• Langsam leerte sich der Campus. Die Soldaten zogen in strenger Marschordnung fort von der Castra, in einem unendlich scheinenden Zug von Männern, Maultieren und Karren. Es war schon ein gewaltiger Anblick, so eine gesamte Legion auf dem Marsch. Die Castra blieb unbesetzt zurück. Vollständig verlassen.


    Es ging gen Verona. Kein weiter Weg von Mantua aus. Wenn sie sich ranhielten, konnten sie die Strecke in zwei Tagen schaffen. Hoffentlich waren die germanischen Truppen schon weit genug, daß bald eine Vereinigung der Legionen möglich war. Denn die Prima allein würde kaum fähig sein, den Gegner effektiv aufzuhalten. Allenfalls schwächen konnten sie ihn und würden selbst dabei vollständig aufgerieben werden. Kundschafter waren ständig unterwegs, um herauszufinden, wo die Truppen aus Germanien sich derzeit befanden.

  • Einer der größten Vorteile daran primus pilus zu sein, war der Platz in der Marschordnung, wie Licinus ein weiteres Mal feststellen konnten, als sie aufbrachen.
    Die erste centuria marschierte als Vorhut vorne weg und da Licinus an der Spitze der ersten centuria marschierte gehörte er zu den ganz wenigen Männern, die keinen aufgewirbelten Staub zu atmen bekamen. Es schoss ihm durch den Kopf, ob er es nicht sogar besser hatte als die Stabsoffiziere, die zwar zu Pferde waren, dafür aber einige Meter und ca. 160 Soldaten weiter hinten in der Marschordnung standen.


    Im imemr gleichen Schritt ging es voran und die Soldaten stapften schweigend immer weiter vor sich hin und Licinus wusste, dass dies nicht unbedingt das beste für die Stimmung war, also hob er kurzentschlossen schon knapp hinter dem campus die Stimme an und brüllte:
    "Milites! Cantate!" ~ Ein Lied!


    Es brauchte einen Moment und nach einigen Schritten scholl sich ein altes römisches Marschlied ungleichmäßig aus den Kehlen der Soldaten. Das würde diese auch vom Grüblen abhalten, hoffte der centurio.


    Sim-Off:

    Mag jemand ein Lied umdichten?

  • Einer der Nachteile, wenn man zur IX. cohors gehörte, war die Tatsache, dass man den Staub von acht Kohorten, denen noch die Maultiere mit der Ausrüstung folgten, zu schlucken hatte. Aber nicht nur der Staub, auch die Hinterlassenschaften der Tiere machten den Marsch "unterhaltsam", konnte man sich doch des Gelächters der Kameraden sicher sein, wenn man in diese Fallen trat.


    Priscus marschierte in der Masse der Männer mit, den Blick mehr oder weniger starr auf den Schild des Vordermannes gerichtet. Das Marschieren war eintönig, man hatte Zeit zum reden oder scherzen oder einfach zum Nachdenken. Die Beine taten ihren Dienst, die Gewichte waren gut verteilt und der Mut der Legionäre war gut. Alles war besser als im Lager sitzen und nicht zu wissen, war zu tun war.


    Doch als Priscus schon wieder mit den Gedanken bei seinen Verwandten in Rom war, begann es vorne zu singen. Die Worte flatterten nach hinten und die Männer, die das Lied gut kannten, stimmten im Takt der Schritte mit ein.


    "Erklingen fröhliche Gesänge
    mißt kein Fuß des Weges Länge
    lustig sein auf Marsches Pfad
    liebt der römische Soldat
    Helle Stimmen singen vor
    und mit Macht fällt ein der Chor
    Hoho, hoho, hoho, Gesang macht lebensfroh
    Gesang macht lebensfroh, hoho, hoho, hoho


    Rüstig bergauf, Berg hinunter
    schreitet der miles frisch munter
    Heitert ein melodisch Lied
    in ihm auf Herz und Gemüt
    Helle Stimmen singen vor....


    Aufgefrischt im muntern Liede
    wird nicht Arm noch Fuß uns müde
    Schweren Marsch auch noch so lang
    kürzt und leichtert der Gesang
    Helle Stimmen singen vor...


    Drum haltet, Waffenbrüder
    hoch in Ehren frohe Lieder
    Sei´s im Friedens-Sonnenlicht
    sei´s vor Feindes Angesicht
    Helle Stimmen singen vor...."


    Munter sangen die Männer mit und jedes "hoho" wurde lauter und ausgelassener, je weiter es sich durch den Heerwurm zog.

  • Manchmal konnte man sich wirklich fragen, ob Licinus nicht ein wenig zu blauäugig für den Posten eines primus pilus war. Ein weiteres Beispiel für diese Schwäche des Offiziers ereignete sich an einem der ersten Marschabende nach dem Aufbruch der ersten Legion in Mantua. Relativ spät am Abend war ein Schreiber aus dem Stabe des praefectus castrorum bei ihm erschienen. Der Mann war für die Verteilung der Feldpost zuständig und hatte einen Brief bei dem obersten centurio abzugeben.


    Licinus hatte an der Handschrift des Absenders jenen schon nach der Adressierung als seinen alten Freund und Waffengefährten Faustus erkannt und sich gefreut, dass es diesem wieder einmal gelungen war zu schreiben, nachdem sie lange, lange Zeit nichts voneinander gehört hatten.
    Mit Vorfreude hatte er ihn in eine Ecke des Feldschreibtisches unter einen Kiesel gelegt, der als Briefbeschwerer diente. Noch einen Moment hatte er sich der Pflicht gewidmet. Gut, das war nicht wirklich viel, die Stärkemeldungen wurden abgezeichnet, auf den ersten Marschtagen gab es naturgemäß noch keine Ausfälle, die Losung war ausgegeben worden und die Subalternen der centuria in die Nacht entlassen worden.


    Endlich, die Nacht war schon lange über seinem Zelt hereingebrochen, konnte er sich für einen kurzen Moment entspannen. Er füllte noch einen Becher mit posca und widmete sich dann dem Brief.
    Der erste Abschnitt des Briefes war auch nicht dazu geneigt, seine Freude zu trüben, nach einer etwas verworrenen Einleitung - Licinus erinnerte sich allerdings noch an die Einladung zu einer Amphore - schüttelte er kurz den Kopf - ein eigenes Gespann, Faustus, du bist also immer noch ein Draufgänger vor den Göttern - dann sprach er über seine Cousinen, was Licinus Augenbraue unwillkürlich einen knappen digitus in die Höhe wandern ließ - wunderhübsche junge Cousinen? Passender Ehemann? Faustus, Faustus, du denkst doch wohl nicht etwas..., nein ich bin als Junggeselle genauso zufrieden wie du. Ganz davon abgesehen, was sollte ich mit so nem jungen Ding auch anfangen? - genüsslich nahm er einen Schluck posca und nicht mal dem sauren Geschmack eben dieser gelang es, das Grinsen von seinem Gesicht zu wischen. Ja, Esquilina, wie es ihr wohl gerade in cremona ging, sie würden knapp daran vorbei kommen. Einen Moment überlegte Licinus, ob er sich für einige Stunden absentieren sollte, aber schon im gleichen Moment wischte er den Gedanken mit einer entsprechenden Handbewegung beiseite. Das war vollkommen unmöglich, die legio jetzt zu verlassen. Voll-kommen un-mög-lich. - Ha, und da war sie. Schlag dir das aus dem Kopf, mein Freund. Kennenlernen werd ich die beiden Cousinen vielleicht, warum auch nicht? Aber damit auch Schluss. Er grinßte noch immer bei dem Gedanken an jenes eventuelle Treffen.


    Und dann kam jener Teil des Briefes, der ihm die Laune gründlich verdarb und seine ganze Blauäugigkeit offenbarte. Natürlich Faustus hatte Karriere gemacht. Wie war er auf den Gedanken gekommen, dass er Zeit hatte gerade jetzt Briefe an alte Freunde zu schreiben.
    Schlimmer noch, er war praefectus der Praetorianergarde. Er stand auf der anderen Seite, der Brief sagte es ganz deutlich. Licinus ballte den Hand, die den Brief hielt, zur Faust und zerknitterte dabei das Pergament, auf dem er geschrieben war. Beinahe gegen seinen eigenen Willen las er weiter. Was hier geschrieben stand war zu ungeheuerlich um nicht gelesen zu werden, löste gleichzeitig zu sehr die Faszination des Unfassbaren aus.


    Sollten sie tatsächlich alle getäuscht worden sein, nicht nur er. Sein legatus, dessen Verwandter, die Offiziere der prima, wie jene der beiden Germanien? Sehr detailliert hatte sein alter Kamerad berichtet, sowohl was seine Ermittlungen anging, als auch den Tathergang des Regizids. Mit wirklich allen Mitteln. Licinus konnte sich denken, was das hieß, war er doch selbst auf dem Feldzug gegen Parthia bei einer Befragung dabei gewesen. Eine Erfahrung bei deren Gedenken es ihm noch immer kalt herunterlief. Was war nur aus seinem Gefährten geworden, dass er sich auf solche Spielchen einließ.
    Und gleichzeitig war der Brief so eindringlich geschrieben, so klar, so überzeugt, dass Licinus nicht anders konnte, als die Namen der Verschwörer zu lesen. Tiberius. Die Frau seines patrons war auch eine Tiberia. Oh ihr Götter, hieß das etwa, dass sein patronus...? Nein, das war doch völlig unmöglich, fragte sich Licinus und antworte sich sogleich selbst.


    Wem konnte er nur trauen und wer versuchte ihn zu benutzen. Keiner und beide, so schien ihm müsse die Antwort lauten. Aber auch das konnte nicht sein, denn schließlich berichteten sie verschiedenes.
    Er legte den Brief auf den Tisch, stand auf und fing an im Zelt umherzugehen. Viel Platz dazu war nicht. Drei Schritte hin, drei Schritte zurück. Kleine Schritte. Er nahm den Brief wieder und legte ihn sofort wieder hin. Er legte die Rüstung ab. Den Brief steckte er unter seine tunica, bevor er sich auf sein Feldbett legte. Schlafen musste er, so oder so.


    Aber er konnte seine Gedanken nicht abstellen, sie kreisten weiter um die Frage, was er tun sollte. Wem er trauen konnte. Kurz: Was die Wahrheit und das Richtige war. Lange nach Beginn der dritten Nachtwache war es soweit, dass er in einen reichlich unruhigen Schlaf sank.

  • Endlich war es soweit gewesen. Der Befehl zum abmarsch war gegeben worden und die Legion maschierte.
    Natürlich war niemand froh gegen seine Kameraden zu Kämpfen, aber der Tyran musste gestürzt werden.
    Der Marsch verlief ohne Probleme oder zwischenfälle.
    So kam es das der junge Optio nachdenklich am Feuer saß und seinen Brei ass

  • Mitnichten waren dem Knaben, obschon er auch weiters die Majorität seiner zur Verfügung stehenden Zeit in seiner Camera zugebracht hatte, jene Präparationen entgangen, welche dem Aufbruch einer ganzen Legio voranzugehen hatten. Weiters hatte man ihn informiert, dass er in Kürze seinerseits seine Zelte abbrechen und an einen anderen Ort transferiert werden würde, welcher ihm ein höheres Maß an Sekurität bieten mochte. Doch selbst dem jungen Flavius, welchem nichts ferner lag denn korporale Strapazen, welcher sich tagein tagaus primär den stillen Dingen zuwandte, ja welcher gemäß dem bekannten Dictum bis ins schier unendliche gründen musste, war angesichts der fortwährenden Isolation seines Unterschlupfes müßig geworden und verlangte gar zum ersten Male in seinem jungen Leben nach Exaltion. Hinzu trat die nagende Scham, der Spross des hasenfüßigen Manius Maior zu sein, in dessen Fußstapfen zu treten Manius Minor keineswegs gewillt war. Vielmehr empfand er es als seine, wenn auch unerquickliche Pflicht, an der Seite der Aufrechten für die Res Publica und seine Familie zu streiten, bis jener grausame Usurpator zu Rom ausradiert war. Und so fasste er den Plan, sich nicht den Wünschen jenes Legaten zu fügen, welcher kraft parentaler Order ihm vorangestellt war, sondern bei der Legion zu verbleiben, anstatt sich wie Gewürm auf einem Landsitz zu verkriechen. War erst der Tag der Schlacht gekommen, würde man ihm zweifelsohne einen Platz in der Schlachtreihe nicht verwehren.


    Infortunablerweise aber war dieser Esprit, welcher ihn bewegte, nicht geeignet, die Ansichten des ihm zugeteilten Sklaven zu wandeln, der die ambitiösen Reden seines Schützlings mit einem milden Lächeln, verbunden mit Verweisen auf spätere Großtaten im adoleszenten Alter abtat. Folglich blieb nur der Weg der Verborgenheit, dessen rein hypothetisches Bedenken bei dem Knaben bereits Herzrasen evozierte. Und doch hatte er nach unermesslichem geistlichen Disput einen Plan gefasst, welcher durch seine Simplizität bestach und dem wohl gerade durch diese Beschaffenheit Erfolg beschieden war:


    Inmitten jenes Tohuwabohu, welches die Verpackung eines legatischen Haushaltes zwangsläufig erzeugte, war Manius Minor unbemerkt und lediglich angetan mit einer Tunica in einem unbemerkten Augenblick auf die Ladefläche eines Ochsenkarrens gesprungen, wo er sich hinter einer Schar Amphoren, welche Öl oder Wein transportieren mochten, verborgen hatte. Zwar hatte es den jungen Flavius ein Höchstmaß an Überwindung gekostet, neuerlich einen Wagen zu besteigen, wo doch letzterer angefüllt mit dem süßlichen Odeur von Leichnamen gewesen war, was ihn bis auf den heutigen Tag mit Albträumen versorgte, doch endlich hatte das Gefühl der Responsabilität für sich, seine arme Mutter, seine Schwester und seinen kleinen Bruder in ihm ungeahnte Geisteskräfte aktiviert und ihn gar seinen Mantel über das Haupt ziehen lassen, womit er von benachbarten Säcken kaum zu distingieren gewesen war.


    Die Reise, welcher er dann allerdings antrat, entpuppte sich als überaus ungustös. Nicht nur, dass er ob seiner Furcht nicht befähigt war, auch nur ein Auge zu schließen, es zeigte sich vielmehr recht bald, dass ihm darüber hinaus entfallen war, sich angemessen zu verproviantieren, denn zwar fand er in den Säcken seines Wagens Korn, doch entpuppte dies sich als überaus schwerlich genießbar, zumal es nicht seinen Hunger zu stillen vermochte. Noch viel brennender aber war der Bedarf an flüssiger Nahrung, denn obschon es ihm nach einiger Mühe gelang, eine der Amphoren zu entkorken, so vermochte er es nicht sie anzuheben oder durch den schmalen Hals zum kühlenden Nass des Weines zu gelangen.


    Als der Wagen dann endlich zum Halten gelangte, fasste Manius Minor somit den Entschluss, sein Refugium hinter sich zu lassen, um zwischen den schlafenden Legionären nach den Relikten der Cena zu fahnden und sich an ihnen gütlich zu tun. Für dieses Unterfangen war es von größter Bedeutung, nicht zu früh dem Fuhrwerk zu entschlüpfen und so den wachenden Milites in die Arme zu laufen. Also verweilte er voller Ungeduld in seinem Wagen, stetig aus der Plane, welche die Güter bedeckte, herausspitzend, um die rechte Zeit zu schätzen, zugleich aber das Geräusch seiner mahlenden Vitalia unterdrückend, da diese trotz mangelnder Speise ihre gewohnten Bewegungen vollführten und dabei knurrend aneinanderrieben.


    Schließlich war der junge Flavius, obschon noch immer die letzten Reste des dämmrigen Lichtes, welches die schon hinter dem Horizont versunkene Sonne spendete, das Lager in graue Umrisse verwandelte, nicht mehr weiter imstande, weiterhin an seinem Platze zu verweilen und er schlüpfte unter der Plane hervor, um so leise als möglich von der Wagenpritsche zu steigen. Dann erst blickte er um sich, nahm Notiz von den sorgsam aufgereihten Wägen des Trosses, der ein wenig abseits liegenden Weide für das Zugvieh und jener gewaltigen Zeltstadt, die das exakte, wenn auch aus Leder und Holz gebildete Abbild des Castellums zu Mantua darstellte.


    Da sein Vehikel augenscheinlich dem Tross des Legaten angehörte, schlussfolgerte er, dass das große Zelt, welches in seiner unmittelbaren Nähe aufgeschlagen worden war, das Praetorium sein musste. Dieses galt es wohl zu meiden, denn ein Mann wie der Aurelius war zweifelsohne aufs Schärfste bewacht. Also schlich der Knabe von Wagen zu Wagen auf die Mannschaftszelte zu...

  • Der Marschtag war sehr ruhig verlaufen, es hatte den Männern gut getan, endlich einmal das Lager zu verlassen. Auch wenn sie nicht recht wussten, was auf sie zukam, waren sie frohen Mutes und selbst als gegen Abend das Lager geschanzt werden musste, geschah dies ohne viel Murren, waren die Kräfte doch noch frisch. Die Zelte standen schon, als die ersten Feuer entzündet wurden und die Legionäre damit begannen, ihr Getreide zuzubereiten.


    Priscus hatte gleich die erste Wache aufgebrummt bekommen und kam erst zurück, als es schon dunkel wurde. Die Jahreszeit war schon fortgeschritten, es wurde schon früher dunkel. Ein Blick sagte ihm, dass die anderen Kameraden entweder schliefen oder sich sonst wo im Lager herumtrieben oder eben Wache hatten. Er stellte Schild und Speer zu den anderen vor das Zelt und setzte sich neben das Feuer. Die Glut war unter einer dünnen Ascheschicht verborgen, mit einem kräftigen Pusten glomm sie wieder auf und einige dünne Zweige ließen das Feuer wieder auflodern. Priscus rollte einen Stein etwas näher an die Flammen, darauf wollte er sein Essen zubereiten. Den Beutel mit Mehl fischte er aus seinem Gepäck, dazu noch ein Stück der guten lukanischen Wurst, die er sich noch vor dem Abmarsch gekauft hatte. Er füllte etwas Wasser in seine patera und gab das geschrotete Mehl dazu, ließ es Quellen und rührte kräftig durch. Ein Schluck Posca aus der Feldflasche und er fühlte sich fast wie neu geboren. Während er den zähen Brei mit dem Löffel auf dem Stein verteilte, um sich ein paar Fladen zu backen, wanderte sein Blick immer wieder über die Reihen der Zelte, die nur noch als Schemen zu erkennen waren.


    Die Feuer brannten und es war noch recht laut. Es roch nach Schweiß, Leder und den Ausdünstungen der Tiere. Wie in einem richtigen Feldlager eben. Priscus wollte kurz austreten und überließ sein Essen kurz sich selber. Er trat hinter das Zelt, wo noch etwas Platz war und erleichterte sich.

  • Selbstredend verfügte der junge Flavius über keinerlei Orientierung inmitten jenes schier unermesslichen Castrum, doch strebte er intuitiv weg von dem Hauptplatz, wagte es indessen auch nicht, sich in zu große Distanz zu jenem schnurgeraden Weg, welcher auf das Zentrum zustrebte, zu begeben. So ergab eine Fügung der Fortuna, dass er bei der IX. Cohors, die ja an dieser Straße lagerte, ankam, als die Prima Vigilia vollendet war. Uneingedenk der Tatsache, dass etwas wie ein Wachwechsel existierte, riskierte er an dieser Stelle einen Blick auf die kleinen Feuerstellen vor den Zelten, welche verwaist schienen. Und doch identifizierte er inmitten den ungustösen Dämpfen, welche von stinkenden Milites, abgenutzter Ausrüstung und erschöpften Lasttieren abgesondert wurden, den verführerischen Duft eines Brotes, das er unter gewöhnlichen Umständen zweifelsohne verschmäht hätte, sich nun aber seinem ausgezehrten Magen feiner und wohlschmeckender als das feinste Weißbrot seines Lebens offerierte.


    Und in der Tat erschien der Zeitpunkt günstig, denn kein Soldat tummelte sich an der Feuerstelle, was den Knaben zu dem Schluss veranlasste, die köstlichen Brote müssten auf dem Stein vergessen worden sein, während die müden Krieger sich in ihre Zelte zurückgezogen hatten. So war er mit einem Satz aus dem Sekurität des Schattens entfleucht und in das gedämpfte Glimmen des Feuers getreten, um rasch nach der ersehnten Speise zu greifen.
    Mitnichten hatte er aber indessen erwartet, dass der Stein, welchen er für eine leidlich reinliche Ablage gehalten hatte, die Hitze der Glut in sich barg, ja den Ofen selbst darstellte, und so berührte er diesen achtlos mit seiner Hand, woraufhin ihm eher vor Schreck denn vor Schmerz ein gedehntes:
    "Auuuuuu!"
    entfuhr. Rasch zog er die begierige Hand zurück und schob sich den verbrannten Finger in den Mund, um ihn mit Speichel zu kühlen. Zugleich blickte er um sich, um etwaige Lauscher zu identifizieren. Dabei wurde ihm bewusst, dass ihm bei der Elaboration seines Planes ein gravierender Fehler unterlaufen war, welcher nun zum Tragen kam: Was war die Devise, wenn er sich den Soldaten offenbahrt hatte?

  • Wohlig seufzend schüttelte Priscus den letzten Tropfen ab und verstaute sein Gemächt wieder unter seinem Lendenschurz - als er plötzlich von einem "Auaaaaa" aus den Gedanken gerissen wurde.


    Scheinbar war die Quelle dieses Ausrufes ganz nahe und klang eigentlich überhaupt nicht wie einer seiner Kameraden. Schnell fuhr seine Hand zum Dolch, er trat die drei Schritte aufs Feuer zu, sorgsam darauf bedacht, nicht über die Gespannten Leinen der Zelte zu stolpern. Als er im flackernden Schein der Flammen den Jungen sah, der ganz offensichtlich die Schmerzbekundung ausgestoßen hatte, ließ er den Dolch wieder in die Scheide gleiten. Er wollte dem kleinen ja nun nicht unbedingt Angst machen.


    Warum der etwas rundlich aussehende Junge an seinem Finger lutschte, erkannte Priscus erst auf den zweiten Blick. Es handelte sich ganz offensichtlich um einen kleinen gefräßigen Dieb, der sich über sein Essen hermachen wollte und sich die kleinen Finger verbrannt hatte. Ein Grinsen lief über sein Gesicht, das er aber schnell unterdrückte. Schließlich wusste er nicht, mit wem er es zu tun hatte. Als er die kleinen Hände betrachtete, kamen sie ihm recht zart und empfindlich vor, ein mulio konnte es nicht sein, die waren normalerweise etwas älter und nicht so rund. Stirnrunzelnd überlegte er, ob er dem Kleinen gleich eine Ohrfeige verpassen sollte, oder erst später. Dann dachte er an den kleinen Durus und da konnte er fast schon nicht mehr böse sein. Man wusste nie genau, wen man vor sich hatte. Oder hatte er gar einen kleinen Spion erwischt.


    Er bemühte sich, möglichst streng zu klingen. "Wer bist du denn? Ein Sklave oder nur ein kleiner Dieb? Sprich schnell, sonst mach ich dir Beine!!!" Der Kleine hatte bestimmt große Angst, dachte er, während er ihn anfunkelte.

  • Dem Knaben verblieb keinerlei Muße, weiter über jene Fragen zu spintisieren, denn ehe er sich versah, sprang ein Miles heran, dessen Amusement ihm deplorablerweise entging, weshalb er nur dessen zornige Mimik und große Severität wahrnahm, mit welcher er nun interrogiert wurde. Obschon von größter Furcht bewegt, irritierte Manius Minor nun aber die nach objektiven Maßstäben durchaus logische Assoziation, doch niemals in seinem Leben hatte ihn jemand mit einem Dieb oder gar einem Unfreien konfundiert. So erscholl seine Replik mit unexpektiertem Tadel:
    "Ich bin Manius Flavius Gracchus Minor!"
    , ehe er sich doch der Situation gewahr wurde und weitaus kleinlauter, mit stockender Stimme anfügte:
    "Sohn des ... gewesenen Praetors ... Manius ... Flavius Gracchus!"
    Der junge Flavius hatte erwartet, dass die Gelegenheit, sich Fremden mit seinem wahren Namen zu offenbaren, nicht mehr verborgen und in ständiger Furcht vor Enthüllung leben zu müssen, befreiend sein würde, doch mitnichten verspürte er nun derartiges, sondern fühlte sich vielmehr weiterhin in höchstem Maße beklommen.

  • Als Priscus den ersten Satz des Jungen vernahm, hob sich seine linke Augenbraue ein Stück. ´Sieh mal einer an´, dachte er für sich, ´diese Patrizierkinder sind doch alle gleich. Sind es nicht gewohnt, dass man ihnen widerspricht oder sie nicht angemessen behandelt...´


    Als der Junge den Namen seines Vater nannte, nickte Priscus ihm zu. "Von deinem Vater habe ich wohl gehört, doch ich vermutete ihn nicht hier im Heereszug und erst recht dachte ich nicht, dass sich ein Junge der Flavier über mein Essen hermachen will." Er grinste bei seinen Worten, war der Kleine doch gewiss anderes Essen gewohnt als einfache Mehlfladen oder puls. Trotzdem zog Priscus seinen Mantel auf dem Boden etwas zur Seite, damit sich der Kleine setzen konnte. "Dann nimm mal Platz, dominus, wenn du willst teile ich mein Essen mit dir, auch wenn es schön gewesen wäre, du hättest zuerst gefragt," meinte er dann. Doch dann fiel ihm ein, dass Patrizier wohl nicht fragten sondern sich einfach nahmen was sie wollten.


    Mit einem Stück Holz holte er den heißen Stein etwas näher und zog die kleinen platten Getreidefladen von selbigem. Sie waren heiß, aber seine Hände waren nicht so empfindlich wie die des Jungen. Er gab ihm das größte Stück und holte noch einen kleinen abgedeckten Holznapf mit moretum aus seinem Proviantbeutel, zusammen mit noch einem Stück lukanischer Wurst. Diesmal nahm er den Dolch nur, um das Essen damit klein zu schneiden. Das Essen legte er zwischen sich und den Jungen. "Lass es dir schmecken," lud er ihn ein und kaute an einem Stück Wurst. Dabei beobachtete er den Kleinen aufmerksam.


    Dumm schien er nicht zu sein, trotzdem war es merkwürdig, dass der Junge hier herumschlich, zumindest zu dieser Zeit. "Weiß dein Vater eigentlich, dass du hier bei den Mannschaften bist?" fragte er dann frei heraus. Zwar hatten ein paar Offiziere durchaus Kinder, aber denen war es eigentlich verboten, sich überall herumzutreiben. Auch wusste Priscus nicht genau, ob die Legionsführung die Familien im Tross dabei hatten oder nicht. Gesehen hatte er bis jetzt zumindest niemanden.

  • Augenscheinlich versetzte der Anblick eines wahrhaftigen Flavius den Soldaten in höchstes Erstaunen, welches dann aber von erwarteter Servilität abgelöst wurde und dem Knaben ein gewisses Gefühl von Vertrautheit bot. Dass sein Vater, anstatt heldenhaft an diesem Kriegszuge zu partizipieren, feige das Weite gesucht hatte, vermied er dabei aus Scham zu sagen, weshalb er jenen Kommentar nicht weiter kommentierte.


    Indessen positionierte er sich auf dem dargebotenen Platze auf der Erde und nahm die offerierten Speisen in Augenschein, welche er nun, da er nähergetreten war, kaum mehr zu unterscheiden vermochte, was erfreulicherweise aber durch die direkte Überreichung des Brotes zu überspielen möglich war. Die lukanische Wurst, welche er aus der Nähe nicht zu identifzieren in der Lage war, ließ er aus eben jenem Grunde aus, sondern hielt sich an das Moretum, welches er am Odeur leichtlich erkennen konnte.
    "Danke."
    erwiderte er endlich, obschon er diese Floskel habituell beim Essen nicht gebrauchte, welches ihm Zeit seines Lebens von Sklaven angerichtet worden war, doch nach der Reise im engsten Familienkreise wieder geläufig worden war.


    Dann aber, als Manius Minor soeben zu der Speise um Trank bitten wollte, um das trockene Brot leichter in seine Vitalia zu transferieren, kam der Legionarius neuerlich auf seinen Vater zu sprechen.
    Nun war die Stunde der Entscheidung gekommen, war nicht mehr weiter aufzuschieben, denn würde er die Frage verneinen, brächte man ihn zweifelsohne zu Aurelius Ursus, dessen Reaktion indessen insekur erschien. Hatten seine Sklaven einerseits die Pläne des jungen Flavius belächelt und zurückgewiesen und dies zweifelsohne gemäß der aurelischen Order, lag die Legion andererseits bereits viele Meilen entfernt von Mantua, womit seine Entfernung nicht wenige Umstände bereiten mochte. Letzterer Faktor, welcher sich durch eine längere Verborgenheit umso mehr verstärken würde, führte den Knaben endlich nach einigem Zögern dazu, die Interrogation mit einem knappen
    "Ja, er ist indisponibel."
    und einen geschickten Wechsel der Thematik zu beenden:
    "Hast du etwas zu Trinken?"

  • Für die Dankesbekundung erhielt der junge Mann ein Lächeln von Priscus, scheinbar hatte er ja doch etwas gelernt.
    Während Priscus ein paar Bissen Brot aß und dazu ein Stück Wurst, welches er nachdenklich kaute, fiel ihm auf, dass sein Gesprächspartner recht wortkarg war. Ob es Angst, Hunger oder einfach nur Desinteresse war, vermochte er nicht zu deuten, kam es ihm jedoch noch immer seltsam vor, dass der Vater des Jungen ihm noch zu so später Stunde den Ausgang erlaubte. Aber die Regeln im Lager galten wohl nicht für kleine Jungen, überlegte er, während er aß. So hatte er etwas Zeit, seinen Gedanken nachzuhängen.


    Er hatte von den Proskriptionslisten gehört, die überall angeschlagen waren und auch Namen der Flavier enthielten... Und der Aurelier mittlerweile auch. Was Seneca wohl gerade tat und dachte? Auf unterschiedlichen Seiten zu stehen war nicht gut, wer nun die Rebellen oder die rechtmäßigen Herrscher waren, das würden die Ereignisse zeigen. Letztendlich wurde Geschichte von den Siegern geschrieben, egal was vorher war.


    Die Frage des Knaben riss ihn aus seinen Gedanken. Er nickte und griff hinter sich, wo er die Feldflasche nach der letzten Benutzung abgestellt hatte. Er öffnete und reichte sie Manius Minor. "Hier, ist aber nur Posca drin, kein Wein oder Saft," meinte er entschuldigend. Kinder mochten eher süße Sachen, so erinnerte er sich. Als er die Feldflasche weitergereicht hatte, suchte er aus seinem Proviantbeutel noch ein Stück Käse heraus, das er klein schnitt und zum Brot legte. Wurst mochte der Kleine offenbar nicht.


    Um das Schweigen zu brechen, fragte er: "Und wie gefällt dir der Marsch bisher? Ist aufregend mit so vielen Soldaten unterwegs zu sein, nicht?"

  • Die Soldaten der ersten centuria der ersten cohors der ersten legio hatten am Morgen des zweiten Marschtages ein Problem. Dieses Problem hieß Marcus Iulius Licinus und war ihr centurio.


    Normalerweise ein recht umgänglicher Mann, der sich selbst gern in der Rolle des strengen, harten, aber durchaus liebevollen Vaters sah, war an diesem morgen alles andere als umgänglich. Gut, wie alle Offiziere war er schon beim Abmarsch etwas angspantn gewesen, aber beim Abmarschappell nach dem Frühstück war das ganz anders. An nahezu allem hatte er etwas auszusetzen gehabt. Die Zelte nicht ordentlich genug auf den mulis verladen, die Rüstungen nach der Nacht nicht sauber genug, die Soldaten nciht schnell und gerade genug angetreten. Es hatte Strafen gehagelt und auch mit Hieben war der centurio nicht sparsam gewesen. Nicht wenige der Soldaten fragten sich, was in der Nacht passiert war, dass ihr angesehener Chef so schlecht drauf war und seine Laune sogar an ihnen ausließ. Bald nach dem Abmarsch würde schnell das Gerücht die Runde machen, man habe noch in der dritten Nachtwache gereiztes Gemurmel aus dem Zelt des primus pilus gehört.


    Insbesondere einen Soldaten hatte es getroffen. Dieser hatte das ausgegebene Nagelgeld seiner Geliebten zukommen lassen. Für die Kinder. Zu seinem Unglück hatte centurio Iulius an jenem schlechten Tag gemerkt, dass seine Schuhnägel in einem alles andere als guten Zustand waren. Prompt hatte es einige Schläge auf das Wadenbein gesetzt. Harte Schläge. Und von diesen war einer unglücklich auf seinem Knöchel gelanden.
    Dieser wiederum schmerzte nun so sehr, dass der Mann schon nach wenigen Metern zu humpeln begann. Und noch einige Zeit und eine ganze Marschstrecke weiter ging es nicht mehr. Der Mann konnte seine Position in der Marschordnung nicht mehr halten und fiel langsam hinter seine Kameraden zurück.

  • Zitat

    Original von Titus Iunius Priscus
    Die Frage des Knaben riss ihn aus seinen Gedanken. Er nickte und griff hinter sich, wo er die Feldflasche nach der letzten Benutzung abgestellt hatte. Er öffnete und reichte sie Manius Minor. "Hier, ist aber nur Posca drin, kein Wein oder Saft," meinte er entschuldigend. Kinder mochten eher süße Sachen, so erinnerte er sich. Als er die Feldflasche weitergereicht hatte, suchte er aus seinem Proviantbeutel noch ein Stück Käse heraus, das er klein schnitt und zum Brot legte. Wurst mochte der Kleine offenbar nicht.


    Um das Schweigen zu brechen, fragte er: "Und wie gefällt dir der Marsch bisher? Ist aufregend mit so vielen Soldaten unterwegs zu sein, nicht?"


    Ohne Zögern ergriff der Knabe den offerierten Trank, obschon ihm die Nomination 'Posca' kein Begriff war, da die Herrschaften der Villa Flavia schlecht gewordenen Wein, welcher dessen wichtigste Ingredienz darstellte, habituell den Sklaven überließ, während sie selbst sich auch nach leiblicher Ertüchtigung lediglich an verdünntem Wein gütlich taten. Doch in dieser misslichen Lage voller Entbehrung und ob seines brennenden Durstes verharrte er auch nicht in dieser Position, sondern ließ jene fremdartige, vitalisierende Substanz seine Kehle hinabrinnen, wobei sie ihm besser als der süßeste Tropfen im Hause Flavia erschien.


    Erst nach zahlreichen, begierigen Schlucken, welche nicht nur seine Mundhöhle, sondern auch das Kinn benetzten, setzte er die Feldflasche ab und reagierte auf die weitere Interrogation, die der Legionarius ihm stellte. Dass auch sie dem jungen Flavius eine gewisse Problematik boten, da er schwerlich von seiner verborgenen Reise an Bord eines Viehkarrens zu berichten vermochte, er zugleich aber des Wissens über die Prozesse einer marschierenden Streitmacht entbehrte, nötigte ihn neuerlich zum Fabulieren.
    "Nunja, es ist... ehm... ziemlich ennuyant. Ich bevorzuge eigentlich das... ehm... den Aufenthalt an einem festen Platz, das ist ein wenig bequemer."
    Jenes Testimonium entsprach in der Tat der Wahrheit, denn heftig vermisste Manius Minor nicht nur seine geliebten Spielwaren, allen voran Caius, das hölzerne Krokodil, sondern blickte er auch jetzt schon voll düsterer Erwartung auf die inkommode Unterbringung auf Reisen unter Atlas' Last, mit welcher er in den letzten Monaten erst Bekanntschaft gemacht, sie aber nicht nur ob des Mangels an weichen Unterlagen, sondern auch ob der Assoziation mit letaler Furcht und Nachtmären, die ihn auf der Flucht aus Rom geplagt hatten, gänzlich detestierte.

  • Die Posca schien dem Jungen nicht zuwider zu sein, er trank ausgiebig. Priscus nickte nur. Sollte ein richtiger Kerl werden, bei dem Durst, dachte er für sich und musste grinsen. Kurz ertappte er sich bei dem Gedanken, sich auch eine Frau zu suchen, wie manch einer der Kameraden. Aber ohne Heirat und mit illegetimen Kindern, das war so eine Sache. Außerdem hatte er mitbekommen, dass durch diese Verbindungen auch Ängste bei den Männern entstanden, wenn sie weg mussten. Würden sie überhaupt zurückkommen, wären die Frauen noch dort oder schon wieder mit der Ablösung zugange? Solche Sachen konnte er überhaupt nicht gebrauchen, es reichte schon, dass er sich um die anderen Angehörigen seiner Gens in Rom Sorgen machte.


    Bei der Antwort des Jungen hob er wieder die Augenbraue. Langweilig fand er die Reise? Nun, vielleicht gab es auch nichts zu sehen in einer Sänfte, denn diese Patrizier liefen ja kaum selber. Trotzdem konnte er im Schein des Feuers erkennen, dass der Junge nicht gerade die saubersten Kleider trug und auch etwas mitgenommen aussah. Sofort regte sich wieder dieses Gefühl für Mitleid und ein Vaterinstinkt, den er langsam lästig fand, ja schon fast unheimlich, ihn aber nicht abzuschütteln vermochte. Vielleicht hätte er seinem Vater doch widersprechen und Iudex werden sollen? Immerhin hatte er in Athen so einiges gelernt, neben dem Zechen und Huren. Dann hätte er jetzt bestimmt schon ein halbes Dutzend Söhne und würde die Felder bei Nicopolis bestellen. Beim Gedanken an seinen Vater musste er schlucken. Dieser diente irgendwo in Macedonien, aber ob auf Seiten Salinators oder der Rebellen, das konnte er nicht mit Sicherheit sagen.


    Er schüttelte die Gedanken ab und aß noch einen Bissen Brot. Plötzlich schmeckte es ihm nicht mehr. Langsam schüttelte er den Kopf. "Nun, es sind wirklich nicht viele Kinder mit im Zug, aber das ist ja eigentlich auch kein Ort für selbige." Er schob noch etwas Holz nach, die Nacht wurde langsam etwas frisch oder vielleicht war es auch nur seine Müdigkeit. Aus dem Zelt dran leises Schnarchen, bestimmt wieder Macer, der Wälder zersägte. "Soll ich dich nachher zum Praetorium bringen?" fragte er väterlich. "Nicht dass man sich Sorgen macht und mich auspeitschen lässt, weil dir unterwegs etwas zugestoßen ist?"

  • Konträr zum emotional induzierten Appetitdefizit seines Gegenübers erfreute sich der junge Flavius weiterhin der herrlichen Speise, nachdem nun sein primäres Lechzen nach Liquidem gestillt war. Obschon er dabei nach und nach nahezu den vollen halben Laib, welchen er erhalten hatte, in beachtlich kurzer Zeitspanne sich einverleibte, tat er dies auf höchst patrizische Weise, indem er sich lediglich seiner Fingerspitzen bediente und es mit vornehmen Gestus in das Moretum dippte. Dieser Schmaus war es auch, der seine Appetenz von weiteren Gedanken bezüglich seiner sich nun ergebenden Perspektiven wegführte und ein Gefühl puren Genusses in ihm verbreitete.


    Erst als sein Gastgeber, dessen Namen noch immer nicht gefallen war, plötzlich das Ende ihres Rendez-vous andachte, fiel er blitzartig zurück in die Realität, welche ihm nun die Obliegenheit stellte, sich aus jener Situation zu winden, ohne Verdacht zu erwecken. Jener Überraschungsangriff hingegen ließ ihm dies auf den ersten Augenblick hin nicht gelingen, denn hastig erwiderte er
    "Nein, nein!"
    , wurde sich aber unmittelbar gewahr, dass dies höchsten Argwohn erwecken musste, sodass er etwas leiser und vorsichtiger nachschob
    "Das ist nicht vonnöten... ehm... wir befinden uns ja im sicheren Lager... Und zweifellos bist du sehr müde und brauchst deinen Schlaf!"
    Im Geiste sandte er ein Stoßgebet hinauf zum göttlichen Olympus, Pseudea möge ihm beistehen.

  • Priscus hatte sich zu seiner eigenen Überraschung relativ schnell wieder an den Marschalltag unter Feldzugsbedingungen gewöhnt. Sein Schuhwerk machte keine Probleme, seine Schultern kannten das Gewicht des Marschgepäcks auch noch und mit dem endlosen monotonen voranstapfen auf der Straße hatte er ohnehin noch nie große Probleme gehabt. Natürlich genoss er unterwegs wie alle anderen jedes Stocken, jede kleine Pause und jede Gelegenheit, das Marschgepäck abzusetzen und den Schultern und dem Rücken damit Entlastung zu gönnen. Mal beugte er sich dann vornüber, um sich auf der abgesetzten Tragestange aufzustützen, mal verbrachte er die Pause mit streckenden Bewegungen, um dem Rücken etwas Entspannung zu gönnen. Dann noch ein Schluck aus der Feldflasche, eine handvoll Nüsse aus dem Beutel an seinem Gürtel, dann konnte es weitergehen, dem Tagesziel entgegen.

  • Feldmarschmäßige Ausrüstung, so ritten sie aus. Candidus hatte einiges außer dem Reiter zu tragen. Verpflegung, Eßgeschirr, persönliche Utensilien, Schild, Speerköcher und sagum. Alles war fest verzurrt. Sie zogen aus und er war dabei. Was ihm auf den Magen schlug, Lucilla und Marei wussten nichts davon. Weder, dass er bei der Reiterei war, noch vom Abmarsch der Legion. Heute hatte er gesagt, käme er wieder und nun? Nun saß er auf seinem Pferd und verließ ohne ein Wort des Abschieds Lucilla, Marei und Mantua. Candidus trottete vor sich hin. Vereinzelt sammelten sich Menschen am Straßenrand, verabschiedeten Familienangehörige, vorwiegend Söhne und gute Freunde. Frauen waren auch dazwischen liefen kurz mit , steckten ihren " Bekannten" Kleinigkeiten zu. Antias vermied es hin zu sehen. Es stimmte ihn traurig, das Lucilla in der Bäckerei stand und nichts davon ahnte. Hin und wieder warf er einen Blick auf die, die am Straßenrand standen und stumm ihren Auszug verfolgten.

  • Der Morgen des zweiten Tages verlief so wie jeder morgen. Fast. Den der Centurio hatte schlechte laune, was ich bei ihm noch nie erlebt hatte. Und die Männer noch nicht zu oft wie es schien. Er meckerte dort und hier, einer der Soldaten fing sich sogar prügel ein, wofür wusste Fontinalis nicht. Er war damit beschäftigt gewesen die Vorbereitungen für den marsch zu trffen.


    Nach kurzer Zeit des Marsches sah sich Fontinalis nach hinten um, schließlich sollte niemand aus der Reihe Tanzen. Da fiehl ihm ein Soldat auf, der die Prügel bezog, er schien Probleme zu haben seine Position zu halten. Kurz entschloßen machte sich Fontinalis auf den Weg nach hinten um nach dem rechten zu sehen.
    hey Kamerad. Was ist los? Nimm deinen Platz in der Formation ein!

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!