Einkaufen für den Kleiderschrank

  • Wenn Iulia etwas hasste, dann waren es Wiederholungen. Und zur Qual ihrer jungen, vornehmen Seele spielte sich vor ihr jedes Mal wieder eine peinigende Parade des Schon-dagewesenen und bekannten ab, wann immer sie ihren Kleiderschrank öffnete. Nein, so konnte es nicht weitergehen!
    Alle ihre Kleider waren schon tausend Mal getragen und von allen gesehen worden, nichts neues, nichts aufregendes mehr in diesem Schrank zu finden. Dem musste dringend Abhilfe geschaffen werden! Ein Besuch auf Roms Märkten sollte diesem (unter Aristokratenfamilien) peinlichen Problem Abhilfe schaffen. Iulia hatte geplant, sich vor allem nach schönen Stoffen umsehen zu wollen, um sich daraus dann selbst Kleider machen zu können, vielleicht fand sie auch schon das eine oder andere fertige Stück, dann könnte das natürlich (durch ihrer Gnaden) auch mit auf den Esquilin.


    So ließ sich Iulia von Callista, ihrer Leibwächterin, Freundin und Ornatrix zurecht machen und die Sänfte in Bereitschaft bringen, ehe es auch schon losging. Das erste Ziel sollten die Trajansmärkte sein. Sie hatte von einer Handelskarawane aus dem Osten gehört, die aktuell besonders feine Stoffe eben dort anbieten sollte. So ließ sie sich an das Ziel ihrer Sehnsucht tragen und stieg dann aus, sich nach den besagten orientalischen Händlern und ihrer heiß begehrten Ware umsehend, während Callista sich aufmerksam umsehend hinter ihrer Domina bereit machte, für ihre Sicherheit zu sorgen.


    Sim-Off:

    Es können gerne auch andere IDs hinzukommen und mitspielen. Solltet ihr iulische Familienmitgleder sein und mitmachen wollen, könnt ihr euch auch schon bei den Vorbereitungen und/oder der Reise mit der Sänfte dazuschreiben. :)

  • Die Trajansmärkte waren mitunter die größten Märkte Roms. Sie standen direkt am Rande des Forum Traiani, der größten und prächtigsten Forenanlage der Stadt. Bildeten beide Bauensembles zusammen nicht den gelungensten Superlativ, den man sich denken konnte?
    Iulia war jedenfalls gerne an diesem Ort, da sie hier nach Herzenslust einkaufen konnte und danach, wenn ihr danach war, konnte sie in die nahe Bibliothek am Trajansforum gehen, oder einfach nur über den gewaltigen Platz flanieren. Ob sie später vielleicht sogar Vetter Gaius am Venustempel besuchen gehen sollte? Das Caesarforum war ja gar nicht soweit weg. Der würde vielleicht Augen machen, wenn sie einfach so unangekündigt dort aufkreuzen würde!


    Doch jetzt musste sie zuerst einmal hier auf den Märkten bleiben und ihre Sehnsucht nach "Geld -ausgeben" und "Stoffe-erwerben" ausleben, ansonsten würden die entstehenden Nichts-gekauft-Kopfschmerzen ganz großes Aua in ihr hervorrufen. Als sie sich umsah, bemerkte sie vorerst nichts von irgendwelchen orientalischen Händlern, also musste sie sich für den Anfang wohl oder übel mit einheimischen Produzenten zufriedengeben. "Wartet am Markteingang mit der Sänfte auf mich. Ihr dürft alleine, oder zu zweit gerne eine nahe Taverne besuchen, etwas essen und trinken, oder eine Kleinigkeit kaufen, jedoch müssen immer mindestens drei Mann bei der Sänfte bleiben und diese müssen wissen, wo die anderen sind. Callista, du kommst mit mir!" gab sie entsprechend die Tagesbefehle an ihre begleitende Sklaventraube aus. Callista kam mit ihr ins Innere der Märkte, während sich die Sänftenträger und sonstige unfreie Begleiter auf einen quasi freien Nachmitag hier mitten am Puls der Stadt freuten, solange die Domina mit ihren eigenen Geschäften beschäftigt war. Um ihre Sicherheit machte sie sich keine Sorgen. Callista war Schutz genug mit ihrer Erfahrung als griechische Kriegerin und mit ihr hätte sie zudem eine Person bei sich, die ihr unverblümt sagen würde, wenn ihr ein Kleid oder ein Stoffmuster nicht passen würden.
    Iulia blieb am ersten Stand einer einfach gekleideten Frau stehen, einer Italikerin vom Lande, wie sie vermutete. Dementsprechend sahen auch ihre Stoffe aus. Grobes Leinen, fleckige Wolle, als wäre sie gerade erst vom Schaf geschert worden und keine Seide. Missmutig strich Iulia im Vorbeigehen über die dargebotene Ware. "Kratzig und schmutzig. Keine gefärbten Stoffe." lautete ihr vernichtendes Urteil, ehe sie würdevoll den Kopf nach vorne wandte und weiterging. Die italische Frau sah ihr stumm mit einem hasserfüllten Blick hinterher, aufgeblasenes, wohlhabendes Pack von Oberschicht!
    Der nächste Stoffhändler entsprach schon eher Iulias Vorstellungen, weshalb sie nähertrat und den Händler aufforderte: "Zeige mir deine besten Stücke!"

  • Sim-Off:

    Ich bin mal so frei! :D



    Es herrschte schon ein arges Treiben hier in den Märkten und im Grunde genommen war meine Stimmung gar nicht nach einem Einkauf, doch suchte ich hier nun, wie so oft, ein Geschenk für meine Geliebte, um es ihr als kleine Aufmerksamkeit darzureichen. Natürlich ließ ich dabei nicht lumpen, doch musste ich aufpassen, dass ich mir kein allzu großes Loch in meinen Geldbeutel riss. Doch erst gestern hatte ich ein aufmunterndes Schreiben von meinem Sägewerk in Mantua erhalten, welches ich sogleich zu meinen Unterlagen hinzugenommen hatte. Mit einem satten Lächeln im Gesicht. Auch wenn mein Sklave mich sanft darauf hingewiesen hatte, dass der Gewinn in einem großen Fest vielleicht besser angelegt wäre, so wollte ich doch nicht, dass Valentina eventuell noch auf den Gedanken käme, ich wäre nicht mehr als ein armer Tropf, der lediglich am Zipfel seiner Familia hing und sich ansonsten in einem Tempel mehr schlecht als recht verdingte. Darüber hinaus war es mein Wunsch, dass Valentina etwas erhielt, mit dem sie sich sehen lassen konnte und nicht vor Scham gegenüber anderen Damen der Gesellschaft erröten musste.


    Also fand ich mich ein weiteres Mal an einem der Stände wieder, der einigermaßen erlesene Stoffe feilzubieten hatte. Mein leicht dunkelhäutiger Sklave Muckel stand neben mir und verdrückte ein Stück Fleisch, welches man in ein Brot gelegt und mit Öl überträufelt hatte. Der letzte Schrei, hat es in der Garküche um die Ecke geheißen und ich wollte natürlich kein Langweiler sein.
    “If pfinde, daff ift fön!“, schmatzte mein Sklave vor sich hin und deutete mit einem Fettfinger auf einen leicht grünlichen Stoff, den ich nickend betrachtete, ehe ich meine Hand an ihn legte, um ihn mit vorgeschobener Unterlippe zu befühlen. “Hm!“, stieß ich aus, als auch schon der Händler, welcher soben noch lautstark krakahelend verkündet hatte, dass er schöne Stoffe bei sich liegen hatte, mir lächelnd entgegen trat. “Aus Syria!“, erklärte er mir. “Das feinste Leinen, welches zu finden ist.“ Kurz schaute ich zu dem Mann auf und fummelte mit den Fingerkuppen noch einmal an einem Stoffzipfel herum. “Und der Tragekomfort?“, wollte ich wissen. Der Händler grinste. “Du kannst ihn gerne einmal umlegen,“ bot er jovial an und machte eine einladende Handgeste.


    Ich stutzte kurz und schüttelte dann den Kopf. Diese Blöße wollte ich mir dann doch nicht geben. Hier auf dem Markt zu stehen und mich in eine Stoffbahn zu hüllen, war gewiss nicht angemessen. “Fühl du mal!“, forderte ich Muckel auf und ehe er antworten konnte, rieb ich den Stoffzipfel über seine Wange. Leider war diese noch etwas ölig, beziehungsweise nun nicht mehr, doch ich hoffte, dass der Händler das nicht wirklich bemerkte. “Er ist wirklich fantastisch!“, verkündete der Händler wieder, der durchaus auch etwas syrisch aussah. “Da kannst du jede Frau fragen!“ Ich stuzte neuerlich. Vielleicht war das keine schlechte Idee. Zu meinem Glück war auch soeben eine junge, edel anmutende Dame an den Stand getreten, die nun ihrerseits die Ware bemustern wollte und nach den besten Stücken fragte. Muckel hatte sogleich auch Augen für die Sklavin an ihrer Seite, doch war er wohl noch mit seinem Brot beschäftigt. Ich räusperte mich und schaute zu der jungen Frau hinüber. So recht ansprechen wollte ich sie jedoch nicht. Also trat ich einen Schritt zur Seite und auf sie zu und schöpfte unter einem tiefen Atemzug Mut. “Verzeihung!“, stellte ich in den Raum. “Aber du siehst so aus, als wüsstest du, was man von einem guten Stoff verlangen kann,“ raunte ich ihr entgegen, ehe ich auch meine Blicke auf sie setzte.

  • Iulia wollte nach der letzten Enttäuschung wenigstens bei diesem 2. Anlauf einen kleinen Kauf machen, das war sie alleine schon ihrer Geldbörse schuldig! Die vielen armen Münzen darin. Ganz matt und schimmlig würden sie noch werden, wenn Iulia sich nicht ihrer erbarmte und sie ordentlich belüftete und bewegte (durch das "aus-der-Börse-nehmen" und dem "als-Bezahlung-dem-Händler-geben"). Also Fortuna, sei brav hold und lasse diesen Händler etwas passendes haben!


    Erwartungsvoll stand sie da und beobachtete, wie der Mann sich mit ergebenem Lächeln und nach unten gefalteten Händen kurz verbeugte und sich dann daran machte verschiedene Stoffbahnen vor ihrer Nase auszurollen. Auf jeden Fall schon Mal bessere Ware als bei der Italikerin. Iulia trat noch einen Schritt an die Stoffe näher, um sie besser in Augenschein nehmen zu können und das Material und die Textur zu prüfen, als...sie plötzlich angesprochen wurde. Viel Zeit hatte sie ja nicht gehabt die Ware zu prüfen. Verwirrt wandte sie den Kopf. Ein mittelgroßer, schüchtern wirkender Mann hatte sie von der Seite angesprochen. Es war ein Fremder. Callista, zwei Schritte hinter ihrer Domina stehend, verengte ihre Augen zu Schlitzen und begann die potenzielle Gefahrenquelle zu fixieren, während sie einen Schritt an Iulia näher trat. Sie hatte wegen der umständlichen Ausdrucksweise nicht ganz verstanden, was er von ihr wollte. "Bitte was? Verzeihung, doch ich habe deine Frage nicht richtig verstanden."
    Bei den Göttern! Bitte lasst das keinen zweiten Iunius Proximus sein!

  • Den Stoff hielt ich noch immer zwischen meinen Fingern, während ich nun die junge Dame betrachtete, die in der Tat aus einem guten Hause stammen musste. Die Sklavin, die sie an ihrer Seite hatte, trat nun ein wenig näher und ich blickte ihr flüchtig entgegen, als es nun um uns herum noch ein wenig enger wurde. Doch dass ich nun als potentielle Gefahrenquelle eingestuft wurde, war mir nicht bewusst. Offenbar hatte die Dame nicht recht verstanden, was ich ihr mit meinen Worten hatte zuraunen wollen, also setzte ich sogleich zu einem neuen Versuch an, bei dem ich mich hoffentlich etwas verständlicher machen konnte. “Ich meinte nur, dass du bestimmt Ahnung von der Qualität von Stoffen hast,“ erklärte ich mich also dieses Mal recht deutlich. Dann zupfte ich die Stoffbahn, welche ich hielt zu mir heran, griff fester in das Textil hinein und ließ noch einmal meine Finger damit spielen, ehe ich das Leinen der Dame entgegen hielt. “Ich bin nämlich auf der Suche nach einem Geschenk für meine Verlobte. Wir wollen bald heiraten!“ Auch an dieser Stelle konnte ich mich nicht zurückhalten, das wundervolle Ereignis zu erwähnen. “Ich dachte dabei an ein gutes Stück Stoff und bin mir bei diesem hier nicht ganz sicher, ob eine gute Weile hält. Er scheint mir auch ein wenig zu knittern bei intensivem Gebrauch.“ Nachdenklich setzte ich nun meine Blicke wieder auf das Leinen und ließ meine Finger noch einmal spielen.

  • Nach ihrem ersten Schreck hatte Iulia Zeit, den Mann genauer in Augenschein zu nehmen. Er hatte auf jedenfall nichts verschlagenes in seinen Augen (deren brauner Schimmer ihr besonders auffiel) und auch seine Worte übten eine beruhigende Wirkung auf ihr Gemüt aus. Ein Mann der bloß nach einem Hochzeitsgeschenk suchte für seine Verlobte war vermutlich keine allzu große Gefahr. So signalisierte sie Callista einen stummen Befehl mit einem kurzen Seitenblick, woraufhin die Sklavin eine entspanntere Körperhaltung einnahm und sich wieder einen Schritt von der Domina entfernte.


    Iulia wandte sich ihrerseits dem Stoff zu, den ihr der Fremde hinhielt. Sie sah kurz hoch zu ihm und dann wieder zum Stoff und noch einmal in seine braunen Augen. "Ein Hochzeitsgeschenk? So, dann herzlichen Glückwunsch zum gemeinsamen Glück. Was den Stoff angeht..."", sie senkte wieder den Blick auf den Stoff und begann ihn ihrerseits zu befühlen. "Wozu ist er gedacht? Ist der Stoffballen selbst das Geschenk, oder wird daraus ein Kleid genäht, oder etwas völlig anderes?" Die Beschaffenheit des Stoffes mit seinen zahlreichen unterschiedlichen Eigenschaften konnte immerhin auf vielerlei Weise interpretiert und ausgelegt werden, je nach Verwendungszweck. Sie selbst hatte natürlich keine professionelle Ahnung von all dem, sondern nur ihre weibliche Intuition und ihr Gespür für Passendes, doch diese beiden Dinge hatten sie bisher immer gut durchs Leben geführt.

  • Immerhin schien sich nun die Sklavin an der Seite der jungen Frau wieder zu entspannen, doch hatte ich für diese auch gar keine Blicke übrig. Diese lagen nämlich auf dem Stoff und sogleicht auch wieder bei meiner Gesprächspartnerin, die hatten wissen wollen, wozu ich ihn zu kaufen gedachte. “Danke für die Glückwünsche,“ sagte ich lächelnd. “Ja, ich möchte ihr ein Geschenk mitbringen und hatte in der Tat an ein Kleid gedacht. Wobei es wohl besser wäre, sie würde es selbst in die Hände einer Schneiderin geben.“ Leicht grüblerisch legte sich nun meine Stirn in Falten. “Vielleicht gibt es an diesem Stand ja auch noch eine noch bessere Qualität in einer seltenen Farbe.“ Irgendwo hatte ich auch schon mal einen durchsichtigen Stoff gesehen, doch wäre dies wohl eher etwas für die Stunden in trauter Zweisamkeit hinter verschlossenen Türen. “Wenn es ein Geschenk für dich wäre, was wäre genehmer? Der Stoff an sich oder gleich ein ganzes Gewand?“ Zu diesem Farbton würde sicherlich auch eine schöne, güldene Halskette zu passen. Doch auf diese würde ich wohl noch wenig sparen müssen.

  • Während sie so über die Idee des Mannes nachdachte, desto süßer fand sie die Idee, je länger sie das tat. Das machten heutzutage wohl nicht mehr viele Männer, dass sie sich extra für ihre Frau bzw. Versprochene hinaus auf die Märkte Roms begaben, um ihnen etwas ganz besonderes auszusuchen. Nicht sowas unpersönliches wie Schmuck, oder eine Schriftrolle mit Rezepten! Doch der Fremde (wie hieß er eigentlich?) war trotzdem ein typischer Mann. Auch wenn der Stoff nicht sooo schlecht war, wollte er seiner Verlobten einfach einen Stoffballen schenken! Das war zwar echt lieb gemeint, aber so als Frau wusste Iulia, dass ein Stoffballen in Kleidform eine noch bessere Idee sei. "Wenn, dann solltest du den Stoff schon vorher zu einem Kleid verarbeiten lassen, bei einem einfachen Stoffballen, käme ich mir zumindest dumm vor." meinte sie rund heraus.


    "Sieh das doch als Chance an ihr das perfekte Kleid zu schenken, das das am allerbesten zu ihr passt und jemals passen wird. Das ist dann gleich noch vielmals mehr wertvoller für sie, wenn der Stoff von dir handverlesen ist und der Schnitt ihrer Figur und ihrem Chrackter zu hundert Prozent entspricht. Das wäre das schönste Geschenk im Kosmos für jede Frau, denn persönlicher geht es wirklich nicht, oder?" Dann kam ihr noch eine Idee. "Ich kann dir also da leider nicht sagen, ob dieser Stoff passend für sie ist, weil ich sie nicht kenne. Doch auch beim Aussuchen des Stoffes solltest du ihre Person bereits berücksichtigen. Was ist ihre Lieblingsfarbe? Wie ist ihr Temperament? Entsprechend dem würde ich dann entweder einen dickeren, oder dünneren Stoff aussuchen, oder einen raueren, oder glatteren. Gehe in dich und stelle sie dir vor deinem inneren Auge vor und dann sieh dich hier um welche Stoffbahn deine Verlobte von der Farbe und Konsistenz her am besten verkörpert. Das ist dann dein Grundmaterial für ihr persönlich perfektes Kleid."

  • Ich nicke beflissen, als mir die junge Dame mitteilte, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, meiner Valentina ein bereits gefertigetes Gewand zu schenken. Immerhin wollte ich ja auch nicht dass sie sich dumm vorkam oder gar liderlich ungeliebt, da sie einfach mit unbearbeiteten Tuchen und Stoffen überworfen wurde. “Hm...hm...hmhm...mham...mhm…,“ begleitete ich die folgenden Worte meiner Gesprächpartnerin, während ich versuchte, mir das perfekte Kleid für meine perfekte Frau zu imaginieren. Dieses allerdings war schwieriger als erwartet, denn ich hatte keine Ahnung wie man Sanftheit und Anmut in ein Kleid schneiderte, denn dies war meine Geliebte ja in Person!


    Noch einmal befühlte ich den grünen Stoff und dachte an Valentinas brauneAugen, die ich so gerne betrachtete. Es waren ein paar hellere und dunklere Sprenkel darinnen, und wenn Frohsinn in ihnen glitzerte waren sie noch schöner als jeder Edelstein. Vielleicht passte Grün unter diesen Umständen doch nicht so gut. Also legte ich diesen Stoff ab und angelte nach dem nächsten. Dieser war aus einem dunkle Blau, gewiss doppelt so teuer wie der andere und obendrein noch mit einem schönen Saum bestickt. Ob das auch ihre Lieblingsfarbe war. “Ich habe sie nie nach ihrer Lieblingsfrage gefragt!“, sagte ich dann etwas perplex, denn ich empfand diesen Umstand mit einem Mal als eine unglaubliche Nachlässigkeit.


    Wieder sah ich mein Gegenüber an und dann fiel mir etwas ein. “Sie liebt Rosen!“, erklärte ich und suchte mit meinen Blicken nun augenblicklich nach etwas, was diesen Blumen zu ähneln vermochte. Einen Moment ließ ich auch mein inneres Auge – wie empfohlen spielen – und griff nach einem glatten, leicht schimmernden Stoff aus einem leichten rosé, in denen ebenso ein wenig verwaschen rote Farbe eingearbeitet war. Dabei schien es so, als würden die beiden Farben ineinander fließen und miteinander tanzen. “Ha!“ stieß ich aus und zerrte das Material an mich heran. Nicht zu dick und nicht zu dünn. “Dieser hier!“, erklärte ich fest und beschaute mir dann auch wieder das grüne Material. “Alles zusammen kommt es einer Rose in der Tat gleich! In ein Kleid gegossen würde es einer Rose gleichkommen!“, erklärte ich entzückt und bemerkte dann das wohilge Schmunzeln des Händlers, der seine Finger vor dem Bauch ineinander gefaltet hatte und dabei die Lage gütig betrachtete.


    “Sie ist eine wundervolle Frau,“ schwärmte ich nun weiter. “Sie hat in etwa deine Größe und auch so schöne, braune Augen.“ Ich raffte den Stoff vom Tisch und hielt es nun ohne Nachzudenken vor den Leib meiner Bekanntschaft. Natürlich dachte ich dabei gar nicht nach, denn ich wollte ja nur die Korrelation der Augen mit dem Farbspektakel überprüfen.

  • Iulia beobachtete den fremden Mann dabei, wie er sich an einer Neuauswahl des Stoffes machte. Einen Moment jedoch war sie überrascht, dass er nicht einmal die Lieblingsfarbe seiner Angebeteten kannte, wo er sie ja angeblich so sehr liebte. Oder war dies nur vorgegebener Schein im Falle einer arrangierten Hochzeit gewesen? Dann war es natürlich auch klar, dass man derartige Details nicht sofort bei der Hand hatte im Normalfall. Doch mit "Rosen" als neuen Leitgedanken und den daraufhin aus den Tiefen des Stoffberges herausgeangelten roten Stoffes mit seinem schönen Muster hätte auch Iulia selbst etwas anfangen können, wenn sie persönlich es auch normalerweise vermied rote Kleider zu tragen, da sie das zu sehr an eine Lupa errinerte und derart billig nun doch nicht vor der Öffentlichkeit in Erscheinung treten wollte.


    Doch das war ihre Ansicht, es gab immerhin genug andere Frauen, die Rot durchaus tragen würden. Nach des anderen Ausruf, dass das daraus geschneiderte Kleid einer Rose gleichkam, antwortete sie lächelnd der Höflichkeit halber: "Ja, eine sehr schöne Auswahl ist das." Weniger gefiel ihr jedoch dann, wie der andere die Stoffbahn dann plötzlich an ihren eigenen Körper halten wollte. Das war ihr bei einem Fremden dann doch etwas ZU viel Nähe und Körperfastkontakt. So trat sie einen Schritt zurück und rief dabei: "He, ich muss doch sehr bitten!" das war einer fremden Römerin unwürdig! Callista, Iulias Leibwächterin, zuckten schon wieder die Finger und wie schon zum Sprung bereit schien sie nur noch auf ein Kommando ihrer Herrin zu warten.

  • Ich empfand den Stoff ebenfalls als durchaus reizvoll und in meiner Fantasiewelt stellte ich mir eine hüsche lange Damenmode vor, in einem rasanten Faltenwurf, der rechts und links zur Hüfte diesen wunderbaren grünen Stoff barg. Meine Geliebte würde damit aussehen wie eine frisch zum Leben erwachte Blume, die stolz und unnahbar dem Leben entgegegen trat. Vor allem aber trat sie mir entgegen, was mich meinem Enthusiasmus noch weiter befeuerte. Dies allerdings war zu viel für meine Bekanntschaft und sie verbat sich mein Verhalten, indem sie deutliche Worte sprach und zurück trat.
    In diesem Moment erwachte ich wie aus einem Rausch, schaute sie an und ließ augenblicklich den Stoff wieder sinken. “Oh vezeih‘! Ich bin zu weit gegangen!“, stellte ich schuldbewusst heraus und blickte entschuldigend drein. “Ich bin so in Vorfreude verhangen, dass meine Manierlichkeit darunter leidet.“ Ich legte den Stoff zurück auf die Auslage des Standes und seufzte schwer. Mein Blick fiel dann auf die Sklavin, die mit einem Mal wieder angespannt wirkte.“Ich wollte dir nicht zu nahe treten!“, stellte ich dann noch einmal heraus und lächelte der fremden Römerin entgegen. “Doch ich wäre für ein wenig weibliche Expertise in diesen Dingen wirklich dankbar.“

  • Iulia hatte sich einen Moment wirklich erschreckt, doch die gröbste Gefahr schien mit ihrem Aufschrei augenblicklich wieder gebannt worden zu sein. Der andere hatte wieder Abstand von ihr genommen, was auch Callista, hinter Iulia, wieder sichtlich entspannt hatte. Auch gingen jetzt wieder jene Passanten und Gaffer weiter, die zuvor interessiert bei ihnen stehen geblieben waren, als sie Iulias Ausruf vernommen gehabt hatten.


    Ganz ihrer guten Erziehung gemäß bemühte sie sich wieder rasch um die Wiedererlangung ihrer Würde. So straffte Iulia ihre Haltung und hob den Kopf, während sie wieder einen völlig emotionslosen Gesichtsausdruck nach außenhin präsentierte.
    "Es sei dir verziehen. Was den Stoff angeht, so rate ich dir zu eben dem den du eben in der Hand hattest, er scheint perfekt zu sein für ein Kleid", insgeheim war sie ein wenig neidisch, da auch sie irgendwie Gefallen an dem schönen roten Stoff gewonnen hatte, "Bitte verzeih mir, doch ich muss mich jetzt dringend wieder um meine Geschäfte kümmern. Ich hoffe ich konnte dir eine Hilfe sein, alles Gute, Vale."
    Mit diesen Worten auf den Lippen drehte sie sich langsam um und schritt (hoffentlich) graziös von dannen, tiefer in die Kaufwelt der Trajansmärkte hinein. Nach einer kleinen Entfernung, als sie es für sicher genug hielt nicht belauscht zu werden, holte Callista ein paar Schritte zu ihrer Herrin auf und fragte: "Wohin jetzt?", "Egal, hauptsache weg von hier", war ihre geraunte Antwort. Iulia hatte das urplötzliche Verlangen nach Sicherheit gepackt gehabt und das konnte sie erst erlangen, wenn der Fremde nicht mehr in ihrer Sichtweite war. Diese Begegnung hatte alte Erlebnisse negativer Art wieder in ihr hochsteigen lassen und Iulia war keinesfalls gewillt derartiges wieder zu erleben. Dieses Mal wäre wohl kein Lucius Annaeus Florus Minor zur Stelle, um sie zu retten. Vor ihnen öffnete sich die Tür zum links gelegenen basilikenähnlichen Hallenbau der Märkte, in dem ebenfalls Marktstände beheimatet waren. Die beiden Frauen betraten das Gebäude und erst oben im ersten Stock konnte Iulia wieder aufatmen.

  • Mein Gegenüber straffte ihre Haltung nun wieder und verwandelte sich in das Ebenbild einer unnahbaren Frau, wobei ihre folgenden Worte ein wenig unterkühlt klangen, mit denen sie herausstellte, dass der Stoff wirklich gut zu einem Kleid passen würde. Danach meinte sie, sich um ihre Geschäfte kümmern zu müssen und sie verabschiedete sich. “Ahm….Vale!“, entkam es mir ein wenig verdattert, ob der verletzten Weiblichkeit, die mir von ihr nun entgegen strömte. Dann schaute ich noch einmal auf den Stoff und wieder hin zu der jungen Dame, die sich nun herumdrehte und davon ging. “Ich danke dir!“, rief ich ihr noch hinterdrein und meine Worte waren reineweg ehrlich gemeint dabei.
    “Ich finde den Stoff auch hübsch!“, erklärte mein Sklave mir nun und wollte ebenfall einmal fühlen, was mich an diesem faszinierte, doch ich schob ihn beiseite.
    “Sieh‘ lieber zu, dass du mit dem Händler verhandelst!“, erklärte ich ihm obendrauf. “Aber pass‘ auf. Der sieht so aus, als würde er einen jeden über den Tisch ziehen wollen.“ Egal ob Mann oder Frau. Doch das sprach ich natürlich nicht aus. Und in der Tat betrachtete uns besagter Mann nun mit dem gönnerhaften Lächeln eines Menschen, der schon bald um einige Sesterzen reicher sein würde. “Ich gehe mal dort rüber zu dem anderen Stand. Ich habe doch einige Figuren entdeckt!“, erklärte ich schließlich und steuerte auch gleich auf die gegenüberliegende Seite der Stände. Das Intermezzo mit der jungen Dame verblasste dabei ein wenig, denn wieder sah ich meine Valentina vor mir. In diesem Stoff, in diesem Kleid. Was für ein Glück ich mit ihr hatte. Sie war hold, mild und gütig und nicht wie manch‘ andere Frau, die einen Mann wie mich eher schreckte.

  • Jetzt galt es wieder sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Nachdem Iulia fast die ganze Zeit ihrer Anwesenheit hier auf den Trajansmärkten damit verbracht hatte die Modeberaterin für andere zu spielen, wollte sie sich zusammen mit Callista wieder um ihr eigentliches Anliegen kümmern und zwar für sich selbst ein paar schöne Stoffe, oder gar Kleidungsstücke zu kaufen.
    Immerhin konnte sie ja nicht noch länger die Klagerufe ihres armen Kleiderschranks ignorieren!


    So sahen sich die beiden Damen nach passenden Händlern innerhalb der soeben betretenen Halle um. Für Gewürze, kleine Kostbarkeiten, Alltagsgegenstände, so ziehmlich allem erblickte sie einen Stand, doch keiner der Stoffe anbot war darunter. Ob sie es noch einmal bei den Händlern draußen am Platz versuchen sollte? Sie war ja zuvor gar nicht dazu gekommen bei dem einen seine besten Stoffe zu prüfen, die sie verlangt hatte zu sehen. "Versuchen wir es noch im oberen Stockwerk, ansonsten gehen wir wieder hinaus." sagte sie so von der Seite her in Callistas Richtung und steuerte auf die nächstgelegene Treppe zu.
    Oben angekommen eröffnete sich ein nicht minder reiches Angebot an Waren, so wie unten und draußen. Callista, die größere der beiden, meinte, dass sie hier durchaus ein, oder zwei Stände von Stoffhändlern sehen könne. "Wirklich?", war Iulia erfreut. Nicht lange später dann bog sie in eine Nebenreihe ein und fand sich vor mehreren orientalisch aussehenden Männern mit ihren Handelswaren wieder. "Das muss diese Karawane aus dem Osten sein, von der ich dir heute Morgen erzählt habe! Komm!" rief sie entzückt in Richtung ihrer Sklavin, um deren exotische Stoffe näher zu betrachten können.

  • Man merkte schon, dass diese Leute nicht von hier waren. Ihre Waren waren nicht zu vergleichen mit z.B. den groben und filzigen Sachen der Italikerin von vorhin. Hier sah alles teuer und exquisit aus. Der Stoffhändler der Karawane hatte schnell bemerkt, dass sich da jemand für sein Gut interessierte, also winkte er Iulia näher heran. „Kommt nur, gute Frau! Kommt näher! Wir haben die beste Ware des Ostens im Angebot! Persische Stoffe mit eleganten Stickereien, feinste ägyptische Baumwolle und nur die beste Seide direkt aus Serica!
    Das hörte sich doch in der Tat fabelhaft an! Also ließ sich Iulia nicht zwei Mal bitten und kam schnell heran. Die angebotene Ware war in der Tat erstklassig. Während sie die einzelnen Stoffe betrachtete, fragte sie den Händler: „Ich habe noch nie von einem Land namens Serica gehört. Wo liegt das? Hinter Parthien?
    Der Händler winkte leicht amüsiert ab. „Ach, sogar noch hinter Indien! Serica ist das Land der Seidenleute und liegt ganz am anderen Ende des Kontinents, ja sogar außerhalb der bekannten Welt! Die Händler, die uns die Seide nach Parthien bringen erzählen davon, dass sie von ihren Zulieferern wiederum gehört haben, dass Serica eine Art zweites Rom sein soll. Ein gewaltiges Kaiserreich, das den ganzen fernen Osten beherrscht und sagenhaft reich. Jedes Kind soll dort direkt nach der Geburt in seidene Windeln gewickelt werden und sogar die ärmste Bettlerin soll ebenfalls in Seide gekleidet sein. Jeder dort trägt es!
    Das klang wirklich sehr interessant für sie! „Bitte, kannst du mir mehr über dieses ferne Land erzählen?“ bat sie. Urplötzlich hatte Iulia ihr Interesse für dieses mysteriöse Serica entdeckt. Doch der Händler winkte ab. „Tut mir leid, das ist alles was ich darüber weiß. Doch wenn du willst, so erwirb doch diese Seide hier, dann hast du immer etwas von diesem Land bei dir zuhause!
    Ob das jetzt Händlerpsychologie gewesen war, oder nicht, jedenfalls klang das nach einer fabelhaften Idee! Also kaufte Iulia den Seidenstoff zusammen mit ein paar anderen festeren (mitunter auch gefärbten) Geweben, um sich daraus später ein sagenhaft schönes Kleid schneidern zu wollen. Mit ihren Einkäufen mehr als zufrieden bezahlte und bedankte sich Iulia und übergab die neuen Sachen Callista zum tragen. Dann wandte sie sich langsam in Richtung Ausgang, während eine neue fixe Idee in ihrem Verstand Platz genommen hatte; das weit entfernte Land der Seidenleute.

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