Gladiatoren

Aus Theoria Romana

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Allgemeines

bild:Pollice_Verso.jpg
Jean-Léon Gérôme pollice verso; Öl auf Leinwand 1872
Gemälde, das unser heutiges Gladiatorenbild
maßgeblich geprägt hat

Die Gladiatoren zu Beginn der Einführung der Spiele waren unterschiedlicher Herkunft. Ihre Namen standen für Volksstämme, welche von den Römern unterworfen wurden, wie z.B. Samniten, Thraker und Gallier. Mit der Zeit wandelte sich das Bild der Spiele. Sie waren ab der Mitte des 1. Jahrhunderts v.Chr. keine rein religiöse Veranstaltung zu Ehren eines Verstorbenen mehr, vielmehr gewannen sie an politischem und kulturellem Gewicht. Wohlhabende veranstalteten Gladiatorenkämpfe um ihre Macht zu demonstrieren und letztendlich auch um Wählerstimmen zu gewinnen. Die ersten Kaiser unterbanden diese Möglichkeit der Steigerung des Einflusses recht schnell und übernahmen selbst die Kontrolle über den Zeitpunkt und Austragungsort der Spiele. Ausserdem pflegten die Kaiser fortan, ausländische Herrscher und Gesandte auf Manegenplätzen unterzubringen um ihnen die Macht des Imperiums zu demonstrieren.

Herkunft der Spiele und der Gladiatoren

Das Wort Gladiator leitet sich vom lateinischen Wort gladius (= Schwert) ab und kennzeichnet somit eine mit einem römischen Kurzschwert kämpfende Person.

Die Gladiatorenkämpfe waren für das römische Volk vor allem Kurzweil und Zeitvertreib. Für die Teilnehmer brachte der Gang in die Arena nicht selten die Entscheidung zwischen Leben und Tod.

Obwohl uns diese Form der Spiele am besten durch die Römer überliefert wurde, so liegen deren Wurzeln tiefer. Bereits die Etrusker veranstalteten derartige Schaukämpfe aus religiösen Motiven. Die Seelen der Gefallenen sollten mit dem Blut der Feinde versöhnt werden. Diese Ausrichtung als Leichenspiele wurde dann auch von den Römern übernommen. Die ersten, dokumentierten Gladiatorenspiele fanden anlässlich der Beerdigung von Decimus Iunius Brutus Pera im Jahr 264 v. Chr. Auf dem Forum Boarum statt. Drei Sklavenpaare, gewählt aus 22 Kriegsgefangenen, kämpften gegeneinander und lockten damit eine größere Menschenansammlung an, um das Schauspiel zu betrachten. Nachdem dies den Veranstaltern, den Söhnen von Decimus Iunius Brutus Pera, großen Ruhm einbrachte, folgten bald weitere römische Adelige, die mit diesen als munus (= Dienst, Plural: munera) bezeichneten Vorführungen gleichfalls ihre Verstorbenen ehrten. Da diese Form der Gladiatorenkämpfe neben den Scheiterhaufen abgehalten wurden, nannte man die Gladiatoren auch bustuarii (bustum=Scheiterhaufen). Der römische Historiker Maurus Servius Honoratius schrieb dazu: "Es war Brauch, Gefangene auf den Gräbern tapferer Krieger zu opfern; als die Grausamkeit dieser Sitte allen erkenntlich war, beschloss man, Gladiatoren vor den Grabstätten kämpfen zu lassen [...]"

Da sich diese Spiele immer größerer Beliebtheit erfreuten, wurden sie auch nach und nach immer größer inszeniert, bis schließlich auch erste Sitztribünen und damit erste Arenen gebaut wurden. Zunächst waren diese aus Holz errichtet. Das erste steinerne Amphitheater zu diesem Zweck war das des Statilius Taurus um 29 v. Chr.. Auch wurden die Varianten der Kämpfe immer erweitert, um Tierhetzen beispielsweise. Mit neuen, eroberten Völkern kamen dann auch immer weitere Gladiatorenarten hinzu, und ihre ursprüngliche Bedeutung als Spiele zu Ehren der Verstorbenen verblasste immer mehr. Als politisches Instrument wurden sie eingesetzt, oder um die Götter zu erfreuen und zu besänftigen. Sie erfreuten sich sehr großer Beliebtheit im Volk.

Nur zu Beginn waren es nur Sklaven und Kriegsgefangene, die man zum Gladiatorendasein zwang. Je weiter allerdings die Spiele sich entwickelten, umso notwendiger gestaltete es sich für die Veranstalter, die Gladiatoren professionell auszubilden. Und dies erforderte besondere Pflege des „Kapitals“, so dass die Versorgung der Gladiatoren sich stetig verbesserte. Im Laufe der Zeit wurden auch Verbrecher wie Mörder, Räuber und Landesverräter in die Arena geschickt. Durch die Christenverfolgungen verstärkte sich der Zugang noch um deren Religionsangehörige. Doch meistens handelte es sich hierbei dann nicht um ausgebildete Gladiatoren, sondern um damnatii (Verurteilte) oder noxii (Schuldige), die hier in aller Öffentlichkeit ihre Todesstrafe erhielten, nachdem sie von einem Gericht ad gladium (zum Schwertkampf) oder ad bestias (zu den Tierhetzen) verurteilt worden waren. Besser erging es jenen, die ad ludum (für die Spiele) verurteilt wurden. Sie kamen in die Gladiatorenkasernen und bekamen die Chance auf eine solide Ausbildung zum Gladiator.

Darüber hinaus gab es freie Bürger, zumeist Freigelassene, die die Tätigkeit eines Gladiators als Beruf ausübten, sog. auctorati. Teilweise war der Andrang von auctoratii auf die verschiedenen Gladiatorenschulen so groß, dass der Senat Vorschriften erlassen musste, um es höheren Schichten zu verbieten. Als besonderes Spektakel galten Kämpfe unter Gladiatorinnen. Mitunter kam es vor, dass sich selbst angesehene Bürger als Gladiatoren betätigten. Dabei kam es aber jedes Mal zum Eklat. Trotz dieser Widersprüche standen selbst Kaiser, wie Commodus, in der Arena.

Die Gladiatoren waren beim Volk beliebt und Souvenirläden verkauften Messer, Lampen und Taschenspiegel mit ihren Kampfszenen. Zeichnungen und Malereien vom Treiben in der Arena schmückten manches Heim. Selbst nach ihrem Tod standen die Akteure noch hoch im Kurs. Manchen von ihnen wurden von reichen Gönnern (vor allem weiblichen Geschlechts) aufwendige Grabstelen gestiftet.

Ablauf eines Arenatages

Die Feierlichkeiten eines Arenatages begannen eigentlich schon einen Abend vor dem eigentlichen Spektakel. Der Veranstalter der Spiele, der sog. munerarius oder editor, stiftete den Gladiatoren ein Essen. Zu dieser cena libera konnte jeder hinzukommen, so dass dies vor allem für die Fans (amatores) eine willkommene Gelegenheit war, ihren Idolen nahe zu kommen. Vor allem Frauen sollen zu solchen Festen ihre Chance genutzt haben, ihrem Idol auch körperlich nahe zu kommen. Doch auch für diejenigen, die Wetten abschlossen, war das ein willkommener Anlass, die Gesundheit und allgemeine Verfassung der Gladiatoren so hautnah zu prüfen.

Der Arenatag selbst begann früh morgens mit einer prächtigen Prozession, der pompa thriumphalis. Als erstes betrat der editor die Arena, gefolgt von Musikanten, und ließ sich vom Publikum bejubeln. In größeren Arenen betrat der Geldgeber vermutlich direkt die Ehrenloge, das podium, ohne Umweg über die Arena und ließ sich bequem von dort aus feiern. Daraufhin folgten Diener mit Schrifttafeln, die die wichtigsten Informationen festhielten: Wer aus welchem Anlass die Spiele veranstaltete, wieviele Tiere getötet werden würden, welche Gladiatorengattungen und -paare kämpften, und aus welchen Gründen die damnatii verurteilt worden waren. Hernach kamen Diener mit den Waffen und Helmen der Gladiatoren, die diese dem Publikum feierlich zeigten, und die eigentlichen Protagonisten: Die Gladiatoren. Für diesen Umzug waren sie besonders feierlich gekleidet, häufig mit goldbestickten Umhängen oder Purpur, und liefen in Zweier- oder Dreierreihen feierlich eine Runde durch die Arena, um sich dem Publikum zu präsentieren, ehe sie vor dem podium Halt machten, um den editor zu grüßen. Der berühmte Satz „morituri te salutant“ allerdings ist nur von Sueton überliefert und wurde in seiner Erzählung nicht von Gladiatoren, sondern von zum Tode Verurteilten gesprochen. Daher ist anzunehmen, dass dies nicht als generelle Floskel gebraucht wurde und die Gladiatoren sich auf eine wortlose Begrüßung ihres editor beschränkten, indem sie sich leicht verbeugten oder einen Gruß ähnlich dem militärischen Salut vollführten. Zuletzt schließlich wurden die noxii oder damnatii, die zum Tode Verurteilten, hereingeführt und dem Publikum präsentiert. Mit Ketten aneinandergefesselt mussten sie den Spott der Menge über sich ergehen lassen. Danach wurden die Spiele vom editor offiziell eröffnet.

Den Anfang bildeten die venationes, die Jagd auf Tiere. Dies war beim römischen Publikum sehr beliebt, und selbst nach Abschaffung der eigentlichen Gladiatorenspiele wurden in den Arenen immernoch Tierkämpfe und Jagden veranstaltet. Heutige Stierkämpfe kann man durchaus als letzte Überreste dieser Tradition verstehen. Im Ludus Matutinus (was „der Morgentliche“ bedeutet und durch die Tageszeit der Tierkämpfe leicht erklärt werden kann) wurden hierfür in Rom die Jäger ausgebildet. Außer bei zum Tode Verurteilten kam es allerdings selten dazu, dass ein Jäger anstatt den Tieren den Tod fand. Doch auch Kämpfe zwischen verschiedenen Tieren waren gern gesehen. Besonders beliebt war das Aneinanderketten eines Stieres und eines Bären, da hierbei oftmals hohe Wetten geschlossen wurden. Auch wurden Löwen gegen Hunde häufiger gezeigt.

Gegen Mittag begannen die Hinrichtungen. Bei der Verurteilung gab es hierbei drei Möglichkeiten: Damnatio ad ferrum bedeutete, dass die Verurteilten so lange gegeneinander Kämpfen mussten, bis nur noch ein einzelner Mann stand, der dann von einem als Charon verkleideten Gladiator mit einem Eisenhammer erschlagen wurde. Die Möglichkeit auf Begnadigung war hierbei ausgeschlossen. Damnatio ad bestias hieß, dass derjenige den Tieren vorgeworfen wurde. Hierzu wurden nicht nur Löwen oder Hunde eingesetzt, sondern auch häufig Stiere, die die verurteilten niedertrampelten und mit den Hörnern in die Luft warfen. Damnatio ad gladium hingegen bedeutete den (aussichtslosen) Kampf des Verurteilten gegen einen ausgebildeten Gladiator. Die einzige Perspektive auf Gnade hatte ein Verurteilter ad ludum gladiatorum, also zum Dienst als Gladiator. Hierbei konnte er, wenn er siegreich war, wie jeder andere Gladiator begnadigt und als freier Mann entlassen werden. Überdies erhielt er so im Gegensatz zu den anderen Möglichkeiten auch eine solide Ausbildung an der Waffe. Bei der Umsetzung der Verurteilungen bediente man sich den Verurteilten, um kuriose lebendige Bilder nachzustellen. Nicht nur Schlachten wurden nachgestellt, sondern gerne auch Bilder aus der Mythologie. So gibt es Berichte, wie das Colosseum in einen Wald verwandelt wurde, um die Geschichte von Orpheus und Euridike nachzustellen (nur dass der Verurteilte die wilden Tiere nicht mit Gesang besänftigen konnte). Wurde eine Frau verurteilt, war ein beliebtes Motiv wohl die Geschichte der Parsiphae, die sich mit einem Stier vereinigte und den Minotaurus gebar. Solche Vereinigungen zwischen einer zum Tode verurteilten Frau, der zu diesem Zweck eine Kuhhaut umgehängt wurde, und einem Stier, sind unter anderem unter Kaiser Titus und Nero dokumentiert. Weitere Motive waren gern Prometheus, die Entmannung des Attis, die Fesselung Ixions an ein brennendes Rad oder die Selbstverbrennung des Hercules auf dem Berg Otia. Verbrennungen schienen besonders beliebt, so wurden auch pyricharii dargeboten. Der Pyrrhikos war ein antiker Kriegstanz, der viel Kunstfertigkeit erforderte. Bei den pyricharii wurden die Verurteilten in prunkvolle Tuniken gekleidet, die mit leicht brennbaren Stoffen getränkt waren. Die Verrenkungen der Verbrennenden wurden dann von lauter Musik untermalt.

Nachmittags gingen dann die eigentlichen Gladiatorenspiele los. Die Gladiatoren schritten nochmalig feierlich in die Arena und präsentierten sich dem Publikum, ihre Waffen und Helme wieder von Dienern getragen. Ein weiterer Diener trug eine Tafel, die die Kampfstatistik des einzelnen Gladiators aufführte, wie oft er gekämpft und wie oft er davon gesiegt hatte. Da Gladiatoren teuer waren und der Tod eines Gladiators dem Lanista mit Schadensersatz bezahlt werden musste, ist davon auszugehen, dass nur etwa jeder zehnte Gladiator in der Arena starb. Der editor hatte die besondere Ehre, die Waffen auf Echtheit zu prüfen, doch konnte er dieses Recht auch an einen anderen Gast abgeben. Dies geschah meist direkt vor dem jeweiligen Gladiatorenkampf, oder auch vor einer kleinen Gruppe von Kämpfen.

Die prolusio folgten schließlich, Schaukämpfe mit hölzernen Waffen. Hierbei traten die Gladiatoren oder aber auch Adelige auf, um ihr Können zu beweisen und einige Techniken vorzuführen. Im Gegensatz zur Teilnahme an den „richtigen“ Spielen war es nicht verpönt, wenn ein Mitglied der Nobilitas hier ihre Stärke unter Beweis stellte. Berühmt sind wohl die Auftritte von Kaiser Commodus als Secutor im Zuge dieser Vorbereitungskämpfe.

Erst hiernach fanden die eigentlichen Gladiatorenkämpfe statt, wobei die begehrtesten Kämpfe mit den erfahrensten Gladiatoren meist zuletzt stattfanden. Ein in Weiß gekleideter Schiedsrichter (summa rudis = "oberster Holzstock") stellte dem Publikum die einzelnen Gladiatoren, die nun vollgerüstet jeweils hereinkamen, nochmals vor, und eröffnete jeweils den Kampf. Während des Kampfes halfen meist zwei weitere Schiedsrichter dem summa rudis und achteten auf die Einhaltung der Kampfregeln. Desweiteren sorgten Musikanten mit Trompeten oder auch einer Wasserorgel für die passende musikalische Untermalung der Kämpfe.
Gekämpft wurde bis zur Aufgabe eines Kämpfers. Ziel eines Kampfes war es, den anderen durch Entwaffnen oder Verletzen zur Aufgabe zu zwingen, nicht ihn zu töten. Natürlich kam es auch während der Kämpfe zu tödlichen Verletzungen, aber als ehrenhafter galt es, den anderen zu bezwingen. Die Entscheidung über Leben und Tod eines Gladiators oblag dem editor, der sich hierbei aber häufig nach dem Publikum richtete. Dabei galt es als ehrenhaft, einem tapfer Kämpfenden Gnade zu erweisen, weshalb häufig die missio erteilt wurde. Nur wenn noch gar niemand getötet worden war bislang, wollte das Publikum früher oder später jemanden sterben sehen. Unschlüssig ist man hierbei, ob der "gedrehte Daumen", mit dem die Zuschauer ihre Entscheidung kundtaten, für ein Todesurteil nach oben oder nach unten zeigen musste. Die Theorie, dass der nach oben gerichtete Daumen das Zeichen dafür war, den Geist des Kämpfers von seinem Körper zu befreien - und damit hinaufzusteigen - und der nach unten gedrehte Daumen ein Zeichen dafür, dass er auf dieser Erde bleiben durfte, ist ebenso wahrscheinlich wie die heute oft dargestellte gegenteilige Deutung.
Aufgeben konnte ein Gladiator, indem er sich hinkniete und den linken Arm hochnahm und zwei Finger streckte, oder indem er seine Waffen wegwarf und die Arme vor dem Bauch oder hinter dem Rücken verschränkte. Die Schiedsrichter achteten streng darauf, dass der Überlegene danach nicht mehr angriff und schritten notfalls auch ein. Weigerte sich ein Gladiator hingegen, zu kämpfen, wurde er mit Peitschen oder auch mit glühendem Eisen dazu angetrieben. Ein Unentschieden wurde dann erreicht, wenn beide Gladiatoren so schwer verletzt wurden, dass der Schiedsrichter den Kampf unterbrach. Dann wurden beide Gladiatoren 'stehend entlassen' (stans missus) Ein Kampf wurde unterbrochen, wenn Riemen der Rüstung sich lösten. Auch konnte ein Gladiator jederzeit eine Unterbrechung dem Schiedsrichter anzeigen, um sich von seinen Helfern massieren zu lassen oder einen Schluck zu trinken. Auch wurden Wunden von den Ärzten häufig schnell bei dieser Gelegenheit versorgt. Normalerweise wurde ebenfalls unterbrochen, wenn ein Gladiator seine Waffen verlor, doch nicht zwangsläufig. Der Sieger erhielt als Preis üblicherweise einen Palmzweig überreicht, seltener auch Geldbeträge. Häufig wurde die Anzahl der errungenen Palmzweige auf den Grabsteinen der Gladiatoren vermerkt.

Zwischen den einzelnen Teilen der Veranstaltungen und vor allem zwischen den einzelnen Kämpfen traten Akrobaten auf. Jongleure, Feuerspucker oder auch dressierte Tiere wurden gezeigt. Manchmal auch amüsante Einlagen wie der scheinbare Kampf zwischen zwei Kleinwüchsigen oder vergleichbares, um das Publikum anzuheizen und die Wartezeiten zu überbrücken.

Gladiatorengattungen

Nicht alle Gladiatorengattungen waren bei den Spielen vertreten. Im Laufe der Zeit entwickelten sich mindestens 26 verschiedene Subtypen, die teilweise ältere Gladiatorenarten vollständig ablösten. Geboten wurde hauptsächlich, was das Publikum derzeit als größte Herausforderung und größtes Spektakel empfand. So gingen die Samniten fast vollständig in dem später auftauchenden Murmillo, Secutor und dem Hoplomachus auf. Die zum Ende der Republik sehr beliebte Paarung zwischen Thraex und Murmillo wurde ab dem ersten nachchristlichen Jahrhundert zunehmend von der Begegnung zwischen Secutor und Retiarius verdrängt.


  • Samniten. Der erste in veröffentlichten Quellen erwähnte Typ Gladiator ist der Samnit. Er gilt als der Prototyp des römischen Gladiators. Livius beschreibt sie folgendermassen:

    Die Samniten hatten neben ihren anderen Kriegsvorbereitungen dafür gesorgt dass ihre Schlachtreihe in neuen, prächtigen Waffen funkelte. Es gab zwei Truppenverbände: Die Schilde des einen waren mit Gold, die des anderen mit Silber eingelegt. Und so sahen die Schilde aus: Oben, wo sie die Brust und die Schultern schützten, waren sie ziemlich breit und hatten einen geraden Rand. Nach unten wurden sie etwas schmaler, damit sie sich besser handhaben ließen. Als Brustschutz trugen sie einen weichen Panzer (spongia) und am linken Bein eine Beinschiene. Die Helme waren mit einem Helmbusch versehen, um die Männer größer erscheinen zu lassen. Die Tuniken der >vergoldeten< Krieger waren vielfarbig, die der >versilberten< aus strahlend weißem Leinen. [...] Letztere hatten silberne Schwertscheiden und Wehrgehenke, Erstere vergoldete Schwertscheiden und Wehrgehenke, und ihre Pferde hatten goldduchwirkte Satteldecken.
    (Livius, Römische Geschichte 9,40)

    Eine weitere (wahrscheinliche) Quelle zum Aussehen der Samniten stellt ein Flachrelief aus Amiternum dar. Dort sind zwei Gladiatoren abgebildet, beide ausgerüstet mit einem Panzerhemd, einer einzelnen Beinschiene am linken Fuß, einem Wurfspieß und einem langen, rechteckigen Schild.
    Nach dem Sieg der Römer über die Samniten, erhielten 90 v.Chr. alle Italiker das römische Bürgerrecht. Die Samniten verschwanden damit aus den Arenen.
  • Paegniarii. Sie waren Schaukämpfer und nichts anderes als Schauspieler, die als Gladiatoren kostümiert waren. Die paegniarii traten vor den eigentlichen Wettkämpfen bzw. in den Pausen auf. Sie parodierten den Kampfstil der Samniten.
  • Gallier. Nach Caesars Eroberung Galliens wurden Tausende von Gefangenen nach Rom geschickt. Die gleichnamigen Gladiatoren waren ursprünglich wie ein typischer gallischer Soldat bewaffnet, nämlich mit einer Lanze oder einem Kurzschwert und einem langen, flachen Schild. Wahrscheinlich übernahmen sie später das Langschwert, analog zu den gallischen Soldaten. Noch im 1. Jahrhundert v.Chr. erhielten sie einen Kopfschutz, von da an nannte man sie murmillones, nach einem griechischen Fisch (murmuros), dessen Emblem ihren Helm zierte.
  • Thraker. Dieser Gladiatorentyp übernahm den Helm mit dem nach vorn gewölbten Helmbusch und das gebogene Schwert (sica) von den thrakischen Soldaten. Dazu kam ein kleiner, halbzylindrischer Schild, schenkellange Beinschienen und einem segmentierten Armschutz am Schwertarm.
    Der berühmteste Thraker war Spartacus.
  • Provocatores. Als ein Gladiatorentyp der späten Republik scheinen die provocatores stets von trainierten Berufssoldaten verkörpert worden zu sein. Diese Annahme rührt von der Tatsache, daß die Waffen der provocatores stets denen der zeitgenössischen Legionären entsprachen. Provocatores kämpften immer nur gegen ihresgleichen.
  • Velites. Vermutlich wie die provocatores Berufssoldaten, blieben auch sie in Kämpfen unter sich. Sie waren leichter bewaffnet als die meisten anderen Gladiatorentypen, bevorzugt mit einer Lanze. Dieser Typus wird gegen Ende des 2. Jahrhunderts v.Chr. in den schriftlichen Aufzeichnungen nicht mehr erwähnt.
  • Equites. Analog zu den beiden vorher beschriebenen Typen, kämpften auch die equites nur gegen ihresgleichen. Die equites lassen sich neben dem Pferd zu welchem sie zu Beginn eines Kampfes kämpften auch eindeutig am verwendeten Schild identifizieren. Sie trugen einen kleinen parma equestris, einen Rundschild.
    Ein besonderer Untertyp des eques war der andabata. Jener war ein schwer bewaffneter Kavallerist, welcher einen Visierhelm ohne Öffnungen für die Augen trug.
  • Secutor. Der secutor wurde meist gegen den retiarius aufgeboten, ausgerüstet war er mit einem halbzylindrischen Schild und einem Kurzschwert. Er trug ausserdem einen segmentierten Armschutz und eine kurze Beinschiene. Das markanteste Merkmal aber war sein Helm: Eiförmig, randlos, mit einem schlichten Helmkamm und zwei sehr kleine Augenöffnungen. Dieser Helm war darauf ausgelegt, sich nicht im Netz des retiarius zu verfangen.
  • Retiarius. Der übliche Antagonist des secutor war der retiarius, bewaffnet mit einem Netz (von welchem sich sein Name ableitete: rete ist das lateinische Wort für "Netz") und einem Dreizack. Zudem durfte er einen Dolch oder ein Kurzschwert tragen. Seine Panzerung war sehr schwach, er trug lediglich einen Armschutz (vom selben Typ wie der des secutor) und einen Schulterschutz aus Metall (galerus). Sein Kopf und seine Beine waren indes ungeschützt.
    Aufgrund seiner geringen Panzerung galt der retiarius als der schwächere Gladiator, sein Hautpaugenmerk im Kampf lag auf seiner Beweglichkeit. Er nahm damit den niedrigsten Rang unter den Gladiatoren ein, wie es auch Juvenal in seinen Satiren bestätigt. In jenen beschreibt er verächtlich die Entscheidung eines jungen Adligen aus der Familie der Gracchen, freiwillig retiarius zu werden.
  • Hoplomachus. Dieser Gladiatorentyp war vermutlich am besten geschützt und gerüstet. Das griechische Wort "hoplomachus" bedeutet "schwer bewaffnet" und leitet sich vermutlich von hoplites ab, der Bezeichnung der griechischen Infanteristen. Der hoplomachus war ausgerüstet mit einem Kurzschwert, einem kleinen Schild, welcher dem Schild der makedonischen Lanzenträger ähnelt, einem Helm mit großem Helmbusch und Visier, eine einzelne, schenkellange Beinschiene und einem segmentierten Armschutz.
  • Murmillo. siehe auch: Gallier. Der murmillo, die Weiterentwicklung des Galliers, kämpfte ursprünglich vorwiegend gegen den hoplomachus oder gegen den Thraker. Damit sollte die Rivalität zwischen dem griechischen Osten und dem römischen Westen ausgedrückt werden. Später wurder er auch gegen den retiarius aufgeboten.
    Der murmillo trug neben seinem auffälligen Helm einen großen rechteckigen Schild (scutum) und einen Schutz am rechten Arm und Bein.

Einige der unbekannteren Gladiatorentypen waren:

  • Cruppellarius. Ein sehr schwer bewaffneter gallischer Gladiator, laut Tacitus "von Kopf bis Fuß in Eisen gehüllt".
  • Dimachaerus. Abgesehen von der Bedeutung seines Namens, die darauf hinweist, daß er mit zwei Schwertern kämpfte, ist nichts von ihm bekannt.
  • Laquerarius. Sein Name scheint vom lateinischen Wort laqueus "Schlinge" abgeleitet zu sein. Das könnte darauf hindeuten, daß er ähnlich wie ein retiarius kämpfte, bloß mit einem Seil statt eines Netzes.
  • Sagittarius. Ein Bogenschütze, wahrscheinlich war er an Tierhetzen beteiligt.
  • Essedarius. Ein Wagenlenker, der vermutlich den britannischen Kriegern nachempfunden war. Jene standen laut Beschreibungen von Caesar auf den Jochstangen ihrer Wagen während sie in den Kampf stürmten und sprangen von dort ab um zu Fuß weiterzukämpfen.

Ausbildung

Gladiatoren wurden unter strengster Abschirmung von der Außenwelt in eigenen Schulen ausgebildet. Sie unterlagen einer ständigen gesundheitlichen Kontrolle. Die vier größten Schulen gab es in Rom: den Ludus Magnus, den Ludus Dacicus, den Ludus Matutinus und den Ludus Gallicus. Doch auch viele der größeren Städte unterhielten eigene Ludi, u.a. in Capua, Pompeji und Ravenna. Damit wollten sie vor allem in Konkurrenz zu den freien Lanisti treten, die ihre Gladiatoren zu horrenden Summen bei Spielen der Städte auftreten ließen.

Die Schule in Pompeji offenbarte uns einen quadratischen Platz mit einer Seitenlänge von etwa 50 m und kleine 3 x 4 m messende fensterlose Unterkünfte im Untergeschoss. Die Fechtmeister wohnten hingegen im ersten Stück des Gebäudes.

Es herrschte Zucht und Ordnung. Selbst bei kleinen Vergehen wurde der Betreffende in einen kleinen Raum gesperrt, in dem er nur liegen oder sitzen, jedoch nicht stehen konnte. Das Training selbst fand mit schwereren Waffen statt, als jene, die in der Arena verwendet wurden.

Die Einstellung der Römer zu den Kämpfen

Wenn man von Seneca absieht, so gab es in Rom kaum jemanden, der diese Spiele in ihrer ganzen Bandbreite verurteilte. Man zollte den Gladiatoren sogar Respekt für ihren Einsatz und ihren Todesmut. Viele gebildete Personen sahen in den Kämpfen eine hohe und edle Schule der Selbsterziehung, die eine körperliche Ertüchtigung fördern sollte.

Diese Ansicht stellte aber nur eine Schutzbehauptung dar, um sich weiterhin an den Kämpfen erfreuen zu können. Vielmehr zeigte sich in den Spielen die Menschenverachtung gegenüber Unfreien und Sklaven jener Zeit. Die Notwendigkeit der Brutalität des Kampfes war allen Römern Gemeingut und darum ließen sich auch die Massen zu solch Begeisterungsstürmen hinreißen.

Es ist dem sich immer weiter verbreitenden Christentum zu verdanken, dass sich die Einstellung der Bürger zu solchen Spielen im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte des Römischen Reichs geändert hat.

Kaiser Honorius erließ im Jahre 404 ein Verbot für Spiele jeglicher Art, die von einem Veranstalter gesponsert wurden.




Quellen:
Peter Connolly, Colosseum - Arena der Gladiatoren, 2005
www.info-antike.de
Marcus Junkelmann, Das Spiel mit dem Tod: so kämpften Roms Gladiatoren, 2000
Fabrizio Paolucci, Gladiatoren. Leben für Thriumph und Tod, 2007
Stephen Wisdom und Nic Fields, Gladiatoren, 2009

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