[Hortus Amafidii] Eine Einführung in die Lehre des Epikur


  • Unweit der Horti Sallustiani lebt ein epikureischer Philosophenzirkel in einem Haus, das nach einem der ersten Epikureer Roms, Caius Amafidius benannt ist. Hier leben einige Jünger Epikurs als Freundeskreis gemeinsam, andere kommen regelmäßig zu Besuch. Anders als bei vielen anderen epikureischen Kreisen ist es hier jedoch auch möglich, gegen eine bescheidene Spende nur einige Male vorbeizukommen, um die Lehre Epikurs kennen zu lernen und dann zu entscheiden, ob diese Lehre, die nach ihrer jüngsten Blüte vor einigen Jahrzehnten wieder gegenüber den gestrengen Stoikern ins Hintertreffen geraten ist, nicht sinnstiftend für das eigene Leben werden könnte.


    Das Haupt dieser Gemeinschaft ist der greise Lucius Praetonius Chairedemus, der hier Junge und Alte um sich schart und mit ihnen gemeinsam philosophiert. Derzeit leben hier Philodemos von Kos und Pythokles, zwei jüngere Griechen, der alte Eques Lucius Rabirius, ein Mann in den besten Jahren namens Quintus Catius, die Witwe Neratia und die junge Batis.


    Das Haus ist die Erbschaft eines kinderlos verstorbenen Senators, der ebenfalls der Lehre Epikurs zugeneigt gewesen war und es seiner Gemeinschaft testamentarisch zugesprochen hatte. Inzwischen ist es jedoch ein wenig heruntergekommen, versprüht jedoch noch immer den Charme der Gelehrsamkeit - insbesondere im Garten, wo die Jünger sich regelmäßig um die Büste ihres Meisters versammeln, um neue Erkenntnis zu gewinnen und so die Angst vor dem Unbekannten wieder ein wenig mehr zu besiegen...


    Bild: 354px-Epicurus_bust2 by franzconde, auf Flickr

    Sim-Off:

    Hier kann ein Kurs zur epikureischen Philosophie abgelegt werden. Anmeldungen dazu bitte per PN an Lucius Petronius Crispus, der den Kurs via NSC abhält!
    Als Kursgebühr sind die Teilnehmer angehalten, einen angemessenen Beitrag an das Konto von Lucius Petronius Crispus (5383) zu überweisen. Als Maßstab kann die Kursgebühr der früheren Cursi Continui (500 Sz.) gelten. Geld soll aber kein Grund sein, an diesem Kurs nicht teilzunehmen ;)
    Die Prüfung erfolgt nach Beendigung der Vorlesungen per PN und wird rechtzeitig angekündigt.

  • Noch war Chrysogona sehr neu in der Stadt. Sie hatte sich deshalb den Weg zu dem Haus des Amafidius zeigen lassen. Die Griechin war neugierig auf die Lehre des Epikur von der sie zwar schon das ein oder andere gehört hatte, doch da sie eher bislang mit der stoischen Philosophie in Kontakt gekommen war, noch nie eine Vorlesungsreihe gehört hatte. Die Aussicht darauf ihren Kenntnisstand zu erweitern und ein wenig an die alte Tradition des Museions von Alexandria anzuknüpfen, in dessen heiligen Hallen sie quasi aufgewachsen war, entzückte die Medica. Ja, außerhalb der Medizin gab es noch andere spannende Wissensgebiete.


    Sie betrat den noch leeren Garten und sah sich neugierig um. Wie viele Römer waren wohl der Philosophie zugetan? Würde sie hier vielleicht Zugang zu einem interessanten und interessierten Kreis gebildeter Personen bekommen?

  • Severus wusste nicht mehr genau, wie er auf diese Gruppe aufmerksam gemacht worden war. Es muss wohl der Freund eines Freundes gewesen sein, der wiederum über den Freund eines Freundes davon erfahren hatte, dass ein weiterer Freund eines anderen Freundes regelmäßig die Treffen im Garten dieses Hauses besuchte - und diese Treffen in philosophischer Hinsicht sehr interessant sein sollten, auch wenn man sich nicht gleich als Anhänger dieser Gruppe, beziehungsweise dieser Lehre und ihrem Gründer, dem bekannten Epikur, sehen sollte. Zudem hatte der erste Freund, also Severus' direkter Freund - oder war es dessen Freund gewesen? - durchscheinen lassen, dass man hier auch nette Kontakte knüpfen, während man gleichzeit noch etwas lernen konnte. Und so hatte sich der Helvetier entschieden, diese zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und einfach mal vorbeizukommen, nur um mal zu schauen, wie sich diese Treffen so gestalteten, wer noch anwesend sein würde und was er vielleicht auch von diesen Treffen mitnehmen könnte.


    So betrat er also den Garten, grüßte gleich den Freund des Freundes seines Freundes - na ja, wie auch immer - und blickte sich dann im Garten um. Ein weiteres bekanntes Gesicht fiel ihm dabei ins Auge, doch brauchte er einige Augenblicke um diesem Gesicht einen Namen oder besser, eine Beschäftigung zuzuordnen, da ihm jetzt erst auffiel, dass er den Namen der jungen Frau gar nicht kannte. Irgendwie musste er an ihm vorbeigegangen sein, doch leider blieb sein Blick zu lange an der jungen kaiserlichen Leibmedica hängen, sodass er wohl kaum unbeachtet bleiben konnte.

  • Langsam trafen die ersten interessierten Hörer ein. Und siehe da! Ein bekanntes Gesicht. Die Leibmedica des Kaisers erkannte den jungen Geburtshelfer sofort wieder. Sein langer Blick verriet ihr, dass auch er sie wiedererkannte.


    Chrysogona nickte ihm zu und kam dann näher.
    "Salve..., äh.... ich fürchte, wir haben uns unlängst bei der Entbindung der Zwillinge von Sergia Fausta nicht namentlich vorgestellt, nicht wahr? Mein Name ist Plinia Chrysogona. Darf ich erfahren, wie der unerschrockene Geburtshelfer heißt, der mir so tatkräftig zur Hand gegangen ist?"


    Sie schenkte ihm ein gewinnendes Lächeln.

  • Ihr letztes Zusammentreffen war bei Severus nicht grade mit angenehmen Gedanken verbunden. Ganz im Gegenteil. Daher brachte er ihrem durchaus ehrlichen und offenen Lächeln auch lediglich ein unverbindliches Lächeln gepaart mit einem Nicken des Wiedererkennens entgegen. Sie war also eine Plinia und trug einen typisch griechischen Cognomen. Ob sie wohl auch aus Griechenland stammte. Erst galt es aber ihre Frage zu beantworten.


    Ich heiße Severus. Helvetius Severus. Ich bin eigentlich Stadtschreiber in der Basilica Iulia.


    Noch. Aber das stand ja im Moment noch auf einem anderen Blatt Papyrus. Von der Sergia hatte er seitdem nichts mehr gehört und die letzte Salutatio bei deren iulischen Ehemann hatte er aufgrund einer Dienstverpflichtung nicht aufsuchen können. Pech gehabt. Seine Rolle als "Geburtshelfer" ließ er derweil unter den Tisch fallen. Dieser hatte hier nichts zu suchen und er wäre nur froh, wenn die Plinia nicht auch noch weiter darauf eingehen würde. Vor allem nicht hier, wo er eigentlich nette Bekanntschaften machen und nicht gleich durchfallen wollte, weil er bei einer Geburt nicht nur körperlich anwesend gewesen war - was ja schon mehr als ungewöhnlich war - sondern auch noch tatkräftig hatte mithelfen müssen, die beiden Kinder zur Welt zu bringen. Nein, es war keine Glanzstunde in seinem Leben.

  • Sein Name war also Marcus Helvetius Severus und er war Stadtschreiber. Severus, wie passend: der Ernsthafte, der Strenge. Aber vielleicht war es auch nur eine Maske um in der harten Welt der römischen Bürokratie sein Gesicht zu wahren.


    Chrysogona ging auch nicht weiter auf die zurückliegende Geburt ein, sie war hingegen neugierig, was ihn in den Hortus Amafidii trieb.
    "Dann erzähl mir mal, Helvetius Severus, bist du das erste Mal hier oder hast du schon mehrere Vorträge gehört? Ist Philosophie ein Steckenpferd von dir oder geht es dir mehr darum, Leute mit Niveau zu treffen?"


    Die Medica konnte nicht aus ihrer Haut. Gewohnt Ursachenforschung zu betreiben und den Dingen auf den Grund zu gehen, stellte sie direkte und investigative Fragen.

  • Wenigstens ging sie nicht weiter auf das Geburtsthema ein und Severus hoffte, dass niemand sonst etwas davon mitbekommen hatte. Er hatte ohnehin schon genug daran zu knabbern, dass es sich womöglich negativ auf seinen Aufstieg in die Kanzlei auswirken würde. Nun, da musste er aber jetzt wohl durch. Dennoch fuhr die Plinia fort, diesmal mit einer kleinen Flut aus Fragen, mit der sie ihn konfrontierte. Bestimmend und neugierig. Eine gefährliche Mischung, wie Severus glaubte. Als Leibmedica des Kaisers war aber wohl beides irgendwie zwingend erforderlich. Ich bin das erste Mal hier und durch den Freund eines Freundes auf diese Treffen aufmerksam gemacht worden. antwortete er auf ihre erste Frage, setzte dann aber erstmal ab. Er fühlte sich ausgefragt und das mochte er nicht. Vor allem nicht von Personen, die ihn vor einigen Tagen noch in eine unmögliche Lage gebracht hatten. Er zögerte. Sollte er weiter antworten? Na ja, dafür war er ja letztlich hier und vielleicht konnte es ihm auch irgendwie nutzen, sich mit der Leibärztin des Kaisers näher bekannt zu machen. Es ist eine Mischung aus beidem, könnte man sagen. Natürlich interessiere ich mich für die Wissenschaft, aber sicherlich kann man hier auch interessante, aber zugleich niveauvolle Menschen kennenlernen, nicht wahr? beantwortete er dann auch die zweite Frage, wobei man ihm seinen Unwillen nicht unbedingt ansah.


    Allerdings war es jetzt auch an ihm, mal eine Frage loszuwerden. Aber sag, Plinia, du hast ja eine wichtige Anstellung. Stammst du denn auch hier aus Roma? Interessiert blickte er die Plinia an und schloss mit sich selbst eine Wette ab, dass sie nicht aus Rom stammte. Vielleicht aus Griechenland oder Alexandria? Aber nicht aus Rom, dafür wirkte sie irgendwie zu... bodenständig.

  • Der Helvetier machte seinem Cognomen alle Ehre. Er blieb reserviert und auch ein wenig misstrauisch. Chrysogona war es gewöhnt mit Misstrauen und Distanziertheit behandelt zu werden. Als Frau, die nicht nur über eine gute Allgemeinbildung verfügte, sondern auch über ausreichend Selbstbewusstsein und die zudem einen Beruf ausübte in dem hauptsächlich Männer anzutreffen waren, kannte sie es nicht anders. Gerade Männer begegneten ihr meist, wenn nicht mit Herablassung und Geringschätzigkeit, so doch mit einem gewissen Misstrauen. Sie ließ sich also nichts anmerken sondern nickte höflich als der Stadtschreiber gestand auch das erste Mal auf einem solchen Treffen zu sein und, wie sie vermutet hatte, nicht nur des Sujets wegen sondern auch der Gesellschaft wegen gekommen zu sein. Sie ging selbstverständlich davon aus, dass er sie unter die niveauvollen Menschen zählte und bestätigte seine Frage.
    "Ja auch ich komme nicht nur der Philosophie wegen sondern auch um mir einen Kreis zu erschließen in dem ich mich zukünftig sicherlich gerne bewegen würde."


    Nun hätte er eigentlich den Absprung schaffen können, wenn er denn gewollt hätte, doch es schien, dass auch den Helvtier die Neugier plagte. Er fragte nach ihrer Herkunft.
    "Mein Geburtsort ist Alexandria. Ich bin griechischer Abstammung. Mein Vater hat am Museion von Alexandria als Medicus Vorlesungen gehalten. Dort bin ich in einem sehr illustren Kreis gebildeter Männer groß geworden. Ich würde mich freuen auch hier in Rom Anschluss an einen ähnlichen Kreis zu bekommen. Am Asklepieion von Kos bin ich in erster Linie mit Medizinern in Kontakt gekommen. Deshalb reizt es mich jetzt ein wenig über den Tellerrand zu blicken."


    Sie sah sich um. "Erwartest du noch jemanden den du kennst?"

  • Ich, ähm... Nein, ich erwartete niemanden mehr. antwortete er auf ihre Frage. Der Freund des Freundes war bereits da, hatte aber bislang abseits des Grußes nicht unbedingt seine Nähe gesucht. Sonst kannte er hier ja niemanden und er hatte sich auch mit niemandem hier verabredet.


    Ansonsten hatte er also recht gehabt. Die Plinia stammte aus Alexandria und hatte wohl lange in Griechenland, speziell auf Kos, gelebt. Leider sagte ihm das Asklepieion nichts, dafür war er zu wenig mit der Gegebenheiten und Wissenschaftsstandorten der Mediziner vertraut, doch das Museion in Alexandria kannte er sehr wohl - welchem einigermaßen gebildeten Römer wäre es auch unbekannt gewesen? So hörte er mit ernstem Gesichtsausdruck zu, was die Plinia erzählte, auch sie kam nicht nur wegen der Wissenschaft, sonern auch, um Kontakte zu knüpfen, und dann geschah irgendwas in seiner Erinnerung. Eine Art Klick. Ein Vater mit dem Namen Plinius, der Medizin in Alexandria lehrte. Hatte sein Großvater nicht auch einmal von einem Plinius erzählt, der bereits Leibmedicus auf dem Palatin gewesen war? Ohne dir zu nahe treten zu wollen, Plinia, würdest du mir sagen, wer dein Vater war? In seinem Gesicht war nun ein intensives Nachdenken zu erkennen.

  • Der Helvetier erwartete also keine bekannten Gesichter und Chrysogona war gespannt, wie zahlreich die Zuhörerschaft noch werden würde. Sie würde ohnehin niemanden kennen, war sie doch erst so kurz in der Stadt. Durch ihre exklusive und damit auch abgeschiedene Lebensweise auf dem Palatin war sie noch nicht viel unter die Menschen gekommen, die sich außerhalb des kaiserlichen Dunstkreises aufhielten. Mit Ausnahme des Gardetribuns und einiger seiner Familienmitglieder sowie der Zwillingsmutter Sergia Fausta hatte sie noch niemanden persönlich kennengelernt.


    Der ernste und eher gelangweilte Gesichtsausdruck ihres Geprächspartners schien eine Änderung durchzumachen, er begann zu grübeln und prompt folgte dann die Frage nach ihrem Vater. Chrysogona wusste, dass ihr Gensname in Rom nicht unbekannt war und die Verbindung von der momentanen Medica personalis des Kaisers zu dem Plinier, der einen seiner Vorgänger betreut hatte, war nicht schwer zu herzustellen.
    "Mein Vater ist Gaius Plinius Phoebus, der einst Leibmedicus des Kaisers Valerianus gewesen ist, bevor er nach dessen Ermordung Rom den Rücken kehrte und nach Alexandria zurückkehrte. Ich bin also in die sehr großen Fußstapfen meines Vaters getreten und führe die Familientradition fort, indem ich versuchen werde dem ersten Manne des Staates ein möglichst langes Leben zu verschaffen. Wenn die Götter es geben, werde ich hoffentlich erfolgreicher damit sein als es mein Vater war."


    Sie sah den Helvetier offen an. Die Stellung, die sie innehatte mochte für Außenstehende reizvoll erscheinen und nicht ohne Grund hatte Chrysogona den Schritt gewagt. Dass sie aber nicht minder gefährlich war, weil eine Fehldiagnose, Fehlbehandlung oder ein Giftattentat auf sie zurückfallen konnten, dürfte den wenigsten klar sein.
    Mit leicht schräg gestelltem Kopf und neugierigem Blick spielte die Medica den Ball zu Helvetius Severus zurück. "Bist auch du in so große Fußstapfen getreten? Ich kenne mich in Rom nicht aus und weiß nicht viel über die Gentes der Ewigen Stadt. Eiferst auch du einem erfolgreichen Vater nach?"

  • Wenn es überhaupt eine Lehre gab, in der die Unterschiede zwischen den Ständen überwunden werden konnten, dann wohl im heiteren Reigen epikureischer Freundschaft. Darum hatte ich nicht lange gezögert, als ich von den offenen Treffen dieses Zirkels erfahren hatte, hatte Borkan davon erzählt, und nun traten wir gemeinsam in den Philosophengarten. (Dessen Hecke echt dringend geschnitten gehörte, fand ich.) Es war ja leider in letzter Zeit häufiger mal 'etwas kompliziert' mit Borkan und mir, und ich führte viel davon darauf zurück das wir aus so verschiedenen Welten stammten. Darum hatte ich nun den geheimen Hintergedanken, dass es uns bestimmt gut tun würde, uns gemeinsam mit einer so universell verbindenden Lehre zu beschäftigen...! Und sowieso endlich mal wieder was zusammen zu unternehmen.
    Abgesehen davon war mein Verhältnis zur epikureischen Lehre ein gespaltenes, als Jugendlicher hatte ich durchaus damit geflirtet, aber in der Öffentlichkeit, und als Gardeoffizier sowieso, da war eben ein stoisches Wesen oder zumindest eine stoische Fassade angebracht...
    Darum fühlte ich mich hier ein wenig ausserhalb meines Elementes. Meine Leibwächter waren natürlich auch dabei, hielten sich aber unaufdringlich am Rande.
    "Da wären wir..." meinte ich, Borkan zulächelnd, und beherrschte mich mühsam, so dass es nicht zu innig, und der Blick, mit dem ich ihn umfing, nicht zu tief war. Mit einem freigelassenen Freund sich bei so was zu zeigen war ja wohl in Ordnung. Nur Freunde jetzt also. "...mein Freund. Ich bin schon sehr gespannt."
    Oh, da drüben war ja... Plinia. Ich hob nur grüßend die Hand, wollte das Gespräch in das sie vertieft schien, nicht stören. Bestimmt philosophierte sie schon.

  • Genau, Plinius Phoebus. Erneut richtig getippt. Diese kleinen Erfolge bauten den Helvetier auf und so öffnete er seine Gestik noch etwas mehr für die Plinia, auch wenn die durch die Geburt der Sergia hervorgerufene Blockade noch nicht komplett gelöst war. Jedenfalls wusste Severus, dass sein Großvater den Namen ein paar Mal erwähnt hatte, eigentlich nur positiv, wenn natürlich auch das erfolgreiche Attentat auf den letzten der Ulpier einen Schatten darauf geworfen hatte. Zum Glück hatte sein Großvater nicht lang genug gelebt, sodass das Bild zu Lebzeiten nicht mehr getrübt worden war. Das hoffen ich auch, Plinia. Ich durfte den großartigen Auftritt des Kaisers erst vor kurzen - natürlich aus der Entfernung - bei der Imagoweihe auf dem Marsfeld miterleben. Daher wünsche ich dir auch alles Gute für deine Arbeit. fügte er noch eine kleine Nettigkeit an. Vielleicht würde er sie ja bald häufiger sehen, sodass er sich auf jeden Fall gut mit ihr stellen wollte.


    Dann aber machte die Plinia ihm genau das wieder schwer, als sie mit bewundernswertter Genauigkeit auf den Splitter drückte, der seit dem Tod seiner Eltern in seinem Herzen steckte. Mittlerweile war der Fremdkörper wohl mit dem Organ verwachsen, doch wenn man an der richtigen - oder besser falschen - Stelle drückte, machte sich der Schmerz wieder bemerkbar.Ja, also... nein... nicht meinem Vater. Ich habe meinen Vater kaum gekannt.... Ähm... meine Eltern sind früh gestorben. Es ist mein Großvater, dem ich nacheifere, und der auch deinen Vater kannte. Er arbeitete nämlich unter den Ulpiern als Primicerius a libellis in der kaiserlichen Kanzlei. Wahrscheinlich müsste er schon wieder über den Tod seiner Eltern sprechen, der ihn, trotzdem er noch sehr jung gewesen war, bis heute verfolgte. Grade, dass der Überfall auf sie nicht aufgeklärt werden konnte, sorgte dafür, dass ihr Mörder ihm immer als unfassbar grausames Monster vorgekommen war...

  • Der Austausch von Informationen über die familiären und beruflichen Hintergründe ging weiter. Die Wünsche für eine glückliche Hand bei ihrer Arbeit nahm die Medica dankend an.


    Dann aber konnte sie deutlich am Gesichtsausdruck ihres Gesprächspartners sehen, dass die Frage nach den Fußstapfen in die der Helvetier trat, ins Schwarze getroffen hatte. Sie konnte nur nicht eruieren, ob ihn der frühe Tod der Eltern so schmerzte oder die Aussage, dass er dem Großvater nacheiferte. Ein wichtiger Mann in der Kanzlei des Kaisers war der alte Helvetier gewesen. Chrysogona versuchte sich auf vorsichtige Weise dem Problemherd zu widmen.
    "Es ist ein schweres Los so früh beide Eltern zu verlieren. Ich habe keine Mutter gehabt. Sie starb bei meiner Geburt. Aber zumindest der Vater ist mir geblieben und eine wichtige Stütze gewesen. Ich nehme an, dein Großvater war dir auch ein wichtiger Orientierungspunkt im Leben, nicht wahr? Und ich bin sicher, du wirst dem Namen Helvetius alle Ehre machen. Interessant, dass sich mein Vater und dein Großvater kannten. Leider habe ich von meinem Vater nur sehr wenig über Personalien in Rom mitbekommen. Seine Briefe waren und sind immer sehr privater Natur. Kannten sie sich gut?"


    In diesem Moment sah sie den Gardetribun, der in Begleitung eines sehr gutaussehenden Mannes und einer Leibwache den Hortus betrat. Er hob grüßend die Hand. Chrysogona winkte ihn zu sich.
    "Wie schön, dich hier zu sehen, Decimus Serapio! Ich hätte mir denken können, dass wir uns hier wieder begegnen."


    Sie wandte sich zur Seite um den Helvetier ins Gespräch miteinzubeziehen. Da die Medica nicht wusste, ob die Männer sich kannten, übernahm sie die Vorstellung.
    "Tribun, das hier ist Marcus Helvetius Severus, Stadtschreiber in der Basilika Julia. Helvetius Severus, das ist mein ehemaliger Gastgeber, Faustus Decimus Serapio, Tribun der Praetorianer. Und darf ich fragen, wer der Mann an deiner Seite ist?"
    Chrysogona grüßte den Fremden mit schräggestelltem Kopf und einem leichten Nicken.

  • Zitat

    Original von Plinia Chrysogona


    Nach dem Tod seiner Eltern war er zu seinem Großvater gekommen, der ihn wohl eher mangels Alternativen und wegen des Pflichtbewusstsein seinem verstorbenen Sohn gegenüber aufgenommen hatte. Das Verhältnis danach war nicht wirklich schlecht, der alte Verus hatte sich alle Mühe gemacht, ihn nicht spüren zu lassen, dass es letztlich die Pflicht war, die ihn antrieb, doch merkte man dem alternden Witwer an, dass er die Eltern nicht hatte ersetzen können und stattdessen nur für die theoretische und praktische Ausbildung seines Enkels gesorgt hatte. Klar wurde Severus seine Sonderstellung erst nach dem Tod seines Großvaters, denn schnell war ihm klar geworden, dass er nichts vom Erbe bekäme und letztlich die Wahl blieb, in Fregellanum für seine Verwandten zu arbeiten oder seinen eigenen Weg zu gehen. Es war keine leichte Wahl und Severus hatte einige Zeit gebraucht, sie für sich zu treffen. Das zunehmend respektlose Verhalten seiner Verwandten allerdings hatte es ihm dann doch leichter gemacht. Mein Großvater war ein guter Mensch. antwortete er daher wieder etwas vorsichtiger. Er wollte sich hier nicht als Opfer darstellen, die Zeiten waren, zumindest für sein Dafürhalten vorbei. Und tatsächlich strebe ich ihm nach, wobei ich noch abwarten muss, inwieweit das möglich sein wird. Womit er wieder beim Ursprungsthema war, nämlich dass er praktisch jene Frau hatte betatschen müssen, die ihm den Weg in die Kanzlei eröffnen sollte...


    Glücklicherweise hatte er keine Zeit, lange darüber nachzudenken, da die Plinia das Thema auf die Beziehung ihrer beiden Verwandten lenkte. Ich glaube nicht, dass sie sich näher kanten. Nur ist der Name deines Vaters einige Male bei uns zu Hause gefallen. Sogar nur in positiven Zusammenhängen. Dass dies auch damit zusammenhängen mochte, dass der alte Verus den Tod des Valerianus nicht miterlebt hatte, erwähnte Severus nicht. Schließlich hatte er ja auch keine Ahnung, inwieweit der Plinius überhaupt etwas für den Tod der kaiserlichen Familie konnte. Wahrscheinlich war es auch lediglich eine reine Arbeitsbeziehung. Als Primicerius a libellis war er ja auch für die persönlichen Termine des Kaiser mitverantwortlich. Severus brachte jetzt sogar ein kleines Lächeln zustande, das allerdings auch einen leicht entschuldigenden Subtext hatte. Womöglich hatte er hier ja falsche Erwartungen geweckt.


    Zitat

    Original von Faustus Decimus Serapio und Plinia Chrysogona


    Das Eintreffen des decimischen Gardetribuns hatte Severus derweil erstmal nicht wahrgenommen, da er mit dem Rücken zum Zugang des Gartens stand. Erst als die Plinia plötzlich jemanden grüßte und dabei der Name Decimus Serapio, der ja allseits bekannt war, und der Titel Tribun fielen, zuckte er kaum merklich zusammen. Natürlich hatte Severus von dem Auftritt des Decimer vor gleich zwei helvetischen Häusern gehört, auf die die anderen Helvetier aber nicht reagiert hatten. Der Grund für diesen Auftritt war ihm dabei allerdings gänzlich unbekannt, auch wenn er vermutete, dass es etwas mit der Quintilia zu tun hatte, die wohl für kurze Zeit mit Tiberius Varus liiert gewesen war, bevor sie sich - das Stadtgespräch ließ grüßen - mit eben jenem Decimer verlobt hatte. Dies mochte auch der Grund sein, dass dieser Helvetier sich schon vor einer gefühlten Ewigkeit auf sein Landgut zurückgezogen hatte und nicht mehr in Rom gesehen ward.


    Von jetzt auf gleich änderte sich die Gestik und das Auftreten des Helvetiers und waren sie während des Gesprächs mit der Plinia immer offener geworden, verschlossen sie sich nun wieder gänzlich. Salve, Tribun Decimus. grüßte der Helvetier daher auch erstmal recht neutral und wartete ab, wie der Decimer auf den Namen Helvetius reagieren würde.

  • Lucius Praetonius Chairedemos

    http://www.imperiumromanum.net…misc/ava_galerie/cato.jpg Als sich alle versammelt hatten, kam der hagere Chairedemos aus dem Haus. Die Gespräche verstummten, während der Alte von Gast zu Gast ging, um ihn zu begrüßen.
    "Salve, junge Dame!"
    begann er mit Chrysogona, blieb aber nicht für eine Plauderei stehen, sondern nickte auch dem jungen Helvetier zu.
    "Ave!"
    Dann erblickte er den Prätorianertribun, der ihm natürlich bekannt war. Jeder kannte ja die Praefecti Praetorio, selbst wenn sie den politischen Umwälzungen zum Opfer gefallen waren.
    "Tribun Decimus, sei uns willkommen! Dein Besuch ehrt unseren bescheidenen Garten!"
    Ebenso viel Respekt schien er aber auch dem Freigelassenen neben dem Tribun zu zollen, denn auch er erhielt ein freundliches Lächeln und einen Gruß:
    "Du bist natürlich ganz genauso willkommen, junger Mann!"
    Es folgten die "Stammgäste" des Gartens, die ebenfalls vertraulich begrüßt wurden. Am Ende stand er mitten in der versammelten "Jüngerschar" und sah noch einmal zufrieden in die Runde.
    "Salvete, verehrte Freunde der Philosophie. Ich bin Lucius Praetonius Chairedemos, aber ihr dürft mich gern Chairedemos nennen, wie es meine Freunde auch tun.
    Ich will euch in den folgenden Tagen eine Einführung in die Lehre des weisen Epikur geben, dessen Lehre zur Inspiration für so viele Menschen in dieser Welt wurde. Wir hier im Garten des Amafidius haben von dieser Lehre erfahren und sie für unser Leben angenommen und leben sie in aller Konsequenz, die uns möglich ist."

    Er setzte sich auf einen Stein hinter ihm und bedeutete den Schülern, zu seinen Füßen Platz zu nehmen, sodass er nur ein klein wenig sie hinausragte.
    "Wir sind hier gemäß der Lehre des Meisters eine Gemeinschaft von Gleichen, egal ob Sklave oder Freier, Mann oder Frau, Eques oder Bauernsohn, langjähriger Philosoph oder neuer Jünger. Jeder hier darf seine Gedanken äußern, jedes Wort zählt gleich und keiner braucht zu fürchten, dass sein Wort innerhalb oder sogar außerhalb dieses Gartens gegen ihn verwendet wird.
    Aus diesem Grund muss ich es zur Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Einführung machen, dass die Worte der übrigen Schüler diese Mauern nicht verlassen und ihr jeden anderen hier mit dem gleichen Respekt und Freundlichkeit behandelt, wie ihr es einem wahren Freund entgegenbringen würdet. Und wer weiß? Vielleicht werdet ihr ja sogar Gefallen daran finden und uns in Zukunft häufiger mit eurer Anwesenheit beehren."

    Der Praetonier lächelte hintersinnig und blickte in die Augen der Interessenten.
    "Beginnen wir also mit einer kurzen Runde der Vorstellung, damit wir wissen, wer sich mit uns der Therapie der Seele unterzieht, die Epikur uns anbietet."
    Sofort begann ein junger Grieche, der sich kurz erhob und in die Runde verneigte wie ein Schauspieler:
    "Philodemos von Kos, sehr erfreut."
    Gleich darauf folgte ein weiterer junger Mann:
    "Pythokles. Ich lebe seit zwei Jahren im Garten."
    Dann stand, ein wenig behäbiger, ein Italiker auf, der eine Tunica Angusticlavia trug:
    "Rabirius, sehr erfreut."
    Als nächstes war eine Römerin an der Reihe, die sitzen blieb, während sie sagte:
    "Neratia, ich lebe hier seit dem Tod meines Gatten."
    Und zuletzt ein junges Mädchen mit einer leicht piepsigen Stimme:
    "Ich bin Batis."
    Damit war der innerste Kreis um Chairedemos abgehandelt. Nun waren die Gäste an der Reihe...

  • Inzwischen war die Zahl der Gäste angestiegen und ein hagerer Mann trat aus dem Haus. Die Gespräche verstummten und alle Blicke richteten sich auf den Mann, der sich als Lucius Praetonius Chairedemos vorstellte. Was er von der Lehre des Epikurs voranstellte, ließ Chrysogona aufhorchen. Das klang sehr vielversprechend, sie freute sich bereits auf die Vorlesung.
    Dann begann eine Vorstellungsrunde. Chrysogona versuchte sich die Namen zu den Gesichtern zu merken. Bei Philodemos von Kos horchte sie auf. Wenn sich die Gelegenheit ergab, würde die Medica ihn auf seine Heimat ansprechen.


    Schließlich kam die Reihe an sie.
    "Mein Name ist Plinia Chrysogona. Ich bin Medica und neu in der Stadt. Es freut mich euch alle kennenzulernen. Ich bin schon sehr gespannt."


    Dann sah sie Helvetius Severus und Decimus Serapio an, die neben ihr standen. Einer von beiden würde fortfahren.

  • ...oder auch nicht. Denn in just diesem Augenblick betrat Dives den Garten des Anwesens, nachdem er sich zuvor im Innern des Hauses gegen eine bescheidene Spende für einige Treffen des Philosophenzirkels angemeldet hatte.
    "Salvete. Ich bin Iulius.", stellte er sich lediglich mit seinem wenig aussagekräftigen Allerweltsnamen vor, da er in der Tat weniger ein Interesse daran hatte, als Senator hier besonders aufzufallen. Nicht zuletzt auch stammte er ursprünglich aus der rhetorischen Ecke und war der Ars Oratoria weit zugeneigter denn der bisweilen 'brotlosen' Kunst der Philosophie, wie man sie mitunter schimpfte. "Ich bin ebenfalls voll Hoffnung auf einen lehrreichen Einblick in die epikureische Philosophie.", fügte der Iulier zuletzt mit einem schmalen Lächeln hinzu. Denn genau deshalb - und nur deshalb - war er hier. Die Rhetorik vermochte fade Inhalte mitunter gut zu verpacken. Auf den Tod einer Tochter jedoch wusste sie keinerlei Antwort zu geben - anders als womöglich die Philosophie, in welche Dives aus ebendiesem Grund dieser Tage einen etwas tieferen Einblick zu nehmen beabsichtigte.


    Im Anschluss an seine Worte erblickte er zunächst seinen Klienten Helvetius Severus - und bedachte ihn mit einem grüßenden Nicken -, bevor sein Blick auf Decimus Serapio und dessen ihm ebenfalls nicht unbekannten Begleiter fiel. Kurz zögerte Dives, dann nickte er auch in die Richtung der letzteren beiden einmal grüßend. Anschließend gesellte er sich, um etwaigem Smalltalk mit den ihm bekannten Gesichtern zu entfliehen, zum jungen Philodemos und versuchte in seiner zum heutigen Anlass bewusst eher schlichten, wenngleich mitnichten ärmlichen Aufmachung zunächst möglichst wenig aufzufallen.

    ir-senator.png Iulia2.png

    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • Nachdem er sich mit dem Gardetribunen bekannt gemacht hatte, hörte er sich erstmal die Namen der ersten Teilnehmer an und wollte schon selber ansetzen, als ein weiteres ihm bekanntes Gesicht erschien, dessen Besitzer er natürlich nur zu gern den Vortritt ließ. So ließ er seinen Patron ein paar Worte sprechen, nickte ihm dann freundlich zur Begrüßung zu - offensichtlich suchte er ja kein Gespräch seinem Klienten, was Severus wieder schlucken ließ - und setzte dann selber an. Mein Name ist Severus. stellte er sich kurz vor und verzichtete dabei ebenso wie der Iulius darauf, seinen kompletten Namen zu nennen. Zwar war er längst nicht so bekannt, wie einige andere hier, doch wollte er es in der Hand haben, wer die Möglichkeit bekäme, ihn näher kennenzulernen. Der Cognomen reichte also erstmal vollkommen aus, denn durch den Gensnamen wären ja bereits gewisse Schlüsse möglich gewesen.

  • Schon hatte die Medica mich erblickt, und machte mich mit ihrem Gegenüber bekannt. Dessen Name mir doch irgendwie schon mal untergekommen war... ach. Helvetius Severus. Doch hoffentlich nicht der Helvetius Severus, an dessen Türe ich gedonnert hatte, als ich mich auf der Suche nach diesem krummen Hund Helvetius Varus leider im Haus geirrt hatte. Seine reservierte Begrüßung machte es aber doch recht wahrscheinlich, dass es sich um genau jenen handelte. Das war mir nun doch etwas peinlich. Auch wenn es natürlich eine Frage der Ehre gewesen war, und Varus froh sein konnte dass ich ihn nicht erwischt hatte. (Jawohl!!)
    "Salve Helvetius. Angenehm." erwiderte ich etwas verlegen. Und überlegte, wie ich meinen Fauxpas wohl wieder wett machen könnte? (Später beschloss ich dann, so als kleine Geste, Helvetius zur Saturnalienfeier meiner Gens einzuladen.)


    Auch Borkan wurde begrüßt, wobei die Wortwahl der scharfsinnigen Griechin - 'Mann an deiner Seite' - mir unangenehm nah an der Wahrheit klang. Aber ich war ja Profi, nicht wahr, und erklärte unbefangen:
    "Das ist Borkan, Händler von exotischen Spezereien und ein alter Freund von mir. - Borkan, das ist die Medica Plinia Chrysogona." Von der ich ihm natürlich auch schon längst (ziemlich beeindruckt) erzählt hatte.


    Der betagte Philosoph, der nun im Garten erschien, hatte eine ausgesprochen ehrwürdige Ausstrahlung. Er machte die Runde, und hieß uns sehr höflich willkommen.
    "Hab Dank, ich freue mich hier sein zu dürfen."
    Und voll Freude hörte ich, wie er auch Borkan mit ebenso großem Respekt begrüßte. Und wie sogleich von einer 'Gemeinschaft von Gleichen' die Rede war. Wie es schien ging meine geheime Rechnung auf, und Borkan und ich waren hier endlich mal in einer Umgebung in der wir (einigermaßen zumindest) gleichrangig zählten!


    Die Worte sollten die Mauern nicht verlassen... und wir sollten uns alle erst mal vorstellen... oho, solche Anfänge kannte ich aus meiner Zeit in der Gemeinschaft der Serapisjünger. Das bedeutete immer: da konnte man nicht einfach nur so dabeisitzen bei der Gruppe, da ging es ans Persönliche, ans Eingemachte! Wie weit ich mich da beteiligen konnte... würde sich wohl zeigen. Denn natürlich vertraute ich nicht darauf, dass wirklich alles innerhalb der Mauer bliebe, wenn ich so naiv wäre hätte ich meine Tessera militare gleich abgeben können.
    Dann tauchte auch noch Dives auf. Na, das war ja ganz furios. Das war ja die allerperfekte Konstellation um hier mit Borkan gemeinsam und entspannt etwas zu unternehmen... Dives rang sich ein spärliches Nicken in unsere Richtung ab. Worauf ich betont höflich zurück nickte. Und Borkan einen aufmunternden Blick zuwarf. Was soll's.


    Es hieß Platz nehmen zu den Füßen des Philosophen. Ich setzte mich also im Schneidersitz auf meinen Mantel.
    "Decimus Serapio." stellte ich mich militärisch knapp, offen in die Runde blickend vor. Mit incognito war ja sowieso nichts. "Hier um meinen Horizont zu erweitern. Und weil ich mich frage: in wie weit lassen sich die Lehren Epikurs auch in ein Leben, das sich tätig in der Öffentlichkeit abspielt, übertragen?"
    Nicht dass mein Hiersein irgendwelche Gerüchte befeuerte, ich wolle der Welt den Rücken kehren. Nein, diese Chance hatte ich gehabt, aber das war nichts für mich.

  • Nun ich muss gestehen, dass ich mich noch nie wirklich mit Philosophie beschäftigt habe. Zum einen fehlte es mir an der Zeit und zum anderen war dies auch nie wirklich gefordert gewesen.
    Das ich nun hier gemeinsam mit Serapio weilen durfte, ja das ließ mein Herz höher schlagen. So wenig unternahmen wir zusammen und wenn dann zumeist in aller Heimlichkeit. Auch muss ich zugeben, dass ich mich in letzter Zeit viel zu sehr in meine Geschäfte vergraben habe. Aber es war ja nun mal so von nichts kommt nichts und ich wollte ja auch das Serapio sah, dass ich ihm nicht nur auf der Tasche lag. Zumindest dieses Ziel hatte ich schon erreicht. Meine Geschäfte florierten und ich war als ehrenwerter Geschäftsmann bekannt und beleibt. Getreu meinem Motto. 'Geht nicht gibt es nicht!'
    Nun aber genug von den Geschäften, dieses Stunden hier wollte ich genießen und auch meinen Horizont erweitern. So also begrüßte ich alle Anwesenden mit einem Nicken und stellte mich schließlich vor. „Borkan ist mein Name und freue mich auf diese neue Erfahrung.“
    Auf die Anwesenheit des Iulius hätte ich getrost verzichten können, aber es war auch nichts was mich aus der bahn werfen konnte. So nickte ich auch diesem zur Begrüßung zu, bevor ich wieder meine Aufmerksamkeit auf den Philosophen zu. Natürlich nicht die ganze Aufmerksamkeit, ein nicht unerheblicher Teil meiner Aufmerksamkeit hing natürlich wie immer wenn ich in seiner Nähe war bei Serapio.

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