Das große Rattenbeißen



  • Tief in der Subura, inmitten eines Labyrinthes krummer Gassen, schmaler Stiegen und finsterer Hinterhöfe, an der Kreuzung von Schindergasse und Petersilienweg, lag ein abschüssiger Platz. Er war umgeben von hohen Insulae, so dass er fast immer im Schatten lag. Magere Disteln sprossen im staubigen Boden, die Strassengräben lagen voll Müll. Eine der angrenzenden Insulae war vor Jahren eingestürzt und aufgrund irgendwelcher Spekulationen noch immer Ruine. Zwischen den Mauerresten hatten sich einige Vertreter der Ärmsten der Armen der Stadt elende kleine Behausungen gebaut. Es war ein Winkel von Rom, den keiner der vielen Besucher, die in die Stadt kamen um Forum und Circus zu besichtigen, je zu Gesicht bekam – und die Besucher hatten damit nichts verpasst. Auch Urbaner und Vigilen tauchten nur sehr selten, und ausschließlich in größeren Trupps hier auf, denn die Strassenzüge waren fest in der Hand diverser Banden.
    Nur zweimal im Jahr, da rückte dieser elende Fleck in den Mittelpunkt, wurde zum Schauplatz eines unerhörten Spectaculums: und zwar dann wenn hier Das Große Rattenbeissen stattfand.


    Diese Nacht war es einmal wieder soweit. Warm war es, als wäre noch immer Hochsommer, die Luft stand in den Gassen, stickig und geschwängert von Staub, Rauch, und den Ausdünstungen der Stadt. Lagerfeuer auf offener Strasse und rußende Öllaternen erhellten den Platz, in dessen Mitte eine kleine hölzerne Arena aufgebaut war, aus schlechten Brettern flüchtig zusammengenagelt. Um diese drängte sich eine Masse von Menschen, die meisten eher ärmlich, manche völlig zerlumpt, doch dazwischen fanden sich auch wohlgekleidete und -genährte Besucher. Das große Rattenbeissen, früher ein Ereignis ganz ohne Aussenstehende, war in den letzten Jahren etwas bekannter geworden, zum Geheimtip sozusagen, und der Ruf des Verruchten zog nun auch den ein oder anderen wohlhabenden Römer auf der Suche nach gefährlicher Zerstreuung, die ein oder andere gelangweilte Römerin an, was zu einer kuriosen Mischung des Publikums führte.
    Man munkelte ausserdem, das sich in dieser Nacht auch die Bandenführer des Viertels treffen würden, um hier ihre Angelegenheiten zu klären und Territorien abzustecken. Wer weiß. Der flackernde Feuerschein beschien jedenfalls eine Menge Waffen, die ganz offen in den Gürteln getragen wurden.


    Noch hatten die Wettkämpfe nicht begonnen. Neben der Arena standen ein paar Kisten, aus denen das Getrappel kleiner Füsse, und manchmal ein schrilles Quieken zu hören war. Viele der Besucher standen bei den Wettmachern, und setzten auf ihre Favoriten, andere schlenderten herum und begutachteten die Waren, die am Rande des Platzes feilgeboten wurden: ein Sammelsurium von Trödelkram, Messern, Schrott und höchst absonderlichen Dingen. Vor einer angrenzenden Spelunke standen grobe Tische und Bänke, da gab es billigen Wein und Schalen mit Eintopf. Auch fliegende Händler waren unterwegs und schenkten aus, niemand der ein paar Asse hatte musste durstig bleiben.

  • Es war beinahe ein Jahr her, dass Octavius Cato, der ehemalige Praefectus Castrorum der Vigilen, auf offener Straße erstochen worden war. Damals waren wir einigen dürftigen Spuren nachgegangen, ohne dass uns Erfolg beschieden gewesen wäre. Doch nachdem ich Celeste, meine äusserst vielseitige Scriba, ausgesandt hatte, um sich in gewissen Kreisen, wo wir Urbaner nicht sehr willkommen waren, genauer umzuhören, schien es nun, dass eine der Spuren hin zu einer verdächtigen Person doch noch nicht ganz erkaltet war. Und diese führte uns hierher: zum Großen Rattenbeissen.


    Gemeinsam mit Miles Musca und einem weiteren vertrauenswürdigen Soldaten betrat ich, in Zivil natürlich, den Platz. Es war ein malerischer Anblick, die Feuer (brandgefährlich, der Funkenflug), die urigen Subura-Gestalten (bis an die Zähne bewaffnet), die ausgelassene Stimmung der Besucher. Hätten sie gewusst was wir waren, wäre die Stimmung sicherlich gekippt, und hätte die fröhlich Feiernden in einen ebenso ausgelassenen Lynchmob verwandelt. Dies hier war eine der Ecken von Rom, die die Autoritäten abgeschrieben hatten, hier herrschten die Banden, und die liessen sich von uns nicht gerne in ihre schmutzigen Geschäfte reinreden. Natürlich will ich damit nicht behaupten, alle Subura-Bewohner wären Verbrecher, beileibe nicht, und ich habe ja schliesslich früher auch mal eine Zeitlang in der Wassergasse gewohnt. Aber Freunde würden wir hier vergeblich suchen. Heute Nacht waren wir hinter den feindlichen Linien, nicht weniger als wir es damals in Circesium gewesen waren!


    Meine Männer und ich trugen einfache Tuniken und grobgewebte Überwürfe. Auch die Details mussten stimmen, um hier nicht aufzufliegen, von den abgetretenen Schuhen bis zu den Waffen, die offensichtlich keine soldatischen waren, und es war alles nicht zu gleichförmig, nicht zu ordentlich.
    Ich hatte mir in der letzten Woche den Ansatz eines stoppeligen Bartes wachsen lassen, und trug ein fieses, unterarmlanges Messer unter dem Mantel – es stammte aus der Kammer, in der wir die beschlagnahmten Waffen einlagerten – Musca hielt in der Hand einen abgegriffenen Stab mit Metallbeschlägen.
    Ausser unserem Dreiergrüppchen hatte ich nur noch eine Handvoll umsichtiger Stadtsoldaten nach und nach hier einsickern lassen, um ebenfalls die Augen offen zu halten. Je mehr wir waren, desto höher die Wahrscheinlichkeit aufzufliegen. Verstärkung wartete erst im nächsten CU-Posten, und der lag am Argiletum, ein ganzes Stück von hier. Nur im allerdringlichsten Notfall würden wir sie herbeirufen, mit den kleinen Holzpfeifen, die wir alle gut verborgen bei uns trugen. Es gab eine Kette von Posten, die das Signal dann weitertragen würden – ich hoffte natürlich, dass das nicht notwendig werden würde, es könnte in dieser Nacht leicht zur Strassenschlacht ausarten, und das wäre nicht gut für unseren Ruf.


    Irgendwo in der Menge musste sich auch Celeste befinden, jedenfalls wenn sie meinen Anweisungen gefolgt war. Sie sollte die Augen nach dem verdächtigen Subjekt aufhalten, und mich wenn sie ihn erblicken sollte, unauffällig auf ihn aufmerksam machen. Ich konnte sie aber zwischen all den Menschen nicht ausmachen. So mischte ich mich mit meinen Begleitern unters Volk, und erstand am Ausschank einen Weinschlauch. Ich reichte das haarige Ding herum, trank ein, zwei Schluck, und besah mir wie jeder andere Besucher erst mal was das Fest zu bieten hatte.

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    Klient - Decima Lucilla

  • Trotz der drückenden Luft, hatte sie sich einen Umhang übergeworfen und die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Sie war nicht die Einigste, die in solcher einer Aufmachung durch die Straßen huschte. Finstere Gesellen warfen ihr misstrauische Blicke zu, hielten sie aber nicht auf, als sie sich tiefer in das Gewirr der Subura wagte. Je tiefer sie kam, desto aufdringlicher wurden die unangenehmen Gerüche der Stadt. Der Duft von fauligem Essen und Exkrementen vermischte sich mit Schweiß, geronnenem Blut toter Tiere und anderen ekelhaften Dingen. Ein Schauer lief ihr den Rücken herab und Übelkeit stieg in ihr auf, diese Gerüche weckten Bilder der Vergangenheit, Einst hatte sie auch in solch einem Dreck gehaust, sich mit Bettelei und Diebstählen durch das Leben geschlagen. Doch das war lange her und sie damals nur ein Kind, welches überleben wollte.
    Sie musste nicht hier sein, aber sie wollte. Sie brauchte Informationen und Druckmittel, die sie dann gegen klingende Münze weiter verkaufen konnten. Ein Gerücht hatte sie hier her gebracht, dorthin wo die Abgründe der Menschen deutlicher waren, als in den reichen Häusern hinter vornehmen Fassaden.


    Als die schweren Schritte von Männern erklangen, drückte sie sich kurz in den Schatten und wartete ab, bis die Männer an ihr vorbei waren, ehe sie sich ihren Weg weiter suchte. Schließlich trat sie das flackernde Licht unzähliger Lampen und Feuer. Ein Blick auf die Kisten verriet ihr, das sie am richtigen ort nun war. Ein Lächeln stahl sich auf ihre verborgenen Züge. Unauffällig mischte sie sich unter die Leute und trat dann an einen der Buchmacher heran. Alaina setzte zwar nur eine kleine Menge, doch es machte sie wesentlich glaubhafter an diesem Ort des Schmutzes. Unauffällig sah sie sich um und entdeckte auch sogleich einige Gesichter, die mit Sicherheit eigentlich hier nichts zu suchen hatte. Ein Scriba aus der Schola zum Beispiel.
    Informationen, sie war hier wegen Informationen. Nur wenige Schritt von ihr entfernt, verhandelte ein dicker Mann mit einem grobschlächtigen Kerl, er wollte einen Mörder angagieren, der ihm die ungeliebte Ehefrau beiseite schaffte.

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    Lysandra


    Natürlich war Lysandra ebenfalls vor Ort, denn heute würde bestimmt Gewinn für sie abfallen. Sie war nun bereits seit zwei Wochen in der ewigen Stadt und ging ihrem Geschäft der körperlichen Freuden nach. Dabei hatte sie schon einige dauerhafte Freundschaften geknüpft und auch Kontakte zu gewissen 'Beschützern' aufgebaut. Jetzt schlenderte sie - aufreizend herausgeputzt und überschminkt - zwischen den Leuten umher und hielt nach wohlhabenden Männern ausschau. Dass hier einige Personen anwesend waren, die keinesfalls in die Subura gehörten, war ihr nicht bewusst. Ebenso wenig wie der Fakt, dass ihr guter Freund aus Griechenland ebenfalls anwesend war.

    ~~~~~~


    Sermo wollte dieses Spektakel nämlich ebenso wenig verpassen wie seine liebe Hure. Zwar aus anderem Grund, aber das spielte ja keine Rolle. So hatte er sich des Nachts aus der Casa gestohlen und war mehr oder weniger verhüllt an diesen Ort gekommen. Natürlich in passender Montur und mit versteckter Waffe. Denn die Subura würde er seit seiner Jugenderfahrungen nicht wieder unbewaffnet betreten.


  • Appius Vitellius
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    Die beiden ehemaligen Gladiatoren und jetztigen Sicarii Appius und Vitellus waren auch durch die dunklen Gassen zum Rattenkampf gekommen, denn ihr Hauptmann, der alte verkrüppelte Glocta, würde an einem Treffen teilnehmen und wollte für den Fall der Fälle etwas Rückendeckung dabei haben. Unter ihren recht schmutzigen Paenulae trugen sie neue Tuniken, denn erst vorgestern hatte die Beiden einen Schneider überfallen und fette Beute gemacht. Selbstverständlich waren sie nicht unbewaffnet, doch neben ihren Sicae hatte Vitellus noch einen bronzebeschlagenen Knüppel und der kleinere Appius noch ein Gladius unter ihren Mänteln verborgen.
    Als sie an der Arena angekommen waren, schlenderte Appius ersteinmal zu einer improvisierten Theke, die unsachgemäß aus einigen Brettern und Kisten zusammengezimmert worden war. An einer Seite war ein Becher, der mit einer Kette an der Theke befestigt worden war, damit er nicht gestohlen werden konnte. Nachdem Appius eine As auf den Tisch geschnippt hatte, füllte der Mann hinter dem Tisch den Becher mit billigem Wein. Appius trank schnell aus, lies den Becher dann achtlos fallen und ging zurück zu Vitellus, der schon für ganz passable Plätze gesorgt hatte indem er zwei junge Burschen mit einigen Tritten verscheucht hatte. Langsam liesen sie dann ihre Blicke über die übrigen Anwesenden streifen, denn sie waren schließlich nicht zu ihrem Vergnügen da. Zumindest nicht nur.

  • Celeste hatte sich einige Tage hier im Dunkel herumgetrieben. In schäbigen Klamotten gehüllt, hatte sie sich eingeschlichen und erst ein wenig Vertrauen aufbauen müssen ehe sie die gewünschten Informationen bekam. Grober Stoff umhüllte sie und erinnerte nur an eine Tunika. Sie musste sich ja der Umgebung anpassen und wirklich arm wirken. Das Leben hier war sehr spartanisch. Kaum Nahrung, kein zugfreies Dach über dem Kopf. Die schlanke Erscheinung täuschte ein langes Leben hier vor. Doch in der Subura musste sie zum Glück nie lange hausen. Zumindestens nicht so tief, eher am Rand und dort konnte man wirklich gut leben.


    Heute hatte sie eine wirklich schäbige Tunika an. Ihre Haare hingen dreckig und verklebt und ungekämmt in ihrem Gesicht. Ein zerschlissener Mantel hüllte sie nur wenig ein. Es waren eher Fetzen. Celeste so zu erkennen, fiel wirklich schwer. Ihre sonst so strahlend blonden Haare fielen kaum auf. Auch das helle Gesicht war hinter einer Kruste aus Dreck verborgen. Wie sehr sie sich auf ein Bad freute. Sie brauchte es wirklich dringend. Das tiefe Einatmen fiel ihr schwer, sie konnte sich kaum selbst riechen und das mussten jetzt aber andere ertragen.


    Mit Serapio hatte sie ausgemacht sich vor Ort zu treffen und ihm zu zeigen wo sich die Zielperson aufhielt. Allerdings war sie bisher noch nicht aufgetaucht und so suchte sie erst einmal nur Kontakt um Serapio kurz zu zeigen, dass sie da war. Die Informationen hatten sie in letzter Zeit nur per Boten und geschriebenen Nachrichten ausgetauscht. Sicher würde sich der Decimer erschrecken, wenn er der heruntergekommenen Celeste ansichtig wurde. Dennoch stand sie irgendwann neben ihm.
    "Es ist schwer die richtige Ratte ausfindig zu machen. Sie sehen alle gleich aus und dennoch denke ich, dass die Nummer 5 das Rennen machen wird. Was meinst du?"
    Kurz sah sie ihn an und lächelte. Hoffentlich erkannte er sie. Zumindest die Stimme sollte ihm bekannt sein. Wie die anderen seiner Zunft zu ihr standen, wusste sie nicht und daher war sie wirklich in allen Richtungen vorsichtig. Nichts dem Zufall überlassen. So trug sie auch den Dolch bei sich. Gut versteckt und für niemanden sichtbar. Denn dieser war von relativ guter Qualität und würde sie auffliegen lassen, wenn ihn jemand finden würde.


    Immer wieder sah sie sich um. Natürlich unauffällig um nicht zu verraten, dass jemand gesucht wurde. So etwas hatten alle in diesen Kreisen im Blut und zeigten sich dann erstaunlicher weise nicht mehr. Genau das sollte heute aber nicht passieren.

  • Ich ging mit Faustus Decimus Serapio und dem Miles Musca durch die berüchtigte Subura. Wir waren entsprechend gekleidet und hatten ein nicht gerade freundliches Aussehen angenommen. Niemand durfte uns erkennen oder einen Verdacht schöpfen. Unter der Tunika hatte ich einen Pugio versteckt. Ich wollte nicht ganz unbewaffnet auf diese Mission gehen. Ich hatte den Pugio noch einmal geschliffen. Ich wollte vorbereitet sein und beobachtete unauffälig die Umgebung. Das brachte der Dienst in der CU mit sich.

  • Schon vor einigen Tagen hatte Celeste von ihrem neuen Auftrag für diesen... diesen Decimer gesprochen. In die Subura sollte sie gehen. Sie! Ihre Celeste! Als ob sie nichts Besseres verdient hätte, als ob sie, nur weil sie eine Diebin war, automatisch zu den Untersten der Unteren gehörte und darob nicht auffallen würde. Ha!
    Doch Amneris hatte nichts gesagt, hatte nur genickt und gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Während die Keltin also die letzte Zeit damit verbracht hatte, sich möglichst gut an diese Umgebung anzupassen, hatte die Nubierin, wie versprochen, angefangen, Celestes "Arbeitgeber" hinterher zu schnüffeln. Dass der Kerl Dreck am Stecken hatte war klar, doch noch hatte sie ihrer Freundin von nichts berichtet. Zuerst wollte sie ein Vorhaben in die Tat umsetzen, das ihr im Kopf herumspukte, seit sie von dem Urbaner gehört hatte. Nur einmal ein Auge auf ihn werfen. Sehen, ob er der Vorstellung vom grobschlächtigen, ungepflegten Soldaten entsprach, die Amneris sich so mühevoll aufgebaut hatte und die eine lupa jüngst ins Wanken gebracht hatte.


    So war auch die Nubierin in der heutigen Nacht zur Subura aufgebrochen, um sich davon zu überzeugen, dass es absolut keinen Grund zur Eifersucht gab. Verborgen in abgerissener Kleidung, die dunkle Haut verhüllt mit einem fleckigen Umhang, hatte sie ihre insula verlassen und sich ins Getümmel gestürzt.
    Natürlich hatte sie Celeste nichts gesagt. Bei allen Göttern, diese Diskussion wollte sie sich ersparen. Und so kam es, dass sich zwischen all den düsteren Gestalten, gehüllt in Lumpen und Mäntel, Hauben und Umhänge, eine weitere Gestalt umhertrieb, die aufgrund der natürlichen Gegebenheiten ihrer Geburt die Düsterste von allen war. Sie stach nicht heraus aus der Menge, trotz ihrer Größe, war nicht mehr als eine weitere graue Gestalt inmitten des Moloch Subura, in dem sie einst selbst gelebt hatte. Noch immer schmeckte die Luft nach Mensch und Tier, nach Abfall, nach Dreck.. nach Leben. Sie hasste und liebte diesen Geruch, schnalzte anerkennend mit der Zunge, als er sie umfing. Wieder zu Hause. Gefangen im Trubel, umringt von Geschwätz und Gezank, Bettler und Räuberkönig, tierischer und menschlicher Ratte.
    Sie hatte keine Angst. Ihre Größe, ihr Beruf und ihre Kenntnis um dieses Schattenreich schützten sie, hatten es stets getan und würden es auch heute, so die Götter ihr gewogen waren, tun. Und natürlich war auch sie nicht ohne metallenen Beistand gekommen. Unschuldig und doch allzeit bereit wartete ihr Dolch in seiner Scheide auf den Einsatz. Wie die Raubkatze, die sie war, schlich sie durch die Menge ohne wirklich zu schleichen, immer mit offenen Augen, immer wachsam und angespannt. Der Blick war scheinbar auf das hölzerne Rund gerichtet, in welchem sich heute das große Spektakel abspielen würde. Nur nicht für Amneris. Sie besah sich die Zuschauer, arbeitete Gesicht um Gesicht ab, um zu Finden, was ihr unruhige Nächte bereitete. So abwechslungsreich wie Rom selbst waren die versammelten Schaulustigen, was ihre Suche nicht gerade vereinfachte. Natürlich, Celeste war nicht dumm. Ihr auffälligstes Merkmal, die weichen, blonden Haare, würde sie zu verbergen wissen, ebenso wie ihr schönes Gesicht.


    Irgendwann beendete sie ihre Runde. Sie wusste, Celeste war hier und sie wusste, ER war ebenfalls hier. Und früher oder später würde sie sie sehen, sie musste nur geduldig sein. Und hoffen, dass ihre Freundin sie nicht erkannte.

  • Unter einem halbverfallenen Torbogen wurden Waffen verkauft. Das sahen wir uns genauer an. Musca griff zu und wog eine Sica in der Hand, deren Griff von einigen Kerben geziert wurde.
    “Is' ganz schartig. 'ch geb dir acht dafür.“
    Der Verkäufer grinste, bleckte dabei schwarze Zahnstummel.
    “Wenn's Denare sin, na sin wa im Geschäft.“
    Er hatte eine echte Verbrechervisage, die ich mir für alle Fälle einprägte. Wie viel einfacher wäre es, in Rom das Verbrechen einzudämmen, wenn das Verbrechen nicht so gut bewaffnet wäre!
    Musca lachte hohl über die Forderung, und dann begannen die beiden zu feilschen.


    Ich lehnte mich daneben an die Mauer, und hielt unauffällig Ausschau. Das Elend hier war teilweise schon überwältigend. Zum Beispiel die kleine Bettlerin da drüben – wie erbärmlich sie doch aussah. Eine aufgeputzte Dirne spazierte an uns vorbei und fing lüsterne Blicke und Kommentare. Ich schnappte ausserdem auch den ein oder anderen Gesprächsfetzen auf, der mich wünschen ließ, wir könnten das ganze Pack hier in einen großen Sack stecken, dann sortieren, und so etwa die Hälfte von ihnen in die sardischen Bleimienen verschiffen. Aber wir waren ja auf ein ganz spezifisches Ziel aus, heute nacht, und durften uns nicht ablenken lassen.
    Mit einem Mal stand die kleine Bettlerin neben mir. Ich hielt den Atem an, denn ihr Geruch war nicht gerade von Rosen – wie verblüfft war ich, als das zerlumpte Wesen mit Celestes Stimme zu mir sprach. Einen Augenblick lang hob sie das Gesicht, ich sah sie lächeln. Bona Dea, diese Tarnung war perfekt, erschreckend perfekt, Celeste war ja völlig entstellt.
    “Die Fünf wird hoch gehandelt. Aber Ultor soll ja auch sehr stark sein, dies Jahr, auch wenn er nich mehr der Jüngste ist.“, plauderte ich. “Für den richtigen Tip is da wohl jeder dankbar.“


    An der Arena gab es einen kleinen Tumult, als ein Kerl, dem man gleich ansah, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen war, zwei andere mit kräftigen Tritten verjagte, Kurz darauf gesellte sich ein weiterer ebenso finsterer Geselle zu ihm. Ich merkte auf. Der erste dieser Galgenvögel könnte unserer (leider recht vagen) Beschreibung entsprechen. Und wir vermuteten ja auch zwei Komplizen hinter der Sache. Aber von hier aus war er nicht gut zu erkennen.
    Ich wandte mich zu Miles Furius, reichte ihm den Weinschlauch “Hier, aber lass mir auch noch was übrig!“ und raunte ihm ganz leise zu:
    “Sieh dir die beiden Strolche da darüben mal genauer an. Die an der Arena. Besonders den größeren, der da eben geschlägert hat, ich will wissen ob er Pockennarben im Gesicht hat. Aber nicht auf Streit einlassen.“


    “Sind überhaupt schon alle Favoriten da?“, plauderte ich weiter mit Celeste, und blickte kurz zu den beiden Verdächtigen an der Arena. “Orcus hab ich noch nich gesehn.“
    Musca hatte mittlerweile sein neues Spielzeug erstanden, und gesellte sich zu mir. Er zeigte es vor, und ich begutachtete anerkennend die heimtückische Klinge, weil ich mir dachte, dass Subura-Messerstecher das sicher so machen würden. Musca schien etwas verwundert zu sein, mit wem ich mich da unterhielt. Absichtlich hatte ich nichts von meiner Informantin gesagt, weil es ja leider immer mal wieder lecke Stellen bei uns gab, und ich Celeste nicht gefährden wollte. Musca war zwar absolut vertrauenswürdig, und erzählte solche Dinge niemandem als seinem besten Kumpel Silio weiter, aber Silio hatte eine große Klappe und quatschte zu viel.
    “Lass uns mal wettn gehen.“, meinte ich zu Musca, und begab mich durch die Menge zu einem der Buchmacher.

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  • Ich nahm einen großen Schluck Wein und machte mich dann auf den Weg. Ich wollte mir den Kerl ganz genau ansehen. Ich torkelte also auf die beiden Strolche zu. Unterwegs rempelte ich ein paar Leute an damit meine angebliche Trunkenheit echt wirkte. Als sich ein Mann aufregte gab ich ihm einen Tritt und er machte sich davon. Langsam kam ich den beiden näher. Ich sah genau so aus wie die Masse der Menschen die hier lebte. Ich hielt meine Hand auf und bettelte um ein paar Münzen. Ich nahm allen Mut zusammen und sprach die beiden Männer an.


    " Habt ihr ein paar Münzen für mich? Meine Frau ist krank und meine 3 Kinder haben Hunger".


    " Verschwinde" wurde ich angeschrien. Ich machte mich aus dem Staub. Die Umstehenden lachten mich aus. Ich hatte Glück. Der Mann hätte mich auch töten können und niemanden hätte das interessiert. Ich ging bettelnd zurück zu Faustus Decimus Serapio und Musca. Ich hielt die Hand auf. Ich verschwand in der Menge. Später würde ich wieder zu ihnen stoßen.

  • Einzug der Gladiatoren


    “Heda! Hochverehrtes Publikum! Ruhe jetzt!“
    Ein hagerer Mann steigt auf eine der Kisten und wedelt mit den Armen. Sein Haar ist grau wie das Fell der Ratten, seine Augen glänzen listig, tief in den Höhlen. Ausgefranst und fleckig liegt eine Paenula um seine knochigen Schultern. Es ist Arax, der beste Rattenfänger der ganzen Subura.
    Das Geschwätz wird etwas leiser, nach und nach wendet man sich ihm zu.
    “Edle Herrn, schöne Damen, Rattenfreunde und Zuschauer“, ruft Arax grinsend über die Köpfe der Menge, “heut abend krönen wir hier den KÖNIG DER RATTENBEISSER! Nur die besten der besten treten heute an, die Gewinner der Vorrunden machen es heut unter sich aus. Applaus für die Rattenbeisser!“
    Unter donnerndem Beifall werden die Kämpfer von ihren Besitzern in die Arena gebracht. Man reckt sich, um einen Blick auf sie zu werfen, ihre Form und Leistungsfähigkeit bei diesem entscheidenden Kampf einzuschätzen.


    “Es treten heut an: ORCUS der Molosserhund, König des Vorjahres, sekundiert von seinem Besitzer Quentin!“, ruft der Rattenfänger, und vor tritt ein grobschlächtiger, stutzerhaft gekleideter Lude, der an der Leine ein Kalb von einem Hund führt. Treudoof blickt der riesige Molosser in die Runde, Sabber trieft über seine hängenden Lefzen. Als ihm eine Fackel zu nahe kommt drückt er sich ängstlich gegen die Knie seines Besitzers. Der sonnt sich eitel im reichlichen Applaus.
    “Ganz neu bei den Wettkämpfen: NUMMERUS QUINTUS der Kater! Erst seit diesem Jahr dabei! Ein aufgehender Stern am Himmel! – Oder nur eine Fußnote in der Geschichte der Wettkämpfe? Ihm steht zur Seite: Honoria, seine Besitzerin.“
    Hier handelt es sich um den Außenseiter des Abend. Eine alte Frau mit züchtigem Haarknoten und schlichter Stola trägt ihn herein. „Nummerus quintus“ ist ein sehniger getigerter Kater mit zerfetzten Ohren. Er lässt sich von dem Trubel nicht beirren, gähnt und zeigt dabei seine rosa Zunge.
    “Ausserdem sehen wir heute: MEDUSA! Unübertroffen in ihrer Wildheit! Sekundiert von Matho!“
    Matho ist ein schmutziger Bengel, Medusa eine quirlige Hündin von unbestimmbarer Rassen. Ihr Fell ist struppig, die Ohren erinnern an eine Fledermaus. Sie reckt die spitze Schnauze und nimmt Witterung auf, kläfft schrill. In den Rattenkisten quiekt und rumort es laut. Ein Haufen zerlumpter Strassenkinder unterstützt Medusa mit lautem Johlen.
    “Und natürlich: ULTOR das Frettchen, Ultor der gnadenlose Rächer! Im letzten Jahr Kronprinz der Rattenjäger! Ihm sekundiert natürlich wieder Damos!“
    Wie ein weißer Pelzkragen liegt das Frettchen um den Hals seines glatzköpfigen Besitzers geschlungen. Die roten Äuglein funkeln, die Nase zuckt, der buschige Schweif tanzt hin und her. Damos hat viele Feinde, er vermietet miese Absteigen zu Wucherpreisen, aber sein Frettchen ist trotzdem der Publikumsliebling, und nun wird der Applaus ohrenbetäubend.


    Als wieder etwas Ruhe eingekehrt ist, fährt Arax fort:
    “Jeder der Kämpfer wird, einer nach dem anderen, zusammen mit jeweils FÜNFZIG WILDEN KANALRATTEN in die Arena gelassen. Für die Länge dieser Sanduhr!“
    Er zieht eine verbeulte Sanduhr aus seinen Lumpen und präsentiert sie dem Publikum.
    “Nach jeder Runde zählt ein unparteiischer Richter die toten Ratten! Wer die meisten totgebissen hat wird der KÖNIG und bekommt die KRONE und für den Besitzer gibt’s VIERZIG DENARE!!
    Und jetzt will ich eure Einsätze sehen! Ich weiss, die Zeiten sind schwer, aber lasst das nicht die armen Wettkämpfer büssen!“


  • Appius Vitellus
    __________________________


    Vitellus hatte dem Bettler eigentlich schon eine Tracht Prügel verpassen wollen, denn eigentlich kannte er die meisten Bettler aus dem Viertel, die auch sehr wohl wussten, dass sie von ihm nur eine Münze zu erwarten hatten, wenn sie etwas für ihn hatten. Einen kleinen Hinweis oder Ähnliches. Doch der Mann war anders. Und auch recht gut angezogen. Zumindest für Einen der bettelte. Wohl ein besonders dreister Kerl, dachte Vitellus und da nun die Kämpfer vorgestellt wurden, verfolgte er den Kerl nicht weiter.
    Appius war natürlich für Ultor und wettete auch gleich drei ganze Sesterzen auf des Frettchen, das im Gegensatz zu Orcus recht mickrig wirkte, doch Appius favorisierte immer die Kleinen. Dennoch war er vorsichtig und aufmerksam. Im Gedränge konnte man immer schnell mit einem Messer im Rücken enden und sie mussten auf jeden Fall das Signal des Hauptmanns bemerken, wenn es denn kam. Und dann würde es erst richtig losgehen.

  • Zitat

    Original von Faustus Decimus Serapio



    Als der Tumult losbrach, ruckte der Kopf der Keltin sofort herum und sie sah sich um. Sie wollte unter gar keinen Umständen auffliegen und so ein Tumult konnte ja auch ihretwegen ausgebrochen sein. Die ganz normale Paranoia eines Menschen auf der dunklen Seite.
    "Dankbar wäre wirklich jeder, aber nur wenige erhalten ihn. Es gibt Menschen hier, die sich besser auskennen als es gut für sie ist und für eine entsprechende Entlohung soll man den richtigen Hinweis durchaus bekommen."
    Celeste hatte herausbekommen, dass hier nicht alles so ehrlich ablief wie es sein sollte und durchaus manipuliert wurde. Das wurde wahrscheinlich bei vielen Kämpfen hier, die so fernab der Gesetze und ihrer durchsetzenden Kräfte stattfanden. Wo, wenn nicht hier, konnte man wirklich viel Geld gewinnen wenn man die richtigen Leute kannte oder eben auch verlieren, wenn mans ie nicht kannte.
    "Ich kann mir vorstellen, dass es vielleicht sogar das Fretchen wird. Es hat bisher gute Leistungen gezeigt. Leider sind noch nicht alle Favoriten da. Aber ich habe eine ganz besondere Person bereits gesehen. "
    Sie deutete in eine Richtung wo sich der Mann zeigte, den sie finden sollte. Sie hatte gsucht und gefunden. Das war ihr Auftrag gewesen, aber so einfach an ihn herankam man nicht. Viele Männer umgaben ihn fast ständig. Dann verschwand Serapio und auch Celeste mischte sich wieder unter das Volk. Dass Amneris hier war, das hatte sie bisher auch noch nicht mitbekommen.



    Zitat

    Original von Narrator


    Mitten in ihrer Bewegung hielt sie ein als nun alles auf die Arena zudrängte. Für einen Moment stand sie nun etwas außerhalb der Menschenmenge. Ihren Rücken erneut abdeckend blickte sie sich um. Vereinzelt standen Menschen hier und dort noch an den Buden. Ansonsten war alles zum Schlachtfeld in klein geeilt um sich die Kämpfe anzuschauen. Die Gewinner wurden lauthals vorgestellt und die letzten Einsätze konnten gemacht werden. Die Wetten und Wuoten änderten sich hier und dort noch und ein jeder hoffte natürlich nachher auf den richtigen Favoriten gesetzt zu haben. Auch wenn es hier nur Tiere waren, die gegeneinander kämpften, konnte Celeste die Faszination hieran nicht verstehen und auch nicht teilen. Die Menschen schienen wirklich nichts lieber zu tun als gegeneinander zu kämpfen. Egal ob selbst oder ob andere es für sie austragen mussten. Es musste viel Blut fließen. Nur dann war alles so wie es ihnen gefiel. Kaum auszudenken, oder?


    Celeste hingegen zog weiter ihre Bahnen. Sie musste herausbekommen was noch zu tun war, begann sich in die Nähe des Gesuchten zu bringen und versuchte seine Deckung zu unterwandern. Ob es ihr so wie geplant gelingen konnte?

  • Schweiged lehnte sie sich an eine schäbige Mauer, ihr Blick wanderte durch die Menge und schließlich sollte das Spektakel beginnen. Diesen Augenblick des Gewühles und des Lärmes nutzte eine andere verhüllte Person um sich ihr zu nähern, sie stolperte, stieß gegen sie und ließ ihr ein unscheinbares Dokument zukommen. Wie zufällig ließ sie im Selben Moment einen Beutel mit Gold fallen, welcher von geschickten Fingern aufgehoben wurde. Dies ging so schnell von statten, dass niemand etwas ahnte. Aber um den Schein zu wahren, verpaste sie dem scheinbaren Bettler einen Tritt, dieser stolperte von ihr fort, aber nicht ohne deftige Flüche los zu lassen. Im Schatten ihres Umhanges lächelte sie und einen Moment später war sie im Schatten der Subura untergetaucht.

  • Sogar Amneris hatte sich hinreissen lassen und etwas gewettet. Sie glaubte nicht an Glück und Zufall, für sie war jeder selbst für sein Schicksal verantwortlich. Und doch, als sie einen der Favoriten gesehen hatte, schien es ihr wie ein göttliches Zeichen. Eine Katze. Unweigerlich hatte sie grinsen müssen. So hatten einige Sesterzen vorläufig den Besitzer gewechselt, ehe die Nubierin sich einmal mehr umgesehen hatte. Wo konnte Celeste nur sein?
    Mit einem Mal schien es einen Magnet für alles Gesocks und jedes auch nur annähernd menschliche Wesen im Umkreis von Meilen zu geben, strömte doch alles in Richtung der Arena, um nur ja nichts zu verpassen. Wunderbar, dachte Amneris, so finde ich sie niemals. Gewiss war die Keltin inmitten all des Trubels, gut versteckt und unmöglich zu entdecken, perfekt getarnt für Freund und Feind. Frustriert senkte Amneris den Blick, verlor für einen Moment die so oft einstudierten Bewegungen und schlurfte wie ein waidwundes Tier an den Rand der Menge.
    Ob es nun Zufall, Schicksal oder eine Kombination aus beidem war, die große Frau hob ihren Kopf und blickte direkt auf jene Lumpengestalt, die in einem anderen Leben ihre Freundin war. Sie stand außerhalb der Masse an Leibern und wäre Celeste aufgrund ihrer Figur und Größe der Nubierin nicht wohlbekannt, vielleicht hätte sie jene vorgebliche Bettlerin nicht mehr Beachtung geschenkt als der schmutzigen Straße zu ihren Füßen. Die schmale Gestalt jedoch, die so ungestört und scheinbar ohne Ziel umherging, sie hielt ihre Aufmerksamkeit gefangen. Noch immer konnte sie das Gesicht nicht erkennen, musste also näher heran, um sicher zu gehen.
    Die eigene Kapuze tiefer ins Gesicht ziehend wandte sie sich ab, umrundete die Arena einmal, ohne jedoch ihre Bettlerin aus den Augen zu lassen.
    Als sie noch einige Schritte entfernt war glaubte sie endlich blonde Haare zu erkennen. Dreckig, schmierig, ein Schatten ihres selbst, aber dennoch, es wäre möglich. Um nicht zu sehr aufzufallen und alles zu ruinieren wandte Amneris sich wieder ab, sah hin zur Arena, wo ohrenbetäubendes Gejohle ausbrach. Augenscheinlich war noch ein weiterer Favorit angekommen. Die dunklen Augen der Nubierin wanderten indes wieder zur Seite, wo sie ein paar grauer Augen in einem verschmutzten Gesicht sah. Celeste.Es brach Amneris das Herz, sie so zu sehen.
    Die Kiefer aufeinanderpressend strebte sie zurück zur Arena. So gerne sie Celeste gepackt und fortgezerrt hätte, fort von all dem Elend und dem Dreck, sie war aus einem bestimmten Grund hier. Und sofern die Keltin sie nicht entdeckte würde sie hier bleiben, bis sie Serapio gesehen hatte.

  • Tychicus beobachtete seine Umgebung kritisch.
    Schon ihr erster Einsatz in Sachen Octavius Cato, der die Urbaner in die Subura geführt hatte, hatte nicht gerade die schönsten Erinnerungen bei ihm zurückgelassen.
    Und jetzt auch noch diese vielen Menschen!
    Es war einfach unübersichtlich, und Tychicus zweifelte beinahe daran, dass sie ihre Zielperson in diesem Getümmel jemals finden würden. Er hielt sich ganz im Schatten seines Centurios, der mit Licinus und Musca voranschritt.
    Als Celeste zu ihnen stieß musste Tychicus schmunzelnd an sein erstes Zusammentreffen mit dieser Frau denken, als er völlig überrumpelt davon gewesen war, keinen Mann anzutreffen. Auch jetzt hätte er sie beinahe nicht mehr wiedererkannt. In ihrem Geschäft nannte sich so etwas wohl die "perfekte Tarnung". Tychicus versuchte jedenfalls, in ihrer Nähe nicht allzu tief durch die Nase einzuatmen...


    Serapio schickte den Furier etwas näher an das Geschehen heran, als zwei besonders finstere Gestalten seine Aufmerksamkeit erregten. Doch Tychicus blieb hinter seinem Centurio, immer mit einem ausreichenden Abstand, sodass ihre Zusammengehörigkeit nicht gleich auffiel, er seinen Kameraden aber in einer kritischen Situation schnell zur Seite stehen konnte.

  • In dieser Umgebung gingen wir auf dünnem Eis. Doch ich wusste, dass ich mich auf meine Männer verlassen konnte, und das gab mir Sicherheit.
    “Neun Sesterzen auf Ultor!“
    Ich zählte die Münzen auf das Fass, das dem schmierigen Buchmacher als Tisch diente, und bekam eine abgegriffene Wettmarke. Die hielt ich in der Hand, und lungerte noch eine Weile in der Nähe der Buchmacher herum, um zu beobachten wer so alles auf Ultor setzte. Besonders, ob jemand aus der Gruppe, die mir Celeste bezeichnet hatte, Anstalten dazu machte. Leider war es verdammt unübersichtlich, finster, und der Einzug der Rattenbeisser brachte noch viel mehr Durcheinander. Aber ich konnte doch erkennen, dass einer der beiden Strolche, die gerade an der Arena Ärger gemacht hatten, auf das Frettchen setzte. Da war er natürlich nicht der einzige, aber es war ein weiteres kleines Verdachtsmoment. Obgleich Miles Furius sich die beiden schon genauer angesehen hatte, beschloss ich also, selbst einen Blick auf sie zu werfen.


    Ich liess mich etwas zurückfallen, neben den Princeps Prior, um ihm derweil das andere interessante Ziel zu übertragen. Während mal wieder der Applaus aufbrauste, meinte ich leise zu Redivivus: “Behalte die Gruppe dort drüben vor der Spelunke im Auge, die mit dem Krüppel. Möglich, dass da die Ratte, die uns noch Geld schuldet, dabei ist.“
    Dabei vermied ich es, zu diesen Leuten herüberzublicken, um nicht ihren Verdacht zu wecken. Falls Celeste tatsächlich den Verdächtigen da ausmachen konnte, würde sie uns schon Bescheid geben – mir oder auch Redivivus, der unsere „Expertin“ natürlich auch kannte, da er sie damals ja überhaupt erst ausfindig gemacht hatte.


    Ich selbst stürzte mich nun mitten ins Gedränge um die Arena, und wand mich wie ein Aal zwischen den Zuschauern durch. Um ein paar blaue Flecken reicher, langte ich neben den beiden Spießgesellen an. Dius Fidus und Furrina! Denen wollte ich nicht alleine in einer dunklen Gasse begegnen. Genau solche Leute hatten mir damals, bei der Sache mit Callistus' Lotos, die Hölle heiß gemacht. Aber das war lange her, und heute hatte ich eine Mission.
    Gerade zog Ultor in die Arena ein. Ich klatschte und johlte mit der Menge, dann quatschte ich, wie von der Begeisterung hingerissen, meinen Nebenmann an – es war der kürzer geratene der beiden dunklen Gestalten: “Ultor is einfach der Beste! Orcus is der einzige der ihm's Wasser reichen kann, aber der hat ganz klar 'n schlechten Tag. Ultor wird se alle fertig machen!“
    Mal sehn ob der Mann sich zum Fachsimpeln animieren ließ. Lässig legte ich eine Hand auf die Verschalung der Arena, aber innerlich war ich äusserst angespannt. Was mich nebenbei verwunderte war, wieviel Geld hier dann doch im Umlauf war – wahrscheinlich alles Blutgeld!

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Ich sah wie Serapio sich weiter nach vorn durch die Massen drängelte. Anscheinend hatte er vor zu Wetten . Ich sah wie er ein paar Münzen auf ein Fass legte und dafür etwas bekam. Ich nehme an das es ein Wettschein war. Ich selber werde nicht wetten. Bei dem Sold bei der CU konnte man nicht Reich werden. Meine Aufmerksamkeit wurde durch lautes Geschrei kurz abgelenkt. Als ich wieder zu Serapio sah sprach der gerade mit dem Prior. Natürlich so das es nicht auffiel. Ich hielt mich im Hintergrund behielt aber Serapio im Auge. Man konnte ja nie wissen ob er nicht Hilfe benötigte.


  • Appius Vitellus
    __________________________


    Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich ein Messer in den Händen von Appius auf. Doch er blieb vollkommen ruhig und anstatt mit dem Messer auf den Kerl loszugehen reinigte er sich die Fingernägel. Das machte er öfters, denn es war eine gute Ausrede ein Messer in der Hand zu haben. Vitellus, der seinen Kumpan sehr gut kannte, wusste, dass Appius etwas nicht passte und er drehte sich um und täuschte ein Gähnen vor als er die Menge nach potentiellen Gefahren absuchte. Sie hatten nicht so lange und erfolgreich als Sicarii überlebt indem sie unvorsichtig waren und sich von jedem schmierigen Kuhdieb überlisten hatten lassen. Davon abgesehen ging es heute um viel. Die Hauptmänner besprachen sich und wenn sie sich nicht verstanden, dann konnte es Krieg geben. Wer sagte also, dass der Labersack nicht von der Konkurenz kam, mit dem Auftrag Appius und ihn auszuschalten?


    "So so Bürschchen, das glaubst du also? Bist wohl nicht von hier oda?"


    fragte Appius harmlos und gespielt freundlich. Er übernahm in der Regel das Reden, denn er war der Klügere von Beiden. Leider neigte er auch zu Wutanfällen und dann wurde es ganz schnell ungemütlich. Vitellus sah sich mittlerweile anscheinend gelangweilt weiter um. Ihm fiel der Bettler wieder auf, der ihm vorher so komisch vorgekommen war. Er überlegte gerade nocheinmal warum, da bemerkte er, dass der Kerl immerwieder herüberschaute. Nicht zu ihm, aber zu dem Kerl der Appius ansprach. Und dann fiel ihm noch ein Anderer auf. Der war schon vorhin bei dem Labersack gewesen und auch jetzt war er in der Nähe. Das passte ihm garnicht. Er stupfte Appius mit zwei Fingern in die Hüfte, als wollte er nur kurz seine Aufmerksamkeit erlangen. Das war ihr Signal dafür, dass es eventuell Ärger geben würde.


    "Hey Appi ich geh mal was trinken."


    sagte Vitellus lapidar und Appius nickte nur nachdenklich. Dann wandte er sich wieder dem Labersack zu und lächelte sein schiefes Lächeln. Vitellus ging dann auch tatsächlich zu einer der improvisierten Theken und trank einen Becher sauren Wein. Falls man ihn tatsächlich beobachtete. Es war auf jeden Fall Zeit die Verstärkung zu hollen. Falls die Kerle tatsächlich einem der anderen Hauptmänner angehörten und Ärger machen wollten, dann würden sie jeden Mann brauchen. Und bis zu seiner Rückkehr würde Appius auf jeden Fall durchalten.

  • Nun war es doch geschehen. Wir hatten Serapio in dem Gewimmel der Menschen aus den Augen verloren. Es wird schwer sein ihn in dem Gewimmel wieder zu finden. Musca und ich bahnten uns einen Weg durch die Massen. Wir hoffen darauf Serapio so schnell wie möglich zu finden. Er konnte überall sein. Hoffentlich lebte er noch.

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