Auf dem Markt

  • Es war immer noch bitterkalt. Den Mantel noch fester um mich geschlungen, ging ich an diesem Morgen zum Markt. Auch wenn´s schon ein paar Jahre her war, kannte ich mich noch immer ganz gut aus. Mogontiacum war ja auch ein ganzes Stück kleiner, als Rom. Rom, wenn mir je einer gesagt hätte, dass ich mal Sehnsucht nach Rom haben könnte, den hätte ich als total verrückt gehalten! Eigentlich hatte ich ja nicht nach der Stadt Sehnsucht, sondern nach Aretas. Irgendwie musste ich ihm mitteilen, dass es mir und dem Kind gut ging und dass ich jetzt hier war. Aber einfach zur Postannahme zu Stiefeln und ´nen Brief an ´nen Sklaven abzuschicken, war nicht! Da musste ich mir echt was Besseres einfallen lassen. Und ich ließ mir auch was einfallen.
    Am Abend zuvor hatte ich meinen Brief geschrieben. Zum Glück hätte ich mein Schreibzeug noch, dass mir Ursus mal geschenkt hatte. Und ein Stück Papyrus hatte ich auch noch auftreiben können.
    Der Brief steckte nun unter meiner Tunika, wo er am Sichersten vor allzu neugierigen Nasen war. Ich hatte mir überlegt, nach einem Händler zu suchen, der demnächst wieder nach Rom reiste. Mit ein wenig gutem Willen und ein paar Sesterzen in der Tasche, nahm er den Brief dann mit und ließ ihn Aretas zukommen. Die Suche kombinierte ich gleich mit den Einkäufen, die ich machen musste. Irgendwie war Sermo das Papyrus ausgegangen. :P Er konnte gar nicht verstehen, wieso. Er hatte doch einige Bögen mitgenommen. Aber die waren einfach weg gewesen. Zufälle gab´s! Naja, ein Grund mehr, mich zum einkaufen zu schicken. Und bei der Gelegenheit konnte ich auch gleich noch ein paar andere Sachen für ihn besorgen.


    Ich streifte also über den Markt, schaute mir die Waren an, unterhielt mich mit den Händlern und ab und zu kaufte ich auch was. Durch Zufall bekam ich dann eine Unterhaltung zwischen zwei Händlern mit. Der eine sagte, er würde sich in einigen Tagen wieder auf die Reise nach Rom machen und dass er auch den Weg über Gallien nehmen würde. Ich tat so, als würde ich mich für seine Waren interessieren, hörte aber der Unterhaltung zu.
    "Suchst du was Bestimmtes, Mädchen? Kann ich dir helfen?", fragte mich der Händler nach einer Weile. Ich sah ertappt zu ihm auf und kriegte auf einmal Panik, wegen dem Brief. "Ich? Öhm..äh.. ja vielleicht." Ich war mutig genug, um den Händler zu fragen. "Ja also, ich hab ein wenig eurer Unterhaltung gelauscht und mitbekommen, dass du demnächst wieder nach Rom reist. Ich hab mich gefragt, ob du mir vielleicht einen Gefallen tun könntest." Der Händler sah mich etwas verwirrt an, nicht nur weil ich ihn belauscht hatte. "Einen Gefallen? Was denn für einen Gefallen?" Ich zog den Brief aus meiner Tunika hervor. Während ich das tat, schaute mich der Händler noch unverständlicher an. "Könntest du diesen Brief mit nach Rom nehmen und ihn bei den Tiberern abgeben?" Es dauerte zwar eine Weile, aber der Händler begann zu begreifen. Dann grinste er ganz verschmitzt. "Ist ein Liebesbriefchen, was?" Uups, jetzt wurde ich auch noch rot im Gesicht! "Ja," sagte ich mit voller Überzeugung. Der Händler sah mich an, dann den Brief und schließlich wieder mich. "Ich kann dir auch ein paar Sesterzen für deine Mühe geben." Aber der Händler lächelte nur. "Nein, lass mal stecken, Mädchen. Deinen Brief nehme ich auch so mit."
    Puhh, da fielen mir gleich mal ein paar Steine vom Herzen! Endlich gelang mir mal was! Ich gab dem Händler meinen Brief, dankte recht schön und ging dann weiter.

  • Es war schon einige Wochen her, wie viele genau konnte ich gar nicht sagen, seit ich den Brief für Aretas an einen der Händler gegeben hatte. Ich hatte keinen blassen Schimmer, ob er überhaupt angekommen war, oder ob der Händler ihn, bevor er ihn ins Feuer geschmissen hatte, gelesen und mal herzhaft darüber gelacht hatte.
    Jedes Mal wenn ich zum Markt ging, stolperte ich ´ne halbe Ewigkeit über den Markt und fror mir beinahe den Allerwertesten ab, auf der Suche nach dem besagten Händler oder irgendeinem Zeichen, was mich weiterbringen konnte.
    Aretas, das Kind, Gaia, diese dämliche Zicke, die mir zusätzlich das Leben schwer machte und nicht zuletzt Sermo, der die Krönung des Ganzen war, drückten erheblich meine Stimmung. Ach was, es machte mich schier krank, wenn ich daran dachte, wenn erst mal das Kind da war! Schlimm genug, dass es dann Sermo in die Hände fiel, dessen Eigentum es ja war und der mit ihm anstellen konnte, was er wollte. Mir war es inzwischen fast schon egal, wenn er seine Triebe an mir befriedigte. Ich ließ es jedes Mal über mich ergehen, wie ein gefühlloses Stück Holz.
    Aber mein Kind war mir nicht egal! Hätte ich doch einfach nur abhauen können! Aber mal ganz ehrlich, wie dämlich war es denn, wenn ´ne Schwangere flüchtete? Das war ziemlich dämlich! Und trotzdem kriegte ich diesen Gedanken nicht aus meinem Kopf heraus. Ich war jetzt im vierten oder fünften Monat. Wenn es mir gelang, in den nächsten Wochen zu türmen, dann konnte es noch was werden, bevor das Kind kam. Dann kam es in Freiheit! Und Sermo, der Dreckskerl konnte ihm nichts mehr anhaben!
    Wenn ich bis nach der Geburt wartete, konnte alles mögliche passieren und ich war dann vielleicht nicht in der Lage, was dagegen zu tun, weil ich dann zu geschwächt war.

  • Diese ganze Fluchtsache wuchs mir langsam über den Kopf. Denn mal ganz ehrlich, was war, wenn ich das Kind mitten in der Wildnis bekam? Und schlimmer noch, was, wenn´s Probleme dabei gab? Dann verreckten wir beide elendig, das Kind und ich. Aber wenigstens würden wir das dann in Freiheit tun. Das war der einzige Trost bei der Sache. Und überhaupt, ob ich es aus Mogontiacum schaffte, war noch ´ne ganz andere Frage! So bescheuert, wie damals Siv gewesen war, die mehr oder weniger den Wachsoldaten in die Arme gelaufen war, als sie flitzen wollte, würde ich garantiert nicht sein. Tja, da musste ich mir echt noch was einfallen lassen!
    "Hallo, junge Frau!", sprach mich plötzlich einer an. Ich drehte mich um und erblickte einen einheimischen Händler oder war´s doch ein Bauer, der sein Zeug, in diesem Fall Käse, in der Stadt verkaufte. "Ein Stück Käse gefällig? Aus eigener Produktion von glücklichen Kühen und hier aus der Gegend." Er hielt mir ein Stückchen entgegen, das ich natürlich gleich nahm. "Mhhm, lecker!" Der Käse war echt gut. "Möchtest du dir nicht auch ein Stück für zu Hause mitnehmen?" Eigentlich war der leckere Käse für Sermo viel zu schade! Aber wenigstens hatte dann der Bauer etwas davon.
    "Ja gut, ich nehm´ ein Stück. Das da!" Ich deutete auf ein kleines Stück. "Woher kommst du denn, wenn ich fragen darf?" Der Bauer nahm das Stück Käse und packte es mir ein. Ich gab ihm ein paar Münzen. "Aus der Nähe von Borbetomagus. Mein Gehöft liegt nahe der Fernstraße nach Divodurum", erklärte er. "Aha, und bist du öfters hier auf dem Markt?", fragte ich beiläufig. "Alle zwei Wochen." Das war ja echt interessant! Den Bauer merkte ich mir. Dann verabschiedete ich mich und ging weiter.


    Tja, irgendwie musste heute mein Glückstag sein, denn ein paar Passus weiter erkannte ich ein bekanntes Gesicht wieder. Der Kerl, dem ich vor Wochen meinen Brief anvertraut hatte, war auch wieder in der Stadt. Dem wollte ich doch gleich einen Besuch abstatten.
    "Salve, kennst du mich noch?" Ich hatte mich vor dem Stand des Händlers aufgebaut, der mich erst ein wenig verdutzt musterte. "Sollte ich dich kennen? Ach, Moment, ja natürlich! Der Brief!" Der Händler legte ein gutmütiges Lächeln auf, was mich zwar noch nicht völlig überzeugte. "Und? Hat er sein Ziel erreicht?", fragte ich sichtlich nervös. "Ja, hat er! Und der junge Mann hat auch geantwortet! Er hat wirklich Glück gehabt! Ein Tag, bevor ich abgereist bin, ist er zu mir gekommen. Aber den Brief müsstest du doch eigentlich schon haben. Mein Gehilfe hat ihn gestern Abend in deiner Casa abgegeben."
    Uff, das war ich aber ganz schön geplättet, als ich das hörte! Ich hatte keinen Brief bekommen und ich hatte auch nicht mitgekriegt, dass irgendjemand etwas abgegeben hatte. Mist, wenn der Brief jetzt in falsche Hände geraten war!
    "Öhm ja. Danke schön! Ich muss jetzt gehen!", sagte ich und schaute, dass ich zurück in die Casa kam.

  • Irgendwer schnarchte entsetzlich in der engen Sklavenunterkunft, so dass ich noch vor Sonnenaufgang erwachte. Leise stand ich auf und ging zum Balneum. Heute hatte ich Glück, alle schliefen noch und ich konnte es als erster benutzen. Nachdem ich mir nach einem ausführlichen Bad eine frische Tunika angezogen hatte schlich ich mich zur Küche. Ein Stück Brot von Vortag lag noch rum. Schnell tunkte ich es in den Honigtopf und holte mir meinen Umhang und das Tuch. Nun machte mich auf dem Weg zum hinteren Tor. Die Torwache stand leicht dösend an einer Mauergelehnt, so dass ich mich unbemerkt an ihr Vorbei schleichen konnte.
    Durch die noch kahlen Bäume glitzerte die gerade aufgehende Sonne durch. Obwohl es noch sehr kalt war schien es doch ein schöner Tag zu werden.
    Es waren schon einige Bauern und Händler mit ihren Karren unterwegs zur Stadt. Ich schloss mich ihnen an und war schon innerhalb kürzester Zeit in Mogontiacum angekommen.
    Zu diesem heimlichen Ausflug hatte ich mich entschlossen, weil ich es einfach satt war immer nur Puls zu essen. Ich wollte mich selber in aller Ruhe auf dem Markt umsehen, außerdem interessiert es mich was mir Germanien außer Militär noch zu bieten hatte.
    Die ersten Markstände waren schon aufgebaut und ich begann mit meinem Rundgang.

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    Trutmo


    Mitten in der Nacht war Trutmo aufgebrochen. Es war wieder Markttag in Mogontiacum. Sein Wagen war vollgeladen mit Käse und anderen Erzeugnissen, die sein Hof hergab. Mit der Zeit hatte er sich eine Stammkundschaft schaffen können, die es kaum erwarten konnte, bis er wieder einmal in der Stadt war.
    Die Zeit drängte. Er war spät dran gewesen. Seinen üblichen Platz hatte er diesmal nicht ergattern können. Den hatte sich diesmal sein Kollege ergattert, der seine Hühner, tot oder lebendig an den Mann bringen wollte. Der Marktstand war schnell aufgebaut. Trutmo war ja nicht zum ersten Mal hier. Jeder Handgriff saß. Jetzt noch schnell die Ware aufbauen und schon konnte es los gehen. Trotz der frühen Stunde waren schon einige Leute unterwegs. Um den potentiellen Kunden seine Produkte schmackhaft zu machen, schnitt er einen Käse auf, damit jeder probieren konnte, der wollte. Er selbst stibitzte sich zum Schluß auch ein Stück und kaute es zufrieden. Auf Kundschaft wartend, sah er sich um. Beobachtete, was die anderen Händler taten und freute sich über den schönen sonnigen Morgen, auch wenn es im Augenblick noch etwas frisch war.
    Nanu, war das nicht die Kleine, die vor ein paar Wochen bei ihm an Stand war? Sie war ihm aufgefallen, weil sie schwanger gewesen war. Als sie die letzten Male nicht gekommen war, hatte er sich schon gewundert, weil sie doch seinen Käse so sehr mochte. Ob sie diesmal wieder zu ihm kam?

  • Eins musste man den Bauern und Händlern hier lassen, fix waren sie. In Windeseile wuchsen die Marktstände, wie Kraut im Garten, auf dem Marktplatz hervor. Schon wieder ein Neuer Marktstand gerade vor ihm fertig geworden. Ich musste grinsen als der Bauer sich schnell, eher etwas verstohlen, ein Stück von seinem eigenen Käse in den Mund steckte und zufrieden darauf herum kaute. Ihm schien er wirklich zu schmecken. „Na schmeckst?“ Kaum hatte ich es ausgesprochen, fiel mir ein ob er mich überhaupt verstand. Bestimmt den hier liefen ja reichlich Römer rum, wie sonst sollten sie ihre Ware an den Mann oder die Frau bringen.

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    "Und wie!" antwortete Trutmo mit halbvollem Mund und grinste. Er schluckte den Rest hinunter. "Willst du auch mal probieren?" Er hielt dem jungen Mann den Teller hin, auf dem die Käsestücke lagen. "Alles aus eigener Produktion. Du magst doch Käse, oder?"
    Die junge Frau, die er gerade eben wieder gesehen hatte näherte sich seinem Stand. Sie trug immer noch ihr Bäuchlein vor sich her. Es war also nichts Schlimmes passiert, mit dem Kind oder ihr, dachte er beruhigt. "Salve! Ich hab dich lange nicht gesehen. Ich dachte schon…" Trutmo redete nicht weiter. Die junge Frau sah nicht besonders glücklich aus.


    Ich war echt überrascht, dass sich der Händler noch an mich erinnerte. "Salve!", sagte ich kurz angebunden. "Fünf unciae von dem Käse, bitte!" Den Mann, der ebenfalls am Marktstand aufhielt, beachtete ich nicht weiter. Eigentlich war ich froh gewesen, als ich den Händler endlich gefunden hatte. Diesmal stand er an einem anderen Platz, als sonst. Aber jetzt, als ich ihn endlich gefunden hatte, da war alles so.. so.. bedrückend. Mein Plan, den ich vor Wochen geschmiedet hatte, den hatte aus den Augen verloren, obwohl die Zeit drängte. Jeder Tag zählte jetzt, wenn ich dem Kind, dass in mir wuchs, ein besseres Leben bieten wollte.

  • „Danke und sicher mag ich Käse“, schon hatte ich ein Käsestück in der Hand. Zuerst roch ich daran, nicht übel dachte ich, anders als auf Kreta oder in Rom aber gut. Noch während ich davon kostete trat eine junge, schwangere Frau an den Stand. Der Händler schien sie zu kennen, denn er freute sich sichtlich sie zu sehen.
    Durch den Umgang mit Corona betrachte ich jetzt, zeitweise Frauen mit anderen Augen. Diese Frau obwohl oder weil sie schwanger war, schien unglücklich zu sein. Möglichst unauffällig musterte ich sie weiter, denn jetzt brach mein altes Vergnügen, Menschen beobachten, wieder durch. Möglichst langsam kauend blieb ich stehen, vielleicht konnte ich ja noch mehr über sie Erfahren. Manche Händler hielten von Zeit zu Zeit gerne ein Schwätzchen.

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    Trutmo


    Natürlich mochte er Käse! Und er konnte mit Stolz von seinem Käse behaupten, dass er wirklich gut war. Wohlwollend sah er dem jungen Mann zu, wie das Stückchen Käse begutachtete und es sich schließlich in den Mund steckte. "Und?", fragte Trutmo gespannt.
    Die kleine Schwangere war heute ziemlich kurz angebunden, bemerkte der Bauer. Er sah sie forschend an. Naja, er kannte sie ja kaum. Vielleicht war sie heute Morgen nur mit dem falschen Fuß aufgestanden. Außerdem gehörte es sich nicht, irgendwelche Kundinnen wegen ihrer Verfassung anzusprechen, wenn sie nicht an einem offensichtlichen Gebrechen litten. Aber die Kleine war schwanger!
    "Na, geht´s gut?", fragte er sie während er den Käse für sie richtete und mit seinem Kinn auf ihren Bauch deutete.



    Seit ich an den Käsestand gekommen war, fühlte ich mich von allen Seiten beobachtet. Und als mich der Händler dann auch noch ansprach und wissen wollte, wie´s mir ging, wäre ich beinahe panisch geworden. Am liebsten wäre ich abgehauen. "Gut!" antwortete ich mit zittriger Stimme. Das war natürlich gelogen. Mir ging´s nicht gut. Um ehrlich zu sein, ging es mir beschissen!
    Flüchtig sah ich zu dem Kerl, der sich auch am Käsestand aufhielt und Käse probierte Schnell schaute ich aber wieder in eine andere Richtung. "Was macht das?" Ich hatte nur noch einen Gedanken, Schnell bezahlen und dann weg hier!



    "Das macht dann fünf Sesterzen", antwortete Trutmo freundlich. Er hatte ihr nicht wirklich abgenommen, dass es ihr gut ging. Dafür wirkte sie viel zu angespannt.

  • "Hm" nickte ich und zeigte auf meinem Mund, während ich kaute. Ich wollte ja nicht mit vollem Munde antworten. So hatte ich Zeit mit der Antwort noch etwas zu warten. Noch immer ein Stückchen Käse auf der Hand, antworte ich dem Händer schon einmal, bevor ich den Rest des Käses in den Mund steckte und weiter kaute.
    "Nicht schlecht, wirklich nicht schlecht, anders wie der Käse von Kreta aber wie gessagt wirklich nicht schlecht."
    Meine nächste Frage hatte ich schon bereit, die sollte aber erst kommen wenn ich fertig war.
    Die Antwort von der Schwangeren nahm ich ihr nicht wirklich ab, der Händler bestimmt auch nicht. Nur was mit ihr los war wusste ich jetzt noch immer nicht. So kaute zunächst einmal weiter.

  • Hektisch kramte ich im Geldbeutel herum. Dabei zitterte ich auch noch. Verdammt! Und die Kerle starrten mich an! Ich spürte ihre Blicke in meinem Nacken.
    Na, und dann passierte es! Mir rutschte der Geldbeutel aus der Hand und mit ihm das ganze Geld, was sie überall vor und unter dem Käsestand verteilte. Ganz toll! Auf so was hatte ich gerade noch gewartet!
    Noch hektischer ging ich in die Knie und versuchte das Geld wieder aufzusammeln. Ich hätte echt heulen können! Irgendwas musste passieren, schoss es mir gerade jetzt durch den Kopf. Ich stand kurz davor, durchzudrehen. Aber was nur? Was nur?
    Es war nur eine Frage der Zeit, bis mir die Tränen über die Wangen liefen. Nicht wegen den paar Münzen… Wegen der Aussichtslosigkeit meiner Lage. Denn nichts würde sich zum Guten ändern. Erst recht nicht, wenn das Kind da war.

  • Es war eindeutig klar, mit der jungen Frau stimmte etwas nicht. Sie wirkte verstört und hektisch. Mein Urteil über ihren Zustand hatte ich noch nicht ganz abgeschlossen, da passierte es, ihr Geldbeutel rutschte ihr aus der Hand, fiel auf den Boden und der Inhalt verstreute sich an alle möglichen Stellen. So schnell ich konnte kniete ich mich hin um ihr beim einsammeln zu helfen. Dabei geschah es dann, aus versehen stieß ich mit meinem Kopf gegen ihren. Sie kniete nämlich auch schon und bemühte sich krampfhaft, schnell ihre Münzen einzusammeln. "Oh ich bitte um Entschuldigung, hoffentlich schmerzt es nicht zu sehr? Bitte lass mich dir aufhelfen, ich sammle anschließend deine Münzen ein." Während ich mich entschuldigte und ihr meine Hilfe anbot rieb ich mir den Kopf, erhob mich schnell um ihr meine Hand zu reichen.

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    Malchus Magonidas


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    Meritamun Magonidas


    Malchus schlenderte mit seiner schwangeren Frau Meritamun über den Markt von Mogontiacum. Vorgestern waren sie in der Stadt angkommen und nun das erste Mal unterwegs um sich ein wenig umzusehen.
    An diesem und jenen Stand waren sie angehalten und hatten etwas probiert. Manche Dinge bestellt und zum Domus bringen lassen manche nicht. Der Markt war gar nicht so klein doch unterschieden sich die meisten angebotenen Waren doch gehörig von denen die sie von Melita gewöhnt war. Während Meritamun schier verzweifelte und sich den Kopf zerbrach wo sie die liebgewonnenen Dinge des Alltags herbekommen sollte sah es bei ihrem Mann Malchus etwas anders aus. Er war gespannt auf die neuen Erfahrungen und machte sich im Kopf gar schon eine Liste welche Waren, die nicht vorhanden waren, sich eventuell lohnend einführen liesen.


    Während sie so ihren verschiedenen Gedanken nachgingen kamen sie an einem Stand an der intensiv nach Käse roch. Auch wenn sie schon an zwei anderen Ständen Käse gekostet hatten und bei einem etwas bestellt, hofften sie noch besseren zu finden, so dass sie diesen auch antesten wollten. Vor ihnen waren schon ein paar andere Kunden die mit dem Händler sprachen. Die kleine Gruppe schien sich nicht einig zu sein und schlußendlich brach sogar ein klein wenig Aufregung aus als einer jungen Frau fahrig ihr Geld fallen ließ.
    Erst jetzt erkannte Meritamun und Malchus das die Frau ebenfalls schwanger war und, wenn alles gut ginge, wahrscheinlich nur ein paar Wochen nach Meritamun ihr Kind bekommen würde. Meritamun wollte ihrem Mann gerade sagen sie solle der Schwangeren helfen als diese erkannte das es sich bei beiden Kunden wohl um Sklaven handelte.
    So fragte sie mit starkem Akzent (eine Mischung aus Muttersprache Ägyptisch, lange und oft gesprochenes Punisch und ungeliebtem Latein)
    "Dauert es noch lange...."

  • Pah, welche Arroganz lag da in der Stimme, die ich hinter mir hörte. Eine Frau hätte wirklich mehr Verständnis für eine Schwangere aufbringen müssen. Ohne mich umzudrehen und mir anzuschauen mit wem ich sprach, erwiderte ich: „Es dauert eben wie es dauert“. Was kümmerte mich welche Frau da gerade rum keifte. Dies waren die Frauen die ständig mein Frauenbild zerstörten und immer wieder neue Zweifel in mir aufkommen ließen, was meine Beziehung zu Corona anging. Obwohl ich genau wusste, dass diese zarte Blume sich niemals zu solch einer Äußerung hinreißen ließe. Im Augenblick interessierte mich nur wie ich dieser Frau helfen konnte außer das ich ihr meine Hand reichte, damit sie wieder hochkam. Die münzen würde ich ihr danach auch noch aufsammeln.

  • Wer auch immer diese Person da hinter mir war, jetzt reichte es mir. Ich drehte mich um und funkelte sie an. „Gerade du als Frau dürftest sehen, dass sie schwanger ist und Hilfe braucht. Möge dein Schicksal dir gewähren, dass du nie in eine solche Situation gerätst. Vielleicht wäre es aber auch für dich oder deines Gleichen einmal Lehrreich.“
    Für ihr äußeres hatte ich keinen Blick, es interessierte mich einfach nicht wer oder was sie war. Meine Aufmerksamkeit galt nun wieder der Schwangeren, der ich behilflich sein wollte.

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    Innerlich dachte Meritamun sich
    `Junge die Frau ist schwanger und nicht todkrank, außerdem ist sie jung und kräftig und noch ein paar Monate hin bis zur Niederkunft´
    Dabei strich sie sich kurz über ihren eigenen Schwangerschaftsbauch.
    `Ich muss es ja wissen bin ich doch bestimmt 4 Wochen weiter als sie´


    Äußerlich allerdings reagierte sie ganz anders darauf wie Linos sie angefahren hat. Eine Zornesfalte bildete sich auf ihrer Stirn.


    "Malchus hast du gehört wie dieser Sklave gerade mit mir geredet hat!"



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    Der angesprochen, eben noch am Nebenstand die Auslage begutachtend, kam die paar Schritte herüber.
    "Nein mein Augenstern aber ich hoffe für ihn", dabei nahm seine Stimme einen bedrohlichen Ton an, " es war nichts unhöfliches oder gar schlimmeres."


    "Oh doch er hat mich richtig angeschnauzt," gab Meritamun zurück.

  • Typisch Frau, sofort um Hilfe jammern um nur nicht einzugestehen, dass ein anderer Recht hat. Wenigstens schlug sie nicht gleich zu, wie Livineia in Rom. So wie sie sich benahm würde ihr Gemahl ihr bestimmt jeden Wunsch erfüllen, entweder weil er sie wirklich liebte oder um seine Ruhe zu haben. Für mich würde sich sicherlich beides zum Nachteil entwickeln. Mit diesen Gedanken beschäftigt, tat ich zunächst so, als wenn ich die Beiden nicht weiter beachten würde.

  • "Das kann nicht sein Dominus ich habe mich heute frisch gebadet"
    In meiner Wut über seineAussage, konnte ich mir dies nicht verkneifen.
    Ein Sklave war ich, aber dreckig bestimmt nicht. Der war genauso boniert wie seine Frau.

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