Hinter dem Amphitheatrum Flavium - Eine Strasse der Tierhändler

  • Die Strasse, eigentlich mehr eine Gasse, liegt hinter dem Flavischen Theater, sogar noch hinter dem Ludus Matutinus. Hier haben sich einige Tierhändler niedergelassen, in denen sich die Ausbilder der Gladiatioren und Organistatoren der Spiele mit Tieren eindecken.
    Hier kann man Tiere aus allen Ecken des Imperiums und von über dern Grenzen des Imperiums hinweg kaufen, von Bären aus Germanien, Wölffe aus Britanien, Löwen aus Afrika und Tiger aus dem fernen Indien. Doch nicht nur grosse Raubtiere gibt es zu kaufen, sondern auch Wildtiere wie Rehe und Hirsche, aber auch exotische wie Giraffen oder Elche. Es heisst, die Händler hier sind in der Lage, jedes Tier zu besorgen, welches von einem Kunden gewünscht wird, sei es eine Schlange oder gar ein Elefant.


    Natürlich stellen die Händler vorne nur ihre besten und schönsten Tiere zur schau, doch da viel von ihrer Ware von weit her kommt, gibt es hier und vor den Toren der Stadt Stallungen und Käfiganlagen, in den die Tiere sich von den Strapazen der Reise erholen können.


    In der Gasse herrscht reges Leben, den die Tierhändler sind gute Kunden von Metzgern und Bauern, die regelmaässig Futter und Heu anliefern und unmengen von Heu müssen immer wieder entfernt werden. Dementsprechend ist die Gasse eine der schmutzigeren der Stadt, ein deutlicher Tiergerich liegt in der Luft und in das Brüllen von Löwen, mischt sich das Heuelen von Wölffen und der ängstliche Ruf von Beutetieren.


    Und in diese Gasse lenkt Tiberius Vitamalacus die Schritte der kleinen Gruppe. Er hatte es Albina versprochen, ihr an diesem Nachmittag diese Strasse zu zeigen und er hielt sich daran, auch wenn er an diesem Morgen von dem Tod seines Sohnes erfahren hatte. Die Miene des hochgewachsenen Patriziers ist so kühl und gelassen wie jeden Tag, er hat auf den Weg hierher kaum ein Wort mit Alnina, die neben ihm hergeht, gesprochen, aber auch das ist für ihn nichts ungewöhnliches.


    Die beiden Patrizier werden von zwei Männern gefolgt, zum einen ist da Verres, und wie es nicht anders sein könnte, Titus, der riessige Schatten des Tiberiers.

  • Albina hatte sich auf diesen Besuch eigentlich sehr gefreut, so hatte sie doch gehofft es wäre ein gute Ablenkung von den Dingen, die sie innerlich so aufwühlten seit dem Tag mit Verres und der Angelegenheit mit Cato.
    Doch es war anders gekommen.
    Mit großer Bestürzung hatte sie heute morgen bei dem Familientreffen erfahren,dass Quintus Sohn gestorben sei. Sie kannte ihn nicht, aber dennoch war er einer ihrer Verwandten und vor allem das Kind ihres mittlerweile so von ihr geschätzten Cousins. Sie war traurig, doch zu allem Überfluss wusste sie so recht nicht, wie sie mit der Trauer umgehen sollte. Quintus hatte bis jetzt keinerlei Reaktion darauf gezeigt und trug noch immer seine stets gefasste Maske. Doch Albina war klar, dass ein Zeitpunkt kommen würde und musste, an dem dies nicht mehr der Fall war und Quintus ebenfalls , wenn auch nur kurz trauern würde.
    Als wäre das nicht schlimm genug, so hatte ihr Cousin sich erschreckender Weise entschieden Verres als zweite Begleitung mitzunehmen. Als sie dies mitbekommen hatte huschte nur kurz ein erschrockener Blick über ihr Gesicht. Doch dann hatte sie ihre Fassung nach Außen hin wiedererlangt, während sie innerlich immer noch zum zerreißen angespannt und verwirrt war.
    Was ging gerade wohl in Verres vor, der hinter ihr herlief? Würden sie diese Zerreißprobe überstehen? Und wie konnte sie ihrem Cousin helfen? Was konnte sie zu ihm sagen? Quintus hatte nämlich , wie es bei anderen, aber nicht bei Albina, vielleicht die Regel war, bisher kaum etwas gesagt.
    So schritt sie also neben ihrem Cousin her, die vielen Interessanten Dinge auf diesem Markt kaum beachtend.


    "Quintus, " wagte sie zum ersten Mal seit heute Morgen einen zarten und vorsichtigen Vorstoß," Ich weiß, ich habe es dir vorhin schon einmal gesagt. Aber vielleicht kann ich es hier unter uns besser ausdrücken. Der Tod deines Sohnes tut mir sehr Leid. Ich bin traurig, dass ich nicht die Ehre hatte ihn kennenzulernen. Wenn er nach dir kam, so war er sicher eine große Persönlichkeit."
    Dabei sah sie ihn an und alles Mitleid der Welt stand in ihren Augen. Sie wollte ihm helfen auch wenn sie nicht wusste, ob sie das tat.
    Sie legte, wie es mittlerweile schon nicht mehr unbedingt eine ungewöhnliche Geste bei ihnen war, liebevoll ihre Hand auf seinen Arm. Vielleicht würde es ihm etwas bedeuten. Sie wollte ihm damit ihre Anteilnahme zeigen, und vor allem auch, dass sie für ihn da war. Er bedeutete ihr viel und sie trauerte mit ihm. Sie hoffte er würde das erkennen.

  • Das der Sohn von Quintus Tiberius Vitamalacus gestorben war, hatte sich unter den Sklaven schnell herum gesprochen, denn einige hatten bei dem Familientreffen die Mitglieder bedient.


    Verres hatte nicht einmal gewusst, dass Vitamalacus einen Sohn hatte und war ein wenig erstaunt, denn so viel er wusste, war Vitamalacus nicht verheiratet. Bei Gelegenheit würde er Albina mal danach fragen. Doch eigentlich beschäftigte Verres eh im Moment nur eines: Seine Albina. Wie schön war es gewesen, als er neben ihr in ihrem Bett liegen durfte und sie ihren Kopf auf seiner Brust gebettet hatte und dann irgendwann eingeschlafen war. Wie selig war er gewesen und hatte gehofft, dass er so ewig dort hätte liegen können, doch natürlich war ihm bewusst, dass er da nur von träumen konnte. Und ihm war bewusst, dass er ein ziemliches Risiko eingegangen war. Hätte ihn irgendwer gesehen, hätte dies fatale Folgen für ihn gehabt. Aber sicherlich auch für Albina ... und er mochte gar nicht daran denken. Doch es war alles unendeckt geblieben, dennoch wusste Verres, dass es auch das erst einmal einzige Mal gewesen sein würde, und dabei sehnte er sich doch so nach seiner Blume.


    Inzwischen hatte Verres auch mitbekommen, dass der Mann, der sie, Albina und Verres neulich nach dem Weg im Park gefragt hatte, ein Sklave von Vitamalacus war und nicht nur ein Bote. Auch wenn er ihm noch nicht begegnet war im Haus, so waren Verres Nerven ziemlich angespannt und mit jedem Gedanken war er bei Albina und den Konsequenzen, die auf sie beide zukommen würden, wenn dieser Cato davon erzählen würde, wen er im Park gesehen und küssen sah. Es war zum Verzweifeln. Und wie würde dieser Cato es aufnehmen, wenn er von Verres erfuhr, dass dieser auch ein Sklave von Vitamalacus war? Ein Sklave, der die Cousine seines Herren geküsst hatte und ihn anschliessen den falschen Weg gewiesen hatte? Das Cato dann auch noch die Nacht in einer dunklen Ecke verbracht hatten musste, am nächsten Tag zu spät kam und Schelte bezog, davon ahnte Verres zwar noch nichts, aber er fühlte sich alles andere als wohl.


    Und nun hatte Vitamalacus ihm auch noch gesagt, dass er bei dem Besuch des Tiermarktes mitkommen sollte, an dem auch Albina teilnahm. Die Welt war ungerecht. Natürlich konnte Verres nicht ablehnen und so waren sie schliesslich gemeinsam alle aufgebrochen: Wenigstens war dieser Cato nicht dabei, dass hätte das Fass zum Überlaufen gebracht. Dennoch war es für Verres schrecklich: Er trottete mit diesem Titus hinter Albina und Vitamalacus her und musste so tun, als wenn nichts wäre. Ständig hatte er sie sichtlich vor seinen Augen und musste den braven Sklaven spielen. Nun gut, ihm war klar, dass so etwas immer wieder passieren würde und er liess sich natürlich auch nichts anmerken. Lediglich freundlich hatte er Albina zugenickt, als sie gemeinsam das Haus verliessen. So, wie er es bei jedem getan hatte.


    Doch was auffällig war, nachdem sie alle vier die Villa verlassen hatten: Verres war sehr still. Er hätte sich ja mit Titus unterhalten können, auch wenn er ihn kaum kannte. Aber Verres sagte nichts. Stattdessen folgte er Albina und Vitamalacus schweigsam und auch wenn er Ohren und Augen offen halten musste, um die Umgebung in Augenschein zu nehmen, wanderte sein Blick immer wieder zu Albinas Rücken und auch Po und er konnte sich kaum auf die Umgebung konzentrieren.


    Für den Tiermarkt und den exotischen Tiere hatte er kaum ein Auge. Und dann sah er, wie Albina Vitamalacus ansprach. Ein wenig verstand er ihre Worte, doch als sie ihre Hand auf behutsam auf dessen Arm legte, spürte er einen kleinen Stich in seiner Brust. Nicht, dass er eifersüchtig war, schliesslich waren die beiden mit einander verwandt, aber wie gerne wäre er gerade an Vitamalacus Stelle. Er sehnte sich so sehr nach einer Berührung oder auch nur einem liebevollen Blick von Albina ...
    Stattdessen musste er hinter ihnen her trotten, als wäre nichts und seine Laune sang stetig. Doch er kämpfte auch mit sich und sagte sich immer wieder, dass dies nun einmal so sein musste. Und auch wenn er nicht der beste Schauspieler war, so versuchte er seine neue Rolle gerecht zu werden. Schliesslich schaffte es Albina auch, wofür er sie sehr bewunderte und noch mehr liebte. Dennoch fragte er sich ebenfalls, wie sie sich wohl fühlte und was in ihrem Kopf herum ging.
    Ja, die Welt war einfach ungerecht. Aber wie angespannt Verres auch war, er hatte etwas, was ihn immer wieder zurückholte auf den Boden der Tatsachen: Sie hatte ihm gesagt, dass sie ihn liebte, und nichts anderes zählte ...


    »Sag, Titus, ist dieser Cato ein neuer Sklave?« fragte er schliesslich seinen Nebenmann, während er die Umgebung im Auge behielt. Irgendwann musste Verres ja mal was sagen, und so weit er wusste, war es nicht verboten ....

  • Er hatte in seinem Leben schon viel durchgemacht, er hatte viele Menschen sterben sehen, und so hatte er es gelernt, mit seiner Trauer umzugehen. Mehr als einmal hatte er heute an jernen Tag, nein, an jene Tage, von Novas Tod denken müssen. Damals hatte er es gewusst, das es passiert war, noch bevor er davon erfahren hatte, die Mitteilung von Germanus war nur die letzte Gewissheit gewesen.


    Als er Albinas Hand auf seinen Arm spürte, blieb er unvermittelt stehen, nur ganz kurz vor einen Haufen von Tierexkrementen. Er sah zu seinen Cousine herunter, seine Hand legte sich unweigerlich auf ihre Hand auf seinem Arm. Sein Gesicht war ernst, aber denoch lag ein warmer Ausdruck in seinen Augen.


    "Ich danke dir, Albina. Ich habe gelernt, das der Tot zum Leben gehört und dort, wo Lupus nun ist, ist er an einem besseren Ort. Sicher ist es leichter, wenn der Vater vor seinem Sohn dort eintrifft, aber auch meinem Grossvater war dies verwehrt."


    Zumindest hatte Lupus ihm nicht die Schmach bereitet, wie dies sein Vater seinem Grossvater bereitet hatte.


    "Aber, ich galube, ich habe schon geahnt, das Lupus tot ist, noch bevor man mich davon unterrichtet hat. Wenn es die Götter gut mit dir meinen, bereiten dich die Götter langsam auf den Tod eines ahnen Menschen, senden dir kleine Zeichen. Es erleichtert nicht den Schmerz, aber man lernt besser damit umzugehen."


    Er sprach offen zu ihr, denn er schätzte seine kleine Cousine, vielleicht mehr als die meisten seiner Verwandten. Noch offener hatte er nur mit Helena gesprochen, ihr hatte er berichtet, wie der Tod seines Sohnes ihn berührt hatte, denn sie kannte die ganze Geschichte, die Albina nicht kannte.


    "Aber nun, lass uns dieser Gasse widmen," meinte er leicht lächelnd, und die Hand löste sich wieder von ihrer. "Wir sind hier damit du die Tiere siehst, die hier verkauft werden. Wenn du glück hast, kannst du einen Elefanten sehen."


    Er deutete auf das naheliegendste Gebäude, ein grosses Tor führt auf einen Hof, links und rechts davon sind kleine Geschäfte, in denen Käfige mit grossen Hunden sind.


    "Das dort sind nur Wachhunde, aber bei diesem Händler habe ich damals Wölffe und sogar zwei Bären erworben...."


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    Titus bleibt gelangweilt stehen, er fragt sich, warum er überhaupt mit muss, wenn Verres mitkommt. Er schweigt die ganze Zeit, er ist kein man der grossen Worte. Aber ihm entgeht auch nicht, das Verres albina nicht aus den Augen lässt, was ihn aber nicht verwundert, schenkt er der Cousine seines Tribuns immer wieder einen Blick.


    "Sie iss`n heisser Feger nich war ?" meint er zu Verres, ihn, für seine Verhältnisse, leicht anstossend. "Wenn ich dürfte, dann würd ich mich glatt mal an sie ran machen...."
    Nur die Tatsache, das sie die Cousine seines Tribuns ist, hält ihn davon ab, noch frecher zu sprechen.
    "Cato ? Das is`kein neuer Sklave, der is nur wieder zurück. Den kennt der Tribun schon länger als mich...."

  • Albina war gerührt. In diesem Moment hatte sie alles andere vergessen. Selbst das Verres hinter ihr herlief. Es war nichts ungewöhnliches mehr, dass sie Quintus Arm berührte. Doch er hatte seine Hand auf die ihre gelegt und das war etwas neues. Etwas, dass sie glücklich und traurig zugleich machte. Glücklich, dass er ihr zu trauen schien und traurig in dem Bewusstsein, dass sie ihn so hinterging. Ganz leise begannen Zweifel im Hinterkopf zu entstehen. Doch sie schenkte dem ganzen erstmal keine Beachtung.
    Sie war froh über die Berührung und die Worte ihres Cousins. So schien er den Tod seines Sohnes doch nicht zu verdrängen, sondern verarbeitete ihn nur auf seine Art und Weise. Und da ihr Cousin dann die Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenkte, wollte sie auch nicht weiter nachfragen. Sie hatte Veständnis für ihn.


    "Elefanten? Oh mein Gott. Ich habe bisher nur Beschreibungen von diesen Tieren gehört. Doch diese waren so unglaublich, dass ich sie nich ernst nehmen konnte. Sie meinten, ein Elefant könne doppelt so groß werden wie ein ausgewachsener Mann."


    Sie folgte dann dem Blick ihres Cousins und erblickte die Hunde. Ja, das waren wahrlich Wachhunde. Sie sahen groß und gefährlich aus und Albina erschauerte leicht bei ihrem Anblick.
    "Ich glaube sie werden ihrer Aufgabe sicher gerecht. Sie sehen fürchterlich abschreckend aus. Alleine schon die Zähne.Nein, das möchte ich mir garnicht vorstellen..." erneut schauderte sie leicht.


    Sie mochte Tiere eigentlich sehr. Doch solch große und gefährliche Tiere machten ihr ein wenig Angst. Vor allem, wenn sie auch noch ihrer Aufgabe entsprechend aggressiv waren.
    "Mir sind Tiere die freundlicher drein blicken für gewöhnlich sympathischer." lächelte sie Quintus an.


    Dann schritt sie weiter neben ihm her. Es war schon sehr verwirrend. Trotz dieser verrückten Konstellation, schaffte es ihr Cousin wie immer ihr ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln. Doch bereits als ihr das auffiel war das ganze schon wieder hinfällig. Erneut dachte sie an Verres. Was mochte wohl in ihm vorgehen?Worüber mochte er mit Titus sprechen?
    Die ganze Zeit musste sie sich krampfhaft daran hindern zurückzublicken. Doch das würde nicht mehr lange gut gehen.
    Also drehte sie sich langsam, so als schaue sie sich nur um, zurück und blickte kurz Verres an. Er schien gerade mit Titus zu sprechen. Dann wand sie sich wieder ihrem Cousin zu und lächelte ihn an. Doch die ganze Zeit Lächeln würde ihr auf Dauer auch nicht helfen, dachte sie dann.

  • Als Tiutus über seine Blume Albina sprach, als wäre sie ein heisser Feger, wollte Verres gerade wild widersprechen, doch er wusste auch, dass er sich zusammenreissen musste und so spielte er vor, ebenso spielte er sein Grinsen spielte: »Ja, sie ist nicht zu verachten ...« Und doch versuchte er seine Worte so klingen zu lassen, als interessierte ihn die Frau nicht sonderlich. Stattdessen versuchte er sich auf seinen Herren und Albina zu konzentrieren und doch auf Titus einzugehen. Und was er über Cato hörte, erschrak ihn.
    »Ein bekannter Sklave also von unserem Herrn? Sie kenne sich?« fragte er Titus.
    Verres sah dann plötzlich, wie Albina sich umdrehte und zu ihnen schaute. In dem Moment versteifte sich alles in Verres. Dieser Blick. Dieses Gesicht, diese Augen. Gerne hätte er ihr zugezwinkert, doch stattdessen sah er sie nur stumpf an. Wie gerne hätte er ihr einen lieben Blick zugeworfen ... doch das wäre zu auffällig gewesen. Und so war sein Blick schaal, so, als würde er eben nur seiner Arbeit nach gehen: Leibwächter und Sklave. Doch es schmerzte ihn tief. An Titus wandte er dann keine Worte mehr, zu verwirrt war.

  • Er konnte nicht anders als zu schmunzeln, als sie von den Elefanten sprach. Den meisten Menschen ging es nicht anders, das ein Tier so gross war, konnten die wenigsten Leute glauben.


    "Ich fürchte, die Beschreibung ist recht zutreffend. Elefanten sind tatsächlich so gross, aer wahrscheinlich kann ich es dir heute nicht zeigen, mussten wir doch damals die Elefanten lange im voraus ordern."


    Er führt Albina an den Hunden vorbei, die in der Tat sehr aggressiv und bösartig wirken, was aber bei der Enge der Käfige kein Wunder ist. Und so kommt es, das sie den Innenhof betreten, an dem sich zählreiche Käfige angliedern.


    "Ich galube, jeder von uns wäre so aggresiv und böse, wenn er so eingesperrt wäre."


    Er nickt nur kanpp den Händler zu, der auf sie zukommt und den ehemaligen Aedil und guten Kunden erkennt, er ignoriert die Käfige am Rand, in den sich unter anderem Wölfe, aber auch Hirsche und Rehe tummeln, er führt albina auf eine Grube in der Mitte des Hofes zu.


    "Ich hoffe, er hat sie noch,..." meint er leise, kurz bevor sie den Rand der Grube erreichen. Und als sie dann hinab blicken können, sind dort tatsächlich zwei grosse Braunbären zu sähen. Die Tiere wirken friedlich, gerade zu behäbig, ihr langes Fell und die sparsamen Bewegungen verstärken diese Wirkung noch."Sind das nicht prachtvolle Bären ? Möchtest du sie mal füttern ?"
    Ohne eine Antwort abzuwarten, winkt er den Händler herbei. "Abu, bring uns etwas Futter,...."


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    Titus kennt diesen Hof nur noch zu gut, ihn interessieren die Tiere nicht, er hätte sich lieber auf eine Inspektion der Lupanare begeben. So ist er auch eher gelangweilt.


    "Ja," antwortet er Verres, "die zwei kennen sich aus Kindertagen."

  • Als ihr Cousin die Größe der Elefanten bestätigte, so glaubte sie der Beschreibung zum ersten Mal. Sie vertraute ihm und dennoch war diese Vorstellung für sie gerade überwältigend. Solch riesige Tiere?


    Bei seinen nächsten Worten aber wurde sie bitter. Als würden nur Tiere die eingesperrt wären aggressiv werden. Taten sie mit ihren Sklaven etwa etwas anderes? Auch diese waren für die meisten nicht mehr als Tiere. Und desto länger das mit Verres ging und auch nach ihrem Gespräch mit Cato, desto mehr rührte sich in ihr Widerstand gegen das Sklaventum. Diese Mensche, die beiden im besonderen, waren nicht schlechter als irgendwer anderes. Aber das konnte sie hier kaum anbringen.
    "Es sind nicht nur Tiere, die aggressiv werden, wenn sie eingesperrt werden." sagte sie für ihre Verhältnisse sehr trocken.


    Während dessen betrachte sie die Käfige am Rand und die vielen Tiere die sich darin befanden. Die Wölfe mit ihren leuchtenden , ebenso wie die Rehe mit ihren großen braunen Kulleraugen. Waren sie und Verres mehr als diese Tiere? Waren sie nicht auch beide in ihren Welten gefangen. Der eine wie ein Wolf dagegen aufbegehrend und sie wie ein Reh einfach still ihr Schicksal akzeptierend?War ihre Liebe vielleicht ebenso unmöglich wie die zwischen Wolf und Reh? Catos Worte gestern hatten sie bewegt. Und immer öfter begann sie an all dem zu Zweifeln was sie tat. Während sie so an den Käfigen vorbeischlenderte konnte sie sich unbeachtet umdrehen und blickte Verres an. In ihren Augen standen kurz der Schmerz und die Zweifel die sie gerade empfand.Doch nur eine Sekunde später, als ihr Cousin weitersprach wurde ihr Gesicht wieder ausdruckslos und wandte sich zu Quintus um.


    "Wer hat was noch?" fragte sie und folgte ihm.
    Als auch sie die Grube erreicht hatte und hineinsah war sie völlig überrascht.
    "Ohh" sagte sie nur und musterte die Tiere. Wie sie dort so umherstreiften wirkten sie garnicht gefährlich und sie bewunderte die Tiere einfach.
    "Ja, du hast recht! Sie sind wirklich wundervoll!"
    Dann dachte sie einen Moment nach. Hatte sie ihren Cousin richtig verstanden?
    "Füttern? Wie Füttern...Ich glaube nicht, dass..." Aber da hatte er dem Händler schon seinen Befehl erteilt.
    "Quintus, ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist." sagte sie schüchtern. Sie konnte doch nicht einfach einen Bären füttern. Doch als sie ihn anblickte sah sie in seinen Augen die Entschlossenheit und ihre Zweifel ließen nach. Und auf einmal freute sie sich. Schien ihr Cousin ihr doch eine Freude machen zu wollen.
    "Na gut.. vielleicht kann ich es ja doch mal versuchen." grinste sie ihn fröhlich an.

  • »Ah ....« stiess Verres bemüht gefasst hervor, als er diese Nachricht von Titus vernahm, die ihn wie ein Dolchstoss traf.
    Verres hatte keine Augen für all die exotischen Tiere. Zwar sah auch er sich immer wieder um, doch zu sehr war er in Gedanken. Sie überschlugen sich förmlich und es war ein Wunder, dass man ihm nicht ansah, was gerade in ihm vorging: Diesen Cato kannte Quintus schon seit seiner Kindheit?
    Verres Herz bebte so stark, dass er es unterhalb seines Kinns spürte. Warum in aller Welt mussten sie ausgerechnet jenem Sklaven begegnet sein? Lebten nicht genug Fremde in Rom? Ausgerechnet ein Sklave, der wahrscheinlich sehr vertraut mit Quintus war. Und wusste dieser Cato schon davon, wen er da im Park getroffen hatte? Hatte Albina Cato schon gesehen? Hatten sie womöglich schon mit einander gesprochen?


    Diese Ungewissheit machte Verres fix und fertig. Es raubte ihm leicht den Atem und einmal musste er etwas heftiger nach Luft schnappen. Doch er versuchte sich auch wieder zu beruhigen, denn er musste in dieser Situation einen kühlen Kopf bewahren, Albina zu Liebe. Ihrer beider zu Liebe, auch wenn ihm sein Schicksal fast ein wenig egal war.
    Was hatte er nur getan? War es nicht unfair von ihm gewesen, ihre Gefühle zu bestätigen? Hätte er sie nicht noch mehr abweisen müssen, sie, wo sie doch sicherlich noch vollkommen unerfahren war und er ... er war doch mindestens 10 Jahre älter als sie, auch wenn er sein genaues Alter nicht wusste. Überhaupt wusste er nicht einmal, ob er verheiratet war. Und er erinnerte sich auch an keinerlei Beziehungen zu Frauen, auch wenn er glaubte, das es da welche gegeben hatte. Sein Gedächtnisverlust machte alles nur um so schwerer. Vielleicht war es genau diese innere Einsamkeit, die er empfand, nachdem er in diesem dakischen Dorf aufgewacht war und nicht wusste, wer er war. Hatte er deswegen Albina nicht widerstehen können?


    Und dann hatte sich Albina wieder leicht umgeschaut und als sich ihre Blicke trafen, konnte Verres darin Schmerz, aber auch Zweifel erkennen und umgekehrt blickte auch er nicht gerade glücklich drein, versuchte sich aber nichts anzumerken. Doch wie dankbar war er ihr für diesen kurzen Augenblick. Das Gefühl, dass sie an ihm dachte alleine reichte ihm für einen Moment aus, ruhiger zu werden.
    Dennoch: Wie lange würden sie diese Zerreissprobe, diese Prüfung der Liebe durchstehen?
    Wäre es nicht einfach besser, Verres würde bei nächster Gelegenheit Albina sagen, dass er sie nicht liebte? Sollte er lügen, um sie zu schützen?


    Irgendwann blieb Quintus mit Albina dann vor irgendeiner Grube stehen, so dass auch Titus und Verres nicht weitergingen. Verres hatte nun den Drang, sich neben Albina zu stellen, er wollte ihr nahe sein, suchte er doch nach einem Weg, ruhiger zu werden, um seine Gedanken zu ordnen. Stattdessen stellte er sich mit etwas Abstand neben Quintus an den Rand der Grube und schaute nun ebenfalls herein, doch sein Blick schien nicht die schönen Tiere zu sehen, sondern lediglich seine Augen waren nach unten gerichtet und fixierten dort irgendeinen beliebigen Punkt.


    Verres hoffte, man würde nicht erkennen, wie sehr er gerade in sich gekehrt war und grübelte.
    Und auch wenn er nun hätte zu Albina blicken können, tat er es nicht. Stattdessen starrte er weiter nach unten. Die Worte die gesprochen wurden, Albinas scheinbare Gelassenheit und Fröhlichkeit, alles nahm Verres nur undeutlich wahr, wie durch einen dicken Nebel.
    Und in seinem Kopf begann sich ein Schmerz auszubreiten, so wie er ihn damals empfand, als er mit seiner schweren Kopfwunde aufgewacht war.

  • Es war die typische zuvorkommende Haltung, die ein kluger Händler einem Kunden entgegenbrachte, der schon einmal viel Geld beiom ihm gelassen hatte und ein Senator von Rom war immer auch ein potenieller Kunde für doe Zukunft. So störte den Händler nicht die gewohnt knappe Art des Tiberiers, die eine gewisse Höflichkeit doch missen liess. Der Händler gab einem Sklaven nur ein Zeichen und dieser eilte mit einer Kiste heran, in der sich verschiedenste Früchte befanden.


    "Werter Senator, ihr habt bedarf an neuen Tieren ? Darf ich fragen, an was ihr gedacht habt ?" fragte Abu nach, immer die Möglichkeit für ein Geschäft witternd.


    "Du darfst fragen, aber ich kann dir noch keine Antwort geben, doch wirst du es zu gegebener Zeit erfahren," antwortete er kühl und damit war das Thema erledigt und er wandte sich wieder Albina zu.


    "Bären mögen grosse und gefährliche Raubtiere sein und sind in der Lage einen Menschen mühelos zu töten. Aber sie haben auch ihre liebeswerte Seite, was sie für mich gerade in der Arena sehr reizvoll machen. Im einen Moment töten sie und im nächsten...."


    Statt weiter zu sprechen, nimmt er ein Stück Apfel, hält es über die Grube, so das die Bären es sehen können. Und sogleich trottet der erste Bär herab, und lässt sich direkt unter ihnen auf den Hinterläufen nieder und blickt erwartungsvoll hinauf zu ihnen. Dann fängt er das Stück Apfel das Tiberius Vitamalacus herunter wirft mit seinem Maul auf.


    "Siehst du, es ist ganz einfach..."

  • Albina wusste nicht, was in Verres vorging. Doch ihr Cousin ließ ihr auch kau die Zeit drüber nachzudenken. Ihre Aufmerksamkeit gehörte Quintus.
    Dachte er etwa daran ein Tier zu kaufen? Und zu welchem Zweck, er richtete doch keine Spiele aus. Naja, sie würde es noch miterleben.
    Sie beobachtete, wie ihr Cousin die Bären mit einem Apfel fütterte. Noch einmal blickte sie ihn skeptisch an, doch dann fasste sie ihren Mut.
    Sie nahm einen weiteren Apfel und hielt ihn über die Grube. Sie blickte en Bären an, der auf seine Hinterläufe stieg und schaute in die schwarzen Augen des braunen Riesen.
    Nach einem kurzen Moment ließ sie den Apfel fallen und beobachtete wie er in dem großen Maul des Tieres verschwand.
    Dann schaute sie wieder zu ihrem Cousin. "Sie wirken wirklich sehr lieb. Am liebsten würde ich einen mit nach Hause nehmen."scherzte sie .


    Aus dem Augenwinkel sah sie, dass Verres neben ihrem Cousin stand. Aber ohne irgend eine Regung schaute er einfach in die Grube. Sie musste bald möglichst mit ihm sprechen. Sie musste ihm von ihrem Gespräch mit Cato erzählen. Aber dazu war jetzt nicht die Zeit.
    "Warum halten wir in der Villa eigentlich keine Tiere? Ich meine, nicht mal ne Katze oder einen Hund... Das wäre doch sicher eine Bereicherung, oder meinst du nicht?" blickte sie Quintus mit großen bittenden Augen an. Von ihrem Vater hatte sie mit diesem Blick jeden Wunsch erfüllt bekommen. Doch ihr Cousin war so leicht eigentlich nicht zu beeindrucken.

  • Nichts bekam Verres noch grossartig mit, was neben ihm gesprochen oder getan wurde. Das Albina nun auch einen Bären fütterte, ja, aber er hatte kein Gefühl mehr für seine Umgebung oder die Realität, in der er sich befand.


    Verres wurde irgendwie auf einmal so komisch breiig im Kopf. Es ging furchtbar rasch und er verstand gar nicht, was los war, ausser dass er einen fürchterlichen Schmerz in seinem Kopf spürte und dann drehte sich irgendwie alles und ihm wurden die Knie weich. Ein dichter nebliger Schleier schob sich über seine Augen. Der Schmerz wurde immer grösser, fast nicht auszuhalten und seine Gedanken verschwanden auf einmal. Alles ging so schnell, dass er gar nicht mehr reagieren konnte, geschweige denn ahnte, was da gerade passierte. Er fasste sich noch an seinen Kopf und seine Mimik verzerrte sich schmerzlich, als ihm dann die Beine nicht mehr gerade am Boden halten konnten, er hatte keine Kontrolle mehr über seinen Körper und dann knickte er ein und drohte in die Grube zu fallen, an deren Rand er stand und hinein gestarrt hatte.


    Würde Quintus es bemerken? Würde er ihn noch rechtzeitig halten können?

  • Während sie ihren Cousin so flehentlich ansah fiel ihr Blick für einen Moment zu Verres. Irgendetwas schien nicht mit ihm zu stimmen. Doch da ihr Cousin ihr zugewandt war, schien er das nicht mitzubekommen. Nun schaute sie ihn direkt an. Was war mit ihm los? Er wirkte völlig abwesend und sein ganzes Gesicht hatte einen schmerzvollen Ausdruck. Dann, wie in Zeitlupe sah sie wie er langsam in sich zusammensackte, direkt auf die Grube zu.


    "VERRES !!!" schrie sie in ihrem ersten Reflex und ihre Augen waren vor Schreck geweitet.

  • Ihm gefällt es, die Bären anzusehen, grosse starke Raubtiere, die Beherrscher der Wälder, Tiere die ohne Angst ihr Revier durchstreifen. Nur der Mensch ist in der Lage es zu bezwingen und selbst das ist nicht ungefährliuch.


    "Sie wirken in der Tat verspielt, und man könnte glauben, es sind liebe Haustiere. Aber sie wiegen mehr als Doppelt so viel wie ausgewachsener Mann, die allermeisten sogar deutlich mehr als Titus. Und dementsprechend stark sind sie."


    Er wirft noch ein Stück Obst herunter, direkt zum zweiten Bär. Doch er blickt mehr zu seiner Cousine, lässt sich ihre Worte durch den Kopf gehen und lässt ihren Blick auf sich wirken. So passiert es, das die Traube nicht genau trifft, sondern neben ihm landet. Einen Moment scheint der Bär zu überlegen, was er tun soll, dann erst greift seine Tatze nach der Traube und steckt sie sich in den Mund.


    "Du hast eigentlich recht, an was hast du denn gedacht ? Katzen sollen ganz nützlich sein, sie jagen wie Frettchen Mäuse und andere Schädlinge in den Vorratslagern. Vielleicht haben wir ein paar Frettchen in der Villa,...."


    Soweit ist er gekommen, als sein Blick, ähnlich wie der von Albina auf Verres fällt, der in die Grube zu fallen droht. Doch anders als Albina ruft er nicht, kein Zeichen des Schreckens zeigt sich an ihm. Das mag an seiner üblichen Zurückhaltung liegen, doch erkennt er auch das nicht wirklich gefahr droht, denn in dem Moment in dem Veres eingeknickt, hat Titus schon seine Hand auf dessen Schulter gelegt und zieht ihn zurück.


    "Sach`mal, pass auf wo du hintrittst. Wenn du da runter fällst, dann machen dich die Bären kalt," sagt er recht laut zu ihm, tritt unweigerlich mit Verres etwas zurück vom Rand der Grube. Krz blickt er zu seinem Tribun und dessen Cousine. "Ist schon in Ordnung,... ist nix passiert,.. er ist nur gestolpert." Doch wesentlich leiser, so das nur Verres es hören kann, sagt er : "Was ist los mit dir, Mannn ? Willst du unbedinmgt sterben ? Komm,.. wir gehen da rüber..."
    Er deutet auf die Wand des Hofes, in der einige Käfige eingegliedert sind.


    An der Bärengrube bleibt Tiberius Vitamalacus neben seiner Cousine stehen, sein Blick war nur kurz zu Verres und Titus gewandert, er kann darauf vertrauen, das Titus die Situation im Griff hat. War es wirklich nur ein Stolpern ? Oder ein Schwindelgefühl, bedingt durch den Gedächnisverlust ? Es ist schwer zu sagen, aber er nimmt sich vor Verres in der nächsten Zeit mehr im Auge zu behalten.
    Er legt seinen Arm schützend um Albina, der der Schreck scheinbar tief in die Glieder gefahren ist. Ihn wundert aber etwas die heftigkeit ihres Ausbruches, schliesslich ist es nicht üblich, das man sich so viel sorgen um einen Sklaven machte.
    "Es ist schon gut,.. es ist nichts passiert," sagt er leise und einfühlsam zu ihr, zieht sie schützend an sich und beugt sich etwas zu ihr herunter, so das sein Gesicht leicht ihr Haar berührt.

  • Verres hatte mehr als einen Schutzengel. Hätte Titus nicht so spontan reagiert, er wäre direkt in die Grube mit den Bären gefallen und vielleicht wäre sie über ihn hergefallen.


    Doch zuerst bekam Verres nichts mit. Seine Knie hatten nachgegeben, auch wenn er es nicht wollte und dann war da ein Griff an seiner Schulter, der ihn von dem Fall in die Grube bewahrte. Aber es war auch noch etwas anderes, was er gehört hatte: Albinas Schrei nach seinem Namen. Nur war er zuerst nicht in der Lage, es zu registrieren, wollte ihm doch sein Geist und Körper einen ganz üblen Streich spielen.


    Doch dank Titus schnellen Eingreifens fiel Verres nicht in die Grube und warum auch immer: Ob es Albinas Aufschrei war oder das schnelle Handeln von Titus, irgendwie kam es nicht ganz so zur Ohnmacht, wie es erst schien. Zwar taumelte er noch, als Titus ihn von der Grube wegzog und ihn so rettete, doch immer noch waren seine Beine lahm und er brach schliesslich dort zusammen, wo Titus ihn hingezogen hatte. Seine Worte hatte er kaum gehört und doch vernommen. »Ich ... ich weiss auch nicht ...« stammelte er vollkommen erschrocken und fix und fertig. Was war da eben geschehen? Er war gerade einer Ohnmacht entgangen. Langsam wurde ihm dies klar. Wirklich besser aber fühlte er sich nicht, doch etwas hatte ihn heraus gerissen und sehr langsam kam er wieder zu sich. Der Schmerz in seinem Kopf liess zwar nicht unbedingt nach, aber er hatte das Gefühl, wieder einigermaßen in der Realität zu sein. Und denn noch hatte er keinen blassen Schimmer, was eben in diesen kurzen Momenten geschehen war.


    Sein erster Gedanke, als er dann halb am Boden lag, galt Albina. Ging es ihr gut? Was nur war geschehen? Doch dann sah er Quintus, wie er seine Albina im Arm hielt und ein Gefühl der Erleichterung durch ströhmte seinen Körper und langsam richtete er sich auf, auch wenn er noch am Boden saß. Er verstand kaum in diesem Moment, was eigentlich passiert war, doch dann kam es langsam: Er wäre fast in die Grube mit den Bären gestürzt und so sah er zu Titus auf und sein Blick war dankbar, wenn auch noch verstört.


    »Danke ... Titus ... ohne dich ...« Er hielt inne. Wirklich gut ging es ihm nicht. Ihm war schlecht und der Schmerz in seinem Kopf brachte ihn fast um seinen Verstand. Eine Nachwehe seiner Kopfverletzung und es war nicht das erste Mal. Doch es war schon Wochen her, dass er es erlebt hatte. Nun war er nur froh, dass nichts passiert war und verstohlen schaute er kurz zu Albina, der der Schreck noch in ihr Gesicht geschrieben war.
    Verdammt, fluchte Verres innerlich. Doch dann musste er erst einmal ruhig atmen.

  • Albina hatte, wenn auch noch immer völlig erstarrt, mitbekommen, wie Titus Verres gepackt hatte. Erleichtert atmete sie aus. Doch noch immer war sie geschockt. Was war mit Verres? Was um alles in der Welt hatte ihr Geliebter? Ihr Impuls war es sofort zu ihm zu eilen, sich um ihn zu kümmern, für ihn da zu sein. Doch das konnte sie nicht, und ein weiteres Mal an diesem Tag erkannte sie die Ausweglosigkeit ihrer Liebe. Cato hatte recht und die Erkenntnis schmerzte umso mehr.
    Noch immer nicht ganz ihre Fassung wieder erlangt und auch von ihrer Erkenntnis verletzt merkte sie, wie ihr Cousin ihren Arm um sie legte, sie zu sich zog und sein Gesicht an ihren Haaren bettete. Es war eine für die beiden eigentlich ungewohnte Nähe und dennoch empfand sie Albina als sehr wohltuend. Sie wandte sich im zu und barg kurz ihr Gesicht an seiner Brust. Einige Momente verweilte sie dort. Sie dachte darüber nach, was ihr Cousin über ihre viel zu heftige Reaktion auf Verres vermeintlichen Sturz dachte.
    Dann blickte sie zu Quintus auf, dessen Gesicht dem ihren sehr nah war.
    "Verzeih...Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Ich war so erschrocken und dachte er würde stürzen..." sie schwieg einen Moment und dachte nach. "Ich glaube ich bin in letzter Zeit ohnehin ein wenig angespannt... die ganzen letzten Tage und die neue Umgebung...ich weiß auch nicht." sagte sie schließlich leise. Sie stand einfach nur da.
    Sie sprach nicht weiter, sondern dachte nur nach. Darüber, dass sie gerade so unglaublich zwiegespalten war. Ein Teil von ihr wollte zu Verres eilen und ihm helfen doch ein anderer und nicht minder großer, wollte das Alles was zwischen ihnen war nur vergessen und Zuflucht in den Armen ihres Cousins suchen. Sie verstand sich selbst nicht mehr. All das wurde schon nach so kurzer Zeit zuviel für sie. So blickte sie einfach ihren Cousin noch immer recht blaß aber durchweg liebevoll an.

  • Titus sagte nicht wirklich viel, er führte Verres einfach weg von der Grube, hin zu dem Rand des Hofes. Das Verres Schwierigkeitkeiten hatte sich aufe den Beinen zu halten, störte ihn garnicht, der Hüne war stark genug, Verres aufrecht zuhalten und zu führen.
    So konnte es sein, das er Verres recht unsanft behandelte, doch letztendlich lehnte er Veres an eine Wand, genau zwischen zwei Käfigen. "Ich weis ja nicht, was das jetzt war,.. aber jetzt atme erst mal tief ein und aus."
    Der Hüne verstand nicht viel davon, was mit Verres passiert war, nur das dieser fast den Tod gefunden hatte. Und seit er seinem Tribun auch im Civilen diente, gehörten die Sklaven quasi zu seinem Contubinium. Und damit war es für ihn selbstverständlich, das er für Verres jetzt da war.
    Das er vielleicht nicht den besten Platz gewählt hatte, wurde Titus klar, als er links neben sich ein Knurren wahrnimmt. Aber, die Wölfe sind sicher in den Käfigen untergebracht, denkt sich der Hüne, und da würden sie auch bleiben.


    -----------------------------


    An der Bärengrube seht Tiberius Vitamalacus, er hält seine Cousine einfach in seinen Armen, spürt wie sie scheinbar ängstlich ihren Kopf an seine Brust legt. Er spürt ihre Nähe, hält sie so dicht, wie er sie noch nie gehalten hat. Und während dessen fragt er sich, warum sie so heftig reagiert, schliesslich kannte sie ihn doch kaum, es scheint für ihn keinen logischen Grund zu geben, warum sie so reagieren sollte.
    Doch da ist auch auch dieses Gefühl der Nähe zu seiner kleinen Cousine, das er jetzt wirklich zu spüren beginnt. Ein Gefühl das ihm fremd ist, bislang unbekannt. Ist es die normale Zuneigung zu einer engen Verwandten, eben eine brüderliche Liebe,.. oder ist da etwas mehr, etwas, das nicht sein sollte ? Er kann es nicht sagen, er weiss nur, das er ihrer Erklärung glauben schenkt.


    "Ist schon gut, Albina," sagt er leise, während sie ihn ansieht, ihr Gesicht ganz dicht vor seinem ist. Eine ganze Weile sieht er sie einfach an, mehr als einmal ist er kurz davor, ihr über die blasse Wange zu streifen, ihr sogar einen sachten Kuss auf die Stirn zu geben, aber er tut all das nicht. Er lächelt nur aufmunternd, ein Lächeln das sich auch in seinen Augen wiederspiegelt.


    "Komm, du solltest dich etwas setzen," sagt er und führt sie zu einem enfachen Holztisch mit zwei Bänken im hinteren Teil des Hofes. Während sie gehen, gibt er dem Händler eine knappe Anweisung, ihnen einen Krug Wasser zu bringen und dasselbe für Titus und Verres zu tun.

  • Verres war dankbar, dass Titus da war, auch wenn sie sich kaum kannten. Und ob er ihn mochte? Naja, daran dachte er im Moment nicht. Aber dieser Hüne hatte ihm vor dem sicheren Tod bewahrt. Erst langsam kam Verres wieder zu einem klareren Bewusstsein und langsam begriff er, was fast geschehen wäre: Er war fast ohnmächtig in die Bärengrube gefallen. Und es war ihm ziemlich peinlich. Schliesslich war er nicht viel kleiner als Titus und gut trainiert. Doch dieser Zwischenfall musste mit seiner alten Verletzung zu tun haben, dieser Kopfverletzung. Wie auch immer.



    Schwer atmend stand Verres von Titus gehalten an der Wand zwischen irgendwelchen Tierkäfigen und kam langsam zu sich. Er vernahm Titus Worte gerade noch so. Was zwischen seinem Herren und Alibna abging, bekam er gerade nicht mehr mit. Er war nur froh, dass sein Verstand wieder kam und er nicht gefallen war. Schweiss trat auf seine Stirn, aber der Nebel vor seinen Augen lichtete sich und er sah nun den Hünen vor sich, der ihn an den Schultern gegen die Wand drückte, damit Verres nicht umfiel.
    »Danke ...« stammelte Verres leise und erschöpft und nun auch sichtlich erschrocken. Er war bleich, aber er schien wieder da zu sein.
    »Ich weiss auch nicht ... mein Kopf ... meine alte Verletzung ... ich weiss ... auch nicht.« Er deutete Titus an, dass er sich setzen wollte, einfach auf den Boden, denn ihm war noch ziemlich schlecht.


    Und weiter dachte er an Albina und sah nur, wie eng sie mit Quintus schien, aber er verspürte keine Eifersucht: Er war ihr Cousin und eben in der Stunde des Schreckens für sie da und für einen Moment war Verres sogar dafür dankbar, schliesslich konnte er nicht für sie da sein.


    Doch dann war da wieder dieses flehende Bellen neben ihm im einen der Käfige.


    Doch das irritierte ihn. Da war etwas neben ihm. Etwas, das ihm seltsam vertraut vorkam. Es war ein Geruch, aber viel mehr eine Stimme, die ihm etwas sagte. Kaum hatte er sich gefangen, eigentlich war ihm immer noch schlecht, doch dieses Bellen kam ihm so bekannt vor und so wandte er sich leicht irritiert und noch etwas geschwächt zu dem bellenden Wolf um und starrte diesem in dessen so treuen Augen.


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    Der Wolf sprang wie ein Wilder in seinem Käfig herum vor den Gittern, als er Verres Blick sah. Er versuchte durch die Gitterstäbe nach ihm zu lecken, nicht zu beissen und winselte wie ein Irrer rum.


    Verres verstand erst nicht und doch regte sich etwas in ihm. Das konnte doch nicht wah rsein ....

  • Albina bekam nicht mehr viel von dem, was um sie herum war mit. In diesem Moment lag alles was sie wollte in dem Blick und den starken Armen ihre Cousins. Eine Weile blickte Albina ihn an und irgendetwas regte sich in ihr. Sie wollte ihn Umarmen, sie wollte von seinen Armen umhüllt werden, sie wollte einfach ...ja, was wollte sie denn. Sie wusste nur, dass in diesem Moment irgendetwas zwischen den beiden stand. Irgendetwas war da. Vielleicht sogar etwas , was da nicht sein sollte. Sein aufmunterndes Lächeln beruhigt sie und gibt ihr neue Kraft.
    So lässt sie sich von Quintus zu einer Holzbank führen und nimmt dort Platz. Während sie dort einen Moment lang schweigend sitzt, denkt sie nach.
    Was war das eben für ein Augenblick? Sie konnte es nicht umschreiben. Und alles was in diesen kurzen Sekunden zwischen ihnen stand war zu vage um es greifen zu können. Und dann dachte sie wieder an Verres. Diese Gefühle waren mehr als zum Greifen zu gewesen.Und sie waren es noch. Dennoch kosteten sie diese Gefühle so unermesslich viel Kraft, dass sie nicht wusste wie lange sie das noch durchstehen konnte. Sie war an sich eine starke Persönlichkeit, aber sie hatte momentan ohnehin genug mit all dem Neuen in dieser Stadt und den Sorgen um ihre Zukunft zu tun, als das sie noch die Kraft besessen hätte diese geheime Liebe auszuhalten. Und die Kraft, die ihr Verres unbewusst raubte, fand Albina bei Quintus. Sie wusste nicht mehr was sie tun sollte. Sie war einfach verwirrt und kam sich hilflos vor. Doch auch um diese Gedanken jetzt weiterzuführen war es nicht die Gelegenheit.
    Sie schaute zu Quintus hinüber, der auch geschwiegen hatte und musterte ihn. Was mochte in ihm vorgehen? Was mochte er bereits von alldem ahnen? Das schlimme war, dass sie der Meinung war er vertraute ihr und dass er ihr deshalb Glauben schenkte. Sie hasste sich dafür ihn belügen zu müssen.
    "Noch einmal, es tut mir leid. Ich weiß nicht was mit mir los ist. Ich ... ich bin dir eine Last."sagte sie dann, als ihr die Situation bewusst wurde. Sie saßen hier rum, während ihr Cousin ihr einen schönen Nachmittag bereiten wollte.
    "Aber es ist schon wieder gut.",log sie."Mir geht es wieder besser. Lass uns nicht meinetwegen hier verweilen. Ich kann sicher schon wieder weitergehen." schenkte sie ihm aus ihrem noch immer blassen Gesicht ein Lächeln,dass ihre Augen nicht zu erreichen vermochte.

  • Auf Verres Wunsch hin sich setzen zu können, half er ihm, sich auf den Boden zu setzen. Titus hatte in seiner Vergangenheit genug Verletzungen erlitten, um zu verstehen, das diese oftmals die verschiedensten Auswirkunen haben. So nickte er einfach knapp. "So wat kann passie`n. Immer wenns Wetter schlecht wird, spür ich meine Wunde aus Germanien."


    Was Titus allerdings in diesen Moment stört ist das eindringliche Jaulen, Knurren und Bellen der Wölfe in den Käfigen links und rechts neben ihnen. Kaum hat er Verres auf den Boden abgesetzt, ging Titus zu einem der Käfig, baute sich davor auf und brüllte die Wölfe an.


    "Jetzt isss aber mal Ruhe..."


    Dann erst bemerkte er den Wolff, der Verres Aufmerksamkeit gewonnen hatte und er wechselte des Käfig vor dem er stand und staunte nicht schlecht.


    "Sag mal, kennst dich dieses Vieh ?"


    Das Titus keine besondere Beziehung zu Tieren jeglicher Art hatte, wurde bei diesen Wort spätestens klar.
    Während dessen kommt ein Sklave des Händlers und reicht Titus und Verres je einen Becher Wasser.


    -------------------------------------------


    Zur gleichen Zeit stellt ein anderer Sklave einen Krug gekühlten Wasser und zwei Becher auf den Tisch. Und natürlich fühlt er die Becher auch sogleich.


    Tiberius Vitamalacus quittiert den Sklaven nur mit einem leichten Nicken, seine Aufmerksamkeit gilt vornehmlich seiner Cousine, die auf der Bank im Gegenüber sitzt. Er mag nicht der einfühlsamste Mensch sein, doch er spürt, das etwas nicht in Ordnung ist. Denn ihre Reaktion auf Verres stolpern ist einfach zu heftig und zu deutlich, selbst wenn er ihre Jugend in die Rechnung einbezieht.


    "Es ist schon gut, mach dir keine Sorgen," sagt er leise. Er schiebt ihr einen der Becher hin, legt in ihr direkt in die Hand, wobei er vorsichtig ihre Hand kurzzeitig mit seinen beiden Händen umschliesst. "Trink erst mal etwas."


    Das es ihr wirklich besser geht, nimmt er ihr nicht wirklich ab, dazu ist ihr Gesicht viel zu blass, ihr Lächeln wirkt zu gequält. Und in ihm wächst die Sorge, das etwas ihr etwas fehlt, etwas für das er keine wirkliche Erklärung hat. Und was es auch sein mag, sie mag nicht mit ihm darübersprechen, was ihn natürlich etwas enttäuscht und vielleicht sollte er sie nun zur Rede stellen, sie auffordern ihm alles zu erzählen. Doch er ahnt, besser er weiss seit einem Gerspräch mit Helena, das diese Art bei seine Cousine nur dazu führen würde, das sie sich verschliesst.


    "Wir gehen gleich weiter, aber Verres muss sich noch von dem Schreck erholen. Er hatte mal eine Kopfverletzung, vielleicht war sein Stolpern ein Spätfolge davon. Titus kümmert sich um ihn."


    Er vertraut Albina und vertraut darauf, das sie sich so verhällt, wie es ihrem Stand angemessen ist und das, sollte sie einen Fehler begehen, sie diesen korrigiert oder zumindest ihn um Hilfe dabei ersucht.

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