[Amphitheatrum Flavium] Die Zurschaustellung des Usurpators

  • Gaius Flaminius Cilo

    http://www.kulueke.net/pics/ir…/f-roemer-soldaten/34.jpg Sobald man der Leiche des Usurpators Potitus Vescularius Salinators habhaft geworden war, fackelte man nicht lange und bereitete eine möglichst öffentlichkeitswirksame Präsentation des Untergangs des Mannes vor, der den Bürgerkrieg mit verursacht und letztlich mit seinem eigenen Leben bezahlt hatte. Das Kalkül des flaminischen Feldherrn war seiner Natur und Einbettung in die antike Lebenswelt des römischen Reichs entsprechend pragmatisch: man dachte, sobald die Anhänger des Vesculariers, die in Rom für Unfrieden sorgten ihr Wehren aufgeben würden, sobald sie das tote Angesicht ihres Anführers leibhaftig vor Augen sehen würden. Des weiteren konnte dies die Verbreitung von nützlicher Mundpropaganda nur bestärken: Der Vescularier war tot. So richtig tot. Der Bürgerkrieg war entschieden.
    Natürlich würde man Boten in alle Teile des Reichs entsenden um die Nachricht zu verbreiten, aber die Devise war nach wie vor: je mehr Leute es erzählten, desto wahrer wurde es.


    Der Körper des Vesculariers wurde im Amphitheatrum Flavium zur Schau gestellt, was letztlich rein logistische Beweggründe hatte: der Ansturm würde sicherlich gewaltig sein, und hier konnte man noch am sinnvollsten Menschenmassen durchschleusen... immerhin war das riesige Gebäude genau für diesen Zweck errichtet worden. In der Mitte der Arena war schnell ein Podest errichtet worden, auf welchem der Tote auf einem einfachen aber starken Stuhl drapiert worden war, bevor zwei Reihen von Soldaten drumherum Aufstellung nahmen.
    Der Tote selbst war sämtlichen kaiserlichen Ornats beraubt worden und wirkte in einer einfachen Tunika kaum mehr wie ein abgerissener und außerordentlich voluminöser Niemand von den Straßen. Selbst die Haltung, die man dem Toten verpasst hatte war ziemlich unvorteilhaft, der Tote war halb zusammengesunken und blickte aus toten Augen leicht schielend auf jene die vor ihm standen. Damit auch niemand missverstand um wen es sich hier handelte waren einerseits Schilder mit der Aufschrift


    "P. VESCVLARIVS SALINATOR HOSTIS ROMAE"


    angebracht worden, und immer wieder schrien bestellte Leute die Nachricht ob des Todes des Feindes aller Römer, Mörder des Valerianus und Schlächter der Unschuld in die Menge.


    Summa summarum: unrühmlicher konnte das Ende des dicken Kaisers kaum mehr sein.




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  • Macers Kontakte in der Stadt schienen trotz aller Wirren der Belagerung, Erstürmung und Plünderung nicht die schlechtesten zu sein, denn zumindest gefühlt war er einer der ersten, die am Amphitheatrum Flavium eintrafen, nachdem bekannt geworden war, dass dort der Leichnam des Vescuarius Salinator ausgestellt sein sollte. Ein makaberes Schauspiel, wenn man so wollte, aber immer noch würdevoller, als ihn durch die Straßen bis zum Tiber zu schleifen und dort zu entsorgen, wie es in anderen Bürgerkriegen schon vorgekommen war. Macer rechnete den Siegern den Verzicht auf derartiges durchaus hoch an und war aus einer seltsamen Neugier heraus hier erschienen. Gesehen hatte er den ehemaligen Herrscher schon oft genug, dass er nicht ausgerechnet jetzt noch eine letzte Chance nutzen musste. Dass er tot ist, wenn es öffentlich verkündet wird, wollte er angesichts der allgemeinen Lage in der Stadt auch nicht ernsthaft in Zweifel ziehen, so dass auch dafür eine persönliche Begutachtung der Leiche notwendig gewesen wäre. Und trotzdem war er hier, schob sich mit anderen hinein in die Arena und warf einen Blick auf den leblosen Körper. Folgen massiver Gewalteinwirkung konnte er nicht erkennen, wobei die Tunika ja auch einiges verdeckte und es wohl nicht einmal aufgefallen wäre, wenn dem Körper ein paar Eingeweide fehlten. Von daher war es wohl genau diese Frage gewesen, die Macer hierher getrieben hatte, und die er jetzt noch nicht zufriedenstellend beantwortet fand. Daher fragte er einen der Soldaten, der dort herumstand: "Wie ist er gestorben?"

  • Hatte Vala zwar schon einen Blick auf den toten Vescularier werfen können, als dieser frisch aus seinem Palast geschlüpft war, war er dennoch hergekommen um hautnah mitzuerleben wie Rom von diesem Mann Abschied nahm. Die Diskussion, was man jetzt mit dem Kerl anfing, war hitzig gewesen... und Vala selbst ein Verfechter jener Position, die dem Vescularier ein noch demonstrativeres Ende zudachte. Dass sie sich letztenendes nicht durchgesetzt hatten lag vor allem daran, dass es ihnen formal eigentlich egal sein konnte: hauptsache Rom und das Reich bekamen mit, dass der Vescularier tot war und seine Fraktion damit keine Spitze mehr hatte. Man würde sich noch um den Marier kümmern müssen, der immernoch im recht hochgerüsteten Balkan saß und verdächtigerweise noch nichts von sich hatte hören lassen. Der Rest des Reichs hatte die Füße still gehalten... und würde es wohl auch weiterhin.


    Die Hoffnungen, die die Rebellen im Zusammenhang mit dem Tod und der Zurschaustellung des Vescularius hegten, war nicht zu groß einzuschätzen: man hoffte, dass Thema würde sich von allein erledigen. Oder zumindest stellenweise. Hauptsache IRGENDEIN Effekt, der zur Verkürzung des Konflikts im Reich beitrug. Und eigentlich war es auch nicht der tote Mann, sondern eben die Reaktion der Römer auf den toten Kaiser, die Vala hier und heute interessierte... und ihn unbekümmert auf seinem Pferd hockend von oben herab durch die Menge streifen ließ, mit der einen Hand die Zügel locker haltend, mit der anderen einen Apfel. Seinen Helm hatte er im nahen Palast gelassen, in welchen das Kommando des bisweilen ziemlich geschrumpften Heeres mittlerweile umgezogen war, ebenso wie seine Rüstung. Nur in die Soldatentunika gehüllt war alles, was darauf schließen ließ es hier mit einem der wichtigeren Protagonisten der nördlicheren Rebellion zu tun zu haben, die Tatsache, dass keiner der Soldaten, die überall verstreut und besonders um den Toten postiert standen, Anstalten machten ihn von hier zu vertreiben.
    "Die Götter haben diesen Mann verdammt, und ihm das Leben genommen..", sprach er vieldeutig wie nichtssagend auf die Frage aus der Menge, immerhin wussten sie selbst keine Antwort auf die Frage. Autopsien waren zwar der Trend der Zukunft, allerdings noch lange nicht angesagt, und eine genauere Examinierung durch einen Medicus oder anderes Mediziner-Gesocks hatte man wohlweißlich vermieden um genau diese Nachricht verbreiten zu können: kein Gift, keine Gewalt, kein garnix hatte diesen Mann dahingerafft. Die Götter waren es gewesen. Opium für's Volk! Besser ging's doch garnicht... und für die, die es doch nicht verstanden: "Niemand hat ihn angerührt."

  • Endlich konnte man (und insbesondere Frau) in Rom sein Haus wieder verlassen! Und nicht nur das. Nein, es wurde auch gleich noch etwas geboten! Die Zurschaustellung des Usurpators hatte sich ziemlich schnell in der Stadt herumgesprochen. Deswegen hatte sich natürlich auch Diademata herausgeputzt und stand nun in der Reihe der schaulustigen Bürger. Und wartete darauf, dass sich die Schlange langsam vorwärts bewegte. Sie hatte ihren Sklaven Tarik dabei, denn alleine traute sie sich trotz allem noch nicht aus dem Haus. Auch wenn es überall hieß jetzt wäre wieder alles gut (das sagten Eltern auch immer kurz bevor es schlimm wurde).


    Nach dem langen Darben und der scheinbar endlosen Zeit ohne gesellschaftliche Anlässe genoss es die Iunia sogar in der Schlange zu stehen. In der es nicht allzu schnell voran ging. Jeder wollte den Salinator natürlich ganz genau betrachten und seinen Kommentar abgeben. Und schließlich hatte ja auch jeder ein Recht drauf. Staatsfeinde waren schon immer Volkseigentum (oder so ähnlich).


    Und dann stand sie endlich vor ihm.
    Wahnsinn!
    Eklig war der Anblick irgendwie. Aber wie die Motte vom Licht und die Made vom Speck wurde Diademata von der Sensation angezogen. So rümpfte sie nur die Nase, starrte aber mit großen Augen weiter auf den Leichnam.
    Fett war er ja schon. Ziemlich fett sogar. So fett hatte er von weitem gar nicht ausgeschaut. Aber Diademata war ja auch nie so nah an ihn herangekommen. Daran musste sie noch etwas ändern. An den nächsten Kaiser würde sie so nahe herankommen wollen solange er noch lebte. Und noch wichtig war.


    "Wahnsinn!" entfuhr es ihr leise auf die Erklärung zur Todesursache. Sie hatte noch nie jemanden getroffen, dem die Götter persönlich das Leben genommen hatten.
    "Kein Wunder, so wie der aussieht stellen sich die Götter bestimmt keinen römischen Kaiser vor!"
    Und das war schließlich ein Ausschlusskriterium für eine Karriere als Kaiser. Denn bisher hatten schließlich alle Kaiser wie Kaiser ausgesehen (zumindest den Statuen nach zu schließen). Außerdem musste man auch im Hinterkopf behalten, dass ein Kaiser nach dem Tod zum Gott wurde. Also noch mehr Grund für die Götter genauer hinzuschauen.

  • Einigermaßen beeindruckt schürzte Macer die Unterlippe nach vorne und nickte langsam und bedächtig, als die Todesursache genannt wurde. Bei allem Aberglauben und dem Wunsch, das Wirken der Götter gerade hier zu sehen, um Klarheit über Gut und Böse zu haben, war ihm völlig bewusst, dass diese Antwort zunächst einmal wohl nur sagte, dass man den Mann tot gefunden hatte und keiner wusste, was mit ihm passiert war. Und dass unter der Tunika wohl kein großes Loch klaffte. Praktischerweise gingen die Sieger damit auch noch dem Vorwurf aus dem Weg, sie hätten den Kaiser umgebracht. Juristisch hätte man aus letzterem sicher mehr machen können, aber für die reibungslose Machtübernahme durch den kommenden Kaiser war es so ganz sicher praktischer.


    Damit war dann nun aber auch schon Macers Neugier auf unspektakuläre Weise erfüllt und da er nicht dazu neigte, nun wilde Spekulationen über die wahre Todesursache anzustellen und im übrigen mit einem göttlichen Urteil durchaus leben konnte, gab es nur noch wenig, was ihn weiter hier hielt. Also schob er sich langsam weiter, um Platz zu machen für andere, die ebenfalls einen Blick auf den Leichnahm werfen wollten.

  • Als Lepidus von der Zurschaustellung des Salinator hörte, rieb er sich genüsslich die Hände. Sofort hatte er alles stehen und liegen gelassen und sich zu seiner Schwester, Tiberia Lucia, begeben und ihr die Nachricht mitgeteilt. Gemeinsam brachen die beiden auf in Richtung des Amphitheatrum Flavium, um sich gänzlich vom Tode des Tyrannen zu überzeugen und besonders Lepidus wollte sich in dessen erbärmlichen Anblick weiden. Natürlich war es ein besonderer Akt, wobei es immer für Verstimmung sorgte, wenn Römer einander so etwas antaten. Doch gerade Lepidus hatte keinen Grund hier ein Gefühl von Mitleid zu entwickeln.


    Dort angekommen sah er bereits eine Reihe von Bürgern, die teils mit freudiger, aber auch mit nachdenklicher Miene den kümmerlichen Leichnam betrachteten, der völlig würdelos und dem nicht einmal im Ansatz noch etwas Kaiserliches anhaftete. Schon von weitem stieg dem Tiberier Zufriedenheit ins Gesicht. Ein letztes Mal sollte ihm noch die Erinnerungen kommen. Die Erinnerungen an seinen verstorbenen Cousin, Tiberius Durus, für dessen Tod der Ursurpator so verantwortlich war, wie für den Tod des Valerianus selbst. Dann die persönlichen Schmähungen, die er erlitt, indem Salinator und die Salinatortreuen im Cultus Deorum seinen Aufstieg verhinderten. Ja, was musste der Tiberier nicht alles erleiden und das nur wegen dieser unrechten Herrschaft.


    Auch Lepidus hatte die Worte des Reiters vernommen, der (in Lepidus Ohren) so bedeutend verkündete, dass die Götter dem Mann das Leben ausgehaucht hätten. Lepidus, der dazu auch noch in seiner weißen Kluft erschienen war, die er auch stets als Aedituus im Tempel trug, konnte dies nur für absolut wahr ansehen. "So ist es: In Staub mit allen Feinden der Götter!", stieß er aus in einem Ton, der nur Abscheu für den Verstorbenen übrig hatte und in Lucias Richtung gewendet war, auch wenn die Lautstärke durch die Emotionen des Tiberiers etwas lauter war. Im allgemeinen Gemurmel ging dies aber ohnehin leicht unter, denn er war sicher nicht der einzige, der seine Abscheu kundtat oder seinem Erstaunen über diesen Vorgang Ausdruck verlieh.


    So auch die junge Frau namens Iunia Diademata, die unmittelbar vor Lepidus und Lucia stand. Sie sprach wohl etwas leise vor sich hin, was der Tiberier aber nicht verstehen konnte. Er erkannte jedoch diejenige wieder, mit der er bei der letzten öffentlichen Rede des tote Ursurpators gespochen hatte. Sie stützte sich noch auf die Tapferkeit der Männer, die Rom und Salinator beschützen sollten. Doch die tapferen Männer entpuppten sich als Hasenfüße, die freiwillig die Tore öffneten. Aber immerhin schien die die Frau die nachfolgenden Unruhen überlebt zu haben, wie er es ihr einst gewünscht hatte. Er wandte sich zu ihr und spielte auf die frühere Unterhaltung an: "Wie du siehst: Sein Ende nahte und es kam." Währenddessen wandte Lepidus seinen Blick erneut auf Salinator. Hoffentlich wird man ihn bald vergessen - dieses unrühmliche Kapitel in der römischen Geschichte.

  • Ziemlich zufrieden mit sich und der Welt biss Vala geräuschvoll in seinen Apfel, während um ihn herum die Bekanntgabe der unbekannten und daher wohl göttlichen Todesursache ihr Echo fand. Die einen gaben sich erfüllt von blankem Erstaunen, die anderen von blanker Wut, und alle zusammen nahmen sie die Erklärung auf wie ein trockener Schwamm: ein absoluter Selbstläufer.
    Vala selbst, immernoch auf seinem Gaul hockend, schenkte dem toten Kaiser kaum mehr Beachtung, hatte er sich doch vorher schon im exklusiveren Kreis mit dem Toten auseinandersetzen dürfen. Die Erkenntnisse dessen unterstrichen letztlich, was er schon im Konflikt mit dem Decimus und vielen anderen Ehrhanseln zuvor postuliert hatte: am Ende zählte, wer noch auf Füßen stand. Und das tat der hier offensichtlich nicht, egal wie ehrselig und gerecht seine Sache gewesen war. Nein, ganz und garnicht: Valas Sache, also die Sache derer, die um jeden Preis überleben wollten, hatte wieder einmal gesiegt.
    Wenn das kein Grund zur Freude war?


    Als wollte er den Gedanken lautmalerisch mit fehlender Bekümmerung ob des Toten unterstreichen, biss Vala ein letztes Mal kräftig in den Apfel, um den Rest mit einer spielerisch leichten Bewegung aus dem Arm an die Stirn des toten Mannes zu schleudern... wo der Apfel mit einem dumpfen Pochen abprallte und im Schoß des ehemaligen Kaisers von Rom liegen blieb.
    Und als wäre es ein Signal gewesen flogen nun andere Gegenstände aus der Menschenmasse auf den Kadaver zu, vieles davon einfach nur Unrat einer nicht mit Kühlschränken ausgestatteten Zivilisation, aber auch andere offensichtlich eigens herbeigeschafften und bisher für den richtigen Moment zurückgehaltenen Dinge flogen herbei und fanden meist auf dem Podest, oft genug aber auch am toten Vescularier ihr Ziel.

  • Der Leichnam von Salinator würde also vorgeführt werden. Lucia wusste nicht so recht was sie davon halten sollte. Der Mann hatte ihrer Familie großes – eigentlich kaum wieder gut zu machendes – Unrecht getan, also müsste sie sich wohl freuen… Doch es hatte einen faden Beigeschmack. Ihre Neugierde war dann aber doch groß genug, dass sie unbedingt mitwollte. Immerhin hatte sie diesen Mann noch nie von Angesicht zu Angesicht gesehen und sie wollte dem großen Feind schon gerne ein Gesicht geben, das sie nicht nur von Münzen her kannte.


    Da die nicht ganz so große Lucia ohnehin keine Möglichkeit hatte über die Menge hinwegzublicken, betrachtete sie lieber das Minenspiel ihres Bruders. Lucius schien mehr als glücklich zu sein, schon als sie das Amphithaetrum betraten zeigte sein Gesicht nichts als Zufriedenheit. Sie näherten sich dem Leichnam und Lucias unwohles Gefühl nahm mit jedem Schritt zu. Da war sie für jede Ablenkung dankbar und der Reiter mit seinem Kommentar stellte eine solche dar. Mit großen Augen blickte die junge Tiberia zu dem Mann auf und zuckte im nächsten Moment erschrocken zusammen, als Lucius so in ihre Richtung brüllte. Sie nickte bestätigend und schaffte es sogar ein Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern.


    Dann trat ein Mann vor ihnen beiseite und Lucia konnte einen ersten, unverstellten Blick auf den Usurpator werfen. Um es kurz zu machen, sie war enttäuscht. Sie hatte einen Mann erwartet, dem man all seine Missetaten und die Gräuel ansah, doch dort hockte ein dicker, alter Mann, der mit schielenden, toten Augen in die Welt blickte. Lucia hob eine Hand vor Mund und Nase, hin- und hergerissen zwischen Ekel ob des Leichnams und Faszination ob dem Ende des ehemals großen Mannes.
    Ihr Staunen wurde von einem abgenagten Apfel unterbrochen, der dem Toten an den Kopf geworfen wurde. Die Finger vor ihrem Mund versteiften sich mit leichtem Entsetzen und dann folgte ein wahrer Hagelschauer von Dingen, nicht alle waren so gut gezielt wie der Apfel zu Beginn. Zum Glück war da noch der Doppelte Kreis an Soldaten um den Podest, die wohl die größte Gefahr liefen etwas abzubekommen. Lucia ließ die Hand sinken und den Blick schweifen so gut es ging. Sie blieb dabei an so manchen Gesichtern hängen, auch an dem des Reiters und die meisten schienen mehr als zufrieden mit dem momentanen Geschehen zu sein. Da verdrängte Lucia das komische Gefühl doch lieber und versuchte ebenfalls freudig dreinzuschauen.

  • Zitat

    Original von Lucius Tiberius Lepidus
    ... Er wandte sich zu ihr und spielte auf die frühere Unterhaltung an: "Wie du siehst: Sein Ende nahte und es kam." Währenddessen wandte Lepidus seinen Blick erneut auf Salinator. Hoffentlich wird man ihn bald vergessen - dieses unrühmliche Kapitel in der römischen Geschichte.


    Diademata blickte in das Gesicht des Tiberiers und ein Lächeln erschien auf ihrem. Es war das erste erfreute Lächeln seit langer Zeit (abgesehen von einigen eher verzweifelten kleinen Lächel-Versuchen während der Belagerung). Sie hatte keine Ahnung wer er war, aber ihn nach dem Einmarsch der Befreier lebend wiederzusehen gab ihr irgendwie das Gefühl, dass jetzt vielleicht doch alles gut war. Und dass nicht zwangsläufig alle Menschen die sie in Rom bisher getroffen hatte tot waren.


    "Ja, die Wette hättest du gewonnen," musste die Iunia zugeben ohne dass es ihr Leid getan hätte. "Ich hoffe nur die Götter schicken uns dann jetzt auch den richtigen Kaiser. Und falls nicht, dann hoffe ich, dass der Senat es das nächste Mal merkt wenn der falsche Kaiser auf dem Thron sitzt."
    Doch, ein bisschen Unzufriedenheit war da schon heraus zu hören.


    Dann musste sie schmunzeln. "Männer wie dich bräuchte es im Senat. Vielleicht denkst du mal darüber nach, es müssten ja jetzt einige Plätze frei sein."


    Auf einmal flogen Dinge über sie auf den Salinator zu. Die Iunia bedauerte, dass sie nichts dabei hatte. Aber eigentlich wäre es sowieso nur verschwendet. Dieser Kerl war nicht einmal mehr einen faulen Apfel wert. (Trotzdem hätte sie ihm gerne etwas an den Kopf geworfen. Mit aller Kraft. Und mit der ganzen Wut über Senecas und Avianus Schicksal).

  • Die nun sich zahlreich über und auf die die Leiche fliegenden Wurfgeschosse machten das ganze natürlich noch mehr zu einer Unterhaltungsveranstaltung, als es für den Tiberier ohnehin war. Er selbst begnügte sich mit dem Anblick, ohne selbst Teil der Werfermassen zu werden.


    Seine alte Bekannte ließ nun auch mit ihren Worten verlauten, dass sie wohlauf war. Und sie legte einen erstaunlichen Opportunismus an den Tag. Zwar konnte er sich nicht mehr im Einzelnen an all das erinnern, über was sie damals sprachen, aber er hatte es wesentlich Salinatorfreundlicher in Erinnerung als ihre jetzige Hoffnung auf einen neuen Gesandten der Götter. Doch genau das gefiel dem Tiberier, der selbst in den meisten Fällen zum Opportunismus neigte und die Prinzipientreuen belächelte. Was hat man schließlich noch von Prinzipien, wenn man tot war?


    "Ich denke, dass nun der richtige Kaiser genannt werden wird und ich denke weiter, dass wir nach all dem Krieg nun eine neue Ära des Friedens erhalten werden. Hoffen wir, dass die Götter es so wollen." Lepidus fühlte sich darüber hinaus zutiefst geschmeichelt, von der Aussage, dass Männer wie er in den Senat kommen sollten. Ach, da fühlte sich der Tiberier gleich 10 Meter groß. Er musste wirklich aufpassen, dass er nicht seine eigene viel zu vermessene Überheblichkeit an den Tag legte und schaffte es dann im letzten kleinen Gedankengang immerhin noch eine bescheidene Aussage zu tätigen: "Ein Platz im Senat würde mich natürlich ehren, doch der Weg dorthin ist bekanntlich steinig und lang. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Da fällt mir ein, dass wir uns bedauerlicherweise nie richtig vorgestellt haben: Ich bin Lucius Tiberius Lepidus und dies hier zu meiner Seite ist meine Schwester Tiberia Lucia. Wie lautet dein Name?" Lepidus war schon gespannt, wer nun diese Frau eigentlich war, die ihm nun schon wiederholt über den Weg gelaufen war. Gleichsam blickte er auf seine Schwester, die hier vielleicht ebenso nette Kontakte knüpfen könnte, auf das sie ihren Weg in die Gesellschaft finden würde, wo sie doch erst vor kurzem in Rom eingetroffen ist.

  • Ihr Bruder schien jemanden gefunden zu haben, den er schon früher getroffen hatte. Neugierig und nur allzu bereitwillig ließ sich Lucia von dem fliegenden Unrat ablenken und beäugte dafür die blonde Frau. Sie schien ähnlich alt zu sein wie Lucia selbst, vielleicht etwas jünger, aber so genau konnte man das ohnehin nie einschätzen. In jedem Fall mochte Lucia die elegante Aufmachung der Fremden und ihre Musterung wurde mit einem freundlichen Lächeln beendet.


    Ihr Bruder und die Frau wechselten zunächst ein paar Worte, die für Lucia keinen Sinn ergaben und kamen dann auch sogleich auf die hohe Politik zu sprechen. Ihr Bruder Senator? Der Gedanke hatte etwas Verlockendes und auch Lepidus schien die Idee zu gefallen. Dem Kerl konnte man aber auch zu leicht schmeicheln, auch wenn seine Worte das nicht allzu deutlich preisgaben.


    Und dann kam doch allen Ernstes heraus, dass die beiden sich noch nicht mal namentlich kannten!? Lucia hob überrascht die Augenbrauen, da würde sie später wohl mal nachhaken müssen! Doch jetzt folgte erst einmal die offensichtlich längst überfällige Vorstellung und Lucia lächelte die Frau einnehmend an. „Salve! Freut mich, deine Bekanntschaft zu machen!“

  • Auch Silanus lies es sich nicht nehmen ins Amphitheater zu gehen und den toten Kaiser anzusehen. Wann hatten schon Leute wie er jemals die Chance dazu einen Kaiser zu sehen, auch wenn es wie in diesem Fall nur ein toter fetter Mann war, der vom Großteil der hier anwesenden Personen wohl gehasst wurde.
    Silanus sah das ein wenig anders. Er befürwortete eher die Haltung dieses Mannes! Waren es doch Tyrannen wie Salinator welche Silanus´s Geschäft maßgeblich ankurbelten. Die Proskriptionslisten waren für Leute wie Silanus ein wahrer Segen da Tyrannen immer Feinde in Hülle und Fülle hatten.


    Er war in der Schlange der Leute, welche einen Blick auf den Leichnahm werfen wollten und als er nun an der Reihe war blieb er kurz stehen und betrachtete das fette etwas, was anscheinend mal der Kaiser des römischen Imperiums war.
    Silanus verschränkte seine Arme und betrachtete eine Weile den Toten.
    DAS ist er also? murmelte er mehr zu sich als zu jemanden anderes, denn er war wirkich erstaunt, dass dieser Mann anscheinend ein ganzes Reich tyrannisiert hatte.
    Innerlich seufzte Silanus aber ein wenig, da er es verpasst hatte in der Zeit in Rom gewesen zu sein, als dieser Fettwanst am Zenit seiner Macht war. Wieviel Geld er wohl da verdient hätte. Schade, denn was er bis jetzt von diesem Cornelier gehört hatte gefiel ihm ganz und gar nicht! Dieser war zu nett! Er gewährte jedem Amnestie der sie haben wollte. Das war schon in Syrien so und was er in Italia bis jetzt gemacht hatte war Silanus auch viel zu friedlich gewesen. Keine Proskription, keine Machtdemonstration kein garnichts!
    Im Grunde war es Silanus egal wer regierte für die Leute seines Standes taten sowieso die wenigsten etwas, aber innerlich trauerte er diesem Salinator doch ein wenig nach, es wäre sicher interessanter gewesen, hätte er noch ein wenig durchgehalten....

  • Mit größter Genugtuung beobachtete Vala, wie die Leiche des Usurpators und verhinderten Kaisers einen Schauer der Entrüstung und Wut des Pöbels abbekam, und er hätte sich wohl noch länger an der Szene ergötzt, wenn sich hinter ihm nicht eine Stimme meldete: "Tribunus Duccius! Tribunus Duccius!" Erst die Augen verdrehend ließ der germanische Tribun der achten Legion seufzend den Kopf hängen, bevor er sich im Sattel umwandte und dem Soldaten entgegenschaute der sich gerade seinen Weg durch die Menge bahnte um zu ihm zu gelangen: "Tribunus!"
    "Ich bin nicht taub, was gibt's?", murrte Vala, sich äußerst in seiner (ohnehin schon spärlichen) Freizeit gestört fühlend.
    "Aegyptus! Feldherr Flaminius will die Aegyptus-Frage klären.", jappste der Bote in Blech als er schließlich neben dem Reittier des Duccius zu stehen kam.
    "Schrei's noch lauter, damit es auch ja jeder mitbekommt... und sowieso: Na, und? Was hab ich damit zu tun?", nölte Vala, der gerade nicht unbedingt die notwendige, der Situation entsprechende Motivation aufbringen konnte.
    "Du... du warst dabei, Tribunus.", erwiderte der Bote unsicher auf der Stelle tretend, und schob zur Sicherheit noch ein "Direkter Befehl des Legatus Flaminius, Tribunus."
    "Ach... ein Befehl...", seufzte Vala und gab schließlich auf, indem er locker an den Zügeln zog und sein Reittier in der Menge wenden ließ, "...wenn das so ist, wollen wir ihn nicht warten lassen."
    Sprach's, und zwinkerte zum Abschluss noch einer unbekannten Hübschheit zu, bevor er sich mit dem Boten im Schlepptau von Dannen machte.

  • Diademata widersprach dem Tiberier natürlich nicht. Der richtige Kaiser und eine Ära des Friedens hörte sich einfach zu gut an. Die Iunia glaubte gerne Dinge die sich gut anhörten. Ganz so naiv war sie zwar nicht (nur ein bisschen), aber bei Dingen von denen sie keine Ahnung hatte musste sie schließlich irgendetwas glauben, das irgendwer sagte. Warum also nicht auch das?


    Dann holte ihr Bekannter (der ihr bisher ja tatsächlich gar nicht so bekannt war) seine Vorstellung nach.
    Tiberius? Wow, ob der mit Tiberius Durus verwandt ist? Das ist ja ein starkes Stück!
    Denn wenn er sich damals bei der Volksversammlung vorgestellt hätte, dann hätte Diademata vermutlich die Nase gerümpft. Aber heute war alles anders. Auch wenn sie keine Ahnung hatte was Cornelius Palma von den Tiberiern hielt, heute zählte: der Feind meines Feindes ist mein Freund. Der Feind war ganz eindeutig Vescularius Salinator und dessen Feind der Tiberius. Eine ganz simple Rechnung. Wenn Tiberius Lepidus also mit Tiberius Durus verwandt war, dann wäre seine Bekanntschaft vielleicht sogar ein echter Glücksgriff. Wenn nicht, dann war er immer noch irgendein Tiberius und ein paar Kontakte zum alten Adel konnten ja nicht schaden. Es war doch wirklich fantastisch wie das Schicksal manchmal dem eigenen Glück nach half.


    Ob er wohl verheiratet ist? Hat nicht Purgitius Macer eine Tiberia geheiratet? Dann kommen Verbindungen außerhalb der Patrizierfamilien für die Tiberier anscheinend in Frage. Schlecht sieht er ja nicht aus.
    Eigentlich sah er sogar recht gut aus. Vielleicht sogar wirklich wie ein junger, aufstrebender Politiker. Diadematas Lächeln wuchs in die Breite. Ja, die Krise war vorbei und die wirklich wichtigen Dinge des Lebens rückten wieder in den Fokus.
    Ich muss unbedingt herausfinden, ob er verheiratet ist!


    "Ich bin Iunia Diademata," stellte sie sich also ebenfalls vor und lächelte dann auch seiner Schwester zu.
    "Es freut mich ebenfalls deine Bekanntschaft zu machen. Es wird wirklich Zeit, dass Rom wieder in Frieden versinkt. Frauen wie wir sollten eigentlich andere Veranstaltungen besuchen als die Zurschaustellung eines Staatsfeindes."
    Hochzeitsfeste! Am besten unsere eigenen!
    Ob sie wohl verheiratet war? Diademata musste neidlos zugeben, dass die Tiberia eine sehr elegante Person war. Dann keimte doch etwas Neid in ihr auf, denn der Tiberius hatte bestimmt längst für eine passende Verbindung für seine Schwester gesorgt. Wahrscheinlich war sie einem Senator versprochen. Oder zumindest einem hohen Beamten. Oder etwas ähnliches.


    Kurz wurde die Iunia abgelenkt von dem lauten Gebrüll eines Soldaten. Ein Wort war dabei wie ein Stichwort für Diademata: Tribunus! Ihr Blick folgte dem Wort und suchte nach dem Angesprochenen. Ein Tribun, das wäre auch etwas! Natürlich, der Reiter war es. Und Diadematas Freude nahm ein bisschen ab. Wie ein Tribun sah der nicht gerade aus (bis auf das Pferd). Aber? Hatte er ihr etwa zugezwinkert? Letzten Endes war es ja gar nicht so wichtig, ob er wie ein Tribun aussah. Wenn er einer war dann war er einer und das würde Diademata reichen (natürlich mit der Aussicht, dass er irgendwann Legatus Legionis werden würde).


    Sie löste ihre Aufmerksamkeit von dem Reiter (Reiter, Ritter, Retter...) und führte das Gespräch mit den tiberischen Geschwistern fort.
    "Ich hoffe sehr, dass das gesellschaftliche Leben bald wieder richtig in Gang kommt. Auch wenn noch einige Trümmer beseitigt werden müssen ist es doch wichtig, dass wir nicht vergessen wer wir sind und was unsere Kultur ausmacht!"
    Nämlich Verlobungen, Hochzeiten, Wagenrennen, Gastmähler, Gladiatorenspiele, Gartenfeiern, Theaterstücke, und natürlich noch mehr Verlobungen und Hochzeiten (ganz besonders die eigene)!

  • Iunia Diademata war also ihr Name. Zweifellos ein klangvoller Name, doch konnte sich Lepidus bei weitem nicht daran erinnern, dass ein Iunia in der letzten Zeit irgendetwas Großes vollbracht hätte. Sie zehrten wohl noch sehr von ihrem historischen Erbe. "Auch ich könnte wieder einmal etwas Abwechslung gebrauchen. Das ganze Gerede von Krieg hat mich sehr müde gemacht. So gut wie überall wird man damit konfrontiert." Von daher konnte der Tiberier nur beipflichten. "Mit etwas Glück, werden wir uns bald wieder der Vielseitigkeit des Lebens widmen können."


    Auch Lepidus hatte den Tribun bemerkt, schon seit er mit seinem Apfel das große Werfen auf die Leiche des Vescularier einleitete. Nun verließ er den Ort des Geschehens, nicht ohne in ihre Richtung zu sehen. Offensichtlich hatte er eine der Damen näher betrachtet und dann zwinkerte er auch noch. Welche hatte er wohl gemeint? Lepidus hatte es nicht klar identifizieren können, nutzt aber die Chance, um gleich beiden auf einmal ein Kompliment zu machen. "Eine hübsche Dame vermag es wohl leicht die Blicke auf sich zu ziehen." Welche der beiden gemeint war, blieb im Unklaren, er blickte dem Reiter hinterher, während er das sagte. Nichtsdestotrotz konnten sich sowohl die Iunierin, als auch Lucia einbilden, gemeint gewesen zu sein. Nunja, hoffentlich würde keine von ihnen dazu noch etwas sagen, sonst wäre Lepidus wohl schnell in der Bredouille und die beiden würden sich vielleicht mit Neid beäugen, bevor sie sich überhaupt kennengelernt hatten. Deshalb bemühte sich Lepidus schnell wieder etwas anderes zu sagen und schnell ein völlig bedeutungsloses Tratsch-Thema anzuschneiden, wo sie doch gerade schon von gesellschaftlichen Leben und Nachkriegszeit sprachen. "Schön wäre es ja, wenn der neue Kaiser zur Feier des Friedens wieder für eine lange Zeit der Spiele sorgt. Das sollte dem Kaiser auch gleich die nötige Beliebtheit im Volk sichern. Ich kann mich auch kaum noch an mein letztes Wagenrennen erinnern... Vielleicht könnte ich in der Friedenszeit sogar einen Rennstall finanziell unterstützen? Was meint ihr, welche Factio meine Unterstützung verdient hätte?" Mit der Fachkenntnis der Frauen rechnete er jetzt zwar nicht, aber vielleicht gab es ja eine Überraschung. Auch das Interesse seiner eigenen Schwester konnte er nicht wirklich gut einschätzen, sie hatten sich einfach schon viel zu lange nicht mehr gesehen. Zumindest verbal begann wohl immerhin wieder das normale Leben, auch wenn eine gammlige Usurpator-Leiche das Ganze noch untermalte.

  • Eine Iunia also. Lucia war einigermaßen beeindruckt, genug um einer freundschaftlichen Beziehung zu der Frau eine Chance zu geben. „Wie recht du doch hast!“, stimmte nach Lepidus auch Lucia ihren Worten aus vollstem Herzen zu. Sie wollte eben schon andeuten, dass man doch etwas gemeinsam unternehmen könnte, als auch ihre Aufmerksamkeit durch die Rufe nach einem Tribunus Duccius abgelenkt wurde.


    Schon vorhin hatte Lucia den Reiter gemustert, doch jetzt wiederholte sie die Prozedur mit völlig neuem Interesse. Der Mann war nicht grade ein eleganter Kavalier, das hatte allein schon der Wurf des Apfels gezeigt, auch sah er nicht aus wie ein besonders vornehmer Herr, aber offensichtlich war er Tribun und dafür noch jung und ansehnlich! Zu dumm dass er augenscheinlich wegbefohlen wurde… Lucia wollte ihren Blick schon wieder abwenden, da zwinkerte der Mann doch tatsächlich in ihre Richtung! Die junge Tiberia war empört und geschmeichelt zugleich. Eine Unverschämtheit, aber eine verzeihbare… Ihre Mundwinkel zuckten. Dass dieses Zwinkern auch der Iunia hier an ihrer Seite gegolten haben könnte, darauf kam die doch recht eingebildete und egozentrische Lucia nicht einmal, weshalb sie bei Lepidus Worten schon wieder zwischen zwei Gefühlen hin- und hergerissen wurde: Ein freudiger Stolz über das Kompliment und verschreckter Scham, weil sogar ihr Bruder die kleine Geste mitbekommen zu haben schien.


    Da kam ihr der Themenwechsel grade recht, auch wenn sie selbst keine große Ahnung von den einen Factiones hatte. „Das ist eine wunderbare Idee! Ich würde nur zu gerne mal wieder ein Rennen sehen, auch wenn ich durch meine lange Abwesenheit leider überhaupt keine Ahnung habe, welche Factio momentan zu den Favoriten gehört.“, gab Lucia freimütig zu.

  • Auch Diademata nickte begeistert. "Oh ja, Wagenrennen wären wundervoll! Und als Factio kommt natürlich nur die Purpurea in Frage, denn es gibt keine bessere! Sie haben die schnellsten und stärksten Pferde, die geschicktesten und bestaussehenden Wagenlenker und die schönsten Wägen!" Zumindest in Baiae war das so und manchmal kamen dorthin schließlich auch die berühmten Aurigae aus Rom.


    Irgendwie fühlte sich die Iunia durch das Gespräch an etwas erinnert. Fast wie ein Déjà-vu. Und dann fiel es ihr wieder ein: Aulus Avianus! Mit ihm hatte sie doch zu den nächsten Rennen gehen wollen! Ihn hatte sie doch von der Purpurea überzeugen wollen! Der Gedanke daran ließ alle gute Laune verfliegen. Sie hasste diesen blöden Vescularius! Sie hasste diesen blöden Krieg auch wenn er jetzt vorbei war (oder weil er jetzt vorbei und endgültig geschehen war). Wie sollte sie denn jemals wieder unbeschwert zu Wagenrennen gehen wenn sie dann jedes Mal an Avianus denken musste?


    "Ich glaube, ich muss jetzt wieder nach Hause. Von diesem Fettsack ist vermutlich bald sowieso nichts mehr übrig." Und was würde es nützen? Nichts. Der Fettsack wäre weg, aber Avianus deswegen auch nicht wieder da. Und Seneca auch nicht.


    "Es hat mich gefreut, dich wiederzusehen, Tiberius, und dich kennen zu lernen, Tiberia. Und ich bin sicher, irgendwo treffen wir uns bald wieder."
    Jetzt nur nicht anfangen zu heulen!
    "Jetzt, wo das Leben in Rom wieder richtig losgeht!" Sie versuchte es unbeschwert klingen zu lassen, aber irgendwie wollte es nicht klappen.
    "Valete!"


    Jetzt nur schnell durch die Menge. Nicht, dass noch irgendwer dachte sie würde um den Dicken weinen!

  • Zunächst schien Iunia regelrecht begeistert von der Themenwahl zu sein; die Purpurea war also ihre erste Wahl. Die Begeisterung sprang förmlich auf Lucia über und ein Strahlen machte sich auch auf ihrem Gesicht breit. Sie nahm sich fest vor sich besser über die einzelnen Factiones zu informieren, jetzt wo das normale Leben wieder losging, wollte sie doch mitreden können!
    Doch plötzlich änderte sich Iunias Stimmung schlagartig. Leicht verwirrt konnte Lucia noch „Mich auch, vale!“ erwidern, ehe sie auch wieder alleine mit ihrem Bruder war.
    Sie schielte zu ihm hoch und fragte neckend: „Ihr kennt euch also?“ Da würde sie doch jetzt gerne mehr darüber hören!

  • Die Purpurea lag ihr also, ganz ähnlich wie dem guten Dolabella, der sich für sie einsetzte. Eine Factio, die das edle Purpur zur Farbe hat, kann ja auch nicht die schlechteste sein. Er konnte aber darüber kaum noch weiter sinnieren, denn da verabschiedete sich die Iunia schon wieder. Wir alle haben ja viele Termine in diesen Zeiten, da sollte man sich nicht allzu sehr wundern.


    "Naja, was man so als 'kennen' bezeichnen kann. Sagen wir einfach: Ich bin ihr vorher schon einmal begegnet. Es war bei der letzten öffentlichen Rede, die Salinator hielt. Ich murmelte irgendetwas vom nahenden Ende. Sie stand in meiner Nähe uns hat es aufgeschnappt." Tja und jetzt standen wir nicht fern seiner Leiche. So schließt sich der Kreis. "Sie machte damals den Eindruck, als wäre sie eine blühende Anhängerin des Vesculariers. Jedenfalls glaubte sie fest daran, dass die Stadtmauern gegen die Truppen Palmas gehalten werden könnten." Ein nun auch empirisch erwiesener Irrtum. "Inzwischen scheint sie aber noch rechtzeitig die Kurve bekommen zu haben. Man muss eben wissen, wann es Zeit ist die Seiten zu wechseln. Vielleicht wäre es ja ganz gut, wenn du dich mit ihr etwas anfreundest, vielleicht neben den Gründen ihrer scheinbaren Sympathie auch um ihre "reine Gesinnung" zu prüfen." Schließlich musste man durchaus achtgeben, mit wem man sich in der Zukunft in der Öffentlichkeit sehen ließ oder wen man vielleicht doch besser meiden sollte, um nicht in Verruf zu geraten.

  • Ihr Bruder hatte offensichtlich auch in der schlimmsten Zeit nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten. Das machte Lucia auf eine gewisse Weise stolz, flöste ihr aber auch noch im Nachhinein Angst um Lepidus ein. Ein Glück dass ihm nichts weiter passiert war!
    Sie treffen, um ihre reine Gesinnung zu prüfen? Lucias Blick pendelte zwischen skeptisch und amüsiert. Hatte ihr Bruder etwa noch was vor, dass er wissen musste, wie es um Iunias politische Einstellung stand? So hätte sie Lepidus ja gar nicht eingeschätzt! Man lernte wohl doch noch jeden Tag etwas dazu.
    Still amüsierte sich Lucia, zuckte schelmisch mit den Schultern und erwiderte: „Ich kann ja mal einen Brief schreiben und ihn zum Sitz der Gens schicken, vielleicht ergibt sich dadurch ein Treffen und alles Weitere kommt dann fast schon von allein.“ Zumindest stellte sich Lucia das so vor. „Es wird nett sein, etwas mit einer gleichaltrigen und ähnlich gestellten unternehmen zu können.“ Es blieb zwar noch der Unterschied Plebejer – Patrizier, aber das war ja gar nichts im Vergleich zu Sklave – Patrizier, was momentan Lucias meisten Kontakt ausmachte.
    Sie wollte gerne noch mehr sagen, da wurde sie aber ungeschickt angerempelt. „Au!“, sie wich in Richtung ihres Bruders aus und bat sich die Schulter reibend: „Können wir auf dem Heimweg weiterreden? Offensichtlich wollen noch einige den Usurpator sehen.“ Ob der Rempler sich jetzt entschuldigt hatte, oder nicht, bekam sie nicht mal mit.

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