[Tablinum] Ursus et Cimon

  • Nachdem der Nubier die Begegnung mit dem Tribun verarbeitet hatte, kam er zurück...direkt zu seinem Herren. Denn er hatte den Besitz von Ursus beschädigt...seine eigene Tunika. Er wurde zunehmend unsicherer, je näher er seinem Dominus kam. Offenbar arbeitete dieser. Cimon kniete sich auf den Boden und wartete mit gesenktem Blick. Sein bloßer Arm fühlte sich kalt an und die Narben darauf schmerzten, als wären sie gerade erst entstanden. Der Nubier mochte es nicht, wenn er sie zeigen musste... seit er bei Ursus war, hatte er sie immer verborgen... naja bis auf...Caelyn und Flora ... aber er hatte dafür gute Gründe gehabt... dies aber... es war kein besonders guter Grund. Er schämte sich sogar ein wenig für sein Verhalten. Dabei hatte er doch nur dem Wunsch des Tribun gefolgt. Aber hätte er nicht sagen sollen, das die Tunika nicht sein Besitz war? Vermutlich schon...


    Cimons Gedanken überschlugen sich, während er versuchte zu überlegen, was er sagen konnte. Doch ungefragt wollte und würde er niemals die Stimme erheben. Nicht in dieser Situation.

  • Schon weil es hier gemütlicher war und er hier auch seine Frau häufiger zu Gesicht bekam, hatte sich Ursus etwas Arbeit mit nach Hause genommen. Es war nichts sonderlich kompliziertes. Er hatte einige Berichte durchzusehen, machte ein paar Notizen, wenn er bei dem einen oder anderen Punkt noch näher nachhaken wollte.


    Zuerst bemerkte er Cimons Eintreten gar nicht. Der Sklave war immer so zurückhaltend und leise, daß Ursus seine Gegenwart irgendwie schon für selbstverständlich hielt. Doch irgendwann fiel ihm auf, daß der Nubier dort kniete, nichts sagte, nichts tat. Seine Augenbraue hob sich, sein fragender Blick fiel auf den Nubier. "Alles in Ordnung, Cimon?" Der Tonfall war freundlich besorgt.

  • Der Nubier hockte nur da, mit gesenktem Kopf und wartete. Still und ruhig sah er nieder. Immer kälter wurde es Cimon dabei und er zuckte leicht, als Ursus sprach. Obwohl die Stimme seines Herren so gar nicht erbost klang, er schien sogar besorgt zu sein.
    Ob alles in Ordnung war? Wie sollte er das nur beantworten. Am besten wohl mit der Wahrheit. Der Nubier sah auf, wagte es aber nicht aufzustehen. In seiner Stimme klang unsicherheit, und dennoch versuchte er ihr einen festen Klang zu verleihen.


    "Ja, Herr. Ich... wollte dich nicht stören Dominus Ursus. Ich... habe ... ich wollte dir nur melden, das ich Besitz von dir...beschädigt habe, Herr."


    Sollte er einfach weiter reden? Einfach so? Vielleicht war die Arbeit von Ursus zu wichtig, als das er sie unterbrechen würde. Nein, die Entscheidung, ob ein Sklave weiter zu sprechen hatte, oblag am Ende doch immer dem Herren.

  • Ursus horchte auf. Cimon schien unsicher, das Stocken seiner Worte verriet gar Angst. Es mußte also etwas immens wertvolles, wichtiges sein, das beschädigt worden war. „Was ist passiert, Cimon?“ Noch immer war da kein Vorwurf in der Stimme. Aber der Sklave besaß nun Ursus' ungeteilte Aufmerksamkeit. Absichtlich hatte Cimon garantiert nichts zerstört, das war nicht seine Art. Doch das schlechte Gewissen stand ihm ins Gesicht geschrieben und ließ Ursus schon Schlimmstes ahnen.

  • Die ruhige Stimme seines Herren gab ihm Mut, so dass Cimon ihn nun direkt, wenn auch sehr ergeben ansah. Er wollte ihm nur in die Augen sehen, damit Ursus würde erkennen können, wie ehrlich der Nubier war. Es fühlte sich zwar falsch an, doch er dachte, das dies der richtige Moment dafür wäre. Noch immer lernte er jeden Tag, wie er mit seinem Herren umgehen konnte... mit anderen Herren, wie er vor wenigen Momenten erkennen durfte ... es war neu, doch er lernte gerne. Wusste er doch, das er in diesem haus niemals ungerechtfertigt bestraft werden würde. gab es überhaupt ungerechte Strafen? Herren hatten doch alle Rechte. Und wieder musste er an Atonis denken...und an die Worte von Ursus... ja es gab schlechte Herren und ungerechtigkeit gegenüber einem Sklaven...
    Vielleicht würde er es irgentwann einmal glauben.


    Was geschehen war? Wie deutlich sollte er es sagen? Seine Hand strich über die Haut des freiliegenden Armes. Es gefiel ihm nicht eine beschädigte Tunika zu tragen...vor allem da man so die narben sehen konnte. Aber diese Entscheidung stand nicht ihm zu.


    "Ich...ich habe die Tunika zerrissen, Herr. Tribun Artorius hatte sich verletzt und verlangte danach...ich habe es getan.... obwohl ich genau wusste, das dies nicht mein Besitz ist...bitte verzeih Herr. Ich...habe mich wohl schlecht gefühlt, da ich ihn angestoßen habe... ich habe nicht aufgepasst, Ursus...Dominus Ursus... es wird nicht wieder vorkommen, Herr."


    Jetzt hatte er es doch gesagt...das er nicht genügend Acht gegeben hatte...aber Ehrlichkeit war doch das Beste... ja... ein wenig selbstsicherer erhob sich sein Oberkörper. Mit gerader Haltung, aber noch immer nieder gekniet, sah er nun Ursus an. Seine Mimik war ruhig und er gewann allleine dadurch seine gewohnte Art wieder, das sein Herr wie gewöhnlich eher ruhig und besonnen reagierte.

  • Ein wenig spannte Cimon seinen Herrn noch auf die Folter. Ursus sah erst jetzt die beschädigte Tunika, dachte sich noch nichts dabei. Er erwartete immer noch die große Beichte eines halb abgebrannten Hauses oder einer ähnlich schlimmen Angelegenheit. Als Cimon dann endlich berichtete, schaute Ursus ihn erst einmal einen Moment lang ungläubig an. Dann mußte er sich schwer zusammenreißen, um nicht laut herauszulachen. "Cimon... eine Tunika... Das ist wirklich kein Problem. Es ehrt Dich, daß Du Dir so viele Gedanken darum machst und ich schätze es, wenn meine Leute mein Eigentum achten und zu bewahren versuchen. Doch es ist kein unersetzbarer Schaden. Geh morgen in die Stadt und besorge Dir eine neue Tunika. Nein, besser gleich zwei oder drei. Ich glaube, Du könntest ein paar aus dickerer Wolle gebrauchen, bevor der Winter richtig loslegt. Ich habe keine Ahnung wie streng der hier in der Gegend ausfällt. Achja, frag doch mal im Haus herum, ob noch andere wärmere Kleidung brauchen."

  • Für den Nubier war die Beschädigung der Tunika ebenso unentschuldbar wie andere Verfehlungen. Doch er wusste auch, das diese Gedanken von seinem früheren Herren, Atonis geprägt worden waren und nun Ursus' Meinung maßgeblich war. Langsam zeigte sich ein Lächeln auf seinen Lippen, als Ursus zu sprechen begann. Cimon nickte ergeben und stand ganz langsam auf. Noch immer zeigte jede Bewegung des Nubiers seinen tiefsten Respekt vor seinem Herren.


    "Ich danke dir für deine Großzügigkeit, Herr.
    Aus...aus dicker Wolle, ...Ursus? ...Ich...danke. Ich werde gleich morgen auf den Merkt gehen und noch heute die anderen fragen, ob jemand etwas benötigt, Dominus Ursus."


    Es war selbstverständlich, das er immer darauf achten würde, die Großzügigkeit seines Herren nicht auszunutzen. Er durfte inzwischen frei an das Geld seines Herren gehen, doch er tat es nur, wenn es erwünscht war. Vielleicht vertraute Ursus ihm genau deswegen. Der Nubier würde sogar etwas zu handeln versuchen, dabei aber darauf ahcten, das die Qualität des Stoffes dem gleichkam, was Ursus in seinem hause verlangte. Die Sklaven waren eine Art 'Zeichen' nach außen. Gerade jene, die den Herren begleiteten oder viel draußen waren, mussten vernünftig gekleidet sein.


    Der Sklave atmete tief durch und entspante sich zusehens, wobei er versuchte stolz in seiner Haltung zu zeigen...ja, er war stolz darauf, Ursus' Sklave sein zu dürfen. Es wurde ihm nun immer bewusster, wie gut es ihm ging und wie schrecklich es einmal war. Auch wenn er, wie eben, immer wieder einmal in alte Verhaltensmuster zurückfiel, versuchte er doch seinem Herren zu zeigen, wie sehr er ihm vertraute. Dies zeigte sich vor allem darin, das er glaubte ihm alles sagen zu können...fast alles...das eine, das wagte er noch immer nicht. Sicher war es auch besser so. Ursus hatte recht gehabt, Cimon sollte diese freie Frau vergessen. Nur gut das sein Herr nicht wusste, das es Flora war und das sie...sich bereits sehr 'nahe' gekommen waren.
    Der dunkle Sklave vertrieb diese Gedanken und sah sich kurz um. Bedacht aber nicht zu langsam bewegte er sich, um seinem Herren nach zu schenken. Er hatte einen leeren Becher entdeckt und das war nicht gut. Das Essen... er überlegte, was es bisher gegeben hatte. Er entschied sich dazu ein wenig Obst aus einer bereitstehenden Schale für seinen Herren zusammen zu stellen und zu reichen.
    Dabei vergas er vollkommen, das er den Rest des Tages doch frei bekommen hatte. Nein, mit diesen Freien Momenten konnte er nochimmer nicht so oft etwas gutes anfangen... immer tat er etwas. Selbst wenn er spazieren ging ... dann kümmerte er sich um das Pferd seines Herren oder kaufte etwas für die Küche ein. Es gab immer etwas zu tun... jedenfalls in seinen Augen.


    "Kann ich dir noch etwas bringen, Herr?"


    Wenn Ursus arbeitete, dann konnte er als sein Sklave doch unmöglich untätig bleiben. Das war etwas, was fest in ihn hinein geprügelt worden war...und nun, bei Ursus war dies selbstverständlich...und der Nubier tat es gerne.

  • "Gut, dann erledige das morgen." Damit war die kaputte Tunika für Ursus erledigt. Die Geschichte, wie sie beschädigt wurde, allerdings nicht. "Und nun berichte mir mal, was eigentlich passiert ist. Reatinus hat sich verletzt? Schlimm?" Die Frage nach weiteren Wünschen wehrte Ursus mit einer leichten abwehrenden Geste ab. Er war wunschlos glücklich und hatte alles, was er brauchte.

  • "Ja, Herr"


    Bestätigte Cimon ergeben, das er am folgenden Tag auf den Markt gehen würde. Seine Hand ging immer mal wieder über die freie Haut des Armes... er fröstelte, nicht unbedingt vor Kälte. Die Aufforderung von Ursus überraschte den Nubier leicht, dabei hätte er es sich denken müssen. Leicht schüttelte er den Kopf. Die Geste seines Herren nahm er mit einem ergebenen nicken war und wusste somit, das er nichts zu tun hatte...bis auf ... Antworten.


    "Nein, Herr, sicher hat er sich nicht schlimm verletzt. Die Hand ein wenig. Es sah aus wie..."


    Er erinnerte sich an seinen Hass, an diesen grenzenlosen Selbsthass...aber konnte oder durfte er diese Vermutung laut aussprechen? Was wenn er falsch liegen würde. Er nutzte eine kurze Pause um tief durchzuatmen, wobei Cimon stark über seine Möglichkeiten nachdachte.


    "Ich habe nicht gesehen was geschehen ist. Aber er war allein. Und es sah aus wie... eine Schlagverletzung ... es muss etwas sehr hartes gewesen sein...nehme ich an, Herr.
    Wir haben nicht viel gesprochen...er versicherte mir dir nichts von meiner...Ungeschicktheit zu sagen..ein wirklich großzügiger Mann... aber er wollte etwas von meiner Kleidung um die Hand zu verbinden.
    Es war meine Entscheidung, dem nachzukommen... ich glaube wirklich das es richtig war, Ursus...bitte verzei mir, Herr...


    Denn eigentlich hätte er keinen Verband gebraucht...vermute ich...aber Tribun Artorius wirkte ... wütend. Vielleicht geht es ihm nicht so gut."


    Hatte er gerade ungefragt eine Vermutung geäußert? Aber war nicht auch dies seine Arbeit? Der Nubier biss sich auf die Unterlippe. Er sprach nicht weiter, bettelte nicht um verzeihung für seine Äußerung...auch etwas was er erst bei Ursus gelernt hatte. Er wartete ab, ob seine Worte gut oder schlecht gewesen waren, ob es seinem Herren gefallen würde oder nicht... und er wusste dabei sicher das, anders wie früher, nicht die Peitsche drohte. Das alleine sorgte für den Hauch eines Lächelns auf seiner sonst so ruhigen und distanzierten Mine.

  • Wieder diese Schuldgefühle. Wieder schien Cimon Angst vor Bestrafung zu haben. Dabei hatte Ursus in den Jahren, seit Cimon nun bei ihm war, nie Veranlassung gesehen, den Nubier zu strafen. Schon gar nicht durch Schläge. "Du hast richtig gehandelt. Keine Tunika ist so wertvoll, daß man sie nicht für Hilfeleistung bei einer Verletzung opfern darf. Deine Entscheidung war gut und richtig, Cimon. Lerne daraus. Und fürchte nicht, mit solchen Dingen zu mir zu kommen. Du solltest mich doch mittlerweile wirklich gut genug kennen, oder?" Es war Ursus wichtig, daß dieser Mann ihm vertraute und sich nicht fürchtete, ihm alles anzuvertrauen. Immerhin lag sein Leben in der Hand dieses Nubiers. "Ich werde mit Tribun Artorius sprechen. Sollte er wirklich zornig auf Dich sein, so werde ich sehen, daß ich ihn versöhne. Er ist mein Freund, ich bin sicher, er wird mit sich reden lassen." Außerdem konnte er sich gerade bei Reatinus nicht vorstellen, daß er nachtragend war.

  • Er hatte richtig gehandelt. Natürlich war das so, warum hatte er nur etwas anderes befürchtet? Nein, er würde sich sicher nie mehr fürchten mit solcher Angelegenheit zu Ursus zu gehen. Er lächelte seinen Herren an und zeigte seine Dankbarkeit durch das kurze senken des Kopfes. Ansonsten zeigte er kaum mehr eine Regung.


    "Ja, Herr. Ich sollte dich in der tat inzwischen gut kennen, Ursus."


    Fasst hätte er über sich selbst, über die eigene Furcht gelacht. Was seine zuckende Augenbraue auch durchaus zeigte. Ja, er vertraute ihm und er wusste wie dumm er gewesen war, beinahe war es ein wenig peinlich so gehandelt zu haben. Wo doch das Leben des einen von dem anderen abhing und Cimon wusste genau, das er sein Leben für ursus geben würde...vorallem da er meinte zu wissen, das Ursus nicht unähnlich für ihn handeln würde. Natürlich auf anderer Ebene aber diese war sehr wichtig für das Leben des Sklaven. Dies bewies sein Herr auch gleich, wobei Cimon keinerlei Bedenken hatte, das ursus es nur so sagte.


    "Danke, Herr. Aber...möglicherweise war er bereits schlechter Laune, bevor ich ihn getroffen habe... vielleicht ...braucht er einen Freund, Ursus."


    Hoffendlich irrte er sich nicht. Aber er wusste ja, das er nichts schlimmes zu befürchten hatte, wäre es so. Aber da war dieses Gefühl, das etwas komisch an der Begegnung gewesen war. warum diese verletzung, die er so gut kannte? Der Nubier machte sich in der tat Sorgen um den Tribun. Jetzt erst recht, wo er wusste, das er ein Freund seines Herren war.

  • Na, dann war das ja geklärt. Ursus war nicht unzufrieden. Cimon hatte sich als wahrer Diamant herausgestellt. Hier und da bedurfte er noch eines kleinen Schliffs, aber er strahlte schon in ausgesprochenem Glanz. Schon wollte er sich wieder seinen Berichten zuwenden, als Cimon erwähnte, daß Reatinus vielleicht einen Freund brauchen konnte. "Wie kommst Du darauf? Was war mit ihm?", fragte er also nach. Reatinus hatte Probleme? Warum kam er dann nicht zu ihm? Es gab doch eigentlich nichts, was man nicht regeln konnte.

  • Er selbst hätte sich wohl niemals als Diamand bezeichnet aber das er zunehmend strahlte seit Ursus ihn erworben hatte, das würde Cimon ohne zu zögern zugeben. Inzwischen fühlte er sich zunehmend als eine Art Vertrauter seines Herren. Wo er doch sogar einfach so an das Geld von Ursus gehen konnte. Doch niemals tat er es ohne Grund oder Wunsch von Ursus. Der Nubier hatte inzwischen ein gutes Gespür dafür entwickelt, was er wann zu tun hatte und das alles ohne Furcht vor der Peitsche...oder schlimmeren.


    Ursus schien sich wieder seiner Arbeit widmen zu wollen, also wartete Cimon ergeben einen Moment. Dabei überlegte er, wie er weiter verfahren sollte. Wo doch sein Herr ihm an sich frei gegeben hatte. Aber das schien nun aufgehoben zu sein. Der Sklave empfand es nicht als schlimm, ganz im Gegenteil. Mit seiner Freizeit die Ursus ihm immer mal wieder zugestand konnte er weitaus weniger anfanbgen als andere.
    Da er selber seinen herren aufgesucht hatte, kam hinzu, das es von ihm aus ging. Cimon entschied sich gerade dafür, einfach da zu bleiben, um eventuelle Wünsche von Ursus erfüllen zu können, als dieser Fragen an Cimon richtete. Langsam hob sich der gut rasierte Kopf des Nubiers und seine Gauen Augen sahen Ursus fragend an.
    Er überlegte einige Momente, damit er die richtigen Wörter finden mochte.


    "Ich kann es nicht so genau bestimmen, Ursus. Aber seine Verletzung war an der Hand. An den Knöcheln am stärksten. Und ich glaube das seine schlechtere laune bereits vorhanden war, als ich ihn... angerempelt hatte.


    Er trug einen Brief mit sich. Vielleicht waren es schlechte nachrichten, Herr. Oder ich interpretiere zu viel hinein und habe unrecht... "


    Sein Kopf senkte sich leicht und der Nubier atmete tief durch, bevor er weiter sprechen konnte. Er wusste nicht, ob er es sagen sollte ...sagen durfte...doch er wollte es sagen. Cimon wollte das Ursus ihn verstand und wollte keine Geheimnisse haben, auch keine kleinen. Wo er schon das eine riesen geheimniss hatte, wollte er nicht noch mehr...


    "Die kleine Verletzung...sie erinnerte mich an... an mich, Ursus. So sah meine Hand aus, wenn ich wiedereinmal gegen Wände eingeschlagen hatte. Wenn es bei ihm auch nur nach wenig Schlägen aussah. ... Aber sicher sein kann ich natürlich nicht, Herr. Ich wollte nur das du es weißt, wenn er doch dein Freund ist."

  • Ursus ließ die Wachstafel in seiner Hand wieder sinken. Was Cimon da berichtete, klang wirklich nicht gut. "Du bist ein guter Beobachter", stellte er sachlich und anerkennend fest. "Cimon, ich danke Dir für diesen Hinweis. Ich werde mit ihm sprechen, vielleicht kann ich etwas für ihn tun. Er ist wirklich ein guter Freund. Wir... wir lernten uns in Germanien kennen. Bei einer Prügelei." Er mußte direkt lächeln, als er daran zurück dachte. Eine eigenartige Geschichte war das damals gewesen. Aber es war eine feste Freundschaft entstanden.


    Mit der Faust auf eine Wand schlagen. Ja, Cimon war so etwas zuzutrauen nach dem, was Ursus von dessen früheren Herren gehört hatte. Aber Reatinus? Unwillkürlich schaute Ursus auf die Hände seines Sklaven. Hier hatte der Nubier hoffentlich nie eine Veranlassung gehabt, so etwas zu tun.

  • Die Anerkennung von Ursus tat gut und ließ den Sklaven lächelnd nicken. Dann hob sich eine Augenbraue des Nubiers. Eine Prügelei? Cimon wagte es sogar leicht zu grinsen.


    "Ich hoffe ihr beide hattet den gleichen Gegner, Ursus."


    Cimon ging davon aus, das nun der richtige Moment gekommen war, die Situation etwas lockerer zu handhaben. Dabei ließ seine stolze Haltung keinen Zweifel daran, das sein Stolz ausschließlich seinem Herren galt. Immer wieder neigte er leicht den Kopf und versuchte ständig, trotz der Körpergröße den Anschein zu erwecken von unten her zu schauen...alles nur kleine Zeichen, dafür, das er verstand und lebte, das er ein Sklave war. Dennoch nutzte er die vertrauliche Ansprache, da es anscheinend der rechte Moment dafür war und sie waren unter sich.


    Während er sprach konnte Cimon es nicht lassen, ein wenig aufzuräumen. Hier und da etwas beiseite legen...und dann sah er eine Tafel zu schief liegen, korrigierte es und hob dabei eine andere vom Boden auf. Wie war die denn da hin gekommen? Cimon hoffte, das nicht er dafür verantwortlich war. Sein entschuldigendes Kopfneigen zeigte, das er sich eh für alles in dieser Art verantwortlich fühlte.


    Dabei würde ein aufmerksamer Beobachter erkennen, das seine Hand wohl schon etwas länger keine Wand mehr geschlagen hatte. Alle Verletzungen und Narben, die zu sehen waren, schienen schon lange verheilt... zumindest auf der Haut.

  • Die Hände sahen gut aus. Keinerlei Verletzungen, die auch nur annähernd frisch aussahen. Das war wohl ein gutes Zeichen. Zumindest wollte Ursus es so sehen.


    "Oh ja, wir hatten die gleichen Gegner. Und sie sahen am Ende gar nicht gut aus. Oder sagen wir mal: Noch weniger gut als wir." Nun mußte Ursus direkt lachen. Ja, das waren Zeiten gewesen, damals! Leicht kopfschüttelnd nahm er zur Kenntnis, wie Cimon seinem Ordnungswahn nachkam. Naja, wenn er denn wollte, das war wohl etwas, das er nie aus dem Nubier herausbekam.

  • Die freie Zeit war für Cimon nun vollkommen vergessen, was der Nubier nicht im Geringsten als störend empfand. Das 'Durcheinander' störte ihn wesendlich mehr. Den Blick seines Herren auf seine Hände nahm er kaum wahr. Dennoch fühlte er sich unbehaglich, zeigte er doch wegen des abgerissenen Ärmels seinen vernarbten Arm.
    Allerdings war es für Cimon unmöglich einfach so zu gehen. Ursus würde schon entscheiden, wann er ihn nicht mehr brauchte. Davon abgesehen waren sie gerade im Gespräch. Der Sklave verharrte, fand er doch keinen weiteren Grund, aufzuräumen. Das leichte Kopfschütteln seines Herren ließ ihn nachdenklich den Tisch betrachten. Dann erst erkannte er es... sein Herr mochte es nicht immer... in diesem Maße. Cimon lächelte als Antwort und nickte. Er übertrieb wiedereinmal...


    Ursus' Lachen wirkte fast ansteckend und so grinste Cimon breit. Eine Regung, die er nicht oft zeigte...vorallem nicht Fremden gegenüber. Doch seinem Herren vertraute er. Es war als wäre der Sklave zu einem kleinen Teil soetwas wie Familie geworden. Anders hätte er es nicht beschreiben können, da Cimon nur seine Mutter einerseits und grausame Herren andererseits kannte. Nun zu verstehen, wo Ursus und er dabei standen war nicht leicht für ihn. Auch wenn er schön länger bei ihm war, so suchte er dennoch nach sich selber.
    Denn immer wieder stach ihm das Zeichen im Nacken tief in sein Herz. Aber er wagte es nicht es zu offen, zu deutlich zu sagen. Auch die Angst wegen dem was zwischen ihm und Flora geschehen war, verhinderte ein klares Denken. Allerdings wusste er das trotz allem die Zeiten der Panik und der Angst um sein Leben...Angst vor Schmerzen... vorbei waren.


    Nun stellte Cimon sich vor, wie das wohl gewesen sein musste...sein Herr in einer Schlägerei? Aus seinem Grinsen formte sich ein Schmunzeln.


    "Das hört sich nach einer sehr... schlagkräftigen Freundschaft an, Ursus. Ich nehme an, es folgte viel Wein, Herr?"


    Ja, er wagte sich mit dieser Frage etwas weiter, ebenso wie mit dem Blick... aber sie waren ja unter sich. So dass Cimon, wie des öfteren in solchen Situationen, wagte etwas vertraulicher zu reden. Wobei er durch seine Haltung deutlich machte, wie ergeben er war.

  • "Ja, es folgte viel Wein. Irgendwie muß man das Blut ja wegwaschen, nicht wahr?" Ursus lachte wieder. Rein inwendig weggewaschen hatten sie es. Aber wirksam war es gewesen. "So entstehen Freundschaften, Cimon. Und dies ist eine, auf die ich wirklich bauen kann. Es ist verflucht schwer, solche Freunde zu finden. Und bald wird eine Zeit kommen, in der wir jeden Freund brauchen, den wir haben." Ja, es wurde Zeit, Cimon einzuweihen. Es wurde Zeit, ihm klarzumachen, daß es ernst wurde. Ursus mußte sich auf ihn voll verlassen können.

  • Blut musste man wegwaschen? Cimons Grinsen wirkte ein wenig gezwungener, als noch zuvor. Er selber hatte noch nicht genug Wein getrunken um all das Blut, all den Schmerz wegzuwaschen... aber das würde er wohl auch nicht mehr wagen...nicht nach dem Gelage auf dem nubischen Schiff. Ursus hatte es ihm verziehen und ihm beigebracht auf den rechten Genuss des Getränkes zu achten. So würde er es in Zukunft auch halten wollen.
    Nicht wahr? Sollte er antworten? Das Lachen zeigte wie gelöst Ursus schien. So entstanden Freundschaften also? Freundschaften auf die man bauen konnte... solche Freunde zu finden war in der Tat sehr schwer. Aber Cimon hatte weder mit Bashir noch mit Phaeneas getrunken.... jedenfalls nicht zu viel. Und mit Àedàn? Das war etwas vollkommen anderes.


    "Zu dem Zeitpunkt, in der entsprechenden Gesellschaft, wahr es offensichtlich das Richtige, Ursus. Ob es so ist, kann ich nicht sagen, Herr. Viele Freunde dieser Art habe ich nicht. Und solche ...Trinkabenteuer sind mir...für gewöhnlich... untersagt, Herr."


    Ja, für gewöhnlich. Wie gut das Ursus von dem Fehlverhalten des Nubiers wusste, so hielt sich das schlechte Gewissen in Grenzen. Aber er nickte dennoch...die Nubier waren keine Freunde...aber sie würden für ihn da sein und zu Freunden werden können...da war der Sklave sich sicher.
    Dann erst erkannte Cimon die weiteren Worte als wesentlich bedeutungsvoller, als vermutet. Rasch sah er sich um. Da war niemand zu sehen und so stellte er sich direkt neben seinen Herren und hockte sich schließlich nahe bei ihm nieder. Damit er nicht hinuntersah...und Ursus nicht gezwungen war hinaufzusehen.


    "Ich höre aus deinen Worten, das ich mehr erfahren sollte, Herr. Um dich schützen zu können, Ursus."


    Cimon sprach ergeben seine Worte aus und zeigte dadurch auch seine Besorgniss. Allerdings klang die Stimme fest und selbstsicher, so wie sie früher nie gewesen war. Aber er hatte seinen Göttern, die er noch immer nicht kannte, geschworen auf Ursus mit dem eigenen Leben acht zu geben. Darüberhinaus war sein Herr inzwischen zu einem sehr wichtigen Mann für ihn geworden...fast wie eine Familie... und seiner Familie half man, ohne Einschränkungen.
    Dann machte er eine Bewegung, die neu für ihn war. Der Nubier legte besorgt eine Hand auf den Unterarm seines Herren. Es sollte eine art freundschaftliche Geste sein. Früher hätte er um eine Bestrafung gebeten, da dies unangemessen gewesen wäre...doch in diesem Augenblick erschien es richtig. Und seine frühere Furcht hatte ihn bereits vor einiger Zeit verlassen...nur manchmal kam sie wieder.
    Bei schweren Fehlern, bei Alpträumen die ihn aufschrecken ließen...oder wenn er an die Tätowierung dachte, dann kam die alte Angst, das schlechte Gefühl wieder. Jedoch nicht in diesem Moment.

  • „Ach, Cimon. Freunde gewinnt man auf so viele Arten und Weisen. Dies ist eben eine davon. Nicht das Trinken macht es auch. Sondern die Gemeinsamkeit. Und... Cimon, ich habe es Dir schon oft gesagt: Es ist Dir erlaubt, Freunde zu haben. Und auch Zeit mit ihnen zu verbringen. Solange es nicht mit meinen Terminen kollidiert. Und die kennst Du oft genug besser als ich. Auch eine Amphore Wein darfst Du dabei gerne leeren, wenn ihr denn so etwas möchtet. Aber wie gesagt: Nicht der Wein schafft die Freundschaft.“ Eigentlich sollte Cimon das alles wissen. Oder nicht? Manchmal taten sich immer noch Lücken im Wissen des Nubiers auf. Und meist betraf es Gefühle oder das menschliche Miteinander. Diese Lücken konnte man nicht durch Worte füllen. Cimon mußte seine eigenen Erfahrungen machen. Auch die enttäuschenden.


    „Ja, Cimon, Du solltest mehr erfahren.“ Ursus senkte seine Stimme. Er wollte nicht riskieren, von irgendwem gehört zu werden. „Du bist mein Leibwächter. Meine Gefahr ist Deine Gefahr. Und da ich mich in Gefahr begebe, sehenden Auges, bringe ich auch Dich in Gefahr. Ich weiß nicht, wieviel Du über den Praefectus Urbi, Vescularius Salinator weißt?“

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