• Kurz nach meinem Umzug in die Villa Claudia trafen auch meine Sklaven ein. Um die entsprechenden Aufgaben zu verteilen, ließ ich sie rufen. Ich begab mich also in das Tablinum, ließ mir etwas Erfrischendes kredenzen, nahm mir ein Blatt Papier und machte mir während der Wartezeit bereits ein paar Notizen. Als Gemurmel aufkam, hob ich den Kopf …

  • Da wären wir. Hab ich doch alle mal wieder gut nach Mantua gebracht. Ja, ich bin schon ein Held. :D Die Herrin ließ rufen und wir trabten an.


    "Herrin, ihr habt rufen lassen"

  • Samira stellte sich hinter Assindius. Das versetzte sie in die Lage, vorerst zu schweigen, und er musste Rede und Antwort stehen. Sie winkte Aintzane heran, damit die Herrin sie sehen konnte. Anschließend betrachtete sie Assindius' Hinteransicht und machte sich so ihre Gedanken, die sie natürlich niemandem zu erkannen gab. ;)

  • Auf Samiras Wink trat Aintzane hinzu und stellte sich neben Assindius hin, während es offenbar für Samira eine hervorragende Gelegenheit darbot, sich hinter zwei groß gewachsenen Menschen zu verstecken. ;) Sie tat also nichts, um die Aufmerksamkeit auf sie zu lenken, sondern trat auf Deandra zu und erhob ihre Stimme. "Nun... Du bist also Deandra, meine neue Herrin. Mein Name ist Aintzane. Ich komme aus dem Baskenland und bin in Rom von Camryn erstanden worden... freut mich, dich kennen zu lernen."

  • Unweigerlich wurden meine Augen groß, als Aintzane – so war ihr Name – keck hervortrat und unaufgefordert zu sprechen begann. Aber nicht dieses Auftreten, sondern vielmehr die gewählten Worte erstaunten mich. Mit geschlossenen Augen hätte ich mir dieselben Worte aus dem Mund einer gestrengen Tante vorstellen können – von dem Zusatz „meine neue Herrin“ und der Geschichte mit dem Ersteigern natürlich abgesehen.
    Vielleicht war ich aber derzeit nur etwas empfindlich, weil mein Leben eine gravierende Wendung genommen, ich mich mit meinem Bruder gestritten und von Sophus natürlich - wie immer - nichts gehört hatte.


    Zunächst wandte ich mich aber Assindius zu.


    „Sehr gut, Assindius. Auf dich ist immer Verlass. Daher bekommst du auch, wie bereits vor der Germanienreise besprochen, eine verantwortungsvolle Aufgabe beim Training der Wagenlenker. Gleich morgen in der Frühe geht es los, du findest dich zur achten Stunde im Gestüt Aurelia ein und von dort werden wir zur Rennbahn wechseln. Dabei fällt mir ein … Für euch alle gilt ab sofort die Villa Claudia als Zuhause. Dennoch werde ich - wie auch ihr - ab und an noch bei den Aureliern weilen.“


    Ich überlegte, wo ich stehen geblieben war. Ach ja, bei der Aufgabenverteilung für Assindius.


    „Nach dem Verstauen des Reisegepäcks hast du für heute frei. Nun zu dir, Samira. Du bereitest die Zimmer für die Sklaven und natürlich meines für die Nacht vor. Anschließend hilfst du bei der Essenbereitung. Ihr könnt schon gehen“, wies ich Assindius und Samira an, bevor ich mich Aintzane zuwandte.


    „Du kommst also aus dem Baskenland“, begann ich das Gespräch und winkte Aintzane näher heran. „Erzähle mir näheres über dich und deine Vergangenheit. Ich persönlich, und das unterscheidet mich von manch anderem, möchte immer wissen, mit wem ich es zu tun habe, weil ich meinen Sklaven bei guter Führung eine eigene Persönlichkeit gestatte.“


    Ich setzte voraus, dass Aintzane über ihre gesetzliche Stellung im Klaren war: In Rom war ein Sklave eine Sache. Da ich aber gehobenen Wert auf Loyalität und Aufrichtigkeit legte, umgaben mich ausschließlich Sklaven, die selbige wertvolle Eigenschaften trugen und als Gegenleistung manch vielleicht unangemessene Freiheit erhielten.

  • Ich nickte und trat ab.


    Meine Fresse do. Das darf ja nicht wahr sein. Gleich wird Aintzane die Herrin noch auf einen Becher Wein bei ihr zu Hause einladen. Die hat’s ja voll drauf, ja leck mich am Arsch. Apropos Arsch, wieso fühle ich mich eigentlich so beobachtet, irgendwie komme ich mir so nackich vor, also ob mir jemand auf den Hintern gafft. Na ja, wer weiß wer hier noch so rumturnt.


    Die Wagenlenker hatte ich ja total vergessen. Mal sehen ob ich diese griechischen Memmen zu Kerlen machen kann. Da hab ich ja Bock drauf, au Mann. Wenigstens hab ich gleich Feierabend. Dann kann ich endlich mal schlafen.

  • Aintzane lächelte Assindius, dem liebenswerten Barbaren, noch einmal zu, als er ging, und wandte sich dann Deandra zu.
    "Gut... wo soll ich beginnen? Zuerst einmal muss ich wissen, was eine "Führung" ist. Hat es was mit führen zu tun? Wen soll ich wohin führen? Ich denke, mein Latein ist ziemlich gut, aber es ist nicht meine Muttersprache. Das kann man auch an meinem Akzent sehen." dann begann sie, von sich zu erzählen. "Ich wurde in Pasadaia geboren, das ist ein Dorf in den Pyrenäen, mit ungefähr 150 bis 200 Einwohnern, als ich es das letzte Mal sah. Meine Mutter starb bei meiner Geburt. Mein Vater, Sendao, war der Häuptling von Pasadaia. Er war ein edler Mann und war ein guter Regent. Aber er machte einen Fehler." Sie senkte den Kopf. "Er beteiligte sich an einem Aufstand gegen die Römer. Damals war ich 10 Jahre alt. Plündernde Soldaten köpften meinen Vater. Mich nahmen sie als Gefangene und gaben mich zu einem gallischen Römer namens Ahala. So verbrachte ich 14 Jahre in Armorica bei Ahala. Er behandelte mich ordentlich und..." Dann machte sie eine kurze Pause und fuhr dann fort, "Ich lernte seinen persönlichen Scriba Oligos kennen, ein griechischer Sklave. Oligos wurde mein Pflegevater. Er unterrichtete mich in Latein und Griechisch, auch in Dingen wie Philosophie und sonstigen Wissenschaften. Ahala hat mich dann auch als Scriba genommen, wenn Oligos nicht konnte. Wenn er mich persönlich nicht brauchte, habe ich gewebt und Körbe geflochten, ich bin ziemlich gut darin.", schilderte sie Deandra und zeigte dann ihre Finger vor. An den Fingern der ansonsten hübschen baskischen Häuptlingstochter konnte man zwar nicht zu ausgeprägte, aber doch sichtbare Schwielen erkennen, die sich nach 14 Jahren - mit Unterbrechungen - am Webstuhl und an den Körben gebildet haben. "Hier. Die gallischen Sklaven des Ahala brachten mir es bei, so lernte ich auch gallisch, aber es ist nicht so gut wie mein Latein. Nun, man hat mich auch noch für eine kurze Zeit in die Küche gestellt, aber dann wieder... nun, man hat es aufgegeben. Ich bin eine miserable Köchin. Ja, und Ahala, ja... er hatte ein Leiden... er spielte. Und er verspielte mich auch, an einen seltsamen Typen, der mich ohne Umschweife an den staatlichen Sklavenhändler verkaufte und... du solltest den Rest kennen."

  • Ich entschloss mich wegen der aufgetretenen Frage etwas ausführlicher zu antworten, hoffte aber auch, dass nicht unbedingt jemand aus der neuen Familie vorbeischauen würde. Es war nun auch nicht gerade so angenehm, immer wieder darauf hingewiesen zu werden, Sklaven nicht als Gesprächspartner anzusehen. Dabei tat ich nämlich genau das – viel zu oft.


    „Führung bedeutet in dem von mir erwähnten Zusammenhang das jeweilige Auftreten. Das beinhaltet den Einsatzwillen, die Zuverlässigkeit, ja, auch die Ergebenheit und den gezeigten Respekt und um abschätzen zu können, woher oder woraus im Falle des Falles unangemessenes Auftreten rührt, weiß ich gern um die Vergangenheit meiner Sklaven. So kann ich beurteilen, ob es sich um eine generelle Eigenart, begründet durch die jeweilige Abstammung, um Ängste oder gar Widersetzlichkeit handelt. Erwarte aber lieber nicht, dass sich jeder deiner neuen Herrschaften so viele Gedanken macht. Das ist eher unüblich.“


    Ich ließ mir etwas Obst servieren, während ich Aintzanes Ausführungen lauschte. Als sie geendet hatte, kaute ich zunächst die im Mund befindliche Feige und schluckte sie hinab.


    „Wie muss ich mir einen Häuptling vorstellen? Mit was ist er vergleichbar?“

  • Sie hörte aufmerksam zu. Sie verstand einige Wörter leider nicht, aber insgesamt war ihr am Ende klar, was sie zu tun hatte. Unangemessenes Auftreten... hm... das könnte eventuell eine Schwäche sein. Aber sie wollte sich jetzt noch nicht darüber den Kopf zerbrechen.
    "Danke für die Erklärung. Die Führung. Das Wort werde ich sicher noch gebrauchen können.", meinte sie.
    Dann antwortete sie Deandras Frage. "Ein Häuptling... es ist vergleichbar mit einem König, nur nicht so mächtig. Weil Pasadaia im Imperium Romanum liegt und der Kaiser der Mächtigste ist, wäre mein Vater wohl so etwas wie in Rom ein Patricius Maior. Der einzige im Dorf und deshalb Häuptling. Man kann es sich vorstellen wie... ein König eines sehr kleinen Stadtstaates, der Vasall des Imperium Romanum ist."

  • Ich folgte interessiert der Erklärung und hob erstaunt die Brauen. Na, das war ja vielleicht spannend.


    „Komm, setz dich zu mir und berichte mehr“, forderte ich Aintzane auf. „Nun wird mir auch klar, warum du über so viele Kenntnisse verfügst. Zehn Jahre in einem guten hause verbracht zu haben, bringt eine Menge an Vorteil mit sich. Sag, wie hast du den krassen gesellschaftlichen Absturz verkraftet? Hast du es überhaupt? Und vor allem … Siehst du die Beteiligung deines Vaters an diesem Aufstand denn wirklich als Fehler an? Du, als seine Tochter? Ich könnte es verstehen, wenn dem nicht so wäre.“


    Auf jeden Fall richtete ich mich auf eine längere Unterhaltung ein. Aintzane schien sich als Gesellschafterin anzubieten, ich würde darüber nachdenken.

  • Dankbar setzte sich Aintzane hin und fragte: "Darf ich auch einen Apfel haben? Ich bin recht hungrig."
    Dann redete sie weiter. "Nun, 10 Jahre... diese 10 Jahre, die ich bei meinem Vater verbracht habe, die haben mir, so muss ich gestehen, bei weitem nicht so viel beigebracht wie die 14 Jahre bei Oligos. Oligos brachte mir alles bei, was ich heute kann, ein fließendes Latein, Griechisch, Schreiben, Lesen, alles mögliche.
    Bei meinem Vater habe ich ein bisschen Latein gelernt, sowie etwas Schreiben... mehr aber nicht. Ich war ja nur ein Mädchen. In der Gesellschaft der Basken zählen wir nicht so viel wie Jungen, erst vor ganz kurzer Zeit hat sich das, so wie ich gehört habe, etwas verbessert."
    Sie atmete tief auf und fuhr dann fort. "Ja. Am Anfang habe ich gedacht, ich müsste mich umbringen. Die Schande wäre zu groß. Aber ich habe es nicht gemacht. Ich habe es nicht fertig gebracht. Und Oligos... mein Pflegevater... hat mir geholfen.
    Der Aufstand... natürlich hätte ich es niemals einen Fehler genannt, als die Erinnerungen an meinen Vater noch frisch waren und ich noch erwachsen war... doch je mehr ich nachdenke, desto klarer wird mir - ja, es war ein Fehler. Mein Vater hat es mir auch gesagt... dass es ein Fehler war... als die Legionäre schon unser Dorf belagerten... aber ich glaubte ihm nicht.... doch heute sehe ich, er hatte Recht. Ich meine, wir hätten weiter unmenschlich hohe Abgaben an Getreide und Nutztieren an die Römer geben müssen... doch wir wären frei."

  • Auf ihre Frage nach dem Apfel antwortete ich gedankenverloren: „Ja, nimm dir einen.“ Nachfolgend sprach ich die mich beschäftigenden Gedanken aus. „Wie kommt es nur, dass ein griechischer Sklave derart gebildet ist? In Rom gibt es Mädchen aus bürgerlichem Hause, die nicht einmal schreiben können.
    Es ist von außerordentlichem Vorteil, dass du so gebildet bist. Ich könnte dich als Begleitung in die nobelsten Gesellschaften mitnehmen. Welche sonstigen Wissenschaften hast du eigentlich vorhin gemeint? Bist du medizinisch gebildet? Und wie sieht es mit deiner Kleidung aus? Die müsste dann natürlich auch passend sein. Man soll schon sehen, dass du eine Sklavin aus patrizischem Hause bist. Mal sehen, vielleicht werde ich dich sogar fördern.“


    Das war ja insgesamt überraschend. ‚Ich werde wohl öfters die aurelischen Sklaven zum Einkaufen schicken’, dachte ich mit großer Zufriedenheit.

  • Aintzane nahm einen Apfel, biss hinein, kaute und schluckte.
    "Oligos war Ahalas Schreiber und der Pädagoge seiner Kinder. Mich hat er auch unterrichtet - Ahala hat es ihm erlaubt. Ich sollte später als Schreiberin nachfolgen, wenn Oligos stirbt... oder um einen guten Preis verkaufen. Aber er hat mich gegen ein paar Sesterzen verspielt. Ironie des Schicksals - so nennt ihr Römer das, glaube ich."
    Bei Deandras nächster Ankündigung wurde sie leicht aufgeregt. "Feine römische Gesellschaft...?" Dann beherrschte sie sich wieder. "Es wäre mir eine Ehre, den Noblen von Italien zu begegnen.", meinte sie charmant.
    "Ja... ich bin unterwiesen in allen...", sie rang nach dem Wort "Anschauungen", aber es fiel ihr momentan nicht ein, "Arten der Philosophie, von Thales von Milet bis zu Epikur und Zenon. Ich bin auch mit der Medizin etwas vertraut, aber ich denke nicht, dass ich jetzt schwerere körperliche Verletzungen hinbekommen kann... aber natürlich kann ich lernen. Ich kann auch etwas Mathematik, obwohl ich wahrhaft kein Genie darin bin... und ein wenig Geschichte und Geografie. Aber nicht bis zur Perfektion, nur die Grundlagen.", zählte sie auf, was ihr Lehrer ihr im Laufe von 14 langen Jahren beigebracht hatte.
    "Und, ich bin keine Gegnerin von hübschen Kleidern!", meinte sie, halb erfreut, halb überrascht, dass ihr dieses Angebot gemacht wurde.
    "Fördern...?", meinte sie jetzt komplett erstaunt. Sie hatte das Gefühl, dass ihr die Glücksgöttin wohl wirklich hold gewesen war. "Ähm, nichts wäre mir lieber!", rief sie.

  • Ich musste schmunzeln, als Aintzanes Augen plötzlich zu leuchten begannen, als ich von der gehobenen Gesellschaft gesprochen hatte. Ich wiegte den Kopf


    „Hin und wieder wird sich das wohl ergeben, aber natürlich besteht mein Leben nicht daraus, von Bankett zu Festmahl und von dort zu Spielen und Ehrungen zu gehen. Wir haben auch Alltag und der bedeutet, dass ich ein Gestüt zu leiten habe und das Training der Pferde und Lenker der Aurata zu überwachen habe. Kennst du dich mit Pferden aus?“ Der Gedanke kam unvermittelt und so sprach ich ihn gleich an.


    Besonders lustig fand ich dann aber ihre Äußerung wegen der Kleider und dass sie keine Gegnerin hübscher Sachen sei. Ich lachte amüsiert auf, schaute mich aber sogleich sorgfältig um. Ich hatte ja keinerlei Ahnung, ob meine spontane Art in der Claudia auf Gegenliebe stoßen würde. Oft hatte mein Vater die Stirn gerunzelt, wenn seine Tochter weniger zurückhaltend, weniger korrekt und manierlich aufgetreten war. Mein Vater … Ich seufzte. Nun galt er nicht mehr als mein Vater.
    Auf jeden Fall saß mir doch tatsächlich ein kluges Köpfchen gegenüber, was mich freute.


    „Es wird mir eine Freude sein, dich nett einzukleiden. Ich habe genug Geld und ich umgebe mich gern mit schönen Sachen. Daher solltest du als meine Sklavin, meine Begleiterin, auch angemessen gekleidet sein. Es ist dir zudem gestattet, dich gegenüber fremden Sklaven, ja Peregrini durchaus erhaben, ich will nicht sagen hochnäsig zu zeigen. Du bist Sklavin einer der angesehensten Familien im Reich, das kann dir jederzeit bewusst sein.“


    Ich legte meinen Finger auf den Mund. Das war ein Zeichen meiner Überlegungen, die ich gerade traf. Dann hatte ich einen Entschluss gefasst.


    „Wir werden in absehbarer Zeit zurück nach Rom reisen, um den dortigen Märkten einen Besuch abzustatten. Mantua bietet nicht so viel. Ich werde morgen also das Training der Pferde anschieben. Du könntest mir bei der Getreideplanung helfen. Ja, so machen wir das. Hast du noch Fragen?“

  • Pferde? "Ähm, ich mag Pferde, und ich denke auch, dass ich mit ihnen umgehen kann.", verkündete sie vorsichtig.
    Dann sagte sie: "Das eine oder andere Mal habe ich mich schon um die Pferde in den Ställen gekümmert - aber meine explizite Aufgabe war das nie. Natürlich kann ich lernen.", fügte sie rasch hinzu.
    Bei der nächsten Ankündigung zogen sich Aintzanes Mundwinkel nach oben und sie lächelte.
    "Nett ankleiden... ich war noch nie so schön wie die Römerinnen angezogen... und dich begleiten? Natürlich mache ich das, gerne!" Oligos hatte immer gesagt, man sollte den Herren von Zeit zu Zeit andeuten, dass man alles aus freiem Willen macht. So vermeidet man es, in seelische Krankheit und Verzweiflung zu stürzen.
    "Hochnäsig gegenüber Peregrini? Nun, danke für die Erlaubnis..." Sie selber dachte nicht, dass sie von dieser Erlaubnis exzessiv Gebrauch machen würde - nur gegenüber denen, die es verdient hätten.
    "Also. Nach Rom zurückreisen... bei den Märkten einkaufen... Pferde trainieren... Getreideplanung... das geht in Ordnung, kein Problem.
    Und ich denke schon, dass ich noch Fragen habe. Die Factio Aurata - ich habe davon schon gehört, aber nichts Deutliches und Defintives... könntest du mir bitte etwas davon erzählen, damit ich mir ein Bild davon machen kann?
    Und mit welchen Aufgaben könnte ich von nun an rechnen?"

  • „Du möchtest etwas über die Factio Aurata wissen?“, fragte ich erstaunt und mit großen Augen. Aber sogleich musste ich wieder schmunzeln. Dieses außergewöhnliche Interesse und wie unbedenklich sie ihre Fragen stelle … Es musste wohl daran liegen, weil Aintzane nicht von Geburt an Sklavin war.


    „Nun ja, in der Factio sind ehrenwerte Römer organisiert: Zwei Legaten, ein Präfekt, ein Tribun, diverse Angestellte des Kaiserhauses, Duumviri usw. Vornehmlich Decima und Aurelia füllen die Reihen dieses Rennsportvereins. Es gibt zwei namhafte Gestüte – der Zuchtbetrieb Decima und der unsere, der der Aurelia. Tja, eigentlich bin ich ja keine Aurelia mehr, habe aber meinen Zuchtbetrieb mitgenommen. Nun bin ich eine Claudia … dennoch ist es angedacht, dass meine Pferde für die Aurata starten. Zumindest so lange, bis mein neuer Vater mir das verbietet. Ich bin selbst noch dabei, mich mit den Umstürzen zurechtzufinden, daher wundere dich nicht, wenn vieles unklar ist.“


    Ich selbst blickte ja nicht einmal so richtig durch.


    „Kochen, sagst du, kannst du nicht so gut?“, fragte ich noch einmal nach. Nichts, dass es nötig wäre, aber ich wollte sicher gehen, es richtig verstanden zu haben.

  • "Ach ja. Jetzt weiß ich, worum es geht... Danke für die Information.
    Und kochen... hm... das ist keine nette Geschichte. Einmal habe ich mitgekocht, und ich habe alles falsch gemacht, was man beim Kochen nur falsch machen kann. Da hat mich die Frau Ahalas ausgepeitscht..." Es war das einzige Mal, dass man sie wirklich fest ausgepeitscht hatte. "Dann hat man mich nie wieder in die Küche gestellt. Die Küchenmeisterin sagte, ich wäre... unverbesserlich, das war das Wort, das sie verwendete. Ich fürchte einfach, ich bin nicht zum Kochen geboren."

  • „Gut, dann lassen wir das“, erwiderte ich schmunzelnd. „Deine Aufgabe wird es aber unter anderem sein, Besucher an der Tür zu empfangen. Du hast ein angenehmes Äußeres, weißt dich auszudrücken und bist gescheit. Das passt also wunderbar. Frage zunächst jeden Besucher nach seinem Begehr. Bettler werden abgewiesen, Familienmitglieder natürlich sofort eingelassen und nach ihren Wünschen befragt, noble Gäste werden ins Tablinum oder Atrium geführt, ein Getränk zur Erfrischung angeboten und der jeweilig gewünschten Gesprächspartner benachrichtigt.
    Du musst aber nicht jedem Gesprächswunsch eines Plebejer nachkommen. Verlasse dich einfach auf dein Gespür, ob das Anliegen seriös ist. Anfangs werden dir sicher andere Sklaven zur Seite stehen, wobei diese Aufgabe natürlich nicht nur auf die Villa Claudia in Mantua beschränkt ist. Sind wir in Rom, gilt diese Aufgabe ebenso wie wenn wir in den aurelischen Villen weilen. Meinst du, das bekommst du hin?“

  • "Besucher an der Tür... na schön."
    Bei ihrer nächsten Bemerkung lächelte sie beschämt. "Ähm... danke.", murmelte sie.
    "Ja, alles verstanden. Aber eines verstehe ich nicht... Plebejer kann ich abweisen, Patrizier aber nicht? Und noch etwas... du hast gesagt, wie gehen bald nach Rom. Wann denn?"

  • Ich legte die Hand an das Kinn, äußerte ein „Hm“ und nahm selbige mit einem Schmunzeln wieder fort. „Also nicht falsch verstehen … Natürlich darf nicht jeder Plebejer abgewiesen werden. Bei den Göttern, nein! Wie es die Claudia hält, weiß ich leider noch nicht zu sagen, aber die Aurelier haben im Besonderen mit der Gens Annaea und vor allem der Gens Decima sehr enge Kontakte gepflegt. Beides sind vorbildlich traditionelle Familien. Was ich vorhin sagen wollte … Patrizier, Senatoren und Magistrate sind selbstverständlich auf das höflichste zu empfangen, aber beim normalen Bürger ist es mitunter notwendig zu differenzieren. In jenen Fällen wirst du mit der Zeit ein Gefühl dafür entwickeln, wer vielleicht unbedeutend und arm, aber als zukünftiger Klient an die Türe klopft und sehr wohl nett empfangen werden soll, und wer vielleicht nur irgendwelche Waren an den Mann bringen will und daher – vielleicht am besten vor der Türe warten soll. Im Zweifel hole einen der Familie hinzu.“


    Mit einem Nicken und gleichzeitigem fragendem Gesichtsausdruck forschte ich bei Aintzane nach, ob diese Erklärungen nun deutlicher waren und von ihr verstanden wurden.


    „Was Rom betrifft, werden wir wohl bereits in ein paar Tagen aufbrechen. Halte dich in jedem Fall bereit und trage auch Sorge, dass alles für die Reise vorbereitet ist. Ansonsten war es das für heute. Du kannst dir die letzten Stunden des Tages frei nehmen. Wecke mich dann morgen um die siebte Stunde.“


    Sim-Off:

    Unser Thread liegt zeitlich zurück. Mit Assindius habe ich bereits ausgespielt, dass wir sofort nach Rom abreisen, weil ein Pferd verletzt ist. Irgendwie muss ich euch zusammenbringen und deswegen überspringen wir einen Teil. Es geht bereits jetzt hier weiter.

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