Exploratio Urbis | III Flavii et multa visenda.

  • Früh am Morgen war noch ein leichter Regenschauer auf die Dächer Roms hernieder geprasselt und hatte so manches von den zahlreichen Gerüchen der Metropole aus der Luft gespült. Zum Vormittag hin hat sich das Wetter schließlich zu einem Waffenstillstand durchgerungen und so hängt lediglich noch ein leichter Hauch von Frische und Feuchtigkeit in der Luft, welche zunehmend von den übermächtigen Düften dieser immensen Ansammlung von Leben zurückerobert wird. Ein grauer, wolkenverhangener Himmel überspannt die ewige Stadt und gibt der gewaltigen Kulisse optisch eine etwas triste Nuance.


    Drei Flavier hatten sich bereits vor einiger Zeit zu einem gemeinsamen Stadtrundgang verabredet, welcher in Folge der einigermaßen stabil anmutenden Wetterlage an diesem Tage nicht sprichwörtlich ins Wasser fallen muss. Ursprünglich war diese Unternehmung bereits für einen deutlich früheren Zeitpunkt antizipiert gewesen. Doch aufgrund verschiedener Umstände gelang die Verwirklichung dieser Pläne erst einige Tage vor jener Festivität, zu welcher Gracchus Minor als der jüngste im Bunde den Abschnitt der Kindheit in seinem Leben hinter sich lassen würde.


    Kurz zuvor haben die drei offenen Sänften der jungen Männer Caius Flavius Scato, Manius Flavius Gracchus Minor und Iullus Flavius Fusus die Villa Flavia Felix verlassen und nach kurzer Wegezeit den Tempel der Gens Flavia erreicht. Dieses eindruckvolle Monument stellt den ersten Programmpunkt auf ihrer urbanen Reise dar und gestaltet maßgeblich die Bühne dieser Szene. In Begleitung der drei Männer befinden sich nebst den Trägersklaven an den Sänften einige zum Schutze abgestellte Custodes sowie die jeweiligen Leibsklaven der an den Luxus reichlichen Personals gewöhnten Herren.
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    Mit wachem, interessierten Blick späht Iullus Flavius Fusus hinaus auf die Straßen und das Leben in ihnen, als er der eindrucksvollen Architektur des Tempels ansichtig wird. "Das erscheint mir wahrlich ein würdiges Symbol der Ewigkeit Roms!" äußert er sich an die Adresse seiner beiden Begleiter. Der graue Himmel vermag seine Stimmung nicht zu trüben und so erstrahlt ein freudiges Lächeln auf seinem Antlitz. Längst dürfte seinem Umfeld klar sein, wie selbstverständlich auch und insbesondere am heutigen Tage die Sorgfalt ist, welche er hinsichtlich der Herrichtung seines Äußeren hat walten lassen. Standesgemäß trägt er nebst tunica laticlavia die toga pura des erwachsenen Mannes. Mit seinen 19 Jahren versprüht er allerdings noch viel von der Offenheit und dem Esprit, sowie häufig auch der Naivität der Jugend.


    Kaum dass seine Sänfte seitlich des Zugangs zum Tempel den Boden berührt hat, beeilt er sich diese zu verlassen. Verlangsamt wird seine Initiative durch die stoffliche Limitierung seiner Bewegungsfreiheit und die Erfordernis, dass seine längst parat stehende Sklavin Vulpes sich mit dem Rearrangement einiger verrutschter Falten befasst. Während diesem gewissermaßen erzwungenen Innehalten lässt der Flavier seinen Blick über die kunstvollen Säulen und Giebel wandern. Schließlich verharrt sein Augenmerk an dem Rundbau in der Mitte des Innenhofs. "Es kann wohl kaum ein Zufall sein, dass dieser Tempel unserem Anwesen so nahe liegt. Besucht ihr diese Stätte regelmäßig?"



    EDIT: Fehler vertuschen

  • Der geplanten Exkursion in die Urbs hatte der junge Flavius mit nicht geringer Vorfreude entgegengeblickt, da er überaus große Sympathie für seine neuen Anverwandten empfand, insbesondere zu Fusus, dessen neunzehn Lenze zwar durchaus ebenfalls eine altersbedingte Differenz zu seinen dreizehn darstellten, der indessen dennoch durch seine erquicklich frische Art und unkonventionelle Denkweise dem Knaben imponierte. Unwesentlich vermindert wirkte solche Sympathie freilich auch gegen Scato, wessen Ehrgeiz augenscheinlich ein weitaus höheres Maß erreichte denn sein Bruder, weswegen er häufig die Villa Flavia Felix hinter sich ließ, der damit allerdings dem entsprach, was Manius Minor stets als das Ideal eines Flavius präsentiert worden war und auch ihm selbst überaus erstrebenswert erschien, sodass jener, anders als sein feiger Vater, ein überaus adäquates Idol verkörpern mochte.
    Dass er dessenungeachtet gegenüber beiden über einen stets aufs Neue erstaunlichen Vorsprung an Wissen und Kenntnis der Urbs Aeterna wie auch der Familia Flavia Romae verfügte, erfreute ihn umso mehr, da dieser Umstand ihm ein Gefühl von Adoleszenz und Wertschätzung vermittelte, welches ihm seit seiner Retoure aus dem cremonesischen Exil von keiner Seite zuteil geworden war, zumal dies auch vor dem Kriege regulär Aufgabe seiner geliebten Mutter gewesen war, welche sich, wie man ihm mitteilte, nach Ravenna zurückgezogen hatte.


    Gemeinsam nun überwanden sie nun in ihren offenen Sänften, für deren Bewachung Fusus als bei der gestrigen Cena beauftragte Organisator jener Exploration eine Schar an Dienern, unter ihnen auch Patrokolos, den Manius Minor zu keiner Zeit mehr missen mochte, rekrutiert hatte, die selbstredend auch weitere Verrichtungen übernehmen konnten, um nichts an Komfort für die drei jungen Flavii missen zu lassen, die knappe Distanz zwischen der Villa Flavia und dem Templum Gentis Flaviae, einem überaus imposanten Monument in Form eines Rundtempels, welcher in einem portikusgesäumten Hofe platziert war. Nicht selten hatte der Knabe jenen Ort an der Seite seines Vaters aufgesucht, namentlich zu den Parentalia, weswegen er auf die Frage Fusus' replizierte:
    "In der Tat. Dies ist immerhin zugleich das Grabmal einiger Flavii. Beispielsweise Divus Vespasianus, Divus Titus und der Iulia Flavia. Auch an Familienfesten sind wir nicht selten hier, um unserer Ahnen zu gedenken."
    Ebenso wie die anderen entstieg er seiner Sänfte, wobei ihm sein geliebter Patrokolos assistierte. Aus der aktuellen Position war er in der Tat noch in der Lage, das sich ihnen darbietende Relief zu identifizieren, das Palmen darstellte und gemeinsam mit den davor befindlichen Statuen auf die Provincia Iudaea verwies, welche seine Ahnen seinerzeit unterworfen hatten. Deplorablerweise würde er indessen niemals mehr die Kapazität besitzen, jene Darstellungen von Nahem zu inspizieren, sodass er wenig Neigung empfand, das Heiligtum zu betreten.

  • Scato saß in seiner Sänfte und verfolgte das Gespräch seiner beiden Verwandten zunächst schweigend, erst als Manius Minor seinen Satz beendet hatte, ergriff auch Scato das Wort, "Nun Fusus, Manius Minor trifft es wie immer auf den Punkt, auch wenn ich zu meinem bedauern nicht annähernd so häufig hier bin, wie ich es gerne wäre.", Scato schob den fast durchsichtigen und auch nur am Rande der sonst offenen Sänfte ein wenig zur Seite um einen besseren Blick auf seine beiden Gefährten zu haben, "Aber es zeigt wozu es unsere Ahnen gebracht haben, und zu was auch wir uns berufen fühlen sollten nicht wahr?", fragte Scato mit einem ehrgeizigen Schimmer in den Augen, und bemerkte dann das dies auf seinen kleinen Bruder wohl etwas zu viel Druck legen würde, immerhin war er sich noch nicht über seinen Werdegang im klaren, "Jeder auf seine eigene Weise.", schob er deshalb etwas halbherzig nach und rang sich ein Grinsen ab...
    Eigentlich ein schöner Ausflug, angenehm, Scatos einzige Sorge galt seinem neuen Sklaven Angus, es war sein erster 'Ausgang', doch Lupus hätte das sicher im Griff..

  • "Werden denn auch die in jüngerer Zeit verstorbenen Flavier - oder zumndest einige von ihnen - an diesem Ort bestattet?" erkundigt Fusus sich heiter, während er ein wenig vorprescht indem er mit nun geordneter Toga sich gemächlichem Schrittes dem Rundbau zu nähern gedenkt. Kurz darauf hält er jedoch wieder inne, um die Entfernung nicht auf ein Maß zu erhöhen, welche zur Fortsetzung der Unterhaltung ein unbotmäßiges Anheben der gesprochenen Lautstärke erfordert hätte. Dabei wendet er den beiden anderen Flaviern sein Gesicht zu, um deren Verbleib zu rezipieren.


    Scato erntet ob seiner Bemerkung dabei ein schiefes Grinsen von seinem kleinen Bruder. "Ich höre deine Worte, Caius... Meine Ankunft in Rom scheint bei meinen lieben Verwandten ja einiges an Erwartungen geweckt zu haben." Er schmunzelt verhalten, nimmt dies jedoch ganz offensichtlich keineswegs übel wenn es ihn auch in eine gewisse Bedrängnis bringt. Dieser gedenkt Fusus sich jedoch hier und jetzt noch nicht zu stellen. "Möchtet ihr den Tempel denn nicht auch von Innen besichtigen? Die Darbringung eines Opfers erschiene mir wohl durchaus als angemessen... allein muss ich gestehen, die Vorkehrungen dazu nicht bedacht zu haben." Er schürzt nachdenklich die Lippen. In den vergangenen Tagen waren seine Gedanken allzu sehr von den Erwartungen hinsichtlich des - von ihm schon auf Kosten von Minors Nerven so vielbesungenen - Forum Romanum beherrscht gewesen.

  • Der Knabe folgte seinem Neffen, welcher dem Tempel sich unbefangen approximierte, während neuerlich sein weiterer Neffe Scato explizierte, dass er überaus große Ambitionen hegte, weshalb ihm in den Sinn kam, dass Onkel Flaccus diesen Ort nicht nur zu Totenfesten aufgesucht hatte:
    "Onkel Flaccus hat unseren Ahnen hier auch geopfert, damit sie ihn auf dem Cursus Honorum unterstützen."
    Dieses Verhalten war überaus adäquat, handelte es sich doch nicht nur bei Divus Vespasianus und Titus, deren Cultus auch auf dem Forum Romanum erfolgte, sondern auch bei den weniger exponierten Angehörigen der damaligen kaiserlichen Familie um formidable Staatsgottheiten.
    In jenem Augenschlag rührte Patrokolos seinen Herrn sanft am Arm, um dessen Appetenz einer ihm ob seiner Fehlsicht verborgenen Unebenheit des Grundes zuzuwenden, was er verbal unterstützte:
    "Vorsicht, Fuge!"
    Sofort hielt der Knabe inne, hob seinen Fuß ein wenig höher und setzte den Weg dann auf dem Tempel zu fort, was ihm seit der Rückkehr in die Urbs gänzlich zum Usus geworden war, sodass er dem keinerlei Aufmerksamkeit mehr schenkte, sondern unbeeindruckt fortfuhr:
    "Wir könnten einen Blick hinein riskieren, allerdings haben wir wohl keinerlei adäquate Opfergaben."
    Ratsuchend blickte er zu Patrokolos, welcher einen Augenblick zu spintisieren schien, dann aber eine Geldbörse von seinem Arm löste.
    "Eine Münze, Domine?"
    Aufs Neue musste Manius Minor sich eingestehen, dass es sich bei Patrokolos wohl um seinen teuersten Besitz handelte, denn mitnichten war er nur als Lektor und Sensor überaus agreabel, sondern darüber hinaus überkamen ihn bisweilen sensationelle Geistesblitze!
    "Eine kapitale Idee!"
    , konsentierte er deshalb und ließ sich einen silbernen Denarius reichen. Eine derartig mindere Gabe war wohl auch geeignet, ohne großes Gepränge wie exakt formulierte Gebete, Flötenspiel, Ministri und dergleichen, das bei großen Staatsopfern, wie sein Vater sie zu zelebrieren pflegte, dargebracht zu werden, zumal für monetäre Opfergaben nicht selten ein Geldkasten in einigen Tempeln angebracht war.
    "Meint ihr nicht, unsere Ahnen würden sich daran erfreuen?"

  • Meine Freude hatte sich in Grenzen gehalten, als mir Lupus offeriert hatte, dass heute endlich der Tag gekommen sei, an dem ich aus diesen Gemäuern nach draußen dürfte. Wohlgemerkt nicht als freier Mann, nein, eher in der Funktion, für die ich als Sklave ursprünglich vorgesehen war –als einer der begleitenden Custodes, die ein paar Flavier, darunter auch Scato, beschützen sollten.
    Eigentlich hätte meine Freude unbeschreiblich groß sein müssen, denn eingesperrt in der Villa zu sein, war nun wirklich nicht mein Fall. Selbst Lupus, unter dessen ständiger Fuchtel ich stand, bei allem was ich tat oder nicht tat, hatte dies in ein gewisses Erstaunen versetzt.
    Die Gründe dafür konnten nur wenige kennen. Eigentlich gab es nur zwei Menschen in der Villa, die davon wissen konnten. Der eine war ich und die andere…
    Nun, ich hole wohl am besten etwas aus. Einige Tage zuvor im Speisesaal der Sklaven, hatte ich beim Essen die Chance genutzt, um mit Fusus kleiner Füchsin zu plaudern. Ich gebe offen zu, sie hat mir vom ersten Augenblick, als ich sie sah, gefallen. Dummerweise hatte ich mich bei unserer kleinen Unterhaltung zum Idioten gemacht, denn ich hatte ziemlich schnell erkennen müssen, obwohl sie auch britannische Wurzeln hatte, dass zwischen uns Welten lagen, die wohl niemals überwunden werden konnten.
    Danach hatte ich mich wie der einsamste Mensch auf Erden gefühlt, obwohl ich mich über mangelnde Gesellschaft im Servitriciium kaum hätte beklagen können. Hatte es in dem Moment, da ich sie zum ersten Mal erblickt hatte, noch so etwas, wie einen Lichtschein gegeben, so lebte ich nun forthin in Dunkelheit.


    Was nun das Ganze noch schwieriger machte, war die Tatsache, dass eben auch Vulpes an diesem ominösen Ausflug teilnehmen würde. Und das tat sie dann auch.
    Während die drei Flavier sicher in ihren Sänften saßen (wohlgemerkt drei Sänften für drei Flavier!), wurden sie von einem kleinen Heer an Sklaven begleitet. Jeder der Herren hatte sein eigenes kleines Aufgebot um sich versammelt. Einige von denen hatte ich bisher noch gar nicht gesehen. Ich selbst lief, unter Lupus ständiger Beobachtung, neben Scatos Sänfte her und hielt die Augen auf, damit sich kein Irrer, aus der nächstbesten Seitenstraße kommend, auf Scato stürzte und ihn massakrierte.


    Gelegentlich jedoch warf ich einen kurzen Blick zu Vulpes hinüber, die allerdings, voll in ihrem Element, wohl davon gar nicht mitbekam. Seufzend blieb ich stehen, als auch die Sänften vor einem Gebäude stehen blieben. Ein wenig verwirrt sah ich mich um, ob ich vielleicht etwas verpasst hatte. Aber man hielt wohl um des Gebäudes willen, wie ich aus den Gesprächsfetzen der Flavier entnehmen konnte.
    Als sie nun einer nach dem anderen aus ihren Sänften ausstiegen, hielt ich mich in Scatos unmittelbarer Nähe auf und konnte dabei nun auch das Bauwerk, bei dem es sich um einen Tempel handelte, zum ersten Mal bewundern. Nun ja, bewundern war sicher zu viel gesagt. Ich machte mir eigentlich nicht viel aus diesem römischen Zeugs. Vielmehr versuchte ich meiner Aufgabe gerecht zu werden, zum einen lenkte es mich ab, noch länger an Vulpes denken zu müssen, zum anderen konnte dies für mich eines Tages der Freifahrtschein für nach Hause sein.

  • "Formidabel! Gewiss werden sie sich daran erfreuen!", stimmt Fusus seinem Oheim zu und strahlt erfreut und erleichtert, dass sein Versäumnis zu keinen nachhaltigeren Konsequenzen geführt hat. Einladend winkt er noch einmal dem zurückhaltenderen Flavius Scato und eilt sich dann, den Anschluss zum jüngeren Gracchus nicht zu verlieren. So tänzelt der Jüngling - eingeschränkt von seiner Toga - über das Pflaster hinweg zum zentralen Rundbau und gibt beiläufig die gutgelaunte Anweisung an seine Sklavin: "Eine Münze, Vulpes. Such mir eine heraus!"


    Langsamer wird der etwas jungenhafte Mann schließlich erst, als er die Schwelle zum Inneren des Tempels erreicht und sich dort mit großen Augen staunend umblickt. Auch wenn dies nicht eines der pompösesten unter den römischen Bauwerken sein mag, so ist Fusus doch sehr empfänglich für die Atmosphäre und den erhebenden Gedanken, dass dieser Tempel mit seiner eigenen Familie und seinen eigenen Vorfahren eng verbunden sei. Unbewusst beginnt er daher zu flüstern und in leisem, ehrfürchtigem Tonfall zu sprechen: "Man stelle sich vor... Dives Vespasianus und Dives Titus... Die Erbauer des legendären Amphitheatrum Flavium... Wer wohl schon alles über diese Schwelle hier gegangen oder getragen worden sein mag..."

  • Die Sklavin eilt ihrem Herrn mit ungleich leichteren Schritten nach, zumal sie mit ihrer Tunika gegenüber der Toga des Flavius Fusus einen strategischen Vorteil besitzt. Sie wirkt kein bißchen überrascht ob dessen schnellen Tempowechseln und scheint sich längst daran gewöhnt zu haben. Am Tempelbau angelangt bleibt sie einen guten passus hinter ihm zurück.


    Ihre Tunika ist zwar im Grunde die einfache einer Sklavin, doch handelt es sich in diesem Fall um ein etwas hochwertigeres Exemplar. Sie ist geschnürt mit einer schönen, dunkelgrünen Kordel und Kragen wie Saum sind in derselben Farbe einfach gesäumt. Im Grunde handelt es sich um Kleinigkeiten, auf die ihr Herr bei seiner Sklavin jedoch großen Wert legt, da sie für ihn als ständige Begleiterin auch die Funktion eines hübschen Accessoires einnimmt. Folglich ist ihr rotes Haar säuberlich gekämmt, das Deckhaar seitlich der Schläfen jeweils zu einem dünnen Zopf geflochten und am Hinterkopf zusammengeführt.


    Den Blick hält sie brav gesenkt und beeilt sich aus dem von ihr verwalteten und getragenen Reisebudget eine Münze hervorzuholen. Lediglich ein prüfender Seitenblick gilt Patroklos und seinem Herrn, um den Wert der von jenem gewählten Münze zu erspähen und es ihm möglichst gleich zu tun. Damit will sie der Gefahr entgegen, dass ein zu hoher oder zu niedriger Wert einen der beiden Herren in Verlegenheit hätte bringen können.

  • Scato folgte seinen beiden Verwandten mit ein wenig Abstand, Manius Minor schritt mit dem flavischen Selbstbewusstsein voran welches auch Scato, welcher fernab der Familie aufwuchs, erst spät zu entwickeln begann, und deshalb auch nur zaghaft auf den Tempel zuging, freilich war die Zaghaftigkeit getarnt als abgeklärte Ruhe, mit welcher Scato langsam voran lief, und Angus, und Lupus ein wenig hinter sich ließ..
    "Münze!", befahl Scato mehr oder minder und streckte die Hand aus, wer auch immer ihm eine angemessene Münze gab, oder in Besitz seines Geldbeutels war, Angus oder Lupus, es war ihm recht gleichgültig solange er seinen Ahnen etwas darzubringen hatte.
    Sein Bruder faszinierte ihn auf eine gewisse Art und Weise, wie war er nur so jung geblieben und hatte seine Fähigkeit sich so derart zu Begeistern erhalten? Nicht dass diese von etwaigen Vorteil war, und Scato sich diese auch wünschte, dennoch zeugte es von einer mentalen Stärke unter dem Druck des Erbes welches sie alle drei hier verband doch recht unbekümmert zu sein..

  • Die Kürze der Beine des Knaben hatte zur Folge, dass Fusus ihn recht bald überflügelte und so als erster die Pforte des Heiligtums passierte, wobei Manius Minor ihm doch auf dem Fuße folgte, während augenscheinlich Scato eine gewisse Distanz zu wahren geneigt war, obschon sämtliche Flavii nun Münzen als potentielle Opfergaben in Händen hielten.


    Die Spekulationen des einen waren aus Remineszenzen an belehrende Worte von Gracchus Maior indessen leichtlich zu falsifizieren, was der jüngere Gracchus prompt verbalisierte, was zweifelsohne nicht unwesentlich darauf zurückzuführen war, dass er eine Kindheit in relativer Isolation verlebt hatte (zumindest im Hinblick auf Altersgenossen) und somit der Ruf eines Rabulisten ihm unbekannt war, ja er vielmehr stets Korrekturen seiner infantilen Imaginationen erfahren hatte:
    "Divus Titus und Vespasianus waren bereits in den Gefilden der Seeligen, als Domitianus diesen Tempel erbaute. Und sie waren schon eingeäschert. Und die anderen Toten waren sicherlich auch bereits verbrannt!"
    Nicht lediglich ein einziges Mal hatte der junge Flavius Bestattungen beigewohnt, sodass ihm aus Anschauung bekannt war, dass selbst in den impressiven Mausolea an den Ausfallstraßen der Urbs mitnichten Leiber, sondern lediglich Asche aufbewahrt wurde, womit kaum von "Tragen" zu sprechen war.
    "Dort sind ihre Urnen verstaut."
    , fügte er an und deutete auf zwei marmorne Platten an der Basis zweier Statuen, welche die beiden apotheisierten flavischen Kaiser symbolisierten und dabei an ihrer Seite eine eigentümliche Leerstelle ließen, wo einstmals auch das Ebenbild des Erbauers jenes Tempels aufgestellt gewesen war, welches ob der Damnatio Memoriae indessen schon kurz nach dessen Ableben entfernt worden war, obschon man munkelte, dass die Gebeine des dritten flavischen Imperators hinter einer weiteren Marmorplatte ruhten, über welcher das Ebenbild der Flavia Iulia, die opponent zu den Kaisern in etwas geringerer Größe dargestellt war.


    "Hier könnt ihr euer Opfer darbringen."
    , gab er letztlich noch zum Besten und platzierte seinen Denarius in einem bronzenen Kasten zur Rechten der Pforte, in den Passanten ihre minderen monetären Opfer ableisten konnten.




  • "Oh, das macht nichts. Das genügt mir, diesem Ort eine erhabene Bedeutung beizumessen!" entgegnet Fusus, welcher von Vulpes seine Münze ausgehändigt bekommen hat und mit dieser in seiner Hand noch einige Schritte in den Raum hinein geht, um dessen Aura und Atmosphäre in sich aufzunehmen. "Ihre Asche allein mag schon gesichtsträchtig genug sein, als dass sie diesem Tempel etwas ganz Besonderes geben."


    Andächtig betrachtet Fusus den Marmor und die aus ihm geformten und herausgebrachten Figuren. Er braucht dazu eine Weile, in der Sklaven und Anverwandte wohl oder übel auf ihn warten müssen, so sie nicht selbst den Moment in ähnlicher Form genießen. Schließlich kehrt der Flavier wieder um und zu den am Eingang wartenden zurück, um sein eigenes bescheidenes Opfer darzubringen. Mit der gebotenen Würde lässt er seinen Denarius sanft in den Opferkasten gleiten. Ein verhalten gemurmeltes "Age..." begleitet diesen Vorgang in Remniszenz an die von Fusus bislang beobachteten öffentlichen Opfer.

  • Ob all der ungezählten Male, welche Manius Minor jenen Tempel bereits besucht hatte und in Anbetracht der geringen räumlichen Ausmaße, die für eine große Nähe der Statuen und damit eine Exklusion aus dem leidlich scharfen Gesichtsfeld des Knaben sorgten, verspürte er in weitaus geringerem Ausmaße als seine Gäste jene Pietät oder zumindest künstlerische Andacht, sondern verharrte schlicht neben dem Opferkasten in Erwartung, dass die beiden jenem Ort recht bald den Rücken kehrten, um die zahlreichen weiteren und wohl weitaus impressiveren Monumente der Urbs Aeterna aufzusuchen.


    Als er dann ob der Ennuyanz der Stille und Dauer des Verharrens geneigt sich fühlte, weitere Fakten bezüglich des Bauwerkes zu rezitieren, wandte Fusus sich doch ihm zu, sodass er jenem Raum gewährte an den Opferkasten zu gelangen und das Heiligtum zu verlassen, um dann indessen, kaum dass er die Schwelle überschritten hatte, rastlos sich zu erkundigen:
    "Wo möchten wir nun hin?"




  • Zitat

    Original von Caius Flavius Scato
    Scato folgte seinen beiden Verwandten mit ein wenig Abstand, Manius Minor schritt mit dem flavischen Selbstbewusstsein voran welches auch Scato, welcher fernab der Familie aufwuchs, erst spät zu entwickeln begann, und deshalb auch nur zaghaft auf den Tempel zuging, freilich war die Zaghaftigkeit getarnt als abgeklärte Ruhe, mit welcher Scato langsam voran lief, und Angus, und Lupus ein wenig hinter sich ließ..
    "Münze!", befahl Scato mehr oder minder und streckte die Hand aus, wer auch immer ihm eine angemessene Münze gab, oder in Besitz seines Geldbeutels war, Angus oder Lupus, es war ihm recht gleichgültig solange er seinen Ahnen etwas darzubringen hatte.
    ...


    Offenbar musste dieser Tempel etwas immens Wichtiges für die drei Flavier sein, sonst hätten sie wohl kaum ein solches Tamtam darum gemacht. Aufmerksam hörte ich ihnen zu. Man konnte ja nie wissen, am Ende lernte man noch etwas, ganz nebenbei. Sie sprachen von irgendwelchen Leuten, deren Asche man hier aufbewahrte.
    Nachdem sich der Junge und Fusus sich jeweils eine Münze von ihren Sklaven hatten zustecken lassen, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Scato bemerkbar machte. Das tat er dann auch, auf die für ihn so typische Art und Weise. Da ich ihm am nächsten stand (zumindest was meine Position anging), zückte ich den Geldbeutel, den man mir anvertraut hatte und nahm irgendeine Münze heraus. Im Gegensatz zu Vulpes hatte ich meinen Blick nicht zu ihr gewandt, um den Wert der Münze zu erspähen, den sie gewählt hatte. Vielmehr erfreute ich mich an ihrem Anblick.


    Schließlich reichte ich Scato die Münze und fragte mich gleichzeitig, was die Drei denn damit genau machen wollten. Ihre Ahnen oder etwa irgendwelche Götter damit abspeisen? Mit nur einen Münze? Aber offenbar war das ausreichend. Seltsam, diese Römer!

  • Erfrischt und inspiriert durch diesen ersten, eher besinnlicheren Halt ihrer kleinen Expedition strahlt der Flavier seine beiden Verwandten gut gelaunt an. "Oh, jetzt folgt ein Programmpunkt, welcher zu diesem hier in ziemlichem Kontrast steht. Ich hatte Vulpes gebeten die Reihenfolge unserer Ziele noch hinsichtlich der günstigsten Wegezeiten zu optimieren. Daher werden wir nun der Via Nomentana weiter folgen, die Porta Sanquaris passieren und sodann nach rechts wenden für einen Besuch der Mercatus Traiani!" eröffnet Fusus nicht ohne Begeisterung, ist das Stöbern in käuflich erhältlichen Waren erlesener und exotischer Herkunft, wie er sie sich auch von jenem noch relativ neuen Marktgelände so nahe des eigentlichen Forum Romanum erwartet, doch eine von ihm sehr gerne und intensiv verfolgte Tätigkeit.


    "Auf dem Weg dorthin werden wir noch einige Tempel passieren... Doch mich zieht es heute nicht in jeden einzelnen von ihnen. - Wäre euch dies so genehm? Wenn ihr das wünscht, könnte meine Sklavin überdies noch eine kurze Erläuterung über die Mercatus Traiani vortragen. Ich will aber euch nicht langweilen, da ihr in dieser Stadt schließlich schon länger zu Hause seid und das meiste vermutlich schon zur Genüge kennt...?", bietet der Flavier an. Er selbst hatte hinsichtlich der Vorbereitung dieses Ausfluges natürlich persönlich die anzustrebenden Ziele ausgesucht. Doch mit vielen organisatorischen Details war letztlich Vulpes beauftragt gewesen und hatte ihre Ergebnisse abschließend lediglich Fusus noch vorgestellt und von diesem absegnen lassen.

  • Der Weg hinab zu den Mercati Traiani war durchaus gesäumt von Tempeln von nicht geringer Bedeutung, doch selbstredend waren diese dem jungen Flavius bestens bekannt, sodass er keinerlei Anlass erkannte, auf eine Visitation zu insistieren.


    "Doch, sie soll berichten!"
    , replizierte er dann voller Indiskretion, denn obschon er selbstredend bisweilen die Märkte besucht hatte (allerdings in höchst limitierter Zahl, denn für gewöhnlich wurden ihm sämtliche Dinge des alltäglichen Bedarfs von Sklaven direkt freihaus geliefert) und dort bisweilen von Artaxias die eine oder andere Information erhalten hatte, so erweckte es doch sein Interesse, welche Novitäten die Sklavin ihnen zu berichten haben würde. Überhaupt nahm er nun erstmalig wahrhaftig Notiz von der rouquinen Schönheit, die folgsam nicht von der Seite ihres Herrn gewichen war.
    "Stammst du aus Rom?"
    , sprach er die Dame dann direkt an, da er zu ergründen geneigt war, woher eine Dienerin derartige Informationen erlangte.




  • Ein Anflug von Überraschung ist der Sklavin anzusehen, als der Flavier so unvermittelt eine persönliche Frage an sie richtet. Sie schaut sogar kurz auf, dass ein Blick ihrer grünblauen Augen das Antlitz des Jungen streift. Rasch senkt sie den Blick jedoch wieder demütig und antwortet gehorsam und ruhig: "Nein, Herr. Ich stamme aus Baiae." Diese Information sollte für sich genommen wohl genügen, um ihre Abstammung aus der flavischen Sklavenzucht sehr nahe zu legen.


    Den eigentlichen Hintergrund der Frage ahnend, fügt Vulpes nach einer kurzen Pause eine weitergehende, ruhig intonierte Erläuterung an. "Mein Herr hatte mich beauftragt, zu den Zielen dieser Exploration jeweils die grundlegenden Informationen zu präparieren, auf dass ich sie nach Bedarf zu präsentieren im Stande bin. Mangels eigener Erfahrungen und Kenntnisse habe ich dabei auf Auskünfte anderer Sklaven der Villa Flavia Felix zurückgegriffen, sowie einige Schriften aus der hauseigenen Bibliothek zu Rate gezogen." Dass sie dann doch einen expliziten Befehl des Flavius Fusus benötigt hatte, um von dem recht eigenen Bibliothekar Mago zu den Schriften vorgelassen zu werden, ist an dieser Stelle ein für die nicht betroffenen Flavier unnötig zu erwähnendes, organisatorisches Detail. "Zuletzt habe ich auf dieser Basis vor wenigen Tagen selbst einen Proberundgang durchgeführt, um die gesammelten Daten final zu verifizieren und mit den örtlichen Gegebenheiten in Einklang zu bringen."

  • Sein Bruder hatte da tatsächlich eine recht fähige Sklavin in seinen Diensten, sicherlich war sie auch in den Augen des ein oder anderen recht ansehnlich, jedoch war Scato nicht unbedingt für den barbarischen Typ zu begeistern, nicht dass er irgendwelche Präferenzen hatte, oder sich für derlei Details interessierte, er würde ja so oder so eine Zweckehe führen, da war all dies nicht von Bedeutung, jedoch wünschte er sich einen ebenso fähigen Sklaven, doch er war nunmal hier mit Lupus, und Angus, welchen er ausdruckslos anblickte, als Fusus anbot dass seine Sklavin ein wenig was vortragen könnte..
    "Nun Fusus, vielleicht gibt es ja einiges dass du noch nicht weißt, hören wir sie uns an, man lernt ja nie aus." erklärte Scato süffisant, [I]"Wir können sie ja noch immer unterbrechen sollte es uns langweilen, oder uns der Sinn nach etwas anderem stehen.", sprach Scato zu seinem Bruder, noch bevor er bemerkte dass Manius Minor bereits mit der Frau sprach, weshalb Scato sich wieder langsam in seine Sänfte lehnte...

  • Selbstredend war dem jüngsten der anwesenden Flavii die Sklavenzucht durchaus bekannt, selbst wenn ihm wohl kaum die Bedeutung jener Begrifflichkeit gänzlich bewusst war, sodass er weiter auf die Derivation nicht einging, sondern vielmehr mit unverhüllter Anerkennung den Fleiß der Dienerin bestaunte, welche in kreativer Weise Informationen erworben hatte, die
    der Knabe einem Sklaven kaum zutraute.
    "Welch fabulöse Idee!"
    , rief er somit aus, ehe er sich neuerlich seinem Neffen Fusus zuwandte, welchen er ja, obschon Vulpes augenscheinlich die Hauptlast jenes Unternehmens getragen hatte, als Auctor all dessen primär zu beglückwünschen hatte:
    "Eine überaus gelungene Überraschung, mein lieber Iullus! Dann sag an, wohin wir uns wenden! Mein Grammaticus wird staunen, wenn ich ihm mehr zu berichten weiß, als er mich gelehrt hat... und Artaxias erst!"
    Mitnichten war zu postulieren, dass Manius Minor der Wissbegierde entbehrte, weswegen er nunmehr recht hurtig in seine Sänfte einstieg (selbstredend mit Patrokolos' Hilfe) und folgend erwartungsvoll Fusus und seine Dienerin fixierte, welche nun augenscheinlich die Führung ihres Rundganges übernommen hatten.




  • Erstaunt blinzelt Flavius Fusus, als dieser Vorschlag auf für ihn überraschend große Gegenliebe stößt. Ursprünglich hatte er diese Informationen hauptsächlich für sich selbst in Auftrag gegeben, um sich später nicht vor seinen weltgewandten und in Rom längst angekommenen Verwandten zu blamieren. Umso größer ist jedoch seine Freude, dass sich hieraus womöglich eine tatsächliche Bereicherung des Ausflugs ergeben hat. "Sehr gerne. Je größer das Publikum, desto lohnender der Vortrag." Gut gelaunt beansprucht er zuerst selbst ausschließlich die Dienste seiner Sklavin, während sie ihm zwar in die Sänfte nicht hineinhelfen muss, im Anschluss aber wieder einmal ohne explizite Aufforderung die Toga zu richten hat. Selbst im Liegen duldet Fusus es nicht auszusehen wie versehentlich dahingegeossen.


    Kurz darauf ist der nicht allzu kleine Tross wieder aufbruchsfertig und die Trägersklaven nehmen die drei Sänften auf. Während sie angehoben werden, weist der Flavier seine Sklavin an: "Beginne mit deinen Ausführungen, wann immer es dir am passendsten erscheint. Es wäre allerdings schön, wenn sie uns die Wegezeit noch ein wenig verkürzen könnten." Wie in vielen Dingen lässt er auch hier Vulpes weitgehend freie Hand bei den Details der Erledigung ihrer Aufgaben. Ein Umgang, welcher das Resultat einer bereits längerwährenden und von Vertrauen geprägten Zusammenarbeit der beiden ist.

  • Auf vieles und alle relevanten Ziele der Exploratio hat Vulpes sich vorbereitet und auch etliche der darzubringenden Fakten auswendig gelernt. Allein auf eine 'die Zeit verkürzende' Unterhaltung während des Weges hat sie in der Form nicht auf ihrem Plan gehabt und sieht sich daher zu einer kurzfristigen Improvisation gedrängt. Da sie sich im Vorfeld unter anderem anhand der flavischen Schriften auch mit literarischen Ergüssen über die Ewige Stadt befasst hat, bietet sich ihr rasch ein Auszug aus der Aeneis Vergils an. Auf den ersten Schritten des Weges ist sie daher noch mit einer kurzen Suche unter einigen auf Vorrat gehorteten Tabulae beschäftigt, von denen sie schließlich eine hervorzieht und sich in die Mitte der drei Sänften begibt, auf dass alle drei Flavier ihre Worte vernehmen können. Dann beginnt sie langsam und wohl intoniert zu rezitieren:


    "haec nemora indigenae Fauni Nymphaeque tenebant
    gensque virum truncis et duro robore nata,
    quis neque mos neque cultus erat, nec iungere tauros
    aut componere opes norant aut parcere parto,
    sed rami atque asper victu venatus alebat.
    primus ab aetherio venit Saturnus Olympo
    arma Iovis fugiens et regnis exsul ademptis.
    is genus indocile ac dispersum montibus altis
    composuit legesque dedit, Latiumque vocari
    maluit, his quoniam latuisset tutus in oris."

    Damit schlägt sie einen kleinen, vielleicht nicht von jedem der literaturverwöhnten Patrizier als glücklich empfundenen Bogen in Erinnerung an jene alten Zeiten, zu denen all diese architektonische Pracht noch nicht hier gestanden. Jedoch ist dies noch das Beste, was ihr auf die Schnelle zur Überbrückung der Zeit eingefallen ist.


    So führt es den flavischen Tross entlang der Via Nomentana zur Porta Sanquaris und hindurch, woraufhin ein gutes Stück weiter der Schwenk zur rechten Seite erfolgt und erste Blicke auf die vergleichsweise jungen Bauten der Mercatus Traiani entsendet werden können. Als deren erste Ecken und Kanten in Sichtweite geraten, leitet die Sklavin mit einem Fingerzeig willige Augen in die rechte Richtung. Die letzten passus legen sie entlang des Vicus Laci Fundani zurück und vermögen so die seitliche Ansicht - Bezug Vulpes' folgender, nicht länger poetischer Worte - soweit unverbaut zu erahnen oder zu erblicken.
    "Aus diesem Blickwinkel lässt sich das Besondere an der Anlage der Mercatus Traiani erkennen oder zumindest erahnen. Direkt im Felsen erbaut ist die Fülle des Quirinals an dieser Stelle stufenweise abgetragen worden, um die Räumlichkeiten zugleich als ein komplexes System über mehrere Ebenen in den Einschnitt zu integrieren und ferner gleich einer Staumauer die Landmasse des Hanges ähnlich den Fluten eine Flusses zu stauen und zu stützen."


    Während sie weiter voranschreiten und sich dem Vorplatz gemächlich annähern, wandern die wachen Augen der Sklavin aufmerksam über die sich bietende Szenerie und sie erläutert knapp die bislang noch sehr kurze Historie: "Verglichen mit zahlreichen, ungleich geschichtsträchtigeren Gemäuern der Ewigen Stadt, handelt es sich bei diesem um ein noch recht junges Bauwerk. Erbaut unter der Herrschaft des Marcus Ulpius Traianus nach Entwürfen des griechischen Architekten Apollodor von Damaskus wurde es zuletzt nach langen Renovierungsarbeiten ANTE DIEM VIII KAL OCT DCCCLIII A.U.C wieder eröffnet und bildet seither einen wichtigen Knotenpunkt römischen Handels und Gastronomie."


    In das Blickfeld der Flavier und ihrer Begleiter schiebt sich indes das optisch dominierende Halbrund, welche den um diese Tageszeit überaus belebten Vorplatz der Märkte und die auf der anderen Straßenseite gegenüberliegenden, nordöstlichen Exedra des Trajanforums einfasst. Für die drei Sänften wird das Vorankommen durch die rege Menschenmenge zunehmend beschwerlicher und immer wieder ist es an den Leibwächtern nicht nur zu schützen, sondern auch einen Weg zu bahnen.
    "Doch auch zu anderem Nutzen befinden sich hier Räumlichkeiten. So wird die Nähe zu den Bibliotheken des Trajanforums genutzt, um in zwei hier und hier..." Vulpes deutet nacheinander auf die Bereiche neben den Eingängen, seitlich der Marktfassade. "...befindlichen Sälen vermutlich Unterricht zu erteilen und Vorträge zu halten."


    Schließlich erreichen sie einen Punkt, von dem aus das Innere des Halbrundes endlich einsehbar wird und sich im unteren Stockwerk elf kleine Ladengeschäfte offenbaren, über denen wiederum ein überwölbter, mit Rundbogenfenstern durchbrochener Gang mit zehn weiteren anliegenden Läden verläuft. Die dritte Etage beherbergt hingegen eine Terasse, durchmessen von der Via Biberatica, welche wiederum beidseitig von Geschäften flankiert wird. Das dahinterliegende Zentrum mit weiteren Sälen und Geschäftsräumen ist von der Straße aus für die Flavier vorerst nicht einsehbar.
    "Die übrigen Bereiche des Bauwerks sind - wie auch hier in vorderster Lage gut einsehbar - vorwiegend verschiedensten Geschäftsleuten vorbehalten. Lediglich im Zentrum der Märkte befinden sich noch umfängliche Räumlichkeiten zur Einlagerung staatlichen Getreides, sowie ein Verwaltungstrakt." Vulpes pausiert nun kurz und wendet sich den haltmachenden Sänften zu. "Sofern den Herrschaften der Sinn nach der einen oder anderen spezifischen Besorgung steht, verfüge ich über einige Empfehlungen akzeptabler Handelsgeschäfte. Im Übrigen gilt Euch, werte Herren, und ebenso Euren Begleitern der ausdrückliche Hinweis, dass an diesem Ort besondere Acht auf das eigene Hab und Gut zu geben sei."
    Eine Empfehlung, die sie sehr eindringlich von anderen Sklaven der Villa Flavia Felix erhalten hatte, da trotz der Nähe zur Machtzentrale des Imperiums hier viele Taschendiebe ihr Unwesen treiben. Damit beendet Vulpes vorerst ihren letztlich gar nicht allzu langen Vortrag und wartet geduldig auf Fragen oder neue Anweisungen.


    Sim-Off:

    Früher bewohnten den Wald einheimische Faunen und Nymphen
    Und ein Geschlecht, Baumstümpfen und knorrigen Eichen entsprossen,
    Menschen, die Sitt' und Zucht nicht kannten, nicht Stiere zu schirren,
    Gut zu erwerben und klug das Erworbne zu sparen verstanden,
    Welche der Baumzweig nur und die Jagd mühselig ernährte.
    Da vom aitherischen Sitz des Olympos nahte Saturn sich,
    Als er, der Herrschaft entsetzt und verbannt vor den Waffen des Zeus, floh.
    Der hat dem wilden Geschlecht, das zerstreut durch die hohen Gebirge
    Lebte, Gesetze verliehn und Einheit. Er nannte "Versteckland"
    - Latium - dieses Gebiet, da er hier sich in sicherm Versteck hielt.

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