Kleochares

  • Nach einigen Tagen, in denen sich rein garnichts in Titus' Geschäft tat, konnte man doch endlich wieder neue Ware anbieten. Und was für welche! Titus rieb sich voll Vorfreude die Hände:


    "Freunde, Bürger Roms! Heute habe ich etwas ganz besonderes für euch! Den perfekten Lehrer für eure Kinder, ein weiser Berater in Wissensdingen, ein rundum beispielhaftes Wesen an Klugheit!"


    Die obligatorische Pause folgte, in der Titus darauf wartete dass das Volk sich vor seinem Stand versammelte.


    "Dieses Prachtwerk ist vielleicht keine Hilfe im Betrieb, und auch als Leibwächter kann man ihn nicht nutzen, doch bringt er ein Wissen mit dass jeden Haushalt in eine Bibliothek verwandelt, jeden Lausejungen in einen Musterschüler, jeden Kulturbanausen in einen Kenner der ausgefallendsten Epen und Gedichte! Leute, hört mir zu, für was ihr ihn auch brauchen möget, solange es mit einer Feder und Papier zu tun hat, wird er das zu eurer vollsten Zufriedenheit tun! Er spricht Latein, er spricht Griechisch und die Sprache der Ostvölker. Er kennt sich mit unserer wie mit fremder Literatur aus, er rezitiert Cicero wie er die Lehren des Archimedes kennt! Leute, Leute, dies ist eure Möglichkeit!!! Mit einem lächerlichen Startgebot von 500 Sesterzen seid ihr dabei!"


    Sim-Off:

    Auktion bis Donnerstag Abend 21 Stunden 11 Minuten und 59 Sekunden

  • Unruhig stand Kleochares auf dem Podest. Bis jetzt war es ihm erspart geblieben, auf dem Sklavenmarkt verkauft zu werden, da er zwar schon einmal verkauft worden war, jedoch nur privat vom einen Herrn zum anderen. Er wusste nicht so recht, was nun geschehen würde oder wie er sich verhalten sollte. Natürlich war er schon oft auf anderen Sklavenmärkten gewesen, aber da war man ja doch eher unbeteiligt. Was musste er tun, um an eine gute Familie zu kommen? Fröhlich lächeln? Geheimnisvoll dreinblicken? Unbeteiligt schauen oder sich in Pose werfen?
    Die ersten blieben stehen und betrachteten ihn neugierig. Er beschloss, erst einmal neutral zu schauen und wenn ihm Leute besonders interessiert erschienen und sie einigermaßen nett aussahen, ein freundliches Lächeln aufzusetzen.

  • 'Krauses Haar, krauser Sinn' hat Pedros Mutter immer gesagt. Sowohl Pedro als auch ich haben weitgehend glattes Haar, uns meinte sie damit nicht, für uns hatte sie deutlichere Kraftworte parat. 'Saubande, elendige' zum Beispiel.


    Der Sklave jedenfalls hat krauses Haar. Und einen dünnen Dandy-Schnurrbart. Paßt gut, wenn er wirklich was auf'm Kasten hat, wirkt leicht weltoffen und gleichzeitig weltfremd genug, um einen perfekten Lehrer zu mimen.


    Laas könnte ... ich verwerfe den Gedanken, Micipsa wird Laas' Lehrer sein, alle anderen verschleißt der in wenigen Tagen. Eine Hilfskraft in der Bibliothek? Na, Mago wäre verärgert und erfreut zugleich. Also neutral, wenn man das so sagen kann.


    Mal sehen, was passiert, wenn denn etwas passiert.

  • Obgleich Gracchus sein Augenmerk noch immer auf potentielle Kämpfer und Gladiatoren richtete, so zog es doch unmerklich ihn an diesem Tage in jene Ecke des Sklavenmarktes, in welcher der feinsinnige Geist über den tumben Körper triumphierte. Der eben bei Titus Tranquilius, welcher zumeist überaus brauchbare Ware bot, angepriesene Sklave, erweckte einen etwas schläfrigen Eindruck, doch was sollte auch anderes er tun, als ruhig auf seinem Podest zu stehen und sich betrachten zu lassen? Obgleich die Händler auf dem Markte stets dazu neigten, in übertriebenen Worten ihre Waren darzubieten, so mochte jenes Prachtwerk der näheren Betrachtung durchaus Wert sein, denn obwohl Gracchus' Neffe Lucanus durchaus von seinem Vetter Aquilius adäquat in das Leben Roms wurde eingeführt, so würde ein wenig mehr klassische Bildung ihm nicht schlecht zu Gesichte stehen.
    "Hat er Erfahrung in der Erziehung junger Männer?"
    Wissen allein immerhin machte aus einem Lausejungen längst keinen Musterschüler, und obgleich Gracchus nicht eben glaubte, dass Lucanus sich würde sträuben, so wollte er ebenso vermeiden, einen Fehlkauf zu tätigen, welcher letztlich nur dazu konnte verwendet werden, die Buchstaben aus dem weichen Wachs der Schreibtafeln zu kratzen. Dass sein Neffe indes ganz in der Nähe weilte, blieb Gracchus verborgen.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Was war nur los? Auf den Podesten anderer Händler gingen die Sklaven weg wie warme Buttersemmeln und er stand hier nun schon einige Zeit herum, ohne dass ein Gebot gekommen wäre.


    Erst hatte es ihn doch schon ein wenig geschmeichelt, wie ihn der Händler beschrieben hatte, aber nur sehr kurz. Schließlich würde er auch den verhunzeltsten und ältesten Sklaven in den höchsten Tönen loben, als sei er der Hauptgewinn des Tages...
    Vielleicht glaubten die Leute nicht, dass er tatsächlich so gebildet war und der Händler sie nur über den Tisch ziehen wollte? Aber dann hätten sie ja sagen können, er solle eine Kostprobe seines Könnens bieten.


    Aber jetzt, da fragte ein Mann etwas.
    Erfahrung in der Erziehung junger Männer? Aber ja! 10 lange Jahre ... als sie noch Kinder waren bis zur Volljährigkeit ... Aber laut sagte er das natürlich nicht, hatte sich der Mann doch eindeutig an den Händler gerichtet. Er seufzte nur innerlich und dachte an die guten Jahre zurück, die hinter ihm lagen...es war schließlich ein ganzes Drittel seines bisherigen Lebens.

  • "Dieser Mann hat jahrelang junge Männer bis zur Reife betreut. Daran wird er nicht scheitern, Herr.", grinste Titus zufrieden.


    Innerlich allerdings machte sich Frust breit... es würde wie immer darauf hinauslaufen dass die Leute sich überbieten wenn Titus anfängt zusammen zu packen. Verwöhntes Volk,..

  • Plötzlich fangen neben mir ein paar in einem Käfig eingesperrte Raben an zu krächzen. Irgendwer hat das volldumme Gerücht n die Welt gesetzt, wenn eine Familie keine Raben hält, würden ihre ganzen Besitzungen und sie selbst über kurz oder lang untergehen. Sehr durchsichtiger Verkaufstrick, aber vielleicht kaufe ich ein Pärchen für Aurelius Corvinus ... Jedenfalls habe ich die Stimme eines Bieters nun nicht verstanden, hat der schon ein Gebot abgegeben oder nicht? Nein, irgendwas mit "junge Männer" ... "Interessiert er sich für junge Männer?" meine Ohren werde rot, Unsinn. "Erfahrung mit jungen Männern"? Ja, das könnte es sein. Hat er jetzt oder nicht?


    Der Sklave ist offensichtlich zu verschüchtert, dann ist er für Laas keineswegs geeignet, da muß es schon richtig krachen, daß der überhaupt einen Ton mitkriegt. -.^


    "Na?" rufe ich, nachdem ich mich auf eine Kiste gestellt habe "Wie gut kennt er Plutarch, den Biographiker und Theologen?" Plutarch schreibt griechisch, macht ziemliche Mühe, aber seine theologisch-philosophischen Schriften finde ich sehr interessant.

  • Sim-Off:

    Ich konnte leider nicht antworten wegen Uni-Stress und jetzt muss ich arbeiten, sodass ich nicht mehr posten kann ... vielleicht geht das RPG länger als bis heute abend? Ich kann euch aber schon vorab versichern, dass Kleochares Plutarch ganz vorzüglich kennt ;)

  • Jene Stimme, welche von hinten her nach vorne erschallte, ein wenig herausfordernd gar, war Gracchus denn doch seit einiger Zeit bekannt, so dass er sich halb umwandte und seinen Neffen auf einer Kiste stehend sah. Er wollte gerne glauben, dass Lucanus in solcher Weise erhoben - doch keineswegs erhaben - bereits für seinen ersten Auftritt auf der Rostra übte, doch viel mehr sah der Junge aus wie ein neugieriger Gassenbursche, welcher seine Nase nicht weit genug in die Höhe konnte stecken, um jene Luft dort oben zu atmen, welche sonstig nicht für ihn vorgesehen war. Ein wenig an seiner Haltung zu feilen würde wohl vonnöten sein, denn mochte ein Mann in Flaviobriga auch wenig Gelegenheit haben, vor einer Menge in adaequater Weise sich zu präsentieren, so würde dies in Rom früher oder später für Lucanus notwendig werden - so es nach Gracchus ging eher früher denn später. Ob der angebotene Sklave indes Plutarch beherrschte, war für Gracchus nur von marginaler Bedeutung, da immerhin Lucanus jenen zu kennen schien und darob dessen Texte eventualiter vertiefen, doch nicht obligatorisch behandeln würde müssen.
    "Ich bin bereit, das Startgebot für ihn aufzuwenden,"
    bekundete er darob sein Interesse bei Titus Tranquillus.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • 'Ein Startgebot?' D Sezterzen? Wer? Ich recke meinen Kopf von dieser zweifellos günstigeren Position aus und entdecke Onkel Gracchus ... Wozu bei Minerva, braucht der einen Hauslehrer? Oder sucht er jemandem, der ihm zuhört oder ihm - in contrario - vorliest? Ich trete einen Schritt zurück und mein Kopf verschwindet wieder in der Menge - und mein rechter Fuß in der Kiste, deren Bretter offenbar morscher sind, als ich gedacht habe.


    Von wegen - nicht gedacht hab' ich. Etwas umständlich pfriemele ich meinen Fuß zwischen dem geborstenen Brett heraus, natürlich geht die Sandale dabei auf. Wenn das Onkel Gracchus sehen würde - eine höchst deplorable Situation, aus der ich da zu emergieren ... emergieren? errigieren? ... versuche.


    Wahrscheinlich hat er mich überhaupt nicht bemerkt, ganz in Gedanken versunken, was er wohl mit dem Griechen anstellen würde, stundenlanges Reizitieren irgendwelcher staubtrockener rhetorischer Übungstexte oder was auch immer Onkel Gracchus interessieren mag.


    Um Laas zu ärgern, wird der Grieche sicherlich ein zu teures Vergnügen sein, auch wenn man ihn danach freilassen könnte, wovon schlußendlich alle etwas hätten, aber gegen einen meiner Onkel zu bieten ... vielleicht, wenn ich nicht mehr mit ihnen unter einem Dach wohne. Ich gebe der Kiste einen gezielten Tritt, treuloses Ding.

  • "500 Sesterzen für den Herrn dort vorne. Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Gebot.", ratterte Titus monoton seinen Part ab, strich den Griechen von der Liste und konzentrierte sich auf das nächste Angebot.



    Sim-Off:

    Wie immer an Staatskasse II

  • Kleochares überlegte sich schnell, was er aus Plutarch am sinnvollsten rezitieren - oder vielleicht auch zusammenfassen - könnte, doch als er anhob zu sprechen, kam ihm jemand zuvor. Endlich jemand, der ihn haben wollte! Aber Startgebote besagten ja nicht viel...wahrscheinlich dachte er, dass sowieso noch mehr Gebote kommen würden...oder nicht?


    Doch bald kristallisierte sich heraus, dass niemand mehr ein Gebot abgeben würde. War er so wenig wert? Oder brauchte zur Zeit niemand jemanden wie ihn? Ein wenig enttäuscht war er schon ... doch was nützt es? Der Händler hatte vollständig das Interesse an ihm verloren und kümmerte sich um den nächsten. Was würde jetzt passieren? Sollte er hinunter zu dem Mann gehen? Auf Anweisungen warten? Das war wohl das beste...er trat einen Schritt vor und wartete, was sein neuer Besitzer zu tun gedachte.

  • Etwas war faul im Staate Rom, dessen musste ein argwöhnischer Mensch sich sicher sein, welcher soeben einen vorzüglichen Sklaven für nur fünf aurei hatte erworben, während an anderen Tagen bereits um minderwertige Ware regelrechte Schlammschlachten wurden gefochten. Indes, Gracchus war selten argwöhnisch bei solcherlei, gegenteilig, er war bisweilen äußerst arglos, und in der Tat glaubte er sich an diesem Tage regelrecht von Fortunens Glück begünstigt, was selten genug geschah, als dass er es wollte in Frage stellen. Selbst als lebender Lampenhalter - eine in besonderen Kreisen als durchaus exquisit geltende Beschäftigung für Sklaven - hätte Kleochares sich für diesen Preis gelohnt, doch so noch mehr in ihm mochte stecken, würde dies ein tatsächlicher Glücksgriff sein - und falls wider erwarten nicht, so würde sich bei den Spielen letztlich für alles Verwendung finden. Gracchus sandte seinen Sklaven Sciurus zu Titus Tranquillus, um die Formalien der Bezahlung abzuwickeln, des Sklaven nahm er sich selbst an - immerhin, ein künftiger Hauslehrer war kein einfacher Gegenstand, welcher in der Versenkung des Haushaltes würde verschwinden, sondern würde selbst als Unfreier eine gewisse Stellung einnehmen.
    "Wie ist dein Name? Erzähle mir, in welchen Häusern du zuvor dientest und worauf bei deiner Schulung Wert gelegt worden ist."
    Dass der Sklave wissen sollte, in welchem Hause er künftig seinen Dienst verrichtete und wer sein neuer Herr war, auf diesen Gedanken kam Gracchus nicht, da dies Lappalien waren, für welche üblicherweise Sciurus würde Sorge tragen, sobald er den Sklaven unter seine Obhut nahm und in jene Bereiche der Villa einführte, in welche Gracchus sich kaum je verirrte, von manchen ihm nicht einmal bewusst war, dass sie existierten.


    Sim-Off:

    Überwiesen.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Kleochares kam vom Podest herunter und beeilte sich, seinem neuen Herrn zu antworten. "Mein Name ist Kleochares. Ich bin im Hause des Mikkos, Sohn des Aristippos, aus Athen aufgewachsen und dort habe ich auch meine Ausbildung erhalten. Ich habe zuerst gelernt, Epen und Gedichte zu rezitieren, auch deren Inhalt zu verstehen, genauso mit einigen Werken der Philosophie und Redekunst..."
    Hm, und wie sollte er jetzt erklären, wie er Latein gelernt hatte und die römischen Werke studieren konnte? Schließlich konnte man es ihm falsch auslegen, dass er Fremde ausgehorcht und sich unerlaubterweise in die Bibliothek geschlichen hatte...besser man sagte sowas gar nicht erst.
    "Latein habe ich mir selbst beigebracht, ich habe ein gutes Gehör für Sprachen. Da ich Zugang zur Bibliothek meines Vaters hatte, konnte ich dort meine Literaturkenntnisse erweitern."
    Man merkte an seiner Sprache, dass er sie erstens bei gebildeten Leuten gelernt hatte und sie auch danach nicht hatte verkommen lassen.
    "Nach dem Tod meines Vaters kam ich zu einer römischen Familie, die ausgewandert war...der Hausherr war damals Marcus Cannutius Scapula. Dort habe ich deren Kinder etwa 10 Jahre lang unterrichtet, sowohl in griechischer als auch in lateinischer Literatur."

  • Ein wenig hob sich Gracchus' Braue, ganz so, als würde sie - und mit ihr er selbst - sich nicht gänzlich entscheiden können zwischen Belustigung oder Besorgnis.
    "Kleochares wie der Feldherr oder Kleochares wie der Eunuch? Du bist doch nicht etwa ein Eunuch?"
    Im Grunde genommen würde dies keinen Unterschied machen, ein Sklave brauchte seine Männlichkeit allenfalls noch zur Zucht, zudem waren Eunuchen bisweilen viel unkomplizierter, doch gerade so Kleochares etwas würde taugen, wäre es verschwendet, so er nicht in die Zuchtlinie würde eingereiht werden können. Zudem würde Gracchus die Vertuschung dieser Tatsache dem Händler übel nehmen.
    "Nun, wie dem auch sei, die Familie Cannutius ist mir tatsächlich ein Begriff, ich verbrachte meine Jugendzeit in Athen. Ist dir Cannutius Tugio bekannt? Ist nicht Scapula sein Bruder?"
    Athena, schöne Athena - Aquilius würde nicht glauben, was für ein Kleinod er an diesem Tage hatte ersteigert, obgleich Gracchus noch immer auf jenen Makel wartete, welcher den Sklaven zu solch günstigem Preise ihm hatte in die Hände fallen lassen.
    "Du wirst der Bildung meines Neffen ein wenig nachhelfen"
    , eröffnete er sodann Kleochares seine Aufgabe. Mit einem Blick über die Schulter suchte Gracchus nach Lucanus, welcher jedoch bereits von seinem hohen Fass herunter geklettert und in der Menge verschwunden war.
    "Er ist ein intelligenter, aufgeweckter, junger Mann, doch erwachsen in Flaviobriga, in der hispanischen Provinz. Es gibt dort nicht einmal eine Bibliothek, soweit ich weiß."
    Womit bereits alles zu Flaviobriga gesagt war.
    "Darob braucht er noch ein wenig Feinschliff, bevor er sich der Öffentlichkeit zum Amte stellen kann. Die Bibliothek unseres Hauses wird dir natürlich offen stehen, ebenso wie es keine Schwierigkeit sein wird, eine Kopie aus einer der öffentlichen Bibliotheken zu besorgen, so etwas fehlen sollte"

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Hm, da scheine ich doch Glück gehabt zu haben..., dachte sich Kleochares bei der Möglichkeit, einen "intelligenten, aufgeweckten, jungen Mann" unterrichten zu dürfen...bei dem Preis hätte er gut auch als Latrinenreiniger oder etwas in der Art enden können...schließlich machte man sich um einen Sklaven, der eine Menge gekostet hatte, viel mehr Sorgen.
    "Flaviobriga?", fragte er. "Den Ort habe ich, glaube ich, noch nie gehört. Aber die Athener interessieren sich insgesamt nicht so für den Westen..." Es schien eine wirklich kleine Stadt zu sein...aber das musste ja nichts bedeuten, schließlich konnte man ja nachholen, was man versäumt hatte. "Nun, aber kommen nicht auch Seneca und Lucanus von der Halbinsel? Es scheint also noch nicht alles verloren." Er erlaubte sich ein kleines Grinsen.
    Naja...vielleicht ist es doch kein so gutes Beispiel, wenn beide bei der Verschwörung vor 50 Jahren sich selber umbringen mussten...aber immerhin waren sie sehr gebildet, ist ja ihre Sache, was sie mit ihrer Bildung anfangen... Um schnell abzulenken fuhr er fort: "Tugio ist mir bekannt, ja...allerdings ist er sein Halbbruder...seine Mutter starb im Kindbett, sodass sich sein Vater eine neue Frau suchen musste. Und - weder noch. Mein Großonkel mütterlicherseits hieß Kleochares, allerdings wüsste ich, wenn er Eunuch gewesen wäre. Und ich bin es ebenfalls nicht...ich kann aber auch nicht von mir behaupten, großes taktisches Geschick zu besitzen."
    Wahrscheinlich waren beides eher rhetorische Fragen gewesen, aber man konnte nie wissen ... manche Leute wurden herrisch, wenn man sich erdreistete, ihre Fragen nicht zu beantworten. Mal sehen, was sein neuer Herr für ein Typ war.

  • Ein nachdenkliches Nicken geleitete Gracchus' ein wenig gedehnte Antwort, welche mehr an sich selbst, statt an den Sklaven gerichtet war.
    "Halbbruder, richtig, so war dies."
    Er hatte Tugio nicht sonderlich gut gekannt, nicht mehr, als man einen Menschen kennen lernte, welchen man ab und an in den Thermen oder während lokaler Festivitäten traf, doch andererseits war Athen noch mehr ein Dorf als Rom, so dass die Mitglieder gewisser Kreise sich untereinander alle irgendwie bekannt waren. Schlussendlich kräuselte erneut ein feines, sublimes Lächeln Gracchus' Lippen.
    "Nun, was nicht ist, das kann noch werden"
    , schmunzelte Gracchus auf den Namen des Sklaven bezogen. Sciurus trat nun zu seinem Herrn und es war genügend der Zeit an Kleochares vergeben.
    "Bringe ihn nach Hause und zeige ihm die Villa. Zudem setze einen Termin für morgen an, an welchem Lucanus ihn kennen lernen soll, so dieser nicht eminent wichtigeres zu tun hat."
    Ein wenig würde Gracchus noch sich auf den Märkten weiter umsehen.
    "Alle weiteren Fragen wird Sciurus dir beantworten,"
    wandte schlussendlich er sich an Kleochares, um hernach sich von ihnen abzuwenden.

    cdcopo-pontifex.png flavia.png

    IUS LIBERORUM

    PONTIFEX PRO MAGISTRO - COLLEGIUM PONTIFICUM

  • Ein gebildeter Sklave war nicht irgendein Gegenstand, selbst bei seinem Wert würde Kleochares eine etwas bessere Stellung einnehmen als die meisten anderen Sklaven der Villa Flavia, obgleich jene niemals an die von Sciurus würde heranreichen.
    "Komm mit." Ein Nicken mit dem Kinn deutete einem der anderen Sklaven, Timao, dass er Kleochares und Sciurus folgen solle, nur für den Fall, dass der Grieche nicht in Sciurus' Schatten folgen und versuchen würde, auf dem Weg zur Villa Flavia hin auszubrechen. Ehedem noch Kleochares sich überhaupt in Bewegung setzen konnte, stieß eben jener Sklave ihn bereits gegen die Schulter und forderte ihn auf, los zu gehen.


    "Dein Herr ist der Pontifex Senator Manius Flavius Gracchus, du wirst künftig in der Villa Flavia Felix zuhause sein", begann Sciurus mit seiner Einführung bereits auf dem Weg. "Du wirst tun was er sagt und du wirst tun, was ich sage, denn ich bin sein Vilicius und seine ausführende Hand. Solltest du damit ein Problem haben, so wird sich dein Quartier in die Gewölbe der Villa verlagern. Solltest du dein Heil in der Flucht suchen wollen, so wirst du eine Woche lang deine Tunika nicht auf der Haut deines Rückens tragen, sondern direkt auf dem Fleisch, bei der zweiten Flucht sind es zwei Wochen und ein eingebranntes M.F.G. auf der Schläfe, die dritte Flucht endet im Circus und du wirst dir wünschen, es wären nur drei Wochen gleicher Art. Jede Unverschämtheit gegen eine der Herrschaften des Hauses und jede Torheit im Allgemeinen wird nicht folgenlos bleiben, wobei die Folgen bereits kleiner Missgriffe in mindestens doppelter Größe auf dich zurück fallen werden."
    All dies rann in einer völlig teilnahmslosen Stimme aus Sciurus' Kehle hervor, denn gegenteilig zu den Gerüchten, welche in der Villa Flavia beheimatet waren, genoss er die Bestrafung anderer Sklaven keineswegs in lustvoller Weise und fand ebenso keinen unermesslichen Gefallen an der Qual anderer - er folgte nur seiner Aufgabe, bedingungs- und leidenschaftslos.
    "Folgst du dem, was man dir sagt, und tust du, wofür du erworben wurdest, wirst du ein gutes Leben führen, und je tauglicher du dich erweist, desto mehr Freiheit wird der Herr dir zugestehen."

  • Lucanus heißt er also, den ich unterrichten soll...komischer Zufall, dass ich gerade seinen Namensvetter erwähnt habe... Kleochares tat dies jedoch mit einem gedanklichen Schulterzucken ab und setzte sich in Bewegung, als er einen leichten Klaps gegen die Schulter erhielt.
    Bei dem Namen und der Stellung pfiff er leise durch die Zähne. Nicht schlecht...Pontifex...aus der gens Flavia...das ist wirklich nicht schlecht.


    Als Sciurus seine ganze Chose runterrasselte, musterte er ihn und zog leicht die linke Augenbraue hoch. Hm...mit dem darf ichs mir nicht verscherzen...der scheint nicht der geduldigste Mensch auf Erden zu sein..aber in der Position konnte er es sich wahrscheinlich auch nicht leisten.


    "Schon gut", sagte er, als der Sklave zuende geredet hatte, "ich bin nicht neu im Geschäft, ich hau schon nicht ab oder solche Mätzchen ... ich weiß mein Glück zu schätzen, bei euch als Lehrer gelandet zu sein. Es würde mir nix bringen, auszubüchsen...soll ich als armer Magister auf der Straße hocken und täglich mein Brot zusammensuchen müssen? Nee..."


    Während sie auf dem Weg zu seinem neuen Heim waren, schaute sich Kleochares alles genau an. Das war also Rom...

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!