Kandidatur zum Cursus Honorum [08/15] Kaeso Annaeus Modestus

  • "Es kandidiert Kaeso Annaeus Modestus für eine weitere Praetur", rief der Consul einen Kandidaten für die kommende Wahl nach vorne, der bereits in der Reihe der Praetorier saß.

  • "Patres Conscripti, meine letzte Kandidatur für den Cursus Honorum liegt einige Zeit zurück. Daher möchte ich euch noch einmal meinen Werdegang darlegen, bevor ich auf meine Kandidatur zu sprechen komme." eröffnete Modestus seine Rede, nachdem er von der Bank aufgestanden und vorgetreten war. In seiner linken Hand, war wie immer sein Gehstock. Es dürfte sich mittlerweile im Senat herumgesprochen haben, dass seine Verwundung ihm das Gehen immer noch erschwerte. Daher sah er auch keinen Sinn darin seinen Stock zu verbergen, auch wenn er diese Rede mit Mühe ohne ihn hätte halten können. Dann begann er von seinem Karriereweg zu berichten. Während er seine Blicke über die Senatoren schweifen lies, fielen ihm viele neue Gesichter auf.


    "Ich war Duumvir von Mantua, als Divus Iulianus mich in den Ordo Senatorius aufnahm, um es mir zu ermöglichen den Cursus Honorum zu beschreiten. Nach einer erfolgreichen Kandidatur ernannte mich der Senat zum Tresvir Monetalis. Als einer der drei Münzmeister des Reichs überwachte ich während meiner Amtszeit die Münzprägestätte hier in Rom und stellte die Bargeldversorgung sicher. Anschließend verbrachte ich ein Jahr als Tribunus Laticlavus bei der Legionis I Traianae Piae Fidelis unter dem Legatus Legionis Quintus Tiberius Vitamalacus. Meine Quaestur absolvierte ich als Quaestor Provincialis in Hispania. Aufgrund einer schweren Krankhat ernannte mich der damalige Proconsul Lucius Flavius Furianus zu seinem Stellvertreter. Diese zeitweilige Übertragung der Amtsgewalt wurde selbstverständlich durch den Senat bestätigt." Letzteres war durchaus eine Sache auf die Modestus stolz war und so hatte sie auch nicht aus seiner Rede herausgenommen, wie ihm sein Sekretär empfohlen hatte. Wieviele Männer konnten schon von sich behaupten proconsularische Gewalt inne gehabt zu haben, bevor sie dem Senat angehörten? Unweigerlich suchte er die Reihen der Consulare nach Lucius Flavius Furianus ab, als er über seine Zeit in Hispania redete. Der alte Flavier war einer seiner Förderer gewesen und Modestus war ihm zu Dank verpflichtet.


    "Zurück in Rom trat ich dem Collegium der Quindecimviri Sacris Faciundis bei, um auch im Hinblick auf den Pax Deorum meinen Teil zum Gemeinwohl beizutragen. Dabei war ich vor allem mit der Überwachung der ausländischen Kulte betraut und konsultierte zusammen mit dem Collegium die sybilinischen Bücher. Bald darauf wurde ich in den Senat aufgenommen und zum Aedil gewählt. Ich führte die Marktaufsicht und ging hart gegen Betrüger vor. Während meiner Amtszeit veranstaltete ich auch die ersten Naumachien seit vielen Jahren. Nachdem ich die Wahl zum Praetor gewonnen hatte, wurde ich Praetor Urbanus. Dabei widmete ich mich vor allem der Rechtspflege." Damit schloss Modestus seine Errungenschaften im Cursus Honorum vorerst ab. Die Auszeichnungen, die ihm während dieser Zeit verliehen worden waren, erwähnte er jedoch nicht. In den Reihen der Consulare entdeckte er jetzt seinen Patron, Spurius Purgitius Macer und wandte sich zu, bevor er weiter sprach. Die Unterstützung des Purgitiers hatte all das, wovon er berichtete, erst möglich gemacht. Und das würde er ihm nie vergessen.


    "Anschließend entsandte mich der verstorbene Princeps Valerianus als Legatus Augusti pro Praetore nach Germanien, wo ich den Consular Marcus Vinicius Hungaricus als Statthalter ablöste. Es folgte der Bürgerkrieg und ich denke meine Rolle darin ist allgemein bekannt. Ich wurde in der Schlacht bei Vicetia schwer verwundet und zog mich daher aus dem öffentlichen Leben zurück." Sein Bericht über die Zeit in Germanien und den darauffolgenden Bürgerkrieg hielt Modetus absichtlich kurz. Dies war immer noch ein heikles Thema, denn wo es Sieger gab, gab es auch Unterlegene. Er wollte keine alten Wunden aufreisen.


    "Nun bin ich wieder genesen und voller Tatendrang. Warum kandidiere ich für eine zweite Praetur? Ich möchte mich wieder für das Wohl des Volkes einsetzen und in meinen Augen spielen die Praetoren dabei eine wichtige Rolle. Jeder Bürger, dem ein Unrecht widerfahren ist, kann vor die Praetoren ziehen und Gerechtigkeit einfordern. Dabei ist es egal, ob es sich um einen einfachen Bürger oder ein Mitglied der Nobilitas handelt. Ich betrachte dies als einer der Grundsteine unseres Staates und als Praetor will ich dieses Prinzip auch weiterhin hoch halten. Ich will dafür Sorge tragen, dass alle Klagefälle sorgfälltig bearbeitet und gebührend verhandelt werden. Daher bitte ich euch, sprecht mir euer Vertrauen aus, wie ihr es in Vergangenheit bereits mehrmals getan habt."

  • Aufmerksam hörte er der Rede des Annaeus zu, denn dieser hatte sich mit einigen klugen Wortbeiträgen seit seiner Rückkehr hervorgetan und ebenfalls einiges dazu beigetragen, dass ihm Senat erstaunlich viel Leben herrschte. So erhob er denn auch als erster das Wort, als er seine Rede beendet hatte. "Ein beeindruckender und ehrenvoller Lebenslauf, Senator Annaeus. Dass du dich in der Schlacht bei Vicetia aufgeopfert hast, gar verwundet wurdest und damit für das Wohl des Reiches kämpftest, ehrt dich sehr. Du hälst dich sehr verdeckt, weshalb du nicht auch das Consulat anstatt eine erneute Praetur anstrebst, was dir in Anbetracht deiner Verdienste ebenfalls gut gestanden hätte. Doch ich vermute, dass du nach einer langen Zeit der Genesung diesen Schritt noch nicht gehen möchtest und das mag durchaus von Bescheidenheit und Klugheit zeugen" Das Haar in der Suppe fand der Tiberier allerdings trotzdem, doch er wollte es sich nicht verzagen auf einen gewissen Widerspruch hinzudeuten. "Nun gibt es aber genau diesbezüglich etwas, dass ich dann doch gern wissen möchte. Denn einerseits sagst du, du seiest genesen und wider voller Tatendrang, doch andererseits sehen wir dich im Senat Tag ein Tag aus am Stock gehen. Das muss an sich nichts problematisches sein und dennoch sollte der Senat hier doch deinen Gesundheitszustand genau kennen, denn es mag durchaus unangenehm sein, wenn du während des Jahres doch eine Schwäche erleidest oder gar noch an Spätfolgen deines tapferen Einsatzes im Kriege die Amtszeit überhaupt nicht zuende bringen kannst, was wir im Grunde heue schon hätten sehen können. So frage ich: Ist es vielleicht ein gutgemeinter Optimismus, der dich zurück zu einer Magistratur treibt und welcher bestimmte Verletzungen, Schmerzen und Unwohlsein vorerst vergessen lässt, die aber in Wahrheit immer noch da sind oder bist du tatsächlich in der Lage das ganze Jahr über die anstrengende Tätigkeit eines Praetors zu leisten, ohne dass dich deine Gesundheit allzu sehr plagen wird? Es wäre keine Schande, sich vor einer Magistratur noch mehr Erholungszeit zu gönnen, wenn dies denn erforderlich wäre."

  • Modestus hatte natürlich mit einer Frage zu seiner Gesundheit gerechnet. Entsprechend hatte er sich dafür auch einige Worte zurecht gelegt. "Ich weiß deine Sorge um meine Gesundheit zu schätzen, Senator Tiberius. Aber ich kann dir versichern, dass es keinen Grund für etwaige Bedenken gibt. Ich habe den Zeitpunkt meiner Rückkehr in das öffentliche Leben mit Bedacht gewählt. Außerdem verfüge ich über eine kluge Frau und erfahrene Ärzte, die stets auf mein Wohlbefinden bedacht sind. Die Arbeit eines Praetors ist nicht körperlich anstrengender als die eines aktiven Mitglieds dieser Versammlung. Und dass ich dieser Aufgabe gewachsen, bin habe ich in den letzten Monaten unter Beweis gestellt. Als Praetorius kenne ich die Arbeit, die mich erwartet, nur zu gut. Wenn ich ihr gesundheitlich nicht gewachsen wäre, dann würde ich heute nicht vor euch stehen. Wenn ihr meinem Urteil als Praetor vertrauen schenken wollt, dann vertraut auch meinem Urteil in dieser Sache." Dann wanderte sein Blick wieder durch die Reihen des Senats, falls noch andere Fragen auftauchen sollten.

  • Macer hatte zwar keine Frage, ließ sich aber trotzdem für einen kurzen Beitrag das Wort erteilen. "Ich unterstütze die Kandidatur des Annaeus Modestus und bin mir sicher, dass er seine gesundheitliche Lage zutreffend einschätzt. Ich hatte die Freude, recht kurz nach seiner Rückkehr nach Rom mit ihm zu sprechen und kann versichern, dass er seitdem eher noch vitaler geworden ist denn geschwächt durch die Stadt und die Mühen seines öffentlichen Engagements", sprach er dem Kandidaten sein Vertrauen aus, was wohl kaum verwunderlich war, war dieser doch sein Klient.

  • Lepidus zeigte sich zufrieden mit der Antwort. In der Tat war auch nicht zu erwarten, dass der Kandidat hier und heute noch einmal bedenken würde, dass es ihm vielleicht doch nicht so gut ging. Doch es war sicherlich auch für den Annaeus eine gute Möglichkeit noch einmal auf seine Fitness hinzuweisen, so dass kein Senator an diesem speziellen Punkt einen Zweifel hegen würde. Als sich dann auch noch kurz darauf Consular Purgitius für den Kandidaten aussprach, konnte er auch noch einen sehr einflussreichen Fürsprecher und Patron vorweisen, was Lepidus durchaus anerkennend registrierte und dem Annaeus als weiteres Pro auf einer gedanklichen Liste gutschrieb.

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