Domus calamis – Gehöft der Decimer


  • Zwei Meilen südlich der Stadt Ostia, in der Tiefebene zwischen dem Meer und den Hügeln im Hinterland liegt dieses Gut, das an die hundertfünfzig Morgen Land umfasst. Ein kleiner Wasserlauf durchzieht das eher sumpfige Gelände, und wurde schon vor langer Zeit zu einer Reihe von Teichen aufgestaut. Unmengen von Schilf und Riedgras, von kleinen Trampelpfaden durchzogen, säumen das Wasser, und gaben dem Anwesen seinen Namen. Das Hauptgebäude, ein altmodisches Bauernhaus, ist schlicht und einfach eingerichtet und bietet für verwöhnte Stadtrömer wenig Komfort, einzig das Herrenzimmer unter dem Giebel hat große Fenster und eine idyllische Aussicht. Ausserdem gibt es eine schöne Terasse Richtung Wasser, von kleinen runden Buchsbäumen umringt. Ein flacher Kahn liegt am Bootssteg. Das Wasser ist dunkel und leicht brackig, denn das Meer ist nicht weit. Bei Sturm kann man die Brandung hören.


    Ursprünglich war das Gut im Besitz einer alteingesessenen ostienser Familie. Doch sie verkauften es günstig an Decima Lucilla, nachdem sich dort eine große Tragödie ereignet hatte. Die junge Tochter der Familie, Myrtilla, war nämlich im Teich ertrunken. Durch einen Unfall sagen die einen, aus unerwiderter Liebe sagen andere, aus Schande weil sie unverheiratet schwanger war munkeln manche. Wie auch immer, es heißt sie fände keine Ruhe und manchmal, in dunklen Nächten, hat man schon ihr leises Weinen vernommen. Einmal soll ein Knecht sogar ihrem ruhelosen Schatten am Saum des Wasser begegnet sein, und kurz darauf selbst gestorben sein. Sagen jedenfalls die einen. Dummes Geschwätz sagen die anderen.


    Nach Lucillas Umzug nach Hispania kümmert sich ihr Neffe Serapio um das Gut. Wobei er nur selten nach dem Rechten sieht, und den Verwalter selbstständig wirtschaften lässt. Decimianus Atta ist der Name dieses schon betagten, kinderlosen Mannes, er lebt mit seiner Frau Telysa, auch sie eine freigelassene Sklavin der Gens, schon seit vielen Jahren dort, und übersieht mit Strenge die Arbeit der Feldsklaven und -sklavinnen.
    Auf den Feldern wächst, zwischen den Entwässerungsgräben, Weizen und Gerste, es gibt auch eine Obstwiese, etwas Vieh auf der Weide und viele Fische in den Teichen, doch dies dient mehr der Selbstversorgung. Der Schwerpunkt der Landwirtschaft liegt zum einen auf den großen Gemüseäckern, die in den etwas höheren Lagen des Geländes angelegt wurden und um deren Bewirtschaftung sich seit einiger Zeit Decimus Catus kümmert. Zum anderen auf der Geflügelzucht. Riesige Scharen von Hühner scharren in großen Gehegen, Gänse grasen auf den Feuchtwiesen, Enten paddeln in den Teichen, und auf Serapios Wunsch hin werden in den letzten Jahren auch exquisitere Vögel wie Wachteln, Perlhühner und Fasane gezüchtet.

  • Es war irgendwann nach dem Abendessen. Seiana hatte sich zurückgezogen, unter einem Vorwand, hatte vorgegeben noch arbeiten zu müssen – und tatsächlich hatte sie sogar etwas mitgenommen. Allerdings konnte sie sich kaum darauf konzentrieren. Nein... sie konnte sich gar nicht darauf konzentrieren. Ihre Gedanken kreisten nach wie vor um Seneca. Und langsam, aber sicher drohte das zu einem Problem zu werden. Weil es sie zu sehr ablenkte von dem, was um sie herum vorging. Sie hatte das bei der Aufführung bemerkt – sie hatte kaum etwas mitbekommen von dem Geschehen auf der Bühne, und sie fürchtete, dass das irgendwann auch zu merken gewesen war. Und während sie nun allein in dem Zimmer war, das für sie hergerichtet worden war, wurde ihr nach und nach klar, dass sie etwas tun musste. Wenn sie das so sehr beeinflusste, dass sie nicht mehr in der Lage war sich nichts anmerken zu lassen davon, ging es einfach zu weit.
    Und davon abgesehen: so sehr sie den Moment auch fürchtete, wollte sie doch auch mit Seneca reden. Wollte aus seinem eigenen Mund hören, warum er erzählt hatte, was zwischen ihnen passiert war. Wollte von ihm hören, was er sich dabei gedacht hatte... und was ihm das überhaupt bedeutet hatte. Auch wenn sie befürchtete zu wissen, was er sagen würde, dass es für ihn entweder nur Zeitvertreib gewesen war oder er tatsächlich versucht hatte einen Vorteil für sich und seine Familie zu bekommen oder es gar irgendein Plan gewesen war, um sie danach erpressen zu können – was es nun genau war, machte zumindest für sie persönlich keinen wirklichen Unterschied, es verletzte sie so oder so. Aber sie wollte es von ihm hören.


    Vielleicht sollte sie also fast dankbar dafür sein, dass er mit dabei war. Dass sie so die Gelegenheit hatte, mit ihm zu reden, ohne sich erst großartig etwas überlegen zu müssen, wie sie ein Treffen arrangieren konnte. Für einen Augenblick zögerte sie noch, dann griff sie nach einem Tuch, das sie sich um die Schultern schlang, und verließ ihr Zimmer, um zum Eingangsbereich des Hauses zu gehen, wo die Prätorianer waren, und von wo aus sie offenbar für die Bewachung des Hauses sorgten. Seiana ging zu ihnen hin und wandte sich an Seneca. „Optio, ich möchte gerne noch einen Spaziergang machen. Stell mir bitte einen Begleitschutz dafür ab“, sagte sie, und es gelang ihr, neutral dabei zu sein, sowohl was ihre Stimme als auch ihren Gesichtsausdruck betraf. Sie sparte es sich zu sagen, dass sie von ihm persönlich begleitet werden wollte. Er war intelligent genug zu wissen, dass sie das wollen würde... und wenn er ihr trotzdem einen Miles mitgab, nun, dann war das wohl auch deutlich genug. Während sie auf eine Antwort wartete, streifte ihr kühler Blick flüchtig die übrigen Milites, die da waren, und für einen winzigen Moment fragte sie sich, ob er seinen Kameraden auch davon erzählt hatte... ob er damit geprahlt hatte. Vielleicht war das ja schon das ganze Geheimnis dahinter...

  • Er hatte es sich so gewünscht, den ganzen Tag über, auf der Reise nach Ostia, im Theater, während der Wache, er hatte sich gewünscht dass sie ihm ein Zeichen geben würde, und nun ja, das Zeichen war wohl mehr als deutlich. Seit Tagen wälzte er sich unruhig im Bett hin und her, er sah sie, in seinen Träumen, beim Einschlafen, beim Aufstehen, er fühlte sich ständig hingezogen zu ihr, fragte sich was sie wohl machte, was sie dachte, was sie fühlte, und auch wenn es nur die Straßen Roms waren welche sie trennten, so kam es ihm vor als wären es tausende Meilen gewesen.
    Hätte er jedoch gewusst was seine Cousine getan hatte, dass seine Cousine das so ziemlich einzige Versprechen was er je von ihr verlangt hatte, zumindest konnte er sich an kein anderes erinnern, gebrochen hatte, hätte er ihr eventuell wirklich einen Miles an die Seite gestellt, zu groß wäre die Schmach gewesen, und er hätte es wohl nicht verkraftet, aber so, mit dem Glück des Unwissenden, tanzte er innerlich vor Glück, schaffte es aber noch gerade so sich äußerlich zurückzuhalten..


    "Salve Decima, gern, ich werde dich persönlich begleiten.", entgegnete Seneca ihr ebenso kühl und wandte sich dann an die Miles, "Haltet die Augen offen Miles, Valentius, sieh ab und zu ums Haus ob alles in Ordnung ist.", die Männer nahmen kurz Haltung an und drehte sich alsbald wieder um... Dann blickte Seneca seine geliebte Seiana an, lächelte leicht nun da seine Soldaten woanders hinschauten. Er legte seinen Kopf ein wenig schräg, "Nach dir.", sagte er leise und blickte in die Ferne,..
    er ahnte ja nicht was ihm bevorstand...

  • Er bot sich selbst an, sie zu begleiten. Entweder ahnte er also von nichts, oder er hatte wenigstens den Anstand, ihr Rede und Antwort zu stehen. Sie deutete ein Nicken an auf seine Worte hin, gab der Bewegung eine leicht hoheitsvolle Note – und musste gleich darauf Irritation verbergen. Er lächelte, kaum dass seine Männer wegsahen. Lächelte. Warum lächelte er? Für einen Moment blieb ihr Blick an seinem hängen, brachte sie es nicht fertig, wegzusehen, erwiderte allerdings sein Lächeln nicht, sondern blieb neutral... kühl. Dann zwang sie sich wegzusehen und ging voraus, verließ das Haus. Kurz überlegte sie, ob sie nicht doch das Boot nehmen sollte, sich von ihm ein wenig über die Gewässer rudern lassen sollte, aber sie wollte sich nicht auf einen so engen Raum mit ihm begeben. Sie wollte sich die Möglichkeit vorbehalten einfach wegzugehen, wenn es ihr zu viel wurde, zu verschwinden... zu fliehen, wenn man so wollte. Also ging sie einfach los, entfernte sich vom Haus, ohne großartig auf den Weg zu achten, und bewegte sich schon bald auf irgendwelchen Trampelpfaden, die sich weniger zum Spazierengehen eigneten. Aber das war ihr geringste Sorge im Moment.


    Irgendwann wurde sie langsamer, hielt inne, als sie endlich das Gefühl hatte, weit genug weg vom Haus zu sein, außer Sichtweite, außer Hörweite von jedem. Sie befanden sich in der Nähe eines kleinen Teichs, Schilfgras wuchs um sie herum, leichtes Gebüsch, das auf diesem Boden gedieh, das kaum jemandem wirklich Blickschutz bot. Seiana blieb schließlich ganz stehen, drehte sich aber nicht um zu ihm. Sie verschränkte nur die Arme, schlang sie beinahe um ihren Oberkörper, fast als müsse sie sich selbst festhalten, und starrte auf die Wasseroberfläche. Sie fühlte sich ruhig, unnatürlich ruhig, innerlich. „Ich habe nur zwei Fragen. Wem hast du noch alles davon erzählt? Und warum ausgerechnet Axilla?“

  • Er folgte ihr, ihr Schweigen machte ihn nervös, dazu noch die Wege die einschlug, wortlos, schnell merkte er dass etwas nicht stimmte, doch er konnte sich keinen wirklichen Reim darauf machen, viel zu sehr hatte er daran geglaubt dass Axilla nicht mit ihr sprechen würde, er hatte ihr vertraut, und hatte deshalb andere Gedanken, welche von einem "Wir beenden das hier", bis zu einem "Wir beenden das hier, mit diesem Dolch." reichten, obwohl Seneca diesen Gedanken schnell als viel zu absurd verwarf.
    Plötzlich blieb sie stehen, umschlang sich selbst mit ihren Armen, eine seltsame Pose, aber die Gegend war recht idyllisch. Dann brach sie mit ihren Fragen heraus, und Seneca wurde augenblicklich ganz anders, er fror, er fror innerlich als würde er auf dem Gipfel des höchsten Berges stehen, und gleichzeitig brannte sich eine grausame Hitze in seine Innereien, er konnte es nicht fassen, sie hatte ihn verraten, Axilla, seine engste Vertraute, war ihm in den Rücken gefallen..
    Er wusste nicht was er tun sollte, wusste nicht wohin mit seinen Armen, seiner ganzen Anwesenheit, er blickte auf dem Boden, versuchte ruhig zu atmen, versuchte Worte zu finden, und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf..
    "Ich....", stammelte Seneca vor sich hin, unfähig Seiana anzusehen, "Nur.. Axilla.. Woher?", stotterte er weiter, noch immer wollte ein Teil von ihm nicht glauben dass seine Cousine so etwas getan hatte.. Er fing sich, zumindest ein bisschen, so weit dass seine Worte ein wenig klarer wurden, auch wenn ein deutliches Schaudern noch immer in seiner Stimme lag, "Ich habe es nur Axilla erzählt, sie, naja, sie merkte dass es nicht stimmt, und nach einer Weile konnte ich es nicht mehr verbergen.", langsam erhoben sich Seneca's Augen und blickten die kühle Gestalt vor sich, unter deren Panzer irgendwo seine Seiana steckte, an, "Ich habe sonst niemanden Seiana, ich habe ihr vertraut, aber scheinbar...", er wandte sich ab, schüttelte ungläubig den Kopf, "Ich kann es nicht fassen...", in seiner Stimme lag Resignation, was hatte er getan?

  • Nur Axilla, sagte er. Seiana schloss die Augen und wankte innerlich, unschlüssig, ob sie ihm glauben sollte, ob sie sich erlauben durfte wenigstens darüber erleichtert zu sein, dass er es nur seiner Verwandten erzählt hatte und nicht sonst noch jemandem. Sie wollte ihm glauben. Sie wollte auch glauben, dass das Stottern etwas zu bedeuten hatte, und dass da wirklich dieser merkwürdige Tonfall in seiner Stimme war, ein bisschen schockiert, ein bisschen... verletzt, ein Tonfall der zu sagen schien, dass nichts von dem stimmte, was ihr alles eingefallen war als Begründung dafür, warum er geredet hatte. Und sie wollte glauben, was er weiter sagte. Und gleichzeitig wollte sie es nicht. Wollte nicht nachgeben, wollte nicht, dass er noch mehr Gelegenheiten bekam sie zu verletzen, ganz gleich ob das nun absichtlich gewesen war oder nicht – es hatte ja immerhin einen Grund, dass sie über Jahre so daran gearbeitet hatte, sich eine unnahbare Fassade zu geben.
    Ich habe sonst niemanden. Seiana unterdrückte ein Schaudern, weil sie das hörte, diese Wendung, die schon wieder ausdrückte, wie viel sie gemein hatten, er und sie. Es zerriss sie beinahe, diese Sehnsucht danach glauben zu können, dass er die Wahrheit sagte, und die grell leuchtende Warnung in ihren Gedanken davor, genau das zu tun. Der Widerstreit in ihr wurde ihr langsam, aber sicher zu viel, zu viel um ihn weiterhin so stoisch zu ertragen. Es war ein Fehler gewesen, ihn zur Rede zu stellen, sie hätte ihn einfach ignorieren sollen und versuchen, auf ihre Weise damit fertig zu werden. Aber dafür war es nun zu spät, und so fuhr Seiana nun plötzlich herum, als sie es nicht mehr ertrug. „DU kannst es nicht fassen?“ fuhr sie ihn an, immer noch leise, aber um nichts weniger heftig. „Da geht es dir wie mir! Ich habe dir vertraut! Ich dachte...“ Das war vielleicht das Problem gewesen. Sie hatte an alles mögliche gedacht, daran, was das für Konsequenzen haben könnte, und sie hatte sich bewusst entschieden – sie hatte nur nicht daran gedacht, dass sie ihm womöglich doch nicht vertrauen könnte. Und sie hatte erst recht nicht daran gedacht, mit ihm darüber zu reden, hatte es nicht für nötig gehalten, weder auf dem Landgut noch später. Sie konnte ein Zittern nicht unterdrücken und versuchte sich an Wut, an verletzten Stolz zu klammern, um wenigstens annähernd so etwas wie Selbstbeherrschung zu wahren. „Warum? Warum das alles? Um mich reinzulegen?“

  • Sie glaubte ihm nicht, wie ein Dolchstoß rammten sich ihre Worte in sein Herz, und er musste sich dagegen stemmen, sonst wäre er vermutlich sichtbar verkrampft. Was sollte er tun? Seine Worte schienen keine Wirkung zu haben, so aufrichtig sie auch waren, sie brachten ihn nicht weiter. Und doch waren sie die einzigen Mittel die ihm zur Verfügung standen, er konnte ihr nicht einfach über die Wange streichen und sagen dass alles in Ordnung ist, wie gerne hätte er sie geküsst, und einfach wieder alles vergessen aber so leicht war das bei weitem nicht.
    Er ließ sie reden, ihre Worte prasselten auf ihn nieder wie ein Pfeilhagel, eine treffende Metapher für einen Soldaten, doch er konnte immer noch nicht fassen, dass ihn seine Cousine so hintergangen hat. Sie redete, und er schüttelte langsam den Kopf, er hatte es jemandem verraten ja, aber er hätte nie gedacht dass es so weit kommen würde, und Seiana solch einen Zorn auf ihn empfand..
    Als sie ihn letztlich fragte ob er sie reingelegt hatte, wandte Seneca seinen Blick wieder von ihr ab, er konnte, nein, er wollte nicht glauben dass sie so etwas dachte, und er hatte in dem Moment nicht das Zeug dazu ihr in die Augen zu sehen und ihr zu sagen was er für sie empfand, "Ich wollte dich nicht reinlegen Seiana,..", sagte er leise und beinahe schon teilnahmslos in die Nacht hinein, "Ich, naja, ich liebe dich, irgendwie..", fuhr er, unsicher und immer noch wegsehend fort, "Ich wache morgens auf, denke an dich und muss es verbergen, Tag für Tag, vor meinen Männern, vor den Bürgern Roms, vor deinem Bruder. Ich konnte es zuhause nicht mehr, nicht vor Axilla die mich besser kennt als jeder andere.", erklärte er ihr und drehte sich dann doch wieder zu ihr um, "Ich hab nur an dich gedacht, es tut mir leid dass ich es ihr erzählt habe, und dass sie mich hintergangen hat, aber ich wollte dich nie reinlegen, oder ein Vertrauen missbrauchen, es tut mir so Leid Seiana.", fast schon resignierend klang seine Stimme, und er musste sich zusammenreißen nicht wieder aus Scham wegzuschauen, auch wenn er nicht glaubte dass seine Worte irgendwas ändern würden.. Und doch hoffte er selbstredend auf das Gegenteil.

  • Seiana starrte ihn an, während sie sprach, aber sie war zu aufgebracht, zu aufgewühlt, um wirklich zu sehen was in ihm wohl vorgehen mochte, selbst wenn es da Anzeichen gab. Sie bemerkte nur, dass er irgendwann wegsah, dass er es nicht fertig brachte ihr in die Augen zu sehen, und wusste nicht so recht, was sie davon nun halten sollte. Allerdings war es insofern gut, als dass sie sich in diesem Moment einen Augenblick der Schwäche erlauben konnte, einen Augenblick, in dem sie sich mit beiden Händen über das Gesicht fuhr, über ihre Augen, ihre Stirn, und schließlich kurz die Handballen auf ihre Schläfen presste. Nur um ihre Hände gleich darauf fassungslos sinken zu lassen. „Du...“ wisperte sie, verstummte allerdings sofort wieder, als Seneca weiter sprach. Hörte ihm weiter zu, und versuchte diesmal wirklich zuzuhören, nicht nur was er sagte, sondern was er meinte. Er wiederholte die Worte nicht... trotzdem schien alles, was er danach sagte, es nur zu unterstreichen. Und Seiana... hatte das Gefühl als ob es sie nur umso mehr zerriss. Ihr wurde irgendwie schwindelig, als ein merkwürdiges Glücksgefühl sie durchströmte, und zugleich war da dieser Schmerz, darüber, dass es nichts brachte, darüber, dass sie keine Chance hatten, darüber, dass es alles nur noch schlimmer machte. Und da war immer noch dieser Teil, der nach Vorsicht regelrecht brüllte, der ihr zuschrie, sich nicht darauf einzulassen, nicht weil es riskant war, nicht weil es kompliziert war, sondern weil es sie schwach und verletzlich machte. Es erschütterte sie, wie warm ihr plötzlich wurde, und wie kalt sie sich zugleich immer noch fühlte. Sie sah ihn auch noch an, als er sich wieder ihr zuwandte, erwiderte seinen Blick, und mittlerweile konnte sie nicht mehr verbergen, wie sehr ihre Gefühle in ihr stritten. „Sag das noch mal“, flüsterte sie, und bei allem was er gesagt hatte, gab es doch nur eines, was sie meinte.

  • Er blickte sie an, für einen kleinen Moment war er nicht sicher was sie von ihm wollte, seine Worte drückten seine Gefühle aus, und doch bemerkte er erst später dass er ihr wirklich gesagt hatte dass er sie liebte, eine Mischung aus Erleichterung darüber dass es jetzt raus war, und blanker Angst vor ihrer Reaktion machten sich in seinen Augen breit, nur schwer konnte er ihrem Blick standhalten und doch tat er es, und bewegte sich sogar einen kleinen Schritt auf sie zu, "Ich liebe dich Seiana.", wiederholte er das eben gesagte leise, jetzt wo es schon einmal gesagt war, fiel es ihm sichtlich leichter es zu sagen, mehr als ihm eine Abfuhr zu erteilen konnte sie jetzt auch nicht, auch wenn es ihn innerlich zerfetzen würde, wenn sie nun einfach gehen würde, oder ihn wieder ihren Zorn spüren lassen würde.
    Jeder Moment der verstrich ohne ihre Antwort zu hören wurde zu einer quälenden Ewigkeit, und die Stille an diesem abgelegen Ort tat ihr übriges dazu, würde sie ihn hier einfach stehen lassen? Ihm nicht glauben? Ihn weiter Vorwürfe machen? Seneca hatte viel zu große Furcht vor ihrer Reaktion um auch nur im entferntesten an einen positiven Ausgang zu denken. Und doch, egal wie aussichtslos ihre Situation war, egal wie niedrig die Chancen für ihre Liebe standen und wie viele Hürden im Weg standen, sie sollte erfahren was er für sie empfand, sie musste erfahren was er für sie empfand..

  • Seiana schloss die Augen, als er die Worte wiederholte. „Seneca.“ Ihre Stimme klang gequält, sogar in ihren eigenen Ohren, und zitterte zugleich von diesem Funken Hoffnung, der nun endgültig aufflammte und sie mit Wärme durchströmte, und der darauf bestand, dass sie sich darauf einlassen konnte, sollte, musste. „Das...“ geht nicht. „Wie...“ kannst du nur. „Du...“ kennst mich kaum. Seiana würgte beinahe an den Worten, brachte es aber nicht fertig, auch nur einen dieser Sätze zu vollenden. Es war ja nicht einmal, dass es sie wirklich überraschte, was Seneca da sagte. Sie hatte unendlich Angst davor verletzt zu werden, und doch war da auch dieser Teil in ihr, der ihr zuflüsterte, dass er ihr nichts vormachte, weder jetzt mit seiner Begründung, warum er Axilla eingeweiht hatte, noch auf dem Landgut in den Albaner Bergen. Trotzdem war es noch einmal etwas anderes, diese Worte zu hören... und sie zu glauben. Noch dazu in ihrem aufgewühlten Zustand. Sie hob erneut ihre Hände, diesmal allerdings nur leicht, in einer hilflosen Geste, die Handflächen nach oben. Und ließ sie wieder fallen. „Ich liebe dich“, wisperte sie schließlich beinahe tonlos. Und rieb sich erneut – diesmal nur mit einer Hand – über die Stirn, presste den Ballen darauf, als könne sie so Ordnung in ihre Gedanken und ihre Gefühle bringen. „Götter... Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich weiß es einfach nicht.“

  • Er blickte sie an, hörte genau auf ihre Worte, ihre Unsicherheit. Hatte sie es gerade wirklich gesagt? Er war sich nicht sicher doch je länger er versuchte ihre leisen Worte zusammenzufügen umso sicherer wurde er dass sie es tatsächlich gesagt hatte, eventuell spielte auch der Wunsch danach eine Rolle.
    Langsam bewegte er sich auf sie zu, sie schien immer noch neben sich, verständlich, letztlich war sie immer noch verheiratet mit dem noch aktuellen Praefectus Praetoriae, und eigentlich war sie immer noch über seinem Stand, und irgendwie kamen sie auch noch aus zwei Familien welche sich nicht so wirklich gut verstanden, aber letztlich, alles in allem, eigentlich und irgendwie war Seneca das egal, zumindest jetzt und hier, wo sie alleine waren, einen Moment den er sich schöner vorgestellt hatte, ohne die Diskussionen, ohne Vorwürfe und verletztende Worte, aber sie waren alleine, das zählte.. Immer noch ging Seneca auf Seiana zu, wortlos, mit einem kleinen Lächeln das so unpassend wirkte dass es noch eine Essenz zu der sowieso schon verwirrenden Situation beisteuerte.
    'Deine Chance Aulus', dachte sich Seneca, er konnte diesen besonderen Moment nicht einfach verstreichen lassen, viel zu schwer wogen die Worte, und viel zu bedrohlich wirkten die, die noch kommen könnten, wenn er ihre bedenken jetzt nicht ein für alle Mal beiseite schob.. Er kam ihr näher, und näher, und dann, ohne etwas zu sagen, ohne sie zu fragen oder auch nur durch eine zarte Berührung darauf aufmerksam zu machen, küsste er sie..

  • Nachdem das Theaterstück beendet wurde und es reichlich spät war, entschloss Messalina die Nacht mit ihrer Familie zu verbringen, so folgte sie am Ende den ganzen Haufen mit ihrem Liktor und ihrer Sklavin. Ihre Eltern und Geschwister hatte sie trotzdem kaum aufgesucht, irgendwie war ihr nicht danach, mit ihnen zu reden. Etwas war anders. Das Dasein als Vestalin hatte sie teils verändert, nur in welche Richtung war noch nicht klar.


    Als dann die Familie am Gehöft angekommen war, gesellte sie sich nicht ins Haus um am Abendessen teil zu haben, sondern ging zum Bootssteg. Rückte ihre Tracht zurecht und setzte sich anschließend am äußersten Rand, ganz vorne. Ihre Füße baumelten herab, aber ohne das Wasser zu erreichen. Nur wenn sie ihre Füße samt Zehen streckte, kratzte sie an der Wasseroberfläche, doch dafür war das Wasser für ihr empfinden zu kalt. Vielmehr mochte sie es, wenn Nysa sie im warmen Wasser badete, sie wusste nicht warum, doch ihre Nähe tat ihr gut. Sie blickte zu ihr, die sich weiterhin am Ufer aufhielt und mit Neratianus sprach. Dabei fiel ihr mal wieder das wunderschöne rote lange Haar von Nysa auf. Hmmm…

  • Hilflos stand sie da, hilflos sah sie ihn an. Sah, wie er langsam auf sie zukam, immer näher, bis sie schließlich für einen Moment die Augen schloss, unschlüssig, und so furchtbar hin und her gerissen, zwischen ihrer Angst, ihrem Gewissen, ihrer Sehnsucht. Sie öffnete die Augen wieder, nur um zu sehen, dass er noch näher gekommen war, und dass er weiter auf sie zukam. „Seneca...“ kam erneut sein Name über ihre Lippen, aber da war er schon heran, war bei ihr, und bevor sie richtig begriff was er vorhatte oder was geschah, küsste er sie schon. Für einen winzigen Moment war sie zu perplex, um irgendwie zu reagieren. Dann ließ sie los. Schloss ihre Augen ein weiteres Mal und erwiderte seinen Kuss, hob eine Hand und legte sie leicht an seine Brust. Wie schon auf dem Landgut wusste sie, dass sie das nicht tun sollte. Das Problem war nur: sie wollte es. Sie wollte es viel zu sehr, als dass sie es geschafft hätte nun das zu tun, was richtig gewesen wäre.
    Sie wollte es... und doch war es diesmal anders als den Albaner Bergen. Sie konnte die Welt nicht verdrängen, da war alles noch da – ihre Familie, ihr Mann, die Umstände... und die letzten Tage. Die Enttäuschung und der damit verbundene Schmerz. Auch wenn sie nun tatsächlich zu glauben begann, dass das grundlos gewesen war, änderte es doch nichts daran, dass sie so gefühlt hatte... und dass die Gefahr stets da war. Irgendwann löste sie also ihre Lippen von seinen, trat aber nicht zurück, sondern lehnte sich an ihn, barg ihren Kopf an seiner Brust. Himmel, wie sehr sie seine Nähe genoss, wie sehr sie das Gefühl hatte, sie zu brauchen. Wie schwer es ihr jetzt schon wieder fiel sich vorzustellen, alleine zu sein. Ihre Augen schwammen mittlerweile in Tränen, aber sie versuchte sich zu beherrschen, hielt sie zurück. „Ich hab Angst davor“, murmelte sie, nach wie vor an seiner Brust, und der einzige Grund, warum sie es überhaupt schaffte das einzugestehen, war der, dass sie ihn nicht ansah dabei. „Ich hab Angst, dass es zu... viel ist. Zu stark. Ich hab Angst dich zu brauchen. Ich kann... nicht... ich hab immer versucht das zu verhindern...“

  • Seneca bemerkte ihr Zögern, sicher, es war gut nachzuvollziehen warum sie sich einen Moment lang dem Kuss verweigerte, und trotzdem rief es kurz ein auflammen von Unbehagen in dem Iunier hervor, er war nicht der Typ der sich einfach aufzwang und selbst bei einer Verweigerung einfach versuchte weiterzumachen, aber letztlich erwiderte sie seinen Kuss dann doch, wenn auch nur kurz, um sich danach an seine Brust zu lehnen. Seneca strich ihr über den Hinterkopf, während er in den Abendhimmel blickte, der außerhalb von Rom wirklich etwas mehr Glanz hatte..
    "Du brauchst mich nicht Seiana, und doch werde ich für dich da sein.", flüsterte er ihr zu, er brauchte sie umso mehr, er hatte keine Übung darin seine Gefühle zu begraben, und wenn, dann nur für die Dauer eines Verhörs und nicht über Tage, Wochen oder Jahre.. Ich weiß wie schwer es ist, aber hab keine Angst,..., was sollte er jetzt sagen? Die Hoffnung stirbt zuletzt? Wenig aufheiternde Wort, auch wenn er wirklich noch die Flamme der Hoffnung in sich am lodern hielt, aber sie kam aus einer anderen Welt, für sie zählten andere Dinge, Dinge von denen er nichts verstand, denen er hilflos ausgeliefert war, und trotzdem rang er weiter um Worte, und hielt sie weiter bei sich, "Wer kann schon sagen was die Zukunft bringt Seiana, wenn es dir zu viel wird, nun, wie auch immer ich dir helfen kann, ich werde es tun.", Seneca wusste selbst nicht so genau was er mit seinen Worten anfangen sollte, wirklich weiterhelfen würde es wohl niemanden und er kämpfte weiter, die Zukunft wirkte bedrohlich, aber jetzt waren sie hier, zu Zweit, und irgendwie versuchte Seneca das zu genießen, wie genau das auch immer funktionieren sollte..

  • Zitat

    Original von Decima Messalina
    Nachdem das Theaterstück beendet wurde und es reichlich spät war, entschloss Messalina die Nacht mit ihrer Familie zu verbringen, so folgte sie am Ende den ganzen Haufen mit ihrem Liktor und ihrer Sklavin. Ihre Eltern und Geschwister hatte sie trotzdem kaum aufgesucht, irgendwie war ihr nicht danach, mit ihnen zu reden. Etwas war anders. Das Dasein als Vestalin hatte sie teils verändert, nur in welche Richtung war noch nicht klar.


    Als dann die Familie am Gehöft angekommen war, gesellte sie sich nicht ins Haus um am Abendessen teil zu haben, sondern ging zum Bootssteg. Rückte ihre Tracht zurecht und setzte sich anschließend am äußersten Rand, ganz vorne. Ihre Füße baumelten herab, aber ohne das Wasser zu erreichen. Nur wenn sie ihre Füße samt Zehen streckte, kratzte sie an der Wasseroberfläche, doch dafür war das Wasser für ihr empfinden zu kalt. Vielmehr mochte sie es, wenn Nysa sie im warmen Wasser badete, sie wusste nicht warum, doch ihre Nähe tat ihr gut. Sie blickte zu ihr, die sich weiterhin am Ufer aufhielt und mit Neratianus sprach. Dabei fiel ihr mal wieder das wunderschöne rote lange Haar von Nysa auf. Hmmm…


    <<
    "Hast du zufällig meine Schwester gesehen?" erkundigte ich mich bei Messalina, als ich am Ende des Bootsteges angelangt war. Ich kam gerade von einer langen Runde über das Gut. Zusammen mit dem Verwalter war ich über alle möglichen Wiesen und Felder, durch Ställe und Scheunen, zu Teichen und Schleusen gestapft, und er hatte mir, ausfühlicher als mir lieb war, gezeigt, dass alles hier zum besten stand. Jedenfalls was die landwirtschaftliche Seite anging... bei der Vermarktung der Erträge jedoch war nicht viel rauszuschlagen. Es war halt keines von den riesigen Latifundien hier, nur ein gewöhnliches Bauerngut. Die Latifundien hatten wir in Hispania, und die waren auch bei weitem rentabler als dieser Hof hier. Aber ich fand es ganz nett, etwas Landwirtschaft in der Nähe zu haben, und wenn der Krieg die Handelswege noch weiter lahmlegen würde, dann würden wir doch immer noch etwas auf dem Tisch haben.
    Jetzt hatte ich jedenfalls Dreckklumpen an meinen todschicken Calcei und müde Füße. Überhaupt wars ein langer Tag gewesen. Aber ich wollte doch noch wenigstens kurz ein paar Worte mit Seiana reden... sie war heute wieder so komisch gewesen. Eine Sklavin meinte, sie sei wohl spazieren.
    Ich blieb neben Messalina stehen - ihre Gewänder hoben sich beinahe leuchtend gegen die dunkle Wasseroberfläche ab – und bemerkte: "Aus der Entfernung hast du ausgesehen wie ein weißer Vogel.. wie eine Möwe."

  • Seiana schloss die Augen. „Natürlich brauche ich dich“, antwortete sie leise. Genau das war ja das Problem, dass es zu spät war... zu spät, um daran noch etwas zu ändern. „Ich bin nicht stark, Seneca. Ich versuche es zu sein... und ich versuche noch mehr so zu wirken. Aber ich bin es nicht. Die letzten Tage, als... als ich dachte, du... du hättest mir nur was vorgemacht...“ Aus welchen Gründen auch immer. Obwohl sie natürlich darüber nachgedacht hatte, warum, hatte es doch nicht wirklich eine Rolle gespielt. Egal warum... allein der Gedanke daran, dass es nicht echt gewesen war – oder falls doch, dann so rasch vorbei –, hatte sie auf eine Art geschmerzt, die sie eigentlich nie hatte erfahren wollen. Davor hatte sie Angst. Und es gab nichts, was Seneca tun könnte, wie er ihr dabei helfen könnte, oder zumindest nichts, was sie sich vorstellen konnte. Sie war sich nicht einmal so sicher, ob er überhaupt begriff, wirklich begriff, worum es ging. Aber so gut sie sonst auch mit Worten umgehen konnte, hier fehlten sie ihr... vielleicht auch, weil sie gar nicht wollte, dass er erfuhr wie kaputt sie sich im Grunde fühlte. Es reichte doch, dass er da war... es reichte, dass sie in seiner Gegenwart das Gefühl hatte, nicht mehr ganz so kaputt zu sein. Er musste nicht erfahren, wie viel Angst sie davor hatte irgendwann doch noch zu zerbrechen. Wie viel Angst sie davor hatte, dass er nun der Auslöser dafür sein könnte, nachdem sie sich nach Jahren des Einmauerns für ihn geöffnet hatte. Mit einem traurigen Lächeln löste sie sich ein wenig von ihm, nur gerade weit genug, dass sie ihn nun doch ansehen konnte, dass sie eine Hand heben und an seine Wange legen konnte. Und schloss dann doch wieder die Augen, zog diesmal allerdings seinen Kopf zu ihrem, so dass sie ihre Stirn an seine Wange legen konnte. „Ich brauche dich.“ Das war so ziemlich das einzige, was sie im Augenblick mit Sicherheit zu sagen wusste. Sie wusste genauso wenig wie er, was die Zukunft bringen mochte, und es machte sie hilflos, dass sie keine Lösung hatte, keinen Plan, nicht einmal eine Ahnung. Dass sie nicht wusste, wie es weiter gehen sollte. Aber was hätte es schon gebracht, diese Frage laut zu stellen? Er wusste das doch genauso wenig wie sie. Er konnte genauso wenig etwas sagen dazu. Es war unfair, ihn mit solchen Fragen zu konfrontieren, auf die keiner von ihnen eine Antwort wusste. Und es war sinnlos.

  • Zitat

    Original von Faustus Decimus Serapio



    Messalina immer noch zu ihrer Sklavin blickend, bemerkte gar nicht, dass sich ihr Onkel Serapio zu ihr begeben hatte. Doch als er sie ansprach, wurde sie in ihren Gedanken gestört und neigte ihren Kopf in Richtung ihres Onkels. Der durch die Abendsonne samt Rüstung wunderschön schimmerte. Das erinnerte sie direkt an das Vorkommnis auf dem Forum Romanum, als die Prätorianer einen armen Bürger aus heiterem Himmel verprügelt hatten, der dann Messalinas schöne Carbasus beschmutzte. Sofort musste sie an den einen Prätorianer denken, der genauso schimmerte ebenso seine Rüstung, nur war es im Mondlicht gewesen. Hach… Dieser Mann ging ihr ebenso nicht aus dem Kopf wie auch ihre Nysa nicht. Sie war sehr durcheinander, was einem Gefühlchaos gleich kam. Personen die sie mochte, wollte sie nicht sehen. Dinge, die sie bisher als schlimm empfand, erfreuten sich nun ihrer Interesse. …Bitte hilf mir…


    "Nein, ich habe Tante.." Nicht Tantchen!"… Seiana nicht gesehen. - Ist mir aber auch egal, wo sie sich rumtreibt. Sie ist doch erwachsen genug." Sie konnte es kaum glauben, dass sie je so was sagen würde, ihr heiliges Tantchen war nun nebensächlich geworden. Wobei sie doch nicht sauer auf ihr war, wenn auch ihre Tante kaum Zeit hatte, was bestimmt wie immer an ihren blöden Mann lag.


    "Ein weißer Vogel, passend für eine Vestalin wie mich. Auf und davon!", meinte sie ganz nüchtern. "Ich habe, bevor ich zur Vestalin wurde, eine weiße Amsel geopfert, im Nachhin, hat sich herausgestellt, dass diese Idee Anklang bei Fortuna fand, aber die Wahl des Tieres nicht klug war. Ich bin dumm…", sagte sie traurig.


    Sie sah den Dreckklumpen an den Calcei hängen und blickte anschließend Serapio mit großen Augen an. "Möchtest du dich nicht setzen? Dann könntest du auch deine Schuhe sauber machen, wenn du möchtest lass ich nach Nysa rufen?" Oh, Nysa… du fehlst… aber irgendwie auch nicht… "Ich hätte nicht nach Ostia kommen dürfen." In dem Moment hätte sie fast geweint, doch sie versuchte den Ausbruch zu verhindern.

  • Seneca war im Zwiespalt, einerseits freute es ihn dass sie ihn brauchte, weil es eben schön ist so etwas gesagt zu bekommen, gerade von ihr, welche von Allen immer als sehr unterkühlt wahrgenommen wurde. Andererseits, und auch das zeigte was er für sie empfand, schmerzte es ihn zu sehen wie sie litt, und dass er nichts für sie tun konnte. Wortlos entließ Seneca sie aus seiner Umarmung, und ließ sich ann ihre Stirn führen, ein inniger Moment, so seltsam es auch erschien, ihre Nähe war immer noch etwas besonderes, auch wenn andere Dinge die Situation in eine dunkle Farbe trübten...
    "Und ich brauche dich Seiana.", wisperte Seneca während sie Stirn an Stirn einfach nur dort standen.
    Und es stimmte, seit dieser Nacht auf dem Landsitz verging nicht eine Minute in der er nicht an sie gedacht hatte, sie war seine größte Bürde, sein Schmerz, sein Wunsch, und gleichzeitig seine Motivation und sein Antrieb. Wenn der Krieg kommen würde, so würde er für Rom kämpfen, dafür, dass den Bürgern in Rom kein Leid zuteil wird, und für sie. Aber all diese Worte und Gedanken in seinem Kopf waren zu groß um sie jetzt auszusprechen, mitten hinein in ihre Unsicherheit, weswegen es wohl besser war sich an dem Faden zu orientieren welchen sie bereits ausgelegt hatte, "Ich könnte dich niemals hintergehen,...", mehr sagte er nicht, nicht weil ihm nichts mehr einfiel, oder er es nur als Floskel benutzte, sondern weil er sich nicht sicher war ob sie ihm wirklich wieder etwas Vertrauen schenkte, er wollte jetzt nicht sagen 'ich bin froh dass alles wieder in Ordnung ist.', denn in Wirklichkeit schien wenig in Ordnung, sie liebten einander, brauchten einander, und doch waren sie wie die Spartaner welche gegen die halbe Welt zu kämpfen schienen..
    Und so standen sie da, einsam, nur die Beiden, schweigend, ratlos und doch war der Iunier nicht gewillt das was sie hatten aufzugeben..

  • Niemals hintergehen, klang es in ihren Ohren nach. Niemals. Seiana konnte gar nicht anders, als ihm das zu glauben. Sie wollte ihn glauben, sie sehnte sich danach, und so hoch die Zweifel auch geschlagen hatten in den vergangenen Tagen, jetzt, hier, in seiner Gegenwart, in seinen Armen... glaubte sie ihm. Da war immer noch die Angst da, aber dennoch... glaubte sie ihm. Sie meinte zu spüren, dass er es ehrlich meinte, vielleicht auch, weil sie wollte dass es so war, aber er war ja auch immer aufrichtig gewesen ihr gegenüber. Hier. In den Albaner Bergen. Damals in Rom, als sie getroffen hatten. Und sie wünschte sich, er könnte ständig bei ihr sein, einfach nur um seine Ruhe zu spüren, eine Ruhe, die ihre Zweifel linderte und die sie selbst zur Ruhe kommen ließ. Diese Ausstrahlung war es, die sie von Anfang an an ihm fasziniert hatte.
    Und doch hatte er mit Axilla gesprochen. Sie glaubte ihm auch das, dass es keine böse Absicht gewesen war, dass er das Bedürfnis gehabt hatte mit jemandem zu reden – und sie nahm hin, dass er der Iunia offenbar vertraute, auch wenn Seiana sich nur schwerlich vorstellen konnte, wie man dieser Frau Vertrauen schenken konnte. Trotzdem... trotzdem war sie die falsche Person, gleich wie sehr Seneca ihr vertraute. Axilla war so sehr die falsche Person wie ihr Bruder es war. Aber auch darüber wollte sie nicht so recht sprechen, weder darüber, was passiert war, noch darüber, wie er sich wohl fühlen würde, wenn er von ihrem Bruder plötzlich angegangen werden würde. Axilla wusste Bescheid, daran würde Seiana nichts mehr ändern können... und sie würde wohl oder übel auch daran glauben müssen, dass Seneca mit seinem Vertrauen in seine Cousine nicht falsch lag. Dass diese nichts tun würde, was ihm schaden könnte. Sie nickte, ihr Kopf an seinem, rutschte dann ein wenig vor, ließ ihre Lippen über seine Wange gleiten und legte ihre Hände schließlich in seinen Nacken. „Vergiss einfach nicht, dass wir eine Vergangenheit haben, sie und ich.“ Seiana veränderte ihre Haltung nicht, blieb bei ihm, und sie bemühte sich, den kühlen Unterton aus ihrer Stimme zu verbannen, der sich hinein schleichen wollte, kaum dass sie über Axilla sprach. Die Frau hatte sie nicht nur beleidigt und ihr gedroht, sie hatte sie geschlagen. Aber sie konnte auch nicht vergessen, was Seneca vorhin über sie gesagt hatte. Dass sie das für ihn war, was Faustus ihr bedeutete. Der einzige Mensch, den er noch hatte. Der einzige, dem er wirklich noch vertraute. Sie konnte ihm das nicht wegnehmen, nur weil sie selbst ein Problem mit Axilla hatte. Sie konnte nur hoffen, dass die Iunia sich künftig wieder zusammenreißen würde mit ihrem offenkundigen Hass, den sie ihr gegenüber empfand.

  • Ihre Lippen an seinen, er liebte es, und auch wenn man es kaum einen Kuss nennen konnte so schloss der Iunier trotzdem kurz die Augen. Kurz darauf erwähnte Seiana dann seine Cousine, und Seneca musste sich beherrschen nicht seine Wut auf Axilla, welche er in diesen Momenten empfand, zu offenkundig werden lassen und sich wieder gänzlich auf Seiana zu konzentrieren, ihre Augen, ihr fein gezeichnetes Gesicht, doch so völlig konnte er sich gedanklich nicht vor dem bevorstehenden Familiendisput lösen. Er hatte nie so ganz verstanden was zwischen den Beiden vorgefallen war, er wusste dass es um den Kerl ging der sich kurz nach dem erreichen Senecas in Rom von der Klippe gestürzt hat, aber Axilla redete nicht so gerne darüber und Seiana hatte er nie gefragt, warum sollte er sie auch nach einem "Verflossenen" fragen, er bemühte sich ja auch so selten wie möglich ihren Mann zu bemühen, wahrscheinlich mehr für sein eigenes Gewissen als für alles andere.
    "Nein, nein das vergesse ich nicht.", sagte Seneca und hoffte nicht allzu zerknirscht zu klingen, noch immer konnte er nicht glauben dass Axilla ihn verpfiffen hatte, aber zum Glück war es nur bei Seiana selbst, so hoffte er, und ein kleiner Teil in ihm, der nicht zu seinem Herzen gehörte welches sich nach Seiana sehnte, konnte es kaum erwarten seiner Cousine in Rom die Leviten zu lesen..
    "Ich will dass du mir vertraust, es ist wichtig für mich. Ich weiß du willst nicht dass ich nochmal mit ihr rede, aber sie wird es mir erzählen, und ich bin enttäuscht von ihr, was soll ich tun?", fragte er Seiana, denn er wusste wirklich nicht was er machen sollte. Einerseits konnte er es nicht einfach übergehen, viel zu tief lag seine Wut, seine Enttäuschung, auf der anderen Seite wollte Seiana nicht dass er nochmal mit ihr redet, das Thema nicht noch einmal aufwärmt, und doch konnte er es wohl nicht einfach übergehen. Seneca blickte Seiana an, sie war einfach wunderschön, und wäre die Situation eine andere gewesen hätte er es ihr gesagt, aber er hatte eine doch nicht ganz unwichtige Frage gestellt, und hielt sich deshalb zurück, auch wenn er immer wieder aufs neue in ihren Bann gezogen wurde, egal was seine Cousine in Seiana sah, er sah sie anders, und er hatte das Gefühl sie besser zu kennen als viele Andere..

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!