Kandidatur zum Cursus Honorum [08/16] Marcus Iulius Dives

  • Manche Senatoren, die zu den Wahlen antraten, waren normalerweise im Senat eher stille Vertreter, während man andere aufgrund ihrer langen Mitgliedschaft oder häufiger Redebeiträge umso besser kannte. Entsprechend variantenreicher fiel dann auch der Aufruf durch den Consul aus. "Als nächstes hören wir Marcus Iulius Dives, der uns diesmal nicht eine weitere Änderung am Codex Universalis erklären möchte, sondern seine Kandidatur zum Aedil."

  • Was aus dem einen Blickwinkel lediglich ein unscheinbarer Unterschied von nur drei 'Minuten' sein mochte, erstrahlte aus einer anderen Perspektive als eine weit größere Differenz, die insbesondere aufzeigte, dass die divitische Kandidaturrede zeitlich nach jener seines flavischen Mitsenators auf die Tagesordnung gerufen und in der Folge gehalten wurde. Womöglich hatten die Consuln entschieden, alle Kandidaten alphabetisch aufzurufen. Mitunter war es auch seinem patrizischen Stand geschuldet, dass der Senator Flavius Scato heute vor dem iulischen Quaestorier zum Zuge kommen sollte. Doch störte dieses Faktum Dives nicht im geringsten, sondern stimmte ihn im Gegenteil gar ein wenig glücklich. Denn jeder, der - wie der Flavier - vor dem Iulier zum Senat sprechen musste, konnte wohl unmöglich insbesondere eines wissen: Für welche Aedilität, die curulische oder die plebeische, kandidierte Dives?
    In der Tat nämlich hatte sich der Senator, auf dessen Initiative die curulische Aedilität neuerlich auch für plebeische Senatoren geöffnet worden war, bisher überaus bewusst nicht in die eigenen Karten schauen lassen. Vielleicht mochte er ganz im Sinne seines damaligen Leitmotivs, 'Plebeier gehören von keinen Ämtern des Cursus Honorum ausgeschlossen und exkludiert', für die curulische Aedilität entscheiden. Mitunter auch mochte er den vermeintlich bescheideneren Weg gehen und die plebeische Aedilität präferieren...


    "Patres Conscripti!", begann er also seine Rede mit den zu diesem Zweck wohl meistgewählten Worten und einer etwas ausladenderen Geste, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.
    "Es erfüllt mich mit Freude, Stolz und ist mir eine große Ehre, hier und heute bereits zum dritten Male vor euch stehen zu dürfen, um für eines der honorigen Ämter des Cursus Honorum zu kandidieren.", betonte er durch eine kleine Zäsur. "Wie der ehrenwerte Consul bereits sagte, ist mein Name Marcus Iulius Dives, Sohn des Caius Iulius Constantius, Enkel des Censoriers Cicero Octavius Anton.", sprach er anschließend weiter und beobachtete dabei, ob es wohl jemandem auffiel, dass er hier und heute zum ersten Mal seinen octavischen Großvater an derart exponierter Stelle zu Beginn einer Kandidaturrede erwähnte. Bei seiner Bewerbung zur Quaestur hatte er Anton einst noch nur eher beiläufig gegen Ende seiner Rede genannt, während er bei der Kandidatur um das Vigintivirat den Namen Octavius gar gänzlich umschifft hatte. Heute jedoch, da Dives mutmaßlich insbesondere gegen einen patrizischen Flavier bestehen musste, galt es, keine falsche Bescheidenheit an den Tag zu legen und stattdessen alles in die Waagschale zu werfen, was er hatte - wie beispielsweise den Namen eines Großvaters, der einst die heute faktisch unerreichbare Censur unter Dives Iulianus bekleidet hatte.


    "Und wie der ehrenwerte Consul ebenfalls bereits erwähnte, möchte ich mit dieser Rede dem hohen Senat meine Wahl zum Aedil nahelegen. Denn ich bin der Meinung, dass ich dieses Amt nicht nur ohne jeden Zweifel angemessen auszufüllen vermag, sondern es darüber hinaus auch besser ausfüllen kann als mancher Mitbewerber um die Aedilität.", erklärte Dives und ließ eine kleine Kunstpause. "Ich bin mir sicher, diese Aussage wird in des einen oder anderen Ohr ein wenig arrogant klingen, wie ich auf einen derartigen Vorwurf jedoch sogleich eine Antwort geben möchte. So nämlich behaupte ich, dass niemand sich für ein Amt des Cursus Honorum bewerben und gleichzeitig des Beste für Roma wollen kann, wenn er nicht zugleich die feste Überzeugung in sich trägt, auch einer der am besten geeigneten Kandidaten für die mit dem Amt und seinen Pflichten verbundenen Aufgaben zu sein." Dives, der in der letzten Zeit doch ein wenig Routine auf dieser Rednerbühne bekommen hatte, ging souverän einige Schritte, um nicht wie angewurzelt nur am Platz zu stehen.


    "Es stellt sich folglich die Frage, was meine Überzeugung nährt, unter den diesjährigen Kandidaten einer der geeignetsten für die Aedilität des kommenden Amtsjahres zu sein. Dies möchte ich in der Folge gerne näher ausführen.", kündigte Dives den Kern seiner Rede an. "Zunächst möchte ich formal damit beginnen, dass ich die tradierte Altersvorgabe von mindestens 27 Jahren erfülle, wie ich überdies gemäß Recht und Gesetz ein verheirateter Mann und gar mehrfacher Vater bin. Darüber hinaus bin ich ein treuer und loyaler Klient meines Patrons, des hochgeschätzten Consulars Vinicius Hungaricus." Ein kurzes Stocken unterbrach den Iulier. "Selbstredend ist mir bewusst, dass der Consular heuer nicht anwesend ist, um dies auch zu bestätigen. In Ersatz dazu jedoch möchte ich daran erinnern, dass es _meine_ Initiative war, die zur neuerlichen Öffnung der curulischen Aedilität auch für Plebeier führte. Der Werdegang meines Patrons beweist, dass er klar und deutlich der Auffassung ist, dass es das Recht eines jeden plebeischen Senators sein muss, sich nicht nur für die plebeische sondern auch für die curulische Aedilität zur Wahl stellen zu dürfen. - Dies habe ich erkannt und habe hernach sein Anliegen zu meinem Anliegen gemacht, um es in der Folge zum Wohle Romas durch diesen Senat verabschieden zu lassen.", sah sich der Iulier nicht zum ersten Mal in der Position, auch partiell für seinen Patron sprechen zu müssen, da Letzterer nicht persönlich anwesend war, um selbst das Wort zu erheben.


    "Doch nicht nur die formale Erfüllung von Zulassungsvoraussetzungen und nicht nur meine Treue und Loyalität, die neben meinem Patron, meiner Familie und meinen Klienten selbstredend auch stets dem Princeps, dem Senat und Volk von Roma gilt, möchte ich anführen. Denn es bedarf wohl weit mehr als nur diesen Dingen, ein guter Aedil zu sein.", erhob er seinen rechten Zeigefinger. "Wirft man einen Blick in unseren Codex Universalis, so wird man vor allem auf die zahlreichen Aufsichts- und Kontrollpflichten eines Aedilen aufmerksam gemacht - Verwaltungsaufgaben, für die ich mich durch meine bisherige Laufbahn als bestens gewappnet betrachte. Denn derartige Aufgaben prägen mein Leben bereits seit vielen Jahren.", hielt Dives kurz inne, um anschließend eine Aufzählung folgen zu lassen. "So leitete ich bereits während meiner Quaestur mit sicherer Hand die Senatsarchive. So widmete ich auch mein Tribunat bei den Cohortes Urbanae vor allem der administrativen Aufsicht und Kontrolle sowie der Sicherheit der Stadt. So beschäftigte ich mich auch während meines Vigintivirates als Decemvir stlitibus iudicandis hauptsächlich mit bürokratischen Erbschaftsangelegenheiten. - Doch mehr noch, wirkte ich auch davor bereits als ostiensischer Quaestor und Duumvir auf diesem Gebiet, wie ich auch danach - seit meiner Berufung in den Senat - kontinuierlich mich mit den Fragen von Recht und Ordnung, von Gesetz und Bürokratie auseinandersetze, was dieser Senat zweifellos zu bestätigen wissen wird.", sah er durch die senatlichen Reihen.


    "Aber auch das Engagement für Recht und Ordnung und unsere Gesetze, die ich nicht zuletzt auch vor Gericht bereits im Rahmen einer Feststellungklage während meines Decemvirats erfolgreich verteidigte, reichen wohl mitnichten aus, ein guter Aedil zu sein. Denn nicht zuletzt ist es die Aufgabe und Pflicht der Aedilen, die ihnen zugewiesenen staatlichen Feiertage mit Leben, mit Brot und Spielen zu füllen.", folgte der dritte Punkt, der dieses Trikolon perfekt machte. "So befinden sich seit Jahrhunderten insbesondere die Ludi Romani in der Verantwortung der curulischen, die Ludi Plebei indes in der Verantwortung der plebeischen Aedilen - eine Verantwortung, welche ich überaus ernst zu nehmen gedenke." Er nickte bekräftigend. "Denn die finanziellen Voraussetzungen, Roma angemessene Spiele bieten zu können, besitze ich zweifellos.", betonte er, bevor er einmal links an sich herunter und rechts wieder an sich hinauf sah. So versuchte er wortlos zu zeigen, dass er sich offenkundig auch einen regelmäßig standesgemäßen Konsum leisten konnte, wo manch anderer Kandidat sich vielleicht nicht ganz so regelmäßig einem standesgemäßen Konsum hingeben konnte oder hingeben wollte - was gerade für einen Bewerber um die Aedilität gewiss kein großes Aushängeschild darstellen mochte.
    "Darüber hinaus bin ich seit Längerem bereits nicht nur nominell Sodalis einer der großen Factiones sondern überdies gar der stellvertretende Leiter einer solchen, weshalb ich meinen Fokus auch auf eben dieses Gebiet der Wagenrennen zu legen intendiere, sollte man mich zum Aedil bestimmen und mir damit die Aufgaben der Ausrichtung staatlicher Spiele übertragen.", kündigte er wohl wenig überraschend an. "Dabei habe ich in der Vergangenheit bereits einmal die Ehre gehabt, auf die großzügige Einladung des ehrenwerten Senators Aurelius Lupus hin, an der Ausrichtung eines großen Wagenrennens mitzuwirken. Es waren dies die Ludi Funebres zu Ehren des verstorbenen Cornelius Augustus.", rief er in Erinnerung, was gewiss die wenigstens Senatoren noch aus den divitischen Res Gestae wussten. "Nicht weniger ansehnliche Spiele wünsche ich auch als Aedil Roma zu finanzieren, zu organisieren und zu schenken..." Der Quaestorier atmete noch einmal tief durch. "...im November, zu den Ludi Plebei.", war sodann der Punkt gekommen, das gut gehütete Geheimnis nicht länger für sich zu behalten.


    "Denn in der Tat, es ist mein Wunsch, hier und heute für das Amt des Aedilis Plebis zu kandidieren.", bestätigte er die Implikation anschließend noch einmal direkt. "Ich weiß und ich lebe als Senator damit, dass mir Tag für Tag Worte in den Mund gelegt werden und Dinge unterstellt werden. Selbiges, das ist gewiss kein Geheimnis, ging gar soweit, dass einige meinten", wenngleich Dives die Namen dieser Einigen nicht zu nennen vermochte, da er nur das Gerede als solches, nicht jedoch deren Quelle kannte, "ich hätte nur pietätlos und kalt meine eigene Karriere im Kopf, als ich aus väterlicher Liebe in großer Geste meine Tochter, die Vestalin Iulia Torquata, zu Grabe trug.", klagte er an, ohne dabei allerdings weinerlich über die Ungerechtigkeit der Welt zu klagen. "Andere indes unterstellten mir, nur aus persönlichen Motiven manche Initiative zu einer Gesetzesänderung in den Senat eingebracht zu haben.", kannte Dives hier zwar einen Namen, ließ ihn jedoch bewusst unausgesprochen. "Die Wahrheit jedoch ist die, dass ich stets nur das tue, was ich für das Beste für Roma, den stadtrömischen Senat sowie den Kaiser und das Volk von Roma halte! Allein dies ist meine Intention, wenn ich eine Gesetzesänderung anrege. Allein dies ist meine Intention, wenn ich einen Kandidaten für ein öffentliches Amt kritisiere und seine Eignung infrage stelle. Und allein dies ist meine Intention, wenn ich hier und heute vor euch stehe, euch meine Wahl zum Aedilis Plebis zu empfehlen.", betonte er und strich heraus.


    "Denn ich strebe nicht nach dem Besten für mich selbst. Ich strebe nicht nach Ämtern und Titeln, wie es bei manchem meiner heutigen Mitbewerber den Anschein hat, der kaum in den Senat berufen, bereits eiligst den nächsten Schritt zu gehen sich anschickt, bevor er überhaupt nur die Gelegenheit hatte, zu begreifen und in sich aufzunehmen, was es heißt ein Senator dieser Curia zu sein.", sprach der Iulier etwas offener aus, dass er eine derartige Geringschätzung und Herabwürdigung der Senatorenwürde auf eine bloße Amtsvoraussetzung keinesfalls begrüßte. So mochte mitunter der Ritterstand nur eine einfache Voraussetzung sein, ein bestimmtes Amt auszuüben. Die Berufung in den Senat jedoch betrachtete Dives in der Tat als genau dies - eine Berufung, die weit mehr war als nur ein Schielen auf das nächste Amt und die nächste Wahl. "Stattdessen strebe ich nach dem Besten für Roma, den stadtrömischen Senat sowie den Kaiser und das Volk von Roma. Dafür stehe ich hier. Dafür trete ich ein. Dafür bitte ich um euer Vertrauen und eure positive Stimme zu meiner Kandidatur für die plebeische Aedilität.", beendete er schlussendlich seine Rede, die gewiss manchen Patrizier wie auch Plebeier erleichtert, manchen aufgebracht hatte und manchen womöglich mit einer Mischung aus beiden Gefühlen zurückließ.

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    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • Überaus gespannt - ein wenig ungeduldig letztlich gar, da auch bei dieser Kandidatur zum Aedilat irrational gefühlt bereits die Hälfte der Kandidaten-Zeit verronnen war, ehedem die Rede überhaupt begann - erwartete Gracchus die Kandidatur des iulischen Senators - nicht nur da jener möglicherweise in Konkurrenz zu seinem Neffen Scato stand, sondern schlichtweg da es die Kandidatur des Iulius Dives war, zu welchem seine Relation stets ein wenig ambivalent war. Bisweilen mochte er seine politischen Vorstöße vollumfänglich sekundieren, bisweilen schienen sie ihm schlichtweg überflüssig und manches mal gar gänzlich widersinnig. Unbestritten indes war stets der Genuss der iulischen Reden, welche wenn auch nicht immer in einer stilistischen Symphonie endeten, so doch zumindest stets in einem wohligen lokutionären Akt. Um so enttäuschter war der Flavier am Ende Dives' heutiger Rede, denn obgleich sie durchaus strukturiert aufgebaut und wohlformuliert war, so schien ein Teil doch aus Gründen zu bestehen weshalb andere zum Aedilat weniger geeignet waren als der Iulier selbst - was dieser wohl kaum nötig hatte zu betonen -, weitere aus gegebenen Voraussetzungen - welche nach der Zulassung zur Wahl schlichtweg unnötig zu erwähnen waren -, augenscheinlichen Rechtfertigungen, oder recht unspektakulären Aspekten seiner Eignung und des Aedilates im Allgemeinen. Im Grunde wusste Gracchus nicht genau, was er hatte erwartet, gleichwohl das Aedilat schlussendlich auch nur mehr oder minder stets das gleiche Amt war, dennoch hatte er auf ein iulisches Wortspektakel spekuliert, welches auch seine letzten Zweifel würde ausräumen. Zum Ende jedoch hinterließ diese Kandidatur ihm nur einen kalten Schauer auf seinem Rücken - denn die Überzeugung, mit welcher Dives sein Bestreben nach dem Besten für Roma, für den Kaiser und das Volk substantiierte, erinnerte Gracchus allzu sehr an jene zerstörerische Verve, welche in bester Intention von einem zum nächsten Augenblicke das ganze Reich in einen Bürgerkrieg zu stürzen vermochte.
    "Senator Iulius, du hast zweifelsohne hinrei'hend expliziert, weshalb du dich als einen der geeignetsten Kandidaten für die Aedilität des kommenden Amtsjahres betrachtest, gleichwohl begründet, dass all dein Be..streben stets nur dem Wohle des Staates gilt. Indes konnte ich deinen Worten nicht entnehmen wie du zu jener Ansicht gelangtest, dass du im Amt des Aedilis Plebis dem Staate besser wirst dienen können als in jenem des Aedilis Curulis - da dir doch ob deiner Initiative wegen gar beide Ämter würden offen stehen. Was also prädestiniert dich mehr zu dem einen als zu dem anderen?"
    Letztendlich mochten es lediglich finanzielle Aspekte sein oder allfällig am Ende doch nur aus Eigennutz ob einer höheren Wahrscheinlichkeit der Wahl - da die bornierten patrizischen Senatoren beinahe unabhängig jeder Eignung zweifelsohne einen der patrizischen Kandidaten im Amt des Curulis würden bevorzugen, während sie für den Plebis wie die übrigen Senatoren auch ihre Stimme unabhängig des Standes verteilten - doch selbstredend stand es Gracchus fern, sich in gedanklichen Spekulationen zu verstricken, mochte er dem Kandidaten lieber Gelegenheit geben nun allfällig noch mit einem überzeugenden Argument zu trumpfen.

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  • Weshalb der Iulier gerade auf Mindestalter und Ehe als formale Voraussetzungen einging, mochten wohl seine vorherigen Fragen an den Candidatus Flavius Scato erklären - Fragen, welche Dives selbstredend im Vorfeld bereits präpariert hatte, und damit Fragen, deren zugehörige Antworten er in Abgrenzung zum Flavier auch überaus bewusst in seine eigene Rede eingeflochten hatte. Im Gegensatz dazu nicht in seine Kandidaturrede integriert hatte der iulische Senator einen expliziten Grund für die Präferenz der plebeischen Aedilität, da er letztlich davon ausging, dass sich die meisten Patrizier wohl ohnehin nur dafür interessieren würden, dass er nicht 'ihre' curulische Aedilität anstrebte, ihnen die Gründe dafür jedoch gleich wären.
    Doch auch seitens der Plebeier, so war ihm durch seinen petilischen Klienten berichtet worden, wurden wohl bereits erste Vorbereitungen für die Ludi Romani getroffen, sodass es dem Iulier nur politisch klug und sinnvoll erschien, im Interesse eines seit langem erstmals wieder plebeischen Aedilis Curulis als geeinte Plebeierschaft aufzutreten. So verzichtete er folglich selbst auf eine Kandidatur zur curulischen Aedilität, um damit die Erfolgsaussichten eines vom Consular Purgitius und seinem Trio Decimus unterstützten mutmaßlich anderen Plebeiers zu erhöhen. Gewiss nicht nur, aber auch aus diesem Grund kämpfte er durchaus entschieden gegen die in seinen Augen schlicht vollkommen verfrühte Bewerbung des Flavius Scato.


    "Ich danke dir für diese Frage, Consular Flavius.", begann der divitische Candidatus zunächst lächelnd, da die Erkundigung doch bedeutete, dass der flavische Consular Gracchus eben nicht zu jenen Patriziern gehörte, die sich nur für ein angenehmes Ergebnis, nicht jedoch auch für die Gründe desselben interessierten. Dennoch konnte der Iulier selbstredend nicht all seine Motive völlig offenlegen. "In der Tat ist es so, dass ich zum Zeitpunkt meiner Initiative zur neuerlichen Öffnung der curulischen Aedilität auch für plebeische Senatoren der Meinung war, dass Plebeier von keinen Ämtern des Cursus Honorum ausgeschlossen und exkludiert gehören. Daran hat sich seither nicht das Geringste geändert.", unterstrich er. "Darüber hinaus versichere ich dir, dass ich mich durchaus auch als einen für die curulische Aedilität formal geeigneten Bewerber betrachte.", hob er ebenfalls hervor. "Jedoch war ich es, der die Ehre hatte, besagte Initiative in den Senat einzubringen, sodass der Anstand gebietet, dass ich nicht dazu auch der erste bin, die Ehre zu haben, von dieser neuerlichen Änderung zu profitieren.", legte er dar und ließ eine größere Pause.


    "Darüber hinaus verwies ich in der Vergangenheit doch nicht selten auf die Tradition und auf traditionelle Werte - zum Beispiel auch im Rahmen meiner Initiative zur neuerlichen Öffnung der curulischen Aedilität auch für plebeische Senatoren.", leitete er anschließend zu einem zweiten Argument über. "In diesem Sinne bin ich bestrebt, auch in meinen persönlichen Entscheidungen die familiäre Tradition stets mit zu berücksichtigen." Dass es nicht immer und ausnahmslos möglich war, jede einzelne Tradition ständig zu wahren, mochte dabei gewiss eine andere Sache sein. "In diesem Fall nun zeigt sich in meinem väterlichen wie mütterlichen Stammbaum, dass die curulische Aedilität noch nie von einem meiner Verwandten bekleidet wurde, während jedoch einige - darunter mein Großvater Octavius Anton - das Volkstribunat bekleideten, andere die plebeische Aedilität ausfüllten.", erklärte der Candidatus und ahnte, dass er damit wohl gleich die nächste Frage aufwarf, sodass er selbige bereits an dieser Stelle schon ebenfalls mit zu beantworten versuchte.
    "Es ist gewiss kein Zufall, dass hierbei alle ehemaligen Volkstribune meiner Verwandtschaft bereits verstorben, mein geschätzter Onkel Octavius Victor und mein lieber Cousin Iulius Centho indes überaus lebendig sind.", kam er der Frage nach einem divitischen Volkstribunat zuvor. "Es ist damit offenkundig, dass es diesbezüglich einen gewissen Umbruch der Tradition in meiner Verwandtschaft gegeben hat - einen Umbruch, dem ich hier und heute offensichtlich treu und loyal zu folgen intendiere, wie ich jedoch auch darüber hinaus meine erwähnten Stärken wohl weit besser in einer Aedilität für Roma einzusetzen vermag, als mir dies im Rahmen eines Volkstribunats möglich wäre."

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  • "Vielen Dank, deine Antwort unterstreicht zweifelsohne deine Eignung zu diesem Amte, Senator Iulius"
    , war der Flavier zu diesem Zeitpunkt bereit zu konzedieren, während er gleichsam noch uneins war, diesen oder einen anderen Kandidaten für das plebeische Aedilat zu unterstützen. Er lehnte sich zurück um das Rederecht frei zu geben, gespannt auf weitere Fragen oder auch Gunstbezeugungen.

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  • Nachdem sich im Anschluss an den flavischen Consular keine weiteren Stimmen zu Worte meldeten, war die divitische Kandidaturrede samt anschließender Gelegenheit für Kommentare, Nachfragen und ähnliches wohl bereits wieder vorbei und ließ den iulischen Quaestorier, der sich nun also wieder auf seinen senatorischen Platz begab, um von dort aus die nächsten Kandidaten sich anzuhören und selbige sodann selbst mit Kommentaren und Nachfragen zu prüfen, in einer unangenehmen Ungewissheit zurück.


    Denn Dives vermochte kaum abschätzen zu können, inwieweit seine Kandidatur 'nur' für die plebeische Aedilität die durch die neuerliche Öffnung der curulischen Aedilität auch für Plebeier gewiss gegen sich aufgebrachten patrizischen Senatoren sich durch diese Geste wieder soweit beruhigen ließen, zumindest nicht gegen den Iulier zu stimmen, wie er andererseits allerdings auch nicht vorherzusagen vermochte, inwiefern exakt diese Geste von den plebeischen Senatoren der Curia nicht als Inkonsequenz betrachtet und in der Folge mit negativen Stimmen bestraft wurde.


    So letztlich blieb Dives bis zum Augenbilck der Wahrheit, da die Wahlstimmen ausgezählt und das Ergebnis bekanntgemacht werden würde, zwar durchaus zuversichtlich, am Ende dieses Prozesses zum Aedil designiert zu werden. Wie knapp oder klar seine Wahl schlussendlich wäre, ahnte er jedoch mitnichten - sodass seine spätere Dankbarkeit und Freude umso größer war, als er erfuhr, dass er zum zweiten Mal über vier Fünftel aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen konnte und damit gar das persönlich beste Resultat bei einer Wahl des stadtrömischen Senats eingefahren hatte.

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