Warten auf das Kindlein...

  • Seit Tagen war Durus furchtbar nervös. Und je näher der Termin rückte, an dem Lucianus, Palma und er die Umsetzung ihres Plans gesetzt hatten, desto nervöser wurde er. Obwohl der Tag der Wahrheit erst am nächsten Tag kommen sollte - es also noch fast zwei Nächte dauerte, bis der Umsturz hier in Rom beginnen würde - saß der alte Tiberier schon auf glühenden Kohlen. Er hatte alte Soldatenklienten seines Vetters Vitamalacus aktiviert und sie bereits zu den Saturnalien in sein Haus nach Rom geholt - sie sollten Lucianus bei der Verhaftung Salinators helfen - das Testament war versteckt worden und letztlich schien alles so abzulaufen, wie geplant! Dennoch hatte die Leber, die er am gestrigen Abend aus dem Schafsopfer vor dem Lararium gezogen hatte, ein paar Stellen gehabt, die schwierig zu deuten waren. Zwar hätte er Aurelius Lupus als Haruspex hinzuholen können, doch pflegte er in den letzten Tagen besser wenig Kontakt zu den Verschwörern - am Ende wurde die ganze Sache im letzten Moment aufgedeckt!


    Letztlich blieb dem Alten nichts anderes, als zu warten. Schon vor ein paar Tagen hatte er seinen Sohn nach Misenum geschickt - er würde der Bote sein, der die frohe Botschaft nach Rom brachte. Doch zuletzt lag ihr Schicksal in den Händen eines kleinen Kochs, der die richtige Dosis möglichst unauffällig in das Abendessen der Familie bringen musste, an dem Vater und Sohn teilnahmen...

  • Die Listen waren geschrieben, das einsammeln begann. Zu einem Senator und ehemaligen Consuls Roms schickte man natürlich nicht nur Optionen, sondern er selbst erschien zusammen mit einigen Soldaten der Garde um den Mann abzuholen. So also wartete er während er den Sklaven angewiesen hatten ihn den Hausherren zu bringen.

  • Der alte Tiberier stand soeben im Ankleidezimmer und ließ sich die Toga für die Salutatio legen, als ein Sklave hereinstürzte. Der Vestiarius ließ vor Schreck den Bausch fallen und Durus sah den Störenfried kritisch an.


    "Was soll-"


    setzte er zum Sprechen an, doch er konnte seinen Satz nicht beenden, denn schon sprudelte es hervor:


    "Praetorianer! Eine ganze Menge! Vor der Tür!"


    Nun ließ sogar Lukios, dem sein Herr soeben etwas diktiert hatte, seine Tabula fallen. Währenddessen schossen die Gedanken durch Durus' Kopf - planmäßig sollte das Attentat erst morgen stattfinden, aber eine große Zahl von Praetorianern um diese Uhrzeit - das konnte nur Übles bedeuten! Einen Moment zögerte er - aktiver Widerstand war ein Schuldeingeständnis - dann kam sein Befehl:


    "Haltet sie auf! Weckt die Veteranen!"


    Welch ein Glück, dass Vitamalacus' Klienten bereits hier waren - sie würden die Prätorianer zumindest eine Zeitlang aufhalten. Dennoch war es abzusehen, dass die Eliteeinheit die spärlich ausgerüsteten Veteranen nur sehr begrenzte Zeit Widerstand leisten konnten. In den Gesprächen mit anderen Verschwörern hatte es stets so einfach gewirkt: Ein Koch, der Gift untermischte, ein Bote - sein Sohn - und die Festnahme von Salinator. Dass bereits einer der ersten beiden Schritte versagte - damit hatte Durus nie gerechnet!


    Nun blieb nur noch eine Frage - was tun? Ihr Plan war gescheitert, möglicherweise hatte man ihn vereitelt, ehe das Gift auch nur den kaiserlichen Palast erreicht hatte! Vielleicht hatte man seinen Sohn bereits verhaftet und in einen finsteren Kerker gesteckt oder seine Frau, die Durus ebenfalls nach Misenum verfrachtet hatte, eingesperrt - dabei hatte er ihr bis heute nicht verraten, was er im Schilde führte! Nun fühlte der Alte sich schuldig, seine Familie gefährdet zu haben - es war letztlich sein Versagen, das zum Auffliegen der Verschwörung geführt hatte. Vielleicht hätte er Cornelius Palma nicht ins Vertrauen ziehen sollen - hatte er sich vielleicht doch entschieden, die Gruppe zu verraten? Oder war Lucianus dermaßen gekränkt worden, dass er seine politischen Freunde, die ihm kein Vertrauen geschenkt hatten, verkauft hatte? Vielleicht war dies der Preis gewesen, um nach seinem gescheiterten Auftritt im Senat nicht auf ewig in der Versenkung zu verschwinden! Oder steckte am Ende doch sein Sohn dahinter? Wie man ihm vor kurzem berichtet hatte, war Ahala doch nicht so strebsam, wie Durus immer behauptet hatte - vielleicht hatte er Spielschulden? Aber nein - sein Sohn mochte eine Schwäche für Tabernae, vielleicht auch Frauen und die Würfel haben - aber seine Familie verraten? Das konnte nicht sein!

  • | Stesichoros

    Zitat

    Original von Appius Terentius Cyprianus
    Die Listen waren geschrieben, das einsammeln begann. Zu einem Senator und ehemaligen Consuls Roms schickte man natürlich nicht nur Optionen, sondern er selbst erschien zusammen mit einigen Soldaten der Garde um den Mann abzuholen. So also wartete er während er den Sklaven angewiesen hatten ihn den Hausherren zu bringen.


    Auch wenn Stesichoros müde war, hatte er doch wie immer geöffnet und nicht schlecht gestaunt, als die Prätorianer vor der Tür standen - um diese Zeit! Wie üblich hatte er dennoch freundlich und bestimmt dafür gesorgt, dass Durus informiert wurde.


    Als der Knabe zurück kam, den er losgeschickt hatte, erhielt er allerdings einen Auftrag, der ihm so gar nicht schmeckte - er sollte die Prätorianer so lange wie möglich aufhalten! Aber wie sollte man bitte eine Horde Prätorianer aufhalten, noch dazu, wenn der Präfekt persönlich bei ihnen war? Es dauerte ein bisschen, ehe ihm eine Idee kam:


    "Mein Herr ist zur Zeit leider nicht zu Hause. Er wird aber gern später in der Castra Praetoria erscheinen, so dies vonnöten ist."


    erklärte er den wartenden Schwarzmännern.





    IANITOR – GENS TIBERIA

  • Arvinia saß noch eine Weile im hortus, bis sie ein heftiges Klopfen und wenig später hastige Schritte in der Villa hörte.
    Sie stand auf und ging in das Atrium, von dort aus konnte man ein wenig auf die porta lünkern. Ein nervöser Skalve rannte an ihr vorbei und sie schaute ihm nach. Dann erblickte sie die Prätorianer und einen Mann in prachtvollerer Uniform. Sie wusste natürlich nicht, dass dies der Praefekt selbst war, aber sie merkte, dass etwas schlimmes in der Luft war. Sie blieb unentdeckt für die Männer in Schwarz und ging schnellen Schrittes los, um ihren Cousin zu suchen.
    Sie fand ihn schließlich im Ankleidezimmer.


    "Manius.." sprach sie, ein wenig erschrocken über seine Gestalt, hatte sie solange nicht mehr mit ihm geredet? War sie solange in ihrem Cubiculum gewesen, dass sie ihn solange nicht gesehen hatte? Er schien mehr Falten zu haben, ihn schien auch etwas zu bedrücken, das konnte sie an seinem Blick sehen. Manius schien nervös zu sein..


    "was ist los? Wieso wartet die kaiserliche Garde vor der porta?"

  • Sim-Off:

    Postfach ;) Und du kannst eigentlich noch nicht vom Tod des Kaisers wissen, weil die Razzia zu einem Zeitpunkt stattfindet, an dem die Nachricht noch nicht verbreitet wurde (am frühen Morgen)! Evtl. editieren?


    Kurz darauf hörte man bereits ersten Lärm aus Richtung des Atrium. Durus wusste nicht, ob er von den Veteranen stammte, die sich bewaffneten und aufstellten, oder ob die Prätorianer bereits durchgebrochen waren - im Grunde war es egal: Ihm lief die Zeit davon!


    Er musste einen kühlen Kopf bewahren: der Umstand, dass die Prätorianer ausgerechnet vor seiner Tür standen und sogar der Präfekt persönlich sich zu dieser Stunde hierher begeben hatte, deutete darauf hin, dass mindestens Indizien gegen ihn vorlagen. Da darüber hinaus weder Salinator, noch Cyprianus große Sympathie für ihn besaßen - der Terentier hatte ihn ja schon vor einiger Zeit bedroht, trotz aller Hochzeitseinladungen - würde man diesmal nicht allzu vorsichtig mit ihm umgehen. Er kannte die Folterkünste dieser Männer und wenn er an seinen gebrechlichen Körper dachte, würde dieser wohl kaum lange Widerstand leisten können. Ob er fliehen sollte? Das würde man ihm zweifellos als Feigheit auslegen - oder ließe sich aus dem Exil Widerstand formieren? Andererseits war es schwer vorstellbar, sich in seinem körperlichen Zustand vor den Prätorianern und anderen Häschern verbergen zu können. Wahrscheinlich würde man ihn schon vor den Toren Roms einfangen und im Triumphzug durch die Stadt führen, um ihn dann als Verräter, der sich durch seine Flucht verraten hatte, vom Tarpeischen Felsen stoßen.


    Wie Durus es auch drehte oder wendete - sein Leben schien sich dem Ende zuzuneigen. Eine unglaubliche Melancholie befiel den Alten - was hatte er nicht alles verpasst und erhofft? Seinen Sohn die politische Karriereleiter hinaufsteigen sehen, vielleicht weitere Kinder zu zeugen, großzuziehen und zu fördern, einen ruhigen Lebensabend, möglicherweise auf seinem geliebten Landgut in Misenum, ein prächtiges Staatsbegräbnis, das ihm und all seinen Nachkommen zur Ehre gereicht hätte... Doch unbarmherzig hatten die Parzen ihr Messer an seinen Schicksalfaden gelegt - wer sollte sie am Schnitt hindern?


    Aus diesem trüben Gedanken wurde Durus erneut durch das Öffnen der Tür gestört. Herein kam eine verwirrte Arvinia - natürlich, auch ihre glückliche Ehe mit Kindern und allem Drum und Dran hätte er gern noch erlebt! Ihr besorgter Blick zeigte dem Tiberier, dass er furchtbar aussehen musste - leichenblass angesichts des nahenden Endes. Wieso sollte er dies seiner Nichte noch vorenthalten?


    Bedacht setzte er sich auf einen Hocker und blickte Arvinia mit traurigen Augen an.


    "Arvinia, ich muss dir etwas gestehen. Ich habe unsere gesamte Familie in Gefahr gebracht in der Hoffnung, das Imperium zu retten. Ich habe versucht, den Kaiser zu ermorden, um Rom von der Tyrannis eines Vescularius Salinator zu befreien - offenbar bin ich gescheitert. Die Prätorianer sind hier, um mich zu verhaften. Sie wollen Mitwisser aus mir herauspressen und werden mich anschließend wohl hinrichten."


    Gedankenverloren sah er auf die Toga Praetexta, die für seine priesterlichen Pflichten über einer Stange bereithing. Sie war es auch gewesen, die er als Consul und Haupt des Staates getragen hatte. Und nun war er zum Verräter an diesem Staat geworden in der Hoffnung, ihn zu retten!


    "Du solltest fliehen. Ich habe Aurelia nach Misenum geschickt, da ich bereits Schwierigkeiten nach dem Tod Valerianus' erwartete. Du bist jung und kannst es schaffen. Ich habe ein paar Veteranen von Vitamalacus hier, die die Garde für eine Weile aufhalten werden."


    Ehe sie die Frage stellen konnte, fügte er an


    "Ich bin zu alt und zu gebrechlich für eine Flucht. Aber ich werde mich nicht in die Hände dieses ruchlosen Vesculariers begeben!"

  • Als sich Manius setzte, spürte Arvinia bereits, dass etwas Schlimmes geschehen war. Von welchem Ausmaß dies aber sein würde, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber sie sollte es in den nächsten Momenten erfahren.
    Sie hockte sich vor ihren Cousin und nahm seine Hände, als er begann zu erzählen.


    Während Durus erzählte, wichen ihren Hände immer mehr zurück aus den seinen. Ihr Kinn fiel immer weiter nach unten und ihre Augen wurden größer. Schließlich rollten ein paar Tränen aus ihrem Auge.
    Sie war über die Jahre so verletzlich geworden, ihre Familie war das einzige, was sie noch hielt, und nun schien selbst diese Geborgenheit ihr aus den Händen gerissen zu werden?


    Erbost stand sie auf und wich einige Schritte zurück.
    "Was hast du getan Manius!?" sprach sie mit erregter Stimme. Sie hatte natürlich keine Ahnung, wieso Durus seine Finger beim Attentat des Kaisers im Spiel hatte, sie hatte keine Ahnung von Politik und der Tyrannei, aber die Tatsache, dass ihre Familie darunter auf ewig Schande tragen würde, raubte ihr den Verstand.


    "Ausgerechnet du! Ausgerechnet du zerstörst unsere Familie! Bringst Schande über unser Haus!"
    sie konnte es einfach nicht verstehen.
    "Du warst einst einer der ehrbarsten Männer Roms!"


    Dann sackte sie zusammen und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Wer würde sie nun noch heiraten wollen? Wer wollte die Cousine des Kaisermörders heiraten wollen? Eine Frau mit dem Namen Tiberia, eine Familie der Schande, eine Schande die auf ewig im Imperium Romanum anhalten würde.


    Sie blickte ihn verweint an "Fliehen sagst du? Wofür sollte ich fliehen? Ich habe keinen Mann, ich habe keine Kinder! Wer sollte mich noch wollen? Ich soll nach Misenum fliehen? Was soll ich da? In Schande leben?"

  • Zitat

    Original von Manius Tiberius Durus
    | Stesichoros



    So wo ist er denn? Ansonsten werden wir hier warten und schon uns ein wenig umsehen. Ich bin mir sicher dein Herr hat da nichts gegen."
    Und selbst wenn angeblich war er ja nicht da...


  • Die Reaktion Arvinias überraschte Durus ziemlich - solche Beleidigungen hatte ihm noch nie jemand an den Kopf geworfen, schon gar keine Frau aus seiner eigenen Familie! Andererseits hatte sie wohl Recht - unter der Rache Salinators würde die ganze Familie leiden, selbst wenn die Frauen nichts damit zu tun hatten. Ohne den Schutz ihres Familienoberhaupts würden sie tatsächlich in Schande leben müssen oder Rom verlassen.


    Aber war es so schändlich, sein Leben für Rom aufs Spiel zu setzen? Es war ja nicht so, als habe er dies alles aus niederen Beweggründen getan - gerade deshalb, weil er es für die Pflicht eines ehrbaren Mannes hielt, den Staat vor Tyrannen und Versagern zu schützen.


    "Es schmerzt mich, ausgerechnet von dir als Schande für meine Familie benannt zu werden. Ich tat dies nicht für mich, nicht für einen Freund, sondern nur für Rom. Rom braucht einen starken Princeps, der unsere Mores Maiorum und die Gesetze achtet. Ein kränklicher Mann am Golf von Misenum, der sein ganzes Vertrauen auf einen dahergelaufenen Homo Novus setzt, der durch sein Verhalten unsere Ahnen und die Götter gleichermaßen beleidigt!


    Das einzige Verbrechen, dessen ich mich schuldig fühle, ist, mit meinem Versuch gescheitert zu sein. Ich hoffe aber, dass mein Ende und das meiner Mitstreiter den Senat wachrüttelt und an seine Pflicht erinnert, mit ganzer Kraft Rom allein zu dienen!"


    Dies ausgesprochen zu haben, war die Selbstvergewisserung, die er gebraucht hatte. Wie konnte Arvinia es nur wagen, ihre Heiratschancen oder sonstige Annehmlichkeiten über das Wohl des Staates zu stellen?

  • | Stesichoros

    Zitat

    Original von Appius Terentius Cyprianus
    So wo ist er denn? Ansonsten werden wir hier warten und schon uns ein wenig umsehen. Ich bin mir sicher dein Herr hat da nichts gegen."
    Und selbst wenn angeblich war er ja nicht da...


    Üblicherweise hatte Stesichoros kein Problem damit, Bittsteller oder unangenehme Gäste an der Porta hinzuhalten, doch den Praefectus Praetorio selbst hatte er noch nie abservieren müssen. Das machte ihn doch ein wenig zittrig.


    "Sicher, sicher - einen Moment - ich werde mich informieren, wo er hingegangen ist."


    Damit schlug er die Tür wieder zu und eilte davon. Irgendjemand anders musste das übernehmen - wenn die Schwarzmänner ins Atrium kamen, würden sie die sich formierenden Veteranen sehen und das ganze Haus in Schutt und Asche legen!





    IANITOR – GENS TIBERIA

  • Wäre Arvinia ein Mann gewesen, der durch eine höhere Stellung in der Politik die Anmaßungen, Gesetzesmissachtungen und Blasphemie mit seinen Augen gesehen hätte, wäre ihre Reaktion ganz anders ausgefallen.
    Sie wäre zwar erschrocken gewesen, hätte sie im Nachhinein davon erfahren, aber dennoch hätte sie Ehrerbietung und Verständnis gegenüber Durus Tat aufgebracht. Hätte sie von seinem Plan erfahren, hätte sie selbst vielleicht ihre Finger um den Lebensfaden der Opfer geschlungen.
    Aber: Sie war kein Mann. Sie war eine Frau, und zwar keine junge mehr, sondern eine enttäuschte, heiratsüberfällige und gekränkte. Die Politik interessierte sie nicht im geringsten, dafür war sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, eine nahe zu törichte Sache. So konnte ihr Geist keinen Funken Verständnis für Durus Tat aufbringen.
    Immer noch von Tränen gezeichnet kniete sie vor ihrem Cousin und legte ihre Hände auf seine Knie "Aber Manius.. zu welchem Preis? War die Rettung Roms wichtiger als Ehre und der Ruhm dieser Familie? Ist der Verrat an deine Familie der Preis für den Verrat an den Kaiser? Ob gerechtfertigt oder nicht?" sie schaute auf den Boden "was würde Vitamalacus jetzt denken.." wieder schaute sie in die Augen ihres Cousins "Wieso Manius, warum auf diese Weise? Es erfüllt mich mit Trauer und Zorn, dass ausgerechnet mein ehrbarer und kluger Cousin mit dem Schwert und nicht mit Worten handeln musste, wie er es sonst immer getan hatte.." sie ahnte es aber dennoch fragte sie "Was.." sie schluckte "Hast du jetzt vor?" das unvermeidliche musste ausgesprochen werden..


  • Apiius gefiel das ganze nicht. So meinte er zu zwei seiner Begleiter:"Folgt ihn und findet mir den Tiberier! Schnell!"
    Das alles roch zu sehr nach Ablenkung zu sehr nach Störmanövern...


    Sim-Off:

    ich überlasse es jetzt mal dir was sie finden @Drusus.

  • Zitat

    Original von Tiberia Arvinia
    Immer noch von Tränen gezeichnet kniete sie vor ihrem Cousin und legte ihre Hände auf seine Knie "Aber Manius.. zu welchem Preis? War die Rettung Roms wichtiger als Ehre und der Ruhm dieser Familie? Ist der Verrat an deine Familie der Preis für den Verrat an den Kaiser? Ob gerechtfertigt oder nicht?" sie schaute auf den Boden "was würde Vitamalacus jetzt denken.." wieder schaute sie in die Augen ihres Cousins "Wieso Manius, warum auf diese Weise? Es erfüllt mich mit Trauer und Zorn, dass ausgerechnet mein ehrbarer und kluger Cousin mit dem Schwert und nicht mit Worten handeln musste, wie er es sonst immer getan hatte.." sie ahnte es aber dennoch fragte sie "Was.." sie schluckte "Hast du jetzt vor?" das unvermeidliche musste ausgesprochen werden..


    Die Situation wurde Durus langsam tatsächlich ziemlich unangenehm. Arvinia kniete vor ihm, doch er wagte es anfangs nicht, ihr in die Augen zu sehen - er war selbst nicht völlig davon überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. Andererseits... welche Option hätte er sonst gehabt? Sollte er in der Tyrannis eines Narren leben? Frauen verstanden einfach nichts von Staatsgeschäften! Einen Augenblick rang er mit sich, dann sah er seiner Cousine fest in die Augen.


    "Dulce est et decorum pro patria mori*. Für mich gibt es keinen Ausweg!"


    In diesem Augenblick vernahm man ein Krachen und erstes Geschrei - sie kamen. Er hatte sich immer gefragt, ob Männer wie Sokrates, Cato oder Seneca sich nicht gefürchtet hatten angesichts des nahenden Todes. Jetzt aber schienen seine anfänglichen, furchtsamen Zweifel einer wilden Entschlossenheit zu weichen. Mit festem Blick sah er zu seinem Vestiarius.


    "Meine Toga Praetexta!"


    Er würde sterben wie ein Staatsmann! Letztlich war das Opfer seines Lebens das einzige, was er nun noch aufbieten konnte, um den Senat wachzurütteln, aber auch seine Verbündeten zu schützen! Blieb die Frage, wie man sich in einer solchen Situation am besten tötete: Sokrates hatte den Schierlingsbecher genommen, Seneca war im Bade gestorben - dafür war es wohl zu spät. Blieb die Variante Catos, die seiner Haltung ohnehin entgegenkam:


    "Man hole das Schwert meines Vaters!"


    Leichter gesagt als getan - das Schwert seines Vaters, des Tribuns, wurde in der Schatzkammer unter dem Atrium aufbewahrt - wo dem Lärm nach zu urteilen in diesem Augenblick die Prätorianer einfielen! Lukios zögerte einen Augenblick, dann wandte er sich um.


    "Geh' du! Und berichte, wie lange wir Zeit haben!"


    Durus deutete auf einen anderen Sklaven - er wollte Lukios in seinen letzten Minuten bei sich wissen. Dem anderen schien dies gar nicht zu gefallen, doch letztlich machte er sich auf die Socken. Durus erhob sich und ließ sich die Toga Praetexta anlegen. Dann sah er wieder voller Liebe auf die verzweifelte Arvinia.


    "Arvinia, ich hoffe, dass du mich eines Tages verstehst. Aber jetzt musst du fliehen! Ich bin sicher, dass du einen Ehemann finden wirst und der Gens Tiberia Ehre bereitest! Geh nach Misenum oder Baiae, von dort aus kannst du dich mit Aurelia und Aulus davonmachen!"


    Soweit Aulus noch lebte - immerhin war noch keine Kunde von ihm nach Rom gelangt.


    Sim-Off:

    * Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben (Horaz, Oden III, 2.13)

  • Zitat

    Original von Appius Terentius Cyprianus
    Apiius gefiel das ganze nicht. So meinte er zu zwei seiner Begleiter:"Folgt ihn und findet mir den Tiberier! Schnell!"
    Das alles roch zu sehr nach Ablenkung zu sehr nach Störmanövern...


    Sim-Off:

    ich überlasse es jetzt mal dir was sie finden @Drusus.


    Unglücklicherweise standen den Prätorianern noch immer die massive Tür im Weg. Zwar hatte die Einheit einen Rammbock bei sich, doch verging wertvolle Zeit, ehe das Holz der Pforte splitterte und die Flügel beiseiteschwangen, um den Weg ins Vestibulum und das dahinterliegende Atrium freizugeben. Von Stesichoros war nichts zu sehen - dafür aber von einer Horde Männer.


    In der Öffnung zum Atrium stand ein Trupp Veteranen. Ihr fortgeschrittenes Alter und die Narben in ihren Gesichtern und an den Armen zeugten von der Kriegserfahrung, die diese Männer besaßen. Tiberius Vitamalacus war von den Männern respektiert worden - und dementsprechend erwiesen die Männer der Familie ihres Kommandeurs nun Ehre, indem sie ihr Leben opferten. Jeder von ihnen trug ein Gladius, manche trugen sogar ihre alten Panzer, einer sogar ein Scutum. Sie waren keine echte Gefahr für die Prätorianer, aber sie würden das Vordringen doch zumindest erheblich verzögern!

  • Der Mann, der einst als einer der geachtesten Bürger Roms - egal ob als Senator, Consul oder Pontifex - galt, schien ein wenig Reue zu zeigen, denn er konnte Arvinia erst nicht in die Augen schauen. Sie hatte Angst, Angst vor dem, was er nun sagen würde, obwohl sie schon wusste was es war. Er würde sich das Leben nehmen. Als Manius dann Horaz zitierte und das unvermeidliche aussprach, hätte Arvinia ihn am liebsten geschlagen, aber sie konnte es nicht. Sie wollte einfach nicht verstehen, wieso es so enden musste. Ihre Tränen tränkten mittlerweile den Stoff, der ihren zittrigen Körper verdeckte.
    Die nächsten Momente realisierte sie gar nicht. Manius traf alle Vorbereitungen und wies die Sklaven an, ihm seine Toga Praetexta anzulegen. Erst als das Wort "Schwert" fiel, kam ihr Geist wieder ins Geschehen zurück. Die Zeit schien gegen ihn zu arbeiten, sie saß ihm im Nacken, denn die Praetorianer waren schon in der Villa.
    Als er Arvinia erneut aufforderte zu fliehen blickte sie in seine Augen und schüttelte langsam den Kopf. Dann fiel sie in seine Arme "Du warst wie ein Vater für mich Manius.." sie drückte sich an ihn und löste sich darauf wieder von ihm, hielt aber seine Hände in den ihren. "Ich werde nicht fliehen." sagte sie mit entschlossener und wieder etwas gefassterer Stimme.
    "Ich könnte nie die Schmach ertragen. Die Schmach und den Frevel dieser verfluchten Stadt. Meine Ohren wollen nicht hören, wie die gehässigen Zungen dich einen Verräter und Mörder nennen." sagte sie stolz. Man konnte schon im Unterton hören, was sie vor hatte. "Mein Körper wird dieses Haus nicht verlassen." fuhr sie fort, fest drückte sie seine Hände "Bitte sei nicht von Schuld geplagt." dabei blickte sie tief in seine Augen. Er würde sie nicht aufhalten können.

  • Hätte Durus gewusst, dass sein Sohn so knapp zu spät gekommen war und lebte, hätte ihm dies vermutlich einigen Trost gespendet und er hätte Arvinia anweisen können, mit Ahala zu fliehen. Doch so schien das Ende unausweichlich - er konnte es dem Mädchen, das ihn wie einen Vater liebte, kaum verdenken, dass sie ebenfalls den Tod wählen wollte. Sie schien es zwar nicht ganz zu verstehen, warum er sich aufgab, doch ihre Motive zeigten, dass sie ihre Aussage über seine Ehrlosigkeit doch irgendwie bereute - letztlich schien sie sich ja gerade deshalb für das Ende entschieden zu haben, um seine Schmach nicht mitansehen zu müssen.


    "Ich hätte dich sehr gern als Matrone gesehen, liebste Arvinia! "


    meinte er mit einem traurigen Lächeln. Vor seinem inneren Auge konnte er es fast sehen, wie sie in der Stola neben Lepidus stand, umringt von einer Schar folgsamer Kinder. Doch das Schicksal hatte sich gegen die Tiberii gewandt - und wie sollte Ahala oder irgendein anderer Verwandter sie nun noch retten, wo die Prätorianer vor der Tür standen?


    Oder akzeptierte er die Entscheidung nur deshalb, weil er sich dann nicht so einsam dabei fühlte, selbst in den Tod zu gehen? Würde er Arvinia überhaupt in den Gefilden der Seeligen wiedersehen? War es ein letzter Verrat an der Familie, sie einer weiteren gebärfähigen jungen Frau zu berauben, die eines Tages das Geschlecht fortführen konnte? Doch letztlich gab es ja noch andere - Macer würde Albina sicherlich beschützen, ebenso Ursus Septima. Und vielleicht war ja sogar Ahala noch am Leben und würde den Mannesstamm der Tiberii Ahalae fortführen...


    "Wir werden uns im Elysium wiedersehen, Arvinia."


    fügte er an und eine Träne suchte sich ihren Weg über die Wange des Alten. Ein letztes Mal wurde ihm klar, wie sehr er seine Familie liebte, die ihn ebenso getragen hatte, als er jung und schwach gewesen war, wie er sie, nachdem er zu Macht und Ansehen gelangt war.

  • Manius Worte erschütterten noch einmal Arvinias Herz. Eine Matrone sein.. dass hatte sie sich immer gewünscht und sie ist schon davor kläglich gescheitert.
    Sollte sie nicht doch versuchen zu fliehen? Sollte sie versuchen, nach einiger Zeit den Namen der Tiberier reinzuwaschen? Sollte sie ihren geliebten Cousin aufmuntern vor dem Tode, dass sie am Leben bleiben und alles daran setzen würde, die Familie zu retten?
    Nein. Es war aussichtslos, zu tief war sie verletzt, zu tief war die klaffende Wunde, die das haus der Tiberier in Verruf brachte und nun ausbluten ließ.
    Sie küsste den alten auf die Wange und wischte ihm zart die Träne aus dem Gesicht.
    "Das werden wir, liebster Cousin." sagte sie leise mit einem Lächeln, welches keinesfalls aufgezwungen war. Es war ein kurzer glücklicher Moment, ein Moment der Freude, in dem sie an an das Jenseits dachte. Was würde sein? Würde sie gemeinsam mit Manius den Weg beschreiten? Würde sie ihre Brüder wiedersehen?
    Bevor sie in Gedanken versinken würde, drückte sie ein letztes mal die Hände ihres Cousins, wandte sich von ihm ab und verließ zu anfangs mit langsamen aber zunehmend schnelleren Schritten sein Ankleidezimmer.


    Draußen hörte sie den Lärm, der aus der Richtung des Vestibulums kam, der letzte Raum vor dem Atrium! Sie musste sich beeilen.. und dafür gab es nur eine Lösung.
    "Ein Messer!" rief sie, während sie schnell ins Atrium lief.
    Sie stand vor dem Wasserbecken und richtete ihren Blick nach oben. Die Luft war eisig. Mit geschlossenen Augen und dem Kopf im Nacken atmete sie tief durch. Ein letztes mal riechen, ein letztes mal tief durchatmen. Die Sklaven liefn hastig umher, ganz im Gegensatz zu Arvinia waren sie hektisch und nervös, während sie die Zeit ignorierte.
    In ihren Köpfen gingen viele Dinge vor sich. Die einen fragten sich, ob sie frei seien, nachdem der dominus und die domina tot seien, die anderen haderten mit dem Gedanken, ob man sie verkaufen oder töten würde. Einige freuten sich, andere hatten einfach nur Angst und liefen teilweise recht desorientiert durch die Gegend. Einige warteten gespannt auf die Prätorianer, andere versteckten sich vor ihnen.

  • Die Sklaven eilten, um ein Messer zu holen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Praetorianer in das Vestibulum eindringen und schließlich gegen die Veteranen ihres Bruders kämpfen würden, zu dem dieser Kampf schnell vorbei sein dürfte.
    Als Arvinia sah, dass eine Sklavin hektisch mit einem Messer auf sie zu kam, hob sie ihren Fuß über das Wasser und wartete einen Moment. Zarghaft tauchte sie ihre Zehen in das kühle Nass und zuckte kurz zurück, es war eisig. Sie nahm der Sklavin das Messer ab und atmete tief durch. "Lasst mich allein." Einige der Sklaven überlegten nicht lange und verschwanden, eine Hand voll blieb und sie schauten sie skeptisch an.
    "Ich sagte lasst mich allein! Geht!" hakte sie mit forscher Stimme nach, woraufhin alle verschwanden und sie ihrem selbstgewählten Schicksal überließen.
    Mit beiden Füßen im Becken stehend, ging ihr noch einmal alles durch den Kopf. Sie blickte sich im Atrium um und sah all Gäste, die sie in der Zeit hier gesehen hatte. Ihr Cousin hatte die einflussreichsten Politker um sich gehabt, so wie enge Freunde und Verwandte. Schöne junge Frauen, die lachten und sich am Leben erfreuten, während sie Trauben und andere Früchte aßen. Nun würde es eine lange Zeit dauern, bis eine solche Art von Gästen wieder in diesem Haus verkehrte, wenn hier überhaupt wieder jemand verkehrte. Die Prätorianer bringen die Schmach über diese Familie unter ihr eigenes Dach, sie brachten den Tod.


    Der Lärm jenseits des Atriums riss sie aus ihren Gedanken. Ihre Füße waren schon blau von dem eisigen Wasser, doch den stechenden Schmerz spürte sie schon gar nicht mehr, da ihre Zehen schon halb taub waren.
    Langsam kniete sie sich auf den Boden des Wasserbeckens und nahm das Messer in beide Hände. Sie dachte nicht mehr nach. Wozu auch? Es war nun alles vorbei, es war alles gesagt und es gab keinen anderen Ausweg.
    Es dauerte nicht lange und das Blut floss aus ihren Pulsadern in das eisige Wasser.
    Arvinia lehnte sich zurück, schaute in den Himmel und schloss die Augen. Ein Stoßgebet verließen ihre blauen Lippen als sie allmählich merkte wie sie schwächer und schwächer wurde, bis sie letztendlich auf die rechte Seite sank und ihr Kopf auf dem Beckenrand aufschlug. Ein langsamer, einsamer aber schmerzloser Tod.
    Wenn die Praetorianer das Atrium betreten sollten, würden ihre Augen folgendes sehen:


    Eine tote Tiberiern im blutgefärbtem Wasserbecken, die keinen anderen Ausweg sah, der Schmach zu entgehen. Sie hatte ihr Schicksal selber entschieden, sie hatte sich das Leben genommen.

  • Zitat

    Original von Tiberia Arvinia
    Sie küsste den alten auf die Wange und wischte ihm zart die Träne aus dem Gesicht.
    "Das werden wir, liebster Cousin." sagte sie leise mit einem Lächeln, welches keinesfalls aufgezwungen war. Es war ein kurzer glücklicher Moment, ein Moment der Freude, in dem sie an an das Jenseits dachte. Was würde sein? Würde sie gemeinsam mit Manius den Weg beschreiten? Würde sie ihre Brüder wiedersehen?
    Bevor sie in Gedanken versinken würde, drückte sie ein letztes mal die Hände ihres Cousins, wandte sich von ihm ab und verließ zu anfangs mit langsamen aber zunehmend schnelleren Schritten sein Ankleidezimmer.


    Wie erstarrt beobachtete Durus, wie Arvinia sich von ihm verabschiedete. Seine Hand streckte sich ihr noch entgegen, da schlug die Tür aber schon wieder ins Schloss und verbarg die Gestalt seiner Cousine für immer vor seinem Blick. Glücklicherweise hörte er nicht, wie sie nach einem Messer verlangte - er hätte befürchtet, sie würde versuchen, sich zu erstechen, was für eine schwächliche Frau wohl nicht die angenehmste Todesart darstellte. Stattdessen fand er nun wieder Zeit, sich mit seinem eigenen Schicksal zu beschäftigen.


    "Lukios, ich will, dass du fliehst. Suche meinen Sohn und stehe ihm bei, wie du mir stets beigestanden bist!"


    Einen Moment überlegte Durus, ob es eine Möglichkeit gab, ihn hier und jetzt freizulassen. Da er augenblicklich aber weder Zeit dafür hatte, sein Testament zu bearbeiten, noch, einen Magistrat aufzusuchen, war dies wohl Ahala überlassen.


    "Ich werde dir rasch ein paar Zeilen für ihn diktieren:


    'Pater filio suo salutem.


    Ich muss dir berichten, dass die Prätorianer unsere Verschwörung aufgedeckt haben und in diesem Augenblick unser Haus erstürmen. Ich bin zu alt, um zu fliehen, daher werde ich den Tod wählen, um Salinator nicht in die Hände zu fallen. Allerdings schicke ich dir meinen Sekretär. Er soll dir fortan dienen, doch bitte ich dich, dass er dies als freier Mann tun darf.


    Mein Vermächtnis an dich ist folgendes: Sorge für deine Mutter und unsere Familie! Räche meinen Tod und hilf mit, die Res Publica wiederaufzurichten, wie es unser ursprünglicher Plan gewesen ist. Am besten du gehst zuerst nach Misenum zurück, wohin ich meine Frau geschickt habe, und schlägst dich dann mit ihr gemeinsam nach Mantua zu Aurelius Ursus und Septima durch. Ich bin sicher, dass er euch Schutz gewähren wird.


    Grüße auch deine Mutter von mir und richte ihr aus, dass ich sie stets geliebt habe!


    Lukios wird dir auch ein paar Sesterzen mitbringen, soweit ihm dies möglich ist.


    Vale bene,
    Dein Vater'"


    Einen kurzen Augenblick dachte er nach - sollte er mehr schreiben? Vielleicht seine Nachsicht ausdrücken, dass es Ahala nicht gelungen war, sie rechtzeitig zu informieren? Oder mahnende Worte? Ausführlichere Grüße für seine Frau oder die übrigen Verwandten?


    Der lauter werdende Lärm erinnerte ihn allerdings daran, dass die Zeit drängte. So griff er nach seinem Ringfinger und zog den schweren goldenen Ring mit dem Emblem der Tiberier ab. Etwas überrascht stellte er fest, dass die Stelle, an der er üblicherweise saß, ein wenig dünner und bleicher als der restliche Finger war - er hatte ihn schon Ewigkeiten nicht mehr abgelegt.


    "Nimm den Brief und den Ring und bring ihn zu Aulus! Nimm dir so viel Geld mit, wie du ungefährdet mitnehmen kannst und geh' kein Risiko ein! Geh sofort!"


    Mit einer Mischung aus Angst, Trauer und Verwirrung sah Lukios seinen Herrn an, dann steckte er fast mechanisch die Tabula und den Ring weg, wandte sich um und verschwand ebenfalls.

  • Zitat

    Original von Manius Tiberius Durus
    In der Öffnung zum Atrium stand ein Trupp Veteranen. Ihr fortgeschrittenes Alter und die Narben in ihren Gesichtern und an den Armen zeugten von der Kriegserfahrung, die diese Männer besaßen. Tiberius Vitamalacus war von den Männern respektiert worden - und dementsprechend erwiesen die Männer der Familie ihres Kommandeurs nun Ehre, indem sie ihr Leben opferten. Jeder von ihnen trug ein Gladius, manche trugen sogar ihre alten Panzer, einer sogar ein Scutum. Sie waren keine echte Gefahr für die Prätorianer, aber sie würden das Vordringen doch zumindest erheblich verzögern!


    Im Vestibulum entbrannte ein heftiger Kampf. Gerüstete Prätorianer drangen auf die Veteranen ein, die zwar mit aller Erfahrung und Verbissenheit kämpften, jedoch eindeutig schon etwas alt in den Knochen waren. Nachdem die ersten vier von ihnen von den Gladii der Männer in Schwarz in Stücke gehackt worden waren, bröckelte die Front stark. Immer weiter ließen sie sich zurückdrängen und standen bald im Atrium, wo nackte Panik herrschte. Sklaven rannten umher, im blutrot gefärbten Impluvium lag eine Frau, die offenbar Selbstmord begangen hatte und die Truhe mit den tiberischen Ersparnissen stand offen.


    Dennoch kämpften die Veteranen weiter, denn welche Alternative stand ihnen nun noch offen? Ergaben sie sich, würden sie sich wegen Angriffs auf die Staatsgewalt den Tod erleiden - also drangen sie mit dem Mut der Verzweiflung ein letztes Mal vor. Schnell aber brach ihre Formation und die nackte Angst packte viele von ihnen, die sich in alle Richtungen zerstreuten, um doch noch irgendwie aus der Todesfalle Villa zu entkommen...

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