[Campus Martius] Die Neptunalia

  • Die Hitze hielt nun schon lange Tage in Rom an, die Gräser in den meisten öffentlichen Parkanlagen vegetierten langsam vor sich dahin, die Bediensteten in den privaten Gärten trugen Eimer um Eimer Wasser herbei, um nicht die Pflanzenpracht ihrer Herren vergehen zu sehen. Der Tiberis, lebensbringender Strom und Qual der Stadt zugleich, führte nur noch mäßig Wasser mit sich und man munkelte, dass sich in der Cloaca aufgrund des Wassermangels bereits ein Sumpf bildete, den kein Römer gerne zu Gesicht und dessen Geruch er nicht gerne in die Nase bekam.
    In diesen Tagen kamen die Feiern der Neptunalia gerade recht und die Tatsache, dass es sich um ein sehr altes Fest handelte, bewies, dass das Problem kein neues war, sowie andererseits Roms Größe bewies, dass Neptun noch immer auf sein Fest hin Gnade gezeigt hatte. Gracchus hoffte sehr, dass dies auch in diesem Jahr wieder der Fall sein würde. Es gab Opferungen, deren Wirkung bezog sich vorwiegend auf die Menschen, doch die Neptunalia gehörten nicht dazu. Auch wenn es für sie ein sehr populärer Anlass war zu feiern, der primäre Anlass war es, Neptun milde zu stimmen.


    Zu diesem Zwecke waren bereits den Tag über die Laubhütten auf dem Campus Martialis errichtet worden. Nun, da sich mehr und mehr Römer sammelten, war die Zeit gekommen, das Opfer zu halten. Dem Neptun war ein Opferaltar errichtet worden, auf dem die Voropfer dargebracht wurden: Kränze aus Sommerblumen, Opferplätzchen und eine Amphore besten Falerners.
    Schließlich wurde der Opferstier herbeigeführt. Es war ein prächtiges Tier, dessen vergoldete Hörner im Sonnenlicht glänzten und dessen schwarzes und geschwärztes Fell in starkem Kontrast zu den weiß-roten Bändern um seinen Kopf stand. Nachdem die Anwesenden symbolisch gereinigt und zur Ruhe aufgefordert waren, weihte Gracchus das Tier mit einem Becher Wein. Er ließ sich das Opfermesser reichen, strich über den Rücken des Tieres und entfernte dabei die aufgelegte Wolldecke. Schließlich wandte der Sacerdos publicus sich mit dem Opfergebet an Neptun.
    "O Neptun, Herr über Wasser in Flüssen und Seen, Herr über Ozeane und Gezeiten, Herr des Wassers, nimmt dieses Opfer und schenke uns Dein süßes Nass! Dieser Stier für Dich, auf dass Du uns die Mehrung des Wassers in Deinen Flüssen bescherst! Wir laden Dich ein, diesen Deinen Tag mit uns zu feiern, in den Hütten, die wir Dir errichtet haben!"
    Gracchus trat einen Schritt zurück und bedeutete dem Popa fortzufahren, woraufhin dieser fragte, ob das Opfer vollzogen werden solle. Mit einem "Age!" bestätigte der Sacerdos dies und sogleich fuhr ein Schlegel auf des Tieres Kopf herab und eine Axt in seine Kehle. Blut rann aus der Wunde hervor und binnen weniger Augenblicke war das Tier in die Welt jenseits der Realität übergetreten. Die rote Flüssigkeit floss reichlich und tränkte den ausgedörrten Boden. Schließlich wurden die Eingeweide dem Tier entnommen und der Eruierung des göttlichen Willens unterzogen.

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  • Durus wohnte den Feierlichkeiten zu Ehren des Neptun bei - schließlich hatte Neptun ihm bereits viele glückliche Seereisen gewährt und sein Schiff niemals sinken lassen.
    So betrachtete er die Laubhütten auf dem Marsfeld und verfolgte dann das Opfer. Wie immer hielten die Priester ihre Opfer gewissenhaft und nach dem vorgeschriebenen Ritus ab - es faszinierte den Tiberier immer wieder, mit welch einer Routine die Männer die Verbindung zu den Göttern herstellten!

  • Als ehemaliger und gemäss Audienz beim Kaiser schon bald erneuter Flottenkommandant, und als Magistrat Roms mit Vorbildfunktion besuchte ich die Neptunalia.


    Da Neptun mich nach meinem Schiffbruch auch gerettet hatte, mein Bruder jeden Tag auf seine Gnade angewiesen war, und ich selbst schon mehrfach Opfer für Neptun abgehalten hatte, war mir dieser Ritus sehr vertraut. Ich hielt mich also exakt an die Vorschriften und schickte mein eigenes Gebet mit auf die Reise zum Gott.


    Neptun, Schutzherr der Flotten, des Handels zu Wasser und der Gewässer dieser Welt. Halte deine schützende Hand über die Reisenden auf deinem Gebiet, und verleih der römischen Flotte die Macht, uns zu schützen.


    Schicke dein nährendes Nass damit Mensch, Tier und Natur wieder befreiter atmen kann und nicht von der Hitze erdrückt wird.

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  • Neptun beobachtete die Zeremonie mit großem Interesse, wunderte sich jedoch über die Tatsache, dass nicht all zu viele Römer an diesem Fest zu seinen Ehren teilnahmen. Vor allem einige Soldaten der nahe gelegenen Classis Misenensis hätte er sich unter den Besuchern erwartet, nachdem sie seinem Wissen nach kein eigenes Opfer vollzogen hatten. Etwas Missmutig zog er die Augenbraue nach oben nahm sich vor in den nächsten Tagen bei der Classis nach dem Rechten zu sehen.


    Nichts desto trotz wollte er den wenigen Menschen, die sich an diesem heißen Tag am Campus Martius versammelt hatten sein Wohlwollen beweisen. Er hob seinen Dreizack und deutete mit einer kurzen Bewegung in den Himmel. Gleich darauf spürte man ein kühles Lüftchen über den Campus wehen, das die Hitze etwas dämpfte und unter den Menschen für etwas Abkühlung sorgte. In den nächsten Tagen würde er auch einige Regenwolken vom Meer aus auf die Reise schicken, um den Einwohnern Italias das lang ersehnte Nass zu bringen.

  • Furianus erreichte noch vor der Eingeweidenschau den Opferplatz und enstieg seiner Sänfte.
    Natürlich galt auch sein privates Interesse dem Ausgang des Opfers, wollte er doch binnen einiger Tage schon in See gestoßen sein und da war ein milder Neptun immer willkommen.
    So stellte er sich in die Reihe der Zuschauer und beobachtete den Ausgang stumm, jedoch mit Interesse und einem Auge auf Gracchus, welchen er heute zum ersten Mal in seiner Rolle als Sacerdos Publicus sah.

  • Vorsichtig begutachtete Gracchus die Eingeweide des Tieres. Es sollte Sacerdotes geben, welche das Blut am Opfer erfeute und welche geradezu gerne in den Innereien eines Tieres herumwühlten, doch Gracchus gehörte definitiv nicht dazu. Er befand jene Sorte von Priestern und auch die Haruspices, zu deren Aufgaben die Eingeweideschau in allen Details gehörte, für äußerst suspekt. Es reichte ihm vollkommen aus, die Vitalia in der Opferschale vor sich näher zu betrachten und ab und an vorsichtig ohne große Berührungspunkte herumzudrehen. Als er einen erfrischenden Lufthauch spürte, der über das Marsfeld zog, entschied er, genügend lange nach Fehlern gesucht zu haben und blickte zu den erwartungsvollen Menschen vor sich. Das Gefühl, alle Aufmerksamkeit auf sich ruhen zu wissen, war ein merkwürdiges, doch nicht unangenehm. Mit einem einzigen Wort würde er all diese Menschen zum Jubeln oder zum erschrockenen Aufstöhnen bringen, mit einem Wort legte er ihre Hoffnungen und Erwartungen fest. Mochte es am folgenden Tag regnen oder erst im späten November, sein Wort würde entscheiden, ob die Menschen bis dorthin in Trübsal und Furcht bangten, oder ob sie sich in Zufriedenheit ihrem täglichen Tun widmeten.
    "Litatio!"

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  • Da das Laubhüttenfest des Neptun ein beim Volk sehr populäres Fest ist, ist es nur verständlich, dass an diesem Tag das Officium der Praefecta Vehiculorum wie so viele andere Officien auch geschlossen bleibt. Außerdem begrüßt Lucilla jeden Feiertag, der in den Hundstagen liegt und ihr so einen heißen Tag im Officium erspart. Großtante Drusilla hat immer gesagt, so wie am ersten Hundstag das Wetter ist, so bleibt es, bis der Sirius wieder vom Himmel verschwindet. Wenn Lucilla nur daran denkt, bekommt sie Migräne.


    Um so erwartungsvoller steht sie mit ihren Zweigen in der Menge der Zuschauer beim großen Opfer und schaut den Opferpriester mit großen Augen an. Wenn wenigstens das Opfer gut verläuft, dann ist zumindest ab und zu auf Regen zu hoffen. Wie viele andere auch hängt sie geradezu an seinen Lippen und als er die Annahme des Opfers verkündet, jubelt sie laut mit. (:D)

  • Gross war die Freude auch bei mir, als verkündet wurde, dass das Opfer angenommen war.


    Ein plötzlich aufkommendes Lüftchen bewegte die Zweige der Laubhütten und der Leute, welche solche mitgenommen hatten. Die Hitze wurde plötzlich etwas gelindert.

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  • Das Tier wurde zerlegt und das Fleisch zu den Kochstellen nahe dem Tiber gebracht. Man hatte Feuerschalen aufgestellt, in welchen bereits die Kohlen glühten und den für die Glut zuständigen Sklaven den Schweiß ins Gesicht trieben. Darüber wurden nun die Kessel gehängt, in welchen das Fleisch gekocht wurde. Neben dem Altar kümmerten sich einige Sklaven um die Reste des Tieres und bis dort alles bereitet war, wurden auch die Opfergaben für Neptun bereits von den Kochstellen auf einem Tablett herangebracht. Gracchus schloss das Opfer ab, indem er die Vitalia dem Neptun darbrachte, so dass sie endgültig in den sakralen Bereich übergehen konnten.
    Als er sich den Zipfel seiner Toga vom Kopf strich, war das Opfer offiziell beendet und der profane Teil des Festes konnte beginnen. Auch die für die Menschen angedachten Teile des Opfertieres waren nun bereitet und konnten an die Menschen für einen kleinen Obulus verkauft werden. An den Ständen entlang des Tibers konnte man weitere Speisen und Getränke erwerben und dies an den aufgestellten Tischen und Bänken zu sich nehmen. Einige Musikanten sorgten für ausgelassene Stimmung und an vielen Stellen opferten die Bürger nun ihre mitgebrachten Zweige.
    Gracchus versicherte sich mit einem kontrollierenden Blick, dass die Opferdiener alles ordentlich beiseite räumten, ließ sich von seinen Sklaven die Toga richten und schickte diesen schließlich zur Fleischausgabe um einen Anteil am Opfer zu erwerben.

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  • Lucilla ist eine der ersten, die pflichtbewusst ihre Zweige opfern und damit auch eine der ersten, die hinterher schnell zu etwas zu Essen und vorallem zu einem Getränk kommen. Das Opferfleisch lässt sie vorerst links liegen, da es ihr dafür noch zu heiß ist. Ausgerüstet mit einem Becher Wasser mit einem Spritzer Wein in der einen und einem Obstspieß in der anderen wandert sie ein bisschen über das Marsfeld um zu sehen, ob sie jemand kennt, mit dem sich ein Plausch lohnen würde.


    Irgendwann sieht sie Furianus zwischen den Feiernden. Sie kennt ihn nicht näher, nur von den Redaktionssitzungen der Acta Diurna, also wird es Zeit, ihn mal etwas näher in Augenschein zu nehmen. Dass er sich als Patrizier an so einem volksnahen Fest wie den Neptunalia sehen lässt, spricht ja schonmal für ihn. Sie geht also lächelnd auf ihn zu.


    "Salve Flavius Furianus! Du recherchierst doch nicht etwa für einen Artikel in der Acta? Soweit ich weiß haben wir extra einen freien Redakteur abgestellt um über die Neptunalia zu berichten." Da sie schonmal am Reden ist, fährt sie auch gleich weiter fort. "Ein Glück ist das Opfer gut verlaufen, etwas Regen in den nächsten Tagen könnte wirklich nicht schaden."

  • Furianus verfolgte das Opfer mit einem Lächeln, welches noch einmal durch das erhoffte Wort "Litatio" zunahm.
    So stand er auch mit einem Becher verdünnten Weines und beendete gerade eine Unterhaltung mit einem Fratres Arvales, zu denen er seit kurzer Zeit gehörte und daher auch ein wenig Präsenz zeigen musste.
    Natürlich erkannte er Lucilla die Fleißige. ;)
    Die Hände zur Verteidigung ein wenig nach oben richtend lächelte er.


    "Nicht doch, ich würde doch niemals recherchieren."


    Ein Schluck musste folgen, denn seine Lippen klebten ja schon förmlich zusammen.


    "Ja, ich hoffe, dass uns Neptun erlöst. Wie war eigentlich die Dienstreise mit deinem Verlobten, Senator Avarus?"


    Hoffentlich wusste sie nicht, dass Furianus vor einigen Monaten bestrebt war ihrem Verlobten die rechte Strafe zuzuweisen.

  • Lucilla grinst. "Oh, das erklärt natürlich manches." Sie zwinkert ihm zu, zieht die letzte Traube von ihrem Obstspieß und lässt sie in ihrem Mund verschwinden.


    "Die Reise war recht anstrengend. Die Hitze in Africa ist sogar noch schlimmer als hier, auch wenn es kaum zu glauben ist. Allerdings haben sich die Mühen gelohnt, wir konnten einige Abläufe in den Mansiones verbessern. Das Problem dort sind einfach die weiten Flächen, auf denen kein Mensch lebt, so etwas ist einem durchgehenden Netz von Poststationen natürlich nicht gerade zuträglich. So weit entfernt von Rom schleicht sich auch gerne mal Nachlässigkeit in die Arbeitsabläufe, einen Stationarius hat der Legatus sogar direkt entlassen. Allerdings gab es auch viele gut laufende Stationen und alles in allem muss es einen nicht wundern, wenn auch die Post aus den Provinzen in Rom ankommt." Lucilla betrachtet einen Moment verlegen das Holzstäbchen in ihrer Hand. So genau interessiert Furianus das Postwesen sicher gar nicht.


    Sie blickt wieder auf und redet munter weiter. Wenn sie das Thema schnell wechselt, dann fällt es Furianus sicher gar nicht auf. "Die Reise an sich war nicht nur anstrengend, sondern auch sehr beeindruckend. Ich war zuvor noch nie in Africa, daher habe ich natürlich ständig Neues entdecken können. Und obwohl sich an der Küste von Africa proconsularis das Bild von Sand, Steinen und Meer immer wieder und wieder wiederholt, so ist doch jeder Weg faszinierend anders. Außerdem sind die Märkte natürlich nicht zu verachten. Klein, aber fein." Sie lächelt verschmitzt.

  • "Ja, ich verstehe, zumal die Provinzen Afrikas nicht so eng besiedelt sind, wie es Italia nunmal ist. Aber es war ein weiser Schritt euch so aufzuopfern, denn so haben auch die weit entfernten Stationarii erfahren, dass man sie nicht vergessen hat und selbstverständlich auch kontrolliert. Vermutlich war eure Anreise auch nicht bekannt und alles im Verborgenen?"


    Furianus konnte für das Postwesen durchaus Begeisterung zeigen, war ihm doch viel daran gelegen, dass seine Briefe und Frachten immer dort ankamen wo sie sollten. Da waren Einblicke "hinter die Kulissen" schon interessanter Natur.


    "Es muss schön sein diese verborgenen Länder, die uns so fremd erscheinen, bereisen zu können und ihre kleinen Geheimnisse zu erfahren und selbst zu erleben. Ich hörte, dass die Männer dort Pfeiffen rauchen, ist dies wahr?"


    Es war ihm bisher vergönnt gewesen zu reisen, doch dies würde sich ändern, zumindest den Westen würde er kennen lernen, vielleicht auch zu den Säulen des Herakles reisen.

  • "Das ist wahr, angekündigt war die Reise nicht, aber im Verborgenen," sie lacht leise. "Also so kann man es auch nicht bezeichnen. Ich habe zwar alle Tabellarii mit Ziel Süden angewiesen, nichts davon vorher verlauten zu lassen, aber spätestens mit unserem Eintreffen in Caesarea ist uns das Gerücht unserer Ankuft wohl immer einen halben Tag vorausgeeilt. Das war insofern nicht schlecht, als dass wir überall gut bewirtet wurden. Ein halber Tag reicht auch nicht, die Organisation eines halben Jahres oder auch nur eines Monats nachzuholen, wo also etwas im Argen war, da war es das auch bei unserer Ankunft noch."


    Die nächste Frage bringt sie etwas in Verlegenheit. Sie ist sich nicht sicher, was er meint. Zudem, als hätte sie auf Männer geachtet, hatte sie doch den einzig wahren selbst mitgebracht. "Du meinst die Einheimischen dort? Ich muss gestehen, aufgefallen wäre es mir nicht. Die meiste Zeit hatten wir eh Kontakt mit römischen Bürgern. Außerdem habe ich mehr auf andere Dinge geachtet. Die Frauen zum Beispiel tragen sehr ausgefallene Farben und Muster. Möglicherweise kommt diese Mode aus Aegyptus, leider konnte ich das nicht nachprüfen, da wir bevor wir Paraetonium erreicht haben die Reise beendet haben." Sie nippt an ihrem Becher und verschweigt, dass sie sich auf jeden Fall eingedeckt hat. Es braucht keine Mode aus Aegyptus zu sein, wenn es nicht freiwillig nach Rom kommt, dann würde Lucilla es eben selbst zur Mode machen. :]


    "Aber das ist wahrscheinlich nicht so dein Themengebiet, nicht wahr?" Sie erinnert sich, dass Furianus bei irgendeiner Redaktionssitzung einen Architekturkurs erwähnt hat. "Sehr interessant ist die Gegend auch in architektonischer Hinsicht. In Mauretania Caesariensis wird hochwertiger Marmor abgebaut und das meiste davon wird direkt im eigenen Land verbaut. Wenn man sich die dortigen Villen ansieht, dann kann man eher von Palästen sprechen. Die Zentren der Städte sind herrlich und in manchen Belangen übertreffen sie sogar Rom. Allerdings kann auch der ganze Marmor nicht darüber hinwegtäuschen, dass man fast am Ende der Welt wohnt." Sie zuckt mit den Schultern. "Ich zumindest wollte nicht dort wohnen."

  • Wahrlich, sie war eine Frau, durch und durch. Über diesen Gedanken lächelte er kurz und nickte ihr dann weiterhin zu.


    "Aegyptus ist eine farbenfrohe Provinz, sowie wohl auch das Volk. Ihre Dölche sind reich verziert, ihre Statuen aufwendig bemalt und ihr Marmor nicht zu übertreffen."


    Ja, der Marmor aus Alexandria war einer der besten. Furianus wusste dies, denn auch seine Villa sollte diesen nicht missen, sobald sie relativ standfest werden würde, so müsste er sich mit dem Gedanken eingehender beschäftigen. Doch ein Schwenker zur Architektur gefiel ihm nun sehr gut.


    "Ja, mit Marmor geizen sie nicht. Aber auch unser Marmor, aus Cremona, ist einer der schönsten. Wobei die fremde Architektur durchaus ihre Reize hat, man sagt, dass man auf der Spitze der Pyramiden die Sonne berühren könnte. Ich weiß, es ist nicht gerade glaubwürdig, doch muss ihre Größe beachtlich sein, wenn man so über sie spricht. Hast du diese wunderbaren Kreationen der Menschenhand gesehen, Lucilla?"

  • Lucillas Augen leuchten auf. "Wenn du wirklich guten Marmor willst, von feinster Struktur und hochwertiger Qualität, dann kann ich dir nur den Stein aus Caesarea empfehlen. Zufälligerweise besitze ich einen Anteil an einem dortigen Bruch und wenn der Stein auch nicht in Massen in Rom ankommt, die Qualität und die Exklusivität spricht für sich." Sie lächelt breit. "Denn dieser Marmor kommt nicht auf den freien Markt, er wird nur einem gewissen Klientel geboten. Ansonsten schwöre ich auf den italischen Marmor aus Pola. Und das nicht nur, weil mir auch hier einige Anteile eines Marmorbruchs gehören." :]


    Als Furianus auf die Pyramiden zu sprechen kommt, schüttelt sie bedauernd den Kopf. Zu gern hätte sie diese Bauwerke gesehen, ebenso wie die Stadt Alexandria, von welcher Mercator immer so geschwärmt hatte. "Nein, die Pyramiden haben wir leider nicht besucht. Eigentlich wollten wir noch eine Woche Erholung in Aegyptus anhängen, Avarus war eigens beim Imperator um die Erlaubnis einzuholen die Provinz zu betreten. Aber wie gesagt, vor Paraetonium sind wir nach Rom aufgebrochen. Es gab einiges, was hier gewartet hat, unter anderem haben wir vom Wechsel des Praefectus Praetorio in der Acta erfahren und nicht zuletzt vom Einbruch in die Casa Germanica."

  • "Wirklich, nun dann müssen wir mal eingehender darüber sprechen, wenn meine villa maritima einen gewissen baulichen Stand erreicht hat und ich beginne Marmor einzukaufen."


    Natürlich würde er sich den Marmor aus Caesarea anschauen, bevor er sich mit Lucilla nochmals unterhält, man weiß ja nie.


    "Ich verstehe. Doch zu schade, diese Bauwerke müssen immens sein. Ich selbst war wohl einer der Ersten, der von Hungaricus`Scheiden als Praefekt erfuhr. Es war überraschend, der Kaiser verliert einen der besten Präfekten des Reiches. Ich hoffe nur, dass uns Hungaricus auch weiterhin in politischen Tätigkeiten oder auch anderswo bereichert. Von dem Einbruch hörte ich ebenfalls, schrecklich. Ich weiß genau, welch Schock das gewesen sein muss, schließlich wurde in der Villa Flavia ja auch eingebrochen und zahlreiche Wertgegenstände sind nun hinfort."


    Er schüttelte leicht den Kopf. Es waren Erbstücke, es wird lange dauern diese irgendwie ausfindig zu machen, sofern man es überhaupt kann.

  • Lucilla nickt nur und schweigt, vielleicht könnte er ein Kunde werden. Natürlich würde sie sich seine Finanzsituation anschauen, bevor sie Furianus ein definitives Angebot machen würde, man weiß ja nie. Ob ein Patrizier tatsächlich so viel Geld ausgibt, wie er nach außen hin tut, das lässt sich im Allgemeinen mit ein paar einfachen Nachforschungen herausfinden. Ob er tatsächlich so viel Geld hat, wie er ausgibt lässt sich zwar nicht einfach feststellen, ist für Lucilla allerdings auch uninteressant, denn sobald er das Geld für den Marmor ausgegeben hat, ist ihre Anteilnahme an der Sesterzenkette beendet.


    "Ich bin ganz sicher, dass wir Hungaricus mit seinem Ausscheiden aus dem Amt des Praefectus noch nicht los sind." Sie grinst. "Er ist ja im besten Alter und noch weit vom Ruhestand entfernt. Wahrscheinlich hat er schon tausende Pläne, was er alles tun und machen will. Aber es ist wirklich bedauerlich, er war nicht nur für die Prätorianer ein guter Präfekt, sondern auch der beste, den man sich beim Cursus Publicus wünschen kann." Bisher ist auch Crassus so ein Präfekt, doch er würde sich erst noch beweißen müssen.


    Einen Augenblick ist Lucilla versucht, Furianus zu fragen, ob der Einbruch der Villa Flavia auch mit einem Drohbrief in Zusammenhang stand. Doch bisher hat sie nur von Avarus davon gehört und wenn die Sache offiziell wäre, dann stünde sie längst in der Acta Diurna. "Diese Einbruchserie geht schon recht lange, nicht wahr? Ich erinnere mich, dass wir schon vor einigen Ausgaben einmal darüber berichtet hatten. Aber dennoch scheinen die Cohortes Urbanae keine Spur zu finden. Hat man denn die Täter im Fall eurer Villa erwischen können?"

  • "Nein, den Täter hat man nicht erwischen können. Als ich noch Ädil war, versprach ich mehr für die Sicherheit Roms und den Bürgern zu tun. So machte ich mich zu den Cohortes Urbanae auf und sprach mit den Praefectus Urbi, machte ihn darauf aufmerksam. Einige Tage später befragten mich eine Hand voll Soldaten, seitdem habe ich nichts mehr gehört."


    Sagte er ein wenig missmutig, ließ jedoch einen Schluck des guten Weines folgen, sowie auch ein Lächeln.
    Und so unterhielten sie sich noch ein Weilchen, bis Furianus sich freundlich entschuldigte und den Heimweg antrat. ;)


    Sim-Off:

    Ich muss nach Hispania, tut mir leid.

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