[Capitolium] Fides Publica Populi Romani

  • Sehr früh am Morgen machte ich mich auf den Weg den Vorbereitungen für die Fides beizuwohnen. Die Flamines waren bereits emsig mit ihrem Wagen beschäftigt. Viele noch junge Diener des Cultus schmückten den Tempelvorplatz aus und kümmerten sich um Sauberkeit auf dem Pflaster. Auch jene Straße wurde mit Blumengränzen und Blattwerk ausstraffiert, die später als Route der Prozession dienen sollte. Ich jedoch hatte eine andere Aufgabe.


    Mit festen Schritten begab ich mich in den Tempel, der Flamen Dialis erwartete mich bereits mit mahnendem Blick. Es war spät geworden, doch konnte ich ohne ein herzhaftes Frühstück nicht das Haus verlassen. Seine Anweisungen waren mit scharfer Stimme kurz und knapp verfügt und ich würde mich eilen müssen, wenn ich jene Taten bis zum Beginn des Opfers erfüllen wollte.


    Natürlich wollte ich dabei sein und so nahm ich weder Tunika, noch Umhang in Acht nd stürzte mich in die Arbeit. Später würde mein Leibsklave mit einer Gruppe anderer Diener kommen, um mir die Amtstracht der Salier Collini anzulegen. Doch bis dahin hatte ich noch viel zu tun und es mußte schnell gehen...

  • Mit Einbruch der zehnten Stunde mußten die Vorbereitungen abgeschlossen sein. Meine Hand glitt ein letztes Mal über die Opferteller. Sie waren gereinigt und mit dem heiligen Wasser geweiht worden. Nun standen sie für das Festmahl der Fides bereit. Während wir Opferhelfer uns umzogen, begann man im Tal vor dem kapitolischen Hügel den gedeckten Wagen zu bespannen. Wenig später bestiegen die Flamines das Gespann. Der Flamen Dialis begab sich im Zustand cotidie feriatus (täglich festlich) darauf. In seiner Tracht, der weißen doppelt gefaltete Toga mit Bronzespange und einer weißen Kappe. Während die Pozessionsordnung hergestellt wurde, eilten auch wir, die Opferhelfer hinunter, um als Laufgarde am Zug teilzunehmen.


    Alles war vorbereitet. Die Bullen festlich geschmückt mit Blumen und Weidenkränzen. Die Flamines wurden nun durch ein weißes Tuch verdeckt, denn die Prozession würde auch durch Handwerker Viertel ziehen und den Flames war es an diesen wie an allen anderen Feiertagen nicht erlaubt der Arbeit anderer zuzusehen. Nachdem der Zug auch die Blumenmädchen aufgenommen hatte, begann er sich in Bewegung zu setzten. Nymphen stellten ihre Stimmen im Gesang vor, Priester und Opferdiener stimmten ein. Der Wagen wurde durch zwei Knechte gelenkt. Langsam schob sich die Prozession die engen Straßen zum Kapitol hinauf. Mit sanften Händen verstreuten die Mädchen saftig, wohlriechende Blüten vor die Zugtiere auf die Steinplatten der Straße.


    Und mit den Windungen der Gasse vermehrte sich auch der Zulauf jener die dem Opfer auf dem kapitolischen Hügel beiwohnen wollten. Als der Wagen abrupt stoppte und an Holzstecken befestigte Tücher den Vorplatz einhüllten. Erst als jener Sichtschutz vollständig war, wurden die Vorhänge des Wagens geöffnet und die Flamines betraten den Opferplatz.


    Die Gesänge waren in ein leises Murmeln übergegangen was beim Erheben der rechten Hand des Flamen Dialis verstummte. Sie glitt zurück nach unten und wurde nun durch die sanften Hände seiner Gattin in ein weißes Tuch gehüllt. An seinen Enden war dieses durch zwei Schlaufen nun befestigt und jener Priester erhob die rechte Hand zum Schwur.


    So glitt er bis an die Anfänge des Altars und verkündete die Treue des römischen Volkes.


    Mit einem Unterbau aus Weidenstecken und fürstlich geschmückter Blumenkränze trug man nun die Figur der Fides an den Opferplatz. Mit eingestimmten Liedern wurde sie empfangen und neben dem Altar abgesetzt. Feinste Düfte erfüllten die Luft, als Weihrauchstäbchen und Duftflakons gefüllt mit edlen Gerüchen aus Myrrhe, Mohn, Lilie, Lorbeer, Rose, Safran, Zyperngras, Minze und Lavendel der Fides dargebracht wurden.


    Ich stand nun unweit der Leckerein die Fides heute zum Opfern bekam und die linke Hand des Flamen Dialis führte bei der weiterhin zum Schwur gehaltenen rechten Hand die Bitte vor aufzutafeln. So begann unsere Vorführung und wir trugen Köstlichkeiten auf. Zuerst den obligatorischen Opferkuchen, welcher in vielen Geschmacksrichtungen auf dem Altar präsentiert wurde, dazu edle Trauben, saftiges Obst, herzhafte Oliven, Gebäck und Süßspeisen. Die Worte des Flamen erhellten den Platz, als wir unsere Häupter senkten und das Opfer dargebracht wurde.



    „Fides Publica Populi Romani erweise uns die Gunst deiner Aufmerksamkeit, dies ist dein Tag und wir wollen nicht eher ruhen, bis der letzte Erdenbewohner dir die Treue geschworen hat.“


    Einige Kopien völkerrechtlicher Verträge wurden dem Altar beigefügt.



    „Fides erhöre unsere Worte und steige herab, um mit uns zu speisen. Der Tisch ist gedeckt und wir geben uns in vollster Demut deinem Urteil hin.“


    Stark riechender, unverdünnter Wein wurde den Gaben zugefügt. Dann folgte der Tropfen aus einer dunklen Amphore , der sich schwermütig über die Opfergaben verteilte und für ein reibungsloses Opfer sorgen würde.


    Mit weiteren Worten an die Fides Publica Populi Romani vollführte der Flamen Dialis das Opfergebet und im Zeichen des linken Handschlages begannen die Murmelgesänge, bis sie zu einem exstatischen Wehen der Worte angeschwollen waren. Nun begann sich die Lunte zu senken und die Opfergaben schwebten im Rauch des Feuers empor. Die Gesänge wurden mit Instrumenten wie Rasseln und Trommeln begleitet. Tänzer führten die Bewegung der Glieder auf und wir Priester murmelten Gebete zu Ehren der Fides.


    Als mit einem Schlag Musik und Gesänge verstummten und die Schwurhand des Flamen Dialis nach unten schnellte. Sein Haupt senkte sich vor den verkohlten Resten des Opfermahls und seine leise gesprochenen Gebete wurden im Reigen der Priester Fürsprachen aufgenommen. Erneut steckte man Weihrauchstäbchen an und führte im Anschluss die Gestalt der Fides zurück in ihr Heim. Blumenblüten und feine Gerüche begleiteten jenen Weg. Das Opfer war damit beendet. Die Gebete würden jedoch erst verhallen, wenn das letzten Glimmen des Mahles erloschen war.

  • Nach der Feiertagsarmen Zeit des September begann der October bereits an seinen Kalenden den kultischen Jahreslauf aufzugreifen. Gesättigt an Massenbelustigung durch blutige Schwerter in der Arena, sich im Staub des Circus drehende Räder und mal bessere, mal schlechtere Possenreißer auf der Theaterbühne oder dem Straßenfest der Ludi Romani, fanden sich zahlreiche Bürger zum Opfer zu Ehren der personifizierten Treue des römischen Staates und Volkes. Nicht mehr unter den Sacerdotes, sondern nach jenen in den Reihen der Magistrate hatte sich auch Gracchus der Prozession angeschlossen und folgte ihr bis hinauf auf den Capitolshügel. Während der Opferung behielt er seinen Bruder Lucullus im Auge, doch jener bot keinen Anlass zum Tadel und Gracchus musste sich eingestehen, dass sein Bruder sich die familiären Pflichten augenscheinlich zuverlässiger zu Herzen genommen hatte, als er selbst. Auch als die Gaben verbrannt waren, und bereits die ersten Zuschauer den Hügel verließen, wartete Gracchus noch vor dem Tempel, ließ seine Gedanken vom Gemurmel der Gebete treiben.

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  • Natürlich durfte auch Durus beim Festtag der Fides nicht fehlen. Als Magistrat war schließlich Treue zum Staat großzuschreiben.
    So folgte er neben Gracchus der Prozession, ohne jedoch ein Wort an ihn zu verlieren - sicher war dieser als Priester zu sehr mit Gebeten beschäftigt.
    Durus hingegen begutachtete die Häuser, die prächtig geschmückt waren. Sicher waren alle Felder rund um Rom abgeerntet worden - zumindest wirkte es so...
    Endlich erreichte der Zug den Zielort auf dem Kapitol und der Quaestor blieb wie die anderen stehen. Mit Wohlwollen verfolgte er das Opfer und brachte in Gedanken auch sein eigenes kleines Gebet vor Fides...

  • Während die Gebete leiser und leiser wurden. Zerstreute sich die Menge, die noch vor kurzem den Opferplatz säumte. Auch die Opferhelfer und Diener beendeten nun ihre Gebete und begaben sich pflichtgemäß an die Aufräumarbeiten. Ich hatte ein wenig Zeit, denn jenen niederen Dienste des Kehrens und Räumen war ich ausgenommen.


    So suchte ich mit den Augen den Flamen Dialis. Fand ihn aber nicht. Denn wie sollte es anders sein, bedeckte jener seine Augen bereits wieder um ja keinem arbeitenden Menschen n jenem Feiertag zuzuschauen.


    Ein zufriedenes Seufzen entrang meiner Kehle und ich begab mich zu den wenigen noch anwesenden Menschen, denn ich hatte jemanden entdeckt, der die Familie sehr stolz machte.


    "Gracchus, ich freue mich dich zu sehen. Ich hoffe das kleine Opfer hat dir gefallen und auch ich habe mich nicht all zu sehr aus dem Rahmen bewegt. Wenn du Zeit hast, können wir vielleicht eine Kleinigkeit zu uns nehmen..."


    Mein Blick streifte den Mann neben dem Bruder. Doch meine Worte blieben an Gracchus gerichtet. Nicht wirklich mußte jener Bürger ein Begleiter sein und konnte durchaus zufällig da stehen.

  • Ein zufriedenes Lächeln umspielte Gracchus Lippen, als sein Bruder auf ihn zutrat.
    "Es ist ein guter Tag für Rom, mein Bruder, und dein Anteil daran hat die Götter sicherlich zufrieden gestellt. Da die öffentlichen Arbeiten ruhen, sehe ich kein Hindernis, welches mich zurück an die Arbeit treiben würde. Selbst wenn, auch die Diener des Staates brauchen ab und an etwas mehr in ihrem Magen, als nur die Sorge um die Res Publica. Im Velabrum gelegen gibt es eine kleine Taberna mit ausgezeichneter Auswahl. Nicht unbedingt das Nobelste, jedoch durchaus ausreichend, zudem sind die Speisen scharf gewürzt. Sie bieten vorzügliche Esicia omentata mit verschiedenen, außergewöhnlichen Tunken. Wäre dies nach deinem Geschmack?"
    Zu lange waren die beiden Brüder einander fern gewesen, als dass Gracchus sich sicher sein konnte, dass Lucullus dem etwas gewöhnungsbedürftigen Geschmack der flavischen Familie nach viel Würze folgte, welchen schon ihr Großvater Romulus an den Tag gelegt hatte, der sich jedoch augenscheinlich nicht auf alle Nachkommen übertrug.

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  • Mein Blick verformte sich nur unmerklich zu einem Lächeln. Welche Frage war das... Natürlich wußte ich um die herzhaften Feste der flavischen Dynastie und die feinen lucullischen Delikatessen waren mir schon immer gern zu Tisch gereicht worden. So nickte ich Gracchus zu und begab mich an seine freie Seite.


    "Aber liebend gern mein Bruder. Ich hoffe jene Taverna ist edel genug, das wir nicht dem Gestank des Plebs ausgeliefert sind."

  • "Niemals, dafür sorgt ein Mann dessen Arme den Umfang einer Säule haben."
    Dass jener einen überaus ansehnlichen Körper besaß, erwähnte Gracchus nicht.
    "Zu dieser Zeit werden sicherlich ohnehin nur mäßig viele Hungernde anwesend sein."
    Gemeinsam traten die beiden Flavier den Weg zu jener Taberna an.

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