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Thema: Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht... - oder: der Tanz der Satyren
Faustus Decimus Serapio

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RE: Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht... - oder: der Tanz der Satyren Heute, 21:51 Forum: Roma


So düster der schöne Marsyas anfangs erschienen war, so unschuldig wirkte er jetzt. Als ob er noch nie Wein getrunken hätte! Und auch die Wahl seiner Maske wies darauf hin, dass er kein routinierter Orgiengänger war – Profis benutzten nämlich Halbmasken, die jegliche Aktivitäten des Mundes gestatteten - wie zum Beispiel meine (die darüber hinaus mit ihren unvergleichlich neckischen Pinselohren bestach.) Oh ja, meine Menschenkenntnis war in langen Gardejahren so geschult, da entging mir auch beschwippst kein Detail!
Aber ich tat natürlich immer gern mein bestes, tugendhafte Schöne auf dem Weg ins Laster zu unterstützen.
"Vielleicht", flirtete ich mit einem undezenten Augenzwinkern, "nehme ich dich ja mal mit in meinen Weinberg!"

Huch! Das einzige Problem an meiner famosen Maske war, dass sie das Gesichtsfeld einschränkte, und so erschrak ich, als als jählings eine Welle wildgewordener Halbwesen korybantengleich über uns hereinbrachen. Trotzdem umklammerte ich geistesgegenwärtig den Krug – da war nämlich noch was drin! Wie sie dann purzelten und drollig taumelnd versuchten, wieder auf die Füße zu kommen, war ein komischer Anblick, dazu Marsyas trockener Kommentar... ich prustete los und stieg lachend, Marsyas an der einen Hand, den Krug in der anderen, über das Menschenschlangenknäuel hinweg, über zertretene Kränze, Becherscherben und Weinpfützen, durch Schleier von Räucherwerk und wummerndem Takt, in das Herz des Tanztumultes hinein.

Direkt aus dem Krug nahm ich noch einen tiefen Zug, dann wurden wir einfach mitgerissen vom Wirbel des wilden Reigens, ein feines Zimbelschwirren lag wie Zikadensang unter allem, sphärische Saitenklänge wurden von Trommelschlägen wie Peitschenzucken durchbrochen, es war eine vollkommen irre, brutale und sinnliche Musik, die den himmlischen Apollo (den miesen Häuter) sicher sogleich schmerzverzerrt in die Flucht geschlagen hätte.
Der Priapus, dessen ithyphallische Pracht ich zuvor schon bewundert hatte, war der Vortänzer eines rasanten Cordax, er schnellte schwungvoll umher, wiegte sich, warf kunstvoll die Beine. Verzückt zog ich den schönen Marsyas an mich, legte ihm einen Arm um die Hüften, um an seiner Seite und mit ihm mich dem aufpeitschenden Takt zu ergeben. (Der Krug war irgendwie bei einem anderen Tänzer gelandet, einem mit im Sprung auf und ab flatternden Schweineohren, egal.)
Schon immer habe ich es geliebt zu tanzen, als Kind bei den iberischen Festen, und tatsächlich hatte ich auch bei den Tänzen zur Weinlese auf unseren Familiengütern mitgemacht, solange ich noch so klein gewesen war, dass es nicht unstatthaft gewesen war; in meiner Jugend dann hatte ich hier in Rom die Nächte durchgetanzt, bevor ich sub aquila gegangen war und es aus gewesen war mit dem Spaß. Etwas eingerostet war ich wohl, verlernt hatte ich es aber nicht. Es war so herrlich! Und so zutiefst unrömisch! So herrlich unrömisch!
Mit dem überschäumenden Frohlocken von jemandem, der grimmen Autoritäten gerade kurz glücklich entkommen ist, setzte ich die Füße, reckte mich stolz wie ein Stierkämpfer, sprang und stampfte leichtfüßig im Takt und schwang die Hüften, tanzte ich den Reigen, selbstvergessen und eng an Marsyas' Seite.
Thema: Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht... - oder: der Tanz der Satyren
Faustus Decimus Serapio

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RE: Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht... - oder: der Tanz der Satyren Gestern, 14:54 Forum: Roma


Sonnenglut in den Adern, das gefiel mir! Ich lächelte geschmeichelt. Mein Gegenüber hingegen schien erst gar nicht so angetan vom Weintrinken. Ob er vielleicht... tatsächlich Musiker war, und noch auftreten müsste, mit einem schwierigen Stück auf der Doppelflöte, das höchste Fingerfertigkeit verlangte? Oder war er gar ein lustfeindlicher Asket (das wäre zu schade).... aber was hatte ihn dann auf ein Bacchanal verschlagen?
Als der Krug gebracht wurde, da schien er sich jedoch besonnen zu haben. Ich war kurz abgelenkt, weil ich im halbdunklen Flackerlicht die Denarii für den Schankburschen hervorkramen musste, gab diesem auch ein ordentliches Trinkgeld weil er so flink gewesen war.
"Danach tanzen wir, unbedingt!" stimmte ich freudig zu, während ich wieder aufblickte und gewahr wurde, dass 'Marsyas' seine Maske abgelegt hatte. Einfach so, völlig unbekümmert! (Eines war schon mal klar, er war jedenfalls kein Senatorensohn auf Abwegen.) Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: schon maskiert war er hinreißend, jetzt verschlug seine Schönheit mir den Atem. So weit waren meine Sinne, so empfänglich und ungewappnet hatte ich ihnen erlaubt zu werden hier, dass dieses Bild der Vollkommenheit mich bis ins Mark traf. Unwillkürlich blinzelte ich, schüttelte fast ungläubig ein wenig den Kopf.
Ehrfurchtgebietend schön! Sinnenverwirrend schön!
Schnell griff ich nach den frischen Bechern, um irgendetwas anderes zu tun als ihn kuhäugig anzustarren, nahm den Krug und schenkte den goldenen Wein in hohem Bogen ein.
"Möge der Zauber sein Werk tun. Zum Wohl Dir.... Marsyas."

Sein erster Massiker – da konnte ich ja seinen Horizont erweitern. Es war tatsächlich ein passabler Massiker, halbtrocken und nur wenig verdünnt. Mein Gaumen war nur leider sehr verwöhnt, Massiker mein Lieblingswein, und ich einfach einen deutlich hochwertigeren gewöhnt, somit riss er mich erst nicht gerade vom Hocker. Um den Zauber nicht zu stören ließ ich mir davon aber nichts anmerken, ließ den Wein genießerisch Schluck um Schluck meine Kehle herabrinnen. Und vielleicht hatte meine kleine Geschichte ihm doch ein wenig Macht eingehaucht, denn ich spürte, wie meine Zunge sich alsbald löste, und die Worte ohne Hemmnis ihren Weg nahmen. Früh genug würde ich wieder ein respektabler Tribun sein (um genau zu sein: morgen schon, für meine Kohorte stand Drill mit den neuen Torsionsgeschützen an) – aber heute war ich war ein lachender Satyr, Genius des Weinbergs, Gefährte des Bacchus, der alles sagen konnte was ihm gerade in den Sinn kam, ALLES!
"Weißt du, zur Erntezeit, da ziehen sie dem Bacchus Hymnen singend in meinen Weinberg. So groß ist die Hitze, dass ein purpurnes Flirren wie ein Schleier über den Reben liegt. Wie das Weinlaub sich windet, grün und golden... Wo kein Schatten fällt, da bricht die Erde auf und atmet überreifen Wandel. Die Trauben, die herrlichen Trauben sind so prall, sie bersten schier vor Süße. Nur die erlesensten Schönen von Campanien sind es dann, die sie mit bloßen Füßen stampfen..."
Wieder fuhr mir gebieterisch der Rhythmus in die Füße, ich stampfte auf, straffte mich und hob fließend den Arm, schnippte in die Finger wie ein Tänzer von Gades.
"Aah, die Tänze der Weinlese... komm, Marsyas!"
Ich bot ihm die Hand, begierig mich mit ihm in den satyrischen Reigen zu stürzen.
Thema: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios
Faustus Decimus Serapio

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RE: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios 03.08.2020 20:05 Forum: Roma


Tatsächlich sah Iulia etwas enttäuscht aus, als sie die erbotene Bedenkzeit gewährte. Ich brauchte dringend eine Atempause von diesem Gespräch. Das Bild vom Greisengebiss mit den schwärzlichen Stummelzähnen hatte sich gar zu aufdringlich in meinem Kopf festgesetzt.
"Ah, Iulius Caesonius, ich verstehe. Er ist ein Freund meines Cousins Casca." Man hörte zur Zeit recht häufig von diesem jungen Politiker... ganz ähnlich wie damals bei Dives, der mit seinem jugendlichen Tatendrang (und glühenden Ehrgeiz) schon im zarten Alter den Cursus honorum gestürmt hatte.
"Nun denn. Ich habe unser Treffen sehr genossen, werte Iulia Graecina." Um sie nicht noch weiter zu kränken, griff ich feurig nach ihrer Hand und drückte einen Kuss auf die zarten Fingerspitzen, wobei ich ihr tief in die Augen sah. Es waren blaue, verträumte, arglose Mädchenaugen. Wäre ich nicht ein Schuft, ein so blühendes Mädchen an mich zu binden... sie ist doch verschwendet an so einen wie mich....
"Diese Werkschau an der Seite einer so entzückenden jungen Dame wie dir zu erleben, war mir ein ganz besonderes Vergnügen! Vale bene und auf bald!"
Darauf erhob ich mich, und wir wechselten noch einige höfliche Worte zum Abschied. Unwillkürlich wollten meine Schritte sich beschleunigen, als ich mich dann entfernte, doch ich beherrschte mich, und schritt gemessenen Schrittes durch den Hof, begleitet von meinem Custos, vorbei an gemarterten Verwandelten und kunstbeflissenen Besuchern.

Auch Icarion gabelte ich unterwegs auf. Wir traten durch den Torbogen hinaus auf die Straße. Ich atmete auf.
"Puuuhh..."
"Wie war es denn noch?" fragte Icarion. "Ich habe ein Angebot gemacht für den Pygmalion."
"Danke... Naja, sie ist wirklich nett und angenehm bodenständig irgendwie.... und fröhlich. Ein bisschen unbedacht vielleicht... stell dir vor, sie hat mir anvertraut, dass sie vor allem Angst hatte, auf einen Greis mit Mundgeruch zu treffen! Da war sie dann wohl vorteilhaft überrascht von meinem Gebiss und hat mir praktisch gleich einen Antrag gemacht!"
"Keine unberechtigte Sorge für eine junge Römerin." gab Icarion zu bedenken.
"Aber stell dir mal vor ich heirate sie und wir sind irgendwo eingeladen und sie sagt so was in der Art!" Während ich mich so echauffierte, musste ich jedoch zugleich grinsen bei der Vorstellung wie würdigen Hausherren und pompösen Matronen daraufhin die Kinnladen runterfallen würden.
"Vielleicht liegt es daran, dass sie noch so jung ist... Mit noch ein bisschen Lebenserfahrung wird das bestimmt besser. Wie findet ihr sie?"
Natakamani: "Sie hat ein gutes Herz."
Icarion: "Eloquent und stilsicher."
"Na wenn ihr das sagt."
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Faustus Decimus Serapio

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RE: Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht... - oder: der Tanz der Satyren 02.08.2020 12:48 Forum: Roma


"Oh, Marsyas,hochgerühmter Virtuose, dass ich dich nicht gleich erkannt habe," sprach ich mit spielerischem Ernst, "wo doch dein kühner Wettstreit - und dein qualvolles Schicksal! - in aller Munde sind. " Ich trank ihm solidarisch zu und stellte mit einem kleinen Schulterzucken fest: "Diese Olympier sind eben einfach schlechte Verlierer."
Was für ein interessanter griechischer Akzent war das. Er erinnerte mich an den meines Custos Arkadios, war zugleich etwas rauer und kontrastierte reizvoll mit dem weichen Schwung der Lippen, über die soeben der Hauch eines Lächelns gezogen war.
An das Fass gelehnt, einen Arm locker aufgestützt, erwog ich, wer oder was ich denn eigentlich war? Der erste Impuls, mich ebenfalls in ein mythisches Gewand zu hüllen, ging mit einem seltsamen Anflug von schlechtem Gewissen einher... als würde dies die unerreichbare Einzigartigkeit Manius' und meiner Meditrinaliennacht bedrohen. So ein Quatsch. Mit einem weiteren tiefen Schluck spülte ich den störenden Missklang herunter, dachte mir aber doch lieber selbst etwas aus.
"Ich bin Serenus. Genius eines herrlichen Weinberges! In Campania liegt er, von seinen Hängen blicke ich aufs Mare Nostrum und keltere einen vortrefflichen Massiker. Wer ihn kostet, der... schmeckt der Sonne Glut, vergisst alle Sorgen und wird sogleich zum Dichter."
Übermütig malte ich mit dem Finger in der Lache, die beim schwungvollen Anstoßen aus unseren Bechern geschwappt war, einen Berg und eine symbolische Rebe.... dann führte ich den Finger geistesabwesend zum Mund um ihn abzulecken... und machte eine höchst irritierende Entdeckung.
"Per omnes deos! Trinkst du etwa... Wasser?" Kein Wunder dass er so düster erschien!
"Dionysos weint, wenn er das sieht!"
Ohne Säumen winkte ich dem nächsten Schankburschen (nebenbei bemerkt, eine geschmeidige Augenweide, er trug einzig ein paar zusammengeknüpfte Schnüre und golden aufgemalte Schnörkel am Leibe) und bestellte eindringlich: "Wir brauchen einen Krug Massiker. Ganz dringend." Hoffentlich hatten sie hier überhaupt welchen. Doch es schien kein Problem zu sein. Die Schnüre schwangen um die Hüften des Jünglings, als er loseilte.
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Faustus Decimus Serapio

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RE: Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht... - oder: der Tanz der Satyren 30.07.2020 20:30 Forum: Roma


Eine helle, fast schrille Flötenmelodie schwang sich hoch über den aufpeitschenden Takt der Musik hinaus, schlug besinnungsverwirrende Kapriolen. Meine Füße hatten schon längst zu wippen begonnen, jedes Trommeldröhnen schien meine Brust weiter zu machen und jeder Atemzug schmeckte nach Freude. Ich war mehr, wurde mehr, war mehr geworden, viel mehr als ein kostümierter Hedonist, ich war Teil des Rhythmus von Verzückung und grenzenlos göttlichem Sinnentaumel.
Beschwingt ließ ich meinen Becher gegen den des eisernen Satyr klacken, hob das Gefäß dann hoch, und rief, der Maske des großen Thyrsosschwingers über uns huldigend:
"Io, feueratmender Sterne Chorführer, nächtlicher Gesangestöne Gebieter!"
Darauf trank ich tief von dem roten Wein, Auge in Auge mit dem eisernen Satyr, und fast schmerzlich überfuhr es mich, wie vollkommen schön er war! Flammender Widerschein lag auf der Wölbung seiner Schulter, die von einem feinen Schweißfilm überzogen war. Wie aus einem Füllhorn quollen die Locken unter dem Reif hervor, und die Linie seines Kinnes... wie gemeißelt, mit einer neckischen Kerbe darin... war exquisit. Was unter der Maske verborgen lag, und unter der Chlamys, ergänzte mühelos meine angeregte Fantasie. Sehnsucht war es, die ich machtvoll verspürte, und mitnichten nur die der Lenden, es war einer dieser raren Momente wo ich mich vom Anblick der Schönheit emporgehoben und von ferne eine verwehte Erinnerung an den Saiten meiner Seele entlangstreifen spürte...
"Bist du vom Olymp gefallen?" Die Worte waren mir schon entfahren, als ich sie gerne zurückgeholt hätte. Da siehst du das Wahre und Schöne, und dann so ein oller Anmachspruch, Faustus. Ich überspielte sie mit einem Lachen, hielt jedoch seinen Blick unverwandt.
"Oder sind es chtonische Tiefen, aus denen du emporgestiegen bist.....Tragosideros?" Ich legte sinnend die Hand an mein Kinn und machte mir einen Spaß aus dem Versuch, seinen Satyrnamen zu erraten: "Nein. - ... Ferrotaurus...?" Oder heissest du etwa... "Nyxogonos...?!"
Thema: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios
Faustus Decimus Serapio

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RE: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios 29.07.2020 20:40 Forum: Roma


Iulia stimmte in meinen patriotischen Spruch mit ein, und auch sonst gefiel mir was sie sagte. Zwei Brüder hatte sie gehabt, also war der Schoß ihrer Mutter fruchtbar gewesen. Eine soldatische Tradition in der Familie – sehr sympathisch, dann würde sie gewiss verstehen, dass der Dienst für mich an erster Stelle stand. Ihre Sklaven behandelte sie auch ohne Hochmut, ihr Umgang mit der kleinen Leibsklavin erinnerte mich an das Verhältnis meiner Schwester zu ihrer Elena damals.
Worauf ich jedoch nicht gefasst war, war die unverblümte Ehrlichkeit, die mir mit einem Mal entgegenschlug. Einen Greis mit schlechtem Atem hatte sie befürchtet? Das war mir dann doch... etwas zu viel Information. Denn, bei aller Bescheidenheit, so war ich doch durchaus stadtbekannt, hatte mir einen Namen in der Öffentlichkeit gemacht und hörte ungern, dass dieser unter jungen Dingern solche Schreckensbilder auslöste.
"Ah so?" machte ich indigniert, und hätte fast betont, dass ich sehr viel von Zahnpflege hielt, und jeden Morgen ein Sträußchen frische Minze kaute!! Ich hatte vielleicht Rückenschmerzen, wie jeder Legionär der in die Jahre kommt, aber mein Zähne waren einwandfrei! (Naja, fast.) Waren wir hier auf dem Sklavenmark oder was...? (Ach nein, auf dem Heiratsmarkt.)
Sie lebt wohl sehr behütet. Rom vergisst schnell. Ich war zu lange unterwegs.
Sie merkte wohl, dass dies nicht so ganz angebracht gewesen war, denn sie errötete wie der holde Morgen und machte mir Komplimente, ja ermutigte mich um ihre Hand anzuhalten. Hochherzig nannte sie mich, das hörte ich gerne... Sie schien mich ja doch, auch über meine Zähne hinaus, ganz gut zu finden.
"Ähm...." Das ging alles auf einmal so rasend schnell. Jetzt war ich es, der sich hilfesuchend umwandte, aber Icarion hatte ich ja eben fortgeschickt. Dafür machte mir mein Custos aufmunternde Zeichen, die wohl so etwas wie 'schnapp sie dir' bedeuten sollten.
"Das zu hören, Iulia Graecina, von einer so hinreißenden und freimütigen jungen Dame wie dir, kann einen jeden Mann nur mit Glück erfüllen!" Ich fürchte, dass mein Lächeln etwas verkrampft war. "Du bist wahrlich ein strahlender Stern am Firmament der römischen Jungfernschaft. - Lass uns nichtsdestotrotz... einer solch bedeutsamen Angelegenheit die ihr gebührende Bedenkzeit widmen."
Es war eine so befremdliche Vorstellung, dieses zarte Wesen an meiner Seite zu haben, mit ihr das Lager zu teilen. Ich hatte kalte Füße, zugleich wollte ich die ganze Sache, die ich so viele Jahre mit den verschiedensten Strategien vor mir hergeschoben hatte, einfach nur noch hinter mir haben.
"Stehst du eigentlich unter einer Patria potestas oder bist du sui iuris?"
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Faustus Decimus Serapio

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RE: Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht... - oder: der Tanz der Satyren 27.07.2020 18:47 Forum: Roma



Aus Feuerschalen und von der Decke herabhängenden Öllampen quoll rotflackerndes Licht auf die wilde Menge von Feiernden in der Eingangshalle und den umliegenden Gewölben. Warm war es hier drin, roch nach Dampfbad und erhitzten Körpern. Das Gebäude war von innen größer als es von außen schien, und auch sonst hatte diese private Therme es in sich. Ihre Tradition war geradezu altehrwürdig, und schon als ich zum ersten Mal nach Rom gekommen war, großäugig und abenteuerlustig, hatte es nicht lang gedauert bis ich erfuhr, dass dies der Ort war, um spannende Bekanntschaften zu machen und zwischen Caldarium und Sudatorium flüchtige Leidenschaft zu genießen. (Oh, und was war ich damals in den schönen Bademeister verguckt gewesen!) Dazu kamen die besonderen Feste – wie dieses: die Nacht der Satyren!
Eine Maske des Dionysos (-Bacchus-Liber-Iakchos...) hing über den Köpfen der Feiernden an der dem Eingang gegenüberliegenden Gewölbeseite. Des Feuerscheins huschende Schatten belebten die Miene des Gottes von Wein und Rausch und Ekstase, so dass er mal schalkhaft zu lächeln, mal gräulich die Augen zu rollen schien.
Bei einem wohlgestalten Silen entrichtete ich den geringen Eintrittspreis für meinen Custos und mich. Dann streifte ich meine Paenula ab, überließ sie Natakamani, und fuhr mir mit den Fingern durch die vom Regen ganz leicht feuchten Haare und über die felligen Satyrohren. Unwillkürlich berührte ich auch meine Maske, spürte die dünne gehämmerte Bronze unter den Fingerspitzen. Narcissus hatte seine Sache gut gemacht. Auch der Wein-violett-farbene Chiton, locker gegürtet mit einem ebenfalls bronzebeschlagenen Gürtel, die kreuzweise hochgebundenen Sandalen und die breiten Bronzearmbänder an meinen Armen (die auch meine in ihrer wulstigen Häßlichkeit ziemlich prägnanten Narben am Schwertarm verbargen) passten zu meiner Erscheinung als Gefolgsmann des Bacchus. Der Silen drückte mir noch einen Kranz von Efeu auf den Kopf – perfekt!

Voll Vorfreude stürzte ich mich ins Getümmel. Mein Custos blieb zurück, wie instruiert, ich wollte nämlich nicht, dass er mir wen verschreckte.
Es war schon ein großer Spaß, all die maskierten und kostümierten Feiernden einfach nur anzusehen. Natürlich gab es eine Menge Satyren und Silene, Pane und Faune mit Fellröcken, verrückten Masken und Hörnern, aber auch so manche kunstvoll aufgetakelte Mänade taumelte im verzückten Rausch an mir vorüber. Nicht alle waren so aufwändig verfremdet, manche trugen ganz schlichte Masken, oder gar keine, oder einfach überhaupt nur sehr wenig bis gar nichts am Leib. Füße stampften und Körper sprangen, zuckten, verrenkten sich zu einem wilden Cordax, im Takt der Musik, die ein Trio am Rande des Gewölbes spielte.

Mit jedem Schritt, den ich da hinein tat, war es als fiele mir ein Stück Last von den Schultern, so wie wenn man nach einem langen Marsch das Gepäck und die Tragstange und das Cingulum und Harnisch und Subarmalium von sich gleiten lässt, deren Gewicht man zuvor kaum mehr wahrgenommen hat, und nun erst merkt man mit einem Male, wie leicht man doch sein kann. Leicht und unbeschwert schritt ich Richtung Weinausschank, sah und wurde gesehen, taxierte die Anwesenden und wurde meinerseits ebenso taxiert. Auch wenn ich leider schon lange kein jugendfrischer Adonis mehr war, sondern eher ein narbenübersäter Veteran, so doch ein guttrainierter, der so manch wohlgefällige Blicke auf sich zog. Die waren mir sehr willkommen. (Nicht dass es mir zu Hause an willigen Gespielen gemangelt hätte... aber die waren alle auf die eine oder anderen Weise abhängig von mir, und damit maß ich ihrer zur Schau gestellten Zuneigung wenig Bedeutung bei. Manius wiederum... ach, das mit Manius war so vertrackt, dass ich da gerade nicht einmal daran denken wollte!)

Große Weinfässer, aufrecht stehend, bildeten Tische an denen getrunken wurde. Ich besorgte mir einen großen Becher (kaum verdünnten) roten Wein und sog, an so ein Faß gelehnt, begierig die Atmosphäre in mich auf. Ein Priapus tanzte vorüber, wobei der mächtige rote Phallus, den er sich umgeschnallt hatte, heiter auf und ab wippte.
Mit einem breiten Grinsen hob ich meinen Becher, suchte mit den Augen nach der nächstbesten attraktiven Gestalt (in dem schummrig schmeichelhaften Feuerflackern sah allerdings fast jeder irgendwie gut aus) und prostete demjenigen fröhlich flirtend zu.
"Auf Bacchus, den größten der Götter!"
Thema: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios
Faustus Decimus Serapio

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RE: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios 27.07.2020 18:37 Forum: Roma


Pygmalion und Galatea, wenn es ein Kunstwerk gab das sinnbildlich für alle zusammen hier stand, dann war es wohl dieses. Ich warf Icarion einen kurzen bezeichnenden Blick zu. Er kannte mich gut genug und entschwand.
"Kreta, ah ja, wie schön." plauderte ich liebenswürdig. "Dort war ich leider nur einmal ganz kurz, als Etappe auf dem Weg nach Alexandria. Ich erinnere mich an ganz phänomenale weiße Berge, und eine Menge Delfine waren dort oft um das Schiff." (Ausserdem erinnerte ich mich an karge Gestrüpp-Hänge und aufdringliche Händler, die mir drittklassige Purpurstoffe als Souvenir hatten aufschwatzen wollen.)
"Ja, Roma ist unvergleichlich." Ich erwiderte ihr nettes Lächeln. "Ebenso wie du bin ich als Jugendlicher aus der Provinz, ich stamme aus Tarraco, hierhergekommen. Dann bin ich zur Legio Prima gegangen, habe im Partherfeldzug gekämpft, wurde danach hierher zu den Stadtkohorten versetzt. Das war noch die Zeit in der ein jeder sich sub aquila hochdienen mußte, weißt du, anders als heute." Ich verkniff mir einen abfälligen Kommentar zu den dekadenten heutigen Verhältnissen.
"Nach meiner Erhebung zum Eques habe ich in Ägypten bei der XXII. gedient, danach wurde ich zur Garde berufen. Im Bürgerkrieg habe ich diese als Präfekt gegen die Putschisten geführt, damit war ich nach deren Sieg natürlich erst mal... auf Eis. Unter unserem Imperator Aquilius" dabei kippte ich den Weinbecher und goss einen ordentlichen Schluck Trankesopfer in den nächsten Blumentopf, "- ein Hoch auf unseren Kaiser, möge er hundert Jahre alt werden – wurde ich wieder eingesetzt. Also... ich war immer viel unterwegs und oft fern von Italia stationiert, auch eine erfolgversprechende Verlobung hat sich dadurch leider wieder... zerschlagen, darum bin ich bisher noch nicht verheiratet." so schloss ich etwas schüchtern, es war ja auch peinlich in meinem Alter solo zu sein, außerdem war da in so Momenten immer die vage Befürchtung, dass weibliche Wesen mir meine Unzulänglichkeiten an der Nasenspitze ablesen könnten.
"Ich, ähem, also ich suche eine Frau, die... sich darauf einlassen kann, einen Soldaten zum Mann zu haben." Wenn ich das Mädchen jetzt nur nicht verschreckt hatte, aber in diesem Punkt zumindest wollte ich ehrlich sein. Rasch und nervös sprach ich weiter: "Und die mir natürlich Kinder schenkt und dem Haushalt vorsteht – wobei der reibungslos läuft, unsere Vilica ist sehr tüchtig. Und die mir loyal den Rücken stärkt. Ja, ähem, also das ist mir wichtig. Dafür biete ich... ein schönes Stadthaus und eine Villa auf dem Ianiculum, beträchtliche Latifundien und Zugang zur Nobilitas - mein Vater ist ja Consular – und... nun, ich werde natürlich auch alles mir mögliche tun um meine, ähem, zukünftige Frau glücklich zu machen. In meiner Gens gibt es eine Tradition sehr tätiger Frauen, meine Schwester hat zum Beispiel die Scola Atheniensis geleitet, und auch die Acta, ebenso meine Tante, also, ich hätte auch nichts dagegen wenn meine Zukünftige sich auch ausserhalb des Hauses betätigt, zum Beispiel priesterlich, solange eben der Haushalt und die Kindererziehung nicht darunter leiden. Das... ja, also das sind meine Vorstellungen."
Ich versuchte meine Aufregung in einem großen Schluck Wein zu ertränken. Im Grunde waren es auch nur Verhandlungen, aber eben doch für ein sehr bedeutsames Geschäft.
"Wie sind die deinen, Iulia Graecina?"
Thema: Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht... - oder: der Tanz der Satyren
Faustus Decimus Serapio

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Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht... - oder: der Tanz der Satyren 26.07.2020 20:45 Forum: Roma


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Fragment VIII
Den ganzen Tag schon hatte eine drückende Schwüle über der Stadt gelegen. Als es Abend wurde, begann ein Regen zu fallen, ein gemächlicher Sommerregen, dessen dicke Tropfen wie Tambourinschläge auf das Pflaster platschten. Der Geruch von Feuchtigkeit und Straßenstaub, Tibersiff und Herdqualm, Romas Atem, stieg in all seiner Intensität in meine Nase, als ich am Rande des Vicus Tuscus, gefolgt von meinem Custos, aus der Mietsänfte ausstieg. Die Kapuze meiner Paenula schlug ich über den Kopf, entlohnte die Träger, die sogleich die Stangen wieder schulterten und weitereilten.
Natakamani, mein dunkler Custos, musterte forschend die in der Dämmerung wenig vertrauenserweckende Umgebung. Die Läden, die die Straße säumten, waren schon verschlossen. Neben uns ragten hoch die Ziegelmauern eines Getreidespeichers, ein dunkler Block, in dessen Schatten sich ein paar schemenhafte Gestalten herumdrückten.
Ohne zu zögern schlug ich den Weg in eine Seitenstraße ein, die zur Gasse wurde, in einige Treppenstufen mündete, und zu einer breiten rotgetünchten Türe führte. Die Graffiti auf den Mauern und die dicken Rohrleitungen zeichneten das Gebäude als Badehaus. Die Türpfosten waren mit Efeu und Weinlaub umwunden. Zwei Laternen hingen darüber, vor ihrem Lichtkreis zeichnete sich eine bullige Silhouette ab, und gedämpft war von drinnen aufpeitschende Musik zu hören. Hier war ich richtig.
Es war lange her, richtig lange, dass ich zuletzt hier gewesen war. Damals war ich noch ein gutes Stück sorgloser gewesen. Mittlerweile war ich das nicht mehr, und hatte mit Bedacht genau den heutigen Abend mit der heutigen Veranstaltung für meinen Besuch gewählt. Im Schatten der Hauswand maskierte ich mich. Die bronzene Halbmaske lag kühl auf Wangen, Nasenrücken und Stirn. Fest knotete ich die Bänder im Nacken. Es war das Gesicht eines lachenden Satyrs, das ich da trug, wenn auch eines idealisierten (ohne die typische stumpfe Nase, aber mit prägnanten Wangenknochen und felligen Pinselohren). Der Rest meiner Kostümierung war noch unter den Falten der Paenula verborgen. Auch Natakamani maskierte sich, mit einer Tonmaske, an der gewundene Bockshörner angebracht waren.
Dann trat ich auf die rote Pforte zu, im Gehen die Kapuze zurückstreifend. Der Wächter - ein imposanter Bursche in einer knappen Ledertunika - begutachtete uns, fletschte sein Gebiss zu einem freundlichen Lächeln und öffnete uns einen Türflügel. Ich setzte den Fuß über die Schwelle, dithyrambische Klänge fluteten mir entgegen als ich eintrat...
Thema: Hin und wieder zurück – Das Officium des Gardetribuns Decimus Serapio
Faustus Decimus Serapio

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Fragment VII - Alles für den Limes arabicus 25.07.2020 20:26 Forum: Principia


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Gegenüber dem verschlungenen Geflecht von Einflüssen, Machtsträngen und Intrigen in dem – unserem gütigen Patronat rechtmäßig zustehenden – widerborstigen Königreich Nabateae, da nahm sich der gordische Knoten wie eine harmlose Schlaufe aus. Oder jedenfalls war das mein Eindruck, seitdem ich, anfangs unter Einsatz meines Lebens, derzeit nur noch unter Einsatz schlafloser Nächte, durch unseren geliebten Imperator höchstpersönlich mit der Nabataea-Frage betraut war.

Leider hatte unser Friedenskaiser deutlich gemacht, dass Alexanders Lösungsansatz für ihn nicht in Frage kam. Ich bedauerte das, denn ich hielt eine handstreichartige Annektierung noch immer für das zeitgemäßeste Vorgehen... aber Befehl war Befehl.
Und auch die Parther schienen derzeit nicht an einer offenen Konfrontation interessiert: Der Krieg um das Weihrauchkönigreich fand im Verborgenen statt. Lediglich die Via maris hatte der Praefectus aegypti mit einigen Turmae gesichert, ansonsten waren unsere Agenten und Parteigänger im zivilen Gewand und unter hoher Geheimhaltung aktiv. Aus der Castra Praetoria heraus sandte ich Speculatores, verschlüsselte Anweisungen, Gold, und hin und wieder (nur wenn es wirklich nötig war) auch mal ein unspektakulär zu Tode führendes Gift an meine Leute vor Ort.

Die Stadt Nessana hatte dadurch, nachdem der vorige Stadtherr wenig Einsicht gezeigt hatte, nun wieder einen uns treu zugeneigten Oligarchen. In der Versammlung der Edlen von Petra wurden Stimmen lauter, die daran erinnerten, wie gut es dem Land unter römischem Patronat ergangen war. Und Ravdushara, mein nabataeischer Libertus, hatte mittlerweile erfolgreich Kontakt mit Sospitos aufgenommen, der, wen wundert es, an unserer Offerte höchst interessiert war, seine Söldnertruppen aufstockte und eine seiner Töchter strategisch mit dem Sheik der Beni-Tulul vermählt hatte. Unglücklicherweise lagen die Parther aber auch nicht gerade auf der faulen Haut, hatten sich in Bostra eingenistet, und schon der zweite orienterfahrene Speculator, der die Lage dort für uns hatte auskundschaften sollen, war einfach spurlos verschwunden. Dabei gab es Hinweise, dass der Kult der dreigesichtigen Aphrodite-Allat seine zarten Finger im Spiel hatte, doch welches Ziel diese Fraktion in den großen Spiel verfolgte, war bisher noch völlig undurchschaubar.

Über meine große Karte Nabataeas gebeugt, umgeben von Depeschen, Berichten, Verschlüsselungstafeln und Macht-und-Einfluss-Diagrammen mit octopusartigen Verzweigungen, furchte ich sinnend die Stirn, überlegte, welchem der Fäden in diesem Gewirr ich als nächstes einen kräftigen Zug, ein sanftes Zupfen oder womöglich ein dezentes Kappen verpassen sollte.
Mit dem Finger fuhr ich schließlich die Linie von der Ostgrenze Syriens südlich, um den Dekapolis, dann Petra und Aila am Ostrand der Bergkette umfassend entlang. Wenn Nabataea wieder unser wäre, dann wäre hier, genau an dieser Linie entlang der alten Befestigungen, die perfekte Lage für einen Limes arabicus... ein Bollwerk gegen den ewigen – und einzigen uns im Felde ebenbürtigen – Widersacher im Osten.
So viele meiner Kameraden hatten damals im Partherfeldzug ihr Leben lassen müssen... zermalmt von Kataphrakten, von Pfeilen aus dem Hinterhalt getötet, oder krepierend am Wundfieber. Wenn es mir gelänge, einen Limes arabicus zu erwirken... oder ich zumindest meinen Beitrag dazu leisten konnte... und in der Zukunft weniger Legionäre bei der Verteidigung unserer Ostgrenze sterben müssten... dann würde es vielleicht irgendwann mal doch ein bisschen Sinn ergeben, dass ausgerechnet ich damals überlebt hatte... während so viele so viel bessere niemals wieder heimgekehrt waren.


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Thema: Auf den Mauern des Palastes - 'imperium sine fine'
Faustus Decimus Serapio

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Fragment VI - Wachwechsel 25.07.2020 18:38 Forum: Palatium Augusti


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Zum Wachwechsel auf dem Palatin führte ich meine Kohorte vom Viminal durch die Straßen der Stadt. Wie schon so viele Male, gefühlt unzählige Male hatte ich das schon gemacht, und doch war es immer wieder nett, so exklusiv hoch zu Pferderücken Rom zu durchqueren, das vertraute Stampfen der Caligae hinter mir, das blankgestriegelte Fell meines Rappen in der Morgensonne glänzend, die Präzision und Schlagkraft unserer Einheit ohne Gleichen. Man machte uns Platz, uns trafen sowohl bewundernde als auch furchtsame als auch neidische Blicke, und so zogen wir im Palast ein. Vor der Kommandantur ließ ich die Männer Aufstellung nehmen, und Laetilius, der unverwüstliche Tribun der scheidenden Wache, erstattete mir Bericht.
Sodann gab ich die Parole des Tages aus, die ich vor dem Aufbruch von unserem Präfekten empfangen hatte:
"Sed quis custodiet ipsos custodes."
Ob der alte Heius Vibulanus mir damit irgendwas sagen wollte?
Die Parole wurde von den Tesserarii weitergetragen, und meine Männer lösten ihre Kameraden ab, bemannten die Tore und Mauern, Hallen und Höfe des Palastkomplexes. Eine Abteilung Equites Singulares hielt sich wie stets bereit, den Imperator und seine Familie zu eskortieren. Sein Sekretär teilte jedoch mit, dass für heute keine imperialen Ausflüge in die Stadt anstanden.
Ich trat den üblichen Rundgang über die Mauern an. Alles war in bester Ordnung, und der Blick über die Ewige Stadt so atemberaubend wie eh und je. Trotzdem musste ich (heimlich im Sichtschatten einer Zinne, um der Disziplin keinen Abbruch zu tun) ein Gähnen unterdrücken. Ich schämte mich sogleich dafür, schließlich war mein Dienst so ehrenhaft wie man es sich nur vorstellen konnte... wir waren der lebende Schild des Imperators und damit des Reiches... und ich war natürlich extrem dankbar für die anhaltenden Friedenszeiten... aber etwas gleichförmig war der Dienst dann eben doch... hin und wieder.


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Thema: [Aventin] Waisenhaus der Binah | ... sondern mit der Tat und mit der Wahrheit
Faustus Decimus Serapio

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RE: Fragment II – Aufmachen! Garde!! 25.07.2020 09:40 Forum: Roma


Sehr überzeugend.
"Aha. Nun, mein Angebot gilt!" Ich schnippte die Münze in die Luft, wo sie eine silberne Bahn zog, fing sie wieder auf, und ließ sie verschwinden. "Falls euch doch noch was einfällt" schloß ich mit einem gönnerhaften Zwinkern.

Und zu Binah: "Du hast sieben Tage, um die Frevlerin ausfindig zu machen. Dann kannst du mir deine Redlichkeit mit einem Kaiseropfer beweisen und hier ungestört weiterwirken. Ansonsten... sehe ich schwarz für dich und dein kleines Projekt."

Die Hausdurchsuchung war beendet, Verfänglicheres als eine Schiefertafel mit einem frommen Sprüchlein hatten meine Männer dabei nicht gefunden, und wir zogen ab.
"Observieren." wies ich den Optio an. Dieses wohltätige Haus stank zum Himmel.


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Thema: [Aventin] Waisenhaus der Binah | ... sondern mit der Tat und mit der Wahrheit
Faustus Decimus Serapio

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RE: Fragment II – Aufmachen! Garde!! 22.07.2020 20:50 Forum: Roma


Na also!
Beim Stichwort "unschuldige Kleine", da hatte ich eine Idee, ich griff in meinen Beutel und zog einen silbern glänzenden Denarius heraus. Den präsentierte ich der Versammlung rotznasiger Gören, setzte eine freundliche Miene auf und sprach:
"Kinder, hört mal. Ihr seht mir wie ein paar schlaue kleine Überlebenskünstler aus. Den Denarius hier, den kann sich aber leider nur einer... oder eine von euch verdienen. Und zwar der, der mir als erstes sagt, wo die Frau ist, die unserem guten Kaiser gegenüber so frech war. Na? Wo ist Philotima?"
Thema: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios
Faustus Decimus Serapio

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RE: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios - FDS et IG 19.07.2020 15:24 Forum: Roma


Warum nur schien mir das Bild, das Iulia heraufbeschwor so überaus symbolhaft?
Ein vor Kraft strotzendes Pferd, welches sich vor seinem Herrn aus Freiheitsliebe ein letztes Mal aufbäumt, bevor er seinen Willen bannt.
Ach, so haderte ich, wenn ich doch bloß ums Heiraten herumkäme....!!! Aber es half ja nichts. Ich musste das jetzt einfach durchziehen. Und die Iulia war bisher von allen Optionen, die mir Großtante Drusilla vorgeschlagen hatte, eindeutig die sympathischste: ein nettes Mädchen, gutgelaunt und aufgeweckt. Die Iulier waren uns gesellschaftlich nahezu ebenbürtig, also passte auch das. Dafür, dass sie nicht Valentina war, konnte Iulia Graecina ja nichts.

Der holde Jüngling Tiberios stellte in Aussicht, dass seine Herrin ihn bestimmt verleihen würde.
"Sehr schön." freute ich mich. Silberzüngig wandte er sich auch an meinen lieben Icarion, welcher das höfliche Lächeln erwiderte, von etwaigem Missfallen war ihm nichts mehr anzumerken.
Auch Iulia Graecina pflichtete formvollendet bei, dass es eine gute Idee sei, unser Kennenlernen mit einer weiteren Darbietung der größten Ehekatastrophe aller Zeiten fortzuführen. großes Grinsen
Ich schmunzelte über ihren selbstironischen Kommentar und schärfte Icarion und Tiberius scherzhaft ein: "Keinen Tropfen, hört ihr." (Natürlich hätte ich zwei so geschmackvollen Wesen ohnehin kein Blutvergießen bei einer Rezitation zugetraut.)
Trocken erwiderte Icarion: "Wir werden uns zügeln, Patron." Und an den Jüngling gewandt:
"Du wirst von mir hören. Bis dahin, vale, Tiberios."

Nach dieser Begegnung flanierten wir weiter, besahen uns noch einige erstaunliche Kunstwerke: die Heliaden, und ihre spektakuläre Karambolage mit dem Sonnenwagen, diverse verfolgte Nymphen, dann den Jäger Aktaion, von einem Geweih gekrönt und von seinen eigenen Hunden zerfleischt...
"Warum nur erscheinen all diese Metamorphosen so... schmerzhaft?" fragte ich mich irgendwann. Doch gerade da tauchten vor uns die liebevoll ihre Äste verschlingenden Mensch-Baum-Gestalten von Philemon und Baucis auf. "Fast alle."
Eine Steinbank am Rande des Getümmels war noch frei.
"Wollen wir uns einen Moment setzen?" Icarion besorgte uns je einen Becher verdünnten Weines, natürlich den besten, den das Atelier zu bieten hatte, und ich stieß mit Iulia an.
"Bene tibi, Iulia Graecina."
Der Wein war trinkbar. "Welche Statue hat dir am besten gefallen? Und... ähem, vielleicht möchtest du mir ein wenig von dir erzählen." Wer bist du, Iulia Graecina? Hast du das Zeug zur Matrone der Casa Decima?
"Stammst du aus Achaia, wie es dein Name vermuten lässt?"
Thema: [Horti Luculliani] Tempel der Fortuna Fausta - und immer dreht sich das Glücksrad
Faustus Decimus Serapio

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RE: Fragment III - Und immer dreht sich das Glücksrad - Restauration 19.07.2020 15:22 Forum: Templa Urbis


Beklommenheit umfing mich, als Valentina ein wenig, ja nur andeutungsweise und schonend, von der Zeit des Ausharrens erzählte. Es war das Los der Frauen meiner martialischen Familie, auf ihre fernen Männer/Brüder/Söhne/Neffen/Verlobten sub aquila zu warten, bang auf ein Wiedersehen (bei dem möglichst noch alle Gliedmaßen dran waren) zu hoffen, und in der Zwischenzeit den Laden ohne uns zu schmeißen, und auf seine Weise war es wohl ebenso hart wie der Einsatz an der Front. Ich wusste nicht was ich sagen sollte, murmelte ein "...Danke...", als sie von den vielen Opfern sprach.
Dass sie der Raubkatze noch keinen Namen gegeben hatte, fand ich kein gutes Omen. "Dir fällt schon noch was ein."
Ein seltsamer Moment trat ein, sie räusperte sich, ich bemerkte, dass ich sie gar zu unverwandt angesehen hatte. Das mit dem locker freundschaftlichen Umgang schien derzeit vielleicht doch noch... etwas viel verlangt. Und zwar für uns beide! Was war ich nur für ein Tonto, dass ich mir Valentina hatte ausspannen lassen. Aber sie war... schon immer viel zu gut für mich gewesen. Sie brauchte einen normalen Mann, der sie rundherum zu schätzen wusste, nicht so einen schrägen Vogel wie mich.
Ich spitzte die Lippen und pustete noch einmal auf die Saiten, ließ den Luftstrom seitlich wandern, so dass sirrende, sphärisch aufsteigende Töne entstanden, die noch lange in der Luft schwebten, als wir zusammen unseren Schlendergang durch die Gärten fortsetzten.

"Ähem ja, ja habe ich. Alles bestens. Ich diene ja nun wieder als Gardetribun." Ein kleines Schulterzucken untermalte dies, Valentina kannte mich wohl gut genug um zu wissen, dass ich, bei allen jetzigen Ehren, den Glanz der allerallerhöchsten Ehren von früher schon ein wenig vermisste. "Ehrlich gesagt, ist es gar nicht schlecht, wieder mehr aus der Principa rauszukommen. Gerade macht die Christianersekte ja eine Menge Ärger... unter anderem. Und sonst, nun ja, mein Vater hat sich auf unsere Güter in Hispania zurückgezogen. Vespas Tod muss ihn schwer getroffen haben. Sie war so eine... große Dame, nicht wahr? Weißt du noch, wie sie uns die Elefantenfiguren geschenkt hat?"
Ups, da war ich aus Versehen schon wieder auf glattes Eis geraten. Schnell sprach ich weiter: "Und somit obliegt es mir, die Geschicke unserer Gens hier in Rom zu lenken. Was allein die Entgegennahme der Salutationes für ein Zeitaufwand ist...! Und dann diese aufmüpfigen Sklaven ständig! Früher hat meine Schwester das Haus geführt. Bei ihr haben die Sklaven irgendwie besser gespurt... Es ist schon ganz anders, als Soldaten zu kommandieren. Hast du vielleicht einen Rat für mich?" Bestimmt lag diese neue Note der Renitenz daran, dass Cousin Casca die Zügel hatte schleifen lassen!
"Ich weiß auch gar nicht, ob ich mein neues Haus behalten soll, ob das sinnvoll ist. Es ist ein Traum, genau so wie ich immer eins wollte, vor allem das Atrium im ägyptischen Stil ist fabelhaft gelungen! Aber ich kann ja nicht an zwei Orten zugleich wohnen. Voluptarianus..." - der stadtbekannte stinkreiche Freigelassene – "hat mir schon ein Angebot gemacht, aber ich hänge dran. Wenn, dann werde ich es wohl eher vermieten." Wieder zuckte ich die Schultern, das war wohl eher ein Luxusproblem. Valentina mein Leid zu klagen über die lähmende Routine in meiner einstigen amour fou oder über Großtante Drusillas Kollektion repräsentativer junger Damen aus gutem Hause wäre wohl auch nicht sehr feinfühlig.
"Und du, was gibt es neues bei dir?"
Thema: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios
Faustus Decimus Serapio

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RE: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios 06.07.2020 18:34 Forum: Roma


Zitat:
Original von Tiberios


Der zarte Jüngling errötete überaus hold. Ich liebte die Poesie ja deutlich mehr als es statthaft war, und ein so beseelter Vortrag wie dieser vermochte mich intensiver zu fesseln als die kunstvollsten Marmorbildnisse. Fast vergaß ich, dass ich nicht zum Spaß hier war.
"Wir haben zu danken." entgegnete ich jovial. Die Tafel, die er um den Hals trug, kennzeichnete den Jüngling als Sklaven, jedoch nicht des Dolios. "Wie lautet dein Name? Ich bin der Eques Decimus Serapio. Verleiht dich dein Herr bei Gelegenheit?"
Und zu Icarion gewandt meinte ich: "Wäre er nicht eine Bereicherung beim Programm der nächsten Cena?"
Mein Libertus lächelte verhalten.
"Gewiss, Patron, sein Vortrag ist sehr enthusiastisch."
Womöglich war Icarion verschnupft, weil eigentlich er mein Declamator war. Aber der Mensch braucht nun mal hin und wieder etwas Abwechslung.
"Vielleicht eine gemeinsame Rezitation?" schlug ich vor. "Senecas Version der Medea zum Beispiel, zumindest die Höhepunkte daraus..."
Die hatte Icarion mir schon vor längerem versprochen.
"Was meinst du, verehrte Iulia Graecina" bemühte ich mich, der reizenden jungen Dame an meiner Seite wieder die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken, "Wäre das vielleicht auch eine Zerstreuung nach deinem Geschmack?" So ganz ohne Bühnenblut.
Thema: [Horti Luculliani] Tempel der Fortuna Fausta - und immer dreht sich das Glücksrad
Faustus Decimus Serapio

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RE: Fragment III - Und immer dreht sich das Glücksrad - Restauration 06.07.2020 18:21 Forum: Templa Urbis


Neugierig trat ich auf das Instrument zu und zupfte an einer Saite. Ein viel zu lauter Ton schnitt unschön in die sanften Wind-Säuselklänge. Ich verzog das Gesicht, und versuchte es statt dessen mit darauf-pusten... schon besser!
Irgendwie war mir so, als ob mein Herumgeflachse gerade eben auch etwas ungeschickt und mit den Harmonien Valentinas nicht so recht im Einklang war... darum begab ich mich schnell wieder auf das sichere Gesprächsterrain, wohin sie soeben selbst gewiesen hatte. Dass die junge Raubkatze überlebt hatte und heranwuchs war wahrlich eine Freude. Auch wenn es abergläubisch sein mochte – das Tier war für mich ein Symbol dafür, dass meine Ex-Verlobte mir verziehen hatte, und sein Wohlergehen hatte damit eine besondere Bedeutung angenommen.
"Hm, ja, der kleine Jagdleopard, schön dass er dir noch immer Freude macht. Für welchen Namen hast du dich nun eigentlich entschieden?" erkundigte ich mich. Für einen Moment dachte ich halb nostalgisch, halb schuldbewusst an den nabataeischen Edelmann zurück, den ich einst Freund genannt hatte, und dessen extravagante Haustierwahl mich inspiriert hatte. So lange lag es noch gar nicht zurück und schien doch schon wieder wie in einem anderen Leben. Manchmal war mir, als hätte ich sowieso schon mehr als genug für ein Dutzend Leben erlebt.
Ich fokussierte meinen Blick zurück auf Valentina, die auf der anderen Seite der Äolsharfe stand, sah ihr blondes Haupt durch deren Rahmen umfasst wie ein Gemälde. Ein Lichtstrahl hatte sich in ihrem Scheitel verfangen.
Thema: An- / Abwesenheiten
Faustus Decimus Serapio

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13.06.2020 20:39 Forum: Allgemeines


Ich melde mich ab, bin die nächsten drei Wochen im Urlaub.
In dem 'Metamorphosen'-Thread darf Serapio, um das Spiel nicht aufzuhalten, gerne überpostet werden... einfach annehmen, dass er gerade kurz anderweitig beschäftigt ist, weil er einen Bekannten getroffen hat oder so. Augenzwinkern
Thema: [Aventin] Waisenhaus der Binah | ... sondern mit der Tat und mit der Wahrheit
Faustus Decimus Serapio

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RE: Fragment II – Aufmachen! Garde!! 10.06.2020 19:48 Forum: Roma


“Wo hat sie gepredigt?“ Ich trat näher an die Frau heran und feuerte meine Fragen an rascher Folge auf sie ab. “Wie heißt sie wirklich? Wer sind ihre Unterstützer?!“
Die wusste doch mehr! Und die Brandrede der Sektiererin war gewiss nicht das Werk einer Einzeltäterin. Ihre Flucht war gedeckt worden, soviel stand fest! Dieser Glaubensirrsinn hatte sich schon viel zu weit ausgebreitet, wie Pilze nach dem Regen, so spross das aus dem Boden.
Im Grunde hoffte ich natürlich, dass die resolute Hebräerin wirklich einknickte, denn ausgesprochene Drohungen sollte man auch wahrmachen. Dienst war Dienst, aber wer betätigt sich schon gern als Kinderschreck.
Thema: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios
Faustus Decimus Serapio

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RE: 'Metamorphosen' – Werkschau im Atelier des Dolios - FDS et IG 07.06.2020 21:49 Forum: Roma


Zitat:
Original von Iulia Graecina, Sulamith, Angus


Hola! Iulia ging ja ganz schön ran! Wenn ich sie einmal besuchen kam, würde sie mir den tanzenden Faunus zeigen. Ich blinzelte verblüfft, für den Moment überkommen von einem plötzlichen, machtvollen Fluchtimpuls!
Dann...
~ ~ ~

...dann warf ich den schwer drapierten Stoffberg meiner Toga von mir, erklärte der Iulia:
“Ich muß weg! Warum? Das kann ich leider nicht sagen Nur soviel: dringende Prätorianerangelegenheiten!“
Leichtfüßig entfloh ich aus dem Innenhof, draußen auf der Straße stand schon mein Streitwagen bereits, ich sprang auf, ließ die Zügel auf die Rücken meiner edlen Rösser schnalzen.
“Vamos, vamos meine Schönen!!!“
Sie sprinteten los, und rasant fuhr ich mein Zweigespann durch die Straßen der Stadt, die Hufe schlugen Funken, Menschen spritzten auseinander, japsten und starten mir nach.
“Mein lieber Faustus...“ seufzte Großtante Drusilla resigniert in ihrer Villa in den Albaner Bergen und wackelte mahnend mit dem Zeigefinger. Doch ich bretterte unbeirrt vor die Stufen des Senates, hielt mit einer kühnen Kehrtwende den Wagen direkt vor Manius.
“Spring auf!“
“Faustus, was tust du?“ rief Manius, und all die Senatoren waren in ihren Posen erstarrt, als hätte Dolios sie in Stein gemeißelt: 'Der Senat von Rom, nachdem die Medusa vorbeiging'.
“Was ich schon vor zehn Jahren hätte tun sollen!“
Ich packte seine Hand und halb entführte ich ihn, halb sprang er selbst in die Biga, und ...HUI... jagten wir hinaus aus der Ewigen Stadt, waren schon am Hafen, wo die Sonnenbarke für uns bereit lag. Wir sprangen an Bord, ein Berg schockierter Fratzen türmte sich am Ufer hinter uns, doch wir lachten nur und fuhren Richtung Achaia, frischen Wind in den Segeln. Manius' Hände lösten mein straffes Cingulum militare, es fiel klimpernd auf Deck, am Himmel über uns wölbte sich ein prächtiger Regenbogen und dann...

~ ~ ~

...dann riss ich mich entschieden zusammen, zerrte den Tagtraum in einen entlegenen Winkel meines Geistes, legte ihn dort rabiat in Ketten und machte stur weiter Konversation mit dem munteren Mädchen.
“Ähm, vielleicht ein Bukephalos. Oder falls mir hier etwas passendes ins Auge springt...“ Ich ließ meinen Blick schweifen. “Vielleicht etwas ganz neues.“
Aber den 'Kaineus', so kunstvoll er war, hätte ich nicht mal geschenkt haben wollen. Nach der ersten Bewunderung hatte das Bildnis bei näherer Betrachtung etwas seltsam verstörendes an sich. Es erinnerte mich irgendwie unangenehm an die Sperenzchen unseres verwöhnten (Ex-)Mundschenks Silas. Ja, angesichts der flehend erhobenen Arme des mamornen Mädchen-Jünglings, der Verletzlichkeit und Verletztheit dieser Figur, gar nicht passend zur Härte des Steins, kam ich mir auf einmal wie der letzte Wüstling vor (was nun wirklich blödsinnig war, schließlich hatte ich gegenüber dem unnahbaren ach-so-Spröden noch nicht einmal auf mein Recht bestanden.)
Der kleinen Sulamith schien die Statue auch nicht zu gefallen, und selbst der Barbar, 'Angus' hatte ich mir gemerkt, sah irgendwie gequält aus.

“Wollen wir uns die Kentauromachie ansehen?“
In dem Gedränge vor dem Herzstück der Ausstellung war ich froh, meinen dunklen Custos in meinem Rücken zu wissen. Um Galanterie bemüht, hatte ich gerade wenig Sinn für die Kunst und achtete mehr darauf, dass Iulia auch gut sehen konnte.
“Hmm....“ Die kraftstrotzenden Tiermenschen, das wilde Schlachtgetümmel, die zerstampfenden Hufe... das war leider gar nicht nach meinem Geschmack. Die Darstellung war mir bei weitem zu echt, die Zentauren erinnerten mich fatal an parthische Kataphrakte. Ich merkte schon: das hier war Kunst, nicht Peristyl-Dekoration.
“...ähm, sehr... kraftvoll.“ kommentierte ich ohne Überzeugung. “Nicht wahr?“
Zitat:
Original von Tiberios

Wieder ertönten wohlklingende Verse, wieder aus dem Munde des lockenköpfigen Wortgewandten. Ich applaudierte ein wenig, als er geendet hatte.
“Trefflich vorgetragen.“
Auf einen minimalen Wink von mir zückte Icarion die Börse und gab dem Jüngling einen Sesterz als Trinkgeld. Das animierte wohl die Umstehenden dazu, es ihm gleichzutun, denn nun bekam der Redner von allen Seiten Münzen gereicht.
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