Villa Flavia suburbana

  • Nach einigen Stunden erreichte die Sänfte mit den beiden Frauen das herrschaftliche Anwesen des Flavius Furianus.



    Es war kein Anwesen in typischem Stil, sondern eine Mischung aus einer villa suburbana und einem Landgut, schließlich war das Gebäude an sich mondän und großzügig, doch in einiger Entfernung standen Ställe und Reitanlagen zum Ausritt. Eine Koppel war ebenfalls angelegt worden, in der gerade einige Rappen grasten.


    Cassander ritt die ganze Zeit neben dem Fahrgefährt der beiden Damen und ließ schließlich anhalten. Mit einem kräftigen Schwung war er aus dem Sattel und stellte sich neben die Kutsche, ohne jedoch den Vorhang wegzuschieben.
    "Wir sind angekommen, Herrin.", ließ er dann zu Tineria Septima verlauten.

  • Es überraschte die Tiberia, dass sie nach erreichen der Stadtmauern von Rom, in eine Kutsche wechselten. Nun saß auch Baldemar mit in der Kutsche und der Sklave, oder Beauftragte von Furianus, ritt auf einem Pferd neben der Kutsche her. Die ganze Reise dauerte wesentlich länger, als Septima angenommen hatte. Hatte Furianus nicht gesagt, die Villa läge direkt vor den Toren Roms? Offensichtlich hatte sie etwas falsch verstanden. Auf was ließ sie sich hier nur ein?


    Dann endlich stoppte das Gefährt und sie hörte die Stimme des Hispaniers, oder Griechen, wer konnte das schon so genau sagen. Baldemar erhob sich (er hasste Kutschen) und schlug den Vorhang bei Seite. Anschließend half er zu erst der Domina und anschließend seiner Frau aus der Kutsche.


    Septima trug heute tatsächlich ihre seidene Tunika und darüber eine dunkelgrüne Palla. Im kunstvoll hochgesteckten Haar schimmerte die goldene Libelle, welche ihr der Senator als ‚kleine’ Aufmerksamkeit bei ihrem Spaziergang in Rom geschenkt hatte. Schmale, goldene Ringe und am rechten Handgelenk ein paar goldener Armreifen, komplettierten ihre Aufmachung. Frija trug den Mantel ihrer Herrin über den Armen und nun standen alle drei vor dem mondänen Gebäude.


    In Septimas Magen grummelte es leicht. Sie hätte besser eine Matrone mitbringen sollen. Wie nur hatte Ursus sie alleine hier her gehen lassen können? Doch von ihrem plötzlichen Unwohlsein ließ sie sich nichts anmerken, sondern schaute zu dem hispanischen Griechen. „Wartet dein Herr drinnen?“

  • Noch ehe der Sklave, welcher eindeutig die markanten Konturen eines Griechen trug, antworten konnte, zeichnete sich eine Silhouette am Eingang des Hauses ab und ein gut gelaunter Senator schritt, nicht gerade schlicht, in einer weißen Toga den Weg hinab, um seinen Gast zu begrüßen.


    "Tiberia Septima! Welch´Freude dich hier empfangen zu dürfen, nun kann selbst die trübe Sonne den Tag nicht verderben.", was sie wohl auch nicht vor hatte, schließlich stand sie majestätisch golden leuchtend über ihnen und ließ keine einzige Wolke Schatten werfen.
    Der Flavier verbeugte sich kurz galant vor der jungen Dame und bot ihr seine Hand an.
    "Du musst sicherlich ein wenig erschöpft sein. Möchtest du kühles Quellwasser, kalten verdünnten Wein oder gar kalte Milch?", schließlich kannte er ihren Geschmack in dieser Richtung noch nicht. Und da sie sich hier auf dem Land befanden, so konnte man annehmen, dass sie vielleicht auch gute Milch zu schätzen wusste. Schließlich tat es der Flavier selbst ab und an mal. Und die Betonung, dass alles kalt sein konnte, hatte der Senator bewusst gewählt. Wer konnte schließlich behaupten in seinem Hause Eis zu haben, welches von den Berggipfeln bis hierher tagein und tagaus transportiert werden musste?
    Zusammen mit ihr schritt er den Weg hinauf.
    "Ich bin wirklich froh, dass du heute mein Gast bist. Es ist oft einsam hier. Und so einen schönen Tag verbringe ich doch lieber mit einer reizenden Begleitung, anstatt alleine."
    Ja, es war recht beschaulich und ruhig. Weit von Rom. Und respektive den Sklaven gab es hier nur seine Pferde und ein kleines Gehöft in der Nähe, welches auch ihm gehörte und frische Lebensmittel liefern konnte.
    Die Sklaven, die mit ihr gekommen waren, beachtete der Senator nicht. Wie immer waren sie für ihn nur Gegenstände.

  • Es bedurfte keiner Antwort mehr des Sklaven von Furianus, denn genau dieser trat gerade aus dem ansehnlichen Gebäude seiner Villa und schritt ihr entgegen. Augenblicklich ging es ihr wieder besser und Septima lächelte dem Senator, der in eine schicke, weiße Tunika gekleidet war, freudig entgegen. Sie nutzte die Zeit, die er brauchte um bei ihr anzukommen, um ihn genauer zu betrachten. Seine Frau hatte auf dem Hochzeitsempfang gesagt, es würde ihm nicht so gut gehen, doch hier machte der Senator einen überaus agilen Eindruck auf sie.


    Bei seiner überschwänglichen Begrüßung konnte sie den Impuls nicht unterdrücken zum Himmel empor zu schauen und ihn mit einem leicht skeptischen Ausdruck wieder anzusehen. „Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Senator Flavius.“ erwiderte sie zunächst höflich und fügte noch hinzu „Wollen wir hoffen, dass der Tag nicht noch strahlender wird, ansonsten würden wir gar geblendet werden.“ Das Lachen in ihrem Gesicht nahm den Worten den Ernst, den sie nicht wollte, das er es vielleicht hinein interpretierte.


    Er hielt ihr seine Hand hin und Septima legte die ihrige zart hinein. Es war anders als bei ihrer Begegnung auf dem Forum Romanum. Sie hatte das Gefühl, nicht mehr so frei heraus mit dem Senator flirten zu dürfen, wie noch vor ihrer Hochzeit. Aber dies sollte auch ein völlig unverfänglicher Besuch in seiner Villa sein. Quasi ein Ersatz zu einer Cena in seinem Domus in Rom. Und wieso überhaupt hatte sie plötzlich ganz andere Bilder von ihm und ihr, Arm in Arm an der weißen Mauer da hinten vor sich? Für einen Moment schloss Septima ihre Augen, um die Bilder, die durchaus ein gewisses Verlangen in ihr weckten, zu verdrängen.


    Als sie die Augen wieder öffnete waren die Bilder fort und Septima überlegte angestrengt, was sie der Falvier gefragt hatte. Erschöpft… ja das war es. „Nein, nein, ich bin nicht erschöpft. In der Kutsche zu sitzen und sich durchschütteln zu lassen ist zwar nicht besonders angenehm, aber ich würde mir gern ein wenig die Beine vertreten. Wie wäre es, wenn du mir dein Anwesen zeigst?“ Charmant und auch ein wenig neugierig, lächelte sie den Senator an. Das er sie nach etwas zu trinken gefragt hatte, war ihr aufgrund der erotischen Bilder glatt entgangen, dabei verspürte sie durchaus etwas Durst. Die Luft war staubig gewesen auf der Fahrt.

  • Wie stets quittierte er ihre Antworten mit einem freundlichen Lächeln und schritt, wie schon am Forum zuvor, mit geschwellter Brust an ihrer Seite. Ihre Anwesenheit schien ihn wie immer zu verjüngen und die Kopfschmerzen, welcher er seit dem heutigen Morgen hatte, waren quasi seinem Kopf entschwunden, als er sie sah. Vielleicht verdrängte er sie ja auch nur, er selbst konnte es nicht sagen.
    Ein lieblicher Luft umspielte seine Sinne. Sie musste Durftwasser benutzten, aber er konnte es nicht ganz zuordnen - es war vermutlich eine Mischung vieler Blumenextrakte und davon verstand er insbesondere als Mann recht wenig. Zwar parfümierte er sich auch, aber die Hauptsache bei seiner morgendlichen Toilette war es schnell und effizient frisch und gesund auszusehen. Bei ihr schien es anders zu sein, Frauen hatten da auch wesentlich mehr Zeit zur Verfügung.
    "Mein Anwesen möchtest du sehen? Nun, wirklich das ganze Anwesen? Dafür bräuchten wir den ganzen Tag und du ein besseres Schuhwerk.", sagte er lächelnd, während er zeitgleich an ihr hinunter blickte und auf die fein gearbeiteten und eleganten Sandalen hinwies, welche zwischen den ganzen Steinen und nicht geebneten Wegen sehr zu leiden hatten. Zwar hatte es seinen Reiz, wenn sie nicht mehr gehen konnte die Hübsche zu tragen, aber es erschien ihm doch ein wenig zu viel des Guten.
    "Gehen wir erst einmal in den Garten, er ist schuhfreundlicher, als die Ställe.", und er führte sie direkt in die Villa, wo sie das ganze Gebäude in der Höhe durchschritten und schließlich in dem kleinen Hortus, welcher im hinteren Gebäudeteil angesiedelt war, erreichten.
    "Dies ist einer der schönsten Orte hier. Ruhig und beschaulich, der Springbrunnen ist hier das Lauteste im Ensemble und die Vögel setzen sich auch zahlreich zur Ruhe. Siehst du die Rosen dort hinten? Die hat mir mein Vater aus Sardinia zugeschickt. Prächtig, nicht wahr? Er ist leidenschaftlicher Züchter dieser zierlichen Pflanzen und versteht sich darauf mehr als jeder Gärtner, wie ich meine."
    Vielleicht hatte wirklich jeder Mensch eine gewisse Ablenkung nötig. Er hatte sich bis dahin mit Pferden beschäftigt. Bis dahin, denn nun hatte etwas anderes seine Aufmerksamkeit und er erwischte sich in jenem Moment selbst, als er mit einem leichten Lächeln zu ihr hinüber blickte. Ganz verträumt vergaß er sich für einen Herzschlag und es war ihm außerordentlich unangenehm, so dass er den Blick rasch zur Seite wandte.
    "Und hier sind Pflanzen aus Hispanien. Diese musst du auch sicherlich kennen."

  • Sicherlich hatte Furianus Recht damit, dass sein Anwesen für eine komplette Besichtigung einfach zu groß war, aber es war auch ein Ausdruck ihrer Höflichkeit, dass sie ihn darum bat, sein Anwesen zu zeigen. Außerdem schmeichelte es gewiss seinem Stolz, wenn er ihr die Größe seines Besitzes zeigen konnte. Spielte nicht immer Größe eine wichtige Rolle im Leben eines Mannes?


    Automatisch schaute sie ebenfalls auf ihre Sandalen, als der Senator das Problem der Schuhe ansprach. Septima lachte auf. Es war ein befreiendes Lachen, denn nun fühlte sie sich selbst nicht mehr so bedrückt. „Ja, du hast vollkommen Recht. Auf einen langen Marsch bin ich schlecht vorbereitet. Also gut, zuerst der Garten.“ stimmte sie ihm fröhlich zu. Sie gingen auf das Haus zu, traten ein und verließen es auf der anderen Seite wieder. Ihre ständigen Begleiter, Baldemar und Frija, folgten den beiden überall hin. Baldemar hatte genauestens den Senator im Blick. Eine falsche Bewegung und der kräftige Germane wäre sofort zur Stelle um seine Herrin vor diesem… Mann zu beschützen.


    Es entwickelte sich ein völlig normales Gespräch und Septima entspannte sich immer mehr. Noch immer ruhte ihre Hand in der von Furianus, aber es war ihr nicht unangenehm, so dass sie zusammen durch die schönen Blumen, Büsche und Bäume gingen, die sich in diesem Hortus befanden. „Dein Vater züchtet Rosen?“ Erstaunen lag in ihrer Stimme und unweigerlich fragte sich Septima, ob der Vater von Furianus noch lebte. „Versorgt er dich noch immer mit Pflanzen aus Sardinia, oder hast du inzwischen genügend Rosen?“ Ha, damit sollte es ihr möglich sein zu erfahren was sie wissen wollte.


    Verträumt lauschte sie in die Stille, die nur von vom Vogelgezwitscher und ab und an von einem Wiehern unterbrochen wurde. Erst jetzt fiel ihr auf, wie sehr sie die Ruhe der Villa Rustica in Hispania vermisste. „Mhm… diese Stille ist herrlich. Mit ist bisher gar nicht aufgefallen, wie laut Rom sowohl zur Tages- als auch zur Nachtzeit ist.“ Viel zu sehr war sie vom Trubel der Stadt in Besitz genommen worden, als das sie den Lärm als störend empfunden hätte. Rom war das Leben und Septima war viel zu froh, endlich Teil dieses Lebens sein zu können. Endlich war sie jemand der Beachtung fand, dem man zu hörte und ab und an sogar Wünsche erfüllte.


    Sie gingen weiter und der Senator wiß sie auf weitere Pflanzen hin. Als sie bei den hispanischen Pflanzen angekommen waren, erkannte Septima die Datura, eine große, trompetenartige, weiße Blüte mit großen, grünen Blättern. Und daneben war ein Strauch von Mirabilis jalapa, eine nachtblühende, kleine weiße Blüte. Offensichtlich hatte hier jemand die Pflanzen nach Farben sotiert. „Ja, diese dort kenne ich und den Busch daneben auch.“ Septima deutete auf die weißen Blüten.


    „Ich dachte, die Pferde wären deine heimliche Leidenschaft.“ Septima schaute zum Flavier an ihrer Seite, doch er schien völlig auf die Pflanzen konzentriert zu sein.

  • Die Frage mit den Rosen wäre unter anderen Umständen sicherlich unverfänglich, doch besonders in dieser Umgebung verstand der Flavier die Brisanz sofort. Leicht lächelte er und blickte ein wenig gen der Sonne.
    "Meist gehen sie bei mir ein. Ich bin wohl nicht so sanft mit ihnen, wie man sein sollte.", und ein keckes Zwinkern in ihre Richtung sollte der doch ein wenig scherzhaften Antwort den letzten Rest an Seriösität nehmen.


    Und auch jetzt lauschte er an ihrer Seite dem Zwitschern der Vögel, bevor er ihr ruhig zustimmte. Vielleicht gar im Flüsterton.
    "Meist weiß man erst, dass man etwas vermisst hat, wenn es vor einem steht.", und dabei blickte er ihr tief in die Augen, um wieder nach zwei Herzschlägen weiter zu gehen.
    Es war ein dringliches Verlangen, welches ihn nun gänzlich in den Bann gezogen hatte. Vielleicht waren es die Düfte um ihn herum, vielleicht ihr Duft, die Farbe der Rose oder doch eher das kräftige und sinnliche Rot ihrer Lippen? Er bemerkte, dass sein Körper drängte, doch sein Geist verlangte von ihm etwas ganz anderes. Er sollte die Contenance wahren, denn noch wartete er auf eindeutigere Zeichen, noch würde er nicht den Schritt wagen den nebligen Schleier, der die Intimität zwischen ihnen durchtrennte, zu entfernen. Noch befanden sie sich in einem der Gesellschaft üblichen Rahmen. Doch er selbst wusste nicht wie lange diesen Zustand er noch würde aushalten können.
    Langsam setzte er sich in Bewegung und zog sie damit unweigerlich mit.
    "Nun ja, Pferde sind auch meine Leidenschaft. Nur sind Blumen auf ihre eigene Art und Weise auch etwas Besonderes, quasi ein Gegenstück zu den kraftvollen und aufbrausenden Tieren in den Ställen. Dort finde ich die Freiheit und die Stärke, hier die nötige Stille und Besinnlichkeit."
    Langsam durchschritten sie den Garten und kamen an einen Säulengang, der sie auf eine Art Veranda führte, die einen weitläufigen Blick auf das Umland bot.
    "Und das hier ist die Weite, die ich so schätze. Ganz anders als das beengende Rom, geradezu majestätisch diese Hügel da vorne.", und ein Bild der Assoziation setzte sich in seinem Kopf fest, als er sie automatisch anblickte und dann im nächsten Moment krampfartig von ihren Erhöhungen gewandt werden musste. Es waren vollkommene Rundungen in seinen Augen und die Bändigung seiner Geister wurde zunehmend strapaziöser.
    Die Sklaven, welche ihnen noch immer folgten, nahm er nun jedoch wahr, als wären sie erst jetzt aufgetaucht. Und er fragte sich, ob sie ihr treu ergeben waren oder doch einer ihrem neuen Ehemann etwas berichten würde. Zweifelsohne waren sie Balast und mussten abgeschüttelt werden - am besten von ihr, doch er wusste nicht, wie er sie dazu bringen sollte.

  • Die Antwort auf ihre Rosenfrage war nicht die, die Septima erwartet hatte, aber sie meinte eine Anspielung aus seinen Worten und seinem Tonfall heraus zu hören, bei der sie sich nicht ganz sicher war. Ganz langsam spürte sie ein Kribbeln, welches in den Fingerspitzen begann. „Vielleicht bist du einfach nicht häufig genug da, um dich ausreichend um die Rosen zu kümmern.“ erwiderte sie mit einem Blick auf den Flavier. Er zwinkerte ihr zu und sie erwiderte den Blick einem kecken Lächeln. Was wurde das hier für ein Spiel?


    Sein nächster Kommentar brachte sie tatsächlich ein wenig aus der Fassung. Der tiefe Blick in ihre Augen sprach nahezu Bände und ihr stockte kurz der Atem. Hatte sie den Mann, den Senator, den Flavier etwa schon SO weit? Er ging weiter und sie folgte ihm, zumal er sie noch immer an der Hand führte. Deutlicher als zuvor spürte Septima, wie trocken ihr Mund war, aber sie wollte diesen Moment nicht zerstören, indem sie um etwas Wasser bat. Oh… Wasser! Das war es, was der Senator sie vorhin noch gefragt hatte. Ob sie etwas kaltes trinken wollte. Kalt… Das wäre jetzt genau das Richtige.


    „Bist du ein guter Reiter?“ erkundigte sie sich bei ihm, ehe sie den Säulengang und die Veranda erreichten und sie stehen blieben um die Aussicht zu genießen. Septima war hin und her gerissen, zwischen schlechten Erinnerungen aus ihre Kindheit und den viel interessanteren aus dem letzten Jahr in Rom. Und nun stand sie hier, mit einem Senator an ihrer Seite, der nicht ihr Ehemann war und dachte tatsächlich darüber nach, ob sie mit ihm schlafen sollte oder nicht! Ihr Blick ging in die Ferne. Ein tiefes, ursprüngliches Verlangen nahm langsam aber sicher immer mehr ihrer selbst ein. Doch sie verbat sich selbst ihre Gefühle zu offenbaren, ihre Lust zu zeigen, die sie verspürte, nur wenn Furianus sie kurz intensiv anschaute. ‚Oh du dummes Ding!’ schalt sie sich selbst. ‚Das hier ist ein abgekartetes Spiel und du gewiss nicht die Erste die darauf herein fällt.’ Doch all ihre eigenen Überredungskünste nützten nichts gegen das Verlangen, dass für immer mehr Wärme in ihrem Körper sorgte.


    „Wirklich, ein sehr schöner Ausblick.“ Ihre Stimme war ein wenig rauer, und Septima räusperte sich. „Hrrghhm… Frija? Besorge doch bitte Wasser und Saft für mich.“ wiß sie ihre Sklavin an. Das diese sich hier nicht auskannte, war nicht Septimas Problem. Gewiss gab es genügend flavische Sklaven, die ihr helfen konnten.


    Mit einem Lächeln, welches ihre Unruhe gut zu verbergen vermochte, schaute sie wieder den Falvier an ihre Seite an. Erst jetzt wurde ihr bewusst, das er noch immer ihre Hand hielt und ihr Herzschlag beschleunigte sich wieder. „Ich muß zugeben, du hast hier ein schönes Stück Landschaft. Sind die Wiesen auch ertragreich? Ich meine, reicht es um die Pferde gut zu versorgen? Wie viele Tiere sind in deinem Besitz?“ Es konnte nichts schaden, solange sie noch halbwegs klar denken konnte, ein wenig mehr über die Zucht von Furianus zu erfahren. Immerhin hatte Ursus sie um einen Gefallen gebeten, welchen Septima nicht vergessen hatte.

  • "Ich wäre jeden Tag hier, wenn ich nur könnte.", säuselte er leise und bedächtig. Mehr zu sich selbst, als an sie gewandt. Gar eine Offenbarung, doch er würde dies nicht laut sagen wollen.
    Als sie hinab schritten, fragte sie ihn sodann nach seinen Reitkünsten. Ohne zu übertreiben konnte er das sicherlich bejahren.
    "Seit meiner Kindheit reite ich gerne. Ja, ich würde sagen, dass ich gut darin bin.", schließlich war dies auch keine Übertreibung und sah ihm nicht gerade ähnlich. Vielleicht hätte er ein wenig mehr sagen sollen, gestand er sich just in diesem Moment ein und bereute dies schon wieder.


    Gerade wollte er die Weite in sich aufnehmen, einen tiefen Seufzer der Zufriedenheit in die Lüfte entfliehen lassen, als seine Begleitung nach einem Getränk verlangte. Amüsiert drehte sich der Flavier um.
    "Cassander, zeige den Sklaven wo sie hier Wasser oder Saft finden.", wies er seinen Sklaven an, damit jene mit diesem abgingen. Nun entgingen sie den Höllenhungen des Tartarros. Zumindest kam ihm diese Sage nun entgegen und er blickte wieder gen der Weite.
    "Wie viele Tiere ich habe? Das weiß ich nicht genau. Es sind genug, um jeden einzelnen beim Namen zu kennen. Sie sind gut genährt, die Wiesen fruchtbar, ja."
    Doch dies war nun zur Nebensächlichkeit geworden. So blickte er sich gar ängstlich nach den Sklaven um, die nun verschwunden waren, ehe er sachte ihre Hand streichelte.
    "Hast du Hunger?", sagte er währenddessen und schaute sie vielsagend an. Das Feuer in seinen Augen loderte und sie musste einfach verstehen was er damit meinte. Er hatte es schon vor seinem geistigen Auge, ein Bild der Sinnlichkeit, wenn sie beide auf einer Kline lagen, gehüllt in den kleinen Hain, den er oft zum Speisen aufsuchte, ganz abgeschieden und entlegen. Ein bisschen Obst, ein wenig Wein und der Rest würde sich ergeben.
    Und damit sie ihn auch nicht missverstand, ergänzte er, ohne sich von ihren Augen zu lösen: "Ein Hain, versteckt in dem wilden Garten auf der linken Flügelhälfte des Anwesens. Ich würde mich freuen, wenn du mir Gesellschaft leistest."
    Seine Brust bewegte sich nun gut sichtbar schneller und überschritt hiermit die fragile Grenze der Intimität, als er sich ihr ein wenig näherte, so dass er ihren Atem gar spüren konnte.

  • Verblüfft schaute sie den Senator von der Seite her an. Was das gerade ein offenes Eingeständnis, dass er lieber in Ruhe auf dem Land leben würde, als im immer wachen Rom, dem Pful der Intrigen und Hochstapeleien? Septima konnte es kaum glauben. Vielleicht rührte daher seine Krankheit, die ihn vor wenigen Jahren hatte ergrauen lassen? Konnte einen die Politik krank machen? Ganz offensichtlich schon, wenn sie sich so den Flavier betrachtete. „Hat dir der Rückzug von der Politik, aufgrund deiner Erkrankung, nicht geholfen?“ Leichtes Bedauern schwang in ihrer Stimme hatte. Septima hatte das Gefühl, einen sehr guten Politiker neben sich stehen zu haben. Zumindest von den Debatten, die sie außerhalb der Curia mit angehört hatte, hatte diesen Eindruck gewonnen. Und Durus würde Furianus nicht zu seinen Freunden zählen, wenn er ihn nicht für einen fähigen Mann hielt.


    Septima hatte nichts anderes erwartet, als dass er gut auf dem Rücken eines Pferdes zurecht kam. Es passte irgendwie zu der dominanten und ehrfurchtsvollen Erscheinung von Furianus. War es das, was sie so zu diesem Mann zog?


    Als sie Frija bat, ihr etwas zu Trinken zu holen, wiß Furianus seinen Sklaven an, ihren den Weg zu zeigen. Baldemar schaute zunächst auffordernd seine Domina an und wartete ihr nicken ab, ehe er dem Hispania, oder Griechen, ins Innere des Hauses folgte. Septima hatte keine Bedenken gegenüber dem Senator. Er war ein Ehrenmann und würde nichts tun, was sie nicht auch wollte. Wie weit dies noch führen mochte, konnte sie jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen.


    Seine Auskunft über die Pferde, ließ sie gutes für Ursus hoffen und Septima wollte sich gerade erkundigen, ob er auch gute Rennpferde zum Verkauf anbot, als er begann ihren Handrücken mit seinem Daumen zu streicheln und sich erkundigte, ob sie hungrig sei. Es folgte ein Blick, den sie nur als verlangend deuten konnte, oder bildete sie sich das nur ein? War es am Ende Wunschdenken, dass sie, die gerade erst in ihrer Schönheit richtig erblühte, hier vor einem hoch angesehenen Senator stand und dieser sie begehrte? Was war es, womit sie diesen Mann beeindruckt hatte?


    Furianus führte weiter aus, wo er gerne mit ihr speisen würde. Allein. Nur mit ihr. Ein leichtes Zittern ging bei seinen Worten durch ihren Körper, Aufregung ergriff sie, doch es ging alles viel zu schnell. Sie war doch erst vor einer Weile hier angekommen. Sie sah, wie er sich ihr näherte, war selbst versucht, ihre Hand aus seiner zu lösen und ihm diese auf die Brust zu legen, um zu spüren, wie sein Herz schlug, ob sie es war, die es schneller schlagen ließ. Sie konnte seinen Duft wahr nehmen, der zuvor vom Wind von ihr fortgetragen worden war. Es war ein Hauch von Sandelholz, den sie wahr nahm und Septimas Mundwinkel zuckten. Sein Geruch war ihr durchaus angenehm, aber er es ging ihr einfach zu schnell. Gewiss würden sie irgendwann an einem Punkt ankommen, wo es ihr gar nicht schnell gehen konnte, aber noch war sie nicht so weit.


    Somit entzog sie Furianus ihre Hand und beugte sich ein wenig nach hinten, um ihm zu verstehen zu geben, dass sie noch nicht so weit war. In Wirklichkeit wollte sie weiter mit ihm spielen. Er konnte es nicht wissen, aber der Falvier war ihr Versuchsmensch. Sie wollte heraus finden, was ihm an ihr gefiel, und dazu gehörte es gewiss nicht, wenn sie sich ihm sofort hin gab wie eine willige Lupa. Außerdem reizte sie das Kribbeln, welches diese spannende Situation in ihr hervor rief.


    „Bitte entschuldige.“ flüsterte sie eher, als das sie laut sprach. Wozu auch laut reden, wenn er ihr bereits so nah war, dass sie seine Wimpern zählen konnte. Ihre Augen musterten sein Gesicht. Sie suchte nach Anzeichen des Alters. Kleine Fältchen, Augenringe, etwas in der Art, aber da war nichts. Einzig seine grauen Haare ließen den Schluss zu, dass er etwas älter war, als sie ihn schätzte. Doch dieses Thema hatten sie bereits auf einem Spaziergang, so dass Septima sich hütete, es noch ein mal aufzubrigen. Sie hob ihre nun freie Hand und legte sie auf seine Brust. Sie waren sich noch immer ganz nah. „Noch nicht, mein Lieber.“ hauchte sie ihm verführerisch entgegen. Spätestens jetzt, so hoffte sie, war er wie Eis, dass in der Sonne schmilzt.


    Sie hörte Schritte, nahm ihre Hand von seiner Brust und trat einen Schritt von Furianus weg, so dass wieder ein gebührender Abstand zwischen ihnen herrschte. Frija kam zurück, mit zwei Bechern. In einem war ein Gemisch aus Traubensaft und Wasser und in dem anderen verdünnter Wein, so wie es der Senator bevorzugte. Sie trat still näher und Septima nahm einen der Becher. Auffordernd hielt Frija den anderen Furianus hin. Vorbei war der intime Moment, der ihrer beider Absichten deutlich gezeigt hatte. „Du hattest eben gefragt ob ich Hunger hätte.“ nahm Septima den Gesprächsfaden wieder auf und lächelte ihr unvergleichliches, zauberhafte Lächeln. „Ja, hab ich.“ Sie war neugierig auf den versteckten Hain und da ihr Frühstück recht spärlich vor Aufregung gewesen war, hatte sie tatsächlich Appetit. „Zeig mir den Ort, an dem sich ein Senator gerne versteckt.“ forderte sie ihn neckisch auf, trank einen Schluck und reichte ihm wieder ihre Hand, so dass er sie führen, und sie ihn gleichzeitig sanft berühren konnte.

  • In die Ferne blickte er, als sie ihm ihre Frage stellte. Vielleicht hätte eine Antwort genügend, die bloß ein Schulterzucken war, schließlich war dies eine von diesen Fragen, die Philosophen über Jahre hinweg erruieren.
    "Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll. Ich versuche es jedoch damit zu umschreiben, dass es eine giftige Liebe ist. Die Politik und ich.
    Wenn ich in ihr aufgehe, dann schwächt sie meinen Körper, fordert jedoch meinen Geist, auf der anderen Seite kann ich nicht ohne sie leben. Ich bin Lucius Flavius Furianus, ein Mann kaiserlichen Geblüts, geboren, um an Rom mitzubauen und diesem Reich zu dienen. Ich bin stolz, Tiberia Septima, und ich werde es mir nicht eher erlauben von Rückzug zu sprechen, ehe ich nicht kurz vor dem endgültigen Ende stehe."

    Und dieses Ende lag noch in ferner Zukunft, dachte er bei sich. Vor einiger Zeit erwartete, sehnte er sich nach dem Tod, doch seitdem er wieder einigermaßen gesund war, verflogen diese Gedanken.


    Eine eigenartige Stille lag über ihnen, vielleicht blendete der Senator die Geräusche auch nur aus, aber es war wie jenes Bild an den Triumphbögen, starr und in dem Moment verfangen.
    Und diese Stille endete jäh, als sie sich aus seiner Liebkosung entzog. Zuerst stand der Senator neben sich, doch nach einigen Schreckenssekunden, und als diese konnte er dies sehr wohl bezeichnen, musste er jedoch reagieren. Sie entzog sich ihm und der Mann, der gewohnt war alles zu bekommen was er wollte, konnte nicht anders als eine latente Wut zu entwickeln. Der Flavier wusste selbst nicht, ob dies eine Wut auf sie war oder auf ihn selbst, der sein Drängen hatte bis jetzt nicht ablegen konnte. Es war stets in ihm gewesen, das Unbedachte, Aufbrausende, das Schnelle und vor allem der Drang alles sofort und im Bruchteil der Zeit anderer zu bekommen und verlangen zu können. Vielleicht war diese Wut eine Mischung aus beidem, seinem und ihrem Wesen. Dem Flavier wurde schlagartig klar, dass er sich hier und jetzt hatte selbst bloßgestellt und vor allem bloßstellen lassen - und das von einer Frau.
    Seine Kiefer begann zu vibrieren, was nur davon zeugen konnte, dass er in latenter Wut seinen Kiefer zusammenbiss, wie er es schon immer getan hatte, wenn seine Wut unterdrückt und die Contenance gewahrt werden sollte. Aber er vermochte es nicht zu sprechen.
    Gerade in dem Moment, in welchem er sich nicht hätte beherrschen können und wohl etwas unüberlegtes getan hätte, vielleicht etwas Forderndes, legte diese Frau, die ihn noch vor einigen Augenblicken hatte in die höchsten Gefilde der Raserei entschwinden lassen, ihre Hand behutsam auf seine Brust.
    Wie vom Schlage getroffen erstarrte er und sein Atem setzte aus, die Worte einhauchte, welche sich in seiner Brust dermaßen einbrannten, dass diese ganze angestaute Wut wie von selbst entwich und er befreiter nicht sein konnte.
    Noch nicht, das waren ihre Worte. Das hieß für ihn nichts weiter als die baldige Erfüllung seiner Sehnsucht und sein drängerisches Gemüt fing an die Sekunden zu zählen, obwohl er dieses "noch nicht" kaum deuten konnte. Sprach sie von Minuten, Stunden, Tagen oder gar Wochen? Am liebsten hörte er Herzschläge, Sekunden, doch er wusste, dass diese Frau es nicht würde zulassen wollen, wenn er sie jetzt nahm.
    Und er wollte sie nehmen, denn nun hatte sie etwas in ihm entfacht, was über jegliches Verlangen bei Lucius Flavius Furianus hinaus ging. Nun machte er aus seiner Begierde ein Ziel, aus dem Verlangen wurde eine lebensnotwendige Erfüllung. Ohne diese würde er sich nicht zur Ruhe setzen können.
    So ergriff er galant ihre Hand, als sei nichts geschene, setzte die Maske vor den Sklaven auf, die er bereits erfolgreich getragen hatte - spielte den charmanten und galanten Gastgeber, einen guten Freund. Einen guten Freund mit für die Aufpasser arglistigen Gedanken, aber diese Aufpasser waren ihm herzlich egal, er würde selbst vor Mord nicht zurückschrecken. Und ein paar Sklaven, die fehlten, mussten keinem Aureliern Kopfschmerzen bereiten, stellte er in diesem Moment fest.
    "Ich denke die Liebe zum Versteck beschränkt sich nicht nur auf Senatoren.", antwortete er ihr kokett mit einem verschmitzten Lächeln. Und nur sie war es, die diese eindeutige Zweideutigkeit würde erkennen können. Sklaven waren, so denn sie dies auch so genau wussten, nicht in der Lage solcherlei Gedankengänge zu verstehen, insbesondere, wenn es sich um Wilde handelte.
    Und zweifeslohne sahen ihre Sklaven wie einstige Wilde aus.


    So schritten sie gemeinsam wieder um das Haus herum und im Vorbeigehen wollte der Senator seinem Leibsklaven Anweisungen geben, welche und wie viele Speisen zu dem versteckten Ort hergebracht werden sollten, doch das war taktisch unklug. Er wartete also ab, bis sie den kleinen Hain am westlichen Flügel der Villa erreichten, der idyllisch war gelegen auf einer Erhöhung und von allen drei Seiten mit wildem Wuchs geschützt. Die offene Seite breitete die ganzen Felder vor den Augen der Anwesenden aus und man konnte, wenn das Wetter klar war, durchaus bis an das Meer schauen. Dreimal hatte sich dem Senator schon so ein Blick erkenntlich gezeigt, aber heute war kein solcher. Galant führte er seine Begleitung zu einer Klinengruppe, die aus Marmor gehauen und mit weichen Polsterkissen bestückt um ein Marmortischchen gruppiert war. Heute durfte sie ausnahmsweise liegen, wobei seiner Meinung nach sich dies in aller Öffentlichkeit für Frauen nicht ziemte. :P
    Er selbst legte sich neben sie auf jene Kline, die mit jener der Tiberia einen rechten Winkel bildete. So waren ihre Gesichter nur einige Zentimeter voneinander entfernt, so dass sie nicht über einen Tisch oder die ganze Klinengruppe hinweg miteinander reden konnten, sondern ganz ruhig und in besinnlich vertrautem Tone plaudern konnten. Bei dem Senator manifestierten sich im Laufe des Tages zwar gänzlich andere Bilder als die plappernder Gastgeber und Gäste, doch das musste man ja nun nicht wissen.
    "Hast du kulinarische Vorlieben?", fragte er dann ganz direkt, ehe er an seinem Wein nippte.

  • Voller Stolz und Erhabenheit, erklärte er ihr, wie sein Verhältnis zur Politik war. Die Flavier, ein uraltes patrizisches Geschlecht, welches schon seit Jahrhunderten an der Spitze die Geschicke Roms lenkte, und er war ein Teil davon. Das brachte jede Menge Verantwortung mit sich, welcher er nicht aus dem Weg zu gehen schien. Dies imponierte der Tiberia, entstammte sie selbst einem Gens, welches erst seit wenigen Jahrzehnten zur obersten Elite des Imperiums gehörte. Noch nie war sie sich ihrer Aufgabe, auch wenn sie nur eine Frau war, so bewusst gewesen, wie in diesem Moment, wo Furianus ihr vor Augen führte, was Rom für ihn bedeutete. Bewunderung über diese offene und durchaus beeindruckende Antwort war deutlich in ihrem Gesicht zu lesen.


    Septima vernahm die Veränderung in seinem Wesen, als sie sich ein wenig von ihm zurück zog und ihm somit ein schnelleres Voranschreiten seiner Begiergden verweigerte. Sie sah, wie er die Kiefer aufeinander biss und sofort stiegen Schuldgefühle in ihr hoch, gepaart mit ein wenig Angst. Hatte sie ihn nun dermaßen enttäuscht, dass er sich gänzlich von ihr zurück zog? Sie war der festen Überzeugung gewesen, genau das Richtige getan zu haben, sich ihm nicht gleich an den Hals zu werfen, aber auch nicht völlig zu verwehren.


    Erst als sie ihre Hand auf seine Brust legte, so wie sie es sich schon seit einigen Moment gewünscht hatte, spürte sie, wie die Anspannung von ihm ab lies. Wäre Frija nicht gekommen, hätte es sich Septima vielleicht noch mal überlegt, ob sie ihm nicht mehr entgegen kommen sollte. Doch es war gut, so wie sie sich entschieden hatte.


    Furianus Gesichtsausdruck änderte sich. Wo zuvor noch aufeinander gepresste Lippen waren, entspannte sich sein Mund, verzog sich fast zu einem Lächeln, als ein Ausdruck von Kampfeslust? In seine Augen trat und er die gewohnt Maske eines galanten Gastgebers aufsetzte. Kurz bevor er sie an die Hand nahm, um sie zum Hain zu führen, sah sie das Funkeln in seinen Augen. Was war es, was nun hinter seiner Stirn vor sich ging? Oh wie gern hätte sie ihn nun gefragt, was er dachte, was er sich wünschte, doch sie konnte, durfte es nicht, sondern ließ sich einfach von ihm zum versteckten Hain bringen. Seine Andeutung, bezüglich des versteckens, ließ sie innerlich erschrecken. Erinnerte er sich etwa an das hässliche Mädchen, welches sie bis vor wenigen Jahren gewesen war? An das ungelenke, verpickelte und viel zu dürre Ding, welches sich selten Fremden gezeigt hatte und auch vom Vater häufig im eigenen Cubiculum versteckt wurde, nur damit keiner seine missratene Tochter sah? Doch dann verstand sie ihn und lächelte ihn erneut an. „Möchte nicht jeder gerne mal vor seinen Verantwortungen fliehen und sich irgend wo verstecken?“


    Sie umrundeten das Haus, um bogen dann in den versteckten Hain und es war, als würden sie eine andere Welt betreten. Furianus hatte nicht zu viel versprochen. Die Klinengruppe war bis auf eine Seite komplett von Efeu und einer Hecke zugewachsen. Wie lange hatte es wohl gedauert, bis dieser Ort so war, wie er jetzt vor ihr lag? Der Ausblick war auch ohne Sicht bis zum Meer atemberaubend und Septima hielt kurz inne, um die weite der Landschaft in sich aufzunehmen. Am liebsten wäre sie jetzt ein Vögelchen, welches seine Flügel ausbreiten könnte, um über eben diese Felder hinweg zu fliegen, ein oder zwei mal zu kreisen und anschließend wieder hier zu landen, wo es sich anfühlte, als ob keine Menschenseele sie hier stören könnte. Frija war den beiden gefolgt und wollte sich nun in eine Ecke stellen, wo sie möglichst unauffällig auf die Wünsche ihrer Herrin warten konnte. Baldemar war zunächst in der Culina geblieben.


    Septima gab ihren Becher an Frija weiter und ließ sich auf der ihr zugewiesenen Kline nieder, zog die Sandalen aus und legte sich genüsslich seufzend der Länge nach auf die Kline. „Ah... das tut gut. Ich habe schon so lange nicht mehr gelegen.“ scherzte sie und drehte sich dann auf die Seite, so dass sie Furianus anschauen konnte. Ihr Lächeln strahlte mit der Sonne um die Wette und sie fühlte sich richtig, richtig wohl. Seine Frage nach ihren Vorlieben rief zweierlei in ihr hervor, einmal die Vorlieben beim Essen und einmal ihre Vorlieben, in Bezug auf die Vereinigung von Mann und Frau. Wobei sie dabei noch nicht wirklich von Vorlieben sprechen konnte, denn Septima hatte den Verdacht, dass sie längst noch nicht alles ausprobiert hatte, was es da an Möglichkeiten gab. „Vorlieben? Mir würden lukanische Würstchen sehr zusagen, dazu einen milden Käse, ohh und Datten im Speckmantel. Für diese Kombination aus süss und herzhaft könnte ich fast sterben.“ schwärmte sie und schaute dem Flavier in die Augen. Erst jetzt bemerkte sie, das Furianus Augen denen von Ursus sehr ähnlich waren.


    Kurz geriet das Gespräch ins Stocken und Septima spürte schon wieder dieses angenehme Kribbeln der Vorfreude auf etwas, was sie noch gar nicht so lange kannte, aber einfach nicht genug davon bekommen konnte. „Was reizt deinen Geschmak besonders?“ fragte sie zurück und ihr stieg ein Bild vor Augen, welches durchaus etwas mit der Form eines lukanischen Würstchen und ihrem Mund zu tun hatte, aber überhaupt nicht dem Essen entsprach. Schon wieder zuckten ihre Mundwinkel und sie winkte Frija mit einer Handbewegung zu sich, damit sie ihr den abgestellten Becher reichen konnte. Etwas trinken, ja das war gut. Fast schon unschuldig schaute sie zur anderen Kline, auf der sich Furianus nieder gelassen hatte.

  • Sie schien gänzlich unbefangen, insbesondere als sie sich federleicht auf die Kline warf. Ein wenig irritierte es den Flavier, denn er wusste nicht, ob sie diese Unbefangenheit nur in Anwesenheit ihrer Sklavin spielte und die Augenblicke wenige Minuten zuvor gänzlich verdrängt hatte oder ob sie wirklich eine von diesen Frauen war, welche solche Momente zu leichtfertig hinnahmen.
    Doch die Zeit für weitere Spekulationen wurde ihm genommen, als sie sich für kulinarische Würstchen entschied und dies in ihm gewisse Assoziationen zu erwecken anfing. Vielleicht spielte sie nur mit ihm und dieser Gedankengang betrübte ihn. Nicht aufgrund der dahinter stehenden moralischen Seichtigkeit des Tuns, sondern vielmehr aufgrund der Tatsache, dass er für gewöhnlich diese Rolle inne hatte. Er war der Spieler. In der Rolle des Opfers hatte er sich noch nie gesehen und wollte es nicht.
    So blieb er abwartend liegen und deutete mit einem leichten Nicken, dass die Sklaven abgehen und die Speisen entweder holen oder zubereiten sollten, während die beiden Herrschaften warteten. Er beschloss in diesem Moment den Unnahbaren zu spielen. Sicherlich beging er Fehler, doch niemals zweimal und so würde sie auf ihn zukommen müssen, wenn sie bereit für das war, was er sich vor ein paar Momenten wieder vor Augen musste führen - ein Bild der intimsten Zweisamkeit.
    "Nun, es kommt auf den Gang an.", nahm er das Gespräch dann wieder an, indem er auf ihre Frage zu antworten sich im Gemütszustand fühlte: "Der erste sollte deftig sein, sollte sättigen. Anschließend möchte ich gerne etwas Süßes, welches mich irgendwann vor Freude trunken in die Kline gleiten lässt, so dass ich vollkommen entspannen kann."
    Dass dies auch gewisse Assoziationen erwecken könnte, war ihm durchaus bewusst. Und er wusste auch, welche Süßigkeit er sich jetzt am liebsten gönnen würde. Etwas warmes würde es sein, etwas leichtes, was er mit einer gewissen Wonne würde sich schmecken lassen. Und dies zeigte er ihr mit einem charmanten Lächeln.
    Die Sklaven waren entschwunden und nun war er selbst in der Situation, in welcher er kein Drängen würde zulassen können. So nahm er vergnügt seinen Becher und trank einen Schluck. Dabei hatte der liebliche Wein seine Lippen mit einem dunklen Rot benetzt und er strich diesen lasziv mit seiner Zungenspitze.

  • Das Spiel war aufregend und spannend, doch wußte Septima nicht genau, wann sie wie weit gehen konnte, somit hielt sie sich vorerst zurück. Sollten die Sklaven erst einmal Zeit haben, dass Essen zu zubereiten, denn sie wollte gerne etwas zu sich nehmen. Sie betrachtete den Flavier, wie er ihr seine kulinarischen Vorlieben schilderte. Allerdings kam dabei seine vortreffliche Sicherheit in der Wortwahl zum Zuge, denn so wie er sein Essen beschrieb, sah sie sich förmlich schon auf ihm sitzen, um ihm zu dieser angenehmen und vollkommenen Entspannung zu verhelfen. Ihr Blick mußte einen Moment abwesend gewesen sein, denn im nächsten Moment nahm sie wahr, wie sich der Senator laziv über die Lippen leckte. Er hatte schön geschwungene Lippen, nicht so verkniffene, schmale, wie ein verhärmter, alter Tattergreiß. Nein dieser Mund lud durchaus zum küssen ein.


    Septima hatte Mühe, ihre Selbstbeherrschung zu bewahren, doch es gelang ihr. Sie dachte einfach an Decima Seiana, die dieses Spiel perfekt beherrschte. Dies half ihr, wieder in das Gespräch zurück zu finden. „Erzähl mir mehr von deinen Pferden, Senator Flavius.“ forderte sie ihn auf. „Sind es in der Hauptsache Rennpferde, oder Ackergäule?“ letzterem fügte sie ein Augenzwinkern hinzu, denn gewiss züchtete Furianus keine minderwertigen Pferde. „Mein Mann bat mich, dich nach geeigneten Pferden für seine Factio zu fragen. Wie steht es mit dir? Bist du ebenso vom Sport begeistert, wie viele andere Männer?“ Septima bewegte sich wieder, und legte sich bequemer auf der Liege zu Recht. Dabei rutschte sie dem Flavier ein kleines Stück näher, stieß beinahe mit ihm zusammen. „Oh... Verzeihung.“ entschuldigte sie sich leise und mit verführerischer Stimme bei ihm, rückte aber nicht ab. „Wie geht es der werten Gattin?“ erkundigte sie sich immer noch leise sprechend und nur einen palmus von ihm und seinen verführerischen Lippen entfernt. Hatte sie sich nicht eben noch zurück halten wollen?

  • Sie versuchte wohl die Abwesenheit der Sklaven mit einem ausgiebigen Gespräch zu überbrücken. Das verstand er sofort, als sie eine Frage nach der anderen stellte, sobald die Sklaven aus der Sichtweite entschwunden waren. Kurz lächelte er darüber, befand jedoch über die Fragen seines Gastes ein wenig zu sinnieren. Und selbst diese Zeit blieb ihm nicht, denn sie stellte noch mehr Fragen, so dass der Senator langsam versucht war die Hände in abwehrende Haltung zu bringen, um ihr wiederum zu bedeuten, dass die Aufnahmefähigkeit eines Mannes auch nur begrenzt war. Wie eine Vase voller Wasser lief auch er irgendwann vor Fragen über.
    So schüttelte er leicht den Kopf und versuchte die Fragen in ihrer gestellten Reihenfolge sachgemäß zu beantworten.
    "Ich war noch recht jung, als ich zur Legio ging, weil man damals auch als Patrizier durchaus zu de Fußsoldaten hatte gehen können. Kurz vor meiner Abreise schenkte mir mein Vater ein Pferd. Es war kein Gewöhnliches, schließlich war es pechschwarz und nicht sonderlich groß, doch dafür so schnell wie der Wind. Kein hiesiges jedenfalls. Ich gab ihm den Namen Anubis, wie den Gott des Todes der Aegypter, und fand nach einiger Recherche heraus, dass er aus Arabien kam, also dem heutigen südlichen Syria. Also konzentriere ich mich auf diese Pferdeart, wobei ich natürlich der Versuchung nicht hatte widerstehen können die heimische mit der syrischen Art zu kreuzen, was mir durchaus gelungen ist, wie ich meine. Und Anubis habe ich bis heute. Zwar ist er nicht mehr der Jüngste, doch immer noch recht schnell."
    Und nun kam ein Wort zur Sprache, welches den Moment hatte erschüttern können. Ihr Ehemann. Langsam beschlich ihn das Gefühl, dass diese Frau nicht aus freien Stücken seine Nähe suchen könnte, sondern durchaus von ihrer Pflicht als gute Ehefrau dazu genötigt werden konnte. Diesen Gedanken schob er jedoch recht schnell zur Seite. Er war zu abstrus, zu abwegig. Er schmeichelte dem Furianus nicht.
    "Du weißt recht wenig über mich.", antwortete er dann nüchtern, jedoch gefolgt von einem leichten Lächeln. Anschließend nahm er einen Schluck und holte danach ein wenig weiter aus.
    "Wenn du mich kennen würdest, wüsstest du, dass ich Princeps Factionis der Purpurea bin. Wenn ich nicht irre, ist es dein Ehemann ebenfalls. Darum sind wir sozusagen Konkurenten.", und das sicherlich nicht nur in dieser einen Hinsicht, dachte er bei sich.
    "Du und insbesondere er werden wohl verstehen, dass ich meine besten Pferde nicht der Konkurenz werde schenken wollen.", sagte er gepaart mit einem Augenzwinkern und als er gerade nähere Ausführungen hinsichtlich seiner Pferdeleidenschaft machen wollte, stieß sie fast mit ihm zusammen. Sofort hielt er inne und blickte ihr in die Augen. Ihre Frage nach seiner Frau nahm er kaum wahr, denn ihre Münder hatten eine Grenze überschritten, welche vorher stets gewahrt worden war. Ganz behutsam reckte er den Kopf ihr entgegen und flüsterte in kaum wahrnehmbarem Ton: "Ihr geht es sicherlich nicht so gut wie mir."
    Ein leichtes Recken noch, nicht einmal ein Digitus, und die Grenze des heißen Atems der beiden Münder wurde durchbrochen, als er seine Lippen auf die ihren legte. Leicht und vorsichtig war sein Kuss, doch nicht ohne eine gewisse Leidenschaft. In diesem kurzen Augenblick wartete er, ließ ihr den Freiraum vor ihm wegzuschrecken und diesen Augenblick ruckartig zu beenden, doch sowohl er ihr diese Chance gab, gab er ihr auch die seinen Kuss zu erwidern. Und in diesem Bruchteil eines Herzschlages erstarrte sein Brustkorb nicht vor Aufregung, nicht vor Leidenschaft, sondern vor der Spannung auf die nächsten Sekunden und ihre Entscheidung.

  • Ihre bescheidene Frage nach seinen Pferden, löste einen waren Redfluss aus und Septima lauschte interessiert seiner Geschichte. Kaum hatte der Falvier erwähnt, dass er jung zur Legio gegangen war und zu diesem Zeitpunkt das Pferd von seinem Vater geschenkt bekommen hatte, fing Septima im Geiste an zu rechnen. Wie alt konnte ein Pferd werden? fragte sie sich dabei und mußte feststellen, dass sie keinerlei Ahnung davon hatte. Zehn Jahre, fünfzehn oder gar zwanzig Jahre? Also konnte sie mit dieser Information, dass das schnelle Pferd namens Anubis noch lebte, keine Rückschlüsse auf das Alter des Senators ziehen. Verflixt aber auch...


    Des weiteren mußte sie erneut lernen, dass es von Vorteil sein kann, wenn Frau sich vor einem Treffen über ihren Gesprächspartner informiert, denn die Sache mit dem Princeps Factionis war ihr mehr als peinlich. Doch nun war es geschehen und Septima versuchte zu retten, was noch zu retten war.


    „Gehe ich recht in der Annahme, dass Anubis hier auf dem Gut weilt? Der Tag ist noch lang, vielleicht magst du ihn mir später mal zeigen?“ Auch wenn sie mehr als nur Respekt vor den großen Tieren hatte, so wollte Septima immerhin ihr Interesse an seiner Freizeitbeschäftigung zeigen und nicht einfach das Thema fallen lassen. Noch immer beschäftigte sie die Frage nach seinem Alter. Es war schon erstaunlich, wie neugierig sie seine Verschwiegenheit in Bezug auf sein Alter machte. Ja, auch Furianus war ein Meister darin, sich interessant zu präsentieren.


    „Du bist ebenfalls Princeps Factionis?! Das hätte mir Titus ruhig sagen können, statt mich dermaßen in die Falle laufen zu lassen.“ Septima lachte. "Außerdem verlangt keiner von dir, dass du deine Tiere verschenkst." fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu. Das Lachen löste ein wenig ihre Spannung, aber diese kehrte sofort zurück, als sie sich anders legte und ein Stück näher bei Furianus verharrte. Sie sahen sich in die Augen.


    Die Sekunden zogen sich zu gefühlten Minuten und Septima registrierte gar nicht mehr seine Antwort auf ihre Frage, nach dem Befinden seiner Frau. Sie sah nur noch in die haselnussbraunen Augen ihr gegenüber und sein Gesicht, wie es langsam näher kam, bis sie nicht mehr viel voneinander trennte. Ihr Herz schlug schneller und sie spürte seinen Atem, überwand gleichzeitig mit ihm den letzten, hinderlichen Freiraum zwischen ihren Lippen und schloss die Augen. Warm und weich legten sich seine Lippen auf die ihren und einem Schmetterlingsflügel gleich strichen ihre Lippen übereinander, bis sie ihm noch ein winziges Stückchen näher kam, den Druck auf seine Lippen erhöhte und seinen Kuss mit der Zungenspitze über seiner Lippe erwiderte. Ihr Puls ging schneller und flammendes Verlangen flutete durch ihren Körper.


    Noch ehe der Flavier ihren Kuss auf gleiche, intensive Art und Weise erwidern konnte, und sie gemeinsam in den Strudel des Verlangens ziehen würde, löste sie sich von seinen weichen Lippen und schaute ihn mit einem verzückten Lächeln an. An sich ging es zu schnell, dachte sie bei sich, aber er schien sie ebenso zu begehren, wie sie ihn, so dass es auf die Dauer des Spiel nicht mehr ankam, denn das Ziel stand bereits fest. Außerdem hatte Septima schon nach der kurzen Zeit, die ihre Ehe nun dauerte, gelernt, dass Mann durchaus öfters konnte, so dass sie das Spiel auch später noch fortsetzen konnte.


    „Ich will dich!“ wisperte sie ihm entgegen, achtete genau auf seine Reaktion ihrer Worte und beugte sich anschließend wieder vor, um endlich den heiß ersehnten, langen und intensiven Kuss zu bekommen, der sie beide im züngelnden Spiel davon treiben würde.

  • Warum sie das Pferd sehen wollte, von welchem er noch vor ein paar Augenblicken sprach, konnte er nicht einordnen. Vielleicht würde es ihm später, wenn es schon zu spät sein sollte, einfallen, dass sie von dem Pferd auf sein Alter schließen könnte. Aber nun dachte er an etwas anderes.
    Ihre weiteren Äußerungen kommentierte er bloß mit einem Lächeln. Worte waren hier, so meinte er, sowieso fehl am Platze, denn diese Stille und die Zweisamkeit wollte auch er nicht aufgeben.


    Ihre Reaktion war die, welche er sich indess erhofft hatte. Sie zog ihre Lippen nicht zurück, sondern kam ihm das kleine Stückchen entgegen, welches den weiteren Verlauf ihrer noch so frischen Beziehung bestimmen würde bis zum Schluss. Nun war die platonische Freundschaft gewichen, gewichen dem Verlangen nach dem jeweils anderen und der zur Fleisch gewordenen Versuchung. Noch nie machte dem Flavier etwas unerlaubtes solch eine Freude, ließ ihn innerlich erbeben. Noch nie brach er die Regeln der Moral und Sitte bewusst, dies war ein Novum. Ein Novum, welches lieblicher nicht schmecken konnte.
    Ihre Lippen waren seine Sünden und die Versuchung, welche er bislang innerlich gespürt hatte. Der zarte Kuss, welchem er einen leidenschaftlicheren folgen lassen wollte, wurde von ihr je unterbrochen und dem Flavier stand für einen Augenblick die Angst in den Augen geschrieben. Die Angst sie hätte es sich nun doch anders überlegt und der Versuchung widerstanden. Ihr Lächeln ließ ihn jedoch aufatmen.
    Der Satz jedoch, welchen sie so leichtfertig hatte an ihn gerichtet, löste ein ungehemmtes Verlangen nach ihr aus, welches vor keinem Auge, vor keiner anderen Störung würde halt machen wollen.
    So lächelte er, wie ein Raubtier nur seine Beute konnte anlächeln, und stand auf, wobei er simultan ihre filigrane Hand ergriff und durch seine Gestik bedeutete ebenfalls aufzustehen.
    Als sie dies getan hatte, schlang sich seine Rechte gekonnt um ihre Taille, um diese im gleichen Augenblick gegen sein Becken zu drücken. Diese körperliche Nähe war ein weiterer Schritt in dieser Abfolge kleiner Schritte, die in einem Vergnügen für beide würden enden - das stand für ihn schon fest.
    Ein kurzes Wimpernzucken, ein Blick in ihre wunderschönen Augen und sein Verlangen mündete in einen leidenschaftlichen Kuss, welchen er ihr gab, welchen er genoss und welchen er nicht würde so schnell beenden wollen.
    Die Gefahr von den selbigen Sklaven entdeckt zu werden, welche sie selbst von dannen geschickt hatten, war für ihn auf eine gewisse Art und Weise stimmulierend, anregend. Schon lange blickte er der puren Gefahr nicht in die Augen und auch wenn diese Gefahr im Vergleich zu der auf dem Schlachtfeld eine andere war, so war sie für ihn doch entscheidend, denn durch sie könnte er seinen guten Ruf, seine Freunde, seine Familie und nicht zuletzt sein angestrebtes Consulat verlieren. Und um dies zu verhindern, das entschied der Flavier in jenem Augenblick, würde er auch vor dem Äußersten nicht zurückschrecken.
    So schnell wie diese Gedanken gekommen waren, so schnell waren sie auch hinweggefegt, denn das Verlangen erstreckte sich fortwährend über jeden Winkel seines Körpers.
    Und so lösten sie sich nach einer Weile. Ein wenig außer Atem war er schon, denn solch eine pure Leidenschaft kostete auch ihn Kraft.
    "Ich denke du bist die zum Leben erwachte Wollust, meine Schöne.", hauchte er ihr zu und gab ihr einen kurzen und leichten Kuss.
    Leicht strich er ihr mit dem Daumen über das Kinn, er liebkoste sie, denn sie war nun sein für diesen Tag.

  • Die kurze Unterbrechung des Kusses, offenbarte ihr eine Seite an Furianus, die sie nicht gedacht hätte, an ihm sehen zu können. Sie konnte Erstaunen und sogar Schrecken sehen, ehe sie sich erneut für einen Kuss trafen. Worüber? Plagten ihn gar Zweifel, ob der Zulässigkeit dieser... Verbindung? Was nicht ganz von der Hand zu weißen war, denn beide beteiligten Personen an diesem Spiel waren bereits verheiratet. Nun war es für den Mann nicht weiter schlimm, wenn er sich für die Erfüllung seiner Wünsche an eine andere Damen wand oder in ein Lupanar ging. (Letzteres traute sie Furianus nicht zu) Doch die Frau hatte treu zu sein, so dass an sich Septima Angst hätte überkommen müssen. Doch dies war der Moment, in dem sie begriff, was für eine Macht sie über ihn haben konnte. Tief und leidenschaftlich war der Kuss und als er endete, ergriff er ihre Hand, erhob sich und forderte sie somit auf, es ihm gleich zu tun. Ohne die Augen von der immer größer werdenden Gestalt des Flaviers abzuwenden, lächelte sie unaufhörlich zu ihm auf und folgte seiner Bewegung. Den kühlen, steinigen Boden unter ihren nackten Füssen spürte sie kaum, denn viel zu sehr war sie gefangen in den Augen ihres Gegenüber und ein überraschtes „hachhh...!“ entschlüpfte ihr, als er sie mit dem Arm umfasste und an sich zog.


    Deutlich konnte sie sein drängendes Verlangen spüren, dort wo sie nun so eng verbunden waren, ehe er sich zu ihr herab senkte und sie sich für einen erneuten Kuss fanden. Ein Kribbeln, anders wie bei Ursus ging durch ihren ganzen Körper. Es war das Verbotene, was dieses Erlebnis mit Furianus zu etwas ganz besonderem machte. Septima war sich selbst nicht sichter, was sie dazu drängte, doch sie wollte, sie konnte nicht mehr aufhören. Während es nun Furianus war, der diesen Kuss bestimmte, glitten ihre Hände rechts und links an seinen Armen hinauf, umschlangen seinen Nacken und sie drückte sich näher an seinen Körper.


    Von seinen Gedankengängen, und den durchaus dunklen Hintergedanken, bekam Septima nichts mit – wie auch, sie hatte die Augen geschlossen um den Moment, der leidenschaftlicher nicht hätte sein können, gebührend genießen zu können. Der Kuss endete und Septima, selbst leicht außer Atem, öffnete langsam ihre Augen. Ihre Lippen verzogen sich zu einem frechen Lächeln, als sie hörte wie Furianus sie betitelte. Am besten gefiel ihr sein Kosewort. „Schöne... Mhm... das klingt gut.“ erwiderte sie genießerisch und schmiegte ihr Gesicht, welches dem heutigen Anlass entsprechend kaum geschminkt war, in die sie liebkosende Hand.


    „Und du bist mein Adonis.“ gab sie ihm mit honigsüßem Lächeln die schmeichlerische Antwort, ehe sie zum Gegenteil schwenkte und leicht erschrocken drein schaute. „Wollten wir nicht eigentlich etwas essen?“ fragte sie mit einem lockenden Unterton in der Stimme und strich ihm dabei mit den Fingerspitzen der rechten Hand sanft durch die kurzen Haare am Nacken und unterbrach nicht für einen Moment den Blickkontakt zu Furianus. Ihr Mund war leicht geöffnet und er glich einer sinnlich verlockenden Einladung.

  • Die Liebkosungen ihrer Hände versetzten ihn in einen Zustand, welchen der Senator recht selten verspürte. Das gemeine Volk nannte es Gänsehaut. Leicht erschauderte er, nicht vor Unannehmlichkeiten, sondern vor Erregung, als sie mit ihren Händen über seinen Nacken strich. Da war er besonders empfindlich.
    Auch sie suchte seine körperliche Nähe und dem Flavier gefiel diese Reaktion, bedeutete sie doch, dass das unausweichliche Ziel ihrer beider Fantasien unaufhörlich aufeinander zuglitt. Einen kurzen Moment dachte er nach, ob er sie auf den Händen nicht auf eines der vielen Zimmer tragen sollte, doch er empfand dies als allzu anstrengend. Nicht, weil sie so schwer sein mochte, sondern, weil den Flavier bei physischen Betätigungen solcher Art seit seiner Krankheit die Kräfte allzu schnell verließen.
    Indess glitt seine Hand langsam ihre Taille herab und umfasste das wohlgeformte Gesäß, welches die großen Bildhauer Griechenlands nicht schöner hätten modellieren können.


    Nach dem kurzen Loslösen ihrer beider nach Sinnlichkeit lüsternen Lippen, schlich sich ein leichtes Lächeln auf seine Züge, als sie ihn mit Adonis gleichsetzte. Ein großes Kompliment für einen Mann, der auf sein Äußeres stets achtete, um nicht nur sich selbst, sondern auch den Frauen zu gefallen. Es war wie eine Bestätigung für seine Eitelkeit.
    "Was meinst du damit?", fragte er scheinheillig, ehe er lächelnd antwortete: "Ich esse doch bereits. Den süßen Nachtisch."
    Ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht und ihre weitere Liebkosung seines Nackens versetzte ihn abermals in das erregende Gefühl der Gänsehaut. Schnell ergriff er ihre Hand und es hätte den Anschein haben können, als gefiele es ihm nicht, doch statt dessen strich er sanft mit der seinigen ihren Handrücken entlang. Der Widerstand der Worte war kurz und in einem solchen Augenblick, in welchem es keiner Worte Bedarf gab, konnte er nicht länger ausharren und presste seine Lippen abermals an ihre.
    Eine solche Leidenschaft entwickelte er bei seiner Gemahlin kaum, denn der Reiz fehlte schon in der ersten Nacht. Alles war vorhersehbar und dies machte das Spiel der Reize zumindest für ihn zunichte.


    Nun stemmte er sich leicht ihr entgegen und sie musste unweigerlich nach hinten auf die Kline gleiten. Er selbst hatte fast den Fehler begangen sich über sie zu stürzen und womöglich sowohl sich wie auch sie die Kline über zu werfen. So setzte er sich neben sie, nachdem sie sich kurz vom Kusse getrennt hatten, und bagann auf´s Neue ihre Lippen mit vollem Genuss mit den seinigen zu umspielen.

  • Ihr ganzer Körper stand von seinen Küssen unter Spannung und wohlige Schauer rannen bei jeder Berührung von Furianus über ihre Haut. Die Kontrolle über das Spiel fing an ihr immer mehr zu entgleiten, so das nur noch ihr Verlangen nach ihm zählte und Septima alle Sitten und Konventionen vergaß. Ihr war es egal, wer sie vielleicht sehen oder hören konnte, ob ein Sklave etwas mitbekam oder ein Nachbar zu Besuch kommen würde. Jetzt und hier zählte nur der Moment und diese herrlichen Küsse.


    Doch außer Frija war niemand in unmittelbarer Nähe der beiden und die Germanin zog sich während der Annäherungen der Herrschaften immer weiter zurück, bis sie wieder in der Villa war. Sofort eilte sie zu ihrem Mann Baldemar, der in der Culina am Tisch sass und sich angeregt mit der Köchin unterhielt. Vor ihm stand ein Teller mit Essen und ein großer Krug mit etwas zu Trinken. Frija trat an ihren Mann heran, legte ihm eine Hand auf die Schulter und beugte sich zu seinem Ohr herab. Dann flüsterte sie ihm etwas zu und der Germane erhob sich umgehen. Er entschuldigte sich bei der Köchin und ging schnellen Schrittes zum Hain, in dem sich seine Herrin mit Senator Flavius aufhielt. Vor dem Zugang zu eben diesem Hain blieb der Germane an einer geschützten Stelle stehen, schaute kurz, und interpretierte die sich ihm darbietende Situation als von seiner Domina gewollt und stellte sich mit dem Rücken zu den Herrschaften hin. Niemand würde an ihm vorbei kommen, um die beiden stören zu können und sollte seine Herrin einen Punkt erreichen, wo sie sich dem Senator verweigerte, wäre er da um ihr bei zu stehen und sie vor dem Flavier zu schützen. Was dabei in seinem Kopf vorging, und ob er seine Herrin für ihr Tun verurteilte, blieb hinter seinen blauen Augen verborgen.


    Septima seufzte kurz auf, als sie Furianus Hand tiefer wandern spürte und schaute ihn verlangend an, als er den Kuss beendete. Ja, sie waren bereits beim Nachtisch angekommen. „Dann hör bitte nicht auf mit dem Nachtisch.“ forderte sie ihn auf und liebkoste ihn weiter in seinem Nacken, was er jedoch unterband, als er nach ihrer Hand griff und sie fort zog. Sofort schaute sie ihn erschrocken an. Er würde doch nicht... Die schrecklichsten Bilder gingen ihr durch den Kopf, wobei eine einfache Ablehnung mit einem hämischen Grinsen die schlimmste Vorstellung war. Ein solches Verhalten würde sie zu tiefst demütigen, doch zu ihrem, und auch zu seinem Glück – denn er wollte gewiss nicht die Furie in ihr kennen lernen – vereinten sich ihre Lippen zu einem neuerlichen Kuss und Septima spürte, wie sie sanft von ihm nach hinten gedrängt wurde.


    Kaum das sie saßen, eroberte er erneut ihre Lippen und sie entzog ihm ihre Hand, um unter den Überwurf seiner Toga zu gleiten, so dass das eine Ende von seiner Schulter rutschte und sie mit der Hand über das freie Stückchen Haut an seinem Hals fahren konnte. Septima zog ein Bein auf die Kline und wand sich dem Flavier so gut es ging zu. Dabei rutschte sie mit ihrem Gesäß ein Stückchen von ihm weg, damit sie sich besser nach hinten lehnen konnte und zog ihn beim nächsten Kuss einfach, mit der Hand wieder in seinem Nacken, mit sich auf die Kline. Automatisch spreizten sich ihre Beine, so dass er sich zwischen sie legen konnte und sie stöhnte lustvoll auf, was den Kuss vorzeitig beendete. „Oh ja... ich will dich, Furianus... Ich will dich sogar sehr.“ hauchte sie ihm verlangend entgegen und fuhr mit ihren Händen seitlich in die Ärmelöffnungen seiner Tunika, um mit ihren Händen über seine nackte Haut an Oberarmen und Schultern gleiten zu können.


    Das Essen ließ derweil auf sich warten, denn Frija hatte die Köchin gebeten, sich noch etwas mehr Zeit beim Zubereiten der Speisen zu lassen, da die Herrschaften in ein angeregtes Gespräch vertieft waren.

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