritte der Anwesenden, an welchen er sich nun etwas vertrauter wandte und in dessen Nähe er schließlich zum Stehen kam. "Salve, Gracchus."

  • Durus musste zugeben, dass seine Einladung recht kurzfristig war, doch hatte er zur Zeit selbst einige Einladungen, die ihm diesen Tag für den geeignetsten Tag erschienen ließen.


    "Oh, wie schade. Nunja, vielleicht wird er ja nachkommen."


    stellte er fest, doch als auch Flaccus, der eintrat und alle begrüßte, auf die Kurzfristigkeit einging, beschloss er, etwas genauer darauf einzugehen.


    "Einige terminliche Eingrenzungen machten es leider notwendig, das Treffen etwas kurzfristig anzuberaumen - es sollte nicht zu spät stattfinden, da es einige Neuigkeiten gibt, die meines Erachtens nach ein rasches Vorgehen nahelegen."

  • Gerade als Gracchus dem Gastgeber ein wenig scherzhaft wollte antworten, dass er doch der guten Hoffnung war als erster nicht der einzige zu bleiben, betrat auch Aurelius Lupus den Raum.
    "Salve, Aurelius"
    , begrüßte er den Gemahl seiner Nichte knapp, ehedem nach dessen Bemerkung über das Ausbleiben des Aurelius Avianus bereits Gracchus' Großneffe Flaccus folgte.
    "Flaccus"
    , fiel die Begrüßung mit einem beiläufigen Nicken noch ein wenig knapper aus. Dass sein Großneffe eingeweihter Teil dieser Konspiration war, hatte er erst recht spät realisiert, und obgleich dies durch dessen Klientelverhältnis zu Durus durchaus berechtigt war, so nahm Gracchus diese Tatsache dem Tiberier doch ein wenig übel, hatte er bisherig doch ganz bewusst versucht, seine Verwandten aus dieser Angelegenheit heraus zu halten, um nicht in Gefahr sie zu bringen. Indes war nun nichts mehr daran zu ändern, wiewohl es hinwieder stets von Vorteil war, einen weiteren Mann in dieser Runde zu wissen, welchem er bedingungslos konnte sein Vertrauen schenken - wiewohl die vagen Andeutungen ihres Gastgebers in Hinblick auf Neuigkeiten ihn ohnehin derzeit jeden Unmut vergessen ließen.

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  • Kurz nach seinem flavischen Amtsnachfolger betrat auch Ahala das familieneigene Triclinium und stellte zu seiner nicht geringen Freude fest, dass er diesmal zumindest nicht der allerletzte Ankömmling war, denn weder der Vinicius noch der zweite Aurelius waren irgendwo zu sehen.


    "Salvete, Vater, meine Herren, Flavius, Aurelius..." grüßte er erst einmal allgemein in die komplette Runde, da er den einen jungen Mann im Raum bislang noch nicht namentlich zuordnen konnte. Ein Klient seines Vaters vermutlich, aber welcher? Ein weiterer Aurelius vielleicht? Kein Grund, allzu lange nachzugrübeln, denn sein Senior würde sie sicher recht schnell miteinander bekannt machen.

  • Nachdem Cornelius Palma sich bereits mehrfach mit Tiberius Durus über die Modalitäten der Verschwörung beraten hatte und sogar bereits Vinicius Lucianus getroffen hatte, stand heute die Zusammenkunft mit den übrigen Verschwörern bevor. Dies erschien ihm allerdings als leichter, denn wie man ihm mitgeteilt hatte, hatte die Mehrheit von ihnen ihn als zukünftigen Kaiser erkoren.


    Demnach erschien er relativ entspannt im Triclinium, in das ihn der Ianitor geführt hatte, und grüßte freundlich in die Runde:
    "Salvete! Wenn ich mich kurz vorstellen darf: Ich bin Appius Cornelius Palma."
    Sein Blick suchte nun Vinicius Lucianus, versuchte zugleich aber auch die Anwesenden zuzuordnen und einzuschätzen.

  • Nachdem alle eingetroffen waren, ließ Durus die Türen verschließen - nur Lukios und Saras blieben neben den Verschwörern im Raum und postierten sich an der Tür, um etwaige Störer sofort hinauszuschicken. Zwar würde es sicherlich Aufsehen beim Personal erregen, wenn dem eigentlichen Essen geheime Absprachen vorausgingen, doch fühlte der alte Tiberier sich nicht in der Lage, in seiner Angespanntheit ein lockeres Mahl zu genießen.


    "Meine Freunde,


    ich freue mich, dass ihr trotz der kurzfristigen Einladung vollzählig erschienen seid. Soeben hat mich die Nachricht erreicht, dass Avianus nicht kommen wird, aber ich denke, wir werden auch so bindende Entscheidungen treffen können.


    Insbesondere begrüße ich heute Appius Cornelius Palma, dem wir - wie ihr alle euch sicherlich erinnern werdet - eine besondere Rolle zugedacht haben."


    Er lächelte den Cornelier vertrauensvoll an und sah dann ebenso freundlich in die Runde.


    "Ich habe beschlossen, unsere heutige Zusammenkunft umzukehren - das Essen wird uns umso besser schmecken, wenn wir vorher alle Absprachen getroffen haben. Außerdem wird es uns allen Gelegenheit geben, diesen oder jenen Punkt noch weiter zu diskutieren.


    Heute soll hoffentlich unser letztes Treffen unter der Tyrannis eines Kaisers sein, der Rom verraten und ihm den Rücken gekehrt hat, der einen neureichen Flegel als seinen Stellvertreter eingesetzt hat, dem nichts zählt als sein eigenes Wohl, seine Macht und der die Götter und unsere Ahnen, die über unsere Res Publica wachen sollen, mit jedem Tag mehr beleidigt. Die Zeit zu handeln ist gekommen!"


    Nach dieser kleinen, voll Inbrunst vorgetragenen Einleitung, die alle noch einmal daran erinnern sollte, warum sie hier waren, kam er endlich zum eigentlichen Thema des Abends:


    "Wir haben uns bereits über den Modus geeinigt, wie wir die Knechtschaft des Staates beenden wollen - folglich bleibt heute lediglich, die Aufgaben zu verteilen.


    Zur Erinnerung möchte ich unseren Plan kurz zusammenfassen: Wir werden den Kaiser und seinen Erben vergiften - Flaccus scheint hier eine Möglichkeit aufgetan zu haben - zuvor jedoch sein Testament zu fälschen zugunsten unseres geschätzten Cornelius Palma. Um sicher zu gehen, dass Salinator unsere neue Erbfolge nicht stört, werden wir mit dem Eintreffen von Valerianus' Todesnachricht bereit stehen, den Vescularier festzusetzen und heimlich aus Rom zu schaffen. Um dieser Handlung zusätzliche Legitimität zu verschaffen, wollen wir außerdem die Wahl unseres verehrten Vinicius Lucianus zu einem weiteren Consulat unterstützen. In diesem Amt wird er mit Recht eine solche Verhaftung durchführen können und auch eine Gerichtsverhandlung leiten, bei der wir Salinator des Mordes an Valerianus anklagen. Zu unserer Unterstützung werden die Truppen in Syria, Italia und Germania den neuen Kaiser zeitnah zum Imperator akklamieren, um den Statthaltern ein Beispiel zu geben. Bei dieser Gelegenheit darf ich darauf hinweisen, dass Veturius Cicurinus mir melden konnte, dass er bereits den Großteil seiner Legionen auf unsere Seite gebracht hat."


    Dass dies eine etwas optimistische Interpretation war, verschwieg der Tiberier sorgfältig - er ging davon aus, dass die beiden sicheren Legionen genügen würden, um vereint mit dem Wort des Statthalters auch alle anderen Kommandeure zu überzeugen.


    "Uns bleiben nun also folgende Dinge:
    1. Die Modifikation des Testaments. Da dieses im Atrium Vestae untergebracht ist und ich als Pontifex pro Magistro auch die provisorische Aufsicht über die Vestalinnen habe, werde ich diesen Part übernehmen. Sollte allerdings einer unter Euch einen talentierten Urkundenfälscher kennen - oder auch einen Mann, der derartiges leicht erkennen kann - dann würde ich mich über Hilfe sehr freuen. Eine weitere Möglichkeit wäre natürlich ein Mann im Umfeld von Valerianus, dem dieser das Testament diktiert haben könnte und der uns eine Neufassung schreibt."


    Zwar war Durus selbst erfolgreicher Anwalt und kannte daher einige Kniffe, doch wusste er auch, dass es bessere Fachleute gab als ihn selbst - abgesehen davon wusste er nicht, wie das Testament des Kaisers aussah. Vielleicht musste man nur einen Namen ersetzen, vielleicht das komplette Schriftstück neu aufsetzen.


    "2. wäre die Hinrichtung von Valerianus zu organisieren. Hierbei hoffe ich auf die Hilfe von Flaccus. Natürlich müssten wir ebenfalls ein Datum für diese Operation festlegen und eine Botenstaffette bereit stellen, die sicher stellt, dass die Nachricht in Rom zuerst uns erreicht.


    3. wären Beweise zu fingieren, die Salinator belasten. Hier bitte ich um Eure Kreativität, könnte aber ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite stehen.


    4. wäre ein Plan auszuarbeiten, wie Salinator am geschicktesten festzunehmen ist. Hier müsste auch bedacht werden, wo man etwaige Klienten oder Bewaffnete verstecken könnte, die die Festnahme durchführen - ich erinnere nur an die skythische Leibwache des Präfekten. Zuletzt sollte hier auch festgelegt werden, wohin der Gefangene dann verschleppt wird. Notfalls wäre zwar auch eine direkte Tötung möglich, doch erscheint mir ein Schauprozess wirkungsvoller, um den neuen Kaiser in gutes Licht zu rücken. Für diesen Punkt bräuchten wir also eine Strategie, aber auch Bewaffnete, die den Consul unterstützen.


    5. sollten wir die genauen Abläufe festlegen. Besonders unklar bin ich mir hier in der Frage, welcher Zeitpunkt für die Veröffentlichung des Testaments sinnvoll wäre. Sollten wir es quasi eigenmächtig als Pontifices parallel zur Festnahme Salinators verlesen oder damit warten, um nicht zu auffällig zu wirken?


    6. wären noch weitere Gedankengänge und Ideen anzusprechen, soweit mir irgendetwas entfallen sein sollte. Mit diesem Punkt sollten wir beginnen, ehe ich hoffe, positive Neuigkeiten von Flaccus zu hören."


    Nun lächelte er seinen Klienten an, der sich bereits bei der Planung hervorgetan hatte - und nun hoffentlich noch einen entscheidenden Beitrag leistete.

    Sim-Off:

    Das Treffen spielt natürlich vor der Wahlniederlage

  • Den Cornelier hatte Gracchus nicht eben überschwänglich, doch höflich begrüßt, denn obgleich er durchaus von dessen Rolle innerhalb der Konspiration war überzeugt, so war er doch nicht sonderlich vertraut mit ihm. Die Ankündigung Tiberius' fiel dagegen nicht nur überschwänglich, sondern regelrecht pathetisch aus, doch im Grunde war dies durchaus angebracht im Angesichte der Tatsache, dass sich mit dieser Zusammenkunft außerordentliche Veränderungen am Horizont Roms ankündigten. Aufmerksam lauschte Gracchus den Erläuterungen Durus', ehedem er seine eigenen Gedanken kurz sortierte, um die einzelnen Komponenten zu kommentieren.
    "Bezüglich der Fälschungssi'herheit des Testamentes könnten wir Stertinius Laevus kontaktieren, Memmius ist sein Praenomen oder Mamercus, ich bin nicht sicher. Er besitzt eine kleine taberna libraria nahe der traianischen Märkte und ist auf Epigrammdichtung spezialisiert, ob dessen er ein überaus genaues Auge für Schriften besitzt, um die Originale bedeutender Epigrammdichter von den bloßen Abschriften ihrer Schüler zu unter..scheiden. Er erkennt auch Anhand eines Schriftstückes wie es zeitlich in etwa einzuordnen ist und zweifelsohne wird es ihm möglich sein, zwei Schriftstücke dem gleichen Verfasser zuzuordnen. Mit einem Ausschnitt aus dem tatsächlichen und dem neuen Testament könnten wir so zumindest überprüfen, ob unsere Fälschung halbwegs taugli'h ist."
    Obgleich Gracchus sich früher - als er sich Manuskripten noch ohne Schwierigkeiten hatte widmen können - selbst durchaus als akribisch aufmerksam in Hinblick auf schriftliche Feinheiten hatte bezeichnen mögen, so war er doch stets überaus erstaunt, welche Details der Stertinier bisweilen zu entdecken vermochte, von marginalen Abweichungen der Punktsetzung, über minimale, abnorme Verschiebungen in der Höhe der Zeichengrundlinie - Gracchus hatte nie verstanden, wann eine Verschiebung unbedeutend war und wann abnorm -, bis hin zur Bogenzügigkeit des Schriftschwunges.
    "Bezüglich der Beseitigung Valerianus' würde ich vorschlagen, dass keiner von uns direkt mit der ausführenden Person in Kontakt tritt. Wir sollten hierbei darauf Acht legen, dass der Verda'ht direkt auf Vescularius fällt. Unser Kontaktmann sollte zwar wenn möglich keinen Namen nennen, doch seinen Auftraggeber und dessen Intentionen durchaus derart beschreiben, dass jeder Römer darauf kommen muss, dass der Praefectus Urbi gemeint ist. Nur wenn dies gegeben ist, können wir von vorne..herein ausschließen, dass in der Bevölkerung andere Vermutungen aufkommen als eben diese. Ein Zeuge, welcher zur Aussage bringt, von Vescularius Salinator besto'hen, allfällig sogar bedroht worden zu sein, wird zudem der beste Beweis sein, welchen wir vorbringen können. Als weitere Beweise könnten wir allfällig einige weitere Briefe fälschen, ein Schreiben an Vescularius' verbündete Legionskommandanten, dass er den Imperator beseitigt hat und nun auf ihr Vertrauen zählt oder ähnliches, welche an den geeigneten Stellen zu hinterlegen sind."
    Zweifelsohne würden das Officium, sowie das Anwesen des Praefectus Urbi durchsucht werden müssen, und womöglich könnte hierbei ein Kontaktmann die Schriftstücke deponieren.
    "Die Festnahme des Vesculariers sollte an einem Ort geschehen, an welchem er nicht allzu vertraut ist, was uns den Vorteil bringt, dass dort seine Sicherheitsmaßnahmen nicht allzu hoch sind - also nicht in der Castra, nicht im Palast und nicht bei ihm zuhause. Allfällig wären die Thermen ein geeigneter Ort - denn wo ist ein Mann un..geschützter als dort. Wir müssten nur dafür Sorge tragen, dass der Vescularier zum re'hten Zeitpunkt dort ist, allfällig auf eine Einladung hin. Da er kaum seine Leibwachen in ihrer gesamten Stärke mit in die Thermen nehmen wird, könnten wir so an mehreren Fronten gleichzeitig agieren. Einer von uns könnte etwa einen kleinen Aufruhr provozieren, welcher die Skythen ablenkt, während Vinicius mit den Liktoren durch den Hintereingang die Therme betritt und Vescularius fest..setzen lässt."
    Kurz überlegte Gracchus, welches die weiteren Punkte waren, die Durus noch hatte angesprochen, ehedem er fortfuhr.
    "Bei einem Schauprozess sollten wir dagegen darauf achten, dass der Vescularier selbst nicht mehr dazu in der Lage ist, allzu viel zu sprechen - oder aber nicht erst anwesend ist, sondern nurmehr durch einen Pfli'htverteidiger vertreten wird. Die Testamentsverlesung indes sollte im Senat beschlossen werden. Zweifelsohne wird Vinicius als unser Consul eine Sitzung ein..berufen, sobald bekannt ist, dass Valerianus ermordet wurde, wiewohl Vescularius der Anstifter dessen ist. Sofern sonst kein Unbeteiligter auf diesen durchaus naheliegenden Gedanken kommt, kann einer von uns vorschlagen, dass das Testament verlesen werden sollte, um den neuen Imperator zu bestimmen und damit die Stabilität des Imperiums zu gewährleisten."
    Alles Weitere würde sich sodann von selbst ergeben.

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  • Zwar meldete sich nicht der erwartete Flavier zu Wort, aber zumindest ein anderer - und auch dieser lieferte einige bedenkenswerte Bemerkungen, die eines Kommentars bedurften.


    "Ist dieser Stertinius Laevus vertrauenswürdig? Es wäre wohl sehr ungünstig, wenn ein Helfer am Ende eben diese Fälschung durch seine Zeugenaussage oder gar Beweisstücke öffentlich machen würde und damit am Thron unseres geschätzten Cornelius sägen würde."


    Natürlich ergab sich auch die Möglichkeit, den Helfer nach getaner Arbeit schlicht zu beseitigen - doch da es sich hierbei offensichtlich um einen angesehenen, bekannten Buchhändler handelte, war diese Option möglicherweise ebenfalls riskant.


    "Im Übrigen kann ich Dir nur zustimmen, allerdings möchte ich zu bedenken geben, dass es schwer steuerbar sein wird, wann und unter welchen Umständen die Nachricht vom Tod des Kaisers in Rom eintrifft. Dies könnte mitten in der Nacht sein ebenso wie zu einer Senatssitzung - nunja, dies ließe sich vielleicht vermeiden - aber letztlich zu jeder Zeit. Die genaue Stunde wird sich letztlich kaum bestimmen lassen, da es uns kaum gelingen dürfte, unbemerkt jeden Kontakt nach Misenum zu unterbinden.


    Ich fürchte daher, dass wir uns auf das Überraschungsmoment verlassen müssen - unabhängig davon, wo sich Salinator zu diesem Zeitpunkt aufhält. Dies sollte einfach dadurch gewährleistet werden, dass wir als erste vom Glücken des Attentats erfahren und sofort losschlagen. Im Rückblick werden sich die genauen zeitlichen Abläufe ohnehin nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren lassen."

  • An Stertinius Laevus schätzte Gracchus durchaus, dass der Mann niemandem Auskunft gab, wer welche Art Epigramme bei ihm erwarb, gleich welcher Art diese mochten sein, darob traute er ihm durchaus zu, auch solch einem Gefallen keine große Bedeutung beizumessen.
    "Stertinius ist ein Mann großer Verschwiegenheit, doch nichtsdestotrotz sollten wir keine Beweisstücke zurücklassen, darüber hinaus zum geeigneten Zeitpunkte ihm ein Zei'hen der Dankbarkeit zukommen lassen, so dass er kaum Anlass dazu wird haben, dem neuen Imperator missgeneigt zu sein."
    In Kategorien der Bestechung zu denken war nichts, das Gracchus sonderlich traut, noch angenehm war, doch war er längst über die Zeiten hinaus, in welchen er davon war überzeugt gewesen, dass alle Menschen aus ihrem innersten Selbst heraus stets nach dem besten Wohl des Staates würden streben müssen, so dass er durchaus - wenn auch ein wenig widerwillig - bereit war, sich auf dieses Niveau hinab zu begeben, wenn es letztlich nur dem Staate würde dienlich sein.
    "Da wir den Zeitpunkt nicht bestimmen können, wird es um so essentieller sein, dass wir uns ausrei'hend gegen alle möglichen Gefahren wappnen, schlussendlich sollten wir unseren Erfolg nicht vom Zufall abhängig machen, und darob mit der schwierigsten aller erdenklichen Situationen rechnen - dass Vescularius im entscheidenden Augenblick geschützt durch seine Leibwachen, wie auch Soldaten in seinem Officium in der Castra oder im Palast weilt. Wir müssen also eine sowohl be..züglich ihrer Machtbefugnisse, als auch ihrer Kampfesstärke ausreichend überzeugende Anzahl aufbieten, dass die Soldaten - seien es Urbaner oder Praetorianer - nicht wagen werden, sich gegen den Staat, respektive uns zu stellen. Allfällig wäre es günstig, so wir neben dem Consul auch mindestens einen Praetoren in dieser Gruppe wüssten, eine andere Überlegung indes wäre, ob wir bereits durch geballte Macht und Vielzahl, also wir als Senatoren und Kultmänner, sowie eine mögli'hst große Schar an Klienten, für Ablenkung sollten Sorge tragen oder ob nicht wenige Männer durch eben ihre Bedeutung und augenscheinliche Überzeugung für mehr Glaubwürdigkeit würden stehen - eine kampfbereite Truppe höchstens noch verdeckt in der Nähe wissend?"
    Ehedem einer der anderen auf diese Frage mochte antworten können, fügte Gracchus an.
    "An kampfbereiten Männern in Rom kann ich einige Klienten meines Vetters Marcus Aristides mobilisieren, Veteranen aus der Legio Prima, die mit ihm in Parthia gedient haben und unserer Familie treu ergeben sind. Die meisten von ihnen ver..dingen sich ihren Lebensunterhalt noch immer mit mehr oder minder militanten Aufgaben, wiewohl sie in Abwesenheit meines Vetters meinem Wort folgen."
    Zumeist überließ Gracchus es seinem Vilicus mit diesen Männern zu sprechen, waren sie doch überwiegend von einfachem Gemüt, gleichwohl er bei einigen auch lieber nicht allzu genau wissen wollte, welcher Art Erwerb sie nachgingen - im Grunde jedoch vertraute er der Einschätzung seines Vetters Marcus, dass sie alle Rom treu ergebene Männer waren, deren Herz am rechten Flecke saß, welches sie jederzeit für einen Flavier würden opfern.

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  • "Hervorragend!"


    kommentierte Durus die Einschätzung des Buchhändlers - dass so jemand für ihre Zwecke hervorragend geeignet war, ergab sich wohl von selbst. Und erwartungsgemäß waren auch Gracchus' Ideen bezüglich der Festnahme scharfsinnig:


    "Da kann ich dir zustimmen. Man könnte es selbstverständlich so einrichten, dass die Exekution so zeitlich eingestellt wird, dass die Nachricht an einem Feiertag in Rom eintrifft, an dem der Praefectus Urbi nicht in der Castra Praetoria weilt. Ebenso ist ein Ablenkungsmanöver keine schlechte Idee - etwa ein Volksauflauf, der die Aufmerksamkeit der diensthabenden Urbani und Prätorianer auf sich zieht. Ein solcher ließe sich auch zweifellos leicht und unverdächtig mit Hilfe unserer geballten Klientenschar erzeugen."


    Wenn man bedachte, dass hier die wichtigsten Familien Roms vertreten waren, die jeweils über ein ganzes Heer als Klienten, Klienten-Klienten, Abhängigen und Sklaven verfügten.


    "Ansonsten würde ich auf dein Angebot sicherlich gern zurückkommen - allerdings nehme ich an, dass eine strategische Planung vorzugsweise von einem militärisch erfahreneren Mann als mir geleitet wird. Lucianus, da du ja voraussichtlich ohnehin nominell das Kommando führen wirst, könntest du das vielleicht übernehmen?"


    Natürlich würde es auch andere Männer in der Runde geben, die für so etwas geeignet waren - aber Lucianus hatte schon eine andere wichtige Rolle verloren, sodass der alte Tiberier ihm die Gelegenheit geben wollte, sich anderweitig um die Beseitigung des Kaisers verdient zu machen. Und natürlich war es tatsächlich klug, wenn der, der später hoffentlich tatsächlich mit consularer Macht gegen Salinator vorging, auch den Überblick hatte...

  • Cornelius Palma verfolgte die Einführung von Tiberius Durus schweigend. Auch er schätzte sie patriotisch, doch nicht übertrieben ein. Dann verfolgte er weiter das Geschehen, da er sich bei seiner ersten Sitzung nicht zu sehr in den Vordergrund spielen wollte, nachdem er wusste, dass er selbst in Absenz manchen hier bereits vor den Kopf gestoßen haben mochte.


    Dann aber schließlich doch die Frage nach dem Zugang zu Ulpius Valerianus im Raume stand und Flavius Flaccus sich offenbar nicht zu Wort meldete, beschloss er, seine Erfolge nun doch bekanntzugeben. Möglicherweise konnte dies als Beweis dienen, dass er für das Amt des Imperators geeignet war:
    "Wenn ich mich an anderer Stelle einmischen darf: Ich habe einen Freund, der wiederum einen Freund hat, dessen Bekanntschaft einer der Leibsklaven von Ulpius Valerianus ist. Wir man mir versicherte, wäre es möglich, über diesen Gift in das Essen der Familia zu bringen. Sollten wir etwas finden, dessen Wirkung erst nach mehr als einer Stunde offenbar wird, sollte es sich problemlos einrichten lassen, dass sich auch ein möglicher Vorkoster als unwirksam erweist."
    In der Tat war ihm dies über einen vertrauenswürdigen Klienten gelungen, was ihn nicht wenig mit Stolz erfüllte.
    "Mein Kontaktmann hat mir ebenso versichert, dass er sich bislang nicht als mein Mann zu erkennen gegeben hat, womit es möglich wäre, eine Verstrickung von Vescularius Salinator zu inszenieren."

  • "Natürlich, aber ich schlage vor, dass du dennoch in Zuversicht bereits beginnst, Planungen zu machen. Möglicherweise sollte jeder von uns in den nächsten Tagen eine Nachricht an Lucianus geben, wie viele Klienten, Sklaven oder Bewaffnete er zur Verfügung stellen könnte, um einen Menschenauflauf oder ein Ergreifungskommando zu bilden."


    Je nachdem würde der Vinicier dann eine Taktik erarbeiten können. Dann aber schaltete sich Palma mit einer überraschenden Neuigkeit ein, von der auch der Tiberier noch nicht gewusst hatte. Einen Augenblick wartete er ab, ob Flavius Flaccus etwas dazu sagen würde. Da dies aber nicht der Fall war, ging er davon aus, dass ihm dieser Plan besser vorkam oder er aus anderen Gründen zurückstecken wollte.


    "Das klingt natürlich hervorragend! Wäre es ihm möglich, den Kaiser und seinen Sohn zu vergiften? Beziehungsweise schildern, welche Möglichkeiten sich genau ergeben?"


    Dann sah er doch noch einmal zu dem jüngeren Flavier hinüber - er wollte sichergehen, die beste Lösung zu finden - selbst wenn der Respekt vor einem zweifachen Consular durchaus einschüchtern konnte...


    "Vielleicht können wir gemeinsam entscheiden, welcher Weg der Erfolgversprechendere sein könnte."

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