[Hortus] Plauderei von Schwager und Schwägerin

  • Curio hatte Alpina von der Taberna Medica in den Garten geführt, wo er nun zwei Gartenstühle, einen Tisch und für Alpinas Füße schnell einen Hocker herausholte. Gleichzeitig bat er Gwyn, eine Kanne Traubensaft und zwei Becher herzubringen und bot Alpina dann den Stuhl an.


    So, jetzt dich dich erstmal, leg die Füße hoch und dann genießen wir die Sonnenstrahlen.


    Curio zwinkerte ihr zu. Zwar zogen bereits einige dickere Wolken über den Himmel Himmel, die die Sonne immer wieder verdeckten, doch war es angenehm warm, sodass das Sitzen hier sehr angenehm war. Curio jedenfalls brauchte keine Decke und falls Alpina doch von den immer mal wieder vorbeiwehenden, frischen Böen zu kalt war, könnte Gwyn ihr immer noch ein Tuch zum überwerfen holen. Nun nahm auch Curio platz, als die Britin die Kanne und die beiden Becher herbeibrachte, mit leiser Stimme fragte, ob noch was gebraucht werde, und dann wieder ins Haus ging. Sie würde im Atrium warten, wo sie mit ihrer blassen Haut deutlich besser aufgehoben war, als in der Sonne. Curio goss zuerst Alpina und dann sich selbst etwas von dem Saft ein, den seine Mutter von zu Hause mitgebracht hatte und seufzte dann einmal laut auf.


    Ach so, eine Sache habe ich noch, irgendwie roch es in der Taberna grade ein bisschen... geräuchert...

  • Curio war ein Galan. Er bot ihr nicht nur einen Gartenstuhl an, sondern holte auch noch einen Hocker auf den sie ihre Füße legen konnte. Dankbar ließ sich Alpina nieder und legte die Füße hoch. Gwyn brachte Traubensaft. Dann entfernte sie sich nachdem sie sich versichert hatte, dass nichts weiter vonnöten war.
    Nachdem ihr Schwager den Saft in die Becher gegossen hatte, seufzte er. Was folgte war eine Frage oder doch eher nicht?


    "Ja, ich habe geräuchert. Es ist ein altes Hausmittelchen, das in verschiedenen medizinischen Schriften empfohlen wird. Die Theorie besagt, dass das Kind in der Gebärmutter auf Wohlgerüche reagieren und sich zu dem Duft hinbewegen würde. Ich halte nicht allzuviel davon, es ist wohl ein Aberglaube... aber weißt du, in der Not... ich wusste mir nicht mehr zu helfen, da greift man nach jedem Strohhalm..."


    Alpina wollte das Thema nicht weiter vertiefen. Sie grübelte ohnehin schon zuviel darüber nach was auf sie alles zukommen konnte. Deshalb wechselte sie schnell das Thema.


    "Runa hat mir erzählt, dass ihr nach einem... sagen wir mal so... etwas ungewöhnlich anmutendem Ritus die Hochzeitsnacht verbringen müsst..."
    Sie machte eine Pause und sah Curio forschend an. Nur zu gut erinnerte sie sich an seine hohen Moralvorstellungen. Da konnte sie sich noch nicht recht vorstellen, dass er sich leicht damit tun würde. Sie wollte Curio aber nicht zu sehr in Verlegenheit bringen und gab dem Gespräch deshalb gleich eine neue Richtung.
    "Ich hoffe nicht alle Höhepunkte der Hochzeitsfeier werden so speziell sein, oder? Auf was dürfen wir uns freuen und vor allem wie kann ich zum Gelingen des Ganzen beitragen?"

  • Also hatte sie mit der Räucherei ein weiteres "Hausmittelchen" ausprobiert, das ganz offensicht keine Wirkung gezeigt hatte. Es wurde deutlich, dass Alpina hier wohl jede Möglichkeit ergriff, damit sich das Kind endlich drehte. Curio presste die Lippen aufeinander und ging nun ebenso wie sie nicht weiter darauf ein. Ablenkung war nun angesagt, also sollte sie das Thema wählen. Was sie auch sogleich tat, jedoch traf sie damit genau eine Kerbe, die ihm noch zu schaffen machte.


    Na ja, ein "Ritual" im eigentlichen Sinne es zum Glück nicht... Allerdings ist es schon unangenehm genug, dass unsere erste gemeinsame Nacht unter Zeugen stattfinden muss. Irgendwie scheinen die Germanen ein misstrauisches Volk zu sein, wenn sie schon überprüfen müssen, dass die Ehe auch tatsächlich vollzogen wurde...


    setzte er an. Es schien im absurd, doch natürlich waren es vor allem dynastische Zweckehen... Das machte es aber in ihrem Fall auch nicht unbedingt besser.


    Runa möchte jetzt, dass ich in ein Lupanar gehe, um dort... zu üben...


    Auch das wirkte absurd aber auch daran käme er nicht vorbei. Er war derjenige, der bereits vor der Hochzeitsnaccht Erfahrungen sammeln durfte. Und Silvana hatte schon recht, wenn sie sagte, dass wenigsten einer wissen müsse, was sie dabei zu tun hatten und was sie erwartete. Sie selbst konnte das ja schlecht tun.


    Umso erleichterer war Curio aber, dass Alpina nicht weiter darauf einging. Es war schon unangenehm genug, dass er es irgendwann tun müsste, da wollte er nicht auch noch lang und breit darüber diskutieren.


    Die Trauungszeremonie findet nach germanischem Brauch im Hain der Villa Duccia statt. Da gibt es dann vieles zu sehen: Ständig muss ich irgendwas mit einem Schwert machen, so zum Beispiel Runa ihren Ehering geben, wir beide werden mit Blut besprenkelt... Halt irgendwie ungewohnt und komplett anders als unsere römisch, stark formalisierte Zeremonie.


    Er übte schon kräftig dafür, damit auch alles klappte und dennoch, er wurde jedes Mal tierisch nervös, wenn er nur daran dachte, dass er die ganzen germanischen Rituale ausführen sollten.


    Danach wird es dann wieder römisch. Der Brautlauf und das Willkommen der Braut werden nach römischer Tradition ausgeführt, auch wenn wir dabei den Ducciern ein wenig entgegenkommen und ich wieder mit dem Schwert werde hantieren müssen.


    Er überlegte dann kurz. Mit seiner Mutter hatte Curio einige Aufgaben besprochen und die zentralen Dinge sollten von Familienmitgliedern übernommen werden und Alpina gehörte jetzt ja auch dazu.


    Während des Brautlaufs ist es üblich, dem Brautpaar Fackeln aus Weißdornholz voran und Rocken und Spindel hinterher zu tragen. Lana wird wahrscheinlich entweder Rocken oder Spindel übernehmen. Möchtest du da neben ihr laufen und das andere Teil übernehmen? Runa wird sich sicher freuen, wenn du direkt hinter ihr laufen würdest.


    Sein jüngerer Bruder würde zudem die drei Fackelträger anführen, er war ja, im weitesten Sinne, auch noch ein Knabe und würde den anderen beiden dann bestens den Weg weisen können.

  • Dass Curio die germanischen Bräuche, allen voran der Vollzug der Ehe vor Zeugen, nicht so ganz schmeckten, war deutlich zu merken. Doch er unterwarf sich all den Vorgaben, die die Duccier gemacht hatten - wahre Liebe eben!
    Alpina hörte interessiert zu wie die Zeremonie ablaufen sollte. Sie hatte bislang erst einmal eine Trauung nach dem römischen Ritus miterlebt, als ihre Schwester Ilara einen römischen Kaufmann geheiratet hatte. Alpina hatte die Feier als äußerst Stimmungsvoll und vor allem den Brautlauf als besonders beeindruckend in Erinnerung. Insgeheim hätte sie auch gerne eine solche Hochzeit gehabt. Nun ja, was grämte sie sich ob solcher Kleinigkeiten, viel wichtiger war jetzt, dass sie die Geburt überlebte und das Kind auch, sonst würde weder sie noch das gemeinsame Kind jemals den klassischen Ehestand erreichen, wenn Corvinus erst aus der Legion entlassen wurde.


    Als Curio sie dann fragte, ob sie Rocken oder Spindel übernehmen würde, nickte Alpina eifrig.
    "Oh ja, gerne. Ich freue mich, wenn ich eine Rolle bei eurer Hochzeit spielen darf, schließlich bin ich auch nicht ganz unschuldig daran, dass es soweit kommt."


    Sie grinste und erinnerte sich daran, wie sie für beide Seiten Kummerkasten gespielt hatte und in der Casa Atia dem Paar überhaupt erst die Möglichkeit geboten hatte, sich ab und an zu sehen.

  • Das stimmt.


    sagte er grinsend und falls er es bislang noch nicht gesagt hatte, tat er es jetzt einfach mal, bevor er es gar nicht mehr tat.


    Ich möchte dir dafür danken, Alpina. Du hast uns so sehr geholfen, mehr als du vielleicht selber wahrgenommen hast. Nicht nur am Anfang, als vor allem mir nicht mal klar war, was es eigentlich war, was ich empfand, später, als du uns in der Casa Atia einen Treffpunkt gegeben hast und auch... in den dunklen Stunden...


    Diese waren ja nun auch noch nicht allzu lang her, aber komischerweise fast schon wieder vergessen. Dennoch war sie es, die als erstes den Zugang zu Curio gefunden hatte. Sie war halt immer da und mit dem Wissen darum, dass sie ihn nicht dazu hatte bringen wollen, die Valeria zu heiraten, war sie auch die einzige, der er uneingeschränkt vertraut hatte.


    Deswegen wirst du bestimmt auch ein Ehrengast bei der Hochzeit sein und als im Moment noch einzige Hausherrin natürlich auch Gastgeberin, wenn Runa und ich uns zur Hocheitsnacht verabschieden. Lass dir da von meiner Mutter nicht den Rang ablaufen.


    Wenn seine Mutter hier auch alles organisierte, war sie doch nur Gast im Haus. Er schätzte seine Mutter zumindest Alpina gegenüber freundlich geug ein, um ihr da nicht zu widersprechen. Bei Silvana war das noch ein anderes Thema. Seine baldige Ehefrau müsste sich wohl noch beweisen, aber das würde sie schon machen. Da war sich Curio absolut sicher.

  • Curios Dank wäre nicht nötig gewesen. Waren ihr doch Runa und er die besten Freunde, ein Helfen ihrerseits also selbstverständlich und vielleicht sogar ein wenig eigennützig. Alpina winkte also lachend ab. Als der junge Helvetier schließlich Alpina aufforderte die Hausherrin zu spielen und sich von seiner Mutter nicht den Rang ablaufen zu lassen, machte sie eine wegwerfende Handbewegung.


    "Ach Curio! Timarcha ist eine erfahrene Matrone, hat vier Kinder aufgezogen und führt einen großen Haushalt. Wer wenn nicht sie könnte besser ein solches Fest ausrichten und den Ablauf koordinieren. Ich mag deine Mutter sehr gern, Curio. Deshalb habe ich kein Problem damit, wenn sie mir diese Aufgabe zumindest teilweise abnimmt. Womöglich werde ich die Feier ohnehin nicht ausrichten, vielleicht sogar nicht einmal daran teilnehmen können. Ich gelte ja 40 Tage lang als unrein und sollte eigentlich im Wochenbett bleiben..."


    Völlig unvorstellbar für Alpina, sich so lange im Haus zu verkriechen... doch die römischen Sitten sahen es so nunmal vor. Zumal Curio und Runa kultische Aufgaben hatten. Da war ihnen der direkte Kontakt mit einer Wöchnerin eigentlich verboten...

  • Ich möchte nur, dass du dir deiner Rolle hier bewusst bist. Du bist die Lebensgefährtin von Lucius und damit Hausherrin und es wäre schön, wenn du bei der Hochzeit auch erstmals offiziell als Hausherrin auftreten würdest.


    Sie war nicht mehr Gast im Haus, wie noch in der Casa Atia, sondern Hausherrin. Dazu gehörten sowohl Recht als auch Pflichten, doch konnte man bei solch einer Feier beides schön für sich finden, während die erfahrene Timarcha als graue Emminenz die Fäden im Hintergrund ziehen könnte. Denn sie würde schon die ganzen rituellen Dinge, sowohl beim Brautzug als auch beim Willkommen der Braut übernehmen. Da war sie sicherlich auch froh, wenn sie ein bisschen Unterstützung bekäme.


    Dann aber erwähnte sie etwas, woran er gar nicht gedacht hatte.


    Oh, Mist...


    entfuhr es ihm, denn das konnte wirklich noch zu einem Problem werden. Soweit er wusste war die vierzigtägige Zeit sakrosankt und besondere Reinigungsrituale nicht zulässig. Auf seinem Gesicht erschien ein unzufriedener Ausdruck, denn Alpina würde eine große Lücke hinterlassen, wenn sie nicht kommen dürfte.


    Dann müssen wir mal hoffen, dass sich das Kleine nicht allzu viel Zeit lässt. Denn ich will definitiv nicht ohne dich feiern und ich bin mir auch sicher, dass Runa das nicht wollen würde.

  • Alpina lächelte. Curio wollte ihr die Rolle der Hausherrin zuweisen. Noch fühlte sich Alpina nicht als Herrin in der Casa Helvetia und nach dem Einzug von Runa würde sie die Rolle auch schnell wieder an die Freundin verlieren, doch sie wollte ihm die Freude machen.


    "Gut, Curio. Soweit es mir mein Zustand und dein Neffe oder deine Nichte erlauben, werde ich selbstverständlich die Rolle der Hausherrin übernehmen. Ich sollte mich dahingehend mit deiner Mutter noch über die Festvorbereitungen unterhalten. Was aber den Zeitpunkt der Geburt angeht, so habe ich da wenig Einfluss. Ich werde aber Iuno Lucina ein Opfer bringen, in der Hoffnung, dass sie mich nicht mehr allzulange warten lässt und die Geburt ohne Komplikationen über die Bühne geht. Kannst du nicht ein gutes Wort bei der Geburtsgöttin einlegen? Du bist doch der Aedituus!"


    Sie zwinkerte Curio zu.

  • Curio lächelte zurück. Da sie sich ja den Titel der Hausherrin mit Silvana teilen würde, ebenso wie Curio sich den Titel Hausherr mit seinem Bruder teilte, musste sie sich langsam darauf einlassen.


    Klink dich einfach in die Vorbereitungen ein. Mutter wird sicherlich nichts dagegen haben


    Vor allem, weil sie ja auch irgendwann abreisen würde. Dann allerdings musste er den Kopf schütteln.


    Du weißt doch, dass ich im Apollo-Tempel arbeite. Daher habe ich mit den Opfern im Capitolium nichts zu tun. Entweder gehst du Runa, die ja dort arbeitet, aber für Iuppiter zuständig ist, oder du wendest dich an Iulianus Acco, der im Iuno-Kult aktiv ist. Der kann dir sicherlich am besten helfen.


    Da musste Curio einfach die Segel streichen, einmal, weil er ja nicht im Iuno-Kult aktiv war und ja auch kaum im Capitolium war.


    Ich kann aber gerne mitkommen, wenn du möchtest. Dann müsstest du mich nur im Apollo-Tempel abholen. Und dann sprichst du am besten selbst zu ihr. Sie ist nämlich jungen Schwangeren in der Regel wohlgesonnen.

  • Also würde sie sich in die Vorbereitungen einklinken. Sie nickte. Auf ihren Wunsch bezüglich der Geburtsgöttin schüttelte er wie erwartet den Kopf. Alpina hatte es nicht anders erwartet.


    "Du musst nicht mitkommen, Curio. Ich gehe selbst zum Tempel und dann werden wir sehen, wer sich meiner annimmt. Im Zweifelsfall Iuno Lucina selbst."


    Alpina lächelte. "Kann ich noch irgendetwas für dich tun? Hast du noch etwas, das du mit mir besprechen willst? Sonst werde ich mal deine Mutter aufsuchen. Wir haben so denke ich einiges zu besprechen. Vielen Dank für deine Zuwendung. Langsam werde ich unbeweglich und ehrlich gesagt, ich kann es gar nicht erwarten, wann diese Schwangerschaft endlich zuende ist. So schnell werde ich sicherlich nicht wieder schwanger", bekräftigte sie.

  • Leider konnte er ihr dabei nicht helfen. Als einfacher Aedituus hatte er ja auch nicht unbedingt einen besseren Draht zu den Göttern, sondern war nur dazu ausgebildet, ihre Zeichen zu deuten. Silvana war es, die diesen Draht hatte, aber die hatte ja im Moment auch genug zu tun. Daher nickte er auf ihre Feststellung. Mehr konnte er leider nicht tun.


    Dann fragte sie, ob es noch etwas gäbe, da sie jetzt gerne zu seiner Mutter wollte.


    Na ja, wir helfen dir ja gerne und geben dir auch ein bisschen Zuwendung. Du gehörst ja auch mittlerweile zur Familie. Wenn du aber jetzt mit Mutter sprechen willst, nur zu. Sie ist glaube ich in ihrem Zimmer.


    Er würde wohl noch ein bisschen im Garten bleiben und am Abend stand dann noch ein Termin an.

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