• Trimalchio nahm sein Lieblingswerk, "liber de excellentibus ducibus exterarum gentium" aus dem Regal und fing an es zu lesen.


    "Themistocles


    Themistocles, Neocli filius, Atheniensis. huius vitia ineuntis adulescentiae magnis sunt emendata virtutibus, adeso ut anteferatur huic nemo, pauci pares putentur..."

  • Abends ließ ich mich auf das Bett fallen und schloss erschöpft die Augen. Schon wenige Minuten später war ich eingeschlafen und fand mich in einem weitläufigen Raum wieder. Dass er weitläufig war, konnte ich nur erahnen, denn es fiel nur durch vereinzelte Öffnungen an den Seiten Licht hinein.
    Fasziniert ging ich weiter in den Raum hinein. Meine eigenen Schritte nahm ich nicht wahr, als würde jegliches Geräusch verstummt sein.


    "Tritt näher, Pompeius Magnus!"


    Ich hörte eine unwirkliche Stimme vor mir. Doch eine unnatürliche Kraft zog mich nur noch stärker zur Quelle dieser Stimme hin, die so tief und doch melodisch klang. Warum hatte er mich Magnus genannt? Mein großer und glorreicher Vorfahre hatte so geheißen.


    "Tritt näher, Sterblicher!"


    Plötzlich erblickte ich einen gleißenden Thron, auf dem eine Gestalt saß, die in einen Mantel gehüllt war. Eine Kapuze verhinderte, dass ich einen Blick auf das Gesicht der Gestalt werfen konnte.
    Nur zwei verengte, glühende Augen stachen erschreckend hervor und blickten mich unverwandt an. Ich wusste nicht, warum ich es tat, aber ich kniete erfürchtig nieder und harrte der Dinge, die noch kommen mochten.


    "Sie wird sterben. Sie wird den feigen Weg der Selbsttötung wählen. Sie wird dich verlassen."


    Ich sah nur zu diesen beiden Augen und glaubte, zu erkennen, dass sie leuchteten, als würde der Mund darunter lächelnd. Noch immer sprach ich nicht. Wen meinte er nur? Plötzlich wurde ein Bild in meinem Kopf wachgerufen, das mich erschaudern ließ. Sie war es, ich erkannte das blonde, lange Haar und diese blauen Augen. Doch diese blauen Augen waren ausdruckslos und blickten in eine Leere, in der ich keinen Platz hatte.


    "Lass sie hinter dir. Lass alles hinter dir! Das einzige, was jetzt noch zählt, ist dein Ruhm und damit der Ruhm deiner Familie!"


    Ich nickte nur stumm und eine seltsame Gefühlsregung machte sich in mir breit. Vorfreude. Ich blickte auf und plötzlich legte die Gestalt die Hände an den Rand der Kapuze. Langsam und vor meinem Auge verschwimmend zog sie die Kapuze zurück und entblößte ihr Gesicht.


    Ich schreckte zurück und fiel hintenüber. Vor mir thronte ein Mann, den ich nur zu gut kannte. Es war wie ein Blick in den Spiegel, doch die gleißenden Katzenaugen verliehen dem Gesicht eine Stärke, wie ich sie selbst nicht hatte.


    "Und nun geh und mehre den Ruhm und die Stärke unserer Familie. Führe das Erbe deines Ahnen fort!"


    Ich lächelte nun und der Thron verschwand plötzlich vor meinen Augen. Zurück blieb nur Schwärze. Nichts war mehr dort.
    Am nächsten Morgen erwachte ich erfrischt und zu neuem Tatendrang bereit.

  • Trimalchio brachte den Brief den er beim Praefectus Classis abgeholt hatte nach Hause und übergab ihn Strabo.


    An den Quaestor Pro Praetore
    Decimus Pompeius Strabo
    vom Praefectus Classis Germanica
    Lucius Annaeus Florus


    Quaestor, ihr erwischt mich mitten in den Vorbereitungen zweier wichtiger Ereignisse. Zum Einen erwarte ich den Besuch des Legatus Augusti Pro Praetore jede Minute, zum Andern werde ich selbst in Kürze nach Roma reisen, da ich gedenke, für das Amt des Volkstribunen zu kandidieren.


    Eurem Befehl entsprechend und meiner Pflicht meinem geliebten Kaiser und dem Imperium gegenüber, verfasse ich hiermit noch einige Zeilen zum Status des mir unterstellten Bereiches der Grenzflüsse Rhenus und Danuvius, sowie über den Status der Classis Germanica, soweit ich dies zur Zeit überblicken kann, da sich die Hauptstreitmacht der Classis gerade mit der Legio IX Hispana zusammen in einem Feldzug gegen britannische Auständische befindet, welche seit Jahren unsere Konvois vor der Rhenusmündung überfallen und dem Imperium riesigen Schaden zufügen.


    Doch nun erst einmal geordnet und im Detail:
    - Status Bereich Rhenus: Die Lage am Rhenus ist seit dem Frühjahr absolut stabil und ruhig. Schiffsbetrieb und Seehandel werden ständig kontrolliert und es wurden keine nennenswerten Unregelmässigkeiten festgestellt. Lediglich ein kleiner Schmuggelring germanischer Felle wurde aufgestöbert.
    Feindbewegungen wurden bisher keine registriert.
    Die Bauarbeiten in den verschiedenen Städten entlang des Rhenus schreiten mit Hilfe der Legiones und der Classis planmässig voran.
    Die Materialkonvois treffen seit dem Einsatz gegen die Briten wieder regelmässig und unbeschadet ein.


    - Status Bereich Danuvius: Die Lage am Danuvius entspricht im Grossen und Ganzen derjenigen am Rhenus. Einzig die vom Krieg stark geschwächten und heimgesuchten Regionen Raetias leiden noch immer arg. Hilfslieferungen sind beinache wöchentlich unterwegs und auch weiterhin geplant.
    Auch hier schreiten Bauarbeiten voran. Soweit mir berichtet wurde, ohne grosse Probleme.


    - Status Einsatz gegen die Briten: Die Classis Britannica hat kurz nach Einsetzen des Tauwetters unsere Hilfe erneut angefordert, um die anhaltenden Überfälle britannischer Abtrünniger auf unsere Materialkonvois vor der Rhenusmündung zu stoppen. Grosse Teile der Classis Germanica wurden mit der Legio IX zusammen verlegt und haben die Überfälle lokalisiert und die "Piraten" angegriffen. Noch ist die Aktion nicht beendet, soll die Legio mit Hilfe der Classis doch die Nester dieser Rebellen aufspüren und so die Kovois auch wieder für längere Zeit sicher machen.


    - Status der Classis Germanica: Noch immer leidet die Classis Germanica an krasser Unterbesetzung. Die durch den Krieg versenkten oder beschädigten Schiffe konnten mittlerweile ersetzt werden, doch fehlen noch immer die Männer um diese auch wieder in Betrieb zu nehmen. Die Classis operiert momentan mit rund 3/4 ihrer Sollstärke.


    Für weitere Anfragen werde ich natürlich in Roma zur Verfügung stehen, so dies notwendig sein sollte.


    Für Kaiser und Imperium, Praefectus Classis, Lucius Annaeus Florus

  • Ismene lächelte.


    "Es ist wundervoll hier! Ich hab nicht gewusst, dass Germanien so schön ist!" sagte sie und setzte sich zu ihm aufs Bett.


    "Und das Haus ist auch wundervoll!"

  • "Solange ich bei dir sein kann, ist mir alles andere egal!" sagte sie und küsste ihn.


    "Ich liebe dich auch und es gäbe nichts schlimmeres für mich, als getrennt von dir zu sein!"

  • Ich hatte vom Markt hierher gefunden. Nette Menschen hatten mir den Weg gewiesen. Ich atmete erleichtert aus und trat ein. Im Atrium - oder zumindest dachte ich, dass es das war - blieb ich stehen und sah mich um. Ich hatte kaum etwas bei mir - ein wenig von den Sesterzen, die mir Trimalchio gegeben hatte, waren noch übrig - und stellte mich schließlich an eine der Säulen, um zu warten, bis mich jemand fand oder jemand nach Hause kam, denn das Haus schien verlassen.

  • Schweigend schlich ich durch die Straßen, gleich einem Geist. Ismene war in der Stadt beschäftigt. Sicher würde sie mein Geld wieder aufs Letzte verprassen, dachte ich lächelnd und ein warmes Gefühl machte sich breit. Liebe war es nicht, doch Verbundenheit sicher. Fast schlendernd wurde mein Gang, als ich an die süßen Stunden unserer Zweisamkeit dachte. So kam ich vor unser Domus und erblickte Trimalchios Sklavin Adara, gelehnt an eine Säule. Sicher in Erwartung von etwas. Ein Mensch, ein Zeichen.


    "Salve...", sagte ich ruhig und lächelte ihr entgegen.

  • Zitat

    Original von Adara
    Sofort straffte ich mich und blickte zu Boden.


    "Salve", antwortete ich. "Kann ich etwas für dich tun?"


    "Ja, du kannst mir nach drinnen folgen."


    Ich öffnete die Tür und geleitete sie ins Atrium.


    "Wie ist es dir unter meinem Vater bisher ergangen?"

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